Kapitel 6: aitareyāraṇyakam · dvitīyāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ
Buch 2, Adhyāya 1: Uktha, Same-Kosmogonie und der Wettstreit der Sinnesvermögen (AiĀ 2,1)
Mit Adhyāya 6 (num) beginnt Buch 2 des Aitareya-Āraṇyaka (dvitīyāraṇyaka), Adhyāya 1 (8 Khaṇḍas). Buch 2 hat traditionell 7 Adhyāyas; Adhyāya 4-6 bilden darin die berühmte Aitareya-Upaniṣad (wird an ihrer Stelle mitübersetzt), während Adhyāya 1-3 und 7 eigenständigen, der Upaniṣad thematisch verwandten Inhalt bieten (Prāṇa-Lehre, Embryologie/Kosmogonie, Sinnesorgan-Symbolik). Adhyāya 1 behandelt: einen dunklen Rigveda-Rätselvers über 'drei Geschöpfe' und den Bṛhat/Pavamāna (Khaṇḍa 1); das 'Uktha' (Lobpreis) in adhidaivater (Erde/Luftraum/Himmel) und adhyātmischer (Mund/Nase/Stirn) Entsprechung, beide als 'Speise' gleichgesetzt (Khaṇḍa 2); die Same-Erzeugungskette von Prajāpati bis zum Werk (karma), mit der Etymologie irā→hiraṇmaya 'golden' (Khaṇḍa 3); den Aufstieg des Brahman/Puruṣa von den Fußspitzen (prapada) zum Haupt und die berühmte Erzählung vom Wettstreit der Sinnesvermögen (Rede, Auge, Ohr, Geist), die den Leib nacheinander verlassen, bis der Atem (prāṇa) als einziger den Leib am Leben erhält – 'Prāṇa ist das Uktha' (Khaṇḍa 4, eine Variante des auch aus Bṛhadāraṇyaka-, Chāndogya- und Kauṣītaki-Upaniṣad bekannten 'Prāṇasaṃvāda'-Motivs); Tag/Nacht als Prāṇa/Apāna und die Etymologie von satya='sat'+'ti'+'yam' (Khaṇḍa 5); die Versmaß-Körperteil-Korrespondenzen und den Rigveda-Hirten-Vers (apaśyaṃ gopām) als Prāṇa-Deutung (Khaṇḍa 6); die 'Machtentfaltungen' (vibhūti) des Puruṣa – Rede/Atem/Auge/Gehör/Geist erzeugen je ein kosmisches Paar, das ihnen als 'Vater' dient (Khaṇḍa 7); und schließlich den berühmten, mit Namen zitierten Ausspruch des Lehrers Mahidāsa Aitareya über die Wasser-Vater-Sohn-Kette und die Deutung des Puruṣa als 'Brahman-Berg' aus den fünf Sinnesvermögen, endend mit der Tod/Unsterblichkeit-Lehre des Atems (Khaṇḍa 8). Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet; mehrere dichte Wortspiel- und Etymologie-Passagen sind trotz sorgfältiger Analyse unsicher und mit [?] markiert.
eṣa panthā etat karma etad brahma etat satyam | tasmāt pramādyet tan nātīyāt | na hy anyāyan pūrve ye 'tyāyaṃsata parābabhūvuḥ | tad uktam ṛṣiṇā | prajā ha tisro atyāyamīyur anyā arkam abhito viviśre | bṛhad dha tasthau bhuvaneṣv antaḥ pavamāno harita ā viveśeti || prajā ha tisro atyāyamīyur iti yā vai tā imāḥ prajās tisro 'tyāyamāyaṃs tānīmāni vayāṃsi vajrāvagadhāś cerapādāḥ | anyā arkam abhito viviśra iti tā imāḥ prajā arkam abhito niviṣṭā imam evāgnim | bṛhad dha tasthau bhuvaneṣv antar ity ada u eva bṛhad dha bhuvaneṣv antar asāv ādityaḥ | pavamāno harita ā viveśeti vāyur eva pavamāno diśo harita āviṣṭaḥ || 1
Dies ist der Pfad, dies das Werk (karma), dies das Brahman, dies die Wahrheit. Wer hiervon abweicht, soll [den Pfad] nicht überschreiten. Denn nicht ungerecht [waren] die Früheren, die [ihn dennoch] überschritten und dabei unterlagen. Dies hat der Ṛṣi ausgesprochen: „Drei Geschöpfe sind fürwahr hinübergegangen; die anderen haben sich um den Arka herum niedergelassen. Der Bṛhat stand fürwahr im Innern der Welten; der Läuternde (pavamāna) ist in die Himmelsrichtungen eingedrungen.“ [?, Anm.: die folgende Auslegung des Rätselverses – insbesondere die Bestimmung der drei „Geschöpfe“ als Vögel „mit Blitz-Fundament und wandernden Füßen“ – bleibt in Einzelheiten unsicher.] „Drei Geschöpfe sind hinübergegangen“, so heißt es: diese Geschöpfe sind die drei Vögel, mit Blitz-Fundament und wandernden Füßen [gemeint]. „Die anderen haben sich um den Arka herum niedergelassen“ – diese Geschöpfe, um den Arka herum eingesetzt, meinen eben dieses Feuer (Agni). „Der Bṛhat stand im Innern der Welten“ – eben jener [Bṛhat], der im Innern der Welten steht, ist jene Sonne (Āditya). „Der Läuternde ist in die Himmelsrichtungen eingedrungen“ – der Wind (Vāyu) selbst, der Läuternde, ist in die Himmelsrichtungen eingedrungen.
Wort für Wort
eṣa panthāḥ, etat karma, etad brahma, etat satyam
dies ist der Pfad, das Werk, das Brahman, die Wahrheit
ukthyam ukthyam iti vai prajā vadanti tad idam evoktham iyam eva pṛthivī tato hīdaṃ sarvam uttiṣṭhati yad idaṃ kiṃca | tasyā agnir arko 'nnam aśītayo 'nnena hīdaṃ sarvam aśnute | antarikṣam evoktham antarikṣaṃ vā anu patanty antarikṣam anudhāvayanti tasya vāyur arko 'nnam aśītayo 'nnena hīdaṃ sarvam aśnute | asāv eva dyaur ukthaṃ amutaḥ pradānād dhīdaṃ sarvam uttiṣṭhati yad idaṃ kiṃca tasyāsāv ādityo 'rko 'nnam aśītayo 'nnena hīdaṃ sarvam aśnute | ity adhidaivatam | athādhyātmam | puruṣa evokthaṃ ayam eva mahān prajāpatir aham uktham asmīti vidyāt | tasya mukham evokthaṃ yathā pṛthivī tathā | tasya vāg arko 'nnam aśītayo 'nnena hīdaṃ sarvam aśnute | nāsike evokthaṃ yathāntarikṣaṃ tathā | tasya prāṇo 'rko 'nnam aśītayo 'nnena hīdaṃ sarvam aśnute | tad etad brahmasya viṣṭyaṃ yad etan nāsikāyai vinatam iva | lalāṭam evokthaṃ yathā dyaus tathā | tasya cakṣur arko 'nnam aśītayo 'nnena hīdaṃ sarvam aśnute | samānam aśītayo 'dhyātmaṃ cādhidaivataṃ cānnam evānnena hīmāni sarvāṇi bhūtāni samananti annenemaṃ lokaṃ jayaty annenāmuṃ tasmāt samānam aśītayo 'dhyātmaṃ cādhidaivataṃ cānnam eva | tad idam annam annādi yam eva pṛthivī tato hīdaṃ sarvam uttiṣṭhati yad idaṃ kiṃca | yad dhi kiṃced pretāṃ tad asau sarvam atti yad u kiṃcāta praitī tad iyaṃ sarvam atti seyam ity ādyātrī | attā ha vā ādyo bhavati | na tasyeśe yan nādyād vainaṃ nādyuḥ || 2
„Preiswürdig, preiswürdig“ (ukthyam) nennen die Geschöpfe [einen], so sagt man; eben dies ist das Uktha [das zu Preisende], eben diese Erde; denn von ihr erhebt sich alles, was immer es ist. Ihr Arka ist Agni, ihre Speise sind die Aśītayaḥ [?, Anm.: Bedeutung unsicher, vermutlich eine Verzehr-/Nahrungsbezeichnung]; durch die Speise nämlich verzehrt man dies alles. Der Luftraum ist ebenso das Uktha; im Luftraum fliegen [die Vögel], im Luftraum laufen sie ihm nach; sein Arka ist Vāyu, seine Speise sind die Aśītayaḥ; durch die Speise verzehrt man dies alles. Jener Himmel ist das Uktha; von dort her, durch das Herab-Geben, erhebt sich dies alles, was immer es ist; sein Arka ist jener Āditya, seine Speise die Aśītayaḥ; durch die Speise verzehrt man dies alles. Dies ist die Adhidaivata-Deutung [bezogen auf die Gottheiten]. Nun die Adhyātma-Deutung [bezogen auf den Leib]: der Puruṣa selbst ist das Uktha; er, der Große, ist Prajāpati; „Ich bin das Uktha“, so solle man wissen. Sein Mund ist das Uktha, entsprechend wie die Erde. Seine Rede ist der Arka, seine Speise die Aśītayaḥ; durch die Speise verzehrt man dies alles. Seine beiden Nasenlöcher sind das Uktha, entsprechend wie der Luftraum. Sein Atem ist der Arka, seine Speise die Aśītayaḥ; durch die Speise verzehrt man dies alles. Dies ist jene Kraft des Brahman [?, Anm.: unsicher], die sich gleichsam zur Nase hin neigt. Seine Stirn ist das Uktha, entsprechend wie der Himmel. Sein Auge ist der Arka, seine Speise die Aśītayaḥ; durch die Speise verzehrt man dies alles. Gleich sind die Aśītayaḥ, das Adhyātma und das Adhidaivata: nur Speise; durch Speise nämlich leben alle Wesen, durch Speise erobert man diese Welt, durch Speise jene; deshalb sind Adhyātma und Adhidaivata gleich: eben Speise. Diese Speise ist zugleich der Speise-Esser: eben diese Erde; denn von ihr erhebt sich dies alles, was immer es ist. [?, Anm.: die folgende kurze Wortspiel-Passage bleibt trotz Analyse unsicher.] Was auch immer fortgeht, das verzehrt jene [Erde] ganz; was auch immer hervorgeht, das verzehrt diese [Erde] ganz – so ist sie die Erst-Esserin. Ein Esser ist fürwahr der Erst-Esser; über ihn herrscht niemand.
Wort für Wort
ukthyam ukthyam iti prajāḥ vadanti
preiswürdig, preiswürdig, so sagen die Geschöpfe
iyam eva pṛthivī uktham
eben diese Erde ist das Uktha
tasyāḥ agniḥ arkaḥ
ihr Arka ist Agni
antarikṣam eva uktham, tasya vāyuḥ arkaḥ
der Luftraum ist das Uktha, sein Arka ist Vāyu
asau dyauḥ uktham, tasya ādityaḥ arkaḥ
jener Himmel ist das Uktha, sein Arka ist die Sonne
iti adhidaivatam, atha adhyātmam
dies ist die Adhidaivata-, nun die Adhyātma-Deutung
puruṣaḥ eva uktham, mahān prajāpatiḥ
der Puruṣa selbst ist das Uktha, der große Prajāpati
athāto retasaḥ sṛṣṭiḥ | prajāpate reto devā devānāṃ reto varṣo varṣasya reta oṣadhaya oṣadhīnāṃ reto 'nnam annasya reto retaso retaḥ prajāḥ prajānāṃ reto hṛdayaṃ hṛdayasya reto mano manaso reto vāg vāco retaḥ karma tad idaṃ karma kṛtam ayaṃ puruṣo brahmaṇo lokaḥ | sa irāmayo yad dhīrāmayas tasmād dhiraṇmayaḥ | hiraṇmayo ha vā amuṣmiḻ loke saṃbhavati hiraṇmayaḥ sarvebhyo bhūtebhyo dadṛśe ya evaṃ veda || 3
Nun ferner die Erzeugung des Samens (retas). Prajāpatis Same sind die Götter; der Götter Same ist der Regen; des Regens Same sind die Pflanzen; der Pflanzen Same ist die Speise; der Speise Same ist der Same [selbst]; des Samens Same sind die Nachkommen; der Nachkommen Same ist das Herz; des Herzens Same ist der Geist; des Geistes Same ist die Rede; der Rede Same ist das Werk (karma). Dies eben ist das vollbrachte Werk: dieser Puruṣa (Mensch) ist die Welt des Brahman. Er ist von Labung/Opfertrank [gebildet, irāmaya], und weil er dies ist, [heißt er] deshalb „golden“ (hiraṇmaya) [?, Anm.: das etymologische Wortspiel irā→hiraṇya bleibt in der genauen Ableitung unsicher, ist aber im Original klar intendiert]. Golden entsteht er fürwahr in jener Welt; golden erscheint er unter allen Wesen, wer dies so weiß.
Wort für Wort
retasaḥ sṛṣṭiḥ
die Erzeugung des Samens
prajāpateḥ retaḥ devāḥ
Prajāpatis Same sind die Götter
devānāṃ retaḥ varṣaḥ
der Götter Same ist der Regen
retasaḥ retaḥ prajāḥ
des Samens Same sind die Nachkommen
vācaḥ retaḥ karma
der Rede Same ist das Werk
ayaṃ puruṣaḥ brahmaṇaḥ lokaḥ
dieser Puruṣa ist die Welt des Brahman
irāmayaḥ, tasmāt hiraṇmayaḥ [?]
aus Labung gebildet, deshalb golden [Etymologie unsicher]
taṃ prapadābhyāṃ prāpnuyāt brahmaiva puruṣaṃ yat prapadābhyāṃ prāpnuyāt brahmaiva puruṣaṃ tasmāt prapade tasmāt prapade ity ācakṣate śaphāḥ khurā ity anyeṣāṃ paśūnām | tad ūrdhvam ud asarpat tā ūrū abhavatām | uru gṛhītīty abravīt tad udaram abhavat | urveva me kurv ity abravīt tad uro 'bhavat | udaraṃ brahmeti śārkarākṣyā upāsate hṛdayaṃ brahmety āruṇayo brahmahaiva tāḥ | ūrdhvaṃ tv evodasarpat tac chiro 'śrayata yac chiro 'śrayata tac chiro 'bhavat tac chirasaḥ śirastvam | tā etāḥ śīrṣañ chriyaḥ śritāś cakṣuḥ śrotraṃ mano vākprāṇaḥ | śrayante 'smiñ chriyo ya evam etac chirasaḥ śirastvaṃ veda | tā ahiṃsantāham ukthasmy aham ukthasmīti | tā abruvan hantāsmāc charīrād utkrāmāmeti tad yasmin naḥ prapanna idaṃ śarīram utthāsyati tad ukthaṃ bhaviṣyatīti | vāg aprāviśad aśayad eva | cakṣuḥ prāviśad aśayad eva | śrotraṃ prāviśad aśayad eva | manaḥ prāviśad aśayad eva | prāṇaḥ prāviśat tat prāṇe prapanna udatiṣṭhat tad ukthaṃ abhavat | tad etad ukthāṃ prāṇa eva | prāṇa uktham ity eva vidyāt | taṃ devā abruvaṃs tvam ukthaṃ asi tvam idaṃ sarvam asi tava vayaṃ smas tvam asmākam asīti | tad apy etad ṛṣiṇoktam | tvam asmākaṃ tava smasīti || 4
Man erreiche jenen [Puruṣa] durch die beiden Fußspitzen: Brahman selbst ist der Puruṣa. Weil man durch die beiden Fußspitzen Brahman selbst, den Puruṣa, erreicht, deshalb nennt man sie „prapada“ [„Vorderfuß“] – „Hufe“ bei anderen Tieren [dagegen] nennt man dies. Von dort kroch es [der Lebensfunke] aufwärts; da entstanden die beiden Schenkel. „Ergreife die Weite (uru)!“, sprach es; da entstand der Bauch. „Mache mir Weite!“, sprach es; da entstand die Brust. Den Bauch als Brahman verehren die Śārkarākṣyas; das Herz als Brahman [verehren] die Āruṇis – beides ist ja Brahman. Aufwärts aber kroch es weiter und stützte sich auf das Haupt; weil es sich auf das Haupt stützte, wurde es zum Haupt; das ist die Haupt-Eigenschaft des Hauptes. Diese Herrlichkeiten nun, die im Haupt angesiedelt sind: Auge, Ohr, Geist, Rede, Atem – in diesem [Haupt] siedeln sich die Herrlichkeiten an, wer so diese Haupt-Eigenschaft des Hauptes kennt. Diese [Sinnesvermögen] sprachen, ohne [einander] zu schaden [?]: „Ich bin das Uktha, ich bin das Uktha.“ Sie sprachen dann: „Wohlan, lasst uns aus diesem Leib heraustreten“; und [beschlossen]: „Dasjenige, worin wir eingegangen sind [und wodurch] dieser Leib sich [wieder] erheben wird, das wird das Uktha sein.“ Die Rede trat heraus – der Leib lag nur da. Das Auge trat heraus – der Leib lag nur da. Das Ohr trat heraus – der Leib lag nur da. Der Geist trat heraus – der Leib lag nur da. Der Atem [wollte] heraustreten – da, als [alle Kräfte] im Atem eingegangen waren, erhob sich [der Leib wieder]; das wurde das Uktha. Dieses Uktha eben ist der Atem selbst. „Der Atem ist das Uktha“ – so solle man wissen. Zu ihm sprachen die Götter: „Du bist das Uktha, du bist dies alles; dir gehören wir, du gehörst uns.“ Dies eben hat auch der Ṛṣi ausgesprochen: „Du [gehörst] uns, dir gehören wir.“
taṃ devāḥ prāṇayanta sa praṇītaḥ prātāyata prātāyītī tat prātar abhavat samāgādi tit tat sāyam abhavad ahar eva prāṇo rātrir apānaḥ | vāg agniś caturasāv ādityaś candramā manaḥ diśaḥ śrotraṃ sa eṣa prahitāṃ saṃyogo 'dhyātmam imā devatā ada u āvir adhidaivatam ity etat tad uktaṃ bhavati | etad dha sma vai tad vidvān āha hiraṇyadanvaido na tasyeśe yan mahāṃ na dadyur iti prahitāṃ vā aham adhyātmaṃ saṃyogaṃ niviṣṭaṃ vedaitad dha tat | anīśānāni ha vā asmai bhūtāni baliṃ haranti ya evaṃ veda | tat satyaṃ sad iti prāṇas tīty annaṃ yam ity asāv ādityas tad etat trivṛt trivṛd iva vai cakṣuḥ śuklaṃ kṛṣṇaṃ kanīniketi | sa yadi ha vā api mṛṣā vadati satyaṃ haivāsyoditaṃ bhavati ya evam etat satyasya satyatvaṃ veda || 5
Ihn ließen die Götter atmen; er, [so] angeleitet, wurde ausgedehnt; „er wurde ausgedehnt“ – daraus wurde „Morgen“ (prātar). „[Die Kräfte] kamen [wieder] zusammen“ – daraus wurde „Abend“ (sāyam). Der Tag selbst ist der Atem, die Nacht der Gegenatem (apāna). Die Rede ist Agni, das Auge [?, Anm.: Textstelle unsicher] ist jene Sonne, der Geist ist der Mond, das Gehör die Himmelsrichtungen – dies eben ist die gerichtete Verbindung: dies sind die Gottheiten in Bezug auf das Selbst (adhyātma), und ebenso offenkundig in Bezug auf die Gottheiten (adhidaivata) – so ist dies gemeint. Dies eben hat, so weiß man, ein Kenner ausgesprochen [?, Anm.: der folgende Ṛṣi-Zitat-Halbvers bleibt trotz Analyse unsicher]: „Nicht herrschen sie über ihn, dass sie [ihm] das Große nicht gäben“ – ich kenne fürwahr die gerichtete, im Selbst gegründete Verbindung: eben dies [ist gemeint]. Ihm bringen fürwahr machtlose Wesen Tribut dar, wer dies so weiß. „Das ist Wahrheit“ (satya) – „sat“ bedeutet Prāṇa, „tī“ [?] bedeutet Speise, „yam“ [bedeutet] jene Sonne – dies ist die dreifache [Zusammensetzung von 'sat-ya-m']; dreifach gleichsam ist auch das Auge: weiß, schwarz, Pupille. Wenn er nun auch Falsches spricht, so wird dennoch Wahres von ihm ausgesprochen, wer so diese Wahrheit der Wahrheit kennt.
Wort für Wort
taṃ devāḥ prāṇayanta
ihn ließen die Götter atmen
prātāyata, tat prātar abhavat
'er wurde ausgedehnt', daraus wurde 'Morgen'
ahar eva prāṇaḥ, rātriḥ apānaḥ
der Tag ist der Atem, die Nacht der Gegenatem
vāk agniḥ, manaḥ candramāḥ
die Rede ist Agni, der Geist der Mond
adhyātmam, adhidaivatam
in Bezug auf das Selbst, in Bezug auf die Gottheiten
anīśānāni bhūtāni baliṃ haranti
machtlose Wesen bringen Tribut dar
tat satyam: sat prāṇaḥ, tī annam, yam ādityaḥ
'satya': sat=Prāṇa, tī=Speise, yam=Sonne
trivṛt cakṣuḥ: śuklaṃ kṛṣṇaṃ kanīnikā
dreifach das Auge: weiß, schwarz, Pupille
yadi mṛṣā vadati, satyam eva uditam
spricht er auch Falsches, Wahres wird ausgesprochen
tasya vāk kīrtir nāmāni dāmāni tad asyedaṃ vācā tantyā nāmabhir dāmabhiḥ sarvaṃ sitaṃ sarvaṃ hīdaṃ nāmabhī sarvaṃ vācābhivadati | vahanti ha vā enaṃ tantisaṃbaddhā ya evaṃ veda | tasyoṣṇig lomāni tvag gāyatrī triṣṭub māṃsam anuṣṭup snāvāny asthi jagatī paṅktir majjā prāṇo bṛhatī sa chandobhiś channo yac chandobhiś channas tasmāc chandāṃsīty ācakṣate | chādayanti ha vā enaṃ chandāṃsi pāpāt karmaṇo yasyāṃ kasyāṃcid diśi kāmayate ya evam etac chandasāṃ chandastvaṃ veda | tad uktam ṛṣiṇā | apaśyaṃ gopām anipadyamānam eṣa vai gopā eṣa hīdaṃ sarvaṃ gopāyati | anipadyamānam iti na hy eṣa kadācana saṃviśati | ā ca parā ca pathibhiś carantam iti ca hy eṣa parā ca pathibhiś carati | sa sadhīcīḥ sa viṣūcīr vasāna iti sadhīcīś ca viṣūcīś ca vaste imā eva diśaḥ | ā varīvarti bhuvaneṣv antar ity eṣa hy antar bhuvaneṣv āvarīvarti | atho āvṛtāso 'vatāso na kartṛbhir iti sarvaṃ hīdaṃ prāṇenāvṛtam | so 'yam ākāśaḥ prāṇena bṛhatyā viṣṭabdhas tad yathāyam ākāśaḥ prāṇena bṛhatyā viṣṭabdha evaṃ sarvāṇi bhūtāny āpipīlikābhyaḥ prāṇena bṛhatyā viṣṭabdhānīty evaṃ vidyāt || 6
Seine [des Puruṣa/Prāṇa] Rede ist Ruhm, seine Namen sind Bande (dāman); dadurch, durch die Rede, ist ihm dies wie durch eine Schnur mit Namen und Banden alles verknüpft; denn all dies redet er durch die Namen, durch die Rede zur Gänze aus. Es tragen ihn fürwahr die durch die Schnur Verbundenen, wer dies so weiß. Seine Uṣṇih sind die Haare [?, Anm.: diese Zuordnung bleibt unsicher], seine Haut die Gāyatrī, sein Fleisch die Triṣṭubh, seine Sehnen die Anuṣṭubh, sein Knochen die Jagatī, seine Paṅkti das Mark, sein Atem die Bṛhatī: er ist von den Versmaßen bedeckt; weil er von den Versmaßen bedeckt ist, nennt man sie deshalb „Chandas“ [von chad, „bedecken“]. Es bedecken (schützen) ihn fürwahr die Versmaße vor übler Tat, in welcher Himmelsrichtung auch immer er es wünscht, wer so diese Versmaß-Eigenschaft der Versmaße kennt. Dies hat der Ṛṣi ausgesprochen: „Ich sah den Hirten, der sich niemals niederlegt“ – dieser [Prāṇa] ist ja der Hirte, denn er behütet all dies hier. „Der sich niemals niederlegt“, weil er sich niemals hinlegt. „Der herbei und hinweg auf Pfaden wandelt“, weil er hinweg und auf Pfaden wandelt. „Der die vereinten und die auseinanderstrebenden [Gewänder] trägt“ – er trägt eben die vereinten und die auseinanderstrebenden, das heißt eben diese Himmelsrichtungen. „Er kehrt sich hin und her im Innern der Welten“, denn er wendet sich im Innern der Welten hin und her. Und ferner: [?, Anm.: der folgende Vers über die 'Umhüllten, nicht unbehütet durch ihre Schöpfer' bleibt unsicher] – all dies ist ja vom Atem umhüllt. Dieser Weltraum hier ist durch den Atem mittels der Bṛhatī gestützt; so wie dieser Weltraum durch den Atem mittels der Bṛhatī gestützt ist, ebenso sind alle Wesen, bis hinab zu den Ameisen, durch den Atem mittels der Bṛhatī gestützt – so solle man wissen.
Wort für Wort
vāk kīrtiḥ, nāmāni dāmāni
die Rede ist Ruhm, die Namen sind Bande
tvak gāyatrī, māṃsam triṣṭup
die Haut ist die Gāyatrī, das Fleisch die Triṣṭubh
asthi jagatī, majjā paṅktiḥ, prāṇo bṛhatī
der Knochen die Jagatī, das Mark die Paṅkti, der Atem die Bṛhatī
chandobhiḥ channaḥ
er ist von den Versmaßen bedeckt
apaśyaṃ gopām anipadyamānam
ich sah den Hirten, der sich niemals niederlegt
eṣa vai gopāḥ, eṣa sarvaṃ gopāyati
dieser ist der Hirte, er behütet dies alles
sadhīcīḥ viṣūcīḥ vasānaḥ = diśaḥ
die vereinten und auseinanderstrebenden [Gewänder] = die Richtungen
ā varīvarti bhuvaneṣu antaḥ
er kehrt sich hin und her im Innern der Welten
ākāśaḥ prāṇena bṛhatyā viṣṭabdhaḥ
der Weltraum ist durch den Atem mittels der Bṛhatī gestützt
sarvāṇi bhūtāni āpipīlikābhyaḥ viṣṭabdhāni
alle Wesen, bis zu den Ameisen, sind [so] gestützt
athāto vibhūtayo 'sya puruṣasya | tasya vācā sṛṣṭau pṛthivī cāgniś cāsyām oṣadhayo jāyante 'gnir enāḥ svadayatīdam āharatedam āharatety evam etau vācaṃ pitaraṃ paricarataḥ pṛthivī cāgniś ca | yāvad anu pṛthivī yāvad anv agnis tāvān asya loko bhavati nāsya tāval loko jīryate yāvad etayor na jīryate pṛthivyāś cāgneś ca ya evam etāṃ vāco vibhūtiṃ veda | prāṇena sṛṣṭāv antarikṣaṃ ca vāyuś cāntarikṣam anu caranty antarikṣam anu śṛṇvanti vāyur asmai purayaṃ gandham āvahaty evam etau prāṇaṃ pitaraṃ paricarato 'ntarikṣaṃ ca vāyuś ca | yāvad anv antarikṣaṃ yāvad anu vāyus tāvān asya loko bhavati nāsya tāval loko jīryate yāvad etayor na jīryate 'ntarikṣasya ca vāyoś ca ya evam etāṃ prāṇasya vibhūtiṃ veda | cakṣuṣā sṛṣṭau dyauś cādityaś ca dyaur asmai vṛṣṭim annādyaṃ saṃprayacchaty ādityo 'sya jyotiḥ prakāśaṃ karoty evam etau cakṣuḥ pitaraṃ paricarato dyauś cādityaś ca | yāvad anu dyaur yāvad anv ādityas tāvān asya loko bhavati nāsya tāval loko jīryate yāvad etayor na jīryate divaś cādityasya ca ya evam etāṃ cakṣuṣo vibhūtiṃ veda | śrotreṇa sṛṣṭā diśaś ca candramāś ca digbhyo hainam āyantī digbhyo viśṛṇoti candramā asmai pūrvapaścāpaścān vicinoti purayāya karmaṇa evam ete śrotraṃ pitaraṃ paricaranti diśaś ca candramāś ca | yāvad anu diśo yāvad anu candramās tāvān asya loko bhavati nāsya tāval loko jīryate yāvad eteṣāṃ na jīryate diśāṃ ca candramasaś ca ya evam etāṃ śrotrasya vibhūtiṃ veda | manasā sṛṣṭā āpaś ca varuṇaś cāpo hāsmai śraddhāṃ saṃnamante purayāya karmaṇe varuṇo 'sya prajāṃ dharmeṇa dādhāraivam ete manaḥ pitaraṃ paricarantyāpaś ca varuṇaś ca | yāvad anv āpo yāvad anu varuṇas tāvān asya loko bhavati nāsya tāval loko jīryate yāvad eteṣāṃ na jīryate 'pāṃ ca varuṇasya ca ya evam etāṃ manaso vibhūtiṃ veda || 7
Nun ferner die Machtentfaltungen (vibhūti) dieses Puruṣa. Durch seine Rede geschaffen sind Erde und Feuer; auf ihr wachsen die Heilkräuter, Agni verwandelt sie zu Genussgut, indem [er spricht]: „bring dies her, bring dies her“ – so dienen ihm Erde und Feuer als Vater, indem sie der Rede aufwarten. Solange die Erde, solange Agni bestehen, so lange währt seine Welt; seine Welt vergeht nicht, solange diese beiden nicht vergehen – für den, der so diese Machtentfaltung der Rede kennt. Durch den Atem geschaffen sind Luftraum und Wind; sie bewegen sich entlang dem Luftraum, sie hören entlang dem Luftraum, der Wind bringt ihm vorausgehenden Duft zu – so dienen ihm Luftraum und Wind als Vater, indem sie dem Atem aufwarten. Solange der Luftraum, solange der Wind bestehen, so lange währt seine Welt; seine Welt vergeht nicht, solange diese beiden nicht vergehen – für den, der so diese Machtentfaltung des Atems kennt. Durch das Auge geschaffen sind Himmel und Sonne; der Himmel spendet ihm Regen und Speise, die Sonne bewirkt ihm Licht und Helligkeit – so dienen ihm Himmel und Sonne als Vater, indem sie dem Auge aufwarten. Solange der Himmel, solange die Sonne bestehen, so lange währt seine Welt; seine Welt vergeht nicht, solange diese beiden nicht vergehen – für den, der so diese Machtentfaltung des Auges kennt. Durch das Gehör geschaffen sind die Himmelsrichtungen und der Mond; von den Richtungen her kommt es zu ihm, aus den Richtungen hört er heraus, der Mond unterscheidet ihm [die Zeiten] vorwärts und rückwärts zum vorausgehenden Wirken – so dienen ihm die Richtungen und der Mond als Vater, indem sie dem Gehör aufwarten. Solange die Richtungen, solange der Mond bestehen, so lange währt seine Welt; seine Welt vergeht nicht, solange diese beiden nicht vergehen – für den, der so diese Machtentfaltung des Gehörs kennt. Durch den Geist geschaffen sind die Wasser und Varuṇa; die Wasser neigen sich ihm im Vertrauen zum vorausgehenden Wirken zu, Varuṇa erhält ihm durch die kosmische Ordnung (dharma) seine Nachkommenschaft – so dienen ihm die Wasser und Varuṇa als Vater, indem sie dem Geist aufwarten. Solange die Wasser, solange Varuṇa bestehen, so lange währt seine Welt; seine Welt vergeht nicht, solange diese beiden nicht vergehen – für den, der so diese Machtentfaltung des Geistes kennt.
Wort für Wort
vibhūtayaḥ asya puruṣasya
die Machtentfaltungen dieses Puruṣa
vācā sṛṣṭau pṛthivī ca agniḥ ca
durch die Rede geschaffen sind Erde und Feuer
prāṇena sṛṣṭau antarikṣaṃ ca vāyuḥ ca
durch den Atem geschaffen sind Luftraum und Wind
cakṣuṣā sṛṣṭau dyauḥ ca ādityaḥ ca
durch das Auge geschaffen sind Himmel und Sonne
śrotreṇa sṛṣṭāḥ diśaḥ ca candramāḥ ca
durch das Gehör geschaffen sind die Richtungen und der Mond
manasā sṛṣṭau āpaḥ ca varuṇaḥ ca
durch den Geist geschaffen sind die Wasser und Varuṇa
pitaraṃ paricarataḥ
sie dienen [ihm] als Vater
yāvad etayor na jīryate, tāval lokaḥ
solange diese beiden nicht vergehen, so lange währt die Welt
āpaḥ ity āpa iti tad idam āpa evedaṃ vai mūlam adas tūlam ayaṃ pitā ete putrā yatra ha kva ca putrasya tat pitur yatra vā pitus tā putrasyety etat tad uktaṃ bhavati | etad dha sma vai tad vidvān āha mahidāsa aitareya āhaṃ māṃ devebhyo vedo mahad evān vedaitaḥ pradānād dhy eta itaḥ saṃbhṛtā iti | sa eṣa giriś cakṣuḥ śrotraṃ mano vākprāṇas taṃ brahmagirir ity ācakṣate | girati ha vai dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyaṃ parāsya dviṣan pāpmā bhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda | sa eṣo 'suḥ sa eṣa prāṇaḥ sa eṣa bhūtiś cābhūtiś ca | taṃ bhūtir iti devā upāsāñcakrire te bhūvas tasmād yāpy etarhi subho bhūr bhur ity eva praśvasiti | abhūtir ity asurās te ha parābabhūvuḥ | bhavaty ātmanā parāsya dviṣan pāpmā bhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda | sa eṣa mṛtyuś caivāmṛtaṃ ca | tad uktam ṛṣiṇā | āpāṅgāḍ eti svadhayā gṛhīta ity apānena hy ayaṃ yataḥ prāṇo na parāṅ bhavati | amṛtyo martyenā sayonir ity etena hīdaṃ sarvaṃ sayoni martyāni hīmāni śarīrāṇi amṛtaiṣā devatā | tā śaśvatā viṣūcīnā viyantā nyanyaṃ cikyur na cikyur anyam iti nicinvanti haivemāni śarīrāṇi amṛtaivaiṣā devatā | amṛto ha vā amuṣmiḻ loke saṃbhavaty amṛtaḥ sarvebhyo bhūtebhyo dadṛśe ya evaṃ veda ya evaṃ veda || 8 || ity aitareye dvitīyāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ ||
„Wasser, Wasser“ (āpaḥ) – so [nennt man] eben dies: Wasser fürwahr ist die Wurzel hier, die Krone/Blüte dort; dieser [Same-Geber] ist der Vater, jene [Wesen] die Söhne; wo immer und wie auch immer gilt: das gehört dem Vater des Sohnes, oder [vielmehr]: das gehört dem Sohn des Vaters – so ist dies gemeint. Dies eben hat, wie man weiß, ein Kenner ausgesprochen, Mahidāsa Aitareya: „Ich weiß mich [entstanden] von den Göttern her; ich kenne mich als aus großer Gabe hierher gebracht, von hierher zusammengetragen.“ Er, [der Puruṣa, ist] dieser „Berg“ aus Auge, Ohr, Geist, Rede und Atem; man nennt ihn den „Brahman-Berg“. Er „verschlingt“ (girati) fürwahr den hassenden Übeltäter, den Rivalen; zurückgeworfen wird sein hassender Übeltäter, sein Rivale, wer dies so weiß. Er ist der Lebensodem, er ist der Atem, er ist zugleich das Gedeihen und das Nicht-Gedeihen. Ihn als „Gedeihen“ verehrten die Götter; sie wurden dadurch zu „Bhū“ [wesenhaft, gedeihend]; deshalb atmet man auch jetzt noch beim Gelingen [aus] mit „bhūr, bhur“. Als „Nicht-Gedeihen“ [verehrten ihn] die Asuras; sie wurden zurückgeworfen. Sein hassender Übeltäter, sein Rivale, wird von selbst zurückgeworfen, wer dies so weiß. Er ist zugleich der Tod und die Unsterblichkeit. Dies hat der Ṛṣi ausgesprochen: „Er geht mit dem Ausatem hinab, von der eigenen Kraft ergriffen“ – durch den Ausatem geschieht es, dass dieser Atem nicht ganz fortgeht. „Der Unsterbliche ist mit dem Sterblichen gleichen Ursprungs“ – dadurch wird ausgedrückt, dass all dies, diese Leiber, sterblich und dennoch gleichen Ursprungs sind; unsterblich aber ist diese Gottheit [der Atem]. [?, Anm.: der folgende Satz über die 'ewig auseinanderstrebenden und vergehenden' Leiber, die 'bald den einen erkennen, bald nicht', bleibt unsicher.] So unterscheidet man diese Leiber; unsterblich aber ist eben diese Gottheit. Unsterblich fürwahr entsteht er in jener Welt; unsterblich erscheint er unter allen Wesen, wer dies so weiß, wer dies so weiß. — So endet im Aitareya-Āraṇyaka, im zweiten Āraṇyaka, der erste Adhyāya.
Wort für Wort
āpaḥ mūlam, tūlam
Wasser ist die Wurzel, die Krone/Blüte
mahidāsa aitareya āha
Mahidāsa Aitareya sprach
ahaṃ māṃ devebhyaḥ veda
ich weiß mich von den Göttern her [entstanden]
saḥ eṣa giriḥ = cakṣuḥ śrotraṃ manaḥ vākprāṇaḥ
dieser 'Berg' = Auge, Ohr, Geist, Rede, Atem
brahmagiriḥ ity ācakṣate
man nennt ihn den Brahman-Berg
saḥ eṣaḥ asuḥ, saḥ eṣaḥ prāṇaḥ
er ist der Lebensodem, er ist der Atem
bhūtiḥ ca abhūtiḥ ca
das Gedeihen und das Nicht-Gedeihen
bhūr bhur ity praśvasiti
man atmet aus mit 'bhūr, bhur'
saḥ eṣa mṛtyuḥ ca amṛtaṃ ca
er ist zugleich Tod und Unsterblichkeit
apānena prāṇaḥ na parāṅ bhavati
durch den Ausatem geht der Atem nicht ganz fort
amṛtyaḥ martyena sayoniḥ
der Unsterbliche ist mit dem Sterblichen gleichen Ursprungs