Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 20

Anuvāka 5 Leises Nachsprechen, Pferd, Lotusblatt, goldene Scheibe und goldener Mann, Schlangenköpfe, Löffel mit Ghee und Dickmilch, Schutz gegen die Rakṣas.

anirukto vā etarhy agnir yarhy avyāvṛttas

Agni ist jetzt unausgesprochen, solange er nicht abgewandt (geschichtet) ist [?].

tasmād upām̐śv anvāha

Darum spricht er leise nach.

cchandām̐sy anvāha

Er spricht die Versmaße nach.

cchandobhir vā agnir uttaravedim ānaśe

Durch die Versmaße erreichte Agni die Uttaravedi.

tasmāc chandām̐sy anvāha

Darum spricht er die Versmaße nach.

sūryasya vā etad adhvānaṃ yanti yad aśvaṃ prāñcaṃ ca pratyañcaṃ cākramayanti

Sie gehen den Weg der Sonne, indem sie das Pferd nach Osten und nach Westen schreiten lassen.

tasmād asā ādityaḥ prāṅ caiti pratyaṅ ca

Darum geht jene Sonne nach Osten und nach Westen.

prājāpatyo 'śvas

Das Pferd gehört Prajāpati.

yad aśvam ākramayati

Dass er das Pferd schreiten lässt,

prajāpatinaivainaṃ cinute

(damit) schichtet er ihn (den Agni) eben durch Prajāpati.

apāṃ pṛṣṭham asi yonir agner iti puṣkaraparṇam upadadhāti

„Der Rücken der Wasser bist du, der Schoß Agnis“ – mit diesem (Spruch) legt er das Lotusblatt hin.

sva evainaṃ yonau cinute

In seinem eigenen Schoß eben schichtet er ihn.

śāntyā anuddāhāya ‖

Zur Besänftigung, damit er nicht verbrennt.

vardhamāno mahām̐ ā ca puṣkara iti

„Wachsend, groß, und im Lotus“ –

vardhate hy eṣa yo bhavati

denn dieser wächst, der (Agni) wird.

divo mātrayā variṇā prathasveti

„Breite dich aus mit dem Maß des Himmels, mit der Breite“ –

brahma yajñānaṃ prathamaṃ purastād iti rukmam upadadhāti

„Das Brahman, das Erkennen, (ist) das erste, vorn“ – mit diesem (Spruch) legt er die goldene Scheibe nieder [Anm.: rukma = goldene Scheibe].

brahmamukhābhir vai prajāpatiḥ prajābhir ārdhnot

Mit Geschöpfen, die das Brahman zum Mund haben, gedieh Prajāpati.

ekavim̐śatinirbādho bhavati

Sie hat einundzwanzig Stacheln [?] [Anm.: nirbādha = Lücke/Öse, an denen die Scheibe hängt].

ekavim̐śatir devalokās

Einundzwanzig sind die Götterwelten.

tebhya eva bhrātṛvyaṃ nirbādhate

Von diesen eben drängt er den Rivalen fort.

adhastān nirbādhān kuryāt

Nach unten soll er die Nirbādhas machen.

bhrātṛvyasya nigṛhītyai

Zum Niederhalten des Rivalen.

na pṛthivyāṃ nāntarikṣe na divy agniś cetavyas

Nicht auf der Erde, nicht im Luftraum, nicht im Himmel ist das Feuer zu schichten.

yat pṛthivyāṃ cinvītauṣadhīś śucā nirdahet

Würde er es auf der Erde schichten, so würde er die Pflanzen durch Glut verbrennen.

yad antarikṣe vayām̐si

(Würde er es) im Luftraum (schichten), (verbrennte er) die Vögel.

yad divi divam

(Würde er es) im Himmel (schichten, verbrennte er) den Himmel.

amṛtam̐ hiraṇyam

Unsterblichkeit ist das Gold.

yad rukmam upadadhāti

Dass er die goldene Scheibe hinlegt,

amṛta evāgniṃ cinute ‖

(damit) schichtet er das Feuer eben in Unsterblichkeit.

hiraṇyagarbhas samavartatāgra iti puruṣam̐ hiraṇyayam upadadhāti

„Der Goldkeim entstand am Anfang“ – mit diesem (Spruch) legt er den goldenen Mann nieder.

yajamānalokam evaitena dādhāra

Die Welt des Opferherrn eben hält er hiermit fest.

atho madhyejyotiṣam evāgniṃ cinute

Auch: Ein Feuer mit dem Licht in der Mitte schichtet er.

drapsaś caskandety abhimṛśati

Mit „Der Tropfen ist hervorgesprungen“ berührt er (den Löffel).

hotrāsv evainam̐ satye pratiṣṭhāpayati

In den Hotṛ-Rezitationen eben stellt er ihn im Wahren fest.

sarpaśīrṣair upatiṣṭhate

Mit den Schlangenköpfen (den Sprüchen) verehrt er.

mṛtyava evainaṃ paridadāti

Dem Tod eben übergibt er ihn.

atho yā sarpe tviṣis tām evāvarunddhe

Auch: Den Glanz, der in der Schlange ist, eben gewinnt er.

yad upadadhyāt pramāyukas syāt

Legte er (Schlangenköpfe) hin, so würde er früh sterben.

yat samīcīnam itaraiś śīrṣair upadadhyād grāmyān paśūn dam̐śukās syur

Legte er (die Schlange) einander zugewandt mit den anderen Köpfen hin, so würden sie zu den Haustieren beißend sein.

yad viṣūcīnam āraṇyān

Legte er sie auseinander gewandt hin, so (würden sie) die wilden (Tiere beißen).

yajur eva vadet

Er soll nur den Opferspruch sprechen.

tenaiva tāṃ tviṣim avarunddhe

Damit eben gewinnt er jenen Glanz.

etasmād dha vai purāgnicitam adidṛkṣanta

Früher wollten sie einen, der Agni geschichtet hatte, wegen dieser (Gefahr) nicht sehen [?].

sarvā hy etās tviṣīr avāruddha yāgnau yā sarpe yā sūrye

Denn alle diese Glanzkräfte hat er gewonnen, die in Agni, die in der Schlange, die in der Sonne sind.

athaitad vāmadevasya rākṣoghnaṃ yajñamukhe

Nun dieser Rakṣas-tötende (Spruch) des Vāmadeva am Beginn des Opfers.

yajñamukhe vai yajñaṃ rakṣām̐si jighām̐santi

Am Beginn des Opfers wollen die Rakṣas das Opfer schlagen.

yāvān evāgnis tasmād rakṣām̐sy apahanti

So groß Agni ist, davon schlägt er die Rakṣas weg.

sarvā diśo 'nuparicāraṃ juhoti

Er opfert ringsum nach allen Himmelsrichtungen umhergehend.

digbhya eva rakṣām̐si hanti

Von den Himmelsrichtungen eben schlägt er die Rakṣas.

ime evaitad upadhatte

Diese beiden (Welten) eben legt er hierbei nieder.

na hīme yajuṣāptum arhati

Denn diese beiden kann man nicht durch einen Opferspruch erreichen.

ātmā vai puruṣo bāhū srucau

Das Selbst ist der Mann, die Arme die Löffel.

sātmatvāya

(dient) der Vollständigkeit des Selbst.

dakṣiṇato vai devānāṃ rakṣām̐sy āhutīr niṣkāvam ādan

Von Süden her verschlangen die Rakṣas den Göttern die Opfergaben, sie zogen sie heraus [?].

tāni kārṣmaryeṇāntaradadhata

Diese (Gaben) schützten sie durch Kārṣmarya-Holz [Anm.: kārṣmarya = Holz des Gmelina-Baums; Löffel daraus].

yat kārṣmaryamayīṃ dakṣiṇata upadadhāti

Dass er (einen Löffel) aus Kārṣmarya-Holz im Süden hinlegt,

rakṣasām antarhityai ‖

(dient) dem Fernhalten der Rakṣas.

vajro vai kārṣmaryo vajro ghṛtam

Ein Donnerkeil ist das Kārṣmarya-Holz, ein Donnerkeil das Ghee.

vajra eva vajraṃ dadhāti

Donnerkeil legt er auf Donnerkeil.

gāyatryopadadhāti

Mit der Gāyatrī legt er hin.

gāyatro vā agnir gāyatracchandās

Agni gehört zur Gāyatrī, er hat das Gāyatra-Versmaß.

svenaivainaṃ chandasā samardhayati

Mit seinem eigenen Versmaß lässt er ihn gedeihen.

dadhnaudumbarīṃ pūrayati

Mit Dickmilch füllt er den (Löffel) aus Udumbara-Holz.

annaṃ vai dadhy ūrg udumbaras

Nahrung ist Dickmilch, Kraft der Udumbara.

anna evorjaṃ dadhāti

In die Nahrung eben legt er Kraft.

triṣṭubhopadadhāti

Mit der Triṣṭubh legt er hin.

aindrī vai triṣṭub annam indriyam

Die Triṣṭubh gehört Indra, Nahrung ist Sinneskraft.

indriyam evānnādyam avarunddhe

Sinneskraft und Speisegenuss gewinnt er.

iyaṃ vai kārṣmaryamayy asā audumbarī

Diese (Erde) ist die aus Kārṣmarya, jene (der Himmel) die aus Udumbara.

yad audumbarīm uttarām upadadhāti

Dass er die aus Udumbara als obere hinlegt,

tasmād asā asyā uttarā

darum ist jener (Himmel) höher als diese (Erde).

mūrdhaivaitābhyāṃ kriyate

Der Kopf eben wird durch diese beiden gemacht.

virājy agniś cetavyas

In der Virāj ist Agni zu schichten.

yat srucā upadadhāti

Dass er zwei Löffel hinlegt,

virājy evāgniṃ cinute ‖

(damit) schichtet er das Feuer eben in der Virāj.