puruṣe ha vā ayam ādito garbho bhavati | yad etad retas tad etat sarvebhyo 'ṅgebhyas tejaḥ saṃbhūtam ātmany evātmānaṃ bibharti tad yadā striyāṃ siñcaty athainaj janayati | tad asya prathamaṃ janma | tat striyā ātmabhūyaṃ gacchati yathā svam aṅgaṃ tathā | tasmād enāṃ na hinasti | sāsyaitam ātmānam atra gataṃ bhāvayati | sā bhāvayitrī bhāvayitavyā bhavati | taṃ strī garbhaṃ bibharti so 'gra eva kumāraṃ janmano 'gre 'dhibhāvayati | sa yat kumāraṃ janmano 'gre 'dhibhāvayaty ātmānam eva tad bhāvayati saṃtataye lokānām | evaṃ saṃtatā hy amī lokāḥ | tad asya dvitīyaṃ janma | so 'syāyam ātmā puṇyebhyaḥ karmabhyaḥ pratidhīyate | athāsyāyam itara ātmā kṛtakṛtyo vayogataḥ praiti | sa itaḥ prayann eva punarjāyate | tad asya tṛtīyaṃ janma | tad uktam ṛṣiṇā | garbhe nu sann anv eṣām avedam ahaṃ devānāṃ janimāni viśvā | śataṃ mā pura āyasīr arakṣan nadha śyeno javasā nir adīyam iti | garbha evaitac chayāno vāmadeva evam uvāca | sa evaṃ vidvān asmāc charīrabhedād ūrdhva utkramyāmuṣmin svarge loke sarvān kāmān āptvāmṛtaḥ samabhavat samabhavat || ity aitareye dvitīyāraṇyake pañcamo 'dhyāyaḥ ||
Im Menschen entsteht dieser [Ātman] zunächst als Keim. Dieser Same, das ist die aus allen Gliedern zusammengeflossene Kraft (tejas); [der Mann] trägt eben das Selbst im Selbst. Wenn er ihn in die Frau ergießt, erzeugt er ihn [damit]. Das ist seine erste Geburt. Er [der Same] wird eins mit dem Selbst der Frau, wie mit ihrem eigenen Glied; darum tut er ihr kein Leid. Sie nährt dieses sein Selbst, das dort [in sie] eingegangen ist; sie, die Nährende, soll [selbst wiederum] genährt werden. Die Frau trägt den Keim; er [der Vater] nährt schon von Anfang an, [noch] vor der Geburt, den Knaben. Indem er den Knaben schon vor der Geburt nährt, nährt er eben sein eigenes Selbst, zur Fortsetzung dieser Welten – denn so werden diese Welten fortgesetzt. Das ist seine zweite Geburt. Dieses sein Selbst wird [ihm] als Stellvertreter für [künftige] verdienstvolle Werke eingesetzt. Dann aber, wenn dieses sein anderes Selbst, nachdem es seine Pflicht erfüllt hat, sein [hohes] Alter erreicht hat, hinscheidet – im Hinscheiden wird er eben wiedergeboren. Das ist seine dritte Geburt. Dazu hat der Ṛṣi [Vāmadeva] gesprochen: 'Noch im Mutterleib liegend, erkannte ich alle Geburten der Götter. Hundert eiserne Burgen hielten mich gefangen; doch wie ein Falke stürzte ich mit Kraft heraus.' Noch im Mutterleib liegend sprach Vāmadeva so. Er, der dies so weiß, steigt nach der Trennung von diesem Leib empor und wird, nachdem er in jener Himmelswelt alle Wünsche erlangt hat, unsterblich – ja, unsterblich. — So endet im Aitareya-Āraṇyaka, im zweiten Āraṇyaka, der fünfte Adhyāya.
Wort für Wort
- puruṣe ha vā ayam ādito garbho bhavati
- im Menschen entsteht dieser (Ātman) zunächst als Keim
- retas...sarvebhyo 'ṅgebhyas tejaḥ saṃbhūtam
- der Same, die aus allen Gliedern zusammengeflossene Kraft
- tad asya prathamaṃ janma
- das ist seine erste Geburt
- strī ātmabhūyaṃ gacchati
- wird eins mit dem Selbst der Frau
- sā bhāvayitrī bhāvayitavyā bhavati
- sie, die Nährende, soll genährt werden
- tad asya dvitīyaṃ janma
- das ist seine zweite Geburt
- ayam ātmā puṇyebhyaḥ karmabhyaḥ pratidhīyate
- dieses Selbst wird für verdienstvolle Werke eingesetzt
- itaraḥ ātmā kṛtakṛtyo vayogataḥ praiti
- das andere Selbst scheidet, nach erfüllter Pflicht, im Alter hin
- sa itaḥ prayann eva punarjāyate
- im Hinscheiden wird er wiedergeboren
- tad asya tṛtīyaṃ janma
- das ist seine dritte Geburt
- garbhe nu sann anv eṣām avedam ahaṃ devānāṃ janimāni viśvā
- noch im Mutterleib erkannte ich alle Geburten der Götter (Vāmadeva-Zitat)
- śataṃ mā pura āyasīr arakṣan
- hundert eiserne Burgen hielten mich gefangen
- śyeno javasā nir adīyam
- wie ein Falke stürzte ich mit Kraft heraus
- vāmadeva evam uvāca
- so sprach Vāmadeva
- sarvān kāmān āptvāmṛtaḥ samabhavat
- erlangte alle Wünsche und wurde unsterblich