Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 12

Anuvāka 2 Mantras für die Sajāta-Riten und die Vorschriften zu den Zwischenopfern, mit denen man Verwandte und Vieh gewinnt.

dhruvo 'ham̐ sajāteṣu bhūyāsaṃ dhruvā mayi sajātās

Fest möge ich unter den Verwandten sein, fest mögen bei mir die Verwandten sein,

ugraś cettā vasuvid

gewaltig, achtsam, Gut findend.

abhy aham̐ sajātān bhūyāsam

Möge ich die Verwandten überwältigen,

dhīraś cettā vasuvit

besonnen, achtsam, Gut findend.

pary aham̐ sajātān bhūyāsam

Möge ich die Verwandten ringsum bezwingen,

dhīraś cettā vasuvit

besonnen, achtsam, Gut findend.

sūrir aham̐ sajāteṣv adhibhūyāsam

Möge ich als Gönner (Herr) über den Verwandten stehen,

ugraś cettā vasuvit

gewaltig, achtsam, Gut findend.

āmanasya devā ye sajātās samanaso yān ahaṃ kāmaye hṛdā te māṃ kāmayantām̐ hṛdā tān ma āmanasas kṛdhi svāhā

Götter des Sinnens (āmanas) [?]: Die Verwandten, die einmütig sind, die ich von Herzen begehre, sie sollen mich von Herzen begehren; mach sie mir gleichgesinnt, svāhā!

āmanasya devā yā striyas samanaso yā ahaṃ kāmaye hṛdā tā māṃ kāmayantam̐ hṛdā tā ma āmanasas kṛdhi svāhā

Götter des Sinnens: Die Frauen, die einmütig sind, die ich von Herzen begehre, sie sollen mich von Herzen begehren; mach sie mir gleichgesinnt, svāhā!

āmanasya devā ye putrāso ye paśavas samanaso yān ahaṃ kāmaye hṛdā te māṃ kāmayantām̐ hṛdā tān ma āmanasas kṛdhi svāhā ‖

Götter des Sinnens: Die Söhne, die Tiere, die einmütig sind, die ich von Herzen begehre, sie sollen mich von Herzen begehren; mach sie mir gleichgesinnt, svāhā!

devāś ca vā asurāś ca saṃyattā āsam

Götter und Asuras waren miteinander im Kampf.

te 'surā manasvitarā āsan

Die Asuras waren die Verständigeren (Geistesmächtigeren),

amanastarā iva devās

die Götter gleichsam die Sinnloseren.

te devā etat saṃgrahaṇam apaśyan

Diese Götter erblickten dieses Mittel des Ergreifens (saṃgrahaṇa);

tenāsurāṇāṃ manām̐si samagṛhṇan

damit ergriffen sie die Sinne der Asuras.

tato vai te 'manasaḥ parābhavan

Daraufhin gingen sie, sinnlos geworden, zugrunde.

mana eva bhrātṛvyasya saṃgṛhṇāti

Den Sinn des Feindes (Rivalen) ergreift er,

so 'syāmanāḥ parābhavati

und dieser geht, sinnlos geworden, zugrunde.

etayā yajeta paśukāmas

Mit dieser (Spende) soll opfern, wer Vieh wünscht.

etayā vai devā asurāṇāṃ paśūn samagṛhṇan

Mit dieser ergriffen die Götter das Vieh der Asuras;

tato vai te paśavaḥ parābhavan

daraufhin gingen jene Tiere (für die Asuras) verloren.

paśūn eva bhrātṛvyasya saṃgṛhṇāti

Das Vieh des Feindes ergreift er,

so 'syāpaśuḥ parābhavati

und dieser geht, viehlos geworden, zugrunde.

etayā yajeta sajātakāmas

Mit dieser soll opfern, wer Verwandte wünscht.

manograhaṇaṃ vā etan manasvina iva sajātās

Dies ist ja ein Sinnesergreifen; die Verwandten sind gleichsam Verständige;

yāvanta eva sajātās teṣāṃ manām̐si gṛhṇāti

so viele Verwandte es nur gibt, deren Sinne ergreift er.

te 'smān manogṛhītā nāpayanti ‖

Von ihm im Sinn ergriffen, gehen sie nicht von ihm weg.

vaiśvadevaḥ kāryas

Der Vaiśvadeva-Teil ist zu bereiten;

vaiśvadevā hi sajātāḥ

denn die Verwandten gehören allen Göttern (viśve devāḥ).

pṛṣatyāḥ pṛṣadvatsāyā dugdhe bhavati

Es geschieht aus der Milch einer gefleckten Kuh, die ein geflecktes Kalb hat;

vaiśvadevī hi pṛṣatī

denn die gefleckte Kuh gehört allen Göttern.

sarvebhyas sajātebhya ājyam̐ samāharanti

Für alle Verwandten tragen sie Opferschmalz (ājya) zusammen,

vaiśvadevatvāya

damit (der Ritus) allen Göttern gehöre.

vaiśvadevā hi sajātās

Denn die Verwandten gehören allen Göttern.

dhruvo 'sīti paridhīn paridadhāti

Mit „Fest bist du“ legt er die Umlegehölzer (paridhi) um;

sajātān evāsmā upadadhāti

Verwandte fügt er ihm so eben hinzu.

āmanasya devā ity anvārambhayitvā juhoti

Mit „Götter des Sinnens“ läßt er (den Opferherrn) anfassen und opfert.

manograhaṇaṃ vā etad evam iva sajātās striya iva pumām̐sa iva kumārā iva yāvanta eva sajātās teṣāṃ manām̐si gṛhṇāti

Dies ist ja ein Sinnesergreifen; so gleichsam sind die Verwandten, gleichsam Frauen, gleichsam Männer, gleichsam Knaben; so viele Verwandte es nur gibt, deren Sinne ergreift er.

te 'smān manogṛhītā nāpayanti ‖

Von ihm im Sinn ergriffen, gehen sie nicht von ihm weg.

vi vā etad yajñaṃ chinatti yad yajñe pratata etā antarāhutīr juhoti

Das Opfer zerschneidet er gleichsam, wenn er im (bereits) ausgespannten Opfer diese Zwischenspenden opfert.

sam̐sthite hotavyās

Sie sind nach Abschluß (des Opfers) zu opfern.

yat sam̐sthite juhuyād bahirātmam̐ sajātān kurvīta

Wenn er sie nach Abschluß opferte, würde er die Verwandten außerhalb seiner selbst machen.

antarā prayājānuyājāñ juhuyāt

Zwischen den Prayājas und Anuyājas soll er opfern.

prāṇā vai prayājā apānā anuyājā ātmā havis

Die Prayājas sind ja die Einatmungen (prāṇa), die Anuyājas die Ausatmungen (apāna), der Leib (ātman) ist die Opfergabe;

ātmann eva madhyatas sajātān dhatte

im Leib eben, in der Mitte, setzt er die Verwandten ein.

dārumayeṇa juhuyād yadi kāmayeta kṣipraṃ mā sajātā eyuḥ kṣipraṃ punaḥ pareyur iti

Mit einem hölzernen (Löffel) soll er opfern, wenn er wünscht: „Rasch sollen meine Verwandten zu mir kommen, rasch (dann) wieder fortgehen.“

evam iva hi vanaspatayo 'dhruvā iva carācarā iva

Denn so sind gleichsam die Bäume: gleichsam unstet, gleichsam beweglich und unbeweglich.

mṛnmayena juhuyād yadi kāmayeta ciraṃ mā sajātā eyuś ciraṃ punaḥ pareyur iti

Mit einem irdenen (Löffel) soll er opfern, wenn er wünscht: „Lange sollen meine Verwandten zu mir kommen, lange (dann) wieder fortgehen.“

evam iva hīyaṃ dhruveva pratiṣṭhitevācarācareva ‖

Denn so ist gleichsam diese (Erde): gleichsam fest, gleichsam gegründet, gleichsam unbeweglich.