Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 20

Anuvāka 10 Die Aśvin-Ziegel als Heilmittel, Jahreszeiten-, Wind- und Wasserziegel, Vayasyā-Ziegel und Köpfe, die Ausgestaltung des Vogelaltars.

athaitā āśvinīr

Nun diese Ziegel der Aśvin (āśvinī).

utsannayajño vā eṣa yad agniḥ

Agni ist ein abgestorbenes Opfer [?].

ko ha tad veda yāvad etasya na kriyate yāvan na cīyate tad etābhiḥ kalpayati tad bhiṣajyati

Wer weiß, wie viel an ihm nicht getan, wie viel nicht geschichtet wird? Dies bringt er durch diese in Ordnung, das heilt er.

yāvān evāgnis tasmai bheṣajaṃ karoti

So groß Agni ist, dafür macht er ein Heilmittel.

agner evaitābhir diśaḥ kalpayati

Agnis Himmelsrichtungen richtet er damit zu.

adityās tvā pṛṣṭhe sādayāmīti

„Auf dem Rücken der Aditi setze ich dich nieder“ –

imān evaitayā lokān dādhāra

diese Welten hält er hiermit fest.

ṛtavyā upadadhāti

Die Jahreszeiten-Ziegel legt er hin.

ṛtūnāṃ kḷptyai

Zur Ordnung der Jahreszeiten.

yāvanta evartavas tān kalpayati

So viele Jahreszeiten es gibt, die richtet er zu.

samānaprabhṛtayo bhavanti samānodarkās

Sie haben gleichen Anfang und gleichen Ausgang.

samānaprabhṛtayo hy ṛtavas samānodarkās

Denn die Jahreszeiten haben gleichen Anfang und gleichen Ausgang.

ekayā vyāhṛtyā vyāvartayati

Mit einem Ausruf (vyāhṛti) lässt er sie sich wenden.

tasmād ṛtavo vyāvartante ‖

Darum wenden sich die Jahreszeiten.

tasmāt samānasya saṃvatsarasya nānārūpāṇi

Darum hat das eine Jahr vielerlei Gestalten.

āśvinīr anvṛtavyā upadadhāti

Nach den Aśvin-Ziegeln legt er die Jahreszeiten-Ziegel hin.

retasy eva hita ṛtūn upadadhāti

Wenn der Same eingesetzt ist, legt er die Jahreszeiten hin.

tasmād reto hitam ṛtūn anu prajāyate

Darum wird der eingesetzte Same den Jahreszeiten folgend geboren.

ṛtavyā anu vāyavyā upadadhāti

Nach den Jahreszeiten-Ziegeln legt er die Vāyu-Ziegel hin.

ṛtūṣv eva prāṇaṃ dadhāti

In die Jahreszeiten eben legt er Lebenshauch.

tasmād ete samānāḥ pariyanto na jīryanti

Darum altern diese, gleichmäßig umlaufend, nicht.

tasmād ṛtūn anu vāyur āvarīvartti

Darum wendet sich der Wind immer wieder den Jahreszeiten nach.

vāyavyā anv apsyā upadadhāti

Nach den Vāyu-Ziegeln legt er die Wasserziegel hin.

tasmād vāyur vṛṣṭiṃ vahati

Darum bringt der Wind den Regen.

vṛṣṭim evaitābhir avarunddhe

Den Regen eben gewinnt er hiermit.

yad ekadhopadadhyād ekam ṛtuṃ varṣet

Legte er sie auf einmal hin, so würde es in einer Jahreszeit regnen.

anuparihāram̐ sādayati

Er setzt sie nacheinander im Umlauf hin.

tasmād ṛtumṛtuṃ varṣati

Darum regnet es in jeder Jahreszeit.

apasyā anu vayasyā upadadhāti

Nach den Wasserziegeln legt er die Vayasyā-Ziegel hin.

paśavo vai vayasyās

Die Tiere sind die Vayasyā (Vögel/Lebenskräfte) [Anm.: vayasyā = Ziegel der „Altersgenossen/Vögel“].

yad apasyā anu vayasyā upadadhāti

Dass er nach den Wasserziegeln die Vayasyā hinlegt,

tasmāt paśavo nānāmanaso nānāvratās

darum sind die Tiere verschiedenen Sinnes und verschiedener Weise.

apa evābhi samanasas

Doch zu den Wassern hin sind sie einträchtig [?].

apasyā upadhāya vayasyā upadadhyād yaṃ kāmayeta paśumān syād iti

Nachdem er die Wasserziegel gelegt hat, soll er die Vayasyā hinlegen, von dem er wünscht: „Er soll Vieh haben.“

saṃjñānaṃ vā etat paśūnāṃ yad āpaḥ

Die Wasser sind die Eintracht der Tiere.

paśūnām eva saṃjñāne 'gniṃ cinute paśumān bhavati

In der Eintracht der Tiere eben schichtet er Agni und wird reich an Vieh.

vayasyā upadhāyāpasyā upadadhyād yaṃ kāmayetāpaśus syād iti

Nachdem er die Vayasyā gelegt hat, soll er die Wasserziegel hinlegen, von dem er wünscht: „Er soll ohne Vieh sein.“

paśūnām evāsaṃjñāne 'gniṃ cinute 'paśur bhavati ‖

In der Uneinigkeit der Tiere eben schichtet er Agni und wird ohne Vieh.

catasraḥ purastād upadadhāti

Vier legt er im Osten hin.

tasmāt purastāt paśur aṇīyān

Darum ist das Tier vorn schmaler [?].

tasmāc catvāri cakṣuṣo rūpāṇi dve śukle dve kṛṣṇe

Darum hat das Auge vier Erscheinungsformen, zwei weiße, zwei schwarze.

tasmāt purastāt paśūnāṃ mūrdhā

Darum ist der Kopf der Tiere vorn.

paśos sayatvāya

Zur Vollständigkeit des Tieres [?].

tasmāt prāṅ paśuḥ pravaṇas

Darum ist das Tier nach vorn geneigt.

basto vaya iti dakṣiṇata upadadhāti

Mit „Der Bock ist der Vogel“ legt er (den Ziegel) im Süden hin.

vṛṣṇir vaya ity uttarāt

Mit „Der Widder ist der Vogel“ im Norden.

am̐sā evāsyopadadhāti

Die Schultern eben legt er ihm hin.

vyāghro vaya iti dakṣiṇe pakṣe

Mit „Der Tiger ist der Vogel“ am rechten Flügel.

sim̐ho vaya ity uttarasmin

Mit „Der Löwe ist der Vogel“ am nördlichen.

pakṣayor eva vīryaṃ dadhāti

In die Flügel eben legt er Manneskraft.

vyāghro vaya iti pūrvām

Mit „Der Tiger ist der Vogel“ den vorderen.

sim̐ho vaya ity aparām

Mit „Der Löwe ist der Vogel“ den hinteren.

tasmāt puro vyāghro jāyate paścāt sim̐haḥ

Darum wird der Tiger vorn (stark) geboren, der Löwe hinten [?].

puruṣo vaya iti madhye

Mit „Der Mensch ist der Vogel“ in der Mitte.

tasmāt puruṣaḥ paśūnām adhipatiḥ ‖

Darum ist der Mensch der Herr der Tiere.