ko 'yam ātmeti vayam upāsmahe | kataraḥ sa ātmā | yena vā paśyati yena vā śṛṇoti yena vā gandhān ājighrati yena vā vācaṃ vyākaroti yena vā svādu cāsvādu ca vijānāti | yad etad hṛdayaṃ manaś caitat saṃjñānam ājñānaṃ vijñānaṃ prajñānaṃ medhā dṛṣṭir dhṛtir matir manīṣā jūtiḥ smṛtiḥ saṃkalpaḥ kratur asuḥ kāmo vaśa iti | sarvāṇy evaitāni prajñānasya nāmadheyāni bhavanti | eṣa brahmaiṣa indra eṣa prajāpatir ete sarve devā imāni ca pañca mahābhūtāni pṛthivī vāyur ākāśa āpo jyotīṃṣīty etāny imāni ca kṣudramiśrāṇīva bījāni itarāṇi cetarāṇi cāṇḍajāni ca jārujāni ca svedajāni codbhijjāni cāśvā gāvaḥ puruṣā hastino yat kiṃcedaṃ prāṇi jaṅgamaṃ ca patatri ca yac ca sthāvaraṃ sarvaṃ tat prajñānetraṃ prajñāne pratiṣṭhitaṃ prajñānetro lokaḥ prajñā pratiṣṭhā prajñānaṃ brahma | sa etena prajñenātmanāsmāl lokād utkramyāmuṣmin svarge loke sarvān kāmān āptvāmṛtaḥ samabhavat samabhavat || ity aitareye dvitīyāraṇyake ṣaṣṭho 'dhyāyaḥ ||
'Wer ist dieser Ātman?' – so verehren wir [ihn im Nachsinnen]. Welcher von beiden ist der Ātman: der, wodurch man sieht, oder der, wodurch man hört, oder der, wodurch man Gerüche wahrnimmt, oder der, wodurch man die Rede artikuliert, oder der, wodurch man Süßes und Nicht-Süßes unterscheidet? [Es ist] dieses Herz und dieses Denken (Manas) – das Wahrnehmen, das Erkennen, das Unterscheidungsvermögen, die Einsicht (prajñāna), die Klugheit, die Anschauung, die Standhaftigkeit, das Meinen, die Nachsinnung, der Antrieb, das Erinnern, der Entschluss, die Tatkraft, der Lebenshauch, das Verlangen, der Wille – all dies sind eben Namen des Erkenntnisvermögens. Dieses ist Brahman, dieses ist Indra, dieses ist Prajāpati; dieses sind alle Götter, und diese fünf großen Elemente – Erde, Wind, Luftraum, Wasser, Gestirne –, und diese und jene kleinen, gleichsam vermischten [Wesen] wie Samenkörner, und die anderen [Geschöpfe]: die Eigeborenen, die Keimgeborenen, die Schweißgeborenen, die Sprossgeborenen – Pferde, Rinder, Menschen, Elefanten, was immer hier lebt und sich bewegt und fliegt, und was unbeweglich ist – all das hat das Erkenntnisvermögen zum Auge, ist im Erkenntnisvermögen gegründet; das Erkenntnisvermögen hat die Welt zum Auge, das Erkenntnisvermögen ist der Grund: Erkenntnisvermögen ist Brahman. Er, der so, mit diesem erkenntnishaften Selbst, aus dieser Welt emporsteigt, erlangt in jener Himmelswelt alle Wünsche und wird unsterblich – ja, unsterblich. — So endet im Aitareya-Āraṇyaka, im zweiten Āraṇyaka, der sechste Adhyāya.
Wort für Wort
- ko 'yam ātmeti vayam upāsmahe
- 'wer ist dieser Ātman?' – so verehren wir ihn
- yena vā paśyati...yena vā vācaṃ vyākaroti
- der, wodurch man sieht ... wodurch man die Rede artikuliert
- hṛdayaṃ manaḥ
- Herz und Denken
- saṃjñānam ājñānaṃ vijñānaṃ prajñānam
- Wahrnehmen, Erkennen, Unterscheidungsvermögen, Einsicht
- medhā dṛṣṭir dhṛtir matir manīṣā jūtiḥ smṛtiḥ saṃkalpaḥ kratur asuḥ kāmo vaśaḥ
- Klugheit, Anschauung, Standhaftigkeit, Meinen, Nachsinnung, Antrieb, Erinnern, Entschluss, Tatkraft, Lebenshauch, Verlangen, Wille
- sarvāṇy evaitāni prajñānasya nāmadheyāni
- all dies sind Namen des Erkenntnisvermögens
- eṣa brahmaiṣa indra eṣa prajāpatiḥ
- dieses ist Brahman, Indra, Prajāpati
- pañca mahābhūtāni pṛthivī vāyur ākāśa āpo jyotīṃṣi
- die fünf großen Elemente: Erde, Wind, Luftraum, Wasser, Gestirne
- āṇḍajāni jārujāni svedajāny udbhijjāni
- die Eigeborenen, Keimgeborenen, Schweißgeborenen, Sprossgeborenen
- sarvaṃ tat prajñānetram prajñāne pratiṣṭhitam
- all das hat das Erkenntnisvermögen zum Auge, ist darin gegründet
- prajñānetro lokaḥ prajñā pratiṣṭhā prajñānaṃ brahma
- das Erkenntnisvermögen ist der Welt Auge, ihr Grund: Erkenntnis ist Brahman
- sarvān kāmān āptvāmṛtaḥ samabhavat
- erlangte alle Wünsche und wurde unsterblich