Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 12

Anuvāka 10 Die Legende von Viśvarūpa, Tvaṣṭṛs Sohn, und Indras Soma-Schuld; Ursprung und Wirkung der Sautrāmaṇī, mit Vorschriften.

viśvarūpo vai triśīrṣāsīt tvaṣṭuḥ putro 'surāṇāṃ svasrīyas

Viśvarūpa war dreiköpfig, Tvaṣṭṛs Sohn, der Schwestersohn der Asuras.

sa somam ekena śīrṣṇāpibat

Er trank Soma mit einem Kopf,

ayaṃ vāvedaṃ bhaviṣyatīti

„Dieser wird wahrlich dieses (All) werden.“

tena yugaśaram apadyata

Dabei ging er (Indra) fehl [?] (wörtlich: er geriet ins Joch-Rohr) [?].

sa takṣāṇaṃ tiṣṭhantam abravīt

Er sprach zu einem Zimmermann, der dastand:

ādhāvāsyemāni śīrṣāṇi cchinddhīti

„Lauf hin und hau ihm diese Köpfe ab!“

tasya takṣopādrutya paraśunā śīrṣāṇy acchinat

Der Zimmermann lief hinzu und hieb ihm mit der Axt die Köpfe ab.

tasmāt takṣṇaś śiro dhṛtam

Darum ist der Kopf des Zimmermanns (der Axt) geschützt [?];

tasmād asyānnam anādyam

darum ist seine Speise nicht eßbar [?].

tasya yat somapānam̐ śira āsīt sa kapiñjalo 'bhavat

Der Kopf, mit dem er Soma trank, wurde zum Haselhuhn (kapiñjala).

yad annādanam̐ sa tittiris

Der, mit dem er Speise aß, wurde zum Rebhuhn (tittiri).

yat surāpānam̐ sa kalaviṅkas

Der, mit dem er Surā trank, wurde zum Sperling (kalaviṅka);

tasmāt sa nitatatapam iva vadati ‖

darum redet der gleichsam „nitatatapa“ [Anm.: lautmalend, Deutung unsicher] [?].

sa tvaṣṭā putrahato vīndram̐ somam āharat

Tvaṣṭṛ, dessen Sohn erschlagen war, holte Soma ohne Indra herbei.

tam adhas sahasraśale 'sunot

Er preßte ihn unten (?) auf tausend Pflöcken (?) [?].

tam asyendraḥ prāsahāpahṛtya nāḍyā nirapibat

Indra überwältigte ihn, raubte ihm den Soma und trank ihn durch ein Rohr aus.

sa viṣvak somapīthena vyārdhyata

Er wurde nach allen Seiten durch das Somatrinken in Unheil gebracht (verfehlte es).

tasmāt somo nānupahūtena pātavai

Darum darf man Soma nicht trinken, ohne herbeigerufen (eingeladen) worden zu sein.

somapīthena vyardhuko bhavati

Man wird durch das Somatrinken ein Verfehlender (Unglücklicher) [?].

tasya yan nasto 'mucyata tau sim̐hā abhavatām

Was ihm aus der Nase entwich, wurden die beiden Löwen;

yad akṣībhyāṃ tau śārdūlau

was aus den Augen, die beiden Tiger (śārdūla);

yat karṇābhyāṃ tau vṛkau

was aus den Ohren, die beiden Wölfe;

yad adhastāt sā sautrāmaṇī

was von unten (abging), das war die Sautrāmaṇī [Anm.: Erbrochenes/Ausscheidung; die Gleichsetzung ist unsicher] [?].

yat prathamaṃ niraṣṭhīvat tat kuvalam abhavat

Was er zuerst ausspuckte, wurde die Kuvala-Beere (Jujube);

yad dvitīyaṃ tad badaram

was zum zweiten, die Badara-Beere;

yat tṛtīyaṃ tat karkandhu

was zum dritten, die Karkandhu-Beere.

tam aśvinā abhiṣajyatām

Ihn heilten die beiden Aśvins.

tam ayājayatām etayā sautrāmaṇyā

Sie ließen ihn mit dieser Sautrāmaṇī opfern.

sa yair eva tad vīryair vyārdhyata tāny asminn āptvādhat

Mit den Heldenkräften, deren er dabei verlustig gegangen war, mit eben diesen versah er sich wieder, indem er sie erreichte.

tām etayā yajeta yam̐ somo 'tipaveta vīryeṇa vā eṣa vyṛdhyate yam̐ somo 'tipavate

Mit dieser soll der opfern, den der Soma überläuft [?]; denn dieser verfehlt die Heldenkraft, den der Soma überläuft.

yāvad eva vīryaṃ tad asmin dadhāti

So viel Heldenkraft es gibt, die legt er in ihn.

eṣaiva rājasūye 'pi bhavati

Eben diese (Sautrāmaṇī) findet auch beim Rājasūya statt.

vīryeṇa vā eṣa vyṛdhyate yo rājasūyenābhiṣicyate

Denn dieser verfehlt die Heldenkraft, der beim Rājasūya geweiht wird;

yāvad eva vīryaṃ tad asmin dadhāti

So viel Heldenkraft es gibt, die legt er in ihn.

etayaiva brāhmaṇo vā rājanyo vā bubhūṣan yajeta

Mit eben dieser soll ein Brahmane oder Fürst opfern, der Gedeihen erstrebt.

yāvad eva vīryaṃ tad asmin dadhāti

so viel Heldenkraft es gibt, die legt er in ihn.

ārtayajño vā eṣa nānārta etayā yajeteti

„Dies ist ein Opfer für Bedrängte; nicht soll ein nicht Bedrängter hiermit opfern.“

sarvo hi puruṣa ārtas

denn jeder Mensch ist bedrängt,

yad āśvinas

Daß (ein Schöpfbecher) den Aśvins gehört,

aśvinau hy abhiṣajyatām

(liegt daran,) daß die beiden Aśvins heilten;

vāg vai sarasvatī

(daran,) daß Sarasvatī die Rede ist,

vācā hy abhiṣajyatām ‖

denn durch die Rede heilten sie.

indre hi tad vīryam adhattām

(daran,) daß sie beide in Indra jene Heldenkraft legten.

kuvalasaktubhir āśvinam̐ śrīṇāti

Mit Kuvala-Beerenmehl mischt er den Becher der Aśvins,

badarasaktubhir aindram

mit Badara-Beerenmehl den des Indra,

karkandhusaktubhis sārasvatam

mit Karkandhu-Beerenmehl den der Sarasvatī.

vācy evāsya svādmānaṃ dadhāti

in die Rede legt er ihm eben Süße.

atho yainam asau vāg aślīlam abhivadati sainaṃ punaḥ kalyāṇam abhivadati

Und die Rede, die ihn (sonst) Unschönes anspricht, spricht ihn (dann) wieder mit Gutem an.

sim̐hā adhvaryur manasā dhyāyet

Der Adhvaryu soll im Geist an die Löwen denken,

chārdūlau pratiprasthātā

der Pratiprasthātṛ an die beiden Tiger,

vṛkau yajamānas

der Opferherr an die beiden Wölfe.

yair eva tad vīryair vyṛdhyate tāny asminn āptvā dhattaḥ ‖

mit den Heldenkräften, deren man dabei verlustig geht, versehen die beiden (Aśvins) ihn wieder, indem sie sie erreichen.