Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 22

Anuvāka 13 Regeln der Weihe (dīkṣā): östlich ausgerichtete Halle, Āgnāvaiṣṇava-Opferkuchen, Reisbrei mit Schmalz, Reinigung, Bad im stehenden Wasser.

prācīnavam̐śaṃ kurvanti

Man macht (die Halle) mit nach Osten gerichtetem Dachbalken (prācīnavaṃśa).

prācī vai devānāṃ dig

Der Osten ist nämlich die Himmelsrichtung der Götter;

devalokam evopāvartate

zur Götterwelt eben wendet er sich hin.

pura ādityo 'sau

Im Osten (erscheint) jener Āditya;

amum evādityam upotkrāmati

auf jenen Āditya eben schreitet er zu.

pariśrite yājayanti

In einem umzäunten Raum lässt man opfern.

devalokam eva parigṛhya tasminn enaṃ dīkṣayanti

Die Götterwelt eben umfassend (umzäunend), weiht man ihn in ihr.

eti vā eṣo 'smāl lokād yo 'muṃ lokaṃ gacchati

Wer zu jener Welt geht, der geht aus dieser Welt fort.

antarhita iva vā ito 'sau lokas

Jene Welt ist von hier gleichsam verborgen.

sraktiṣv atīrokān kuryāt

An den Ecken (Kanten) soll er Durchlässe (atīrokān) machen [?: atīroka, unsicher].

tenāsmāl lokān naiti

Dadurch geht er nicht aus dieser Welt fort.

āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ nirvapati

Einen Kuchen auf elf Schalen für Agni und Viṣṇu spendet er.

agnir vai sarvā devatās

Agni ist nämlich alle Gottheiten,

devatāś caiva yajñaṃ cālabhya dīkṣām upaiti

nachdem er die Gottheiten und das Opfer angefasst hat, tritt er in die Weihe ein.

pavitraṃ vā agnir yajño viṣṇuḥ

Ein Reinigungsmittel (pavitra) ist nämlich Agni, das Opfer (ist) Viṣṇu;

pavitrapūta eva yajñam ālabhate

durch das Reinigungsmittel gereinigt fasst er das Opfer an.

yad aṣṭākapālas

Dass der Kuchen achtschalig ist,

tena vaiṣṇavas

dadurch gehört er zu Viṣṇu;

tenobhayasmān naiti

dadurch geht er von keinem von beiden fort.

āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ nirvapati

Einen Kuchen auf elf Schalen für Agni und Viṣṇu spendet er.

agnir vai devānām avamo viṣṇuḥ paramas

Agni ist nämlich der niedrigste der Götter, Viṣṇu der höchste;

yathā tejanyā antau saṃgṛhṇāty evam evaitad ubhayatas saṃgṛhya madhyato devatā āvapate

wie man beide Enden eines Rohrs (Pfeilschafts) zusammenfasst [?: tejanī], so fasst er dadurch (die Götter) von beiden Seiten zusammen und streut in die Mitte die Gottheiten (Spenden) hinein.

puroḍāśas syād brahmavarcasakāmasya

Ein Puroḍāśa-Opferkuchen soll es sein für den, der brahmanischen Glanz (brahmavarcasa) wünscht.

śiro vā etad yajñasya yat puroḍāśas

Dies ist nämlich der Kopf des Opfers, nämlich der Puroḍāśa;

brahmavarcasaṃ puroḍāśas

der Puroḍāśa ist brahmanischer Glanz;

brahmavarcasī bhavati

er wird brahmanisch glänzend.

carur ghṛte syāt prajākāmasya vā paśukāmasya vā

Ein Reisbrei (caru) in Schmalz soll es sein für den, der Nachkommen oder Vieh wünscht.

mithunaṃ vā etad yad ghṛtaṃ ca taṇḍulāś ca

Ein Paar ist nämlich dies: das Schmalz und die Reiskörner;

dhenvā ghṛtaṃ payo 'naḍuhas taṇḍulās

von der Kuh das Schmalz (die Milch), vom Zugstier die Reiskörner [?: payaḥ „Milch“, anaḍuh „Stier“ – Bild der Paarung];

mithunam eva yajñamukhe dadhāti

ein Paar eben setzt er an den Anfang des Opfers,

yato vā etad rūpaṃ yac carur

Denn woher diese Gestalt kommt: der Reisbrei –

ejateva hy eti dīkṣito 'muṃ lokam

der Geweihte geht nämlich gleichsam zitternd (bebend) zu jener Welt.

amum̐ hy eṣa lokam abhidīkṣate

Denn auf jene Welt hin wird dieser geweiht.

etā vai puruṣasya tanvas

Dies sind nämlich die Körper(-Gestalten) des Menschen.

sarvatanūr eva bhūtvā dīkṣām upaiti

Als ganzer Körper eben tritt er in die Weihe ein.

cchidro vai puruṣo 'ntarād amedhyas

Durchlöchert ist der Mensch, im Inneren unrein (unopferfähig).

medhyatvāyaivācchidratvāya

(geschieht) eben zur Opferreinheit und zur Lückenlosigkeit.

evam iva vā amuṣmiṃl loke yathā dīkṣamāṇas

Ebenso ist es gleichsam in jener Welt wie bei dem, der sich weihen lässt.

yathā manyetetthaṃ me nopatapsyatīti tathā vratayet

Wie er meint: „So wird es mich nicht quälen“, so soll er das Gelübde halten [?: vratayet, „fasten/Milch-Gelübde einhalten“].

atho yataḥ kanīyo dīkṣitas san vratayiṣyan syāt tathā prāśnīyāt

Oder wie er, als Geweihter (wenig) schwächer, das Gelübde halten wird, so soll er (Speise) essen [?].

keśaśmaśru vapate nakhān nikṛntate dato dhāvate

Er lässt Haar und Bart scheren, er schneidet die Nägel, er reinigt die Zähne.

mṛtaṃ vā etat puruṣasyāmedhyam

Tot und unrein ist dies am Menschen.

amedhyam evāpahatya medham upaiti

Das Unreine eben entfernend, tritt er zur Opferreinheit.

aṅgiraso vā apsu dīkṣāṃ nidhāya svargaṃ lokam āyan

Die Aṅgiras gingen nämlich, nachdem sie die Weihe in den Wassern niedergelegt hatten, zur Himmelswelt.

tām eva dīkṣām ālabhate

so fasst er eben jene Weihe an.

grīvādaghne sneyam

Man soll bis zum Halse reichendem (Wasser) baden.

grīvādaghne hi te tāṃ nidhāyāyan

Denn in bis zum Halse reichendem (Wasser) gingen jene, nachdem sie sie niedergelegt hatten.

yāvaty eva kiyati cādbhiś cet snāti tenaiva tāṃ dīkṣām ālabhate

Wenn er sich mit Wasser badet, wie viel es auch immer sei, damit eben fasst er jene Weihe an.

na vahantībhis snāyāt

Er soll nicht in fließenden (Wassern) baden.

yad vahantībhis snāyāt kṣatraṃ yaśa ṛcchet

Würde er in fließenden baden, würde der Herrschaftsstand (kṣatra) den Ruhm (von ihm weg) treffen [?].

na kūpyābhis snāyāt

Er soll nicht in Brunnenwasser baden.

yat kūpyābhis snāyād viśaṃ yaśa ṛcchet

Würde er in Brunnenwasser baden, würde der Stand des Volkes (viś) den Ruhm (von ihm weg) treffen [?].

sthāvarābhis sneyam

In stehenden Wassern soll man baden.

etā vā apāṃ dīkṣitāḥ paśumatīr yās sthāvarās

Dies sind nämlich die geweihten, viehreichen (Wasser), die stehenden.

lomaśās saṃtatā lomaśāḥ paśavas

Behaart (Wasserpflanzen-behaart), zusammenhängend; behaart (sind) die Tiere.

yajamānam eva yaśasārpayati

Den Opferherrn eben versieht er mit Ruhm.

tīrthe sneyam

An einer Furt (tīrtha) soll man baden.

tīrtham eva samānānāṃ bhavati ‖

Er wird eben zur Furt (zum Zugang) unter seinesgleichen.