Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 12

Anuvāka 7 Die Āgrāyaṇa-Iṣṭi (Erstlingsopfer) für Agni und Indra, Viśvedevas, Himmel und Erde, und ihre Bedeutung.

devā vā oṣadhīṣu pakvāsv ājim ayus

Als die Pflanzen reif waren, liefen die Götter um die Wette.

sa indro 'ved agnir vā ujjeṣyatīti

Indra dachte: „Agni wird wohl siegen.“

so 'bravīd yataro nā ujjayāt tan nau saheti

Er sprach: „Wer von uns beiden siegt, dies (Gewonnene) sei uns gemeinsam.“

so 'gnir eva pūrva udajayat

Agni eben siegte zuerst.

tasmād āgnendram aindrāgnaṃ kāryam

Darum ist (das Opfer) an Agni und Indra bzw. Indra und Agni zu bereiten.

agnir hi pūrva udajayat

Denn Agni siegte zuerst,

abhijityā evāgrāyaṇam

Der Āgrāyaṇa dient dem Sieg.

dvādaśakapālo bhavati

Es ist ein Kuchen auf zwölf Schalen;

saṃvatsarād dhy etad adhibhavati

denn dies überwältigt vom Jahr her [?].

saptadaśa sāmidhenyo bhavanti

Es sind siebzehn Sāmidhenī-Verse;

saṃvatsarād dhy etad adhibhavati

denn dies überwältigt vom Jahr her [?].

ekā vai tarhi vrīheś śnuṣṭir āsīd ekā yavasyaikā māṣasyaikā tilasya

Damals war nur eine einzige Ähre (?) vom Reis, eine von der Gerste, eine von der Bohne, eine vom Sesam [?].

te viśve devā abruvan bhāgo no 'stu vayam idaṃ prathayiṣyāma iti

Diese Allgötter sprachen: „Ein Anteil soll uns sein; wir wollen dies ausbreiten.“

tebhya etaṃ bhāgam akurvan

Für sie machten sie diesen Anteil.

tato vā idam aprathata bhūmne

Daraufhin breitete sich dies aus, zur Fülle.

vaiśvadevaḥ

Er (der Anteil) gehört den Allgöttern.

prathayaty evaitena

Er breitet damit (das Getreide) eben aus.

vaiśvadevam̐ hi payas

denn die Milch gehört allen Göttern.

atha vā iyam abravīn mayi vā etad adhy asau vṛṣṭyā pacati nāv ābhyām ṛta ujjeṣyatheti

Sodann sagte diese (Erde): „Auf mir wird dies gekocht, jene (der Himmel) kocht es durch Regen; ohne uns beide werdet ihr nicht siegen.“

tābhyām etaṃ bhāgam akurvan

Für diese beiden machten sie diesen Anteil.

grāmyā vā anyā oṣadhaya āraṇyā anyās

Die einen Pflanzen sind Dorfpflanzen, die anderen Waldpflanzen;

tā asyaitenobhayīr eṣṭā bhavanti

diese beiderlei sind ihm damit erstrebt (dargebracht).

soma oṣadhīnām adhirājas

Soma ist der Oberkönig der Pflanzen;

tasyaiṣa uddhāro yad akṛṣṭapacyam

dies ist sein herausgenommener Teil, nämlich was ungepflügt reift.

uddhāra evāsya

Der herausgenommene Teil eben ist von ihm;

yad āraṇyaṃ tasyaitenāgraṃ kriyate

Was Wildwachsendes ist, dessen Erstling wird hiermit dargebracht;

yat phālakṛṣṭaṃ tasyetareṇa

was pflugbestellt ist, dessen mit dem anderen.

vatsaḥ prathamajo dakṣiṇā

Ein erstgeborenes Kalb ist der Opferlohn;

reta eva hy eṣo 'prajātaḥ

denn dieses ist noch nicht (zur Nachkommenschaft) geboren, eben Same;

sarvasmai vā eṣo 'bhiṣicyate yad āgrāyaṇam

Der Āgrāyaṇa wird für alles geweiht (besprengt).

tad asya svaditam iṣṭaṃ bhavati

Das wird für ihn wohlschmeckend gemacht und gebührend geopfert.

ānīto vā eṣa devānāṃ ya āhitāgnis

Der, der das Feuer eingesetzt hat, ist ja zu den Göttern hingeführt;

yad aniṣṭvāgrāyaṇena navasyāśnīyād devānāṃ bhāgaṃ pratikḷptam adyād ārtim ārchet

Wenn er vom Neuen äße, ohne mit dem Āgrāyaṇa geopfert zu haben, so äße er den den Göttern zugeteilten Anteil und geriete in Unheil.

tasmān nāniṣṭvāgrāyaṇena navasyāśitavyam

Darum soll man vom Neuen nicht essen, ohne mit dem Āgrāyaṇa geopfert zu haben.

etena vai devā agraṃ paryāyan

Hiermit gelangten die Götter zur Spitze.

tad āgrāyaṇasyāgrāyaṇatvam

Darin liegt das Wesen des Āgrāyaṇa (Spitzen-Opfers).

agram eva samānānāṃ paryeti ya evaṃ vidvān āgrāyaṇena yajate ‖

Zur Spitze unter seinesgleichen gelangt, wer so wissend mit dem Āgrāyaṇa opfert.