Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 12

Anuvāka 5 Das Aindra-Opfer mit zwölf Schalen zur Wiedergewinnung der Heldenkräfte, mit Vorschriften für die Yājyā-Verse, und die Sarvapṛṣṭhā-Iṣṭi gegen Verleumdung.

devā vā asurāṇām veśatvam upāyan

Die Götter gerieten in die Dienstbarkeit (in das Haus) der Asuras [?].

tad indro 'pi nopait

Dorthin ging nicht einmal Indra.

teṣāṃ vīryāṇy apākrāmann agne rathantaram indrād bṛhad viśvebhyo devebhyo vairūpam̐ savitur vairājaṃ marutām̐ śakvarī tvaṣṭū revatī

Ihre Heldenkräfte wichen von ihnen: von Agni das Rathantara, von Indra das Bṛhat, von den Allgöttern das Vairūpa, von Savitṛ das Vairāja, von den Maruts die Śakvarī, von Tvaṣṭṛ die Revatī [Anm.: Sāman-Melodien bzw. Versmelodien].

tānīndro 'varurutsamāno 'nvacarat

Indra, sie wiedergewinnen wollend, ging ihnen nach.

sa etam aindram apaśyad dvādaśakapālam

Der erblickte dieses Indra-Opfer mit zwölf Schalen.

tena vai sa tānīndriyāṇi vīryāṇy avārunddha

Damit gewann er jene Indra-Kräfte und Heldenkräfte für sich zurück.

tata enaṃ devā anusamabhavan

daraufhin folgten ihm die Götter.

etena yajeta bubhūṣann aindreṇa dvādaśakapālena

Hiermit soll opfern, wer Gedeihen erstrebt, mit dem Indra-Opfer mit zwölf Schalen.

etāny evendriyāṇi vīryāṇy avarunddhe

Eben diese Indra-Kräfte und Heldenkräfte gewinnt er für sich;

bhavaty evānv enam̐ svās saṃbhavanti

er wird mächtig, und die Seinen werden ihm nachfolgend mächtig.

dvādaśakapālo bhavati

Es ist (der Kuchen) auf zwölf Schalen,

vaiśvadevatyāya

damit er allen Göttern gehöre.

uttāneṣu kapāleṣv adhiśrayati

Er setzt ihn auf aufwärts gewendeten Schalen an.

carum eva karoti

Einen Brei (caru) macht er eben,

śāntyā anirdāhāya

zur Beruhigung, damit nichts verbrennt.

sarvāṇi vā etānīndriyāṇi vīryāṇi yat pṛṣṭhāni

Alle diese Indra-Kräfte und Heldenkräfte sind das, was die Pṛṣṭha-Sāmans sind [Anm.: die Sāman-Gesänge des Mittagspressens].

tāny enam īśvarāṇy anāyatanāni nirmṛjas

Sie würden ihn (verlassen) können, haltlos, wenn man sie abwischte [?];

vyatiṣajed yājyānuvākyās

er soll die Yājyā- und Anuvākyā-Verse verflechten [Anm.: Opferverse und Einladungsverse]:

indrāya rāthantarāyānubrūhīti rathantarasyarcam anūcya bṛhata ṛcā yajet

„Sprich für Indra den Rāthantara-Vers“ – nachdem er den Vers des Rathantara hergesagt hat, soll er mit dem Vers des Bṛhat opfern;

indrāya bārhatāyānubrūhīti bṛhata ṛcam anūcya rathantarasyarcā yajet

„Sprich für Indra den Bārhata-Vers“ – nachdem er den Vers des Bṛhat hergesagt hat, soll er mit dem Vers des Rathantara opfern;

indrāya vairūpāyānubrūhīti vairūpasyarcam anūcya vairājasyarcā yajet

„Sprich für Indra den Vairūpa-Vers“ – nachdem er den Vers des Vairūpa hergesagt hat, soll er mit dem des Vairāja opfern;

indrāya vairājāyānubrūhīti vairājasyarcam anūcya vairūpasyarcā yajet

„Sprich für Indra den Vairāja-Vers“ – nachdem er den Vers des Vairāja hergesagt hat, soll er mit dem des Vairūpa opfern;

indrāya śākvarāyānubrūhīti śakvarīm anūcya revatyā yajet

„Sprich für Indra den Śākvara-Vers“ – nachdem er die Śakvarī hergesagt hat, soll er mit der Revatī opfern;

indrāya raivatāyānubrūhīti revatīm anūcya śakvaryā yajet

„Sprich für Indra den Raivata-Vers“ – nachdem er die Revatī hergesagt hat, soll er mit der Śakvarī opfern.

etair evendriyair vīryair ātmānam abhyatiṣajati

Mit eben diesen Indra-Kräften und Heldenkräften verbindet er sich selbst.

na bṛhatyā vaṣaṭkuryāt

Er soll nicht mit einer Bṛhatī den Vaṣaṭ-Ruf sprechen;

bṛhatyā vā idam anvayātayāmatvaṃ prajāḥ prajāyante

denn durch die Bṛhatī erlangt dies (die Wesen) Verbrauchtheit (ayātayāmatva), (und) die Geschöpfe werden geboren [?];

prajananam apihanyāt

er würde die Zeugung verschließen.

paśavo vai bṛhatī rudro 'gnis

Das Vieh ist ja die Bṛhatī; Rudra ist Agni;

rudrāya paśūn apidadhyād apaśus syāt

er würde dem Rudra das Vieh verschließen (übergeben) und viehlos werden.

anuvākyāyāś catvāry akṣarāṇi yājyām abhyatyūhet

Vier Silben von der Anuvākyā soll er zur Yājyā hinüberschieben;

tathā te paṅktiś cānuṣṭup ca saṃpadyete

so ergeben sich jene beide: Paṅkti und Anuṣṭubh.

anuṣṭub anuvākyā syāt paṅktir yājyā prajākāmasya vā paśukāmasya vā

Die Anuvākyā sei eine Anuṣṭubh, die Yājyā eine Paṅkti, für den, der Nachkommen oder Vieh wünscht.

prajāpatir vā idam āsīt

Prajāpati war dieses (All) allein.

tasya vāg dvitīyāsīt

Ihm war die Rede (Vāc) die zweite.

sā prajāpatim eva punaḥ prāviśat

Sie ging wieder in Prajāpati ein.

yad anuṣṭub anuvākyā bhavati paṅktir yājyā

Daß die Anuvākyā eine Anuṣṭubh ist und die Yājyā eine Paṅkti:

pāṅktas saṃvatsaras

das Jahr ist paṅkta-artig (fünfteilig);

vācy eva saṃvatsaraṃ vṛṣāṇam apisṛjati

in die Rede entläßt er eben das Jahr als Stier (Befruchter);

so 'smai mithunaṃ karoti

der macht ihm ein Paar (Nachkommenschaft).

samantaṃ paryūhaṃ puroḍāśasyāvadyet

Er soll vom Puroḍāśa ringsum in einer Umschichtung (?) abschneiden [?];

etair evendriyair vīryais samantam ātmānam abhitaḥ paryūhate

mit eben diesen Indra-Kräften und Heldenkräften umgibt er sich selbst ringsum von allen Seiten [?].

etayā yajeta yam ajaghnivām̐sam abhiśam̐seyur

Hiermit soll der opfern, den man, obwohl er nicht getötet hat, (des Totschlags) bezichtigt.

devatā vā etasyānnaṃ nādanti yam ajaghnivām̐sam abhiśam̐santi

Die Götter essen die Speise dessen nicht, den man, obwohl er nicht getötet hat, bezichtigt;

tasya devaiḥ parivṛjyamānasya manuṣyā annaṃ nādanti

da er von den Göttern gemieden wird, essen auch die Menschen seine Speise nicht.

tasmād api yam anṛtam abhiśam̐seyus tasyānnaṃ nādyāt

Darum soll man auch von dem, den man fälschlich bezichtigt, die Speise nicht essen.

sarvadevatyāni pṛṣṭhāni

Die Pṛṣṭha-Sāmans gehören allen Göttern;

yat sarvapṛṣṭhayā yajate

wenn er mit der Sarvapṛṣṭhā opfert,

devatā evāsyānnam ādayati

läßt er die Götter seine Speise essen;

tasya pūtasya svaditasya manuṣyā annam adanti

von ihm, dem Geläuterten und Wohlschmeckend-Gemachten, essen die Menschen die Speise.

saiṣā sarvapṛṣṭhā nāmeṣṭiḥ

Dies ist die Iṣṭi namens Sarvapṛṣṭhā.

pṛṣṭham eva samānānāṃ bhavati ya evaṃ vidvān etayā yajate ‖

Wer so wissend hiermit opfert, wird der Rücken (Höchste) unter seinesgleichen.