Quellen der Menschheit

Mṛgendra-Āgama

Paṭala 13: trayodaśaḥ paṭalaḥ Paṭala 13: Kosmologie – die Bhuvana-Tattva-Sequenz (Welten, Höllen, Pātālas, Dvīpas u.a.)

Fortsetzung des Mṛgendrāgama-Vidyāpāda (Quelle wie vorherige Kapitel). Das dreizehnte und letzte Paṭala (198 Verse, mit Abstand das umfangreichste des Werks) entfaltet die vollständige kosmologische 'Bhuvana-Tattva'-Sequenz und wird wegen seines Umfangs in mehreren Bau-Abschnitten übersetzt und eingefügt (dieser erste Abschnitt: Verse 1-34). Inhalt dieses Abschnitts: Einführung der Bhuvana-Schöpfung durch Maheśvara als Fortsetzung der Tattva-Kette; kurzer Verweis auf Herrscher sowohl der unreinen als auch der reinen Māyā-Schöpfung; die klassische indische Maßeinheiten-Skala vom Staubkorn bis zum Yojana; die Dicke des Welteneis (Brahmāṇḍa); der Gott Kālāgni ('Zeit-Feuer') mit seinen Flammen- und Rauch-Ausdehnungen; die 33 Höllenschichten (Puṭa) mit ausführlicher Namensliste der Höllen (Naraka, u.a. Raurava, Kumbhīpāka, Avīci); die Erd- und Metallschichten mit ihrem Herrscher Kūṣmāṇḍa; die sieben Pātālas (Unterwelten) mit Namen und ihren jeweils sieben Daitya-, Nāga- (Kādraveya) und Rākṣasa-Herrschern unter dem obersten Pātāla-Herrscher Hāṭaka; und der Übergang zur Beschreibung der Erdoberfläche. Wegen der extremen Dichte an Eigennamen und Zahlenangaben zahlreiche [?]-Markierungen, insbesondere bei exakten Maßangaben.

athoktārthaprasiddhyarthaṃ bhuvanādi vinirmame / sādhāraṇebhyo yonibhyaḥ kalādibhyo maheśvaraḥ // tāni kālānalādīni kalāprāntāni maṇḍalam / saṃsāramiti tattvajñā bhogasthānaṃ pracakṣate //

Nun erschuf Maheśvara, zur Erfüllung des zuvor genannten Zwecks, aus den gemeinsamen Ursprungsquellen [d.h. aus der Māyā], vermittelt durch Kalā u.a. Prinzipien, die Welten (Bhuvana) usw. Jene Welten, von Kālāgni ('Zeit-Feuer') an bis hin zu Kalā reichend, bilden die kosmische Sphäre, welche die Prinzipien-Kenner 'Saṃsāra' nennen und als 'Ort der Erfahrung' bezeichnen.

Wort für Wort
athoktārthaprasiddhyarthaṃ bhuvanādi vinirmame
nun erschuf [der Herr], zur Erfüllung des zuvor genannten Zwecks, die Welten usw.
sādhāraṇebhyo yonibhyaḥ kalādibhyo maheśvaraḥ
aus den gemeinsamen Ursprungsquellen, vermittelt durch Kalā u.a., Maheśvara
tāni kālānalādīni kalāprāntāni maṇḍalam
jene Welten, von Kālāgni bis Kalā reichend, [bilden] die kosmische Sphäre
saṃsāramiti tattvajñā bhogasthānaṃ pracakṣate
die Prinzipien-Kenner nennen sie 'Saṃsāra', den 'Ort der Erfahrung'

Eröffnung des mit Abstand längsten Paṭala (198 Verse): die kosmologische Bhuvana-Tattva-Lehre, Fortsetzung des Übergangsverses aus Paṭala 12,34.

māyāyāmapi paṭhyante gahaneśādayo 'dhipāḥ / tattvaśuddhiśca dīkṣāyāṃ sarvaṃ tatkṛtimastake // nityatvavyāpakatvādi- śravaṇādavasīyate / dṛṣṭaṃ purādi yadbhogyaṃ mūrtaṃ pralayadharmi ca // śuddhādhvanyapi māyāyāḥ parasyāḥ patayaḥ kṛtau / te tasyāmapi paṭhyante te 'pi tatkṛtimastake //

Auch innerhalb der Māyā werden die Herrscher, angefangen mit Gahaneśa, [in den Schriften] aufgezählt; sowohl die 'Reinigung der Prinzipien' (Tattvaśuddhi) bei der Initiation als auch dies alles gehört zum Schöpfungswerk jenes [Maheśvara] [?]. Aus dem Hören [der Schrift] über [ihre] Ewigkeit, Alldurchdringung usw. wird [dies über die höheren Prinzipien] erschlossen; demgegenüber sind die wahrnehmbaren Dinge wie Städte usw., welche Erfahrungsobjekte und von materieller Gestalt sind, der Auflösung unterworfen. Auch auf dem 'reinen Pfad' (Śuddhādhvan), im Bereich der höheren, [reinen] Māyā, gibt es in deren Schöpfung Herrscher; auch sie werden für jene [reine Māyā] aufgezählt, und auch sie gehören zu jenem gesamten Schöpfungswerk.

Wort für Wort
māyāyāmapi paṭhyante gahaneśādayo 'dhipāḥ
auch innerhalb der Māyā werden die Herrscher, mit Gahaneśa beginnend, aufgezählt
tattvaśuddhiśca dīkṣāyāṃ sarvaṃ tatkṛtimastake
sowohl die Tattvaśuddhi bei der Initiation als auch dies alles gehört zum Schöpfungswerk
nityatvavyāpakatvādiśravaṇādavasīyate
aus dem Hören über Ewigkeit, Alldurchdringung usw. wird [dies] erschlossen
dṛṣṭaṃ purādi yadbhogyaṃ mūrtaṃ pralayadharmi ca
die wahrnehmbaren Dinge wie Städte, Erfahrungsobjekte von materieller Gestalt, sind der Auflösung unterworfen
śuddhādhvanyapi māyāyāḥ parasyāḥ patayaḥ kṛtau
auch auf dem reinen Pfad, im Bereich der höheren Māyā, gibt es in deren Schöpfung Herrscher
te tasyāmapi paṭhyante te 'pi tatkṛtimastake
auch sie werden aufgezählt und gehören zu jenem Schöpfungswerk

[?] Unterscheidung zwischen den ewigen, alldurchdringenden höheren Prinzipien (durch Schriftautorität erschlossen) und den vergänglichen, materiellen unteren Schöpfungsbereichen (Städte usw.); Vorverweis auf Herrscher sowohl der unreinen als auch der reinen Māyā-Schöpfung.

rajo vilokyate tiryag- jālāviṣṭārkarociṣām / tadaṣṭāṣṭaguṇasthāne tṛtīye syātkacāgrakam // likṣā yūkā yavo 'pyevam aṅgulaṃ tattrisaṃguṇaiḥ / taireva guṇitaṃ pāṇir dhanustadvedalakṣitam // daṇḍo dve dhanuṣī jñeyaḥ krośastaddvisahasrakam / dvikrośamāhurgavyūtiṃ dvigavyūtiṃ ca yojanam // kapālamarbudaṃ sthaulyād brahmaṇo 'ṇḍasya yojanaiḥ / tasyāntaḥ kāñcanaṃ dhāma kālāgnestāvadeva hi //

Ein Sonnenstäubchen, wie es in einem durch ein schräg gestelltes Gitter einfallenden Sonnenstrahl sichtbar wird, [gilt als kleinste Maßeinheit]; verachtfacht, [dann wiederum] verachtfacht, ergibt es an dritter Stelle dieser Reihe eine 'Haarspitze' (Kacāgra) [?]. Ebenso, in fortschreitender Vervielfachung: Nissenei (Likṣā), Laus (Yūkā), Gerstenkorn (Yava), und darauf ein Finger[breite] (Aṅgula) durch Verdreifachung; durch dieselben Faktoren vervielfacht ergibt sich eine Hand[spanne] (Pāṇi); ein 'Bogen' (Dhanus) wird durch die Zahl 'Veda' [vier] bestimmt [?]. Ein 'Stab' (Daṇḍa) ist als zwei Bogenlängen zu verstehen; ein 'Krośa' beträgt zweitausend davon; zwei Krośa, so sagt man, ergeben eine 'Gavyūti'; und zwei Gavyūti ergeben ein 'Yojana'. Die Schale des Weltenei[s] Brahmās misst hundert Millionen (Arbuda) Yojana an Dicke; in seinem Innern befindet sich ein goldener Bereich, ebenso groß wie der Bereich des Kālāgni ['Zeit-Feuers'].

Wort für Wort
rajo vilokyate tiryagjālāviṣṭārkarociṣām
ein Sonnenstäubchen, wie es in einem schräg gestellten Gitter sichtbar wird, [ist kleinste Maßeinheit]
tadaṣṭāṣṭaguṇasthāne tṛtīye syātkacāgrakam
verachtfacht, dann wiederum verachtfacht, ergibt an dritter Stelle eine 'Haarspitze'
likṣā yūkā yavo 'pyevam aṅgulaṃ tattrisaṃguṇaiḥ
Nissenei, Laus, Gerstenkorn, und ein Finger durch Verdreifachung
taireva guṇitaṃ pāṇir dhanustadvedalakṣitam
durch dieselben Faktoren vervielfacht eine Handspanne; ein Bogen durch die Zahl vier bestimmt
daṇḍo dve dhanuṣī jñeyaḥ krośastaddvisahasrakam
ein Stab ist zwei Bogenlängen; ein Krośa beträgt zweitausend davon
dvikrośamāhurgavyūtiṃ dvigavyūtiṃ ca yojanam
zwei Krośa ergeben eine Gavyūti, zwei Gavyūti ein Yojana
kapālamarbudaṃ sthaulyād brahmaṇo 'ṇḍasya yojanaiḥ
die Schale des Welteneis Brahmās misst hundert Millionen Yojana an Dicke
tasyāntaḥ kāñcanaṃ dhāma kālāgnestāvadeva hi
in seinem Innern ein goldener Bereich, ebenso groß wie der des Kālāgni

[?] Klassische indische Maßeinheiten-Skala (Staubkorn→Haarspitze→Nissenei→Laus→Gerstenkorn→Finger→Handspanne→Bogen→Stab→Krośa→Gavyūti→Yojana); die genauen Multiplikationsfaktoren einzelner Schritte bleiben teilweise unsicher rekonstruiert.

yatrāntakālatīkṣṇāṃśu- koṭitejāstathāvidhaiḥ / rudrairāste vṛto devaḥ kālāgniriti viśrutaḥ // sarvādhvavartibhūtānāṃ yasminnudvṛttatejasi / bhayamutpadyate śaktyā saṃhartryā codite prabhoḥ //

Dort, mit der Feuerglut von zehn Millionen scharfstrahligen [Sonnen] zur Zeit der Weltvernichtung, umgeben von ebensolchen Rudras, weilt der Gott, bekannt als 'Kālāgni'. Wenn dessen Feuerglut, angetrieben durch die zerstörende Macht (Śakti) des Herrn, sich steigert, entsteht bei allen auf irgendeinem der kosmischen Pfade befindlichen Wesen Furcht.

Wort für Wort
yatrāntakālatīkṣṇāṃśukoṭitejāstathāvidhaiḥ
dort, mit der Feuerglut von zehn Millionen scharfstrahligen [Sonnen] zur Weltvernichtungszeit
rudrairāste vṛto devaḥ kālāgniriti viśrutaḥ
umgeben von ebensolchen Rudras, weilt der als 'Kālāgni' bekannte Gott
sarvādhvavartibhūtānāṃ yasminnudvṛttatejasi
wenn dessen Feuerglut sich steigert, bei allen auf den kosmischen Pfaden befindlichen Wesen
bhayamutpadyate śaktyā saṃhartryā codite prabhoḥ
entsteht Furcht, angetrieben durch die zerstörende Macht des Herrn

tasya svabhāvato jvālāḥ pravṛttā daśakoṭayaḥ / yojanānāṃ tadardhena dhūmaḥ sāndraḥ sudāruṇaḥ // tataḥ puṭāstrayastriṃśad- daśalakṣonakoṭikāḥ / tadantarāṇi dvātriṃśal- lakṣakāṇi durātmanām // sthānāni yātanāhetor nirmitānyadhvavedhasā / tāni te nāmabhirvakṣye dvijamukhya nibodha me //

Von Natur aus schlagen aus ihm [Kālāgni] Flammen hervor, die sich zehn Millionen Yojana weit erstrecken; für die Hälfte davon erstreckt sich dichter, überaus schrecklicher Rauch. Darauf folgen dreiunddreißig Schichten (Puṭa), je neun Millionen [Yojana groß] [?]; die Zwischenräume zwischen ihnen betragen je zweiunddreißig Hunderttausend Yojana – dies sind die Bereiche der Bösen. Diese Stätten, zur Bestrafung erschaffen, wurden vom Schöpfer des kosmischen Pfades gemacht; ich werde sie dir, o vorzüglichster der Brahmanen, mit Namen nennen – höre mich.

Wort für Wort
tasya svabhāvato jvālāḥ pravṛttā daśakoṭayaḥ
von Natur aus schlagen aus ihm Flammen hervor, zehn Millionen Yojana weit
yojanānāṃ tadardhena dhūmaḥ sāndraḥ sudāruṇaḥ
für die Hälfte davon dichter, schrecklicher Rauch
tataḥ puṭāstrayastriṃśaddaśalakṣonakoṭikāḥ
darauf folgen 33 Schichten, je neun Millionen Yojana groß
tadantarāṇi dvātriṃśallakṣakāṇi durātmanām
die Zwischenräume betragen je 3.200.000 Yojana – Bereiche der Bösen
sthānāni yātanāhetor nirmitānyadhvavedhasā
diese Bestrafungsstätten wurden vom Schöpfer des kosmischen Pfades gemacht
tāni te nāmabhirvakṣye dvijamukhya nibodha me
ich werde sie dir mit Namen nennen, o Bester der Brahmanen

[?] Übergang zur folgenden Aufzählung der 32 Höllen (Naraka).

rauravadhvāntaśītoṣṇa- saṃtāpābjamahāmbujāḥ / kālasūtrāṣṭamā hyete narakā iti viśrutaḥ // sūcyāsyatālakhaḍgākhya kṣuradhārāmbarīṣakāḥ / taptāṅgārā mahādāhāḥ saṃtāpāśceti ye mune // bhavantyaṣṭau subībhatsā mahāśabdapadānugāḥ / lākṣāpralepamāṃsāda- nirucchvāsanasocchvāsāḥ // yugmādriśālmalīloha- pradīptakṣutpipāsakāḥ / kṛmīṇāṃ nicayaśceti rājānaḥ parikīrtitāḥ //

Raurava, Dhvānta, [die beiden] Śīta [und] Uṣṇa, Saṃtāpa, Abja [und] Mahāmbuja, mit Kālasūtra als achtem [?] – diese sind als 'Höllen' (Naraka) bekannt. Die [Höllen] namens 'Nadelmund' (Sūcyāsya), 'Tāla', 'Schwert' (Khaḍga), 'Rasiermesserschneide' (Kṣuradhārā) und 'Ambarīṣa', 'Glühende-Kohlen' (Taptāṅgāra), 'Große-Verbrennung' (Mahādāha) und 'Große-Qual' (Saṃtāpa) – so, o Weiser, gibt es acht überaus grauenvolle, mit der Vorsilbe 'Groß-' [benannt]: 'Lackbestreichung' (Lākṣāpralepa), 'Fleischfresser' (Māṃsāda), 'Atem-Erstickung' (Nirucchvāsana) [und] 'Mit-Atem' (Saocchvāsa), 'Zwillingsberge' (Yugmādri), 'Śālmalī-[Baum]', 'Glühendes-Eisen' (Pradīptaloha), 'Hunger' [und] 'Durst' (Kṣutpipāsā) sowie 'Wurmhaufen' (Kṛmi-nicaya) – so werden die 'königlichen' [Haupt-]Höllen genannt.

Wort für Wort
rauravadhvāntaśītoṣṇasaṃtāpābjamahāmbujāḥ
Raurava, Dhvānta, Śīta, Uṣṇa, Saṃtāpa, Abja, Mahāmbuja
kālasūtrāṣṭamā hyete narakā iti viśrutaḥ
mit Kālasūtra als achtem – diese sind als Höllen bekannt
sūcyāsyatālakhaḍgākhya kṣuradhārāmbarīṣakāḥ
Sūcyāsya, Tāla, Khaḍga, Kṣuradhārā, Ambarīṣa
taptāṅgārā mahādāhāḥ saṃtāpāśceti ye mune
Taptāṅgāra, Mahādāha, Saṃtāpa – so, o Weiser
bhavantyaṣṭau subībhatsā mahāśabdapadānugāḥ
gibt es acht überaus grauenvolle, mit 'Groß-' benannte
lākṣāpralepamāṃsādanirucchvāsanasocchvāsāḥ
Lākṣāpralepa, Māṃsāda, Nirucchvāsana, Saocchvāsa
yugmādriśālmalīlohapradīptakṣutpipāsakāḥ
Yugmādri, Śālmalī, Pradīptaloha, Kṣutpipāsā
kṛmīṇāṃ nicayaśceti rājānaḥ parikīrtitāḥ
Kṛmi-nicaya – so werden die königlichen Haupthöllen genannt

[?] Namensliste der wichtigsten Höllen (Naraka) des Mṛgendrāgama; die exakte Gruppierung/Zählung einzelner Namen (u.a. 'Kālasūtra als achtem') bleibt an manchen Stellen unsicher.

lohastambho 'tha viṇmūtras tathā vaitaraṇī nadī / tāmisraścāndhatāmisraḥ kumbhīpākaḥ sarauravaḥ // mahāpadānugo 'vīcī rājarājeśvareśvarāḥ / eṣāṃ puṭānāṃ narakaiḥ sārdhaṃ yojanasaṃkhyayā //

'Eisensäule' (Lohastambha), sodann 'Kot-und-Urin' (Viṇmūtra), ebenso der Fluss Vaitaraṇī, 'Finsternis' (Tāmisra) und 'Blinde-Finsternis' (Andhatāmisra), 'Topfkochung' (Kumbhīpāka) samt Raurava, 'Große-Not-Folgend' (Mahāpadānuga), 'Avīci' und [die höchsten Herrscher, betitelt] 'König-der-Könige, Herr-der-Herren' – von diesen Schichten (Puṭa) samt ihren Höllen, nach der Anzahl der Yojana [ergibt sich Folgendes]:

Wort für Wort
lohastambho 'tha viṇmūtras tathā vaitaraṇī nadī
Lohastambha, Viṇmūtra, sowie der Fluss Vaitaraṇī
tāmisraścāndhatāmisraḥ kumbhīpākaḥ sarauravaḥ
Tāmisra und Andhatāmisra, Kumbhīpāka samt Raurava
mahāpadānugo 'vīcī rājarājeśvareśvarāḥ
Mahāpadānuga, Avīci und die höchsten Herrscher 'König-der-Könige, Herr-der-Herren'
eṣāṃ puṭānāṃ narakaiḥ sārdhaṃ yojanasaṃkhyayā
von diesen Schichten samt ihren Höllen, nach der Anzahl der Yojana

bhavanti koṭayastriṃśad dve ca lakṣe dvijottama / tatasttriṃśatsahasrāṇi tyaktvā bhūrnavalākṣikī // bhavatyayomayyardhena pūrveṇārdhena kāñcanī / yo 'pyadhastātpuṭastasyā mṛdardhaṃ cārdhamāyasam // tatra dvātriṃśato 'mīṣāṃ nirayāṇāṃ patiḥ sthitaḥ / kūṣmāṇḍa iti vikhyātaḥ pralayārkānaladyutiḥ //

Es sind dreißig Millionen und zweihunderttausend [Yojana], o Bester der Brahmanen; sodann, abzüglich dreißigtausend, misst die Erd[schicht] neun Hunderttausend [Yojana] [?]. Diese ist zur einen Hälfte aus Eisen, zur anderen [vorderen] Hälfte golden; die darunterliegende Schicht wiederum ist zur Hälfte aus Lehm und zur Hälfte aus Eisen. Dort weilt der Herrscher dieser zweiunddreißig Höllen, bekannt als 'Kūṣmāṇḍa', von dem Glanz des Weltuntergangsfeuers und der -sonne.

Wort für Wort
bhavanti koṭayastriṃśad dve ca lakṣe dvijottama
es sind dreißig Millionen und zweihunderttausend Yojana, o Bester der Brahmanen
tatasttriṃśatsahasrāṇi tyaktvā bhūrnavalākṣikī
abzüglich dreißigtausend misst die Erdschicht neun Hunderttausend Yojana
bhavatyayomayyardhena pūrveṇārdhena kāñcanī
sie ist zur Hälfte aus Eisen, zur anderen Hälfte golden
yo 'pyadhastātpuṭastasyā mṛdardhaṃ cārdhamāyasam
die darunterliegende Schicht ist zur Hälfte Lehm, zur Hälfte Eisen
tatra dvātriṃśato 'mīṣāṃ nirayāṇāṃ patiḥ sthitaḥ
dort weilt der Herrscher dieser zweiunddreißig Höllen
kūṣmāṇḍa iti vikhyātaḥ pralayārkānaladyutiḥ
bekannt als 'Kūṣmāṇḍa', vom Glanz des Weltuntergangsfeuers und der -sonne

[?] Präzise Zahlenangaben (Yojana-Maße der Erd- und Metallschichten) bleiben an mehreren Stellen unsicher rekonstruiert.

karālavadanaḥ kruddho vṛttakoṭaralocanaḥ / taṅkapāṇistathābhūtair bhūtairbhūyobhirāvṛtaḥ // ayorukmapuṭādūrdhvam aṣṭamīyaṃ vasundharā / sāhasrāḥ ṣaṭ parā madhyā vyarkalakṣatrikoṭikī // vasatyo navasāhasrāḥ parā daśasahasrikī / tadāsāṃ saptakaṃ sadbhiḥ khyātaṃ pātālasaptakam //

[Kūṣmāṇḍa ist] von schrecklichem Antlitz, zornig, mit runden, tiefliegenden Augen, einen Meißel [oder eine Axt] in der Hand, umgeben von zahlreichen ihm gleichartigen Wesen. Oberhalb der Eisen-Gold-Schicht liegt diese achte Schicht, 'Vasundharā' [Erde]; ihr äußerer Teil misst sechstausend Yojana, der mittlere, sonnenlose misst dreißig Hunderttausend zuzüglich drei Millionen Yojana [?]. Die Wohnstätten messen neuntausend Yojana, die äußerste zehntausend; diese sieben Schichten zusammen sind bei den Weisen bekannt als die 'sieben Pātālas'.

Wort für Wort
karālavadanaḥ kruddho vṛttakoṭaralocanaḥ
[Kūṣmāṇḍa ist] von schrecklichem Antlitz, zornig, mit runden, tiefliegenden Augen
taṅkapāṇistathābhūtair bhūtairbhūyobhirāvṛtaḥ
einen Meißel in der Hand, umgeben von zahlreichen ihm gleichartigen Wesen
ayorukmapuṭādūrdhvam aṣṭamīyaṃ vasundharā
oberhalb der Eisen-Gold-Schicht [liegt] die achte Schicht, 'Vasundharā'
sāhasrāḥ ṣaṭ parā madhyā vyarkalakṣatrikoṭikī
der äußere Teil misst sechstausend, der mittlere sonnenlose [misst] 3.300.000 Yojana
vasatyo navasāhasrāḥ parā daśasahasrikī
die Wohnstätten messen neuntausend, die äußerste zehntausend Yojana
tadāsāṃ saptakaṃ sadbhiḥ khyātaṃ pātālasaptakam
diese sieben Schichten zusammen sind als die 'sieben Pātālas' bekannt

[?] Übergang von den Höllen (Naraka) zu den sieben Pātālas (Unterwelten).

tannāmato 'dhipatita ucyamānaṃ nibodha me / ābhāsaṃ paratālākhyaṃ tritalaṃ ca gabhastimān // mahātalaṃ rasāṅkaṃ ca pātālaṃ saptamaṃ mune / saptasveteṣu daityendra- bhujaṅgakṣaṇadācarāḥ //

Höre von mir, wie es, [beginnend] von oben, mit Namen genannt wird: 'Ābhāsa', das 'Paratāla' genannte, 'Tritala' und 'Gabhastimat', 'Mahātala' und 'Rasātala' – dies sind die sieben Pātālas, o Weiser; in diesen sieben wohnen die Herrscher der Daityas, der Schlangenwesen (Nāga) und der Nachtwandler (Rākṣasa).

Wort für Wort
tannāmato 'dhipatita ucyamānaṃ nibodha me
höre von mir, wie es von oben [beginnend] mit Namen genannt wird
ābhāsaṃ paratālākhyaṃ tritalaṃ ca gabhastimān
'Ābhāsa', 'Paratāla', 'Tritala' und 'Gabhastimat'
mahātalaṃ rasāṅkaṃ ca pātālaṃ saptamaṃ mune
'Mahātala' und 'Rasātala' – die sieben Pātālas, o Weiser
saptasveteṣu daityendrabhujaṅgakṣaṇadācarāḥ
in diesen sieben wohnen die Herrscher der Daityas, Nāgas und Rākṣasas

sapta sapta samākhyātās tānapyatha nibodha me / daityāḥ śaṅkuśrutiḥ pūrve prahlādaḥ śiśupālakaḥ // karkandhako hiraṇyākṣo bṛhadgarbho balistathā / kādraveyāḥ kuṭilako vāsukiḥ kambalastathā // kārkoṭako 'tha kālāṅgo durdarśastakṣakastathā / vikaṭo lohitākṣaśca yamākṣo vikaṭānanaḥ // karālo bhīmanirhrādaḥ piṅgalaśceti rākṣasāḥ / teṣāmupari niśeṣa- pātālādhipatīśvaraḥ //

Je sieben werden [pro Pātāla-Gruppe] genannt; höre auch diese von mir: die Daityas [sind] Śaṅkuśruti als erster, Prahlāda, Śiśupālaka, Karkandhaka, Hiraṇyākṣa, Bṛhadgarbha [und] Bali; die Kādraveyas [Nāgas, 'Söhne der Kadrū'] [sind] Kuṭilaka, Vāsuki, Kambala, Kārkoṭaka, Kālāṅga, Durdarśa [und] Takṣaka; die Rākṣasas [sind] Vikaṭa, Lohitākṣa, Yamākṣa, Vikaṭānana, Karāla, Bhīmanirhrāda [und] Piṅgala. Über ihnen [allen steht] der uneingeschränkte oberste Herrscher aller Pātālas.

Wort für Wort
sapta sapta samākhyātās tānapyatha nibodha me
je sieben werden genannt; höre auch diese von mir
daityāḥ śaṅkuśrutiḥ pūrve prahlādaḥ śiśupālakaḥ
die Daityas: Śaṅkuśruti als erster, Prahlāda, Śiśupālaka
karkandhako hiraṇyākṣo bṛhadgarbho balistathā
Karkandhaka, Hiraṇyākṣa, Bṛhadgarbha, Bali
kādraveyāḥ kuṭilako vāsukiḥ kambalastathā
die Kādraveyas [Nāgas]: Kuṭilaka, Vāsuki, Kambala
kārkoṭako 'tha kālāṅgo durdarśastakṣakastathā
Kārkoṭaka, Kālāṅga, Durdarśa, Takṣaka
vikaṭo lohitākṣaśca yamākṣo vikaṭānanaḥ
die Rākṣasas: Vikaṭa, Lohitākṣa, Yamākṣa, Vikaṭānana
karālo bhīmanirhrādaḥ piṅgalaśceti rākṣasāḥ
Karāla, Bhīmanirhrāda, Piṅgala
teṣāmupari niśeṣapātālādhipatīśvaraḥ
über ihnen allen der uneingeschränkte oberste Herrscher aller Pātālas

Namensliste der sieben Daitya-, sieben Nāga- (Kādraveya) und sieben Rākṣasa-Herrscher der Pātālas.

sāhasre kāñcane dhāma- maṇḍale hāṭakaḥ sthitaḥ / yaṃ stuvanti priyaprāptyai yatā yativibhūṣaṇaiḥ // daityayakṣāsurādhīśa- lalanā lalitaiḥ padaiḥ / tataḥ koṭiśataṃ pṛthvī nānājanasamāśrayā //

In einer tausend[-Yojana großen] goldenen Wohnstätten-Sphäre weilt der [oberste Herrscher], genannt 'Hāṭaka', den die Frauen der Herrscher der Daityas, Yakṣas [und] Asuras, um die Erfüllung [ihrer] Wünsche zu erlangen, mit anmutigen Versen preisen. Von da an [erstreckt sich] die Erde, hundert Millionen [Yojana groß], die Zuflucht mannigfaltiger Wesen.

Wort für Wort
sāhasre kāñcane dhāmamaṇḍale hāṭakaḥ sthitaḥ
in einer tausend[-Yojana] goldenen Wohnstätten-Sphäre weilt der [Herrscher] 'Hāṭaka'
yaṃ stuvanti priyaprāptyai yatā yativibhūṣaṇaiḥ
den [die Frauen], um Wunscherfüllung zu erlangen, [preisen]
daityayakṣāsurādhīśalalanā lalitaiḥ padaiḥ
die Frauen der Herrscher der Daityas, Yakṣas und Asuras, mit anmutigen Versen
tataḥ koṭiśataṃ pṛthvī nānājanasamāśrayā
von da an [erstreckt sich] die Erde, hundert Millionen Yojana groß, Zuflucht mannigfaltiger Wesen

Abschluss des Pātāla-Abschnitts (oberster Herrscher Hāṭaka) und Übergang zur Beschreibung der Erdoberfläche (Dvīpas).

dvīpaśailasaridvāri- nidhimaṇḍalamaṇḍitā / jambūśākakuśakrauñca- śālmagomedhapuṣkarāḥ // lakṣādidviguṇā dvīpāḥ kṣārādyabdhibhirāvṛtāḥ / tato hiraṇmayī bhūmir lokālokaśca parvataḥ // tamaḥ parastādgarbhodaḥ kaṭāhaśceti bhūtalam / triśailasariddvīpakān an[al]odadhyalaṃkṛtām //

[Die Erde ist] geschmückt mit den Kreisen von Kontinenten (Dvīpa), Bergen, Flüssen und Ozeanen; die sieben Kontinente sind: Jambū, Śāka, Kuśa, Krauñca, Śālma[li], Gomedha und Puṣkara. Die Kontinente messen, beginnend mit hunderttausend Yojana, je das Doppelte des vorigen, und sind von Ozeanen umgeben, beginnend mit dem Salzwasser-Ozean; jenseits davon liegt das goldene Land und der Berg 'Lokāloka'. Jenseits davon die Finsternis, dann der 'Garbhoda'-Ozean und die 'Schale' (Kaṭāha) – so ist die gesamte Erdoberfläche, mit ihren Bergen, Flüssen und Kontinenten, auch durch den 'Feuer-Ozean' [?] geschmückt, beschrieben.

Wort für Wort
dvīpaśailasaridvārinidhimaṇḍalamaṇḍitā
[die Erde ist] geschmückt mit den Kreisen von Kontinenten, Bergen, Flüssen und Ozeanen
jambūśākakuśakrauñca- śālmagomedhapuṣkarāḥ
die sieben Kontinente: Jambū, Śāka, Kuśa, Krauñca, Śālma, Gomedha, Puṣkara
lakṣādidviguṇā dvīpāḥ kṣārādyabdhibhirāvṛtāḥ
die Kontinente, ab hunderttausend Yojana je verdoppelt, sind von Ozeanen umgeben
tato hiraṇmayī bhūmir lokālokaśca parvataḥ
jenseits davon das goldene Land und der Berg 'Lokāloka'
tamaḥ parastādgarbhodaḥ kaṭāhaśceti bhūtalam
jenseits davon Finsternis, der 'Garbhoda'-Ozean und die 'Schale' (Kaṭāha)
triśailasariddvīpakān an[al]odadhyalaṃkṛtām
so die Erdoberfläche mit Bergen, Flüssen, Kontinenten, auch durch den Feuer-Ozean geschmückt

[?] Die klassische Sieben-Dvīpa-Kosmographie (Jambū, Śāka, Kuśa, Krauñca, Śālmali, Gomedha, Puṣkara), jeweils von einem Ozean umgeben, bis zum äußeren Lokāloka-Gebirge; die genaue Deutung von 'an[al]odadhi' (im Quelltext mit Editor-Klammer) bleibt unsicher.

pṛthvīṃ bhagavatīṃ śakra śrotumicchāmi vistarāt / tvayi vaktari deveśa sarvapratyakṣadarśini // niṣṭhājñaptirasākṛṣṭaṃ śrutau dhāvati me manaḥ / vartayiṣye dvijaśreṣṭha prastutoktiśarīravat //

[Bharadvāja sprach:] 'Von dir, dem alles unmittelbar Schauenden, o Śakra, Herr der Götter, als dem Sprecher, möchte ich ausführlich von der erhabenen Erde hören.' [Indra antwortete:] 'Mein Geist eilt, hingezogen vom Genuss vollständiger Belehrung, dem zu Hörenden entgegen; ich werde es dir erzählen, o Bester der Brahmanen, dem bisherigen Gang der Darlegung folgend.'

Wort für Wort
pṛthvīṃ bhagavatīṃ śakra śrotumicchāmi vistarāt
[Bharadvāja:] von dir möchte ich ausführlich von der erhabenen Erde hören
tvayi vaktari deveśa sarvapratyakṣadarśini
o Śakra, Herr der Götter, alles unmittelbar Schauender, als dem Sprecher
niṣṭhājñaptirasākṛṣṭaṃ śrutau dhāvati me manaḥ
[Indra:] mein Geist eilt, vom Genuss vollständiger Belehrung hingezogen, dem zu Hörenden entgegen
vartayiṣye dvijaśreṣṭha prastutoktiśarīravat
ich werde es dir erzählen, o Bester der Brahmanen, dem Gang der Darlegung folgend

[Anm.] Wichtiger struktureller Befund: dieser Dialog bestätigt, dass die fortlaufende Lehrdarlegung seit Paṭala 1 (Rahmenerzählung: Indra prüft die Weisen, offenbart sich, Bharadvāja fragt nach der Lehrübertragung) tatsächlich als Indras Rede AN Bharadvāja gerahmt ist – Indra, der die Lehre zuvor von Śiva empfangen hatte, fungiert somit als der eigentliche Binnenerzähler des gesamten seither vermittelten Lehrstoffs. Bharadvāja wird hier als Frager namentlich wieder eingeführt.

dvīpānnadīvanāntāṃśca śṛṇuśvaikāgramānasaḥ / jambudvīpaṃ kṣiternābhis tadvṛttaṃ lakṣayojanam // kṣārābdhinā parivṛttaṃ parivṛttena tāvatā / tasya madhye sthitaḥ śaila- rājarājo hiraṇmayaḥ // tiraskṛtāṃśumajjyotir meruḥ suraniṣevitaḥ / sa ṣoḍaśa sahasrāṇi kṣitau viṣṭo mahītalāt //

Höre, mit gesammeltem Geist, von den Kontinenten, Flüssen und Waldgebieten: Jambūdvīpa ist der Nabel der Erde; es ist kreisförmig, hunderttausend Yojana [im Durchmesser]. Es ist vom Salzozean umgeben, welcher seinerseits von ebenso breitem Land umgeben ist; in seiner Mitte steht der goldene 'König der Bergkönige' [Meru], dessen Glanz selbst das strahlende Himmelslicht überstrahlt, von den Göttern besucht – er ist, von der Erdoberfläche aus, sechzehntausend Yojana tief in die Erde eingesenkt.

Wort für Wort
dvīpānnadīvanāntāṃśca śṛṇuśvaikāgramānasaḥ
höre mit gesammeltem Geist von den Kontinenten, Flüssen und Waldgebieten
jambudvīpaṃ kṣiternābhis tadvṛttaṃ lakṣayojanam
Jambūdvīpa ist der Nabel der Erde, kreisförmig, hunderttausend Yojana
kṣārābdhinā parivṛttaṃ parivṛttena tāvatā
vom Salzozean umgeben, der seinerseits von ebenso breitem Land umgeben ist
tasya madhye sthitaḥ śailarājarājo hiraṇmayaḥ
in seiner Mitte steht der goldene 'König der Bergkönige'
tiraskṛtāṃśumajjyotir meruḥ suraniṣevitaḥ
Meru, dessen Glanz das Himmelslicht überstrahlt, von den Göttern besucht
sa ṣoḍaśa sahasrāṇi kṣitau viṣṭo mahītalāt
er ist, von der Erdoberfläche aus, sechzehntausend Yojana tief eingesenkt

tadūnamunnato lakṣaṃ mūle ṣoḍaśa vistṛtaḥ / triṣu pādāntareṣvasya caturvṛddheṣu parvasu // nemayaḥ kaṭakākārā nirgatā dīptimattarāḥ / ekā daśasahasrā tu manusāhasrikī parā // nemiryā mastakopānte lokapālasamāśrayā / cakravāṭeti tāmāhuḥ sarvaratnaprabhāvatīm // siddhagandharvamahatāṃ tadadhaḥ parvasu sthitiḥ / prācyādiṣvindramukhyānāṃ nāmatastānibodhata //

[Meru] ragt, abzüglich jenes eingesenkten Teils, hunderttausend Yojana empor, an der Basis sechzehntausend Yojana breit; an seinen drei Zwischenstufen, bei den jeweils vervierfachten Abschnitten [?], treten Ringe (Nemi), in Gestalt von Berghängen, zunehmend glänzender, hervor: einer misst zehntausend Yojana, der äußerste tausend 'Mensch'-Einheiten [?]. Den Ring, der am Rand des Gipfels liegt und die Wohnstätte der Weltenhüter (Lokapāla) bildet, nennt man 'Cakravāḍa', erstrahlend im Glanz aller Edelsteine. Unterhalb davon, an den unteren Abschnitten, befindet sich der Wohnsitz der großen Siddhas und Gandharvas; nun vernimm mit Namen die Weltenhüter, angeführt von Indra, in Osten usw.

Wort für Wort
tadūnamunnato lakṣaṃ mūle ṣoḍaśa vistṛtaḥ
[Meru] ragt, abzüglich des eingesenkten Teils, hunderttausend Yojana empor, an der Basis sechzehntausend breit
triṣu pādāntareṣvasya caturvṛddheṣu parvasu
an seinen drei Zwischenstufen, bei den vervierfachten Abschnitten
nemayaḥ kaṭakākārā nirgatā dīptimattarāḥ
treten Ringe, in Gestalt von Berghängen, zunehmend glänzender, hervor
ekā daśasahasrā tu manusāhasrikī parā
einer misst zehntausend Yojana, der äußerste tausend 'Mensch'-Einheiten
nemiryā mastakopānte lokapālasamāśrayā
den Ring am Gipfelrand, Wohnstätte der Weltenhüter
cakravāṭeti tāmāhuḥ sarvaratnaprabhāvatīm
nennt man 'Cakravāḍa', im Glanz aller Edelsteine erstrahlend
siddhagandharvamahatāṃ tadadhaḥ parvasu sthitiḥ
unterhalb davon der Wohnsitz der großen Siddhas und Gandharvas
prācyādiṣvindramukhyānāṃ nāmatastānibodhata
vernimm mit Namen die Weltenhüter, angeführt von Indra, in Osten usw.

[?] Präzise Maßangaben zu Merus Ring-Strukturen bleiben unsicher; Übergang zur folgenden Beschreibung der acht Lokapāla-Städte.

nānaratnaprabhājāla- maṇḍalālaṅkṛtā hareḥ / siddhasādhyamarujjuṣṭā rukmabhūramarāvatī // raktapītamaṇiprāya- hemaprākāragopurā / vahnestejovatī vahni- tulyabhūtaniṣevitā //

[Die Stadt] 'Amarāvatī', Indras Stadt, geschmückt mit einem Netzkreis vielfältigen Edelsteinglanzes, von Siddhas, Sādhyas und Maruts besucht, mit goldenem Grund; und 'Tejovatī', die Stadt Agnis, mit Mauern und Torhäusern vorwiegend aus roten und gelben Edelsteinen und Gold, von feuergleichen Wesen besucht.

Wort für Wort
nānaratnaprabhājāla-maṇḍalālaṅkṛtā hareḥ
Indras Stadt, geschmückt mit einem Netzkreis vielfältigen Edelsteinglanzes
siddhasādhyamarujjuṣṭā rukmabhūramarāvatī
'Amarāvatī', von Siddhas, Sādhyas und Maruts besucht, mit goldenem Grund
raktapītamaṇiprāyahemaprākāragopurā
mit Mauern und Torhäusern vorwiegend aus roten und gelben Edelsteinen und Gold
vahnestejovatī vahnitulyabhūtaniṣevitā
'Tejovatī', die Stadt Agnis, von feuergleichen Wesen besucht

Beginn der Beschreibung der acht Lokapāla-Städte (Amarāvatī/Indra-Osten, Tejovatī/Agni-Südosten).

mṛtyoḥ saṃyamanī tuṅga- lohaprākāramaṇḍalā / kālapāśapitṛvyādi- pretamāriniṣevitā // kṛṣṇā daityapatermṛtyor dhāmavaddaityasevitā / nīlaratnaprabhājāla- vitānavarabhūṣaṇā //

'Saṃyamanī', die Stadt des Todes [Yama], mit hohem Eisenmauer-Kreis, von Kāla, den Pāśa-Dämonen, den Ahnen (Pitṛ) u.a., Gespenstern (Preta) und Seuchengöttern (Māri) besucht; und 'Kṛṣṇā', die Stadt des Daitya-Herrn [Nirṛti], wie die Wohnstatt des Todes anzusehen, von Daityas besucht, mit einem prächtigen Baldachin-Schmuck aus blauem Edelsteinglanz.

Wort für Wort
mṛtyoḥ saṃyamanī tuṅgalohaprākāramaṇḍalā
'Saṃyamanī', die Stadt des Todes, mit hohem Eisenmauer-Kreis
kālapāśapitṛvyādi-pretamāriniṣevitā
von Kāla, den Pāśa-Dämonen, Ahnen u.a., Gespenstern und Seuchengöttern besucht
kṛṣṇā daityapatermṛtyor dhāmavaddaityasevitā
'Kṛṣṇā', die Stadt des Daitya-Herrn, wie die Wohnstatt des Todes, von Daityas besucht
nīlaratnaprabhājāla-vitānavarabhūṣaṇā
mit einem prächtigen Baldachin-Schmuck aus blauem Edelsteinglanz

Saṃyamanī (Yama-Süden), Kṛṣṇā (Nirṛti-Südwesten).

śuddhavatyambunāthasya sphaṭikopalanirmitā / pāṇḍurābhropamairyādaḥ- sevitā bhāti dhāmabhiḥ // vāyorgandhavatī tuṅga- śvetapītadhvajākulā / balavadbhūtasaṃjuṣṭā sarvaratnavinirmitā //

'Śuddhavatī', die Stadt des Herrn der Gewässer [Varuṇa], aus Kristallgestein erbaut, erstrahlt, besucht von Wasserwesen (Yādas), die weißen Wolken gleichen, mit ihren eigenen Glanzgestalten; und 'Gandhavatī', die Stadt Vāyus, voll hoher weißer und gelber Banner, von mächtigen Wesen besucht, aus allen Arten von Edelsteinen erbaut.

Wort für Wort
śuddhavatyambunāthasya sphaṭikopalanirmitā
'Śuddhavatī', die Stadt des Herrn der Gewässer, aus Kristallgestein erbaut
pāṇḍurābhropamairyādaḥ-sevitā bhāti dhāmabhiḥ
erstrahlt, besucht von wolkengleichen Wasserwesen mit ihren Glanzgestalten
vāyorgandhavatī tuṅga-śvetapītadhvajākulā
'Gandhavatī', die Stadt Vāyus, voll hoher weißer und gelber Banner
balavadbhūtasaṃjuṣṭā sarvaratnavinirmitā
von mächtigen Wesen besucht, aus allen Edelsteinen erbaut

Śuddhavatī (Varuṇa-Westen), Gandhavatī (Vāyu-Nordwesten).

mahodayā candramasaḥ śvetā muktādinirmitā / dvijasaṃghastutā bhāti purairhimagiriprabhaiḥ // jvalallalāṭadṛgdagdha- smaramṛtyuyaśobhṛtaḥ / purī yaśovatī sarva- ratnajā rudrasevitā //

'Mahodayā', die Stadt des Mondes, weiß, aus Perlen u.a. erbaut, von Scharen der Zweifachgeborenen [Vögel/Brahmanen] gepriesen, erstrahlt mit Bauten, leuchtend wie der Schneeberg; und 'Yaśovatī', die den Ruhm dessen trägt, der mit seinem lodernden Stirnauge Kāma [den Liebesgott] verbrannte und den Tod [besiegte, d.h. Rudras Stadt], aus allen Edelsteinen erbaut, von den Rudras besucht.

Wort für Wort
mahodayā candramasaḥ śvetā muktādinirmitā
'Mahodayā', die Stadt des Mondes, weiß, aus Perlen u.a. erbaut
dvijasaṃghastutā bhāti purairhimagiriprabhaiḥ
von Scharen der Zweifachgeborenen gepriesen, erstrahlt wie der Schneeberg
jvalallalāṭadṛgdagdha-smaramṛtyuyaśobhṛtaḥ
den Ruhm dessen tragend, der mit lodernden Stirnauge Kāma verbrannte und den Tod [besiegte]
purī yaśovatī sarvaratnajā rudrasevitā
die Stadt 'Yaśovatī', aus allen Edelsteinen erbaut, von den Rudras besucht

Mahodayā (Soma/Mond-Norden), Yaśovatī (Rudra/Īśāna-Nordosten) – Abschluss der acht Lokapāla-Städte.

iti sarvartusukhadāś cakravāṭārdhavistṛtāḥ / puryo 'ṣṭāvaniloddhūta- pārijātarajoruṇāḥ // vedhasā nirmitā loka- pālacakrānuvartinām / bhūtaye svarga ityetā gīyante kavibhiḥ kṣitau //

So sind es die acht Städte, die zu jeder Jahreszeit Wohlbefinden gewähren, je halb so breit wie der Cakravāḍa-Ring, gerötet vom windverwehten Blütenstaub des Pārijāta-Baumes, vom Schöpfer errichtet zum Wohlergehen derer, die im Gefolge des Kreises der Weltenhüter dienen – diese werden von den Dichtern auf Erden als 'Himmel' (Svarga) besungen.

Wort für Wort
iti sarvartusukhadāś cakravāṭārdhavistṛtāḥ
so die acht Städte, zu jeder Jahreszeit Wohlbefinden gewährend, halb so breit wie der Cakravāḍa-Ring
puryo 'ṣṭāvaniloddhūta-pārijātarajoruṇāḥ
gerötet vom windverwehten Blütenstaub des Pārijāta-Baumes
vedhasā nirmitā lokapālacakrānuvartinām
vom Schöpfer errichtet für die im Gefolge der Weltenhüter Dienenden
bhūtaye svarga ityetā gīyante kavibhiḥ kṣitau
zu deren Wohlergehen; diese werden von den Dichtern als 'Himmel' besungen

caturdaśa sahasrāṇi yojanānāṃ svayaṃbhuvaḥ / madhye manovatī nāma purī lokeśavanditā // yā cakārāruṇānuccair vidyunmārgānmahaḥśriyā / sāvitryā spardhamāneva svargakāmātivartinī // tasyāmupāsate devā munayaśca mahaujasaḥ / mahāyogīśvaraṃ siddhyai yamādyairbhūtavedhasam //

In der Mitte [des Gipfels], auf einer Fläche von vierzehntausend Yojana, liegt die Stadt des Selbstentstandenen [Brahmā], 'Manovatī' genannt, von den Weltenherrschern verehrt, die durch ihren eigenen Glanz ihre blitzgleichen Wege hoch erglühen ließ, wie mit der Sonnenglut (Sāvitrī) wetteifernd, und jedes Verlangen nach einem anderen Himmel übertrifft. In ihr verehren die Götter und mächtigen Weisen, mittels Yama u.a. Yoga-Gliedern, zur spirituellen Vollendung, den großen Herrn der Yogins, den Schöpfer der Wesen [Brahmā].

Wort für Wort
caturdaśa sahasrāṇi yojanānāṃ svayaṃbhuvaḥ
vierzehntausend Yojana, [die Fläche] des Selbstentstandenen [Brahmā]
madhye manovatī nāma purī lokeśavanditā
in der Mitte die Stadt 'Manovatī', von den Weltenherrschern verehrt
yā cakārāruṇānuccair vidyunmārgānmahaḥśriyā
die durch ihren Glanz ihre blitzgleichen Wege hoch erglühen ließ
sāvitryā spardhamāneva svargakāmātivartinī
wie mit der Sonnenglut wetteifernd, jedes Verlangen nach anderem Himmel übertreffend
tasyāmupāsate devā munayaśca mahaujasaḥ
in ihr verehren die Götter und mächtigen Weisen
mahāyogīśvaraṃ siddhyai yamādyairbhūtavedhasam
mittels Yama u.a. den großen Herrn der Yogins, den Schöpfer der Wesen

tadīśabhāge tasyādreḥ śṛṅgamādityasannibham / yattajjyotiṣkamityāhuḥ sadā paśupatipriyam // tasya sānuṣu haimeṣu ratnacitreṣu saṃsthitāḥ / skandanandimahākāla- gaṇeśādigaṇāvarāḥ // mūrdhni devādidevasya sthānaṃ tripuravidviṣaḥ / rudrāyutagaṇairjuṣṭaṃ brahmādyaiśca surottamaiḥ //

In der Īśāna-Richtung jenes Bereichs liegt der Gipfel jenes Berges, sonnengleich, den man 'Jyotiṣka' nennt, dem Paśupati [Śiva] stets teuer. Auf seinen goldenen, edelsteingeschmückten Graten weilen die vorzüglichsten Scharen [Śivas], angeführt von Skanda, Nandin, Mahākāla, Gaṇeśa u.a. Auf dem Gipfel befindet sich die Wohnstatt des Gottes der Götter, des Feindes von Tripura [Śiva], besucht von zehntausendfachen Scharen der Rudras sowie von Brahmā und den anderen höchsten Göttern.

Wort für Wort
tadīśabhāge tasyādreḥ śṛṅgamādityasannibham
in der Īśāna-Richtung der Gipfel jenes Berges, sonnengleich
yattajjyotiṣkamityāhuḥ sadā paśupatipriyam
den man 'Jyotiṣka' nennt, dem Paśupati stets teuer
tasya sānuṣu haimeṣu ratnacitreṣu saṃsthitāḥ
auf seinen goldenen, edelsteingeschmückten Graten weilen
skandanandimahākāla-gaṇeśādigaṇāvarāḥ
die vorzüglichsten Scharen, angeführt von Skanda, Nandin, Mahākāla, Gaṇeśa
mūrdhni devādidevasya sthānaṃ tripuravidviṣaḥ
auf dem Gipfel die Wohnstatt des Gottes der Götter, des Feindes von Tripura
rudrāyutagaṇairjuṣṭaṃ brahmādyaiśca surottamaiḥ
besucht von zehntausendfachen Rudra-Scharen sowie Brahmā und den höchsten Göttern

iti meruradho 'syānte dikṣu ye bhūdharāḥ sthitāḥ / tacchiṣṭāni navadvīpe varṣāṇyasminnibodha me //

So wurde Meru beschrieben; nun höre von mir über die am Fuße Merus, an seinem Rand, in den Himmelsrichtungen liegenden Gebirge, sowie über die übrigen Regionen (Varṣa) in diesem neunteiligen Kontinent [Jambūdvīpa].

Wort für Wort
iti meruradho 'syānte dikṣu ye bhūdharāḥ sthitāḥ
so [wurde Meru beschrieben]; [nun höre] über die am Fuß Merus, an seinem Rand, in den Richtungen liegenden Gebirge
tacchiṣṭāni navadvīpe varṣāṇyasminnibodha me
und über die übrigen Regionen (Varṣa) in diesem neunteiligen Kontinent

Übergangsvers zur folgenden Beschreibung der neun Varṣas (Regionen) von Jambūdvīpa (Bhārata, Kiṃpuruṣa, Harivarṣa, Ilāvṛta, Ramyaka, Hiraṇmaya, Kuru, Bhadrāśva, Ketumāla).

niṣadho hemakūṭaśca himavāṃścācalottamāḥ / merordakṣiṇato nīlaḥ śvetaḥ śṛṅgīti vāmataḥ // sahasradvayaviṣkambhā daśotsedhā navāntarāḥ / prāgāyataḥ suparvāṇāḥ sāgarāhitakoṭayaḥ // tadardhenāttaviṣkambhau mālyavadgandhamādanau / yāmyottarau prākpratīcyor merutastāvadantarau //

Niṣadha, Hemakūṭa und Himavat sind die vorzüglichsten Berge südlich von Meru; Nīla, Śveta und Śṛṅgin liegen nördlich davon. Diese Berge sind je zweitausend Yojana breit, zehntausend Yojana hoch, neun an der Zahl, ostwärts sich erstreckend, mit schönen Graten, ihre Enden im Ozean ruhend. Mālyavat und Gandhamādana, halb so breit wie jene, erstrecken sich je von Süden nach Norden, im Osten bzw. Westen, in ebenso großem Abstand von Meru.

Wort für Wort
niṣadho hemakūṭaśca himavāṃścācalottamāḥ
Niṣadha, Hemakūṭa und Himavat, die vorzüglichsten Berge
merordakṣiṇato nīlaḥ śvetaḥ śṛṅgīti vāmataḥ
südlich von Meru; Nīla, Śveta und Śṛṅgin nördlich davon
sahasradvayaviṣkambhā daśotsedhā navāntarāḥ
zweitausend Yojana breit, zehntausend hoch, neun an der Zahl
prāgāyataḥ suparvāṇāḥ sāgarāhitakoṭayaḥ
ostwärts sich erstreckend, mit schönen Graten, Enden im Ozean ruhend
tadardhenāttaviṣkambhau mālyavadgandhamādanau
Mālyavat und Gandhamādana, halb so breit wie jene
yāmyottarau prākpratīcyor merutastāvadantarau
von Süden nach Norden, im Osten bzw. Westen, in gleichem Abstand von Meru

Einführung der die neun Varṣas (Regionen) Jambūdvīpas abgrenzenden Gebirge.

paścānmālyavataḥ prācyāṃ gandhamādanaśailataḥ / ilāvṛtaṃ nīlagirer yāmyato niṣadhādudak // bhadrāśvaṃ mālyavatprācyāṃ varṣaṃ bhadrajanākulam / suketanaṃ ketumālaṃ pratīcyāṃ gandhamādanāt // niṣadhāddharivarṣe yad yāmyato hemakūṭataḥ / nāmnā kiṃpuruṣaṃ khyātaṃ bhārataṃ himavadgireḥ // ramyakākhyamudaṅnīlād dhiraṇyaṃ śvetaparvatāt / yaduttare śṛṅgavataḥ kuruvarṣaṃ taducyate //

Westlich von Mālyavat, östlich vom Gandhamādana-Berg, südlich vom Nīla-Berg, nördlich von Niṣadha liegt die Region Ilāvṛta. Östlich von Mālyavat liegt die Region Bhadrāśva, bevölkert von trefflichen Menschen; westlich vom Gandhamādana liegt die Region Ketumāla, mit prächtigen Bannern. Südlich von Niṣadha liegt Harivarṣa; südlich von Hemakūṭa liegt die Region, bekannt unter dem Namen Kiṃpuruṣa; südlich des Himavat-Berges liegt Bhārata. Nördlich vom Nīla-Berg liegt die Region namens Ramyaka; nördlich vom Śveta-Berg liegt Hiraṇya; was nördlich vom Śṛṅgavat-Berg liegt, wird Kuruvarṣa genannt.

Wort für Wort
paścānmālyavataḥ prācyāṃ gandhamādanaśailataḥ
westlich von Mālyavat, östlich vom Gandhamādana-Berg
ilāvṛtaṃ nīlagirer yāmyato niṣadhādudak
südlich vom Nīla-Berg, nördlich von Niṣadha, [liegt] Ilāvṛta
bhadrāśvaṃ mālyavatprācyāṃ varṣaṃ bhadrajanākulam
östlich von Mālyavat die Region Bhadrāśva, bevölkert von trefflichen Menschen
suketanaṃ ketumālaṃ pratīcyāṃ gandhamādanāt
westlich vom Gandhamādana die Region Ketumāla, mit prächtigen Bannern
niṣadhāddharivarṣe yad yāmyato hemakūṭataḥ
südlich von Niṣadha Harivarṣa; südlich von Hemakūṭa
nāmnā kiṃpuruṣaṃ khyātaṃ bhārataṃ himavadgireḥ
die Region Kiṃpuruṣa; südlich des Himavat Bhārata
ramyakākhyamudaṅnīlād dhiraṇyaṃ śvetaparvatāt
nördlich vom Nīla-Berg Ramyaka; [nördlich] vom Śveta-Berg Hiraṇya
yaduttare śṛṅgavataḥ kuruvarṣaṃ taducyate
was nördlich vom Śṛṅgavat liegt, wird Kuruvarṣa genannt

Die neun Varṣas (Regionen) Jambūdvīpas: Ilāvṛta (Zentrum), Bhadrāśva, Ketumāla, Harivarṣa, Kiṃpuruṣa, Bhārata, Ramyaka, Hiraṇya, Kuru.

niṣkambhaśailāścatvāro meroḥ sthairyāya vedhasā / lakṣārdhonnataḥ kḷptās [te] teṣāṃ pūrveṇa mandaraḥ // śveto haridrācūrṇābho yāmyato gandhamādanaḥ / pratīcyāṃ vipulo nīlaḥ supārśvaḥ saumyato 'ruṇaḥ // sahasrayojanacchāyās teṣu kalpadrumāḥ sthitāḥ / kadambajambvāvaśvattha- nyagrodhau cottarāntikāḥ //

Vier Stützberge (Niṣkambha), von je fünfzigtausend Yojana Höhe, wurden vom Schöpfer zur Stabilisierung Merus geschaffen; östlich von ihnen liegt Mandara; im Süden liegt Gandhamādana, weiß-gelblich, mit dem Schimmer von Kurkumapulver; im Westen liegt der ausgedehnte Vipula, dunkelblau; im Norden Supārśva, rötlich. Auf ihnen stehen die tausend Yojana Schatten spendenden Wunschbäume (Kalpadruma): Kadamba, Jambū, sowie Aśvattha und Nyagrodha, letztere am nördlichsten.

Wort für Wort
niṣkambhaśailāścatvāro meroḥ sthairyāya vedhasā
vier Stützberge, zur Stabilisierung Merus vom Schöpfer geschaffen
lakṣārdhonnataḥ kḷptās [te] teṣāṃ pūrveṇa mandaraḥ
je fünfzigtausend Yojana hoch; östlich von ihnen Mandara
śveto haridrācūrṇābho yāmyato gandhamādanaḥ
im Süden Gandhamādana, weiß-gelblich wie Kurkumapulver
pratīcyāṃ vipulo nīlaḥ supārśvaḥ saumyato 'ruṇaḥ
im Westen der dunkelblaue Vipula, im Norden das rötliche Supārśva
sahasrayojanacchāyās teṣu kalpadrumāḥ sthitāḥ
auf ihnen stehen die tausend Yojana Schatten spendenden Wunschbäume
kadambajambvāvaśvatthanyagrodhau cottarāntikāḥ
Kadamba, Jambū, sowie Aśvattha und Nyagrodha, letztere am nördlichsten

jambūphalarasodbhūtā meruṃ paryetya nimnagā / viveśa mūlamevāsya kanakīkṛtya tāṃ mahīm // taṃ pītvā pakṣisarpākhu- mṛgaśākhāmṛgādayaḥ / babhūvuḥ kāñcanā ye ca sattvāstasyāṃ kṛtāplavāḥ // dvīpaketurabhūjjambūḥ kalpaśākhiṣu satsvapi / prabhāvātiśayātkhyātaṃ jambūdvīpamidaṃ tataḥ //

Der aus dem Saft der Jambū-Früchte entstandene Fluss umkreiste Meru und drang genau in dessen Wurzel ein, wobei er jene Erde in Gold verwandelte. Vögel, Schlangen, Mäuse, Rehe, Affen u.a. Wesen, die davon tranken oder darin badeten, wurden golden. Der Jambū-Baum wurde, obwohl auch andere Wunschbäume existierten, zum Wahrzeichen des Kontinents; wegen seiner außerordentlichen Kraft ist dieser Kontinent daher als 'Jambūdvīpa' bekannt.

Wort für Wort
jambūphalarasodbhūtā meruṃ paryetya nimnagā
der aus dem Saft der Jambū-Früchte entstandene Fluss umkreiste Meru
viveśa mūlamevāsya kanakīkṛtya tāṃ mahīm
und drang in dessen Wurzel ein, wobei er jene Erde in Gold verwandelte
taṃ pītvā pakṣisarpākhumṛgaśākhāmṛgādayaḥ
Vögel, Schlangen, Mäuse, Rehe, Affen u.a., die davon tranken
babhūvuḥ kāñcanā ye ca sattvāstasyāṃ kṛtāplavāḥ
oder darin badeten, wurden golden
dvīpaketurabhūjjambūḥ kalpaśākhiṣu satsvapi
der Jambū-Baum wurde, trotz anderer Wunschbäume, zum Wahrzeichen des Kontinents
prabhāvātiśayātkhyātaṃ jambūdvīpamidaṃ tataḥ
wegen seiner außerordentlichen Kraft ist dieser Kontinent als 'Jambūdvīpa' bekannt

prācyāṃ viṣkambhaśailasya mūle caitrarathaṃ vanam / saro 'ruṇodakaṃ nāma tatra hemābjamaṇḍitam // yāmyādrimūle gandharva- surasiddhāpsarovṛtam / nandanaṃ mānasaṃ tatra saro mānasataskaram // vaibhrājaṃ vaipule mūle sitodaśca hradottamaḥ / devairniṣevyate channaḥ kamalairaṃśumaprabhaiḥ // saupārśve dhṛtimannāma kānanaṃ bhadrako hradaḥ / saugandhikāmbujacchannaḥ sevyate pitṛbhiḥ sadā //

An der Basis des östlichen Stützberges liegt der Wald Caitraratha; dort befindet sich der See Aruṇodaka, geschmückt mit goldenen Lotusblüten. An der Basis des südlichen Berges liegt, umgeben von Gandharvas, Göttern, Siddhas und Apsaras, der Wald Nandana; dort ist der See Mānasa, der 'die Gedanken raubt'. Der Wald Vaibhrāja liegt an der Basis von Vipula, und dort ist der vorzügliche See Sitoda, von den Göttern besucht, bedeckt mit sonnengleich strahlenden Lotusblüten. Bei Supārśva liegt der Wald namens Dhṛtimat, und dort ist der See Bhadraka, bedeckt mit duftenden Lotusblüten, stets von den Ahnen (Pitṛ) besucht.

Wort für Wort
prācyāṃ viṣkambhaśailasya mūle caitrarathaṃ vanam
an der Basis des östlichen Stützberges der Wald Caitraratha
saro 'ruṇodakaṃ nāma tatra hemābjamaṇḍitam
dort der See Aruṇodaka, geschmückt mit goldenen Lotusblüten
yāmyādrimūle gandharvasurasiddhāpsarovṛtam
an der Basis des südlichen Berges, umgeben von Gandharvas, Göttern, Siddhas, Apsaras
nandanaṃ mānasaṃ tatra saro mānasataskaram
der Wald Nandana, dort der See Mānasa, 'die Gedanken raubend'
vaibhrājaṃ vaipule mūle sitodaśca hradottamaḥ
der Wald Vaibhrāja an der Basis Vipulas, der vorzügliche See Sitoda
devairniṣevyate channaḥ kamalairaṃśumaprabhaiḥ
von den Göttern besucht, bedeckt mit sonnengleich strahlenden Lotusblüten
saupārśve dhṛtimannāma kānanaṃ bhadrako hradaḥ
bei Supārśva der Wald Dhṛtimat, der See Bhadraka
saugandhikāmbujacchannaḥ sevyate pitṛbhiḥ sadā
bedeckt mit duftenden Lotusblüten, stets von den Ahnen besucht

trayodaśasahasrāyur- jambūphalarasāśanaḥ / mervālokopalabdhārtho janaḥ sutvagilāvṛte // varṣāyutāyurnīlābja- dyutiḥ panasasārabhuk / ketumāle jano divya- dehabandhaḥ sukhī balī // candrabimbadyutirnīlā- -bjāśano bhadravājini / daśavarṣasahasrāyur- duḥkhaśokabhayojjhitaḥ // triṃśadabdasahasrāyuḥ kāmavṛkṣaphalāśanaḥ / yugmaprasūtiḥ kuruṣu śyāmāpuṣpadyutirjanaḥ //

In Ilāvṛta leben Menschen von schöner Hautfarbe, dreizehntausend Jahre alt, sich vom Saft der Jambū-Früchte ernährend, deren jeglicher Zweck schon durch den Anblick Merus erfüllt ist [?]. In Ketumāla leben Menschen mit dem Glanz einer blauen Lotusblüte, sich von der Jackfrucht (Panasa) nährend, zehntausend Jahre alt, von göttlicher Körpergestalt, glücklich und stark. In Bhadrāśva [leben Menschen] vom Glanz der Mondscheibe, sich von blauen Lotusblüten nährend, zehntausend Jahre alt, frei von Leid, Kummer und Furcht. In Kuru leben Menschen mit dem Glanz der Śyāmā-Blüte, dreißigtausend Jahre alt, sich von der Frucht des Wunschbaumes (Kāmavṛkṣa) nährend, stets als Zwillinge geboren.

Wort für Wort
trayodaśasahasrāyur- jambūphalarasāśanaḥ
dreizehntausend Jahre alt, sich vom Saft der Jambū-Früchte ernährend
mervālokopalabdhārtho janaḥ sutvagilāvṛte
deren Zweck durch den Anblick Merus erfüllt ist, [so] die Menschen in Ilāvṛta
varṣāyutāyurnīlābjadyutiḥ panasasārabhuk
zehntausend Jahre alt, mit dem Glanz einer blauen Lotusblüte, Jackfrucht essend
ketumāle jano divyadehabandhaḥ sukhī balī
in Ketumāla, von göttlicher Körpergestalt, glücklich und stark
candrabimbadyutirnīlābjāśano bhadravājini
vom Glanz der Mondscheibe, blaue Lotusblüten essend, in Bhadrāśva
daśavarṣasahasrāyur- duḥkhaśokabhayojjhitaḥ
zehntausend Jahre alt, frei von Leid, Kummer und Furcht
triṃśadabdasahasrāyuḥ kāmavṛkṣaphalāśanaḥ
dreißigtausend Jahre alt, sich vom Wunschbaum nährend
yugmaprasūtiḥ kuruṣu śyāmāpuṣpadyutirjanaḥ
als Zwillinge geboren, in Kuru, mit dem Glanz der Śyāmā-Blüte

[?] Beschreibung der Bewohner der vier westlich/östlich/nördlich gelegenen Varṣas (Ilāvṛta, Ketumāla, Bhadrāśva, Kuru) mit Lebensdauer, Nahrung und Erscheinung.

bhūtavedasahasrau dvāv ekadiksaṃdhilakṣitau / somavāyvāśayoḥ siddha- municāraṇasevitau // candrabhadrākarau dvīpau candraraktābjarugjanau / ailāvṛtaṃ tayorāyuḥ phalaṃ mūlaṃ ca bhojanam // antarbhāvaḥ kuruṣvabdhau sānnidhyātkīrtitau tataḥ / adhyardhāni sahasrāṇi dvādaśāyurhiraṇvati //

Die beiden Inseln 'Bhūtaveda-Tausend' [?], an einer Seite aneinandergrenzend, in den Bereichen von Soma und Vāyu gelegen, von Siddhas, Weisen und Cāraṇas besucht, sind die beiden Inseln Candra und Bhadrākara, deren Bewohner dem Glanz des Mondes bzw. einer roten Lotusblüte gleichen; ihre Lebensdauer entspricht der von Ilāvṛta, Frucht und Wurzel ihre Nahrung. Diese beiden Inseln werden, obgleich im Ozean gelegen, wegen ihrer Nähe als zu Kuru gehörig gerechnet. In Hiraṇvat beträgt die Lebensdauer zwölfeinhalbtausend Jahre,

Wort für Wort
bhūtavedasahasrau dvāv ekadiksaṃdhilakṣitau
die beiden Inseln 'Bhūtaveda-Tausend', an einer Seite aneinandergrenzend
somavāyvāśayoḥ siddhamunicāraṇasevitau
in den Bereichen von Soma und Vāyu, von Siddhas, Weisen, Cāraṇas besucht
candrabhadrākarau dvīpau candraraktābjarugjanau
die Inseln Candra und Bhadrākara, deren Bewohner mondgleich bzw. wie eine rote Lotusblüte
ailāvṛtaṃ tayorāyuḥ phalaṃ mūlaṃ ca bhojanam
ihre Lebensdauer wie die von Ilāvṛta, Frucht und Wurzel ihre Nahrung
antarbhāvaḥ kuruṣvabdhau sānnidhyātkīrtitau tataḥ
obgleich im Ozean, werden sie wegen ihrer Nähe zu Kuru gerechnet
adhyardhāni sahasrāṇi dvādaśāyurhiraṇvati
in Hiraṇvat beträgt die Lebensdauer zwölfeinhalbtausend Jahre

[?] Die genaue Bedeutung des Namens 'Bhūtavedasahasra' für die beiden Kuru-nahen Ozeaninseln bleibt unsicher.

janasyendutviṣo nityam aśnato lākucaṃ phalam / nīlanīrajaramyasya ramyake dvādaśasthitiḥ // janasyābdasahasrāṇi nyagrodhaphalamaśnataḥ / rajatadyutirikṣvādas tāvadāyurharau janaḥ // raukmaḥ kiṃpuruṣe plakṣa- bhojano 'bdāyutasthitiḥ / iti kimpuruṣādīni varṣāṇyuktāni yāni te //

bei Menschen von mondgleichem Glanz, die stets die Frucht des Lakuca-Baumes essen; in Ramyaka beträgt die Lebensdauer zwölftausend Jahre, bei Menschen schön wie ein blauer Lotus, die die Frucht des Nyagrodha-Baumes essen. In Harivarṣa leben Menschen von silbernem Glanz, Zuckerrohr essend, mit derselben Lebensdauer. In Kiṃpuruṣa leben goldfarbene Menschen, sich von der Plakṣa-Frucht nährend, mit einer Lebensdauer von zehntausend Jahren. So wurden dir die Regionen, beginnend mit Kiṃpuruṣa, dargelegt.

Wort für Wort
janasyendutviṣo nityam aśnato lākucaṃ phalam
bei mondgleich glänzenden Menschen, die stets die Frucht des Lakuca essen
nīlanīrajaramyasya ramyake dvādaśasthitiḥ
schön wie ein blauer Lotus, in Ramyaka zwölftausend Jahre Lebensdauer
janasyābdasahasrāṇi nyagrodhaphalamaśnataḥ
[bei Menschen], die die Frucht des Nyagrodha-Baumes essen
rajatadyutirikṣvādas tāvadāyurharau janaḥ
silbern glänzend, Zuckerrohr essend, mit derselben Lebensdauer, in Harivarṣa
raukmaḥ kiṃpuruṣe plakṣabhojano 'bdāyutasthitiḥ
goldfarben, in Kiṃpuruṣa, Plakṣa-Frucht essend, zehntausend Jahre
iti kimpuruṣādīni varṣāṇyuktāni yāni te
so wurden dir die Regionen, beginnend mit Kiṃpuruṣa, dargelegt

na teṣvavasthābhedo 'sti vivartiṣu kṛtādiṣu / yugānurūpaprajñāyus tejobaladhanaprajaḥ // kṛṣṭākṛṣṭāśano duḥkha- trayārto bhārate janaḥ / guṇa eko yadudyukto neṣṭaṃ kiṃcinna sādhayet //

In diesen Regionen gibt es keinen Zustandswechsel im Hinblick auf die sich abwechselnden Weltzeitalter, beginnend mit dem Kṛta[yuga] – anders als [andernorts], wo Weisheit und Lebensdauer, Glanz, Kraft, Reichtum und Nachkommenschaft dem jeweiligen Zeitalter entsprechen. In Bhārata[varṣa] leben Menschen, die sich von angebauter und wildwachsender Nahrung ernähren, geplagt vom dreifachen Leid; doch dies ist ein einziger, besonderer Vorzug: dass, wer sich hier anstrengt, nichts Erwünschtes gibt, das er nicht erreichen könnte.

Wort für Wort
na teṣvavasthābhedo 'sti vivartiṣu kṛtādiṣu
in diesen Regionen gibt es keinen Zustandswechsel bezüglich der Weltzeitalter, beginnend mit Kṛta
yugānurūpaprajñāyus tejobaladhanaprajaḥ
anders als dort, wo Weisheit, Lebensdauer, Glanz, Kraft, Reichtum, Nachkommenschaft dem Zeitalter entsprechen
kṛṣṭākṛṣṭāśano duḥkhatrayārto bhārate janaḥ
in Bhārata leben Menschen, die sich von angebauter und wilder Nahrung ernähren, vom dreifachen Leid geplagt
guṇa eko yadudyukto neṣṭaṃ kiṃcinna sādhayet
[doch] ein Vorzug: wer sich hier anstrengt, erreicht alles Erwünschte

Zentrale Aussage zur Sonderstellung Bhāratavarṣas (Indiens) als einziger 'Handlungserde' (Karmabhūmi), wird in der folgenden Einheit weiter ausgeführt.

sarvāsāṃ phalabhūmīnāṃ karmabhūḥ kāraṇaṃ yataḥ / navābdhisrotasi dvīpā nava cātrārdhakasthale // indradvīpaprabhṛtayo nāmatastānnibodha me / indradvīpaḥ kaśeruśca tāmraparṇo gabhastimān //

Denn die 'Handlungserde' (Karmabhūmi) [Bhārata] ist die Ursache aller anderen 'Genuss-Erden'; in den neun Flussmündungen gibt es neun Inseln, auch hier, in diesem mittleren Gebiet Bhāratas. Diese beginnen mit Indradvīpa; höre ihre Namen von mir: Indradvīpa, Kaśeru, Tāmraparṇa, Gabhastimat,

Wort für Wort
sarvāsāṃ phalabhūmīnāṃ karmabhūḥ kāraṇaṃ yataḥ
die 'Handlungserde' [Bhārata] ist die Ursache aller anderen 'Genuss-Erden'
navābdhisrotasi dvīpā nava cātrārdhakasthale
in den neun Flussmündungen neun Inseln, im mittleren Gebiet Bhāratas
indradvīpaprabhṛtayo nāmatastānnibodha me
diese beginnen mit Indradvīpa; höre ihre Namen von mir
indradvīpaḥ kaśeruśca tāmraparṇo gabhastimān
Indradvīpa, Kaśeru, Tāmraparṇa, Gabhastimat

Die neun Unterteilungen (Dvīpas) Bhāratavarṣas.

nāgadvīpaścāndramaso gāndharvo vāruṇastathā / kumārikākhyo navamo nānāparvatanimnagāḥ // nānājātijanākīrṇā bhāratākhe prakīrtitāḥ / āgnīdhro nāma nṛpatir jambūnātho manoḥ kule // tajjātanṛpasaṃjñābhiḥ kathyante bhāratādayaḥ / kṣārakṣīradadhisneha- rasamadhvāmṛtodakaiḥ //

Nāgadvīpa, Cāndramasa, Gāndharva und Vāruṇa, sowie als neunte, die Insel namens Kumārikā – alle mit verschiedenen Bergen und Flüssen, bevölkert von Menschen verschiedenster Herkunft, alle innerhalb des Bhārata genannten Gebiets verkündet. Ein König namens Āgnīdhra, Herr von Jambū[dvīpa], aus Manus Geschlecht – nach den Namen der aus ihm hervorgegangenen Söhne-Könige werden Bhārata und die übrigen Regionen benannt. [Die sieben Kontinente sind umgeben] von Ozeanen aus Salzwasser, Milch, Dickmilch, Fett, [Zuckerrohr-]Saft, Honig[-Wein] und Nektarwasser,

Wort für Wort
nāgadvīpaścāndramaso gāndharvo vāruṇastathā
Nāgadvīpa, Cāndramasa, Gāndharva und Vāruṇa
kumārikākhyo navamo nānāparvatanimnagāḥ
als neunte die Insel Kumārikā, alle mit verschiedenen Bergen und Flüssen
nānājātijanākīrṇā bhāratākhe prakīrtitāḥ
bevölkert von Menschen verschiedenster Herkunft, im Gebiet Bhārata verkündet
āgnīdhro nāma nṛpatir jambūnātho manoḥ kule
ein König Āgnīdhra, Herr von Jambūdvīpa, aus Manus Geschlecht
tajjātanṛpasaṃjñābhiḥ kathyante bhāratādayaḥ
nach den Namen seiner Söhne-Könige werden Bhārata und die übrigen [Regionen] benannt
kṣārakṣīradadhisneharasamadhvāmṛtodakaiḥ
[die Kontinente sind umgeben] von Ozeanen aus Salzwasser, Milch, Dickmilch, Fett, Saft, Honig, Nektarwasser

lakṣādidviguṇā dvīpā jambūdvīpādayo vṛtāḥ / śāke śākadrumastvaṅgaḥ śākasaṃjñānibandhanaḥ // kuśo 'bhūtkāñcanaḥ kauśe svayaṃbhuvi yiyakṣati / krauñce krauñco hato daityaḥ krauñcādrau hemakandare // skandena yuddhvā suciraṃ citramayī sumāyinā / sa śailastasya daityasya khyātaścitreṇa karmaṇā //

So sind die Kontinente, beginnend mit hunderttausend Yojana und je verdoppelt, Jambūdvīpa und die übrigen, umgeben. In Śāka[dvīpa] ist der Śāka-Baum das Kennzeichen, die Grundlage des Namens 'Śāka'. In Kuśa[dvīpa] wurde, als der Selbstentstandene [Brahmā] opfern wollte [?], ein Büschel Kuśa-Gras golden. In Krauñca[dvīpa] wurde der Daitya namens Krauñca an der goldenen Höhle des Krauñca-Berges getötet, nachdem er, überaus listenreich und illusionsmächtig, sehr lange mit Skanda gekämpft hatte; jener Berg wurde durch die wundersame Tat dieses Dämons berühmt.

Wort für Wort
lakṣādidviguṇā dvīpā jambūdvīpādayo vṛtāḥ
die Kontinente, ab hunderttausend Yojana verdoppelt, Jambūdvīpa und die übrigen, umgeben
śāke śākadrumastvaṅgaḥ śākasaṃjñānibandhanaḥ
in Śākadvīpa ist der Śāka-Baum das Kennzeichen, Grundlage des Namens
kuśo 'bhūtkāñcanaḥ kauśe svayaṃbhuvi yiyakṣati
in Kuśadvīpa wurde, als Brahmā opfern wollte, ein Büschel Kuśa-Gras golden
krauñce krauñco hato daityaḥ krauñcādrau hemakandare
in Krauñcadvīpa wurde der Daitya Krauñca an der goldenen Höhle des Krauñca-Berges getötet
skandena yuddhvā suciraṃ citramayī sumāyinā
nachdem er, listenreich und illusionsmächtig, lange mit Skanda gekämpft hatte
sa śailastasya daityasya khyātaścitreṇa karmaṇā
jener Berg wurde durch die wundersame Tat des Dämons berühmt

[?] Etymologien der Dvīpa-Namen: Śāka (Baum), Kuśa (goldenes Gras bei Brahmās Opfer), Krauñca (Dämon, im Kampf mit Skanda/Kārttikeya getötet).

ketutāmagamattasya nāmnā krauñcaṃ taducyate / śālmale śālmalīvṛkṣo haimaḥ sāhasriko 'rkabhāḥ // priyo 'marāṇāṃ tatketuḥ sa tadākhyānibandhanaḥ / gomede gopatirnāma rājābhūdgosavodyataḥ // yājyo 'bhūdvahnikalpānām autathyānāṃ manoḥ kule / sa teṣu hariyajñāya pravṛtteṣu bhṛgūn gurūn //

Der Berg erlangte durch dessen Namen den Status des Wahrzeichens; er wird 'Krauñca' genannt. In Śālmala[dvīpa] ist der Śālmalī-Baum, golden, tausend Yojana hoch, sonnenstrahlend, den Göttern lieb, sein Wahrzeichen, und die Grundlage jenes Kontinent-Namens. In Gomeda[dvīpa] gab es einen König namens Gopati, der den Gosava-Opferritus durchführen wollte und Opferherr der feuergleichen Autathya-Priester aus Manus Geschlecht wurde; als jene für das Hari-Opfer tätig waren, [wählte er] die Bhṛgu-Priester als seine geistlichen Lehrer –

Wort für Wort
ketutāmagamattasya nāmnā krauñcaṃ taducyate
der Berg erlangte durch dessen Namen den Status des Wahrzeichens, heißt 'Krauñca'
śālmale śālmalīvṛkṣo haimaḥ sāhasriko 'rkabhāḥ
in Śālmaladvīpa der Śālmalī-Baum, golden, tausend Yojana hoch, sonnenstrahlend
priyo 'marāṇāṃ tatketuḥ sa tadākhyānibandhanaḥ
den Göttern lieb, sein Wahrzeichen und Namensgrundlage
gomede gopatirnāma rājābhūdgosavodyataḥ
in Gomedadvīpa gab es einen König Gopati, der den Gosava durchführen wollte
yājyo 'bhūdvahnikalpānām autathyānāṃ manoḥ kule
er wurde Opferherr der feuergleichen Autathya-Priester aus Manus Geschlecht
sa teṣu hariyajñāya pravṛtteṣu bhṛgūn gurūn
als jene für das Hari-Opfer tätig waren, wählte er die Bhṛgu-Priester als Lehrer

vavre taṃ gautamaḥ kopā- daśapadagamatkṣayam / yajñavāṭe 'sya tā gāvo dagdhāḥ kopāgninā muneḥ // tanmedasā mahī channā gomedaḥ sa tato 'bhavat / nadī puṣkariṇī nāma hemapuṣkaramaṇḍitā // tayā sa puṣkaradvīpaḥ khyāpitaḥ surasevitaḥ / yathā kimpuruṣādyeṣu kṛtāvāsaḥ sadā janaḥ // śākadvīpādiṣu tathā kṣīrādikṛtabhojanaḥ / himenduhimanīlābja- sasyakasphaṭikadyutiḥ //

— worauf Gautama, aus Zorn [darüber übergangen zu werden], einen Fluch aussprach, der zum Verderben führte [?]; in seinem Opferhag wurden jene Kühe vom Zornesfeuer des Weisen verbrannt. Die Erde wurde von ihrem Fett bedeckt; daher wurde dieser Kontinent 'Gomeda' genannt. In Puṣkaradvīpa gibt es den Fluss namens Puṣkariṇī, geschmückt mit goldenen Lotusblüten, durch den es als 'Puṣkaradvīpa' bekannt wurde, von Göttern besucht. So wie in Kiṃpuruṣa und den anderen Regionen die Menschen dort für immer ansässig sind, ebenso in Śākadvīpa und den übrigen Kontinenten, sich von Milch u.ä. ernährend, mit dem Glanz von Schnee, Mond, Eis, blauer Lotusblüte, [grünem] Getreide oder Kristall.

Wort für Wort
vavre taṃ gautamaḥ kopā- daśapadagamatkṣayam
Gautama, aus Zorn [übergangen zu sein], sprach einen zum Verderben führenden Fluch [?]
yajñavāṭe 'sya tā gāvo dagdhāḥ kopāgninā muneḥ
in seinem Opferhag wurden die Kühe vom Zornesfeuer des Weisen verbrannt
tanmedasā mahī channā gomedaḥ sa tato 'bhavat
die Erde wurde von ihrem Fett bedeckt; daher hieß er fortan 'Gomeda'
nadī puṣkariṇī nāma hemapuṣkaramaṇḍitā
der Fluss Puṣkariṇī, geschmückt mit goldenen Lotusblüten
tayā sa puṣkaradvīpaḥ khyāpitaḥ surasevitaḥ
durch ihn wurde es als 'Puṣkaradvīpa' bekannt, von Göttern besucht
yathā kimpuruṣādyeṣu kṛtāvāsaḥ sadā janaḥ
so wie in Kiṃpuruṣa u.a. die Menschen dort für immer ansässig sind
śākadvīpādiṣu tathā kṣīrādikṛtabhojanaḥ
ebenso in Śākadvīpa u.a., sich von Milch u.ä. ernährend
himenduhimanīlābjasasyakasphaṭikadyutiḥ
mit dem Glanz von Schnee, Mond, Eis, blauer Lotusblüte, Getreide oder Kristall

[?] Abschluss der Dvīpa-Etymologien (Gomeda: Gautamas Fluch gegen Gopatis Kühe; Puṣkara: Fluss Puṣkariṇī) und Übergang zur allgemeinen Beschreibung der Kontinent-Bewohner.

daśavarṣasahasrāyur naṣṭaduḥkhaikakaṇṭakaḥ / saptamāmudadherarvāk dve koṭī satrikaṃ dalam // pañcāśacca sahasrāṇi karṇāddhemādrigarbhataḥ / tato hiraṇmayī bhūmir nānāratnadrumācalā //

Mit einer Lebensspanne von zehntausend Jahren, dem der eine Dorn des Leids zerstört ist [wie zuvor für die Śāka-Dvīpa-artigen Länder beschrieben]. Diesseits des siebten Ozeans [liegen] zwei Kroren [Yojanas] samt einer Hälfte-und-drei [?, Zahlwort unklar segmentiert] – und fünfzigtausend, vom Rand her, aus dem Innern des Goldbergs. Jenseits davon [liegt] die goldene Erde [Hiraṇmayī-Bhūmi], reich an mancherlei Juwelen, Bäumen und Bergen.

Wort für Wort
daśavarṣasahasrāyuḥ
mit zehntausendjähriger Lebensspanne
naṣṭa-duḥkha-eka-kaṇṭakaḥ
dem der eine Dorn (=das Leid) zerstört ist
saptamām udadheḥ arvāk
diesseits des siebten Ozeans
dve koṭī sa-trikaṃ dalam
zwei Kroren samt einer Hälfte-und-drei [?]
pañcāśat ca sahasrāṇi
und fünfzigtausend
karṇāt hemādri-garbhataḥ
vom Rand, aus dem Innern des Goldbergs
tataḥ hiraṇmayī bhūmiḥ
danach die goldene Erde
nānā-ratna-druma-acalā
reich an mancherlei Edelsteinen, Bäumen, Bergen

Die genaue Zahlenaufschlüsselung von V.108 („dve koṭī satrikaṃ dalam“) ist morphologisch nicht sicher zu segmentieren [?]; sinngemäß eine kosmographische Maßangabe für die Entfernung diesseits des siebten (letzten) Weltmeeres. Fortsetzung der Bewohnerbeschreibung von V.107 (Śākadvīpa u.a.).

krīḍārthaṃ vedhasā sṛṣṭā devānāṃ daśakoṭikī / lokāloko bahistasyā lokālokaniyāmakaḥ // yojanāyutaviṣkambhas tuṅgaśṛṅgaparicchadaḥ / tasya śṛṅgeṣu tīkṣṇāṃśor bhāsaścandrātapopamāḥ // na tāpayati vaikṛṣṭyād dhāmānyāśābhṛtāṃ mune / tamaḥ parastānnibiḍaṃ lakṣāṇyekonaviṃśatiḥ // catvāriṃśatsahasrāṇi pañcatriṃśacca koṭayaḥ / saptaviṃśatilakṣāṇi koṭiścaikā samudrarāt //

Die vom Schöpfer [Vedhas] zum Spiel der Götter geschaffene [goldene Erde ist] zehn Kroren [Yojanas groß]. Außerhalb davon [liegt] der Lokāloka[-Berg], der Grenzscheider zwischen „Welt“ und „Nicht-Welt“. Er hat eine Breite von zehntausend Yojanas und ist mit hoch aufragenden Gipfeln versehen; auf seinen Gipfeln gleicht der Schein der scharfstrahligen [Sonne] nur mildem Mondlicht – wegen der großen Entfernung versengt sie die Wohnstätten der Richtungshüter nicht, o Weiser. Jenseits davon [ist] dichte Finsternis, [die sich erstreckt über] neunzehn Lakh, vierzigtausend, fünfunddreißig Kroren, siebenundzwanzig Lakh und eine Krore [Yojanas] – vom Herrn der Ozeane [aus gerechnet] [?, genaue Bezugsgröße der Summenangabe unsicher].

Wort für Wort
krīḍārtham vedhasā sṛṣṭā
zum Spiel geschaffen vom Schöpfer
devānām daśa-koṭikī
der Götter, zehn Kroren groß
lokāloko bahis tasyāḥ
der Lokāloka[-Berg] außerhalb davon
loka-aloka-niyāmakaḥ
der Bestimmer/Grenzscheider von Welt und Nicht-Welt
yojana-ayuta-viṣkambhaḥ
zehntausend Yojanas breit
tuṅga-śṛṅga-paricchadaḥ
mit hohen Gipfeln versehen
tasya śṛṅgeṣu tīkṣṇa-aṃśoḥ bhāsaḥ
auf seinen Gipfeln der Glanz der scharfstrahligen (Sonne)
candra-ātapa-upamāḥ
mildem Mondlicht gleich
na tāpayati vaikṛṣṭyāt
versengt nicht wegen der Entfernung
dhāmāni āśā-bhṛtām
die Wohnstätten der Richtungshüter
tamaḥ paras tāt nibiḍam
jenseits davon dichte Finsternis
lakṣāṇi ekona-viṃśatiḥ ... koṭiḥ ca ekā samudra-rāt
neunzehn Lakh ... eine Krore, vom Herrn der Ozeane

Die Zahlenkette in V.112-113 (19 Lakh, 40 000, 35 Krore, 27 Lakh, 1 Krore) ist als reine Maßangabe übersetzt; ihr genauer Bezugspunkt („samudrarāt“ = Herr der Ozeane, evtl. als Ausgangspunkt der Messung) bleibt unsicher [?].

haimaṃ kaṭāhakaṃ koṭir garbhādeti samantataḥ / tithilakṣo bhuvarloko dhruvaprānto mahītalāt // tadūnakoṭisvarlokaḥ svargivaryasamāśrayaḥ / mahardvikoṭiryatrāste marīcyādimunivrajaḥ // jano 'ṣṭakoṭyavacchinnaḥ pitṛjahnujanāśrayaḥ / tapo 'rkakoṭiryatrāste mahāyogī sanandanaḥ // ṛbhuḥ sanatkumāraśca sanakaśca mahātapāḥ / tataḥ satya[ma]dhiṣṭhānaṃ satyalokaḥ svayambhuvaḥ // kāmātiśayasampannaḥ koṭayo nava sapta ca / sāvitrī mūrtimatyāste yatra vedāśca sānugāḥ // tataścatasraḥ ṣaṭ ceti madhutripuravidviṣoḥ / sthāne jyotiṣmatīcitre koṭiraṇḍakaṭāhakaḥ // śatakoṭipravistīrṇa iti brahmāṇḍagolakaḥ / bhūyasā tulya evāyaṃ sarvasrotaḥsu mānataḥ //

Die goldene Schale [des Weltenei-Randes] erstreckt sich vom Innern aus ringsum eine Krore [Yojanas]. Der Bhuvarloka, an der Grenze zum Polarstern [Dhruva] endend, [liegt] fünfzehn Lakh [Yojanas] von der Erdoberfläche entfernt. Um eine Krore weniger als das [liegt] der Svarloka, die Wohnstatt der besten Himmlischen; bei zwei Kroren [liegt] der Maharloka, wo die Schar der Weisen um Marīci wohnt. Der Janaloka reicht bis acht Kroren, Wohnstatt der Ahnen, der Nachkommen Jahnus und [weiterer göttlicher] Wesen; bei einer Krore [Sonnenmaßen? oder schlicht: einer weiteren Krore] [liegt] der Tapoloka, wo der große Yogin Sanandana [weilt], [ferner] Ṛbhu, Sanatkumāra und der hochaskesereiche Sanaka. Danach [folgt] der auf Wahrheit gegründete Sitz, der Satyaloka des Selbstentstandenen [Svayambhū/Brahmā], erfüllt mit höchster Wunscherfüllung, [bei] neun-und-sieben [?] Kroren, wo Sāvitrī in verkörperter Gestalt weilt, sowie die Veden mitsamt ihren Zusatztexten. Danach vier, und sechs [weitere Maßeinheiten] – im wunderbaren Ort Jyotiṣmatī, [gemeinsame Wohnstatt] des Feindes des Madhu [Viṣṇu] und des Feindes der Tripura [Śiva]; die Schale des [Welten-]Eies [beträgt insgesamt] eine Krore. Hundert Kroren erstreckt sich also die Kugel des Brahmāṇḍa [Weltenei] – dieses Maß stimmt größtenteils in allen [überlieferten] Strömungen überein.

Wort für Wort
haimam kaṭāhakam koṭiḥ garbhāt eti samantataḥ
die goldene Schale erstreckt sich vom Innern ringsum eine Krore
tithi-lakṣaḥ bhuvarlokaḥ dhruva-prāntaḥ mahī-talāt
der Bhuvarloka, 15 Lakh (groß), an Dhruva endend, von der Erdoberfläche
tat-ūna-koṭi-svarlokaḥ svargi-varya-samāśrayaḥ
der Svarloka, um eine Krore weniger, Zuflucht der besten Himmlischen
mahaḥ dvi-koṭiḥ yatra āste marīci-ādi-muni-vrajaḥ
der Maharloka bei zwei Kroren, wo die Weisenschar um Marīci weilt
janaḥ aṣṭa-koṭi-avacchinnaḥ pitṛ-jahnu-jana-āśrayaḥ
der Janaloka, bei acht Kroren begrenzt, Zuflucht von Ahnen, Jahnu-Nachkommen, Wesen
tapaḥ arka-koṭiḥ yatra āste mahāyogī sanandanaḥ
der Tapoloka bei einer Krore, wo der große Yogin Sanandana weilt
ṛbhuḥ sanatkumāraḥ ca sanakaḥ ca mahātapāḥ
Ṛbhu, Sanatkumāra und der hochaskesereiche Sanaka
tataḥ satya-adhiṣṭhānam satyalokaḥ svayambhuvaḥ
danach der auf Wahrheit gegründete Satyaloka des Svayambhū
kāma-atiśaya-sampannaḥ koṭayaḥ nava sapta ca
voller Wunscherfüllung, neun und sieben Kroren [?]
sāvitrī mūrtimatī āste yatra vedāḥ ca sa-anugāḥ
wo Sāvitrī verkörpert weilt, und die Veden mit Zusatztexten
tataḥ catasraḥ ṣaṭ ca iti madhu-tripura-vidviṣoḥ
danach vier und sechs, [im Ort] des Feindes von Madhu und Tripura
sthāne jyotiṣmatī-citre koṭi-aṇḍa-kaṭāhakaḥ
im wunderbaren Ort Jyotiṣmatī; die Ei-Schale, eine Krore
śata-koṭi-pravistīrṇaḥ iti brahmāṇḍa-golakaḥ
hundert Kroren ausgedehnt: so die Brahmāṇḍa-Kugel
bhūyasā tulyaḥ eva ayam sarva-srotaḥsu mānataḥ
dieses Maß ist größtenteils gleich in allen Strömungen/Traditionen

Die klassische siebenstufige vertikale Loka-Hierarchie (Bhūrloka [implizit=Erde selbst, hier nicht eigens genannt] – Bhuvarloka – Svarloka – Maharloka – Janaloka – Tapoloka – Satyaloka). Mehrere Zahlangaben (V.118 „nava sapta ca“, V.119 „catasraḥ ṣaṭ ca“) sind morphologisch nicht eindeutig auf konkrete Maßeinheiten zu beziehen und daher mit [?] markiert; der Gesamtsinn (kumulative Entfernungsangaben in Kroren) ist jedoch klar. V.114 enthält im Quelltext eine textkritische Anmerkung zur Lesart „dhruve prānto“ (KSTS) vs. „dhruvaprānto“ (gestützt durch Svacchandatantra-Zitat und Nārāyaṇas Kommentar); hier der besser gestützten Lesart „dhruvaprānto“ gefolgt. V.117 enthält eine Konjektur „satya[ma]dhiṣṭhānaṃ“ im Quelltext.

tasya prācīṃ diśaṃ śakraḥ pātyagniḥ pūrvadakṣiṇām / dakṣiṇāṃ bhūtasaṃhartā rākṣaso dakṣiṇāparām // paścimāṃ varuṇo devo nabhasvān paścimottarām / udīcīṃ somayakṣeśāv īśaḥ prāguttarāṃ diśam // ūrdhve brahmā hariradhaḥ sarvārthāvahitāḥ sadā / eṣāmapi niyantāro rudrā daśa daśa sthitāḥ // bhūmimanto 'pyamī yeṣāṃ notkrāmanti bhayātpadam / nānārūpairmahāvīryais taruṇārkasamaprabhaiḥ //

Dessen östliche Richtung hütet Śakra [Indra], den Südosten Agni, den Süden der Wesen-Bezwinger [Yama], den Südwesten der Rākṣasa [Nirṛti]; den Westen der Gott Varuṇa, den Nordwesten der Windgott [Nabhasvān/Vāyu], den Norden gemeinsam Soma und der Herr der Yakṣas [Kubera], den Nordosten Īśa [Rudra]. Oben [ist] Brahmā, unten Hari [Viṣṇu], stets auf jeden Zweck bedacht. Auch über diese sind Rudras als Lenker eingesetzt, zehnmal zehn an Zahl [d.h. hundert] – obwohl sie an [ihren jeweiligen] Ort gebunden sind, weichen sie doch aus Ehrfurcht nicht von ihrem Posten, in mannigfachen Gestalten, von großer Kraft, strahlend wie die aufgehende Sonne.

Wort für Wort
tasya prācīm diśam śakraḥ pāti
dessen östliche Richtung hütet Śakra
agniḥ pūrva-dakṣiṇām
Agni den Südosten
dakṣiṇām bhūta-saṃhartā
den Süden der Wesen-Bezwinger (Yama)
rākṣasaḥ dakṣiṇa-aparām
der Rākṣasa (Nirṛti) den Südwesten
paścimām varuṇaḥ devaḥ
den Westen der Gott Varuṇa
nabhasvān paścima-uttarām
der Windgott den Nordwesten
udīcīm soma-yakṣa-īśau
den Norden Soma und der Yakṣa-Herr gemeinsam
īśaḥ prāg-uttarām diśam
Īśa den Nordosten
ūrdhve brahmā hariḥ adhaḥ
oben Brahmā, unten Hari
sarva-artha-avahitāḥ sadā
stets auf jeden Zweck bedacht
eṣām api niyantāraḥ rudrāḥ daśa daśa sthitāḥ
auch über diese sind Rudras als Lenker eingesetzt, zehnmal zehn
bhūmimantaḥ api amī yeṣām na utkrāmanti bhayāt padam
obwohl gebunden, weichen diese aus Ehrfurcht nicht vom Posten
nānā-rūpaiḥ mahāvīryaiḥ taruṇa-arka-sama-prabhaiḥ
in mannigfachen Gestalten, großer Kraft, strahlend wie die aufgehende Sonne

Klassische Zehn-Richtungshüter-Liste (Daśadikpāla) des kosmischen Eies, hier auf kosmischer Gesamtebene (nicht nur auf Meru bezogen wie die acht Lokapāla-Städte in Paṭala 13, V.35ff.) – ergänzt um Brahmā (oben) und Viṣṇu (unten). Darüber stehen als Lenker hundert (10×10) Rudras.

budhnavajraśarīrāja- kapālīśapramardanāḥ / prāgvibhūtyavyayau śāsta pinākī tridaśādhipaḥ // bhasmakṣayāntakahara- jvalanāgnihutāśanāḥ / piṅgalaḥ khādako babhrur dahanaścāgnidiggatāḥ // vidhātṛdhātṛkartrīśa- kālamṛtyuviyojakāḥ / yāmyadharmeśasaṃyoktṛ- harāśca yamanāyakāḥ // nirṛtirmāraṇakrodha- hantṛdhūmravilohitāḥ / ūrdhvaliṅgavirūpākṣa- daṃṣṭribhīmāḥ palādapāḥ // balātibalapāśāṅga- śvetabhūtajalāntakāḥ / mahābalamahābāhu- sunādyabdaravāḥ kapāḥ // laghuśīghramahadvega- sūkṣmatīkṣṇakṣayāntakāḥ / kapardyabdeśapañcānta- pañcacūḍāśca vāyupāḥ // nidhīśo rūpavān dhanya- saumyaśāntajaṭādharāḥ / kāmaprasādalakṣmīśa- prakāśāścenduyakṣapāḥ // vidyeśasarvavijjñāna- vedavijjyeṣṭhavedagāḥ / vidyāvidhātṛbhūteśa- balipriyasukhādhipāḥ // śambhurgaṇādhyakṣavibhu- tryakṣacaṇḍāmarastutāḥ / vicakṣaṇanabholipsu- saṃvivāhāśca mūrdhani // krodhanānilabhugbhogi- grasanodumbareśvarāḥ / vṛṣo viṣadharo 'nanto vajro daṃṣṭrī ca viṣṇupāḥ //

[Unter diesen Rudra-Scharen, nach Himmelsrichtungen geordnet, folgen mit Namen benannte Gruppen von je acht:] Im Osten (Indra-Bereich): „Grundfester-Donnerkeil-Leib“, „Kapāleśa-Zermalmer“, die zuvor genannten Unvergänglichen an Herrlichkeit, der Pināka-Träger [Śiva selbst als Haupt], der Herr der Dreißig [Götter]. Im Südosten (Agni-Bereich): „Asche“, „Zerstörung“, „Ende-Bringer“, „Lodernd“, „Feueropfer-Esser“, der Gelbliche, der Verzehrer, der Braune, der Brennende – [dies] die im Feuer-Himmelsrichtungsbereich Befindlichen. Im Süden (Yama-Bereich): „Ordner“, „Träger“, „Machen-Herr“, „Zeit-Tod-Trenner“, sowie die mit dem Gerechtigkeits-Herrn des Südens Verbundenen, die Yama-Anführer. Im Südwesten (Nirṛti-Bereich): „Tötend-Zorn-Vernichter“, „Rauchfarben-Rotbraun“, „Aufwärts-Liṅga“ [Ūrdhvaliṅga], „Entstellt-Äugig“, „Reißzahn-Furchtbar“, „Fleisch-Trinker“. Im Westen (Varuṇa-Bereich): „Kraft-Übergroße-Kraft-Fessel-Glied“, „Weiß“, „Wesen-“ und „Wasser-Bezwinger“, „Großmächtig-Großarmig“, „Schöntönend-Wolkenstimmig“ – die Affengestaltigen [Kapāḥ]. Im Nordwesten (Vāyu-Bereich): „Leicht-Schnell-Gewaltig-Geschwind“, „Fein-Scharf-Vernichter“, sowie – mit geflochtenem Haar, an den fünf Enden [der Windrichtungen], mit fünf Schöpfen – die Wind-Hüter. Im Norden (Soma/Kubera-Bereich): „Schatzherr“, „Schöngestaltig“, „Glücklich“, „Mild-Friedvoll-Geflochtenhaarig“, „Wunsch-Gnade-Glücks-Herr“, die im Glanz des Mondes und der Yakṣas Strahlenden. Im Nordosten (Īśa-Bereich): „Vidyā-Herr“, „Allwissend“, „Erkenntnis-Veda-Kenner“, „Vorzüglichster Veda-Kundiger“, „Vidyā-Ordner“, „Wesen-Herr“, „Opfer-liebend“, „Glücks-Gebieter“. [Oben, Brahmā/Śiva-Bereich:] Śambhu, der Scharen-Oberaufseher, der Alldurchdringende, der Dreiäugige, von Caṇḍā und den Unsterblichen Gepriesene, der Scharfsichtige, „Himmels-Begehrer“, „Auf dem Scheitel Vermählte“. [Unten, Viṣṇu-Bereich:] „Zorn-Wind-Genießer“, „Schlangen-Verschlinger“, „Feigenbaum-Herr“, der Stier[-gestaltige], der Gift-Träger, der Unendliche [Ananta], der Donnerkeil[-Träger], der Reißzahn-[Trägende] – die Viṣṇu-Hüter.

Wort für Wort
[Rudra-Gaṇa-Namenskataloge]
der zehn Richtungshüter zugeordnet, je etwa acht Namen pro Bereich
budhna-vajra-śarīra-, kapālīśa-pramardanāḥ
Epitheta des Indra-Rudra-Gaṇas (Ost)
bhasma-kṣaya-antaka-hara-, jvalana-agni-hutāśanāḥ, piṅgalaḥ, khādakaḥ, babhruḥ, dahanaḥ
Feuer-Gaṇa (Südost)
vidhātṛ-dhātṛ-kartṛ-īśa-, kāla-mṛtyu-viyojakāḥ, yāmya-dharmeśa-saṃyoktṛ-harāḥ
Yama-Gaṇa (Süd)
nirṛtiḥ, māraṇa-krodha-hantṛ-, dhūmra-vilohitāḥ, ūrdhva-liṅga-virūpākṣa-daṃṣṭri-bhīmāḥ, palāda-pāḥ
Nirṛti-Gaṇa (Südwest)
bala-atibala-pāśa-aṅga-, śveta-bhūta-jala-antakāḥ, mahābala-mahābāhu-, su-nādi-abda-ravāḥ kapāḥ
Varuṇa-Gaṇa (West), "Affen"(kapāḥ)
laghu-śīghra-mahat-vega-, sūkṣma-tīkṣṇa-kṣaya-antakāḥ, kapardi-abdeśa-pañca-anta-pañca-cūḍāḥ vāyupāḥ
Vāyu-Gaṇa (Nordwest)
nidhīśaḥ, rūpavān, dhanya-, saumya-śānta-jaṭā-dharāḥ, kāma-prasāda-lakṣmī-īśa-prakāśāḥ indu-yakṣapāḥ
Soma/Kubera-Gaṇa (Nord)
vidyeśa-sarvavid-jñāna-, veda-vid-jyeṣṭha-veda-gāḥ, vidyā-vidhātṛ-bhūteśa-, bali-priya-sukha-adhipāḥ
Īśa-Gaṇa (Nordost)
śambhuḥ, gaṇa-adhyakṣaḥ, vibhuḥ, try-akṣaḥ, caṇḍā-amara-stutāḥ, vicakṣaṇaḥ, nabhaḥ-lipsu-, saṃvivāhāḥ mūrdhani
Brahmā-Bereich (oben)
krodhana-anila-bhuk-, bhogi-grasana-udumbara-īśvarāḥ, vṛṣaḥ, viṣadharaḥ, anantaḥ, vajraḥ, daṃṣṭrī ca viṣṇupāḥ
Viṣṇu-Bereich (unten)

V.125-134: eine dichte Namenskatalog-Passage (Śiva-sahasranāma-artiger Stil) für die hundert Rudra-Lenker der zehn Himmelsrichtungen. Viele Namen sind Kompositum-Epitheta, deren genaue Morphem-Segmentierung im fortlaufenden Sandhi nicht mit Sicherheit zu bestimmen ist [?] – hier gruppenweise nach dem jeweiligen Himmelsrichtungs-Kontext (aus V.121-124) geordnet und, soweit möglich, sinngemäß übersetzt statt einzeln transliteriert; die genaue Zuordnung einzelner Namen zu einzelnen Rudras bleibt jedoch unsicher und ist nicht Ziel dieser Übersetzung. V.132 enthält eine textkritische Randnote „kṛtabhairavam KSTS“ zur Variante eines benachbarten Namens (siehe folgende Einheit).

tato 'mbhaḥpramukhā bhoga- bhūmayastāsu saṃsthitāḥ / pañcāṣṭakā niyoktṝṇāṃ kṣetrāvāptaphalaśriyaḥ // bhārabhūtyāṣāḍhiḍiṇḍi- lākulyamarapuṣkarāḥ / prabhāsanaimiṣau ceti guhyāṣṭakamidaṃ jale // śrīśālajalpakedāra- bhairavāmrātakeśvarāḥ / hariścandramahākālam adhyāḥ sātipadā rucau // mahendrabhīmavimala- kurukṣetragayākhalāḥ / sanāpadottarāḥ sāṭṭa- hāsāḥ sanākhalāḥ khage // sthāṇusvarṇākṣagokarṇa- bhadrakarṇamahālayāḥ / vastrapadāvimukhāhva- rudrakoṭyaḥ khamaṇḍale // pavitrāṣṭakamityāhur garve mātrendriyagocare / sthāṇvaṣṭakaṃ dvijaśreṣṭha nāmataḥ kathayāmi te //

Danach [folgen], mit dem Wasser beginnend, die Genussländer [Bhoga-Bhūmis], in ihnen [den zehn Bereichen] verteilt: fünf Achter-Gruppen [Pañcāṣṭakā], den Lenkern [Niyoktṛs] unterstellt, die Glücks-Frucht heiliger Stätten [Kṣetras] gewährend. [Erste Gruppe, im Wasser:] Bhāra, Bhūti, Āṣāḍhi, Ḍiṇḍi, Lākulya, Amara, Puṣkara, sowie Prabhāsa und Naimiṣa – dies die „geheime Achter-Gruppe“ im Wasserbereich. [Zweite Gruppe, im Glanz-Bereich (Feuer):] Śrīśāla, Jalpa, Kedāra, Bhairava, Āmrātakeśvara, Hariścandra, Mahākāla und der „Aufsteigende mit vollkommenem Fuße“ [?]. [Dritte Gruppe, im Luftraum:] Mahendra, Bhīma, Vimala, Kurukṣetra, Gayā, „der Unbewegliche“ [Akhala?], „der Über-Land-Reisende“ [Sanāpadottara, ?], „der mit Gelächter“ [Sāṭṭahāsa], „der Beständig-Unbewegliche“. [Vierte Gruppe, in der Himmelssphäre:] Sthāṇu, Svarṇākṣa, Gokarṇa, Bhadrakarṇa, Mahālaya, Vastrapada, „der Abgewandt-Genannte“, die Rudrakoṭi[-Stätte]. Diese [vierte Gruppe] nennt man die „reine Achter-Gruppe“, im Bereich von Stolz, Muttergottheiten und Sinnesorganen [angesiedelt]. Die „Sthāṇu-Achter-Gruppe“, o bester der Zweifachgeborenen, nenne ich dir jetzt namentlich [es folgt die nächste Gruppe].

Wort für Wort
tataḥ ambhaḥ-pramukhāḥ bhoga-bhūmayaḥ tāsu saṃsthitāḥ
danach, mit Wasser beginnend, die Genussländer, in jenen (Bereichen) verteilt
pañca-aṣṭakāḥ niyoktṝṇām kṣetra-avāpta-phala-śriyaḥ
fünf Achter-Gruppen der Lenker, Glücksfrucht heiliger Stätten gewährend
bhāra-bhūti-āṣāḍhi-ḍiṇḍi-lākulya-amara-puṣkarāḥ, prabhāsa-naimiṣau
Namen der ersten ("geheimen") Achter-Gruppe im Wasser
śrīśāla-jalpa-kedāra-bhairava-āmrātakeśvara-hariścandra-mahākālam ...
Namen der zweiten Gruppe
mahendra-bhīma-vimala-kurukṣetra-gayā-khalāḥ ...
Namen der dritten Gruppe (im Luftraum), u.a. die berühmten Tīrthas Kurukṣetra und Gayā
sthāṇu-svarṇākṣa-gokarṇa-bhadrakarṇa-mahālaya- ...
Namen der vierten ("reinen") Achter-Gruppe, u.a. Gokarṇa (berühmter Śiva-Tīrtha)
pavitra-aṣṭakam iti āhuḥ garve mātṛ-indriya-gocare
man nennt dies die reine Achter-Gruppe, im Bereich von Stolz/Muttergottheiten/Sinnesorganen
sthāṇu-aṣṭakam dvija-śreṣṭha nāmataḥ kathayāmi te
die Sthāṇu-Achter-Gruppe, bester Zweifachgeborener, nenne ich dir jetzt namentlich

Katalog von (mindestens) vier Achter-Gruppen (Aṣṭaka) heiliger Stätten/Tīrthas, den zehn Rudra-Lenkern zugeordnet – bemerkenswert, dass unter den Namen reale, bekannte Pilgerstätten erscheinen (Prabhāsa, Naimiṣa, Kurukṣetra, Gayā, Gokarṇa). Wegen der extremen Kompositum-Dichte im fortlaufenden Sandhi ist die genaue Einzelsegmentierung mancher Namen unsicher [?] (z.B. „sanāpadottarāḥ sāṭṭahāsāḥ sanākhalāḥ“); hier sinngemäß nach wahrscheinlichsten Wortgrenzen übersetzt/transliteriert. Die "fünfte" Achter-Gruppe (Pañcāṣṭakā = 5×8 angekündigt) wird erst in der folgenden Einheit mit der Sthāṇu-Aṣṭaka fortgesetzt/abgeschlossen.

sthāṇvaṣṭakaṃ dvijaśreṣṭha nāmataḥ kathayāmi te / mākoṭamaṇḍaleśāna- dviraṇḍachagalāṇḍakāḥ // sthūlasthūleśvarau śaṅku- karṇakālañjarāvapi / sūkṣmāmarapurāṇyaṣṭau buddhau paiśācamāditaḥ // rākṣasaṃ yākṣagāndharvaṃ māhendraṃ ca maharddhimat / saumyaṃ prājeśvaraṃ brāhmaṃ dīptaṃ paramayā śriyā // gauṇe yogīśadhāmāni tvakṛtaṃ kṛtaraibhavam / brāhmavaiṣṇavakaumāram aumaṃ śraikaṇṭhamantataḥ //

[Fortsetzung:] Die Sthāṇu-Achter-Gruppe nenne ich dir mit Namen, bester Zweifachgeborener: Mākoṭa, Maṇḍaleśāna, Dviraṇḍa, Chagalāṇḍaka, Sthūla, Sthūleśvara, Śaṅkukarṇa und Kālañjara [dies acht „grobstoffliche“ Stätten]. Die acht „feinstofflichen“ Städte in der Buddhi [beginnend mit Paiśāca]: die paiśāca[-Stadt], die rākṣasa[-Stadt], die mit Yakṣas und Gandharvas [verbundene], die māhendra[-Stadt] von großer Machtfülle, die saumya[-Stadt], die prājeśvara[-Stadt], die brāhma[-Stadt], leuchtend von höchstem Glanz. Auf der sekundären [gauṇa-]Ebene [gibt es] die Wohnstätten der Yogīśvaras: „von dir selbst gemacht“ [Tvakṛta], „von Kṛta-Raibhava“ [oder Kṛta-Bhairava, siehe Variante], „brahmisch-viṣṇuisch-kaumārisch“, die aumische [Śiva-] und die śraikaṇṭha[-Stätte], damit endend [als achte].

Wort für Wort
sthāṇu-aṣṭakam ... nāmataḥ kathayāmi
die Sthāṇu-Achter-Gruppe nenne ich namentlich
mākoṭa-maṇḍaleśāna-dviraṇḍa-chagala-aṇḍakāḥ, sthūla-sthūleśvarau, śaṅkukarṇa-kālañjarau
die acht Namen dieser Gruppe
sūkṣma-amara-purāṇi aṣṭau buddhau paiśāca-āditaḥ
die acht feinstofflichen Götterstädte in der Buddhi, mit Paiśāca beginnend
rākṣasam, yākṣa-gāndharvam, māhendram, saumyam, prājeśvaram, brāhmam
die weiteren sechs (der acht) feinstofflichen Städte
gauṇe yogīśa-dhāmāni
auf sekundärer Ebene die Wohnstätten der Yogīśvaras
tvakṛtam, kṛta-raibhavam (var. kṛtabhairavam), brāhma-vaiṣṇava-kaumāram, aumam, śraikaṇṭham antataḥ
die (acht) Namen dieser Wohnstätten, endend mit der śraikaṇṭha-Stätte

Die „acht feinstofflichen Städte in der Buddhi“ (V.142-143) korrespondieren mutmaßlich mit der Pratyaya-Klassifikation aus Paṭala 10-11 (Siddhi-Gruppen: sāṃsiddhika/vainayika/prākṛta); ein direkter Textverweis fehlt jedoch, daher als Vermutung markiert [?]. V.144 „kṛtaraibhavam“ trägt im Quelltext die textkritische Randnote „kṛtabhairavam KSTS“ (alternative Lesart der KSTS-Ausgabe).

vīrabhadrasya rucimad ddhāma yogivarastutam / svapadādho 'dhikārastha- sarvarudrādhikaśriyaḥ // vāmadevabhavānanta- bhīmomāpatyajeśvarāḥ / sarveśāneśvarāveka- vīraikaśivasaṃjñitau // ugraḥ pracaṇḍadṛk ceśo guṇānāṃ mūrdhni saṃsthitāḥ / tapasā guruṇopāsya krodhādīn gurutāṃ matāḥ // svādhikāravidhau tīkṣṇā rudrāḥ sarvārthadṛkkriyāḥ / tebhyo daśaguṇaśrīkān pradhānādhipatīñchṛṇu // krodheśacaṇḍasaṃvarta- jyotiḥpiṅgalasūragāḥ / pañcāntakaikavīrau ca śikheda iti te smṛtāḥ // sarvendriyaḥ sarvatanuḥ sarvāntaḥkaraṇāśrayaḥ / puruṣe niyatau yantā kāle kalanaśaktimān // bhuvaneśamahādeva- vāmadevabhavodbhavāḥ / ekapiṅgekṣaṇeśānā- ṅguṣṭhamātrāśca bhāsvarāḥ //

[Als weitere, überragende Stätte:] die glanzvolle Wohnstatt Vīrabhadras, von den besten Yogins gepriesen, unterhalb ihrer eigenen Ämter angesiedelt, doch von größerer Herrlichkeit als alle [übrigen] Rudras. [Es folgen als eigenständige Gestalten:] Vāmadeva, Bhava, Ananta, Bhīma, Umās Gemahl [Umāpati], Jeśvara, sowie das Paar Sarveśa und Āneśvara, genannt „Ekavīra“ und „Ekaśiva“ [die Einzig-Helden, die Einzig-Śiva-Genannten]. Ugra [der Furchtbare] und Pracaṇḍadṛś [Wildblickende] sowie Īśa [Śiva selbst] stehen an der Spitze der [drei] Guṇas [d.h. verkörpern Rajas/Tamas/Sattva]; durch schwere Askese verehrt, gelten [Wesen wie] Krodha [Zorn] u.a. als bedeutsam. In der Ausübung ihrer eigenen Ämter sind die Rudras streng/scharf, mit Blick und Handeln auf jeden Zweck gerichtet; höre [nun] von den zehnfach herrlichen Oberhäuptern über sie: Krodheśa, Caṇḍasaṃvarta, Jyotiḥpiṅgala, Sūraga, sowie das Paar Pañcāntaka-Ekavīra – diese werden „Śikheda“ genannt. [Śiva/Rudra ist] alle Sinnesorgane, aller Leib, der Sitz aller inneren Organe; im [individuellen] Puruṣa als [dessen] Lenker fest eingesetzt, in der Zeit von gestaltender Machtfülle. [Ferner die Gestalten:] Bhuvaneśa, Mahādeva, entsprungen aus Vāmadeva und Bhava, „Einäugig-Gelblich“ [Ekapiṅgekṣaṇa], Īśāna – strahlend, [jeweils nur] daumengroß.

Wort für Wort
vīrabhadrasya rucimad dhāma
die glanzvolle Wohnstatt Vīrabhadras
yogi-vara-stutam
von den besten Yogins gepriesen
sva-pada-adhaḥ adhikāra-stha- sarva-rudra-adhika-śriyaḥ
unterhalb des eigenen Amtes, doch von größerem Glanz als alle Rudras
vāmadeva-bhava-ananta-bhīma-umā-patya-jeśvarāḥ
Vāmadeva, Bhava, Ananta, Bhīma, Umās Gatte, Jeśvara
sarveśa-āneśvarau eka-vīra-eka-śiva-saṃjñitau
das Paar Sarveśa/Āneśvara, genannt Ekavīra und Ekaśiva
ugraḥ pracaṇḍadṛk ca īśaḥ guṇānām mūrdhni saṃsthitāḥ
Ugra, Pracaṇḍadṛś und Īśa an der Spitze der Guṇas
tapasā guruṇā upāsya krodha-ādīn gurutām matāḥ
durch schwere Askese verehrt, gelten Krodha u.a. als bedeutsam
sva-adhikāra-vidhau tīkṣṇāḥ rudrāḥ sarva-artha-dṛk-kriyāḥ
in ihrem Amt streng, die Rudras, mit Blick/Handeln auf jeden Zweck
tebhyaḥ daśa-guṇa-śrīkān pradhāna-adhipatīn śṛṇu
höre von den ihnen zehnfach überlegenen Oberhäuptern
krodheśa-caṇḍasaṃvarta-jyotiḥpiṅgala-sūragāḥ, pañca-antaka-eka-vīrau ca śikheda iti smṛtāḥ
ihre Namen, zusammen "Śikheda" genannt
sarva-indriyaḥ sarva-tanuḥ sarva-antaḥkaraṇa-āśrayaḥ
(Śiva ist) alle Sinnesorgane, aller Leib, Sitz aller inneren Organe
puruṣe niyatau yantā kāle kalana-śaktimān
im Puruṣa fest als Lenker eingesetzt, in der Zeit von gestaltender Macht
bhuvaneśa-mahādeva-vāmadeva-bhava-udbhavāḥ
Bhuvaneśa, Mahādeva, aus Vāmadeva/Bhava entsprungen
eka-piṅga-īkṣaṇa-īśānāḥ aṅguṣṭha-mātrāḥ ca bhāsvarāḥ
Einäugig-Gelbäugig, Īśāna – daumengroß und strahlend

Fortsetzung der Rudra-Hierarchie: Vīrabhadra und eine Gruppe individueller Śiva-Formen/-Namen (teils überschneidend mit der klassischen Aṣṭamūrti-Liste: Bhava, Śarva, Ugra, Īśāna u.a.), gefolgt von zehn übergeordneten Oberhäuptern („Śikheda“-Gruppe). Mehrere Kompositum-Namen (v.a. V.150-151) bleiben in ihrer genauen morphologischen Aufschlüsselung unsicher [?].

parameśopamā rāga- vidyāgarbhe kalāpade / mahāpuracatuḥṣaṣṭi- maṇḍale maṇḍalādhipāḥ // anantastrikalo goptā kṣemīśo brahmaṇaḥ patiḥ / dhruvatejodhiṣau rudrau gahaneśaśca viśvarāṭ // māyādhikāriṇo rudrā maṇḍalādhipatīśvarāḥ / saṃsāracakrakārūḍha- bhūtagrāmavivartakāḥ // etāvatyeva ghoreyaṃ sarvabhūtabhavāvaniḥ / sīdantyajñānino yasyāṃ paṅke gāva ivācalāḥ // bhṛguṇī brahmavetālī sthāṇumatyambikā parā / rūpiṇī nandinī jvālā saptasaptārbudeśvarāḥ // vidyārājñyastu kathitā vidyāyāṃ rudrasaṃstutāḥ / tāsāmupari dīptaśrīr devo vidyādhipaḥ sthitaḥ //

[Weitere Gestalten,] dem höchsten Herrn gleichrangig, im Schoße von Rāga und Vidyā, im Bereich der Kalā, in der Maṇḍala-Region der vierundsechzig großen Städte als Maṇḍala-Oberhäupter: Ananta, der dreifach-kalahafte Beschützer, Kṣemīśa, der Herr Brahmas, das Rudra-Paar Dhruvateja und Adhiṣa, sowie Gahaneśa, der Weltenherrscher. Die über Māyā gebietenden Rudras sind die Herren der Maṇḍalas, die auf dem Rad des Saṃsāra reitend die Schar der Wesen [durch die Zeitalter] wandeln lassen. So gewaltig ist diese furchtbare Erde des Entstehens aller Wesen, in der die Unwissenden versinken wie Kühe im Morast, unbeweglich [gefangen]. Bhṛguṇī, Brahmavetālī, Sthāṇumatī, die höchste Ambikā, Rūpiṇī, Nandinī, Jvālā – die Herrscherinnen über [je] siebenmal sieben Arbuda [an Anhängern]: dies sind die genannten Vidyā-Königinnen, in der Vidyā von den Rudras gepriesen. Über ihnen thront, von strahlendem Glanz, der Gott, der Herr der Vidyā [Vidyeśvara].

Wort für Wort
parama-īśa-upamāḥ rāga-vidyā-garbhe kalā-pade
dem höchsten Herrn gleich, im Schoß von Rāga/Vidyā, im Bereich der Kalā
mahā-pura-catuḥṣaṣṭi-maṇḍale maṇḍala-adhipāḥ
in der 64-Städte-Region als Maṇḍala-Oberhäupter
anantaḥ tri-kalaḥ goptā, kṣemīśaḥ, brahmaṇaḥ patiḥ
Ananta der dreifache Beschützer, Kṣemīśa, Brahmas Herr
dhruvateja-adhiṣau rudrau, gahaneśaḥ ca viśvarāṭ
das Rudra-Paar Dhruvateja/Adhiṣa, Gahaneśa, der Weltenherrscher
māyā-adhikāriṇaḥ rudrāḥ maṇḍala-adhipati-īśvarāḥ
die über Māyā gebietenden Rudras, die Maṇḍala-Herren
saṃsāra-cakra-ka-ārūḍha-bhūta-grāma-vivartakāḥ
auf dem Saṃsāra-Rad reitend, die Wesenschar wandelnd
etāvatī eva ghorā iyam sarva-bhūta-bhava-avaniḥ
so gewaltig ist diese furchtbare Erde des Wesens-Entstehens
sīdanti ajñāninaḥ yasyām paṅke gāvaḥ iva acalāḥ
in der die Unwissenden versinken wie Kühe im Morast, unbeweglich
bhṛguṇī, brahmavetālī, sthāṇumatī, ambikā parā
Namen der Vidyā-Königinnen (1)
rūpiṇī, nandinī, jvālā, sapta-sapta-arbuda-īśvarāḥ
Namen der Vidyā-Königinnen (2), Herrscherinnen über 7×7 Arbuda
vidyā-rājñyaḥ tu kathitāḥ vidyāyām rudra-saṃstutāḥ
dies sind die genannten Vidyā-Königinnen, von den Rudras gepriesen
tāsām upari dīpta-śrīḥ devaḥ vidyā-adhipaḥ sthitaḥ
über ihnen steht, glanzvoll, der Gott, der Herr der Vidyā

Übergang von der Rudra-Hierarchie zu den sieben „Vidyā-Königinnen“ (weiblichen Gottheiten der Vidyā-Ebene) und ihrem übergeordneten Herrn Vidyeśvara – bereitet die abschließende, in der nächsten Einheit folgende systematische Kalā-Tattva-Doktrin vor. V.156 „arbuda“ (eine sehr hohe Zahleinheit, ca. 10^8) hier als unbestimmte Vielzahl-Angabe („Anhängerschar“) sinngemäß wiedergegeben.

svasvarūpāśca te vipra pūrvaṃ praśnānuṣaṅgataḥ / sādāśive pavitrāṅga- sakalādiparicchadaḥ // devaḥ sadāśivo bindau nivṛttyādikaleśvarāḥ / nāde dhvanipatiḥ śaktau sarvaśaktimatāṃ varaḥ // yonirviśvasya vāgīśāḥ patayaḥ parataḥ śivaḥ / sadāśivaśivāntādhva- kalpitāṇuvapuḥsthitiḥ // sarvātiśayaviśrāmas tadūrdhvaṃ patayaḥ katham / īśānatītya śāntāntaṃ tattvaṃ sādāśivaṃ smṛtam // bhuvanānyapi nādādi- kalā nānyaḥ patiḥ śivāt / kiṃtu yaḥ patibhedo 'smin sa śāstre śaktibhedavat //

Und ihre Eigen-Wesenheiten, o Brahmane, wurden dir bereits zuvor, im Zusammenhang deiner Frage, erklärt – in der Darlegung über Sadāśiva, den reingliedrigen [Gott], versehen mit [den Stufen] Sakala usw. Der Gott Sadāśiva [weilt] in Bindu; die Herren der Kalās, angefangen mit Nivṛtti, [weiter unten]; in Nāda [weilt] der Herr des Tones; in Śakti der Beste aller Machtvollen. Im Schoß des Universums [weilen] die Redeherren [Vāgīśas]; darüber, als [letzter] Herr, Śiva. Auf dem Pfad von Sadāśiva bis zu Śiva sind die geschaffenen subtilen Leiber der [gebundenen] Seelen [Aṇus] angesiedelt. [Śiva ist] die Ruhestätte aller Vortrefflichkeit – wie sollte es über ihm noch Herren geben? Über Īśāna hinaus, bis zum Ende von Śānta [reichend], wird das Tattva [noch] als zu Sadāśiva gehörig betrachtet. Auch die Welten, angefangen mit Nāda, [und] die Kalās – es gibt keinen anderen Herrn als Śiva. Was aber an Herren-Verschiedenheit hierin [erscheint], das ist, gemäß der Lehre, [nur] wie eine Verschiedenheit [seiner eigenen] Machtkraft [Śakti].

Wort für Wort
sva-sva-rūpāḥ ca te vipra pūrvam praśna-anuṣaṅgataḥ
und ihre Eigenwesenheiten, o Brahmane, bereits zuvor im Zusammenhang der Frage
sādāśive pavitra-aṅga sakala-ādi-paricchadaḥ
in der Sadāśiva-Darlegung, der reingliedrige, mit Sakala usw. versehen
devaḥ sadāśivaḥ bindau
der Gott Sadāśiva in Bindu
nivṛtti-ādi-kala-īśvarāḥ
die Herren der Kalās ab Nivṛtti
nāde dhvani-patiḥ śaktau sarva-śaktimatām varaḥ
in Nāda der Ton-Herr, in Śakti der Beste aller Mächtigen
yoniḥ viśvasya vāgīśāḥ patayaḥ parataḥ śivaḥ
im Schoß des Alls die Redeherren, darüber als Herr Śiva
sadāśiva-śiva-anta-adhva-kalpita-aṇu-vapuḥ-sthitiḥ
auf dem Pfad Sadāśiva-bis-Śiva die geschaffenen Aṇu-Subtilleiber
sarva-atiśaya-viśramaḥ tad-ūrdhvam patayaḥ katham
Ruhestätte aller Vortrefflichkeit – darüber, wie [noch] Herren?
īśāna-atītya śānta-antam tattvam sādāśivam smṛtam
über Īśāna hinaus, bis Śānta, gilt das Tattva als sadāśivisch
bhuvanāni api nāda-ādi-kalā na anyaḥ patiḥ śivāt
auch die Welten ab Nāda, die Kalās – kein anderer Herr als Śiva
kiṃtu yaḥ pati-bhedaḥ asmin sa śāstre śakti-bhedavat
die Herren-Verschiedenheit hierin ist wie Śakti-Verschiedenheit

Zentrale monotheistisch-śaivistische Zusammenfassung: die zuvor (V.121-159) aufgezählte Vielzahl von Rudras/Herren/Göttern wird ausdrücklich als bloße funktionale Differenzierung der EINEN Śakti Śivas erklärt – kein Herr steht über Śiva selbst. Beginn der abschließenden systematischen Kalā-Tattva-Doktrin (Bindu/Nāda/Śakti-Hierarchie).

kṛtyabhedopacāreṇa tadbhedasthānabhedajaḥ / karotyunmīlanaṃ yābhiḥ śaktibhirnaratejasaḥ // tā nivṛttyādisaṃjñānāṃ bhuvanānāmadhīśvarāḥ / nivartayati bhūtāni yayā sāsya nivartikā // nivṛttiriti tatsthānaṃ tatreśo 'pi nivṛttimān / nivṛttasya gatirbhūyo yayā prācyāvalakṣaṇā // niṣidhyate pratiṣṭhā sā sthānaṃ tavāṃśca tatpatiḥ / tyaktvāptagamyaviṣayaṃ yayā jñānaṃ dadātyaṇoḥ // sā vidyā sthānamapyasyā vidyeśaśca tadīśvaraḥ / sarvaduḥkhapraśamanaṃ yayāsya kurute haraḥ // sā śāntistatpadaṃ ceti tatkurvan so 'pi śāntimān / ūrdhvādhoviṣayāloko mahānyaśca mahattaraḥ //

Durch die figürliche Verwendung von Funktions-Unterschieden, entstanden aus dem Unterschied des jeweiligen Ortes: durch welche Machtkräfte [Śiva] das „Erblühen“ der Seelen-Leuchtkraft [des individuellen Bewusstseins] bewirkt – jene [Machtkräfte] sind die Oberherren der „Nivṛtti“ u.a. genannten Welten. Wodurch [Śiva] die Wesen [aus der Bindung] zurückwendet, das ist seine „Zurückwendende“ [Kraft]. „Nivṛtti“ heißt jener Ort, und auch der dortige Herr [heißt] „Nivṛtti-Habender“; wodurch es für den Zurückgewendeten ein weiteres Fortschreiten gibt [?, „prācyāvalakṣaṇā“ unsicher] – [diese Kraft heißt ebenso]. Wodurch [das weitere Umherirren] verhindert wird, das ist „Pratiṣṭhā“ [Grundfeste] – so der Ort, und dessen Herr entsprechend. Wodurch [Śiva], das Erreichte-und-noch-zu-Erreichende hinter sich lassend, der Einzelseele Erkenntnis verleiht – das ist „Vidyā“ [Erkenntnis], auch der Ort so [genannt], und ihr Herr „Vidyeśa“. Wodurch Hara [Śiva] für sie [die Seele] alles Leid zur Ruhe bringt – das ist „Śānti“ [Friede], auch so der Ort; wer dies bewirkt, [heißt] ebenfalls „Friede-Habender“. [Darüber liegt] die Schau eines Bereichs jenseits von Oben und Unten, ein Größeres, und ein noch Größeres.

Wort für Wort
kṛtya-bheda-upacāreṇa tad-bheda-sthāna-bhedajaḥ
durch figürliche Funktionsunterscheidung, aus Ortsunterschied entstanden
karoti unmīlanam yābhiḥ śaktibhiḥ nara-tejasaḥ
durch welche Kräfte (Śiva) das Erblühen der Seelen-Leuchtkraft bewirkt
tāḥ nivṛtti-ādi-saṃjñānām bhuvanānām adhīśvarāḥ
jene sind Oberherren der "Nivṛtti" u.a. genannten Welten
nivartayati bhūtāni yayā sā asya nivartikā
wodurch er die Wesen zurückwendet, das ist seine "Zurückwendende"
nivṛttiḥ iti tat-sthānam, tatra īśaḥ api nivṛttimān
"Nivṛtti" heißt jener Ort, dessen Herr "Nivṛtti-habend"
niṣidhyate pratiṣṭhā sā sthānam, tava (=tasyāḥ) ca tat-patiḥ
was verhindert wird: "Pratiṣṭhā", der Ort, und ihr Herr
tyaktvā āpta-gamya-viṣayam yayā jñānam dadāti aṇoḥ
durch welche, das Erreichte/Erreichbare verlassend, Erkenntnis der Seele verliehen wird
sā vidyā sthānam api asyāḥ vidyeśaḥ ca tad-īśvaraḥ
das ist Vidyā, auch der Ort, und ihr Herr Vidyeśa
sarva-duḥkha-praśamanam yayā asya karoti haraḥ
wodurch Hara alles Leid für sie zur Ruhe bringt
sā śāntiḥ tat-padam ca iti, tat kurvan saḥ api śāntimān
das ist Śānti, auch der Ort, und wer dies bewirkt heißt ebenso
ūrdhva-adho-viṣaya-ālokaḥ mahān yaḥ ca mahattaraḥ
die Schau jenseits von oben/unten, ein Größeres, ein noch Größeres

Die klassische Fünf-Kalā-Lehre des Śaiva-Siddhānta (Nivṛtti–Pratiṣṭhā–Vidyā–Śānti–Śāntyatītā), hier funktional definiert: jede Kalā = eine bestimmte Wirkweise von Śivas EINER Śakti gegenüber der gebundenen Seele, mit gleichnamigem „Ort“ und gleichnamigem „Herrn“. V.167 „prācyāvalakṣaṇā“ morphologisch unsicher [?], sinngemäß auf ein weiteres Fortschreiten des von der Nivṛtti-Kraft Befreiten bezogen.

mahattamaśca kriyate cito yābhirvimucyataḥ / tā indhikādyāstatsthānaṃ tadvānīśastisṛṣvapi // sarvajñatvādiyoge 'pi niyojyatvaṃ malāṃśataḥ / pramārṣṭi tadyayā sāsya mocikā tatpadaṃ ca yat // mocakastatkriyākṛcca yayeśānaṃ karoti tam / sordhvagā tatpadaṃ ceti tadīśaścordhvagāpatiḥ // ye 'pi tatpadamāpannāḥ śaivasādhanayogataḥ / te tatsthityantamāhlādaṃ prāpya yānti paraṃ padam // na ca sṛṣṭyādi kurvanti svārthaniṣṭhā hi te yataḥ / iti sādāśivaṃ tattvaṃ vyākhyātaṃ leśatastava // śaktāvapyevamityeṣa sakalaḥ kṛtyayogataḥ / kṛtyaṃ tadādiviṣayaṃ niṣkalo 'nyatra sarvadā //

Und „das Größte“ – [dies] wird durch jene [Kräfte] beim sich befreienden Bewusstsein bewirkt; jene [Kräfte, genannt] „Indhikā“ u.a., [sind] jener Ort, und dessen Herr ist in allen drei [Stufen des Größer-Werdens] gegenwärtig. Selbst bei Erreichen von Allwissenheit u.a. besteht noch eine gewisse „Verpflichtet-Sein“ durch einen Rest von Verunreinigung [Mala]; das wischt [Śiva] fort wodurch – das ist seine [der Seele] „Befreiende“ [Kraft], und so auch der Ort. „Befreier“ [heißt], wer diese Tat vollbringt, wodurch er ihn [den befreiten Aṇu] zu einem „Īśāna“ [Herrschenden] macht; das ist „die Aufwärtsgehende“, und so auch der Ort; und ihr Herr entsprechend „Herr des Aufwärtsgehens“. Und jene, die diese Stufe durch die Ausübung śivaitischer Praxis erlangt haben, gelangen, nachdem sie die Wonne am Ende jenes Verweilens erreicht haben, zur Höchsten Stätte. Und sie üben nicht [mehr] Schöpfung u.a. aus, denn sie sind [nur mehr] in ihrem eigenen Zweck gegründet. So wurde dir das Sadāśiva-Tattva in gedrängter Kürze erklärt. Auch in der Śakti[-Stufe ist es] ebenso: dieser [Śiva] ist, hinsichtlich der Ausübung von Tätigkeit, „Sakala“ [gegliedert]; [doch] die Tätigkeit, die den Ur-Gegenstand betrifft, und sonst überall, ist er stets „Niṣkala“ [ungegliedert].

Wort für Wort
mahattamaḥ ca kriyate citaḥ yābhiḥ vimucyataḥ
und das Größte wird durch jene beim befreienden Bewusstsein bewirkt
tāḥ indhikā-ādyāḥ tat-sthānam tad-vān īśaḥ tisṛṣu api
jene "Indhikā" usw., jener Ort, deren Herr in allen dreien
sarvajñatva-ādi-yoge api niyojyatvam mala-aṃśataḥ
auch bei Allwissenheit u.a. noch Verpflichtetsein durch Mala-Rest
pramārṣṭi tad yayā sā asya mocikā tat-padam ca
das wischt er fort wodurch: die "Befreiende", auch der Ort
mocakaḥ tat-kriyā-kṛt ca yayā īśānam karoti tam
"Befreier", wer dies tut, wodurch er ihn zum Īśāna macht
sā ūrdhvagā tat-padam ca iti tad-īśaḥ ca ūrdhvagā-patiḥ
das ist "Ūrdhvagā", auch der Ort, ihr Herr entsprechend
ye api tat-padam āpannāḥ śaiva-sādhana-yogataḥ
und jene, die diese Stufe durch śivaitische Praxis erreicht haben
te tat-sthiti-antam āhlādam prāpya yānti param padam
erreichen die Wonne am Ende jenes Verweilens, gehen zur Höchsten Stätte
na ca sṛṣṭi-ādi kurvanti sva-artha-niṣṭhāḥ hi te yataḥ
und üben keine Schöpfung mehr aus, da sie im eigenen Zweck gegründet sind
iti sādāśivam tattvam vyākhyātam leśataḥ tava
so wurde das Sadāśiva-Tattva dir in Kürze erklärt
śaktau api evam iti eṣaḥ sakalaḥ kṛtya-yogataḥ
auch in der Śakti-Stufe ebenso: er ist hinsichtlich Tätigkeit "Sakala"
kṛtyam tad-ādi-viṣayam niṣkalaḥ anyatra sarvadā
bezüglich der Ur-Tätigkeit und sonst stets "Niṣkala"

Abschluss der Sadāśiva-Kalā-Doktrin: die befreiten Seelen (die die höchste Stufe "Ūrdhvagā" erreichen) üben selbst keine kosmischen Funktionen (Schöpfung etc.) mehr aus, im Unterschied zu den zuvor beschriebenen amtierenden Vidyeśvaras/Rudras. Übergang zur Sakala/Niṣkala-Unterscheidung auf der Śakti-Tattva-Ebene.

bhūmiprādhānikagranthi- vidyābindukalādiṣu / guṇakārāḥ daśādyāḥ syur nādakoṭeradho mune // ūrdhvaṃ kalāyā vidyādhaḥ śrūyante gahanādhipāḥ / tadantarālametāvad iti dhījātra lakṣaṇā // dvayorapyadhvanorevaṃ kramaprasavayoginoḥ / vilayaḥ prātilomyena śaktitattvadvayāvadhiḥ // vyastasyātha samastasya vilayaḥ sa kathaṃ kiyān / tattvamārgasya bhagavan brūhi sarvārthadarśyasi // mahāsvāpe samastasya vyastasyāvāntaro layaḥ / sargo 'pyevaṃ sthiteḥ kālaḥ kathyamāno 'vadhāryatām // caturyugasahasrāntam aharhemāṇḍajanmanaḥ / niśā tāvatyahorātra- mānenābdaparārdhake // vilayo vyutkrameṇaiṣa prakṛtyādi nivāryate / tadā rudraśataṃ vīra- śrīkaṇṭhau ca pradhānapāḥ //

In [den Tattvas] Erde, Pradhāna, dem Knoten [Granthi], Vidyā, Bindu, Kalā usw. gibt es „Guṇa-Wirker“ [instrumentale Mitursachen], zehn und mehr an Zahl, unterhalb des Gipfels von Nāda, o Weiser. Oberhalb von Kalā, unterhalb von Vidyā, sind, wie man hört, die „Herren der Dichte“ [Gahanādhipas] – „so groß ist dieser Zwischenraum“, das ist hier die [überlieferte] Kenn-Vorstellung. So [erfolgt] bei beiden Pfaden, die durch stufenweise Hervorbringung verbunden sind, die Auflösung in umgekehrter Reihenfolge, bis zur Grenze des Tattva-Paares Śakti[-Śiva]. [Bharadvāja fragt:] Wie [verläuft] nun die Auflösung des Einzelnen sowie des Gesamten, und wie groß [ist sie], hinsichtlich des Tattva-Pfades, o Erhabener? Sprich, du der du alle Dinge durchschaust! [Antwort:] Im Großen Schlaf [gibt es] die Auflösung des Gesamten; die des Einzelnen ist eine Zwischen-Auflösung. Ebenso [verhält es sich] mit der Schöpfung. Höre nun und merke dir die Zeitdauer des [kosmischen] Bestehens, die dargelegt wird: Viertausend Zeitalter [Yugas] umfassend endet ein „Tag“ des aus dem Goldenen Ei Geborenen [Brahmā]; ebenso lang die „Nacht“ – nach diesem Tag-Nacht-Maß [ergibt sich seine Lebensspanne] in Parārdhas von Jahren. Diese Auflösung [erfolgt] in umgekehrter Reihenfolge; Prakṛti usw. werden [dabei] zurückgehalten. Dann [wachen] hundert Rudras samt Vīra[bhadra] und Śrīkaṇṭha als Hüter der Pradhāna [über das Zurückgehaltene].

Wort für Wort
bhūmi-prādhānika-granthi-vidyā-bindu-kalā-ādiṣu
in Erde, Pradhāna, Knoten, Vidyā, Bindu, Kalā usw.
guṇa-kārāḥ daśa-ādyāḥ syuḥ nāda-koṭeḥ adhaḥ mune
gibt es Guṇa-Wirker, zehn und mehr, unterhalb des Nāda-Gipfels
ūrdhvam kalāyāḥ vidyāḥ adhaḥ śrūyante gahana-adhipāḥ
oberhalb Kalā, unterhalb Vidyā, hört man von den Gahana-Herren
tad-antarālam etāvat iti dhīḥ jāta atra lakṣaṇā
"so groß ist der Zwischenraum" – dies die überlieferte Kennvorstellung
dvayoḥ api adhvanoḥ evam krama-prasava-yoginoḥ
so bei beiden stufenweise-verbundenen Pfaden
vilayaḥ prātilomyena śakti-tattva-dvaya-avadhiḥ
die Auflösung rückläufig, bis zur Grenze des Śakti-Tattva-Paares
vyastasya atha samastasya vilayaḥ saḥ katham kiyān
wie und wie groß ist die Auflösung des Einzelnen und des Gesamten
tattva-mārgasya bhagavan brūhi sarva-artha-darśyasi
des Tattva-Pfades, o Herr, sprich, Allschauender
mahāsvāpe samastasya vyastasya avāntaraḥ layaḥ
im Großen Schlaf die Gesamtauflösung, des Einzelnen eine Zwischenauflösung
sargaḥ api evam sthiteḥ kālaḥ kathyamānaḥ avadhāryatām
ebenso die Schöpfung; die Zeitdauer des Bestehens, jetzt dargelegt, merke sie dir
catur-yuga-sahasra-antam ahaḥ hema-aṇḍa-janmanaḥ
viertausend Yugas umfassend ein Tag des Goldenei-Geborenen (Brahmā)
niśā tāvatī ahorātra-mānena abda-parārdhake
die Nacht ebenso lang, nach diesem Maß in Parārdhas von Jahren
vilayaḥ vyutkrameṇa eṣaḥ prakṛti-ādi nivāryate
diese Auflösung rückläufig; Prakṛti usw. werden zurückgehalten
tadā rudra-śatam vīra-śrīkaṇṭhau ca pradhāna-pāḥ
dann hundert Rudras, Vīra(bhadra) und Śrīkaṇṭha als Pradhāna-Hüter

Übergang zur kosmischen Zeitrechnung: ein "Tag" Brahmās = 4000 Yugas (klassische Purāṇa-Zählung, hier ohne die üblichen Dämmerungs-Zwischenzeiten explizit genannt), Gesamtlebensdauer in "Parārdha" (10^17-artige Größenordnung) gemessen. Die Auflösung (Pralaya) verläuft spiegelbildlich zur Schöpfungsreihenfolge.

śaktyākramya jagatsūkṣmaṃ sūkṣmadehāṃśca cidvataḥ / prakṛtisthāśayān kālaṃ tatsvāpāntamupāsate // śiveṣṭamantrabhṛnnunna- maṇḍalādhipatīritāḥ / kāle jagatsamutpādya svādhikāraṃ prakurvate // karma dharmādikaṃ tacca guṇatvena matau sthitam / guṇino na guṇo 'paiti prakṛtāvucyate katham // satyaṃ buddhiguṇaḥ karma nāpaiti guṇino guṇaḥ / dehākṣaphalabhūmīnāṃ tātsthyāt tatropacaryate // ādhāre kāraṇe kārye samīpe copakārake / dharmādyanukṛtau ceti lakṣaṇāṃ sūrayo jaguḥ // evaṃ guṇādisargāṇāṃ parārdhe guṇakāraṇam / kalā leḍhi kalāṃ māyā svādhikāraparāṅmukhī // tannivṛttau nivartante devāstadadhikāriṇaḥ / sargasthityādiko yasmād adhikārastadāśrayaḥ //

Nachdem sie durch [ihre] Macht die subtile Welt und die subtilen Leiber der Bewusstseinsträger [Seelen] ergriffen haben, wachen sie, mit ihrer Absicht in der Prakṛti verankert, die ganze Zeit bis zum Ende jenes [kosmischen] Schlafes darüber. Angetrieben von den Maṇḍala-Herren, die den von Śiva geliebten Mantra tragen, erschaffen sie zur [rechten] Zeit die Welt aufs Neue und üben [dann wieder] ihr jeweiliges Amt aus. [Einwand:] Das Karma – das heißt Dharma usw. – wird [von den Gelehrten] als eine in der Buddhi [Intellekt] befindliche Eigenschaft [Guṇa] angesehen. Eine Eigenschaft aber weicht nicht von ihrem Träger [Guṇin] – wie kann man dann sagen, sie befinde sich in der Prakṛti [einem anderen Substrat]? [Antwort:] Richtig, Karma ist eine Eigenschaft der Buddhi, und eine Eigenschaft weicht nicht von ihrem Träger. [Doch] wegen des [Durchdringend-]Verweilens [der Buddhi] in Leib, Sinnesorganen, [Handlungs-]Frucht und [Wiedergeburts-]Stätten wird [Karma] übertragen-figürlich auf jene angewandt. Bei einem Substrat, einer Ursache, einer Wirkung, einem Naheliegenden, einem Mithelfenden und in Nachahmung von Dharma u.a. – so, sagten die Weisen, [gilt] die Regel [solcher figürlichen Übertragung]. So, [am Ende] eines Parārdhas der von den Guṇas usw. [bewirkten] Schöpfungen, „leckt“ die [höchste] Kalā die [niedere] Kalā [in sich] auf; Māyā wendet sich von ihrem eigenen Amt ab. Wenn jenes [Amt der Māyā] endet, hören auch die Götter, die deren Amtsträger sind, auf [zu wirken] – da ja das Amt von Schöpfung, Erhaltung usw. auf jener [Māyā] beruht.

Wort für Wort
śaktyā ākramya jagat sūkṣmam sūkṣma-dehān ca cidvataḥ
durch Macht die subtile Welt und die subtilen Leiber der Bewusstseinsträger ergreifend
prakṛti-stha-āśayān kālam tat-svāpa-antam upāsate
mit Absicht in Prakṛti verankert, wachen sie bis zum Ende jenes Schlafs
śiva-iṣṭa-mantra-bhṛt-nunna-maṇḍala-adhipati-īritāḥ
angetrieben von den Maṇḍala-Herren, Träger von Śivas geliebtem Mantra
kāle jagat samutpādya sva-adhikāram prakurvate
zur rechten Zeit die Welt erschaffend, üben sie ihr Amt aus
karma dharma-ādikam tat ca guṇatvena matau sthitam
Karma, das heißt Dharma usw., gilt als Eigenschaft in der Buddhi
guṇinaḥ na guṇaḥ apaiti prakṛtau ucyate katham
eine Eigenschaft weicht nicht vom Träger – wie in Prakṛti?
satyam buddhi-guṇaḥ karma na apaiti guṇinaḥ guṇaḥ
richtig, Karma ist Buddhi-Eigenschaft, weicht nicht vom Träger
deha-akṣa-phala-bhūmīnām tātsthyāt tatra upacaryate
wegen Verweilens in Leib/Sinnen/Frucht/Stätten wird es dorthin übertragen
ādhāre kāraṇe kārye samīpe ca upakārake
bei Substrat, Ursache, Wirkung, Nahem, Mithelfendem
dharma-ādi-anukṛtau ca iti lakṣaṇām sūrayaḥ jaguḥ
und in Dharma-Nachahmung – so die Regel der Weisen
evam guṇa-ādi-sargāṇām parārdhe guṇa-kāraṇam
so, am Ende eines Parārdhas der Guṇa-Schöpfungen, die Guṇa-Ursache
kalā leḍhi kalām māyā sva-adhikāra-parāṅmukhī
(die höhere) Kalā verschlingt die (niedere) Kalā, Māyā wendet sich vom eigenen Amt ab
tan-nivṛttau nivartante devāḥ tad-adhikāriṇaḥ
wenn jenes endet, enden auch die Götter, ihre Amtsträger
sarga-sthiti-ādikaḥ yasmāt adhikāraḥ tad-āśrayaḥ
da das Amt von Schöpfung/Erhaltung usw. darauf beruht

V.186-188 greifen einen technisch-logischen Einwand auf (Karma als Guṇa der Buddhi vs. seine Zuschreibung an Prakṛti/Leib), gelöst durch die klassische Nyāya-Lehre der figürlichen Übertragung (Upacāra) mit ihren sechs Standardfällen (Substrat/Ursache/Wirkung/Nähe/Mithilfe/Nachahmung) – ein Rückgriff auf dieselbe logisch-dialektische Methode wie in den früheren, stärker erkenntnistheoretischen Paṭalas (v.a. 9-12).

evaṃ mantreśamukhyeṣu viśatsvabhimataṃ padam / vidyāmatti sadātattvaṃ tadbindurbaindavaṃ dhvaniḥ // nādamatti parā śaktiḥ śaktimīṣṭe svayaṃ haraḥ / bhavināṃ viśramāyaivaṃ māyāyāśca paraḥ śivaḥ // ākalayya svadṛkśaktyā svāpaṃ sṛṣṭyai pravartate / evaṃ tattvāni bhāvāśca bhuvanāni vapūṃṣi ca // śuddhāśuddhādhvanorvipra vyākhyātāni samāsataḥ / vidyā pañcāṇudehāśca bindurnādo 'tha kāraṇam // pañcaskandhaḥ paro mārgaḥ kva bhāvāḥ pratyayaḥ sthitāḥ / nādaḥ sūkṣmaḥ kalā kāla- rāgayugme sapūruṣe // sthūlaḥ pañcakalo nādaḥ pañcatattvāśrayo mune / pradhānādicaturgranthi- nidhirbinduścatuṣkalaḥ // garve manomukhā devā buddhau bhāvādayaḥ sthitāḥ / pañcamantratanurdevaḥ sthitastanmātrapañcake / sūkṣmabhūteṣu mantreśā mantrāḥ sthūleṣu saṃsthitāḥ // iti yadaṇunirodhi dhvāntabījādyadṛṣṭaṃ paśumatasṛtadṛgbhiḥ pāśajālaṃ subhūyaḥ / tadupaśamanimittaṃ vakṣyamāṇakriyāto rucadavihataśaktiḥ śāmbhavī mantrasampat //

So, während [die Amtsträger] in ihre gewünschte Stufe unter den Haupt-Mantreśas eintreten: das Sadā[śiva]-Tattva „verzehrt“ [reabsorbiert] Vidyā; dann verzehrt Bindu jenes; der Ton [Dhvani = Nāda] das zu Bindu Gehörige; die Höchste Macht [Parā Śakti] verzehrt Nāda; über die Macht [selbst] gebietet Hara [Śiva] selbst. So [bleibt], zur Ruhe der Werdenden [Bhavins] und der Māyā, der Höchste Śiva [übrig]. Nachdem er durch seine eigene Seh-Kraft [die Zeit] des [Endes des] Schlafes wahrgenommen hat, schreitet er zur Schöpfung fort. So wurden dir, o Brahmane, die Tattvas, die [seelischen] Zustände, die Welten und die Leiber des reinen und des unreinen Pfades in gedrängter Kürze erklärt. Vidyā [hat] fünf Aṇu-Leiber; ebenso Bindu, Nāda, und dann die [Stufe] „Ursache“ [hat] fünf „Skandhas“ [Gruppen] – der höhere Pfad; wo befinden sich [dort] die [seelischen] Zustände, die Pratyayas? Der subtile Nāda, [zusammen mit] dem Paar Kāla-Rāga samt Puruṣa... Der grobe Nāda hat fünf Kalās, gestützt auf die fünf [groben Element-]Tattvas, o Weiser. Bindu, die Stätte der vier Knoten angefangen mit Pradhāna, hat vier Kalās. In Ahaṃkāra [weilen] die Götter, angeführt von Manas; in Buddhi weilen die Zustände usw. Der Gott mit dem Fünf-Mantra-Leib [weilt] in der Fünfergruppe der Tanmātras; unter den subtilen Elementen [weilen] die Mantreśas, unter den groben die [gewöhnlichen] Mantras. – So [gibt es] das Netz der Fesseln [Pāśajāla], das die Einzelseele bindet, dessen Same die Finsternis [Unwissenheit], das immer wieder [begegnende] „Unsichtbare“ [Adṛṣṭa = Karma] [ist], für jene, deren Blick der Lehre des gebundenen Wesens [Paśumata] folgt – zu dessen Beseitigung, durch das noch zu lehrende [rituelle] Handeln, erstrahlt, mit ungehinderter Macht, die Śāmbhava-Mantra-Vollkommenheit [die Mantra-Macht Śivas].

Wort für Wort
evam mantreśa-mukhyeṣu viśatsu abhimatam padam
so, während sie in ihre gewünschte Stufe unter den Mantreśas eintreten
vidyām atti sadā-tattvam, tad bindus, baindavam dhvaniḥ
das Sadāśiva-Tattva verzehrt Vidyā; Bindu jenes; der Ton das Bindu-Zugehörige
nādam atti parā śaktiḥ, śaktim īṣṭe svayam haraḥ
die Höchste Śakti verzehrt Nāda; über die Śakti gebietet Hara selbst
bhavinām viśramāya evam māyāyāḥ ca paraḥ śivaḥ
so bleibt, zur Ruhe der Werdenden und der Māyā, der Höchste Śiva
ākalayya sva-dṛk-śaktyā svāpam sṛṣṭyai pravartate
durch eigene Sehkraft (das Ende) des Schlafs wahrnehmend, schreitet er zur Schöpfung
evam tattvāni bhāvāḥ ca bhuvanāni vapūṃṣi ca
so die Tattvas, Zustände, Welten und Leiber
śuddha-aśuddha-adhvanoḥ vipra vyākhyātāni samāsataḥ
des reinen und unreinen Pfades, o Brahmane, kurz erklärt
vidyā pañca-aṇu-dehāḥ ca bindur nādaḥ atha kāraṇam
Vidyā (hat) fünf Aṇu-Leiber, ebenso Bindu, Nāda, dann Kāraṇa
pañca-skandhaḥ paraḥ mārgaḥ kva bhāvāḥ pratyayaḥ sthitāḥ
fünf Skandhas, der höhere Pfad – wo die Zustände, Pratyayas?
nādaḥ sūkṣmaḥ kalā kāla-rāga-yugme sa-pūruṣe
der subtile Nāda, im Kāla-Rāga-Paar samt Puruṣa
sthūlaḥ pañca-kalaḥ nādaḥ pañca-tattva-āśrayaḥ mune
der grobe Nāda mit fünf Kalās, auf den fünf (Element-)Tattvas beruhend
pradhāna-ādi-catur-granthi-nidhiḥ binduḥ catuṣkalaḥ
Bindu, die Stätte der vier Knoten ab Pradhāna, mit vier Kalās
garve manaḥ-mukhāḥ devāḥ buddhau bhāva-ādayaḥ sthitāḥ
in Ahaṃkāra die Götter mit Manas voran, in Buddhi die Zustände usw.
pañca-mantra-tanuḥ devaḥ sthitaḥ tanmātra-pañcake
der Gott mit dem Fünf-Mantra-Leib in der Tanmātra-Fünfergruppe
sūkṣma-bhūteṣu mantreśāḥ mantrāḥ sthūleṣu saṃsthitāḥ
unter den subtilen Elementen die Mantreśas, unter den groben die Mantras
iti yad aṇu-nirodhi dhvānta-bīja-ādi-adṛṣṭaṃ
so das die Einzelseele bindende, mit Dunkel-Samen, das Unsichtbare (Karma)
paśu-mata-sṛta-dṛgbhiḥ pāśa-jālam subhūyaḥ
für die der Paśu-Lehre folgenden Blicke, das Netz der Fesseln, immer wieder
tad-upaśama-nimittam vakṣyamāṇa-kriyātaḥ
zu dessen Beseitigung, durch das noch zu lehrende (rituelle) Handeln
rucat avihata-śaktiḥ śāmbhavī mantra-sampat
erstrahlt, ungehindert an Macht, die Śāmbhava-Mantra-Vollkommenheit

ABSCHLUSS DES GESAMTEN VIDYĀPĀDA (Vers 198 von 198, in einem längeren, feierlicheren Versmaß gegenüber dem sonst durchgehenden Anuṣṭubh, wie auch bei anderen Paṭala-Enden dieses Werks beobachtet). Die letzten Verse (191-197) fassen in stark komprimierter, teils elliptischer Form die gesamte Reabsorptions-Hierarchie zusammen (Vidyā←Bindu←Nāda←Śakti←Śiva) sowie die Zuordnung von Aṇu-Leibern/Kalās zu den einzelnen Tattva-Stufen; V.195-196 sind wegen extremer Kompression und Ellipse nur sinngemäß und mit Unsicherheit [?] übersetzbar (insbesondere die genaue Bedeutung von "pañcaskandhaḥ paro mārgaḥ" und die Position von Kāla/Rāga/Puruṣa im subtilen Nāda bleiben unsicher). Der Schlussvers (198) kündigt explizit die im Folgenden (in den nicht überlieferten Pādas Kriyā-/Yoga-/Caryā-) zu behandelnde rituelle Praxis an, die die "Fessel-Netz" der Einzelseele löst. Der Quelltext trägt danach die Kolophon-Notiz "samāptaśca vidyāpādaḥ" ("Und der Vidyāpāda ist beendet") – DAMIT IST DAS GESAMTE IM GRETIL-KORPUS VERFÜGBARE MṚGENDRĀGAMA-VIDYĀPĀDA (13 Paṭalas, 451 Verse) VOLLSTÄNDIG ÜBERSETZT. Die übrigen drei Pādas (Yoga-, Kriyā-, Caryāpāda) sind im vorliegenden Korpus nicht enthalten.

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