Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 20

Anuvāka 8 Der Menschenkopf mit einundzwanzig Bohnen, Yamagāthās, Köpfe von Tieren, Regeln für den Adhvaryu.

ekavim̐śatiṃ māṣān pratinyupya puruṣaśīrṣam āharati

Nachdem er einundzwanzig Bohnen als Gegengabe hingestreut hat, holt er einen Menschenkopf herbei.

amedhyā vai māṣā amedhyaṃ puruṣaśīrṣam

Nicht opferwürdig sind die Bohnen, nicht opferwürdig ist der Menschenkopf.

amedhyenaivāmedhyaṃ krīṇāti

Mit Nichtopferwürdigem eben kauft er Nichtopferwürdiges.

ekavim̐śatir bhavanti

Es sind einundzwanzig.

ekavim̐śo vai puruṣas

Einundzwanzigfach ist der Mensch.

yāvān evāsyātmā taṃ krīṇāti

So groß sein Selbst ist, eben dieses kauft er.

saptadhātṛṇṇāṃ valmīkavapāṃ pratinidadhāti

Siebenfach durchbohrte Termitenhügelerde legt er als Gegenstück hin [Anm.: valmīkavapā = Erde aus einem Termitenhügel].

vyṛddhaṃ vā etat prāṇais

Dieser (Kopf) ist der Lebenshauche verlustig.

sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇāḥ

Sieben sind die Lebenshauche im Kopf.

prāṇair evainat samardhayati

Mit den Lebenshauchen eben lässt er ihn gedeihen.

yamalokād evainad vṛṅkte

Von der Yama-Welt eben trennt er ihn ab.

ebhya evainal lokebhyo vṛṅkte

Von diesen Welten eben trennt er ihn ab.

tasmād gāyate na deyaṃ

Darum soll man dem Sänger nichts geben.

gāthā hy eva tad vṛṅkte

Denn durch das Lied trennt er es ab.

apa vā etasmād indriyaṃ krāmati prāṇāś śīrṣan vīryaṃ cakṣuś śrotraṃ vāk

Von diesem (Toten) weichen Sinneskraft, Lebenshauche im Kopf, Manneskraft, Auge, Ohr und Stimme.

vyṛddhendriyaṃ vā etad amedhyam

Dieser (Kopf) hat die Sinneskraft verloren, ist nicht opferwürdig.

mṛtaśīrṣam iti vā etad āhur

Man nennt ihn „Kopf eines Toten“.

medhyam̐ hiraṇyam

Opferwürdig ist das Gold.

yad dhiraṇyaśalkaiḥ pratyasyati

Dass er mit Goldplättchen (die Öffnungen) füllt [?],

medhyam evainad yajñiyaṃ karoti

(damit) macht er ihn eben opferwürdig und opferfähig.

ukhāyām apidhāya pratyasyati

Nachdem er ihn in der Feuerschale bedeckt hat, füllt er (die Öffnungen) [?].

pratiṣṭhām evainad gamayitvā prāṇais samardhayati

Nachdem er ihn zum Halt hat gelangen lassen, lässt er ihn mit den Lebenshauchen gedeihen.

sahasradā asi sahasrāya tveti puruṣaśīrṣam upadadhāti

Mit „Tausendgeber bist du, für Tausend (nehme ich) dich“ legt er den Menschenkopf hin.

puruṣo ha tvai sahasraṃ paśūn yacchati

Der Mensch (Purusha) gibt tausend Tiere.

sahasram anye paśavas

Tausend sind die anderen Tiere.

yan madhye puruṣaśīrṣam upadadhāti

Dass er in der Mitte den Menschenkopf hinlegt,

etā ha vai sāhasrīr iṣṭakās somadakṣaḥ kauśreyaś śyāmaparṇāyopadadhau

Diese tausendfachen Ziegel legte Somadakṣa Kauśreya für Śyāmaparṇa hin [Anm.: Personennamen].

tato vai sāhasrīṃ puṣṭiṃ paśūnāṃ jagāma

Daraufhin erlangte er tausendfaches Gedeihen an Tieren.

gacchati sāhasrīṃ puṣṭiṃ paśūnāṃ ya evaṃ vidvān etā upadhatte

Wer so wissend diese legt, erlangt tausendfaches Gedeihen an Tieren.

purastāt pratīcīnam aśvasya śira upadadhāti paścāt prācīnam ṛṣabhasya

Nach Osten legt er den Kopf des Pferdes mit dem Gesicht nach Westen, nach Westen den Kopf des Stiers mit dem Gesicht nach Osten [?].

goaśvān evāsmin samīco dadhāti

Rinder und Pferde eben legt er einträchtig in ihn.

samīcīnāny upadadhyād yaṃ kāmayeta paśumān syād iti

Einander zugewandt soll er sie legen, von dem er wünscht: „Er soll Vieh haben.“

samīca evāsmin paśūn dadhāti

Einträchtig eben legt er Tiere in ihn.

viṣūcīnāny upadadhyād yaṃ kāmayetāpaśus syād iti

Voneinander abgewandt soll er sie legen, von dem er wünscht: „Er soll ohne Vieh sein.“

vimukhān evāsmāt paśūn karoti ‖

Von ihm abgewandt macht er eben die Tiere.

nāntarā paśuśīrṣāṇi vyaveyād adhvaryur

Der Adhvaryu soll nicht zwischen den Tierköpfen hindurchgehen.

yaviṣṭho vai nāmaiṣo 'gniḥ

Dieser Agni heißt der Jüngste (yaviṣṭha).

prāṇān asya yuveta pramīyeta

Er würde ihm die Lebenshauche mischen [?], er würde sterben.

ekam upadhāyaitais sarvair upatiṣṭheta

Nachdem er einen hingelegt hat, soll er mit all diesen (Sprüchen) verehren.

tad vā sarvato 'nuparihāram̐ sādayet

Oder er soll sie (die Köpfe) ringsum der Reihe nach hinsetzen [?].

tenaiva sarvāṇy upadhīyante

Dadurch eben werden alle hingelegt.

nārtim ārchaty adhvaryur na bhreṣaṃ nyeti

Der Adhvaryu gerät nicht in Unheil und nicht in Fehltritt [?].

etāvanto vai paśavo dvipādaś ca catuṣpādaś ca

So viele sind die Tiere: Zweifüßer und Vierfüßer.

tān etac chucārpayati

Diese übergibt er hierdurch dem Leid [?].

amum āraṇyam anu te diśāmīti

„Diesen wilden (Menschen), den weise ich dir zu“ –

grāmyebhya eva paśubhya āraṇyān paśūñ śucam anūtsṛjati

Von den Haustieren weg lässt er das Leid zu den wilden Tieren hin los.

tasmād ete samāvat paśūnāṃ prajāyamānānāṃ kaniṣṭhās

Darum sind diese (wilden Tiere) unter den geborenen Tieren gleichermaßen die jüngsten [?].

śucā hy eta ṛtāḥ ‖

Denn diese sind vom Leid getroffen [?].