Paṭala 1: prathamaḥ paṭalaḥ
Paṭala 1: Rahmenerzählung – Indras Prüfung der Weisen um Bharadvāja und der Ursprung der Lehre
Quelle: Mṛgendrāgama (Mṛgendratantra), Vidyāpāda, Grundtext (mūla) ohne Kommentar, nach der Ausgabe von Madhusudan Kaul Shastri, Nirnayasagara Press 1930 (Kashmir Series of Texts and Studies 50), eingegeben von Dominic Goodall (GRETIL, unkorrigiert). Der Vidyāpāda ist der erste von vier Teilen (Vidyā-, Yoga-, Kriyā-, Caryāpāda); von den übrigen drei liegt in diesem Korpus keine gemeinfreie Quelle vor. Paṭala 1 (29 Verse) enthält die Rahmenerzählung: die Weisen um Bharadvāja üben im Āśrama Nārāyaṇas Askese zu Ehren Śivas; Indra, verkleidet als Asket, prüft sie mit einem an die Mīmāṃsā erinnernden Zweifel an der realen Existenz einer Gottheit (die Unmöglichkeit gleichzeitiger Präsenz an vielen Opferorten), wird von ihrer unerschütterten, tränenreichen Hingabe an Śiva überzeugt, offenbart sich in wahrer Gestalt und erzählt auf Bharadvājas Frage hin die Übertragungsgeschichte der Lehre von Sadāśiva über die Vidyeśvaras und Mantreśvaras bis zu Śiva (der sie unter dem Namen ‚Kāmikā‘ lehrte) und weiter an ihn selbst (Indra), der sie nun in knapper Sūtra-Form an Bharadvāja weitergeben will.
Nachdem er dem höchsten Herrn und dem Weisen Bharadvāja Verehrung erwiesen hat, [höret nun,] o ihr von festen Gelübden: höret die Erkenntnis, die von Hara über die Überlieferungslinie Indras gekommen ist.
Wort für Wort
parameśaṃ namaskṛtya
nachdem [er] dem höchsten Herrn Verehrung erwiesen hat
bharadvājam ṛṣiṃ tataḥ
[und] dann dem Weisen Bharadvāja
harād indra-krama-āyātaṃ jñānaṃ
die von Hara über die Linie Indras gekommene Erkenntnis
śṛṇuta suvratāḥ
höret, o ihr von guten Gelübden
Eröffnungs-/Maṅgala-Vers des Werks, verweist bereits auf die folgende Rahmenerzählung (Übertragung der Lehre von Śiva über Indra an Bharadvāja).
Im heiligen Āśrama Nārāyaṇas übten die Zweifachgeborenen mit Bharadvāja an der Spitze Askese, nachdem sie Śiva [ein Liṅga] errichtet hatten, ihren Sinn einzig auf ihn gerichtet.
Wort für Wort
nārāyaṇāśrame puṇye
im heiligen Āśrama Nārāyaṇas
bharadvājādayo dvijāḥ
die Zweifachgeborenen mit Bharadvāja an der Spitze
tepuḥ
übten Askese
śivaṃ pratiṣṭhāpya
nachdem sie Śiva [ein Bildnis/Liṅga] errichtet hatten
Da hielt sie einst der Herr der dreißig [Götter, Indra] für [spirituell] gereift, und begab sich selbst, die Gestalt eines Asketen tragend, an jenen Āśrama-Ort.
Von ihnen verehrt, fragte er sie alle nach [ihrem] Wohlergehen und sprach dann: „Warum wird die durch die vedische Anweisung gebotene Pflicht nicht befolgt?“
Wort für Wort
sa taiḥ saṃpūjitaḥ
von ihnen verehrt
pṛṣṭvā tāṃś ca sarvān anāmayam
nachdem er sie alle nach [ihrem] Wohlergehen gefragt hatte
provāca
sprach er
codanā-dharmaḥ kimartham nānuvartyate
warum wird die durch vedische Anweisung gebotene Pflicht nicht befolgt
Indra tritt hier verkleidet als Asket auf und beginnt eine philosophische Prüfung der Weisen; ‚codanā‘ ist der Mīmāṃsā-Fachterminus für die vedische Gebotsäußerung.
ta ūcurnanvayaṃ dharmaś codanāvihito mune / devatārādhanopāyas tapasābhīṣṭasiddhaye //
Sie sprachen: „Gewiss, o Weiser, ist diese durch vedische Anweisung gebotene Pflicht ein Mittel zur Verehrung einer Gottheit, [ausgeübt] durch Askese, zur Erlangung des Erwünschten.“
Wort für Wort
ta ūcuḥ
sie sprachen
nanu ayaṃ dharmaś codanāvihito mune
gewiss, o Weiser, ist diese durch Anweisung gebotene Pflicht
Im Veda gibt es eine Rudra-Saṃhitā, die zu rezitieren ist, und Rudra ist [ihre] Gottheit; selbst für dieses Vergegenwärtigen [der Gottheit] ist ein Verfahren der [rituellen] Gestaltung vorgeschrieben.
Wort für Wort
vede 'sti saṃhitā raudrī vācyā
im Veda gibt es eine zu rezitierende Rudra-Saṃhitā
rudraś ca devatā
und Rudra ist [ihre] Gottheit
sānnidhyakaraṇe 'py asmin
auch für dieses Herstellen der [göttlichen] Gegenwart
vihitaḥ kālpiko vidhiḥ
ist ein Verfahren der [rituellen] Ausgestaltung vorgeschrieben
Dieser Punkt bereitet den folgenden Zweifel Indras vor: dass die ‚Vergegenwärtigung‘ der Gottheit selbst ein bloß konstruiertes rituelles Verfahren sei.
Obwohl dies gesagt war, sprach der Herr [Indra], lächelnd und ihre tiefere Überzeugung erkunden wollend, zu ihnen: „Euer Wissen ist falsch, denn die Gottheit ist nichts als ein Wort.“
Wort für Wort
ity ukte 'pi
obwohl dies gesagt war
paraṃ bhāvaṃ jijñāsuḥ prahasan prabhuḥ
der Herr, lächelnd und deren tiefere Überzeugung erkunden wollend
Wäre sie [die Gottheit] etwas anderes als bloßer Klang, so könnte sie – da mit Körperlichkeit behaftet wie wir und andere [verkörperte Wesen] – nicht gleichzeitig bei den an verschiedenen Orten [opfernden] Opferherren gegenwärtig sein.
Wort für Wort
śabda-itaratve
wäre sie etwas anderes als [bloßer] Klang
yugapad bhinnadeśeṣu yaṣṭṛṣu
gleichzeitig bei den an verschiedenen Orten [befindlichen] Opferherren
na sā prayāti sāṃnidhyaṃ
könnte sie nicht Gegenwart erlangen
mūrtatvād asmadādivat
wegen [ihrer] Körperlichkeit, wie [bei] uns und anderen
Klassisches Mīmāṃsā-Argument gegen die reale Verkörperung einer Gottheit (Unmöglichkeit gleichzeitiger Präsenz an vielen Opferorten).
na ca tatsādhakaṃ kiṃcit pramāṇaṃ bhātyabādhitam / vākyaṃ tadanyathāsiddhaṃ lokavādāḥ kva sādhavaḥ //
Und kein Beweismittel, das dies [die reale Verkörperung] stützt, erscheint unwiderlegt; die [vedische] Aussage lässt sich auch anders erklären – und wo wären bloße Weltmeinungen je gültig?
Wort für Wort
na ca tat-sādhakaṃ kiṃcit pramāṇaṃ bhāty abādhitam
kein dies stützendes Beweismittel erscheint unwiderlegt
So wankte der Weisheitsberg jener [Weisen] durch Śakras [Worte] nicht – wie [ein Meer, das] von der Gezeitenflut der Worte eines Machtlosen [scheinbar] aufgewühlt wird –, wegen der Schwere seines [inneren] Kerns.
Wort für Wort
ity anīśa-vacaḥ-vāri-velā-unnaḥ abdhir iva
wie [ein] vom Flutwasser der Worte eines Machtlosen [scheinbar] aufgewühltes Meer
saḥ śakreṇa na cacāla
wankte er [der Weisheitsberg] durch Śakra nicht
eṣāṃ dhī-śailaḥ
der Weisheitsberg dieser [Weisen]
sāra-gauravāt
wegen der Schwere [seines] Kerns/Wesens
[?] Bildlogik des Verses (Meer/Berg-Vergleich) leicht uneindeutig im knappen Sanskrit; Grundsinn: die Weisen ließen sich durch Indras Rede nicht erschüttern.
na jātu devatāmūrtir asmadādiśarīravat / viśiṣṭaiśvaryasampannā sāto naitannidarśanam //
[Die Weisen erwiderten:] „Niemals ist die Körpergestalt einer Gottheit, ausgestattet mit besonderer Herrschermacht, wie der Körper von uns und anderen [gewöhnlichen Wesen] – dieser Vergleich trifft also nicht zu.“
Wort für Wort
na jātu devatāmūrtir
niemals ist die Körpergestalt einer Gottheit
asmadādiśarīravat
wie der Körper von uns und anderen
viśiṣṭaiśvaryasampannā
[sondern] mit besonderer Herrschermacht ausgestattet
sā tu na etan nidarśanam
dies trifft als Vergleich [daher] nicht zu
[?] ‚sāto‘ im Quelltext als Sandhi-Verschreibung von ‚sā tu‘ gedeutet.
„Nun gut, sei es so – [dann gälte] dieselbe Überlegung auch beim Topf: da [nach eurer Logik alles] bloß Wort ist wie [beim] Wort ‚Indra‘, hielte das Wort ‚Topf‘ kein Wasser, und das Wort ‚Mond‘ leuchtete nicht.“
Wort für Wort
atha astu evam
nun gut, sei es so
ghaṭe nyāyaḥ śabdatvāt indra-śabda-vat
[dieselbe] Überlegung gälte beim Topf, da [alles] bloß Wort ist wie beim Wort ‚Indra‘
na ādatte ghaṭaśabdo 'mbhaḥ
das Wort ‚Topf‘ hielte kein Wasser
candraśabdo na rājate
das Wort ‚Mond‘ leuchtete nicht
Indra führt die Position seiner eigenen Skepsis ad absurdum: bloßer Wortstatus schließt reale Wirksamkeit nicht aus.
„Oder es habe die [vedische] Aussage, die Śakra und dergleichen bezeichnet, einen anderen Gegenstand – wie könnte dann Wörtern für Handlung, Gestalt und dergleichen überhaupt reale Bedeutung zukommen?“
Wort für Wort
atha anya-viṣayaṃ vākyam astu śakrādivācakam
oder die Śakra u.a. bezeichnende Aussage habe einen anderen Gegenstand
wie könnte Wörtern für Handlung, Gestalt usw. reale Bedeutung zukommen
[?] Argumentationsgang knapp/elliptisch; Grundgedanke: die Bestreitung realer Referenz bei Gottesnamen untergräbt die Bedeutungshaftigkeit von Sprache insgesamt.
„Auch [zu behaupten,] alle Überlieferung sei falsch, ist nicht folgerichtig, da sie eine Wurzel/Grundlage hat; und wäre dies nicht die Grundlage der Wesen, so wären alle [ihre] Betätigungen zunichte.“
Wort für Wort
pravādo 'py akhilo mithyā
[zu behaupten,] alle Überlieferung sei falsch
samūlatvān na yuktimat
ist nicht folgerichtig, da sie eine Wurzel/Grundlage hat
„Upamanyu, als er Hara erblickte, wurde – der Weise – frei von Kummer: wie könnte dessen Wort falsch sein, dem [sogar] der Milchozean gehorsam ist?“
Wort für Wort
upamanyur haraṃ dṛṣṭvā
Upamanyu, als er Hara erblickte
vimanyur abhavan muniḥ
wurde der Weise frei von Kummer
kathaṃ tasya vaco mithyā
wie könnte dessen Wort falsch sein
yasya vaśyaḥ payonidhiḥ
dem [sogar] der Milch-/Wasserozean untertan ist
Anspielung auf die bekannte Upamanyu-Legende: Śiva verwandelt ihm zuliebe einen Ozean in Milch – hier als Beleg für die Realität und Macht Śivas angeführt.
„[Śveta,] von einer Giftflammen ausstoßenden Schlangenfessel umschlungen, wurde, nachdem er ‚Huṃ‘ gerufen hatte, vom Herrn [Śiva] befreit – von den Leuten samt ihrer Habe [mit]angesehen.“
Wort für Wort
kroḍīkṛto 'hipāśena viṣajvālāvalīmucā
umschlungen von einer Giftflammen ausstoßenden Schlangenfessel
huṅkṛtya mocitaḥ patyā
nachdem er ‚Huṃ‘ gerufen hatte, vom Herrn [Śiva] befreit
dṛṣṭaḥ śveto dhanair janaiḥ
[dies wurde von] Śveta [und] von den Leuten samt ihrer Habe [mit]angesehen
[?] Vermutlich Anspielung auf die Śveta-Legende (ein von Śiva vor dem Tod/einer Schlange geretteter König); Einzelheiten im knappen Vers nicht restlos sicher zu rekonstruieren.
So, als er sie im Verlauf des Streitgesprächs sah – erfreut durch [ihr eigenes] Lob Haras, mit tränenerstickter, stockender Stimme –, wurde Hari [Indra] zufrieden.
Wort für Wort
iti vāda-anuṣaṅgeṇa
so, im Verlauf dieses Streitgesprächs
hara-śaṃsā-praharṣitān
erfreut durch [ihr eigenes] Lob Haras
sāśru-gadgada-vācas tān vīkṣya
als er sie mit tränenerstickter, stockender Stimme sah
prīto 'bhavad dhariḥ
wurde Hari [Indra] zufrieden
Damit erweist sich das ganze vorangegangene Streitgespräch als Prüfung der Weisen durch den verkleideten Indra.
Der Blitzträger, der Gott Śatakratu [Indra], zeigte seine eigene Gestalt, der aufgehenden Sonne gleich strahlend, von den Scharen der Marut-Winde gepriesen.
te tamṛgbhiryajurbhiśca sāmabhiścāstuvannatāḥ / so 'bravīducyatāṃ kāmo jagatsu pravaro 'pi yaḥ //
Sie priesen ihn, sich verneigend, mit Ṛc-, Yajus- und Sāman-Versen. Er sprach: „Es werde [euer] Wunsch geäußert, welcher auch immer, sei er auch der vortrefflichste in den Welten.“
Wort für Wort
te tam ṛgbhir yajurbhiś ca sāmabhiś ca astuvan natāḥ
sie priesen ihn, sich verneigend, mit Ṛc-, Yajus- und Sāman-Versen
so 'bravīt
er sprach
ucyatāṃ kāmo
es werde [euer] Wunsch geäußert
jagatsu pravaro 'pi yaḥ
welcher auch immer, sei er auch der vortrefflichste in den Welten
Da wurde unter ihnen der verehrungswürdige Bharadvāja der Anführer; redegewandt und selbstbewusst befragte er der Ordnung nach [Indra,] den von den Göttern Verehrten.
Wort für Wort
atha teṣāṃ bharadvājo bhagavān agraṇīr abhūt
da wurde unter ihnen der verehrungswürdige Bharadvāja der Anführer
vāgmī pragalbhaḥ papraccha
redegewandt und selbstbewusst befragte er
nyāyataḥ surapūjitam
der Ordnung nach [Indra,] den von den Göttern Verehrten
[Er ordnet] die acht großen Herren [Vidyeśvaras], die durch die Menge der in jenem [Strom] befindlichen Bezeichnungen bezeichnet werden, sowie die auf siebzig Millionen berechneten Mantras, auf der höchsten Ebene [der Manifestation] an.
Wort für Wort
tadvartivācakavrāta-vācyān aṣṭau maheśvarān
die acht großen Herren, bezeichnet durch die Menge der in jenem [Strom] befindlichen Bezeichnungen
saptakoṭiprasaṃkhyātān mantrāṃś ca
und die auf siebzig Millionen berechneten Mantras
parame 'dhvani
auf der höchsten Ebene [des Manifestationspfades]
[?] Quelltext liest ‚parame 'dhvani‘ (hier korrekt wiedergegeben); Referenz auf die acht Vidyeśvaras und die traditionelle Zahl von 70 Millionen Mantras.
„Und ein weiteres [Lehrstück], um achtzehn [Kategorien] vermehrt, ist überliefert, betreffend die Herrscher über die Māyā, die Mantreśvaras, deren Glanz dem des auf dem höheren Pfad befindlichen Herrn gleicht.“
Wort für Wort
aṣṭādaśādhikaṃ cānyac chrutaṃ
und ein weiteres, um achtzehn vermehrtes [Lehrstück] ist überliefert
māyādhikāriṇām mantreśvarāṇām
betreffend die Mantreśvaras, die Herrscher über die Māyā
ūrdhvādhvasthiteśopamatejasām
deren Glanz dem des auf dem höheren Pfad befindlichen Herrn gleicht
[?] Sehr knapp-technische Terminologie der śaivistischen Hierarchie (Vidyeśvaras/Mantreśvaras/Mantramaheśvaras); Einzelbegriff ‚aṣṭādaśādhikam‘ (‚um achtzehn vermehrt‘) unsicher genau zu identifizieren.
teṣu vyaktaḥ sa bhagavān idaṃ yogyeṣu siddhaye / prakāśayatyato 'nyeṣu yo 'rthaḥ samupapadyate //
Unter ihnen offenbar, macht jener Erhabene dies den Würdigen zur Vollendung sichtbar; unter den anderen [offenbart er es nur so weit,] als [dort] ein angemessener Zweck sich ergibt.
Wort für Wort
teṣu vyaktaḥ sa bhagavān
unter ihnen offenbar, jener Erhabene
idaṃ yogyeṣu siddhaye prakāśayati
macht dies den Würdigen zur Vollendung sichtbar
ato 'nyeṣu yo 'rthaḥ samupapadyate
unter den anderen, soweit ein angemessener Zweck sich ergibt
Diese von Śiva verkündete Erkenntnis wird, durch die Herren der Mantras und Mantreśvaras [weitergegeben], weil sie Wünsche gewährt, mit dem Namen ‚Kāmikā‘ in großer Ausführlichkeit besungen.
Wort für Wort
śivodgīrṇam idaṃ jñānaṃ
diese von Śiva verkündete Erkenntnis
mantra-mantreśvara-īśvaraiḥ
durch die Herren der Mantras und Mantreśvaras [übermittelt]
kāmadatvāt
weil sie Wünsche gewährt
kāmikā iti pragītaṃ bahuvistaram
wird mit Namen ‚Kāmikā‘ in großer Ausführlichkeit besungen
Selbstbezügliche Etymologie: der Name des Āgama ‚Kāmika‘ wird hier von ‚kāmada‘ (‚Wünsche gewährend‘) hergeleitet.
Nachdem er es von ihnen erfahren hatte, gab Umās Gemahl [Śiva] – dessen Auge Feuer ist, dessen Flamme den Baum, [der] Kāma [war], verzehrt hat – es mir [Indra] in [mehreren] Tausenden [von Versen], nach dem Maß des ‚Bhava‘ [?] bemessen.
Wort für Wort
tebhyo 'vagatya
nachdem er [es] von ihnen erfahren hatte
dṛgjyotir jvālālīḍhasmaradrumaḥ
[Śiva,] dessen Auge Feuer ist, dessen Flamme den Kāma-Baum verzehrt hat
dadāv umāpatir mahyaṃ
gab Umās Gemahl es mir
sahasrair bhavasaṃmitaiḥ
in [mehreren] Tausenden, nach dem Maß des ‚Bhava‘ bemessen
[?] ‚sahasrair bhavasaṃmitaiḥ‘ unsicher – möglicherweise Bezug auf eine überlieferte Verszähl-/Umfangseinheit oder ein (nicht näher identifiziertes) Werk namens ‚Bhava‘; Anspielung auf die bekannte Kāmadahana-Legende (Śiva verbrennt den Liebesgott Kāma) in der Beschreibung Śivas.
Auch darin die Ausführlichkeit beiseitelassend, werde ich mittels Sūtras, die [nur] den Kerngehalt ausdrücken, die unverwirrte Erkenntnis lehren – größtenteils eben mit jenen [Worten], die [Śiva] gesprochen hat.
Wort für Wort
tatrāpi vistaraṃ hitvā
auch darin die Ausführlichkeit beiseitelassend
sūtraiḥ sārārthavācakaiḥ
mittels Sūtras, die [nur] den Kerngehalt ausdrücken
vakṣye nirākulaṃ jñānaṃ
werde ich die unverwirrte Erkenntnis lehren
taduktair eva bhūyasā
größtenteils eben mit jenen von [Śiva] gesprochenen [Worten]
Abschluss der Rahmenerzählung; Indra kündigt an, die eigentliche, in Vers 30 beginnende Lehre nun in knapper Sūtra-Form vorzutragen.