Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 20
Anuvāka 1
Regeln zur Schichtung des Feueraltars: Besitzergreifung des Opferplatzes, Sand, Ziegel und Zahl der Schichten, Vereinigung der beiden Feuer und Entlassung des Opferherrn aus der Weihe.
apeta vīta vi ca sarpatāta iti devayajanam adhyavasyati
„Weicht, geht fort und kriecht auseinander“ – mit diesen Worten nimmt er den Götteropferplatz in Besitz [Anm.: devayajana = der zum Opfer bestimmte Platz; adhyavasyati = er bestimmt/nimmt ihn in Besitz].
yo vā asyā adhipatiṃ devayajanam aniryācyāgniṃ cinute yamāya te 'gnayaś cīyante
Wer den Feueraltar schichtet, ohne den Herrn dieses Götteropferplatzes darum gebeten zu haben, für Yama werden dessen Feuer geschichtet [Anm.: cinute = er schichtet den Altar; Agnicayana].
yamo 'syā adhipatir
Yama ist der Herr dieser (Erde),
yamam evāsyā adhipatiṃ devayajanaṃ niryācyātmane 'gniṃ cinute
nachdem er eben Yama, den Herrn dieser (Erde), um den Götteropferplatz gebeten hat, schichtet er das Feuer für sich selbst.
iṣvagreṇa ha vā asyā anāmṛtam icchanto na vividus
Mit der Pfeilspitze suchten sie (Ort) auf dieser (Erde), der nicht vom Tod berührt ist, und fanden ihn nicht [?].
yad etena devayajanam adhyavasyati
Dass er mit diesem (Spruch) den Götteropferplatz in Besitz nimmt,
asyā evānāmṛte 'gniṃ cinute
(damit) schichtet er das Feuer eben auf dieser (Erde) an einem (Ort), der vom Tod unberührt ist.
uvāca ha sanācchava etan mā katipayathaṃ yajurāyatanād acucyavad iti
Sanācchava sprach: „Dies hat mich nur um weniges [?] vom Sitz des Opferspruchs abweichen lassen [?]“ [Anm.: Stelle unsicher].
divaḥ priye dhāmann agniś cetavyas
„Im lieben Bereich des Himmels ist das Feuer zu schichten“ –
ūṣā vai divaḥ priyaṃ dhāma
die Salzerde ist der liebe Bereich des Himmels [Anm.: ūṣa = salzhaltige Erde].
yad ūṣān upavapati
Dass er Salzerde daraufstreut,
diva eva priye dhāmann agniṃ cinute
(damit) schichtet er das Feuer eben im lieben Bereich des Himmels.
iṣṭakā vā etā vaiśvānarīr aparimitā yat sikatās
Diese Ziegel des Vaiśvānara sind unbegrenzt (an Zahl), nämlich der Sand [Anm.: iṣṭakā = Ziegel, Baustein des Altars].
yat sikatā upavapati
Dass er Sand daraufstreut,
tā evāvarunddhe
(damit) gewinnt er eben jene (Ziegel) für sich.
agner vā eṣā vaiśvānarasya priyā tanūr yat sikatās
Dies ist die liebe Gestalt des Agni Vaiśvānara, nämlich der Sand.
yat sikatā upavapati
Dass er Sand daraufstreut,
tām evāvarunddhe
(damit) gewinnt er eben diese (Gestalt) für sich.
ayam̐ so agnir iti
„Dies ist jener Agni“ –
etad viśvāmitrasya sūktam
das ist das Lied des Viśvāmitra.
etena vai viśvāmitro 'gneḥ priyaṃ dhāmāvārunddha
Mit diesem gewann Viśvāmitra den lieben Bereich Agnis.
agner evaitena priyaṃ dhāmāvarunddhe
Eben Agnis lieben Bereich gewinnt (der Opferherr) damit für sich.
catasraḥ prācīr upadadhāti
Vier (Ziegel) legt er nach Osten hin.
catvāri vai chandām̐si
Vier sind die Versmaße.
cchandobhir devās svargaṃ lokam āyan
Mit den Versmaßen gingen die Götter zur Himmelswelt.
teṣāṃ diśas samavlīyanta
Ihnen lösten sich die Himmelsrichtungen auf [?].
ta etā diśyā apaśyan
Sie sahen diese Richtungsziegel [Anm.: diśyā = den Himmelsrichtungen zugehörige Ziegel].
tābhir diśo 'dṛm̐han
Mit ihnen festigten sie die Himmelsrichtungen.
yad dve purastāt samīcī upadadhāti dve paścāt
Dass er zwei einander zugewandte (Ziegel) im Osten legt, zwei im Westen,
diśāṃ vidhṛtyai
(dient) dem Auseinanderhalten der Himmelsrichtungen.
aṣṭā etā upadadhāti
Acht dieser (Ziegel) legt er.
aṣṭākṣarā gāyatrī
Die Gāyatrī hat acht Silben.
gāyatrī svargaṃ lokam añjasā veda
Die Gāyatrī kennt die Himmelswelt auf geradem Weg.
svargasya lokasya prajñātyai
Zur Erkenntnis der Himmelswelt.
aṣṭā etā upadadhāti
Acht dieser (Ziegel) legt er.
aṣṭākṣarā gāyatrī
Die Gāyatrī hat acht Silben.
gāyatro 'gnis
Agni gehört zur Gāyatrī.
yāvān evāgnis taṃ cinute
So groß Agni ist, eben den schichtet er.
aṣṭā etā upadhāya trayodaśa lokaṃpṛṇayopadadhāti
Nachdem er diese acht gelegt hat, legt er dreizehn mit der Lückenfüllerin (lokaṃpṛṇā) [Anm.: lokaṃpṛṇā = „die Lücke füllende“ Ziegel und Spruch].
tā ekavim̐śatis saṃpadyante
Diese ergeben einundzwanzig.
ekavim̐śo vai stomānāṃ pratiṣṭhā
Der Einundzwanzigfache ist der Halt unter den Stoma-Gesangsformen [Anm.: stoma = Gesangsform/Strophenordnung des Sāman].
pratiṣṭhā gārhapatyas
Ein Halt ist das Gārhapatya-Feuer.
ekavim̐śasyaiva pratiṣṭhām anu gārhapatyena pratitiṣṭhati
Dem Halt des Einundzwanzigfachen folgend, steht er fest durch das Gārhapatya.
praty agniṃ cikyānas tiṣṭhati ya evaṃ veda
Wer so weiß, steht fest, indem er das Feuer geschichtet hat.
pañcacitīkaṃ cinvīta prathamaṃ cinvānaḥ
Fünfschichtig soll er schichten, wenn er zum ersten Mal schichtet.
pāṅkto vai yajñaḥ
Fünffach ist das Opfer.
pāṅktāḥ paśavas
Fünffach sind die Opfertiere.
yajñaṃ caiva paśūm̐ś cāvarunddhe
Das Opfer und die Tiere gewinnt er.
tricitīkaṃ cinvīta dvitīyaṃ cinvānas
Dreischichtig soll er schichten, wenn er zum zweiten Mal schichtet.
traya ime lokās
Drei sind diese Welten.
eśv eva lokeṣv ṛdhnoti
In diesen Welten gedeiht er.
ekacitīkaṃ cinvītottamaṃ cinvānas
Einschichtig soll er schichten, wenn er zuletzt schichtet.
ekavṛd eva svargaṃ lokam eti
Als Einheit geht er zur Himmelswelt.
pañca citayaḥ pañca purīṣāṇi
Fünf Schichten, fünf Lagen von Füllerde [Anm.: purīṣa = lockere Erde, die zwischen die Ziegelschichten gestreut wird].
tad daśa
Das sind zehn.
daśākṣarā virāḍ annaṃ virāḍ
Die Virāj hat zehn Silben, Nahrung ist die Virāj.
virājy evānnādye pratitiṣṭhati
In der Virāj, im Speisegenuss, steht er fest.
asthi vā iṣṭakā mām̐saṃ purīṣam
Der Ziegel ist Knochen, die Füllerde Fleisch.
yad iṣṭakāṃ purīṣeṇābhyūhati
Dass er den Ziegel mit Füllerde bedeckt,
tasmād asthi mām̐sena cchannam
darum ist der Knochen mit Fleisch bedeckt.
na duścarmā bhavati ya evaṃ veda
Wer so weiß, bekommt keine schlechte Haut.
samitam̐ saṃkalpethām iti saṃnivapati
„Einträchtig sollt ihr beide euch einigen“ – mit diesem (Spruch) schüttet er (die Feuer) zusammen [Anm.: saṃnivapati = er schüttet die Glut des Feuerbehälters und des geschichteten Feuers zusammen].
kṣatraṃ vā etā agnīnāṃ yaś cokhāyāṃ bhriyate yaś ca cīyate
Kṣatra (Herrschermacht) unter den Feuern sind diese, das, das in der Feuerschale getragen wird, und das, das geschichtet wird.
brahmaṇā kṣatram̐ sameti
Durch das Brahman vereinigt sich das Kṣatra.
brahma yajus
Das Brahman ist der Opferspruch.
brahmaṇaivainau saṃnivapati
Mit dem Brahman schüttet er diese beiden zusammen.
caturbhis saṃnivapati
Mit vieren schüttet er zusammen.
catvāri vai chandām̐si
Vier sind die Versmaße.
cchandobhir evainau saṃnivapati
Mit den Versmaßen schüttet er diese beiden zusammen.
eṣā vā agneḥ priyā tanūr yac chandām̐si
Dies ist Agnis liebe Gestalt, nämlich die Versmaße.
priyayaivainau tanvā sam̐śāsti
Mit der lieben Gestalt eben weist er diese beiden zurecht [?].
yat saṃnyupya viharati
Dass er sie zusammengeschüttet hat und (dann wieder) auseinandernimmt,
tasmād brahmaṇā kṣatram̐ sameti brahmaṇā vyeti
darum vereinigt sich das Kṣatra durch das Brahman und trennt sich durch das Brahman.
māteva putraṃ pṛthivī purīṣyam iti
„Wie die Mutter den Sohn (trage) die Erde den Erdreichen“ –
ṛtubhir evainaṃ dīkṣayitvartubhir vimuñcati
Nachdem er ihn durch die Jahreszeiten zur Weihe geführt hat, entlässt er ihn durch die Jahreszeiten [Anm.: dīkṣā = Weihe des Opferherrn].
prajāpatir viśvakarmā vimuñcatv iti
„Prajāpati Viśvakarman möge (dich) lösen“ –
prajāpatim evāsyā vimoktāraṃ karoti ‖
so macht er eben Prajāpati zu dessen Löser.
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