Kapitel 16: aitareyāraṇyakam · pañcamāraṇyakam · prathamo 'dhyāyaḥ
Buch 5, Adhyāya 1: Mahāvrata-Prayoga (Sāmidhenī, Stotra und Śastra-Verzeichnis)
BUCH 5 (fünftes und letztes Āraṇyaka) ist ein eigenständiges, sehr kurzes Schlussbuch von nur 3 Adhyāyas, das sich in Gattung und Stil grundlegend von den Büchern 1-4 unterscheidet: es ist im Kern ein knappes Prayoga-Handbuch (Ritual-Verzeichnis) zum Mahāvrata-Ritual, das vor allem Vers-Incipits, Sāman- und Stoma-Bezeichnungen sowie technische Rezitationsanweisungen auflistet, ohne die esoterische Deutungsprosa der vorangehenden Bücher. Adhyāya 1 (6 Khaṇḍas) behandelt Sāmidhenī-Verse, das Marutvatīya-Śastra, die Mārjālīya-Wassergefäß-Zeremonie mit begleitenden Selbstidentifikations-Formeln und Reinigungsriten sowie Camasa-Trankspenden ('idaṃ madhu' – 'dies ist Süßtrank/Soma'). Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet; wegen der außergewöhnlichen Dichte an technischen Ritual-Fachbegriffen, Vers-Kürzeln und Eigennamen sind hier mehr als sonst Passagen mit [?] markiert, wo eine sichere Zuordnung zu bekannten Ṛgveda-Stellen oder eine erschöpfende Wort-für-Wort-Analyse nicht mit Sicherheit möglich war.
atha pañcamāraṇyakam || mahāvratasya pañcaviṃśatiṃ sāmidhenyaḥ | ekaviṃśatau prāgupottamāyāḥ samidhāgnim iti catasraḥ | vaiśvakarmaṇa ṛṣabha upālambhanīya upāṃśu | ājyaprauge viśvajitaḥ | hotrāś caturviṃśāt | īḍenyantīr apasyuva iti ca brāhmaṇāc chaṃsyāv apeta prātaḥsavane tīvrasyābhivayaso asya pāhīti mādhyandine | trikadrukeṣu mahiṣo yavāśiram iti stotriyaḥ | endra yāhy upa naḥ parāvata indrāya hi dyaur asuro anamrata pro ṣv asmai purorathamity ato 'nurūpaḥ | caturviṃśān marutvatīyasyātāno 'satsu me jaritaḥ sābhivegaḥ piba somam abhi yam ugra tardaḥ kayā śubhā savayasaḥ sanīḷā marutvāṃ indra vṛṣabho raṇāya janiṣṭha ugra sahase turāyeti marutvatīyam | sthite marutvatīye hotā visaṃsthitasaṃcareṇa niṣkramyāgnīdhrīye tisra ājyāhutīr juhoty audumbareṇa sruveṇa | anu mām indro 'nu māṃ bṛhaspatir anu somo 'nu vāg devy avīt | anu māṃ mitrāvaruṇāv ihāvatām anu dyāvāpṛthivī pūrvahūtau | ādityā mā viśve avantu devāḥ sapta rājāno ya utābhiṣiktāḥ | vāyuḥ pūṣā varuṇaḥ somo agniḥ sūryo nakṣatrair avatv iha mā nu || pitaro mā viśvam idaṃ ca bhūtaṃ pṛśnimātaro marutaḥ svarkāḥ | ye agnijihvā uta vā yajatrās te no devāḥ suhavāḥ śarma yacchateti || 1 ||
Nun das fünfte Āraṇyaka. [Es beginnt mit einer knappen, listenartigen Prayoga-Anweisung zu den Sāmidhenī-Versen und weiteren Elementen des Mahāvrata-Rituals:] Des Mahāvrata [Feuerentzündungsritus bedarf es] fünfundzwanzig Sāmidhenī-Verse [?] – bei einundzwanzig [sind es] vier [Verse], beginnend 'die vorderste und die letzte' [und] 'samidhāgnim' [Anm.: technische Kurzbezeichnung/Incipit einzelner Verse, hier nicht auflösbar]. Vaiśvakarmaṇa Ṛṣabha [ist der Lehrer, dessen Lehre hier gilt für] den still [upāṃśu, leise murmelnd] zu rezitierenden Upālambhanīya-[Vers]. Beim Ājyapraüga [Vers ist es der] des Viśvajit. Von den Hotrā-[Anrufungen ausgehend] vom vierundzwanzigsten [Vers an]. 'Īḍenyantīr apasyuvaḥ' [Anm.: Incipit] sowie [ein Vers], der vom Brāhmaṇācchaṃsin zu rezitieren ist, [sollen] in der Morgen-Pressung weggelassen werden; 'tīvrasyābhivayaso asya pāhi' [gilt] in der Mittagspressung. Bei den Trikadruka-[Riten ist es der Vers] 'mahiṣo yavāśiram', der Stotriya-Vers [Begleitvers zum Sāman]. 'Endra yāhy upa naḥ parāvataḥ' [und] 'indrāya hi dyaur asuro anamrata, pro ṣv asmai purorathaṃ' – von da an ist [Letzterer] der Anurūpa-[Begleitvers, der dem Stotriya entspricht]. Vom vierundzwanzigsten [Vers] des Marutvatīya-[Śastra ab, mit den Versen] 'ātāno 'satsu me jaritaḥ sābhivegaḥ', 'piba somam abhi yam ugra tardaḥ', 'kayā śubhā savayasaḥ sanīḷāḥ', 'marutvāṃ indra vṛṣabho raṇāya janiṣṭha', 'ugra sahase turāya' – so [besteht] das Marutvatīya-[Śastra]. Wenn das Marutvatīya-[Śastra] beendet ist, tritt der Hotṛ-Priester, indem er mit unterbrochenem Schritt [aus dem Sitz] hervorgeht, in die Āgnīdhra-Feuerstätte und opfert dort mit einem Löffel aus Udumbara-Holz drei Ājya-Opferspenden [unter Rezitation]: 'Mir helfe Indra, mir helfe Bṛhaspati, mir helfe Soma, mir helfe die göttliche Vāc [Rede]. Mir mögen hier Mitra und Varuṇa helfen, mir Himmel und Erde bei der ersten Anrufung. Mich mögen die Ādityas [schützen], mich alle Götter, die sieben Könige und die, welche geweiht sind. Vāyu, Pūṣan, Varuṇa, Soma, Agni, Sūrya [und] mit den Sternbildern mögen sie mich hier nun schützen. Mich [mögen] die Väter, [mich] dies ganze Weltall, mich die Söhne der Pṛśni, die glanzvollen Maruts [schützen]. Die [Götter], deren Zunge Agni ist, oder die sonst verehrungswürdig sind, sie, die Götter, leicht anzurufen, mögen [uns] Schutz gewähren.' [Anm.: Khaṇḍa 1 ist ein dichtes, listenartiges Prayoga-Verzeichnis von Vers-Incipits (Sāmidhenī, Stotriya, Anurūpa, Marutvatīya-Śastra) des Mahāvrata-Rituals; viele der genannten Verskürzel lassen sich nicht mit letzter Sicherheit einzelnen bekannten Ṛgveda-Stellen zuordnen und bleiben daher als technische Eigennamen/Incipits stehen, ohne Anspruch auf erschöpfende Identifikation. Der Schluss ist ein feierliches Schutzgebet, das beim Ājya-Opfer nach dem Marutvatīya-Śastra rezitiert wird.]
Wort für Wort
mahāvratasya pañcaviṃśatiṃ sāmidhenyaḥ
des Mahāvrata fünfundzwanzig Sāmidhenī-Verse
vaiśvakarmaṇa ṛṣabha upālambhanīya upāṃśu
Vaiśvakarmaṇa Ṛṣabhas Lehre zum still rezitierten Upālambhanīya-Vers
stotriyaḥ ... anurūpaḥ
Stotriya-Begleitvers ... der entsprechende Anurūpa-Vers
marutvatīyam
das Marutvatīya-Śastra (Indra-mit-den-Maruts-Vortrag)
hotā ... āgnīdhrīye tisra ājyāhutīr juhoti
der Hotṛ opfert in der Āgnīdhra-Feuerstätte drei Ājya-Spenden
anu mām indro 'nu māṃ bṛhaspatiḥ
mir helfe Indra, mir helfe Bṛhaspati
ādityā mā viśve avantu devāḥ
mich mögen die Ādityas, alle Götter schützen
te no devāḥ suhavāḥ śarma yacchata
sie, die Götter, leicht anzurufen, mögen Schutz gewähren
Am südlichen Mārjālīya-[Wassergefäß werden] zehn [Ājya-Spenden aus dem] Löffel [dargebracht]; die oberste [Spende], vierfach gefasst, wird zuvor abgeschnitten und nördlich vom [südlichen] Feuer niedergelegt; von dieser Verteilung an [wird verfahren, bis] zur Mittagszeit das Mārjālīya-[Gefäß] wachgehalten wird; ist es umrundet, opfert man an der Osttür, oder an der Nordtür, oder an der Nordost-Tür. [Dabei spricht man die Selbstidentifikations-Formeln:] 'Wie Agni möge ich unangreifbar sein, wie die Erde wohlgesetzt. Wie der Luftraum unfassbar, wie der Himmel unangreifbar möge ich sein. Wie die Sonne unwidersprechlich, wie der Mond immer wieder neu-werdend möge ich sein. Wie der Geist ohnegleichen, wie der Wind zum Klang-Werdenden möge ich sein. Wie der Tag mein eigen, wie die Nacht [mir] lieb möge ich sein. Wie die Kühe immer wieder gebärend, wie ein Paar die Lichtstrahlen möge ich sein. Wie das Wasser der [Lebens-]Saft, wie die Kräuter die Gestalt möge ich sein. Wie die Speise alldurchdringend, wie das Opfer herrschend möge ich sein. Wie das Brahman [geistliche Macht] in der Welt, wie das Kṣatra [Kriegermacht] zum Glanz möge ich sein. Dass, o Agni, diese [unsere] Versammlung [gedeihe]!' Dabei [sprechen sie]: 'Teilt euch hier, [dies ist] der Weg' [Anm.: unsicher] – dreimal gehen sie, jeweils einen Vers [rezitierend]. Dabei stehend verehrt man die aufgehende Sonne; ist man [wieder] herumgekehrt, [geht man] rechtsherum im Kreis und ruft, indem man mit diesen 'Svāhā'-Rufen [begleitet]: 'Komm her, o [Soma]! Dies ist Süßtrank, dies ist Süßtrank – trink diesen scharf gepressten [Trank]! Dies ist Süßtrank, dies ist Süßtrank!' Der Anweisende befiehlt den Dienern: drei der Wasserkrüge [sollen] die untersten, sechs die obersten [sein]. Diesen [heiligen] Wasserkrug sollt ihr dreimal rechtsherum umschreiten, mit den rechten Händen ihn beriechend von rechts entsprechend, [rufend]: 'Komm her, o [Soma]! Dies ist Süßtrank, dies ist Süßtrank!'
Wort für Wort
dakṣiṇe mārjālīye daśa srucyuttamāṃ
am südlichen Mārjālīya zehn Löffelspenden, die oberste [gesondert]
agnir ivānādhṛṣyaḥ pṛthivīva suṣadā bhūyāsam
wie Agni unangreifbar, wie die Erde wohlgesetzt möge ich sein
brahmaiva loke kṣatram iva śriyāṃ bhūyāsam
wie Brahman in der Welt, wie Kṣatra zum Glanz möge ich sein
ehy avā3 idaṃ madhu3 idaṃ madhu
komm her, o! dies ist Süßtrank, dies ist Süßtrank (Ruf-Refrain)
[Wenn] die versammelte [Prozession] sich zur Halle bewegt, wird davor die Schaukel [preṅkha] hergerichtet. Nachdem man die zwei Pfosten mit dem Trag[joch]-Seil [wie eine Tragestange] hin- und herbewegt hat, führt man sie über die Furt nach Norden an der Āgnīdhra-Feuerstätte vorbei und umschreitet, durch die östliche Tür [eintretend], die ganze Versammlungshalle, [endend] im Norden. Aus Udumbara-Holz [sind] die Hölzer der Schaukel, oder aus Palāśa-Holz, oder gemischt. Drei beidseitig behauene Bretter, oder zwei, [befestigt] mit nadelartigen Aśvattha-[Holzstiften]. Pfeillang [ist] die vordere Schaukel[stange], mit Griffkerben [versehen], quer eine runde Achse; mit vorwärtsgerichteten Enden [ist sie] mit den beiden Nadel[stiften] verbunden. In die beiden südlichen und nördlichen Pfosten eingegraben, umgibt [die Schaukel] den Sitz des Hotṛ; das Trag[joch] wird darübergelegt, dem Maß des Bauenden entsprechend abgemessen. In den Kuṣṭha-[Verstrebungen] sind Löcher für die Schaukel; mit Seilen zieht man sie nach oben; rechts [läuft ein Seil] rechts-nach-oben, links [entsprechend]; sie sollen dreifach [gedreht] sein, links und rechts je fünf Spannen [lang], das Trag[joch] doppelt [so lang]; dreimal rechtsherum schwingend bindet man einen Knoten nach oben, einen Rückenknoten. Mit Zweigen oder Sitzmatten sollen sie [die Schaukel] umgeben, [damit sie] federt. Vier Finger [breit] soll diese Schaukel Spielraum haben, oder faustgroß. Auf der rechten Seite [soll sie] etwas höher angebracht sein, oder gleich [hoch]. [Sie hängt] einen Fußschritt [über dem] Sitz. [Anm.: dieser gesamte Khaṇḍa ist eine bautechnische Bauanleitung für die rituelle Schaukel (Preṅkha) des Mahāvrata und enthält zahlreiche Maß- und Konstruktionsbegriffe, deren genaue technische Bedeutung im Einzelnen unsicher bleibt.]
Wort für Wort
preṅkha upakḷṛpto bhavati
die [rituelle] Schaukel wird hergerichtet
audumbarāṇi kāṣṭhāni ... pālāśāni miśrāṇi vā
Hölzer aus Udumbara, oder Palāśa, oder gemischt
trīṇi phalakāny ubhayatas taṣṭāni
drei beidseitig behauene Bretter
dakṣiṇottare sthūṇe nikhāya
in die südlichen und nördlichen Pfosten eingegraben
triḥ pradakṣiṇaṃ paryasya ūrdhvagranthiṃ badhnāti
dreimal rechtsherum schwingend bindet man einen Knoten nach oben
caturaṅgulaiṣa vibhūmaḥ preṅkhaḥ syāt
vier Finger breit soll diese Schaukel Spielraum haben
Ist die Schaukel fertiggestellt, hält der Hotṛ die aus Udumbara-Holz [gefertigte], hundertsaitige Vīṇā [Laute] mit beiden [Händen] von Norden her wie eine Vīṇā [in Spielhaltung]. Mit den Versmaß-Verbindungen, vier[fach] übersteigend, soll er ihre Stellen nach oben aufsuchen, oder mit zehn [Versmaßen, sprechend]: 'Mit dem Gāyatrī-Versmaß leite ich dich her, mit dem Auṣṇih, mit dem Anuṣṭubh, mit dem Bārhata, mit dem Pāṅkta, mit dem Traiṣṭubha, mit dem Jāgata, mit dem Vairāja, mit dem Daivapada, mit dem Atichandas-[Versmaß führe ich dich].' Die Versmaße durchlaufend, [vollzieht er] das Durchwandern der Stellen; mit einem Udumbara-Zweig, belaubt, ritzt er von der Wurzelstelle her dreimal aufwärts eine Linie [in die Rinde]: 'Für den Ausatem[hauch] ritze ich dich, für den Einatem[hauch], für den Verteil-[hauch] ritze ich dich.' Für andere Wünsche solle man nicht nochmals ritzen, sage er. Dann übergibt er sie samt Zweig den Chandoga-[Sängern]. 'Für die Wesen' [sprechend] stellt er im hinteren Teil des Bretts die Hände fest. 'Dem Ausatem-[Hauch] entsprechend schaukle dich' – er führt die Schaukel nach vorn; 'dem Verteil-[Hauch] entsprechend blicke umher' – quer; 'dem Einatem-[Hauch] entsprechend blicke umher' – zu sich hin. 'Bhūr, bhuvaḥ, svar' murmelt er. 'Für den Ausatem-[Hauch]' – vorwärts; 'für den Verteil-[Hauch]' – quer; 'für den Einatem-[Hauch]' – zu sich hin. 'Die Vasus mögen dich mit dem Gāyatrī-Versmaß besteigen, ihnen steige ich nach' – im hinteren Teil des Bretts stellt er die Ellenbogen fest. Dann soll er das vordere Brett mit beiden Händen getrennt fassen, wie eine Schlange, die schlafen will [sich einringelt]; die Mitte soll er mit dem Kinn berühren, oder die Verbindungsstelle beider [Bretter]. 'Die Rudras mögen dich mit dem Traiṣṭubh-Versmaß besteigen, ihnen steige ich nach' – rechts [und] links abwechselnd. [Anm.: Dieser Khaṇḍa beschreibt eine rituelle Körperhaltungs- und Atemübung auf der Schaukel, begleitet von einer symbolischen 'Besteigung' der Versmaße durch die Gottheiten-gruppen (Vasus, Rudras, u.a.); mehrere Einzelheiten der Körperhaltung bleiben unsicher.]
[Fortsetzung der Besteigungs-Formeln:] '... mögen dich mit [ihrem] Versmaß besteigen, ihnen steige ich nach' – rechts [und] links abwechselnd übergehend. 'Die Ādityas mögen dich mit dem Jagatī-Versmaß besteigen, ihnen steige ich nach' – links. 'Die Viśvedevas mögen dich mit dem Anuṣṭubh-Versmaß besteigen, ihnen steige ich nach' – [damit ist die Besteigung] vollendet. Hinter seinem [eigenen] Sitz stellt er den rechten Fuß nach vorn fest, dann den linken; wenn der eine [Fuß] ermüdet, dann [stützt er sich auf] den anderen, [abwechselnd] diesen und jenen; keinen von beiden soll er ohne Halt lassen. Die [übrigen] Hotraka-[Priester] besteigen [ihre] Sitzbüschel, der Brahmán den Sitz aus Udumbara-Holz, der Udgātṛ [seinen eigenen Sitz]. Wenn [der Hotṛ] aus irgendeinem unaufschiebbaren Grund [den Ort] verlassen müsste, soll er, nachdem er einen [Vertretungs-]Wächter bestimmt und [rituell] nach vorn gewandt gehandelt hat, um jenes Anliegen [zu erledigen], ebenso, [die Formeln] leise murmelnd, zurückkehrend [die Schaukel wieder] besteigen. [Anm.: Teil 2 desselben Khaṇḍa 4, der im Urtext einheitlich mit '4' schließt ('...ājapayāvṛtārohet 4') und hier aus Gründen der Übersichtlichkeit als eigene Untereinheit 4b wiedergegeben wird.]
Wort für Wort
ādityās tvā jāgatena chandasārohantu
die Ādityas mögen dich mit dem Jagatī-Versmaß besteigen
viśve tvā devā ānuṣṭubhena chandasārohantu
die Viśvedevas mögen dich mit dem Anuṣṭubh-Versmaß besteigen
nobhau vibhūmau kuryāt
keinen von beiden [Füßen] soll er ohne Halt lassen
Man weist den Prastotṛ [den Sänger-Assistenten] an, [dass er] bei den drei Formen des fünfundzwanzigfachen Stoma, [nämlich] den 'zweieinhalb'- oder den 'zwölfeinhalb'-[Stoma-Varianten], bei den übrigbleibenden [Teilen] zuerst den Pratihāra [Wiederholungsvers] vortragen solle. Bei den 'zwölfeinhalb'-[Varianten solle er ihn] vorsprechen lassen, [so lehrte] Jātūkarṇya. Ist [dies] gesprochen, murmelt er: 'Ein Adler bist du, o Garutmant! Diese Rede werde ich sprechen, die vielfach sprechen wird, vielfach fallen wird, vielfach wirken wird, vielfach gewinnen wird, immer mehr wirken wird, zum Himmel gehend, himmlisch sprechend, im Himmel fallend, im Himmel wirkend, im Himmel gewinnend, [die] dieses Opfer zum Himmel bewegend – zum Himmel mich, den Opfernden, bewegend.' [Sagt man] 'den Opfernden [yajamāna]', [gilt dies nur] wenn er geweiht ist, nicht wenn er nicht geweiht ist. 'Zum Himmel' [svar], wer immer ihm lieb sei, solle er sagen, nicht aber 'bewegend' [vacyantīm allein für sich]. Und die Kraftworte des Uktha: 'Vereint sei der Atem mit der Rede, vereint ich mit der Rede; vereint das Auge mit dem Denken, vereint ich mit dem Denken; vereint das Gehör mit dem Selbst, vereint ich mit dem Selbst. In mir [sei] das Große, in mir der Glanz, in mir das Glück, in mir die Kraft, in mir der Stobha[-Ruf], in mir das Stoma[-Lied], in mir der [gute] Ruf, in mir der Schall, in mir der Ruhm, in mir die Schönheit, in mir der Ehrenname, in mir der Genuss.' 'Angerufen sei die Rede' murmelt er. Drei Anrufungen [gibt es] am Anfang des Śastra, [dann] die Nivid-[Formeln], dann die Umhüllungs-[Formel]. Die Adhvaryu-[Priester] lassen [rituelle] Rufe erschallen. An diesem Tag soll man reichlich Speise geben. Mit einem Königssohn schlagen sie, [während er dabei] eine Haut peinigend [schwingt], die Erdpauke; und [es gibt] Wasservogel-Umzüge sowie ein [rituell-derbes] Zwiegespräch über die Vereinigung der Geschöpfe zwischen einem Brahmacārin [Keuschheits-Schüler] und einer Dirne [Anm.: ritueller, apotropäischer Schimpfwechsel, im Mahāvrata traditionell belegt]. Mit vielfältigem Sāman huldigt man dem Niṣkevalya-[Śastra]; mit dem Rājana-Stotriya[-Vers] tritt man [in die Schlussphase] ein. [Anm.: dieser Khaṇḍa beschreibt Kernstücke des Mahāvrata-Höhepunkts: die 'Adlerrede' (Suparṇī-Formel), die Sinnesvereinigungs-Formel des Uktha, sowie die berühmten derb-apotropäischen Bräuche des Mahāvrata (Erdpauken-Schlagen, Wasservogel-Umzug, das rituelle Schimpf-Zwiegespräch zwischen Schüler und Dirne über die Fortpflanzung der Geschöpfe), die auch in anderen vedischen Quellen zum Mahāvrata bezeugt sind.]
Wort für Wort
suparṇo 'si garutmān
ein Adler bist du, o Garutmant (Suparṇī-Anrufungsformel)
saṃ prāṇo vācā samahaṃ vācā
vereint sei der Atem mit der Rede, vereint ich mit der Rede
mayi mahān mayi bhargo mayi bhago
in mir das Große, in mir der Glanz, in mir das Glück
rājaputreṇa carma ... āghnanti bhūmidundubhim
mit einem Königssohn schlagen sie die Erdpauke
brahmacāripuṃścalyoḥ saṃpravādaḥ
das rituelle Zwiegespräch zwischen Keuschheitsschüler und Dirne
tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭhaṃ tāṃ su te kīrtiṃ maghavan mahitvā bhūya id vāvṛdhe vīryāya | nṛṇām u tvā nṛtamaṃ gīrbhir utthair iti tisraḥ | atraike svādīyaḥ svādunā sṛjā samadaḥ su madhu madhunābhi yodhīr ity ātmana ete pade uddhṛtya pañcapade pratyavadadhāty aścāyanto maghavann indra vājino gām aśvaṃ rathyam indra saṃkiretyetayoś ca sthāna itare | śriyam aha gorṣvam ātman dhatte saṃpacya yoḥ patanāya | nadaṃ va środatīnām ity etayaitāni vyatiṣajati pādaiḥ pādān bṛhatīkāraṃ nadavanty uttarāṇi prathamāyāṃ ca puruṣāc carāṇy upadadhāti pādeṣv ekakam avasāne tṛtīyavarjaṃ sa khalu viharati | api nidarśanāyodāhariṣyāmaḥ | tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭhaṃ pu | nadaṃ va środatīnām | yato jajña ugras tveṣanṛmṇo ru | nadaṃ yoyuvatīno3m | sadyo jajñāno ni riṇāti śatrūn patiṃ vo agnacānām | anu yaṃ viśve madanty umāso | dhenūnām iṣudhyaso3m iti || evam etāṃ triḥ | anyāsy uc cet samāmnātāsu rājanena sāmnā stuvīran yathāsthānaṃ tā ihaivemāḥ | asamāmnātāsu cet suvīrann āmāmnātasya tāvatīr uddhṛtya tatra tāḥ śaṃsed iho evemāḥ | anyāsy uc cet prāk sūddohasas tāḥ | tad id āsety etad ādi śastram | avihataś cātra pratigaraḥ | tā asya sūddohasa ity etad ādiḥ sūddohāḥ sūddohāḥ || 6 || ity aitareyapañcamāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ ||
'Dies eben war das Höchste unter den Wesen; diesen deinen Ruhm, o Gabenreicher, durch [seine] Größe – noch mehr wuchs er zur Heldenkraft heran. Der Männer, dich, den männlichsten, mit Lobreden [preisen wir], durch Aufstehen [begleitet]' – [dies rezitiert man] dreifach. Hierbei [gibt es unter den Lehrern eine Ansicht, die] süßer [findet]: 'Mit Süßem verbinde, erfreue wohl; süß mit Süßem streitend' [Anm.: unsicher] – diese beiden [Verspaare] herausgehoben, legt man sie in die Fünf-Fuß-[Versgruppe] zurück, [mit den Worten]: 'kommend, o Gabenreicher-Indra, des Rennpferdes, die Kuh, das Pferd, das Wagenpferd, o Indra, zusammenschüttend' – und an dieser Stelle [stehen] die anderen. Er verschafft sich selbst Glanz [durch] das Rinderfell, zum guten Gelingen beider [Opfer], zum Fallen [der Feinde]. 'Wie einen Fluss, wahrlich, den der Quellen' – mit diesem [Vers] verknüpft man Fuß an Fuß, so dass ein Bṛhatī-Metrum entsteht; die folgenden [Verse enthalten das Wort] 'flussartig'; im ersten [Vers] auch [Formen von] 'puruṣa' [Mensch]; [diese] legt man ein; unter den Versfüßen lässt man beim Abschluss einen einzelnen aus, den dritten ausgenommen – so verfährt er wahrlich. Wir wollen dies auch beispielhaft vorführen: 'Dies eben war das Höchste unter den Wesen' [Kürzel] pu. 'Wie einen Fluss, den der Quellen.' 'Von dem geboren wurde der Gewaltige, der glanzvoll-Mächtige' [Kürzel] ru. 'Wie einen Fluss der Jungvermählten' [o3m]. 'Sogleich geboren, vertreibt er die Feinde, den Herrn der... [Anm.: Text unsicher/verkürzt].' 'Ihm, dem alle sich freuenden Umās [folgen].' 'Der Milchkühe [Pfeilköcher]' [o3m]. So [wiederholt man] dies dreimal. Wenn es andere [Verse] gibt, die [in der Überlieferung] gemeinsam bezeugt sind, [dann] sollen sie mit dem Rājana-Sāman gepriesen werden, jeweils an ihrem [angestammten] Ort – diese hier [bleiben] eben [wie sie sind]. Sind sie nicht [so] gemeinsam bezeugt, [aber dennoch] gut geordnet, [dann] soll man, nachdem man ebenso viele von dem gemeinsam Bezeugten herausgenommen hat, jene dort rezitieren – so [bleiben] auch diese hier [wie sie sind]. Wenn es andere [Verse] gibt, [dann gehören] sie vor die des Sūddoha ['Milch-Melken', Name dieser Stotra-Technik]. 'Dies eben war' – so beginnt das Śastra. Und ungehindert [bleibt] hier der Widerspruchs-[Ruf] [Pratigara]. Diese [Verse], die zu diesem Sūddoha gehören, beginnend mit [jenem Vers] – Sūddoha, Sūddoha! [Doppelnennung als Schlussformel.] — So endet der erste Adhyāya im fünften Āraṇyaka des Aitareya[-Āraṇyaka]. [Anm.: Dieser Khaṇḍa erläutert eine hochtechnische Stotra-Kombinationstechnik namens 'Sūddoha' (wörtl. 'gutes Melken/Herausquellen'), bei der zwei Ṛgveda-Verse (RV-nahe Strophen 'tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭham' und 'nadaṃ va udatīnām') durch Versfuß-Verschränkung zu einem neuen, bṛhatī-metrischen Stotra verbunden werden; die Einzelheiten der Verschränkungsregeln und mehrere der genannten Vers-Kürzel bleiben trotz Analyse unsicher und sind mit [?] bzw. [Anm.] gekennzeichnet.]
Wort für Wort
tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭham
dies eben war das Höchste unter den Wesen (Ṛgveda-nahe Anfangsstrophe)
nadaṃ va środatīnām
wie einen Fluss, den der Quellen (zweite Grundstrophe der Sūddoha-Technik)
bṛhatīkāraṃ
die Bṛhatī-Metrum-Bildung (Versfuß-Verschränkung)
evam etāṃ triḥ
so wiederholt man dies dreimal
sūddohāḥ sūddohāḥ
Sūddoha, Sūddoha (Name der Technik, als Schlussformel doppelt genannt)
ity aitareyapañcamāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ
so endet der erste Adhyāya im fünften Āraṇyaka des Aitareya-Āraṇyaka