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Aitareya-Āraṇyaka

Kapitel 15: aitareyāraṇyakam · caturthāraṇyakam Buch 4: Eine Indra-Hymne als vollständiges Śastra (AiĀ 4)

BUCH 4 (viertes Āraṇyaka) ist das mit Abstand kürzeste der fünf Bücher: es besteht, ohne jede Prosa-Erläuterung, allein aus einer einzigen, elfversigen Indra-Hymne im Stil eines Śastra-/Nivid-Anrufs (Bitte um Beistand, Reichtum, Heldenkraft, Sieg über Feinde, abschließender formelhafter Anruf-Refrain an Agni, Indra, Viṣṇu, Pūṣan und alle Götter). Dies ist die einzige Stelle im gesamten bisher übersetzten Aitareya-Āraṇyaka, an der ein ganzes Buch nur aus gebundener Vers-Rezitation ohne begleitende Deutungsprosa besteht – vermutlich, weil es sich um eine unmittelbar aus der Ṛgveda-Saṃhitā-Rezitationspraxis übernommene Anhangs-Hymne handelt, die im Rahmen des Mahāvrata- oder eines verwandten Rituals als Ergänzung vorgetragen wird, ohne dass das Āraṇyaka selbst ihr eine esoterische Deutung hinzufügt. Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet; der Quelltext dieses knappen Buches zeigt in der vorliegenden gescannten Druckausgabe deutliche Anzeichen starker Verkürzung bzw. OCR-Unschärfe (Vers 2 und 9 besonders betroffen), so dass mehrere Verse trotz Analyse mit [?]/[Anm.] markiert bleiben.

atha caturthāraṇyakam || vidā maghavan vidā gātum anu śaṃsiṣo diśaḥ | śikṣā śacīnāṃ pate pūrvīṇāṃ purūvaso || 1 || ābhiṣṭum abhiṣṭibhiḥ pra cema pra cetaya | indra hvaryāya na iṣa evā hi śakraḥ || 2 || rāye vājāya vajrivaḥ śaviṣṭha vajrinn ṛñjase | maṃhiṣṭha vajrinn ṛñjase ā yāhi piba matsva || 3 || vidā rāyaḥ suvīryaṃ bhuvo vājānāṃ patir vaśāṃ anu | maṃhiṣṭha vajrinn ṛñjase yaḥ śaviṣṭhaḥ śūrāṇām || 4 || yo maṃhiṣṭho maghonāṃ cikitvo abhi no naya | indro vide tam u stuṣe vaśī hi śakraḥ || 5 || tam ūtaye havāmahe jetāram aparājitam | sa naḥ parṣad ati dviṣaḥ kratucchanda ṛtaṃ bṛhat || 6 || indraṃ dhanasya sātaye havāmahe jetāram aparājitam | sa naḥ parṣad ati dviṣaḥ sa naḥ parṣad ati svadhaḥ || 7 || pūrvasya yat te adrivaḥ sumna ā dhehi no vaso | pūrtiḥ śaviṣṭha śasyata īśe hi śakraḥ || 8 || samanyeṣu bravāvahai śūro yo goṣu gacchati sakhā suśevo adryāḥ || 9 || evā hy evaivā hy agnim || evā hy evaivā hīndrā || evā hy evaivā hi viṣṇā u || evā hy evaivā hi pūṣān || evā hy evaivā hi devāḥ || 10 || evā hi śakro vaśī hi śakro vaśāṃ anu | ā yo manyāma manyava upo manyāya manyave | upehi viśvadha || 11 || vidā maghavan vido3m || ity aitareyāraṇyake caturthāraṇyaṃ samāptam ||

Nun das vierte Āraṇyaka. [Es besteht, ohne weitere Prosa-Erläuterung, allein aus dieser einen, elfversigen Indra-Hymne, die als vollständiges Śastra/Nivid-Stück rezitiert wird:] 1. Wisse es, o Gabenreicher, wisse den Weg; du hast uns die [rechten] Richtungen verkündet. Gewähre [Beistand], Herr der vielen früheren Kraftakte, du Vielbesitzender. 2. Den mit Beiständen Ausgezeichneten [Indra] lass uns anrufen, mache [uns dabei] kundig; Indra, [gib] uns Kraft zu unserem Anruf – denn so bist du der Mächtige [Anm.: Vers textkritisch unsicher]. 3. Zu Reichtum, zu Beutegut, o Keulenträger, du Stärkster, Keulenträger, dich anzustacheln; du Freigebigster, Keulenträger, dich anzustacheln – komm her, trink, berausche dich! 4. Verschaffe [uns] Reichtum, Heldenkraft; werde der Herr der Beutegüter, uns gefügig; du Freigebigster, Keulenträger, dich anzustacheln, der du der Stärkste der Helden bist. 5. Der du der Freigebigste der Gabenreichen bist, du Kundiger, führe uns [zum Ziel]; Indra ist [uns wohl]bekannt – ihn preise ich, denn der Mächtige ist [uns] gebietend. 6. Ihn rufen wir zur Hilfe an, den Sieger, den Unbesiegten; er möge uns über die Feindschaften hinübertragen, er, dessen Wille [selbst schon] Vers ist, [der] hohe Wahrheit [verkörpert]. 7. Indra rufen wir zur Erlangung von Reichtum an, den Sieger, den Unbesiegten; er möge uns über die Feindschaften hinübertragen, er möge uns über [alle Widrigkeiten] gemäß seiner Eigenmacht hinübertragen. 8. Was von deiner früheren Gunst, o Herr des [Preß-]Steins, [übrig ist], gewähre sie uns, o Gütiger; die Erfüllung [unserer Bitte], du Stärkster, wird gepriesen, denn der Mächtige gebietet. 9. Bei den anderen [Dingen] wollen wir sprechen: der Held, der zu den Rindern geht, ein wohlgesinnter Freund des [Preß-]Steins [Anm.: Vers stark verkürzt/unsicher überliefert]. 10. [Nivid-artiger Anruf-Refrain:] So fürwahr, so eben [ist es] Agni. So fürwahr, so eben [ist es] Indra. So fürwahr, so eben [ist es] auch Viṣṇu. So fürwahr, so eben [ist es] Pūṣan. So fürwahr, so eben [sind es] die Götter [alle]. 11. So ist ja der Mächtige gebietend, denn der Mächtige [ist] gebietend, [uns] gefügig; der, den wir mit Zorn dem Zorn entgegen erachten möchten [Anm.: Vers sehr dunkel] – komm herbei, allzeit! [Schluss-Refrain, den Anfang wiederholend:] 'Wisse es, Gabenreicher – o!' — So endet das vierte Āraṇyaka im Aitareya-Āraṇyaka.

Wort für Wort
vidā maghavan vidā gātum
wisse es, Gabenreicher, wisse den Weg
śikṣā śacīnāṃ pate pūrvīṇāṃ purūvaso
gewähre, Herr der vielen Kraftakte, du Vielbesitzender
vajrivaḥ śaviṣṭha vajrinn ṛñjase
o Keulenträger, du Stärkster, dich anzustacheln
ā yāhi piba matsva
komm her, trink, berausche dich
vājānāṃ patir vaśāṃ anu
werde der Herr der Beutegüter, uns gefügig
yaḥ śaviṣṭhaḥ śūrāṇām
der du der Stärkste der Helden bist
indro vide tam u stuṣe
Indra ist bekannt, ihn preise ich
tam ūtaye havāmahe jetāram aparājitam
ihn rufen wir zur Hilfe an, den unbesiegten Sieger
sa naḥ parṣad ati dviṣaḥ
er möge uns über die Feindschaften hinübertragen
indraṃ dhanasya sātaye havāmahe
Indra rufen wir zur Erlangung von Reichtum an
pūrvasya yat te adrivaḥ sumna
was von deiner früheren Gunst, Herr des Presssteins
evā hy evaivā hy agnim...devāḥ
Nivid-Refrain: 'so eben ist es Agni/Indra/Viṣṇu/Pūṣan/die Götter'
evā hi śakro vaśī
so ist der Mächtige gebietend
upehi viśvadha
komm herbei, allzeit
vidā maghavan vido3m
'wisse es, Gabenreicher' (Schluss-Refrain, den Anfang wiederholend)
iti aitareyāraṇyake caturthāraṇyaṃ samāptam
so endet das vierte Āraṇyaka im Aitareya-Āraṇyaka

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