Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 20

Anuvāka 4 Erdschollen aus den Himmelsrichtungen, Kraft aus den Richtungen, Uttaravedi, Kieselsteine als Donnerkeil, Zahlen des Abmessens, Streuen von Sand und Verteilen nach den Ständen.

digbhyo loṣṭān samasyati

Von den Himmelsrichtungen her wirft er Erdschollen zusammen.

digbhya ūrjam̐ saṃbharati

Von den Himmelsrichtungen her sammelt er Kraft.

ūrjy evāgniṃ cinute

In der Kraft eben schichtet er das Feuer.

yāṃ janatāṃ dviṣyāt tasyā diśa āhared iṣam ūrjam aham ita ādīti

Wenn er ein Volk hasst, soll er aus dessen Himmelsrichtung (die Erdscholle) holen (mit den Worten): „Trank und Kraft nehme ich von hier“ –

iṣam evāsyā ūrjam ādatte

Trank und Kraft eben nimmt er diesem (Volk).

kṣodhukā bhavati

Sie (die Scholle) ist zerreibbar [?].

uttaravediṃ nivapati

Er streut die Uttaravedi aus [Anm.: uttaravedi = „obere Altarfläche“, der aufgeschüttete Platz für den Feueraltar].

uttaravedyām̐ hy agniś cīyate

Denn auf der Uttaravedi wird das Feuer geschichtet.

atho yajñaparur eva nāntareti

Auch: Er geht nicht zwischen den Gelenken des Opfers hindurch (und verfehlt sie nicht) [?].

paśavo vā uttaravediḥ

Die Uttaravedi sind die Tiere.

agne tava śravo vaya iti ṣaḍṛcena nivapati

Mit dem Sechsvers „Agni, dein Ruhm, deine Vögel [?]“ streut er aus.

ṣaḍ vā ṛtavas saṃvatsaras

Sechs Jahreszeiten hat das Jahr.

saṃvatsaro 'gnir vaiśvānaras

Das Jahr ist Agni Vaiśvānara.

rūpeṇaiva vaiśvānaram avarunddhe

Mit der Gestalt eben gewinnt er Vaiśvānara.

aṣṭākṣarā prathamā

Der erste (Vers) hat acht Silben.

aṣṭāśaphāḥ paśavaḥ

Achtklauig sind die Tiere [?].

ūnātiriktā mithunāḥ

Zu wenig und zu viel (Silben) sind Paare.

samudraṃ vai nāmaitat prajāpateś chandas

„Meer“ heißt dieses Versmaß des Prajāpati.

samudrāt paśavaḥ prajāyante

Aus dem Meer werden die Tiere geboren.

paśūnāṃ prajātyai

Zur Fortpflanzung der Tiere.

indro vai vṛtrāya vajraṃ prāharat

Indra schleuderte den Donnerkeil auf Vṛtra.

sa tredhābhavat sphyas tṛtīyaṃ yūpas tṛtīyaṃ rathas tṛtīyam

Er wurde dreifach: ein Drittel Schwert [Anm.: sphya = hölzernes Opferschwert], ein Drittel Opferpfosten, ein Drittel Wagen.

yad aśīryata tāś śarkarāḥ

Was zerbrach, das waren die Kieselsteine.

paśur vā agnir vajraś śarkarās

Agni ist ein Tier, ein Donnerkeil sind die Kieselsteine.

yac charkarābhiḥ pariminoti

Dass er mit den Kieselsteinen umgrenzt,

vajreṇaivāsmai paśūn parigṛhṇāti

(damit) umfasst er ihm die Tiere eben mit dem Donnerkeil.

tasmāt paśavo vajreṇa vidhṛtās

Darum sind die Tiere durch den Donnerkeil gehalten.

tasmāt stheyān astheyaso nādatte

Darum nimmt der Standfestere nicht (etwas) vom weniger Standfesten [?].

daśabhirdaśabhiḥ pariminuyād annakāmasya

Mit je zehn soll er umgrenzen, wenn (der Opferherr) Nahrung wünscht.

daśākṣarā virāḍ annaṃ virāḍ

Die Virāj hat zehn Silben, Nahrung ist die Virāj.

virājy evānnādye pratitiṣṭhati

In der Virāj, im Speisegenuss, steht er fest.

navabhirnavabhir abhicaratas

Mit je neun, wenn er (für) einen zum Schadenzauber Handelnden (opfert) [?].

vajram eva bhrātṛvyāya praharati

Den Donnerkeil eben schleudert er auf den Rivalen.

saptabhissaptabhiḥ paśukāmasya

Mit je sieben, wenn (der Opferherr) Vieh wünscht.

prāṇebhyo 'dhi paśavaḥ prajāyante

Aus den Lebenshauchen werden die Tiere geboren.

paśūnāṃ prajātyai

Zur Fortpflanzung der Tiere.

aparimitya śarkarās sikatā vyūhed yaṃ kāmayetāpaśus syād iti

Ohne die Kiesel abzumessen soll er den Sand verteilen, von dem er wünscht: „Er soll ohne Vieh sein.“

aparigṛhītam evāsya retaḥ parāsiñcaty apaśur bhavati

Dessen unumfassten Samen gießt er fort, er wird ohne Vieh.

parimitya śarkarās sikatā vyūhed yaṃ kāmayeta paśumān syād iti

Nachdem er die Kiesel abgemessen hat, soll er den Sand verteilen, von dem er wünscht: „Er soll Vieh haben.“

parigṛhītam evāsmai retas siñcati paśumān bhavati

Umfassten Samen gießt er ihm ein, er wird reich an Vieh.

cchandām̐si vā agner yonis somo retodhās

Die Versmaße sind Agnis Schoß, Soma ist der Samenspender.

yac chandobhir nyupya saumyā vyūhati

Dass er (den Sand) mit Versmaßen hineingestreut hat und mit Soma-Versen verteilt,

yonā eva reto dadhāti vyūhati

(damit) legt er im Schoß den Samen nieder und verteilt.

tasmād yonau garbhā vardhante

Darum wachsen die Embryonen im Schoß.

samānaprabhṛtayo bhavanti nānodarkās

Sie haben gleichen Anfang und verschiedenen Ausgang [?].

tasmāt samānād yoner nānārūpāḥ prajāyante

Darum werden aus demselben Schoß Wesen verschiedener Gestalt geboren.

gāyatryā brāhmaṇasya vyūhet

Mit einer Gāyatrī soll er für einen Brāhmaṇa verteilen.

gāyatro hi brāhmaṇas

Denn der Brāhmaṇa gehört zur Gāyatrī.

triṣṭubhā rājanyasya

Mit einer Triṣṭubh für einen Rājanya.

traiṣṭubho hi rājanyas

Denn der Rājanya gehört zur Triṣṭubh.

jagatyā vaiśyasya

Mit einer Jagatī für einen Vaiśya.

jāgato hi vaiśyas

Denn der Vaiśya gehört zur Jagatī.

yathācchandasam eva ‖

Ganz dem jeweiligen Versmaß entsprechend.