Quellen der Menschheit

Aitareya-Āraṇyaka

Kapitel 8: aitareyāraṇyakam · dvitīyāraṇyake tṛtīyo 'dhyāyaḥ Buch 2, Adhyāya 3: Das fünffache Uktha, der Puruṣa-Ozean und das Bṛhatī-Tausend (AiĀ 2,3)

Buch 2, Adhyāya 3 (8 Khaṇḍas). Khaṇḍa 1-2 entfalten die Lehre vom fünffachen Uktha als Selbst (Erde/Wind/Luftraum/Wasser/Gestirne; Speise-Speiseesser-Korrespondenzen zwischen Mineral-, Pflanzen- und Tierreich) und die Abstufung des Bewusstseins (Pflanzen: nur Saft; Tiere: Saft und Bewusstsein; Mensch: volles Erkenntnisvermögen, das Vergangenes, Zukünftiges und die Unsterblichkeit erfasst). Khaṇḍa 3 lehrt den kosmischen Puruṣa als 'Ozean' mit fünffacher Entsprechung (Hitze/Gestirne-Luftraum, Rotes/Same-Wasser, Leib-Erde, Atem-Wind) und fünffachem Prāṇa sowie den fünffachen Yajña. Khaṇḍa 4 bietet eine dichte Stoma-Sāman-Chandas-Zahlensymbolik (Trivṛt bis Pañcaviṃśa-Stoma, Gāyatra- bis Rājana-Sāman, Gāyatrī- bis Dvipadā-Versmaß) mit einer bildhaften Körperteil-Zuordnung und einer Silben-Arithmetik, die zur Zahl Tausend führt. Khaṇḍa 5-6 behandeln das schon aus Adhyāya 1-2 bekannte 'Bṛhatī-Tausend' weiter: seine Gleichsetzung mit dem ganzen Selbst, mit dem Indra-Atem, und eine ausführliche Lautlehre der Rede (fünffach: gemessen/ungemessen/Ton/Wahrheit/Unwahrheit; die Silbe 'Oṃ' als Wahrheit, die Verneinung als Unwahrheit; der Laut 'A' als alle Rede, differenziert durch Verschluss- und Reibelaute in leise = Atem und laut = Leib). Khaṇḍa 7 identifiziert das Bṛhatī-Tausend mit Indra als Herrn der Wesen und zitiert Mahidāsa Aitareyas berühmte Lehre vom furchtlosen Sterben, ergänzt um eine Deutung der Wiedergeburt durch Auge (Rotes) und Same (Sonnengestalt). Khaṇḍa 8 schließt mit fünf schwer verständlichen Ślokas, der Formel 'A ist Brahman', einer weiteren 36.000-Silben-Arithmetik und einem abschließenden Ṛgveda-Zitat (Anrufung der Aśvins um schnelles Kommen). Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet; die dichte Zahlen- und Lautsymbolik in Khaṇḍa 4 und 6 sowie die Ślokas in Khaṇḍa 8 (insbesondere Vers 3) bleiben trotz eingehender Analyse an mehreren Stellen unsicher und sind mit [?] markiert.

yo ha vā ātmānaṃ pañcavidham uktham veda yasmād idaṃ sarvam uttiṣṭhati sa saṃprativit | pṛthivī vāyur ākāśa āpo jyotīṃṣīty eṣa vā ātmoktham pañcavidham etasmād dhīdaṃ sarvam uttiṣṭhaty etam evāpy eti | ayaṃ ha vai samānānāṃ bhavati ya evaṃ veda | tasminn annaṃ cānnādaṃ ca vedāhāsminn annādo jāyate bhavaty asyānnam | āpaś ca pṛthivī cānnam etanmayāni hy annāni bhavanti jyotīś ca vāyuś cānnādam etābhyāṃ hīdaṃ sarvam annam attavyam ākāśa ākāśe hīdaṃ sarvaṃ samāpyate | āvapanaṃ ha vai samānānāṃ bhavati ya evaṃ veda | tasminn annaṃ cānnādaṃ ca vedāhāsminn annādo jāyate bhavaty asyānnam | oṣadhivanaspatayo 'nnaṃ prāṇabhṛto 'nnādo 'thauṣadhivanaspatīn hi prāṇabhṛta udanti | teṣāṃ ya ubhayatodantāḥ puruṣasyānu vidhāṃ vihitās te 'nnād annam itare paśavas tasmād itarān paśūn adhīva caranty adhīva hy annādo bhavati | adhīva ha samānānāṃ jāyate ya evaṃ veda || 1

Wer wahrlich das Selbst als das fünffache Uktha kennt, aus dem dieses ganze [Weltall] hervorsteigt, der ist ein wahrhaft Erkennender. Erde, Wind, Luftraum, Wasser, Gestirne – das ist eben das Selbst als das fünffache Uktha; aus diesem steigt dieses ganze [Weltall] hervor, und in eben dieses geht es auch wieder ein. Wer dies so weiß, dem wird dieses [Uktha] zur gemeinsamen Grundlage seinesgleichen. In ihm erkennt man Speise und Speiseesser; ihm entsteht darin ein Speiseesser, ihm wird Speise zuteil. Wasser und Erde sind Speise, denn aus diesen beiden bestehen die Speisen; Gestirne und Wind sind der Speiseesser, denn durch diese beiden wird all dies zu Verzehrendes; der Luftraum aber ist das, worin all dies zusammengefasst wird [Anm.: ākāśa hier als 'Fassung, Zusammenfassung' gedeutet]. Wer dies so weiß, dem wird dieses [Uktha] zur gemeinsamen Aussaat-Stätte seinesgleichen. In ihm erkennt man Speise und Speiseesser; ihm entsteht darin ein Speiseesser, ihm wird Speise zuteil. Kräuter und Bäume sind die Speise, die Atem-Tragenden [Tiere] sind ihre Speiseesser, denn die Atem-Tragenden fressen ja Kräuter und Bäume. Von diesen sind jene, die in beiden Kiefern Zähne haben [Anm.: Raubtiere, im Unterschied zu den Wiederkäuern], nach dem Vorbild des Menschen eingerichtet; sie sind für die anderen Tiere Speise, die übrigen Tiere sind [bloße] Speise; darum wandeln sie über die anderen Tiere gebietend [adhīva], denn gebietend sind sie Speiseesser [?]. Wer dies so weiß, dem entsteht Gebieterschaft (adhīva) unter seinesgleichen.

Wort für Wort
ātmānaṃ pañcavidham uktham veda
kennt das Selbst als das fünffache Uktha
pṛthivī vāyur ākāśa āpo jyotīṃṣi
Erde, Wind, Luftraum, Wasser, Gestirne
annaṃ cānnādaṃ ca
Speise und Speiseesser
āpaś ca pṛthivī cānnam
Wasser und Erde sind Speise
jyotīś ca vāyuś cānnādam
Gestirne und Wind sind der Speiseesser
ākāśe hīdaṃ sarvaṃ samāpyate
im Luftraum wird all dies zusammengefasst
āvapanam
Aussaat-Stätte
oṣadhivanaspatayo 'nnam
Kräuter und Bäume sind die Speise
prāṇabhṛto 'nnādaḥ
die Atem-Tragenden sind der Speiseesser
ubhayatodantāḥ
die in beiden Kiefern Zähne haben (Raubtiere) [?]
adhīva
gebietend, als Herr [?]

tasya ya ātmānam āśivastarāṃ vedāśnute hāvirbhūyaḥ | oṣadhivanaspatayo yac kiṃca prāṇabhṛtsv ātmānam āvistarāṃ veda | oṣadhivanaspatiṣu hi raso dṛśyate na cittaṃ prāṇabhṛtsu | prāṇabhṛtsv tv evāvistarātmā teṣu hi raso 'pi dṛśyate na cittam itareṣu | puruṣe tv evāvistarātmā sa hi prajñānena sampannatamo vijñātaṃ vadati vijñātaṃ paśyati veda śvastanaṃ veda lokālokau martyenāmṛtam īpsaty evaṃ sampannaḥ | athetareṣāṃ paśūnām aśanāpipāse evābhivijñānaṃ na vijñātaṃ vadanti na vijñātaṃ paśyanti na viduḥ śvastanaṃ na lokālokau ta etāvanto bhavanti yathāprajñaṃ hi saṃbhavāḥ || 2

Wer sein Selbst als das noch segensreichere [āśivastaram, d.h. weiter entfaltete] erkennt, erlangt reichere Opfergabe [havir-bhūyaḥ]. Was immer bei Kräutern und Bäumen bis hin zu den Atem-Tragenden ist – wer [dort] das Selbst als ausgebreiteter erkennt [tut dies]: In Kräutern und Bäumen zeigt sich zwar Saft (rasa), aber kein Bewusstsein (citta), [wie es] bei den Atem-Tragenden [zeigt]. Bei den Atem-Tragenden aber ist das Selbst ausgebreiteter, denn in ihnen zeigt sich auch Saft, aber [zusätzlich] auch Bewusstsein – in den anderen [Pflanzen] aber nicht. Im Menschen jedoch ist das Selbst am meisten ausgebreitet: denn er, mit Erkenntnisvermögen (prajñāna) am vollkommensten ausgestattet, spricht das Erkannte aus, sieht das Erkannte, weiß 'Morgen wird sein', kennt Welt und Gegenwelt, sucht durch das Sterbliche das Unsterbliche zu erlangen – so ist er ausgestattet. Die übrigen Tiere hingegen haben nur insoweit Erkenntnis, als Hunger und Durst [reichen]: sie sprechen nicht das Erkannte aus, sehen nicht das Erkannte, wissen nicht 'Morgen wird sein', [kennen] nicht Welt und Gegenwelt – sie reichen nur so weit, wie ihr Erkenntnisvermögen entsteht [Anm.: 'yathāprajñaṃ hi saṃbhavāḥ' – ihr Dasein bemisst sich nach dem Maß ihrer Einsicht].

Wort für Wort
āśivastarām ātmānaṃ veda
erkennt das segensreichere [weiter entfaltete] Selbst [?]
oṣadhivanaspatayaḥ
Kräuter und Bäume
rasaḥ dṛśyate na cittam
Saft zeigt sich, aber kein Bewusstsein
prāṇabhṛtsu... raso 'pi... cittam
bei den Atem-Tragenden auch Saft und Bewusstsein
puruṣe tv evāvistarātmā
im Menschen ist das Selbst am meisten ausgebreitet
prajñānena sampannatamaḥ
mit Erkenntnisvermögen am vollkommensten ausgestattet
vijñātaṃ vadati vijñātaṃ paśyati
spricht das Erkannte aus, sieht das Erkannte
śvastanaṃ veda lokālokau
weiß 'morgen wird sein', kennt Welt und Gegenwelt
martyenāmṛtam īpsati
sucht durch das Sterbliche das Unsterbliche zu erlangen
yathāprajñaṃ hi saṃbhavāḥ
ihr Dasein bemisst sich nach dem Maß ihrer Einsicht [?]

sa eṣa puruṣaḥ samudraḥ sarvaṃ lokam ati | yad vāntarikṣaṃ lokam aśnute 'tyenaṃ manyate yad amuṃ lokam aśnuvītāty evainaṃ manyeta | sa eṣa puruṣaḥ pañcavidhas tasyoṣṇaṃ taj jyotīṃṣi khāni sa ākāśo 'tha yal lohitaṃ śleṣmā retas tā āpo yac charīraṃ sā pṛthivī yaḥ prāṇaḥ sa vāyuḥ | sa eṣa vāyuḥ pañcavidhaḥ prāṇo 'pāno vyāna udānaḥ samānaḥ | tā etā devatāḥ prāṇāpānayor eva niviṣṭāś cuḥ śrotraṃ mano vāg iti prāṇasya hy anvapāyam etā apiyanti | sa eṣa vāc-cittasyottarottarikramo yad ṛg | sa eṣa yajñaḥ pañcavidho 'gnihotraṃ darśapūrṇamāsau cāturmāsyāni paśuḥ somaḥ | sa eṣa yajñānāṃ sampannatamo yat soma etasminn hy etāḥ pañcavidhā adhigamyante yat prāksavanebhyaḥ saikāvidhā trīṇi savanāni yad ūrdhvaṃ sā pañcamī || 3

Dieser Puruṣa ist wahrlich ein Ozean, der die ganze Welt übersteigt. Was immer man in der Zwischenwelt erlangt, meint man: 'dies übersteigt ihn'; was immer man jene Welt [dereinst] erlangen möge, ebenso meine man es. Dieser Puruṣa ist fünffach: seine Hitze, das sind die leuchtenden Öffnungen [khāni, Anm.: die Gestirne als 'Löcher' des Himmels], das ist der Luftraum; was Rotes [in ihm ist], das ist Schleim, [das ist] Same, das sind die Gewässer; was sein Leib ist, das ist die Erde; was sein Atem ist, das ist der Wind. Dieser Wind ist fünffach: Prāṇa, Apāna, Vyāna, Udāna, Samāna. Diese Gottheiten [Gehör, Denken, Rede] sind ganz in Ein- und Ausatem gegründet; Gehör, Denken, Rede – mit dem Weggang des Atems weichen auch sie [Anm.: Anspielung auf das Prāṇasaṃvāda-Motiv]. Diese Bewegung der Rede/des Denkens, das Auf-und-Ab [uttarottarikrama], das ist der Ṛc [Vers] [?]. Dieser Yajña ist fünffach: das Agnihotra, das Darśa- und Pūrṇamāsa-Opfer, die Vierjahresopfer (Cāturmāsyāni), das Tieropfer, das Soma-Opfer. Dieser [das Soma-Opfer] ist der vollkommenste der Opfer; an ihm werden nämlich diese fünf [Arten von Anlässen] erkannt: was vor den Pressungen liegt, ist eine Art, die drei Pressungen [bilden drei weitere], was darüber hinausgeht, das ist die fünfte.

Wort für Wort
sa eṣa puruṣaḥ samudraḥ sarvaṃ lokam ati
dieser Puruṣa ist ein Ozean, der alle Welt übersteigt
puruṣaḥ pañcavidhaḥ
der Puruṣa ist fünffach
uṣṇaṃ...jyotīṃṣi khāni...ākāśaḥ
seine Hitze = die leuchtenden Öffnungen = der Luftraum
lohitaṃ śleṣmā retas āpaḥ
das Rote = Schleim = Same = die Gewässer
śarīraṃ pṛthivī
sein Leib = die Erde
prāṇo vāyuḥ
sein Atem = der Wind
prāṇo 'pāno vyāna udānaḥ samānaḥ
Prāṇa, Apāna, Vyāna, Udāna, Samāna
śrotraṃ mano vāk
Gehör, Denken, Rede
yajñaḥ pañcavidhaḥ
der Yajña ist fünffach
agnihotraṃ darśapūrṇamāsau cāturmāsyāni paśuḥ somaḥ
Agnihotra, Darśa-Pūrṇamāsa, Cāturmāsya, Tieropfer, Soma
yajñānāṃ sampannatamaḥ
der vollkommenste der Opfer

yo ha vai yajñe yajñaṃ vedāhany ahar deveṣu devam adhyūḷhaṃ sa saṃprativit | eṣa vai yajñe yajño 'hany ahar deveṣu devo 'dhyūḷho yad etan mahad uktham | tad etat pañcavidhaṃ trivṛt pañcadaśaḥ saptadaśa ekaviṃśaḥ pañcaviṃśam iti stomato gāyatraṃ rathantaraṃ bṛhad rājanam iti sāmato gāyatry uṣṇig bṛhatī triṣṭub dvipadeti chandastaḥ śiro dakṣiṇaḥ pañcottaraḥ pañcaḥ puccham ātmety ākhyānam | pañcakṛtvaḥ prastauti pañcakṛtva udgāyati pañcakṛtvaḥ pratiharati pañcakṛtva upadravati pañcakṛtvo nidhanam upayanti tat tobhasahasraṃ bhavati | evaṃ hy etāḥ pañca vidhā anuśiṣyante yatra ṛcāśītibhyaḥ saikā vidhā tisras tv aśītayo yad ūrdhvaṃ sā pañcamī | tad etat sahasraṃ tat sarvaṃ tāni daśa daśeti vai sarvam etāvatī hi saṃkhyā daśa daśatas tac chataṃ daśa śatāni sahasraṃ tat sarvam | tāni trīṇi chandāṃsi bhavanti tredhā vihitaṃ vā idam annam aśanaṃ pānaṃ khādas tad etair āpnoti || 4

Wer wahrlich den Yajña im Yajña kennt, den Tag für Tag unter den Göttern verborgenen Gott, der ist ein wahrhaft Erkennender. Dieser Yajña im Yajña, der Tag für Tag unter den Göttern verborgene Gott, das ist eben das große Uktha. Dies ist fünffach: [als] Stoma Trivṛt, Pañcadaśa, Saptadaśa, Ekaviṃśa, Pañcaviṃśa; [als] Sāman Gāyatra, Rathantara, Bṛhat, Rājana [?]; [als] Versmaß (chandas) Gāyatrī, Uṣṇih, Bṛhatī, Triṣṭubh, Dvipadā – [im Bild eines Wesens:] Kopf, rechts fünf, links fünf, Schwanz – das ist das 'Selbst', so lautet die Erzählung [Anm.: unsicher, offenbar bildhafte Zuordnung der Versmaße zu Körperteilen]. Fünffach handelnd trägt man den Prastāva vor, fünffach den Udgītha, fünffach den Pratihāra, fünffach den Upadrava, fünffach tritt man ins Nidhana ein – daraus wird jenes Tausend der Tobha-[Rufe] [?]. So folgen einander diese fünf Arten: wo bei den [dreiundachtzig] Ṛc-[Versen] eine Art [voll ist], sind es dreiundachtzig, was darüber hinausgeht, das ist die fünfte [Anm.: Zahlenverhältnis der Silbenarithmetik unsicher überliefert]. Das ergibt jenes Tausend, das ist das Ganze: all das ist Zehn – zehn ist alles, denn so groß ist [die Grundzahl]: zehnmal zehn ist hundert, zehn Hundert ist Tausend, dieses Tausend ist das Ganze. Diese drei sind die Versmaße, dreifach eingerichtet als: diese Speise, [als] Essen, Trinken, Kauen – dies erlangt man durch diese [drei].

Wort für Wort
yajñe yajñaṃ veda
kennt den Yajña im Yajña
ahany ahar deveṣu devam adhyūḷham
den Tag für Tag unter den Göttern verborgenen Gott
mahad uktham
das große Uktha
trivṛt pañcadaśaḥ saptadaśa ekaviṃśaḥ pañcaviṃśam
die Stomas Trivṛt, Pañcadaśa, Saptadaśa, Ekaviṃśa, Pañcaviṃśa
gāyatraṃ rathantaraṃ bṛhad rājanam
die Sāmans Gāyatra, Rathantara, Bṛhat, Rājana [?]
gāyatry uṣṇig bṛhatī triṣṭub dvipadā
die Versmaße Gāyatrī, Uṣṇih, Bṛhatī, Triṣṭubh, Dvipadā
pañcakṛtvaḥ prastauti...udgāyati...pratiharati...upadravati
fünffach Prastāva, Udgītha, Pratihāra, Upadrava
tobhasahasram
das Tausend der Tobha-Rufe [?]
daśa daśataś chataṃ daśa śatāni sahasram
zehnmal zehn ist hundert, zehn Hundert ist Tausend
annam aśanaṃ pānaṃ khādaḥ
Speise als Essen, Trinken, Kauen

tad brahmedaṃ bṛhatīsahasraṃ sampannam | tad dhaitad eke nānācchandasāṃ sahasraṃ pratijānate kim anyat sad anyad brūyāmeti | triṣṭupsahasram eke jagatīsahasram eke 'nuṣṭupsahasram eke | tad uktam ṛṣiṇā | anuṣṭubham anu carcūryamāṇam indraṃ ni cikyuḥ kavayo manīṣā iti | vāci vai tad aindraṃ prāṇaṃ nyacāyaṃs tad etat tad uktaṃ bhavati | sa heśvaro yaśasvī kalyāṇakīrtir bhavitorīśvaro ha tu purāyuṣaḥ praitorīti ha smāhākṛtsno hy eṣa ātmā yad vāg bhi prāṇena manaso 'syamāno vācā nānubhavati | bṛhatīm abhisampādayed eṣa vai kṛtsna ātmā yad bṛhatī | so 'yam ātmā sarvataḥ śarīraiḥ parivṛtas tad yathāyam ātmā sarvataḥ śarīraiḥ parivṛta evam eva bṛhatī sarvataś chandobhiḥ parivṛtā | madhyaṃ hy eṣām ajñānām ātmā madhyaṃ chandasāṃ bṛhatī | sa heśvaro yaśasvī kalyāṇakīrtir bhavitorīśvaro ha tu purāyuṣaḥ praitorīti ha smāha kṛtsno hy eṣa ātmā yad bṛhatī tasmād bṛhatīm evābhisampādayet || 5

Dieses Bṛhatī-Tausend ist als Brahman vollendet. Manche behaupten dabei ein Tausend verschiedenartiger Versmaße; was anderes Wahres sollten wir sagen? Manche [behaupten] ein Triṣṭubh-Tausend, manche ein Jagatī-Tausend, manche ein Anuṣṭubh-Tausend. Dazu sprach der Ṛṣi: 'Dem Anuṣṭubh entlang wandelnden Indra erkannten die weisen Seher durch ihre Einsicht' [Anm.: Ṛgveda-Zitat]. In der Rede nämlich haben sie jenen Indra-Atem wahrgenommen – das besagt eben dies: man sollte die Bṛhatī vollziehen, denn dieses ganze Selbst ist die Bṛhatī. Denn dieses ganze Selbst [ist unfassbar], da es, von der Rede durch den Atem und das Denken bewegt, [nur] durch die Rede erfahren wird [Anm.: Satz unsicher]. 'Er wird herrschaftsreich, ruhmvoll, von heilvollem Ruf, ein Herrscher werdend, doch von vorzeitigem Leben scheidend' – so pflegte man zu sagen: das ganze Selbst, das ist eben die Bṛhatī. Dieses Selbst ist ringsum von den Gliedern (śarīra) umgeben; so wie dieses Selbst ringsum von den Gliedern umgeben ist, ebenso ist die Bṛhatī ringsum von den Versmaßen umgeben. Die Mitte dieser Unwissenden [Anm.: ajñānām, evtl. verderbt für 'aṅgānām', der Glieder] ist das Selbst, die Mitte der Versmaße ist die Bṛhatī. 'Er wird herrschaftsreich, ruhmvoll, von heilvollem Ruf, ein Herrscher werdend, doch von vorzeitigem Leben scheidend' – so pflegte man zu sagen: das ganze Selbst, das ist die Bṛhatī; darum sollte man eben die Bṛhatī vollziehen.

Wort für Wort
bṛhatīsahasraṃ sampannam
das Bṛhatī-Tausend ist vollendet
triṣṭupsahasram...jagatīsahasram...anuṣṭupsahasram
Triṣṭubh-, Jagatī-, Anuṣṭubh-Tausend [als Alternativlehren]
anuṣṭubham anu carcūryamāṇam indraṃ ni cikyuḥ kavayo manīṣā
dem Anuṣṭubh entlang wandelnden Indra erkannten die weisen Seher (Ṛgveda-Zitat)
vāci vai tad aindraṃ prāṇaṃ nyacāyan
in der Rede nahmen sie jenen Indra-Atem wahr
kṛtsna ātmā yad bṛhatī
das ganze Selbst, das ist die Bṛhatī
sarvataḥ śarīraiḥ parivṛtaḥ
ringsum von den Gliedern umgeben
madhyaṃ chandasāṃ bṛhatī
die Mitte der Versmaße ist die Bṛhatī
tasmād bṛhatīm evābhisampādayet
darum sollte man eben die Bṛhatī vollziehen

tad vā idaṃ bṛhatīsahasraṃ sampannaṃ tasya vā etasya bṛhatīsahasrasya sampannasyaikādaśānuṣṭubhāṃ śatāni bhavanti pañcaviṃśatiś cānuṣṭubha āttaṃ vai bhūyasā kanīyaḥ | tad uktam ṛṣiṇā | vācam aṣṭādaśīm aham ity aṣṭau hi caturakṣarāṇi bhavanti | navaślaktim iti bṛhatī sampadyamānā navaślaktiḥ | ṛtaspṛśam iti satyaṃ vai vāg ṛcā spṛṣṭā | indrāt pari tanvaṃ mama iti tad yad etad bṛhatīsahasram anuṣṭupsampannaṃ bhavati tasmāt tad aindrāt prāṇād bṛhatyai vācam anuṣṭubhaṃ tanvaṃ sannirmimīte | sa vā eṣa vācaḥ paramo vikāro yad etan mahad uktham tad etat pañcavidhaṃ mitam amitaṃ svaraḥ satyānṛte iti | ṛg gāthā kumbyā tan mitaṃ yajur nigado vṛthāvāk tad amitaṃ sāmātho yaḥ kaścid geṣṇaḥ sa svara oṃ iti satyaṃ na ity anṛtam | tad etat puṣpaṃ phalaṃ vāco yat satyaṃ sa heśvaro yaśasvī kalyāṇakīrtir bhavitoḥ puṣpaṃ hi phalaṃ vācaḥ satyaṃ vadati | athaitan mūlaṃ vāco yad anṛtaṃ tad yathā vṛkṣa āvirmūlaḥ śuṣyati sa udvartata evam evānṛtaṃ vadann āvirmūlam ātmānaṃ karoti sa śuṣyati sa udvartate | tasmād anṛtaṃ na vaded yena tv enam | parāṅ vā etad riktam antaraṃ yad etad oṃ iti tad vā atkiñca oṃ ity āhātraivāsmai tad ricyate sa yat sarvam oṃ kuryād dicched ātmānaṃ sa kāmebhyo nālaṃ syāt | athaitat pūrṇam abhy ātmaṃ yan neti | sa yat sarvaṃ na iti brūyāt pāpikāsya kīrtir jāyeta sainaṃ tatraiva hanyāt | tasmāt kāla eva dadyāt kāle na dadyāt tat satyānṛte mithunī karoti tayor mithunāt prajāyate bhūyān bhavati | yo vai tāṃ vācaṃ veda yasyaiṣa vikāraḥ sa saṃprativit | akāro vai sarvā vāk saiṣā sparśoṣmabhir vyajyamānā bahvī nānārūpā bhavati | tasyai yad upāṃśu sa prāṇo 'tha yad uccais tac charīraṃ tasmāt tira iva tira iva hy aśarīram aśarīro hi prāṇo 'tha yad uccais tac charīraṃ tasmāt tad āvir āvir hi śarīram || 6

Dieses Bṛhatī-Tausend ist vollendet. Von diesem vollendeten Bṛhatī-Tausend gibt es elfhundert Anuṣṭubh-Verse und noch fünfundzwanzig Anuṣṭubh darüber hinaus [Anm.: Zahlenverhältnis unsicher überliefert] – genommen wird eben vom Größeren das Kleinere [?]. Dazu sprach der Ṛṣi: 'Die achtzehnfache Rede bin ich' – denn acht sind die vierbuchstabigen [Silbengruppen, Anm.: unsicher]. 'Neunfach gefügt' [navaślaktiḥ, Bedeutung unsicher] – so wird die Bṛhatī neunfach gefügt. 'Von der Wahrheit berührt' – denn die Rede ist von der Versrede (ṛc) berührte Wahrheit. 'Von Indra her [nehme ich] meinen Leib' – denn wenn dieses Bṛhatī-Tausend anuṣṭubh-vollendet wird, dann bildet es sich von jenem Indra-Atem her als Bṛhatī-Rede den Anuṣṭubh-Leib. Dies ist die höchste Umwandlung (vikāra) der Rede, dieses große Uktha; es ist fünffach: gemessen, ungemessen, der Ton, Wahrheit und Unwahrheit. Ṛk, Gāthā, Kumbyā [?] – das ist gemessen; Yajus, freier Vortrag (nigada) – das ist ungemessen; das Sāman – was immer für ein Gesang es sei, der Ton, das 'Oṃ' – das ist Wahrheit, nicht Unwahrheit. Das ist die Blüte und Frucht der Rede: was Wahrheit ist. 'Er wird herrschaftsreich, ruhmvoll, von heilvollem Ruf' – denn die Blüte, das ist die Frucht der Rede: er spricht Wahres. Nun ist dies die Wurzel der Rede: was Unwahrheit ist. So wie ein Baum, dessen Wurzel bloßgelegt ist, verdorrt und umstürzt, ebenso macht, wer Unwahres spricht, sich selbst zur bloßgelegten Wurzel: er verdorrt, er stürzt um. Darum spreche man kein Unwahres, wodurch man sich [selbst schadet]. Fernab liegt jener leere Zwischenraum, nämlich dieses 'Oṃ'; was auch immer man [sonst] als 'Oṃ' ausspricht, eben dort wird es [von diesem Leerraum] ausgefüllt [Anm.: Satz sehr dunkel, Übersetzung unsicher]. Wer alles [nur] mit 'Oṃ' behandeln wollte, der wollte sich selbst preisgeben; er wäre den Begierden nicht gewachsen. Nun ist dies die Erfüllung des Selbst: das Wort 'Nein'. Wer alles verneinen wollte, dessen Ruf würde übel; das würde ihn eben dort selbst vernichten. Darum gebe man zur rechten Zeit, nicht zur unrechten Zeit – dies paart Wahrheit und Unwahrheit, und aus ihrer Paarung entsteht Nachwuchs, wird man zahlreicher. Wer diese Rede so kennt, [kennt] deren Umwandlung, der ist ein wahrhaft Erkennender. Der Laut 'A' ist wahrlich alle Rede; eben diese wird, durch Verschluss- und Reibelaute differenziert, vielgestaltig und mannigfaltig an Form. Von ihr ist das, was leise ist, der Atem; was aber laut ist, das ist der Leib; darum ist [das Leise] gleichsam verborgen, gleichsam verborgen, denn körperlos ist der Atem; was aber laut ist, das ist der Leib, darum ist [das Laute] offenbar, offenbar nämlich ist der Leib.

Wort für Wort
ekādaśānuṣṭubhāṃ śatāni
elfhundert Anuṣṭubh-Verse
āttaṃ vai bhūyasā kanīyaḥ
vom Größeren wird das Kleinere genommen [?]
navaślaktiḥ
'neunfach gefügt' [?]
ṛtaspṛśam
'von der Wahrheit berührt'
indrāt pari tanvaṃ mama
'von Indra her (nehme ich) meinen Leib'
paramo vikāro vācaḥ, mahad uktham
die höchste Umwandlung der Rede, das große Uktha
mitam amitaṃ svaraḥ satyānṛte
gemessen, ungemessen, Ton, Wahrheit, Unwahrheit
ṛg gāthā kumbyā tan mitam
Ṛk, Gāthā, Kumbyā – das ist gemessen
yajur nigado vṛthāvāk tad amitam
Yajus, freier Vortrag – das ist ungemessen
oṃ iti satyaṃ na ity anṛtam
'Oṃ' ist Wahrheit, 'Nein' ist Unwahrheit
puṣpaṃ phalaṃ vāco yat satyam
Blüte und Frucht der Rede ist die Wahrheit
mūlaṃ vāco yad anṛtam
die Wurzel der Rede ist die Unwahrheit
akāro vai sarvā vāk
der Laut A ist alle Rede
sparśoṣmabhir vyajyamānā
durch Verschluss- und Reibelaute differenziert
upāṃśuḥ...prāṇaḥ; uccaiḥ...śarīram
das Leise ist der Atem, das Laute ist der Leib

tad vā idaṃ bṛhatīsahasraṃ sampannaṃ tad yaśaḥ sa indraḥ sa bhūtānām adhipatiḥ | sa ya evam etam indraṃ bhūtānām adhipatiṃ veda viśvasā haivāsmāl lokāt praitīti ha smāha mahidāsa aitareyaḥ | pretendro bhūtvaiṣu lokeṣu rājati | tadāhur yadanena rūpeṇāmuṃ lokam abhisambhavati | atha kena rūpeṇemaṃ lokam ābhavatīti | tad dhaitat trayaṃ lohitaṃ bhavaty agres tad rūpaṃ tasmāt tasmān na bībhatseta atha yad etat puruṣe reto bhavaty ādityasya tad rūpaṃ tasmāt tasmān na bībhatseta | so 'yam ātmemam ātmānam amuṣmā ātmane samprayacchaty asāv ātmāmum ātmānam imasmā ātmane samprayacchati tāv anyonyam abhisambhavato 'nena ha rūpeṇāmuṃ lokam abhisambhavaty amunā rūpeṇemaṃ lokam ābhavati || 7

Dieses Bṛhatī-Tausend, das ist Ruhm, das ist Indra, der Herr der Wesen. Wer diesen Indra so als Herrn der Wesen kennt, der scheidet, ganz vertrauensvoll, aus dieser Welt – so pflegte Mahidāsa Aitareya zu sagen. Nachdem er verschieden ist, herrscht Indra, [neu] geworden, über diese Welten. Dazu sagen sie: durch welche Gestalt gelangt er zu jener Welt hinüber? Durch welche Gestalt wird er [wiederum] diese Welt? Darauf [ist die Antwort] dieses Dreifache: was rot ist, das ist von Anfang an [des Neugeborenen] Gestalt [im Auge] – darum schäme man sich dessen nicht [Anm.: Sinn unsicher]; und was im Menschen Same wird, das ist die Gestalt der Sonne (Āditya) – darum schäme man sich auch dessen nicht. So gibt dieses Selbst sich selbst [als] dieses Selbst jenem [künftigen] Selbst hin, [und] jenes Selbst gibt sich selbst [als] jenes Selbst diesem [gegenwärtigen] Selbst hin; so entstehen beide wechselseitig durcheinander: durch diese Gestalt gelangt er zu jener Welt hinüber, durch jene Gestalt wird er diese Welt.

Wort für Wort
bṛhatīsahasraṃ...yaśaḥ...indraḥ...bhūtānām adhipatiḥ
das Bṛhatī-Tausend ist Ruhm, ist Indra, der Herr der Wesen
viśvasā haivāsmāl lokāt praiti
scheidet ganz vertrauensvoll aus dieser Welt
mahidāsa aitareyaḥ
Mahidāsa Aitareya (der mit diesem Werk verbundene Lehrer)
pretendro bhūtvaiṣu lokeṣu rājati
verschieden herrscht Indra, [neu] geworden, über diese Welten
kena rūpeṇāmuṃ lokam abhisambhavati
durch welche Gestalt gelangt er zu jener Welt
lohitam...agres tad rūpam
das Rote – die anfängliche Gestalt [im Auge]
puruṣe reto...ādityasya tad rūpam
im Menschen der Same – die Gestalt der Sonne
ātmemam ātmānam amuṣmā ātmane samprayacchati
dieses Selbst gibt sich jenem Selbst hin
anena rūpeṇāmuṃ lokam abhisambhavati
durch diese Gestalt gelangt er zu jener Welt

tatraite ślokāḥ | yad añcaraṃ pañcavidhaṃ sameti | yujo yuktā abhi yat saṃvahanti | satyasya satyam anu yatra yujyate | tatra devāḥ sarva ekaṃ bhavanti || 1 || yad añcarād añcaram eti yuktam | yujo yuktā abhi yat saṃvahanti | satyasya satyam anu yatra yujyate | tatra devā marva ekaṃ bhavanti || 2 || yad vāco oṃ iti yac ca neti | yac cāsyāḥ krūraṃ yad u colbaṇiṣṇu | tad dviyūyā kavayo 'nvavindan | nāmāyattā samatṛpyañ chrūte 'dhi || 3 || yasminn āmā samatṛpyañ chrūte 'dhi | tatra devāḥ sarvayujo bhavanti | tena pāpmānam apahatya brahmaṇā | svargaṃ lokam apy eti vidvān || 4 || nainaṃ vācā striyaṃ bruvan | nainam strī pumān bruvan | pumāṃsaṃ na bruvann enam | vadan vadati kaścana || 5 || a iti brahma tatrāgatam aham iti | tad vā idaṃ bṛhatīsahasraṃ sampannaṃ tasya vā etasya bṛhatīsahasrasya sampannasya ṣaṭtriṃśatam akṣarāṇāṃ sahasrāṇi bhavanti tāvanti puruṣāyuṣo 'hnāṃ sahasrāṇi bhavanti | jīvāc careṇaiva jīvāhar āpnoti jīvāhnā jīvāc caram iti | anakāmam āro 'tha devarathas tasya vāg uddhiḥ śrotre pañcasī cakṣuṣī yukte manaḥ saṃgrahītā tad ayaṃ prāṇo 'dhitiṣṭhati | tad uktam ṛṣiṇā | ā tena yātaṃ manaso javīyasā nimiṣaś cij javīyaseti javīyaseti || 8 || ity aitareye dvitīyāraṇyake tṛtīyo 'dhyāyaḥ ||

Dazu gibt es diese Verse: 1. Wenn das fünffach Vergängliche zusammenkommt, wenn die verbundenen [Kräfte] es zusammentragen, dort, wo es der Wahrheit gemäß der Wahrheit sich verbindet, dort werden alle Götter eins. 2. Wenn Vergängliches zu Vergänglichem verbunden hinzutritt [Anm.: Variante des vorigen Verses], wenn die verbundenen [Kräfte] es zusammentragen, dort, wo es der Wahrheit gemäß der Wahrheit sich verbindet, dort werden alle Götter eins. 3. Was von der Rede 'Oṃ' heißt und was 'Nein', was an ihr grausam ist und was aufwallend – das erforschten die zwei weisen [?] Seher; dem Namen unterworfen wurden sie ganz gesättigt [Anm.: Vers sehr unsicher überliefert und übersetzt]. 4. Wo sie ganz gesättigt werden, dort werden alle Götter mitverbunden; dadurch, nachdem er das Übel durch das Brahman vertrieben hat, gelangt der Wissende zur Himmelswelt. 5. Man nenne ihn mit der Rede nicht als Frau; nicht nenne man ihn Frau [oder] Mann; als [bloßen] Mann nenne man ihn nicht – wie immer man auch redet, es spricht doch jemand [Höheres] [Anm.: sehr dunkler Vers, wohl auf die geschlechtslose Natur des Selbst/Brahman bezogen]. – '[Der Laut] A, das ist Brahman; dorthin bin ich gelangt', [so spricht man]. Dieses Bṛhatī-Tausend ist vollendet; von diesem vollendeten Bṛhatī-Tausend gibt es sechsunddreißigtausend Silben; ebenso viele tausend Tage umfasst ein Menschenleben [Anm.: 36.000 Tage entsprechen rund hundert Jahren, dem traditionellen Höchstmaß menschlichen Lebens]. Durch Leben-für-Leben-Wandel erlangt man Leben-Tag, durch Leben-Tag Leben-für-Leben-Wandel [Anm.: Formel gegen unzeitigen Tod, Übersetzung sehr unsicher]. [Es folgt das Bild eines] Götterwagens ohne Begehren: seine Rede ist der Aufzug [?], die Ohren sind fünffach [gerüstet], die beiden Augen sind vereint, das Denken (Manas) ist der Sammler – diesen [Wagen] beherrscht eben dieser Atem (Prāṇa). Dazu sprach der Ṛṣi: 'Kommet her mit dem, was schneller ist als der Gedanke, schneller noch als ein Augenzwinkern' – ja, so, so [Anm.: Ṛgveda-Zitat, ursprünglich Anrufung der Aśvins]. — So endet im Aitareya-Āraṇyaka, im zweiten Āraṇyaka, der dritte Adhyāya.

Wort für Wort
tatraite ślokāḥ
dazu gibt es diese Verse
satyasya satyam anu yatra yujyate
wo es sich der Wahrheit gemäß der Wahrheit verbindet
tatra devāḥ sarva ekaṃ bhavanti
dort werden alle Götter eins
nainaṃ vācā striyaṃ bruvan
man nenne ihn mit der Rede nicht als Frau
a iti brahma
'A' ist Brahman
bṛhatīsahasraṃ sampannam
das Bṛhatī-Tausend ist vollendet
ṣaṭtriṃśatam akṣarāṇāṃ sahasrāṇi
sechsunddreißigtausend Silben
tāvanti puruṣāyuṣo 'hnāṃ sahasrāṇi
ebensoviele tausend Tage umfasst ein Menschenleben
ā tena yātaṃ manaso javīyasā
kommet her mit dem, was schneller ist als der Gedanke
nimiṣaś cij javīyasā
schneller noch als ein Augenzwinkern
iti aitareye dvitīyāraṇyake tṛtīyo 'dhyāyaḥ
so endet im zweiten Āraṇyaka der dritte Adhyāya

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