Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 22

Anuvāka 6 Deutung der Mantras: Jahr und Monate, Spenden auf dem Darbha-Büschel, Anschirren und Lösen des Feuers, Saṃyānī-, Āditya-, Ghṛta- und Vṛṣṭisani-Backsteine, die sechste Schicht.

sajūr abda āyavobhir iti

„Vereint das Jahr mit den Āyava(-Monaten)“ –

saṃvatsaro vā abdas

das Jahr ist nämlich das Abda;

māsā āyavā uṣā aruṇīs sūra etaśa ime aśvinā

die Monate sind die Āyava(s); die rötlichen (Kühe) sind Uṣas, das Etaśa(-Roß) die Sonne, (Tag und Nacht) diese beiden Aśvin;

saṃvatsaro 'gnir vaiśvānaraḥ

das Jahr ist Agni Vaiśvānara;

saṃvatsaraṃ paśavo 'nu prajāyante

Dem Jahr nach pflanzt sich das Vieh fort;

saṃvatsarād evāsmai paśūn prajanayati

aus dem Jahr eben erzeugt er ihm das Vieh.

darbhastambe juhoti

Auf einem Darbha-Büschel opfert er.

yad vā asyā anāmṛtaṃ yad vīryaṃ tad etad utsarpati

Was an dieser (Erde) das Unversehrte, was ihre Manneskraft ist, das kriecht hier hervor [?].

yad evāsyā anāmṛtaṃ yad vīryaṃ tasmiñ juhoti

In dem, was an ihr unversehrt ist, was ihre Manneskraft ist, darin opfert er.

nāgniṃ cikyānaḥ pramīyate yasyaivaṃ juhvati

Nicht stirbt der Agni-Schichter, für den man so opfert.

citraṃ devānām udagād anīkam iti puruṣaśīrṣe juhoti

„Der Götter buntes Antlitz ist aufgegangen“ – (mit diesem Vers) opfert er auf dem Menschenkopf(-Backstein).

ahar vai mitro rātrī varuṇas

Der Tag nämlich ist Mitra, die Nacht Varuṇa;

yāvad evāsti tat spṛṇoti

so viel wie da ist, das füllt er aus.

sauryarcā juhoti

Mit einem Sonnenvers opfert er.

tasmāt puruṣa eva sūryaṃ pratyaṅ paśūnāṃ nyañco 'nye

Darum ist nur der Mensch der Sonne zugewandt, unter den Tieren sind andere abwärts gerichtet.

yat samānyarcā dvir juhoti

Dass er mit einem gleichen Vers zweimal opfert,

tasmāt samānasya puruṣasya dvau pādau ‖

darum hat ein und derselbe Mensch zwei Füße.

yo ha vā agniṃ yoga āgate na yunakti na yuñjāneṣu yuṅkte

Wer nämlich Agni, wenn die Zeit des Anschirrens gekommen ist, nicht anschirrt, der wird unter den Anschirrenden nicht angeschirrt (d.h. nicht mitgenommen);

yukṣvā hi devahūtamām̐ agne yukṣvā hi ye taveti

„Schirre an, denn die götterrufendsten (Rosse), Agni, schirre an, denn jene deine“ –

agnim evaitad yoga āgate yunakti

Agni eben schirrt er damit an, wenn die Zeit des Anschirrens gekommen ist;

yuṅkte yuñjāneṣu ya evaṃ veda

er wird unter den Anschirrenden angeschirrt, wer dies weiß.

dvābhyāṃ yunakti

Mit zweien (Versen) schirrt er an;

asthūri dvayam

eine Doppelung ist ohne Joch(-Last) (asthūri) [?: asthūri dvayam, Sinn unsicher; vielleicht „ohne einzelnes Zugtier – zwei Zugtiere“].

yo ha vā agniṃ vimoka āgate na vimuñcati na vimuñcamāneṣu vimuñcate

Wer nämlich Agni, wenn die Zeit des Ausspannens gekommen ist, nicht ausspannt, der wird unter den Ausspannenden nicht ausgespannt (d.h. nicht gelöst);

māteva putraṃ pṛthivī purīṣyam iti

„Wie die Mutter den Sohn (trage) die Erde den Schutt-Reichen (Agni)“ –

agnim evaitad vimoka āgate vimuñcati

Agni eben spannt er damit aus, wenn die Zeit des Ausspannens gekommen ist;

vi vimuñcamāneṣu muñcate ya evaṃ veda

er wird unter den Ausspannenden gelöst, wer dies weiß.

athaitās saṃyānīs

Nun diese Saṃyānī-Verse [Anm.: „zusammen Fahrende“; Verse zum Aufbruch].

etā vai devatās svargyās

Diese Gottheiten führen nämlich zum Himmel;

tābhir eva svargaṃ lokam eti

durch sie eben gelangt er zur Himmelswelt.

eṣā vai gāyatrī jyotiṣpakṣā

Diese ist nämlich die Gāyatrī mit Licht als Flügel;

tayaiva svargaṃ lokam eti ‖

durch sie eben gelangt er zur Himmelswelt.

yathā nāvodakād udakam abhisaṃyāty evaṃ vā etābhir agnicid amutra yathālokam̐ saṃyāti

Wie man mit einem Boot von Wasser zu Wasser hinüberfährt, so fährt der Agni-Schichter durch diese drüben je nach der Welt zusammen(hin).

tat saṃyānīnām̐ saṃyānītvam

Das ist der Grund des Saṃyānī-Seins der Saṃyānī(-Verse).

athaitāny ṛtunāmāni

Nun diese Jahreszeiten-Namen.

ṛtūn evāvarunddhe

Die Jahreszeiten eben gewinnt er für sich.

saṃvatsaro vai sumekas

das Jahr ist nämlich Sumeka;

saṃvatsaram evāvarunddhe

das Jahr eben gewinnt er für sich.

athaitā ādityeṣṭakās

Nun diese Āditya-Backsteine.

ādityā vā etasya teja ādadate yo 'gniṃ cikyāno neva rocate

Die Ādityas nehmen nämlich dessen Glanz weg, der, Agni schichtend, gleichsam nicht leuchtet.

yad etā upadhīyante

Dass diese eingelegt werden:

yathā dīpyamāne bhūyo 'bhyādadhāty evam evāsmim̐s tad adhipūrvaṃ tejo dadhāti

Wie man auf ein Brennendes noch mehr nachlegt, so legt er in ihm damit zum Früheren hinzu Glanz.

nāsyādityās teja ādadate

Nicht nehmen ihm die Ādityas den Glanz weg;

yathāsau deveṣv evaṃ manuṣyeṣu bhavati

wie jener unter den Göttern (leuchtet), so wird er unter den Menschen.

athaitā ghṛteṣṭakās

Nun diese Schmalz-Backsteine.

tejo vā agnis tejo ghṛtam

Glanz ist Agni, Glanz das Schmalz;

tejasy eva tejo dadhāti

in den Glanz eben legt er Glanz.

athaitā vṛṣṭisanayas

Nun diese Regen-Gewinnerinnen (vṛṣṭisani).

vṛṣṭim evaitābhir avarunddhe

Den Regen eben gewinnt er durch diese für sich;

etābhir vā agnicite 'mutra yathākāmaṃ varṣati

durch diese regnet es dem Agni-Schichter drüben nach Wunsch.

tad vṛṣṭisanīnāṃ vṛṣṭisanitvam

Das ist der Grund des Vṛṣṭisani-Seins der Vṛṣṭisani(-Backsteine).

athaitā ātmā

Nun diese, das Selbst (ātmā-Backsteine).

etad dha vā uvāca śaṅkhaḥ kauṣyaḥ putram agniṃ cikivām̐sam acair agnī3m iti

Dies nämlich sprach Śaṅkha Kauṣya zu (seinem) Sohn, der Agni geschichtet hatte: „Hast du Agni geschichtet?“

atha kathā na sarvātmāgā iti

„Wie denn, bist du nicht als vollständiges Selbst gegangen?“ [?]

tad dhi nūnaṃ na vidāṃcakṛmeti

„Dies haben wir gewiss nicht gewusst“ [?: Sprecher unklar].

sātmānam evāgniṃ cinute

so schichtet er Agni eben samt Selbst.

punarnitunnā bhavanti

Sie sind wieder(holt) eingedrückt/eingestoßen [?: punarnitunnā, technisch].

prāṇa eva prāṇam upasaṃdadhāti

Den Lebenshauch eben fügt er an den Lebenshauch an.

athaiṣā ṣaṣṭhī citis

Nun diese sechste Schicht.

yo 'gniṃ cikyāno neva pratitiṣṭhet sa etām̐ ṣaṣṭhīṃ citim upadadhīta

Wer, Agni schichtend, gleichsam keinen Halt fände, der soll diese sechste Schicht einlegen.

ṣaḍ vā ṛtavas saṃvatsaras

Sechs nämlich sind die Jahreszeiten, das Jahr;

ṛtuṣv eva saṃvatsare pratitiṣṭhati

in den Jahreszeiten eben, im Jahr, findet er Halt.

etā vai devatās svargyās

Diese Gottheiten führen nämlich zum Himmel;

tābhir eva svargaṃ lokam eti

durch sie eben gelangt er zur Himmelswelt.

etā vai devatā abhicaraṇīyās

Diese Gottheiten sind nämlich (auch) zum feindlichen Zauber geeignet.

yaṃ dviṣyāt taṃ brūyād amuṃ vo jambhe dadhāmīti

Wen er hassen sollte, von dem soll er sagen: „Jenen setze ich euch in den Rachen.“

etābhya evainaṃ devatābhya āvṛścati

Von diesen Gottheiten eben schneidet er ihn ab (entzieht ihn ihnen).

tājak pradhanvati ‖

Schnell läuft er davon (verfällt er) [?: tājak].