Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 12

Anuvāka 12 Zur Sautrāmaṇī: Die Tiere für Aśvin, Sarasvatī und Indra, ihre Reihenfolge, der Ursprung von Soma und Surā und das Verbot des Surā-Trinkens für den Brahmanen.

āśvinam ajam ālabheta sārasvatīṃ meṣīm aindram ṛṣabhaṃ vā vṛṣṇiṃ vā

Dem Aśvin-Paar (geweiht) soll man einen Ziegenbock darbringen, der Sarasvatī ein Mutterschaf, dem Indra einen Stier oder einen Widder [?] —

evam eva vapābhiś caranti

so eben verfahren sie mit den Fettnetzen (vapā).

yad aindrī vapānām uttamā bhavati

Dass die Indra-Vapā unter den Vapās die letzte ist,

indra evāsmim̐s tad adhibhavati

dadurch gewinnt Indra hierbei die Oberhand.

yat pracaranta aindreṇa punaḥ prathamena pracaranti

Dass sie, wenn sie (die Opferhandlung) vollziehen, wieder mit dem Indra-(Opfer) als erstem verfahren,

indram eva tat punar ālabdha

so ist es eben Indra, der wiederum dargebracht wird,

sendratvāya

damit (das Opfer) mit Indra verbunden sei.

yad āśvinas

Dass ein Aśvin-(Tier) (dabei ist):

aśvinau hy abhiṣajyatām

die beiden Aśvin sind ja die Ärzte, (also) sollen sie heilen;

yat sārasvatī

dass ein Sarasvatī-(Tier) (dabei ist):

vācy eva pratitiṣṭhati

in der Rede eben findet er Stand.

aindrī vapānām uttamā bhavati

Die Indra-Vapā ist unter den Vapās die letzte;

aindraḥ puroḍāśānāṃ prathamas

der Indra-Opferkuchen ist unter den Opferkuchen (puroḍāśa) der erste.

vīryaṃ vā indras

Indra ist ja die Manneskraft;

vīrya evainam abhisaṃdhattaḥ

mit Manneskraft eben verbinden ihn (die Opfernden) beiderseits [?].

prasavāyaiva sāvitro nirvaruṇatvāya

Zur Antreibung eben dient der Savitṛ-(Opferkuchen), damit er frei von Varuṇa sei.

madhyato hy eṣa varuṇagṛhītaḥ

in der Mitte nämlich ist dieser von Varuṇa ergriffen;

paścād vā eṣā sṛṣṭā pratīcīnaśīrṣṇī

hinten ist diese (Surā) erschaffen worden, mit nach rückwärts gewandtem Kopf [?].

yad upariṣṭātpuroḍāśā bhavanti

Dass oben (darüber) Opferkuchen sind,

apihityā evācchidratvāya

das ist eben zur Verschließung, damit (das Opfer) ohne Lücke sei.

saha samavattaṃ bhavati

Zusammen wird (der Anteil) abgeschnitten [?];

saheḍām upahvayante

zusammen rufen sie die Iḍā (Opferspeise) herbei [Anm.: upahava, Anrufung der Iḍā, des Opferanteils der Priester].

atho iḍāyā avidohāya ‖

und damit die Iḍā nicht ausgemolken (erschöpft) werde. ‖

yad vai sautrāmaṇyāvyṛddhaṃ tad asyās samṛddham

Was bei der Sautrāmaṇī verfehlt ist, das ist bei dieser (Opferhandlung) gelungen:

yad anyadevatyāḥ paśavo bhavanti

dass die Opfertiere anderen Gottheiten geweiht sind,

anyadevatyāḥ puroḍāśās

(und) die Opferkuchen anderen Gottheiten geweiht sind.

etad vā asyā vyṛddham̐ sad atha samṛddham

Dies ist bei ihr zwar verfehlt, (und) doch gelungen;

nānaivaitair vīryāṇy avarunddhe

getrennt eben gewinnt er durch diese (Gottheiten) die Kräfte (vīrya).

ardhaṃ vai prajāpater dhairyam āsīd ardhaṃ mālvyam

Die eine Hälfte des Prajāpati war Standhaftigkeit (dhairya), die andere Hälfte Bosheit [?] (mālvya) [Anm.: Deutung von dhairya und mālvya unsicher].

yad dhairyam āsīt tat purastāt paryaharata

Was Standhaftigkeit war, das trug er vorn herum (nach vorn).

tato brāhmaṇam asṛjata

Daraus schuf er den Brahmanen.

tasmād brāhmaṇas sarvo brahmābhi dhīras

Daher ist der Brahmane ganz und gar dem heiligen Wort (brahman) zugewandt, besonnen.

yan mālvyam āsīt tat paścāt paryauhata

Was Bosheit war, das schob er nach hinten.

tato rājanyam asṛjata

Daraus schuf er den Rājanya (Fürsten).

tasmāj jyāyām̐ś ca kanīyām̐ś ca snuṣā ca śvaśuraś ca surāṃ pītvā saha lālapata āsate

Daher sitzen der Ältere und der Jüngere, die Schwiegertochter und der Schwiegervater, wenn sie Surā getrunken haben, zusammen und lallen [?].

pāpmā vai mālvyam

Das Übel (pāpman) ist ja die Bosheit.

tasmād brāhmaṇas surāṃ na pibati pāpmanā net sam̐sṛjyā iti

Daher trinkt der Brahmane keine Surā, (denkend): „Ich möchte mich nicht mit dem Übel vermischen.“

tad etat kṣatriyāya brāhmaṇaṃ brūyāt

Dies soll man dem Kṣatriya als Brāhmaṇa-Erklärung sagen:

nainam̐ surā pītā hinasti ya evaṃ vidvān surāṃ pibati

Die getrunkene Surā schädigt den nicht, der, so wissend, Surā trinkt.

prajāpater vā eṣā tanūs

Dies ist ja der Leib des Prajāpati;

vīryam evāsmin dadhāti ‖

Manneskraft eben legt er in ihn (den Opferherrn). ‖