Quellen der Menschheit

Aitareya-Āraṇyaka

Kapitel 10: aitareyāraṇyakam · dvitīyāraṇyake pañcamo 'dhyāyaḥ (aitareyopaniṣat 2) Buch 2, Adhyāya 5: Die drei Geburten des Menschen – Aitareya-Upaniṣad, 2. Kapitel (AiĀ 2,5)

Buch 2, Adhyāya 5 (1 Khaṇḍa, ohne innere Zählung überliefert) = das zweite Kapitel der Aitareya-Upaniṣad: die berühmte Lehre von den drei Geburten des Menschen (als Same/Kraft aus allen Gliedern des Vaters; als vorgeburtlich schon genährter Knabe, wodurch der Vater sein eigenes Selbst zur Fortsetzung der Welten nährt; als Wiedergeburt im eigenen Hinscheiden), belegt durch das Ṛṣi-Zitat des Vāmadeva, der noch im Mutterleib alle Geburten der Götter erkannt haben will. Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.

puruṣe ha vā ayam ādito garbho bhavati | yad etad retas tad etat sarvebhyo 'ṅgebhyas tejaḥ saṃbhūtam ātmany evātmānaṃ bibharti tad yadā striyāṃ siñcaty athainaj janayati | tad asya prathamaṃ janma | tat striyā ātmabhūyaṃ gacchati yathā svam aṅgaṃ tathā | tasmād enāṃ na hinasti | sāsyaitam ātmānam atra gataṃ bhāvayati | sā bhāvayitrī bhāvayitavyā bhavati | taṃ strī garbhaṃ bibharti so 'gra eva kumāraṃ janmano 'gre 'dhibhāvayati | sa yat kumāraṃ janmano 'gre 'dhibhāvayaty ātmānam eva tad bhāvayati saṃtataye lokānām | evaṃ saṃtatā hy amī lokāḥ | tad asya dvitīyaṃ janma | so 'syāyam ātmā puṇyebhyaḥ karmabhyaḥ pratidhīyate | athāsyāyam itara ātmā kṛtakṛtyo vayogataḥ praiti | sa itaḥ prayann eva punarjāyate | tad asya tṛtīyaṃ janma | tad uktam ṛṣiṇā | garbhe nu sann anv eṣām avedam ahaṃ devānāṃ janimāni viśvā | śataṃ mā pura āyasīr arakṣan nadha śyeno javasā nir adīyam iti | garbha evaitac chayāno vāmadeva evam uvāca | sa evaṃ vidvān asmāc charīrabhedād ūrdhva utkramyāmuṣmin svarge loke sarvān kāmān āptvāmṛtaḥ samabhavat samabhavat || ity aitareye dvitīyāraṇyake pañcamo 'dhyāyaḥ ||

Im Menschen entsteht dieser [Ātman] zunächst als Keim. Dieser Same, das ist die aus allen Gliedern zusammengeflossene Kraft (tejas); [der Mann] trägt eben das Selbst im Selbst. Wenn er ihn in die Frau ergießt, erzeugt er ihn [damit]. Das ist seine erste Geburt. Er [der Same] wird eins mit dem Selbst der Frau, wie mit ihrem eigenen Glied; darum tut er ihr kein Leid. Sie nährt dieses sein Selbst, das dort [in sie] eingegangen ist; sie, die Nährende, soll [selbst wiederum] genährt werden. Die Frau trägt den Keim; er [der Vater] nährt schon von Anfang an, [noch] vor der Geburt, den Knaben. Indem er den Knaben schon vor der Geburt nährt, nährt er eben sein eigenes Selbst, zur Fortsetzung dieser Welten – denn so werden diese Welten fortgesetzt. Das ist seine zweite Geburt. Dieses sein Selbst wird [ihm] als Stellvertreter für [künftige] verdienstvolle Werke eingesetzt. Dann aber, wenn dieses sein anderes Selbst, nachdem es seine Pflicht erfüllt hat, sein [hohes] Alter erreicht hat, hinscheidet – im Hinscheiden wird er eben wiedergeboren. Das ist seine dritte Geburt. Dazu hat der Ṛṣi [Vāmadeva] gesprochen: 'Noch im Mutterleib liegend, erkannte ich alle Geburten der Götter. Hundert eiserne Burgen hielten mich gefangen; doch wie ein Falke stürzte ich mit Kraft heraus.' Noch im Mutterleib liegend sprach Vāmadeva so. Er, der dies so weiß, steigt nach der Trennung von diesem Leib empor und wird, nachdem er in jener Himmelswelt alle Wünsche erlangt hat, unsterblich – ja, unsterblich. — So endet im Aitareya-Āraṇyaka, im zweiten Āraṇyaka, der fünfte Adhyāya.

Wort für Wort
puruṣe ha vā ayam ādito garbho bhavati
im Menschen entsteht dieser (Ātman) zunächst als Keim
retas...sarvebhyo 'ṅgebhyas tejaḥ saṃbhūtam
der Same, die aus allen Gliedern zusammengeflossene Kraft
tad asya prathamaṃ janma
das ist seine erste Geburt
strī ātmabhūyaṃ gacchati
wird eins mit dem Selbst der Frau
sā bhāvayitrī bhāvayitavyā bhavati
sie, die Nährende, soll genährt werden
tad asya dvitīyaṃ janma
das ist seine zweite Geburt
ayam ātmā puṇyebhyaḥ karmabhyaḥ pratidhīyate
dieses Selbst wird für verdienstvolle Werke eingesetzt
itaraḥ ātmā kṛtakṛtyo vayogataḥ praiti
das andere Selbst scheidet, nach erfüllter Pflicht, im Alter hin
sa itaḥ prayann eva punarjāyate
im Hinscheiden wird er wiedergeboren
tad asya tṛtīyaṃ janma
das ist seine dritte Geburt
garbhe nu sann anv eṣām avedam ahaṃ devānāṃ janimāni viśvā
noch im Mutterleib erkannte ich alle Geburten der Götter (Vāmadeva-Zitat)
śataṃ mā pura āyasīr arakṣan
hundert eiserne Burgen hielten mich gefangen
śyeno javasā nir adīyam
wie ein Falke stürzte ich mit Kraft heraus
vāmadeva evam uvāca
so sprach Vāmadeva
sarvān kāmān āptvāmṛtaḥ samabhavat
erlangte alle Wünsche und wurde unsterblich

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