Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 20

Anuvāka 11 Deutung der Backsteine der Raumfüllerschicht, der Himmelsrichtungs-Backsteine, der Selbstdurchlochten, der Āyus-Formeln und der Mūrdhanyā-Backsteine.

indrāgnī avyathamānām iṣṭakāṃ dṛm̐hataṃ yuvam iti

„Indra und Agni, festigt ihr beide den unerschütterlichen Backstein“ – so [der Spruch].

ojo vai vīryam indrāgnī

Indra und Agni sind wahrlich Kraft und Manneskraft.

antarikṣam eṣā citis

Der Luftraum ist diese Schicht.

śithilam ivāntarikṣam

Locker gleichsam ist der Luftraum.

prajā antarikṣam

Die Geschöpfe sind der Luftraum.

prajāsv evaujo vīryaṃ dadhāti

In die Geschöpfe legt er Kraft und Manneskraft.

svayamātṛṇṇā bhavati

Die Selbstdurchlochte [svayamātṛṇṇā: der natürlich durchlochte Backstein] ist es –

prāṇānām utsṛṣṭyai

zur Freilassung der Lebenshauche [prāṇa],

svargasya lokasyānukśāntyai

zum Weiterdringen zur Himmelswelt.

prājāpatyo 'śvas

Das Ross gehört Prajāpati.

yad aśvam upaghrāpayati

Dass er das Ross daran riechen lässt,

prajāpatinaivainaṃ cinute

damit schichtet er ihn eben durch Prajāpati auf.

athaitā diśyās

Nun diese Himmelsrichtungs-Backsteine.

devānāṃ vai svargaṃ lokaṃ yatāṃ teṣāṃ diśas samaklīyanta

Als die Götter zur Himmelswelt gingen, gerieten ihnen die Himmelsrichtungen ins Wanken [?].

ta etā diśyā apaśyan

Sie sahen diese Himmelsrichtungs-Backsteine.

tābhir diśo 'dṛm̐han

Mit ihnen machten sie die Himmelsrichtungen fest.

yad etā upadhīyante

Dass diese hingelegt werden,

diśāṃ vidhṛtyai

dient dem Auseinanderhalten der Himmelsrichtungen.

rājñy asi prācī dig iti

„Königin bist du, östliche Himmelsrichtung“ –

tasmād eṣā diśāṃ rājñī

daher ist diese [Richtung] die Königin der Himmelsrichtungen.

virāḍ asi dakṣiṇā dig iti

„Herrscherin (virāj) bist du, südliche Himmelsrichtung“ –

tasmād eṣā diśāṃ virājati

daher herrscht diese unter den Himmelsrichtungen.

samrāḍ asi pratīcī dig iti

„Allherrscherin bist du, westliche Himmelsrichtung“ –

tasmād atra sāmrājyam

daher gibt es hier die Allherrschaft.

svarāḍ asy udīcī dig iti

„Selbstherrscherin bist du, nördliche Himmelsrichtung“ –

tasmād atra svārājyam

daher gibt es hier die Selbstherrschaft.

adhipatny asi bṛhatī dig iti

„Oberherrin bist du, hohe Himmelsrichtung“ –

tasmād eṣā diśām adhipatnī

daher ist diese die Oberherrin der Himmelsrichtungen.

etāny eva sarvāṇi bhavati ya evaṃ vidvān etā upadhatte

All dies wird er, der dies wissend diese hinlegt.

āyur me pāhīti daśa purastād upadadhāti

„Schütze mein Leben!“ – mit diesen [Sprüchen] legt er zehn im Osten hin.

nava vai puruṣe prāṇā nābhir daśamī

Neun Lebenshauche sind im Menschen, der Nabel ist der zehnte.

prāṇān evāsmin dadhāti

Die Lebenshauche legt er in ihn (den Opferherrn).

jyotir me yacchety uttamām

„Gib mir Licht!“ – [so] mit der letzten.

jyotir evottamaṃ dadhāti

Das höchste Licht legt er [in ihn].

tasmād vāk prāṇānāṃ jyotir uttamam

Daher ist die Rede das höchste Licht unter den Lebenshauchen.

daśākṣarā virāṭ

Die Virāj [Versmaß] hat zehn Silben.

virāṭ chandasāṃ jyotis

Die Virāj ist das Licht unter den Versmaßen.

cakṣur eva prajānāṃ purastād dadhāti

Das Auge der Geschöpfe legt er im Osten nieder.

mā chanda iti dakṣiṇata upadadhāti

„Mā ist das Versmaß“ – so legt er im Süden hin.

tasmād dakṣiṇāvṛto māsāḥ

Daher wenden sich die Monate nach rechts (südwärts) [?].

pṛthivī chanda iti paścāt

„Die Erde ist das Versmaß“ – so im Westen,

agnir devatety uttarāt

„Agni ist die Gottheit“ – so im Norden.

ojo evottarād dadhāti

Kraft legt er im Norden nieder.

tasmād uttarād abhiprayāyī jayati

Daher siegt, wer von Norden her angreift.

dvādaśa dakṣiṇata upadadhāti dvādaśa paścād dvādaśottarāt

Zwölf legt er im Süden hin, zwölf im Westen, zwölf im Norden.

tāṣ ṣaṭtrim̐śat saṃpadyante

Diese ergeben sechsunddreißig.

ṣaṭtrim̐śadakṣarā bṛhatī

Die Bṛhatī hat sechsunddreißig Silben.

bṛhatī chandasām̐ svārājyam ānaśe

Die Bṛhatī hat unter den Versmaßen die Selbstherrschaft erlangt.

svārājyaṃ gacchati ya evaṃ vidvān etā upadhatte

Zur Selbstherrschaft gelangt, wer dies wissend diese hinlegt.

ṣaṭtrim̐śadakṣarā bṛhatī

Die Bṛhatī hat sechsunddreißig Silben.

bārhatāḥ paśavo 'ntarikṣa

Zur Bṛhatī gehörig sind die Tiere, [und] der Luftraum –

meṣā citiḥ paśavo 'ntarikṣam

diese Schicht ist der Luftraum, die Tiere sind der Luftraum.

paśuṣv eva paśūn dadhāti

Unter den Tieren legt er Tiere nieder.

ādityadhāmāno vā anye prāṇā aṅgirodhāmāno 'nye

Die einen Lebenshauche haben wahrlich die Āditya-Stätte, die anderen die Aṅgiras-Stätte.

ye purastāt ta ādityadhāmānas

Die vorn [im Osten] sind, sind die mit der Āditya-Stätte,

ye paścāt te 'ṅgirodhāmānas

die hinten [im Westen] sind, sind die mit der Aṅgiras-Stätte.

mūrdhāsi rāḍ iti purastād upadadhāti

„Haupt bist du, Herrscher“ – so legt er im Osten hin.

ya ādityadhāmānaḥ prāṇās tām̐s tad dādhāra

Die Lebenshauche mit der Āditya-Stätte hält er damit fest.

yantrī rāḍ iti paścāt

„Lenker, Herrscher“ – so im Westen.

ye 'ṅgirodhāmānaḥ prāṇās tām̐s tad dādhāra

Die Lebenshauche mit der Aṅgiras-Stätte hält er damit fest.

sapta purastād upadadhāti sapta paścāt

Sieben legt er im Osten hin, sieben im Westen.

tasmād adharaḥ prāṇa uttareṣāṃ prāṇānām ardhabhāk

Daher hat der untere Lebenshauch die Hälfte der oberen Lebenshauche zum Anteil [?].

prajāpatiḥ prajās sṛṣṭvā tāsām akāmayata mūrdhā syām iti

Prajāpati wünschte, nachdem er die Geschöpfe erschaffen hatte: „Ich möchte ihr Haupt sein.“

sa etā mūrdhanyā apaśyat tābhir nirajihīta

Er sah diese Mūrdhanyā-Backsteine [„Haupt-Backsteine“]; mit ihnen ging er aus ihnen hervor [?].

tan mūrdhanyānāṃ mūrdhanyātvam

Das ist das Mūrdhanyā-Wesen der Mūrdhanyā-Backsteine.

mūrdhaiva samānānāṃ bhavati ya evaṃ vidvān etā upadhatte ‖

Haupt wird er unter seinesgleichen, wer dies wissend diese hinlegt.