Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 22

Anuvāka 8 Über das Schichten „der Gestalt gemäß“, Prajāpati-Verkündigung, Goldgefäß mit Honig, das Erreichen des Wunsches, die Ekeṣṭakā und Satya-Berührung.

yathārūpam agniś cetavyas

Nach seiner Gestalt (yathārūpam) ist Agni zu schichten.

yo vai yathārūpam agniṃ cinute nāsyāparūpaṃ jāyate

Wer Agni nach seiner Gestalt schichtet, dem wird kein Missgestaltetes geboren.

gāyatryā prathamāṃ citim̐ saṃcitām abhimṛśet

Mit der Gāyatrī soll er die erste geschichtete Schicht berühren,

triṣṭubhā dvitīyām

mit der Triṣṭubh die zweite,

anuṣṭubhā caturthīm

mit der Anuṣṭubh die vierte,

paṅktyā pañcamīm

mit der Paṅkti die fünfte.

yathārūpam evāgniṃ cinute nāsyāparūpaṃ jāyate

Agni eben nach seiner Gestalt schichtet er; ihm wird kein Missgestaltetes geboren.

prāṇo vai prathamā citir vyāno dvitīyāpānas tṛtīyā

Der Aushauch (prāṇa) ist nämlich die erste Schicht, der Zwischenhauch (vyāna) die zweite, der Einhauch (apāna) die dritte.

prāṇāpānair evainam̐ saminddhe

Mit Aus- und Einhauch eben entzündet er ihn.

iḍāyā vā eṣā vibhaktiḥ

Dies ist nämlich eine Teilstelle (Verteilung) der Iḍā;

paśubhir evainaṃ cinute

mit dem Vieh eben schichtet er ihn.

prajāpataye procyāgniś cetavyas

Nachdem man es dem Prajāpati verkündet hat, ist Agni zu schichten.

yo vai prajāpataye 'procyāgniṃ cinuta ārtim ārchati

Wer Agni schichtet, ohne es Prajāpati verkündet zu haben, gerät in Not.

aśvā abhitas tiṣṭhetām̐ śyāva uttarāc chveto dakṣiṇātas

Zwei Rosse sollen zu beiden Seiten stehen: ein Rotbraunes (śyāva) im Norden, ein Weißes im Süden.

tā ālabham iṣṭakāmiṣṭakām upadadhyāt

Ihnen nahe (ālabham) soll er Backstein für Backstein einlegen [?: ālabham, Lesart unsicher].

etad vai prajāpate rūpam

Dies ist nämlich Prajāpatis Gestalt;

prājāpatyo 'śvaḥ

das Roß gehört zu Prajāpati.

prajāpataya eva procyāgniṃ cinute nārtimārchati ‖

Nachdem er es Prajāpati eben verkündet hat, schichtet er Agni; er gerät nicht in Not.

hiraṇyapātraṃ madhoḥ pūrṇaṃ brahmaṇe dadāti

Ein goldenes Gefäß, mit Honig gefüllt, gibt er dem Brahman-Priester.

madhavyo bhavati

Er wird des Honigs teilhaftig [?: madhavya].

śatāyur vai puruṣaś śatavīryas

hundertjährig ist nämlich der Mensch, hundertfach an Manneskraft;

āyur eva vīryam avarunddhe

Lebensdauer und Manneskraft eben gewinnt er.

citraṃ devānām udagād anīkam iti citravatyāvekṣate

„Der Götter buntes Antlitz ist aufgegangen“ – mit dem Vers, der „bunt“ enthält, schaut er (den Agni) an.

madhyandine 'śvam avaghrāpayati

Am Mittag lässt er das Roß (am Feuer) riechen.

asau vā ādityas

Jener Āditya nämlich ist (das Roß);

prājāpatyo 'śvaḥ

das Roß gehört zu Prajāpati;

pratyakṣam evainam ṛdhnoti

vor Augen eben lässt er ihn Erfolg haben.

yo 'gner āptiṃ vedāpnoti taṃ kāṃaṃ yasmai kāmāyāgniś cīyate

Wer Agnis Erreichung kennt, erreicht den Wunsch, für den Agni geschichtet wird.

prayāsyann agniṃ citam upatiṣṭheta dīkṣayā tvāpaṃ tapasā tvāpam̐ sutyayā tvāpam avabhṛtena tvāpaṃ vaśayā tvāpam iti

Im Begriff aufzubrechen soll er zu dem geschichteten Agni hintreten (und sprechen): „Mit der Weihe habe ich dich erreicht, mit der Askese habe ich dich erreicht, mit der Somapressung habe ich dich erreicht, mit dem Abschlussbad habe ich dich erreicht, mit der unfruchtbaren Kuh habe ich dich erreicht.“

pañca vā ṛtavas

Fünf nämlich sind die Jahreszeiten;

ṛtavas saṃvatsaras

die Jahreszeiten sind das Jahr;

saṃvatsaro 'gnir vaiśvānaras

das Jahr ist Agni Vaiśvānara.

āpnoti taṃ kāmaṃ yasmai kāmāyāgniś cīyate ‖

Er erreicht den Wunsch, für den Agni geschichtet wird.

ekeṣṭakety āhur brahmavādinas

„Ekeṣṭakā (einziger Backstein)“, sagen die Brahmavādins.

vāg evaikeṣṭaketi

„Die Rede eben ist die Ekeṣṭakā“;

brāhmaṇa evaikeṣṭaketi

„der Brahmane eben ist die Ekeṣṭakā“;

etad dha sma vā āhuś śarkarākhyās

Dies sagten nämlich die Śarkarākhya(s) [Anm.: Name einer Lehrergruppe? „Kies-Genannte“ ?]:

tisra eva vayam iṣṭakā agniṃ cityaṃ vidmemān eva lokān iti

„Drei Backsteine nur kennen wir beim Schichten des Agni: diese Welten eben.“

sasatyo 'gniś cetavyas

Mit der Wahrheit (satya) verbunden ist Agni zu schichten.

bhūr iti prathamāṃ vitṛṇṇīm abhimṛśet

Mit „bhūḥ“ soll er die erste durchbohrte (Schicht) berühren,

bhuvar iti dvitīyām

mit „bhuvaḥ“ die zweite,

svar iti tṛtīyām

mit „svaḥ“ die dritte.

etad vai vācas satyam

Dies ist nämlich der Rede Wahrheit.

sasatyam evāgniṃ cinute

Wahrheits-verbunden eben schichtet er Agni.

sasatyam agnim aceṣṭā3m̐ apasatyā3m ity āhur brahmavādinas

„Hast du Agni wahrheitsverbunden geschichtet oder wahrheitslos?“, sagen die Brahmavādins.

sa ha tvai sasatyaṃ cinute ya evaṃ cinute

Der eben schichtet wahrheitsverbunden, der so schichtet.

kasyai devatāyā agniś cīyata ity āhur brahamvādinaḥ

„Für welche Gottheit wird Agni geschichtet?“, sagen die Brahmavādins.

tasya kim̐ havir iti

„Was ist dessen Opfergabe?“