Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 31

Anuvāka 2 Das Seihtuch, die zwei Töpfe (ukhā), das Melken der Gharma-Milch, die Regeln zum Melken und Zudecken der Opfermilch.

vasoḥ pavitram asi śatadhāraṃ vasūnāṃ pavitram asi sahasradhāram iti

„Du bist das Seihtuch des Guten (Vasu), hundertströmig; du bist das Seihtuch der Vasus, tausendströmig“ – so.

vasūnāṃ vā etad bhāgadheyaṃ yat pavitram

Der Anteil der Vasus ist nämlich das, was Seihtuch ist;

tebhya evainaṃ karoti

ihnen macht er es zu.

prajāpatiḥ prajā asṛjata

Prajāpati schuf die Geschöpfe.

tasyokhe asram̐setām

Ihm fielen zwei Töpfe (ukhā) herab [?].

sa ete ukhe apaśyat

Er sah diese beiden Töpfe.

tābhyām ādatta

Mit ihnen nahm er (das Nötige) auf.

yad ete ukhe bhavataḥ

Daß diese beiden Töpfe da sind,

prajāpater evoke pratidadhāti

so setzt er Prajāpatis beide Töpfe (wieder) ein.

ayakṣmā vaḥ prajayā sam̐sṛjāmīti

„Ohne Krankheit verbinde ich euch mit Nachkommenschaft“ – so –

ayakṣmā evaināḥ karoti

krankheitsfrei macht er sie.

rāyaspoṣeṇa bahulā bhavantīr iti

„Mit Reichtumsgedeihen viel werdend“ – so –

bhūmānam evainā gamayati

zur Fülle bringt er sie.

madhumad ghṛtavat pinvamānā iti

„Honigsüß, schmalzreich strotzend“ – so –

madhumad eva ghṛtavad devebhyo havyaṃ karoti

honigsüß, schmalzreich macht er den Göttern die Opfergabe.

jīvā jīvantīr upa vas sademeti

„Lebende, Lebendige, wir wollen uns bei euch niedersetzen“ – so –

āśiṣam evāśāste ‖

einen Segenswunsch erbittet er.

mātariśvano gharmo 'sīti

„Du bist Mātariśvans Gharma (Glutkessel/Heißtrank)“ – so.

antarikṣaṃ vai mātariśvano gharmas

Der Luftraum ist nämlich Mātariśvans Gharma.

dyaur asi pṛthivy asīti

„Himmel bist du, Erde bist du“ – so –

divam evaināṃ pṛthivīm akar

Himmel und Erde hat er sie gemacht [?].

viśvadhāyāh pareṇa dhāmnāhrutāsi mā hvār iti

„Alles tragend, mit höherer Satzung ungekrümmt bist du; krümme nicht“ – so –

pavitram apidadhāti

Das Seihtuch deckt er darüber.

oṣadhīnāṃ caiva paśūnāṃ ca payas sam̐sṛjati

Die Milch der Pflanzen und der Tiere verbindet er.

sā viśvāyus sā viśvavyacās sā viśvadhāyā iti

„Sie ist alles Leben, sie ist alles Umfassende, sie ist alles Tragende“ – so.

asau vai viśvāyur antarikṣaṃ viśvavyacā iyaṃ viśvadhāyās

Jene (Himmel) ist nämlich das Alleben, der Luftraum das Allumfassende, diese (Erde) die Alles-Tragende.

imān eva lokān yathāpūrvaṃ pradāpayati

Diese Welten läßt er der Reihe nach (an die Opfergabe) geben.

ime 'smai lokā yathāpūrvaṃ prattā duhre

Diese Welten, der Reihe nach gegeben, melken für ihn [?].

tisro yajuṣābhimantrayate

Mit drei Opfersprüchen spricht er sie an;

eṣv eva lokeṣu rasaṃ dadhāti

in diese Welten legt er Saft (Kraft).

tasmād imāṃl lokān prajā upajīvanti

Daher leben die Geschöpfe von diesen Welten.

upajīvanīyo bhavati ya evaṃ veda ‖

Zum Lebensunterhalt für andere wird, wer so weiß.

hutas stoko huto drapsa ity anumantrayate

„Geopfert ist der Tropfen, geopfert der Spritzer“ – so spricht er nach.

agnaye bṛhate nākāya svāheti

„Dem Agni, dem großen, dem Himmelsgewölbe, svāhā“ – so.

iyaṃ vā agnir bṛhan nākas

Diese (Erde) ist Agni, das große Himmelsgewölbe.

bahu vā etasya duhyamānasya skandati

Viel nämlich fällt von diesem, während es gemolken wird, herab;

asyām evainat pratiṣṭhāpayati

auf ihr stellt er es fest.

na dārupātreṇa duhyāt

Nicht in einem hölzernen Gefäß soll man melken;

agnimad vai dārupātram

denn Holzgefäß enthält Feuer [?].

yātayāmena haviṣā yajeta

Mit abgestandener (kraftloser) Opfergabe würde er opfern.

tad u ha smāhur dārteyāḥ puroḍāśamukhaṃ vai havir na vā itaitaḥ puroḍāśam̐ haviṣo yāmo 'sti dogdhavyam eveti

Dazu aber sagen die Dārteyas: „Die Opfergabe hat den Puroḍāśa als Mund; von hier und dort her gibt es beim Puroḍāśa keinen Abstand der Opfergabe; gemolken werden muß eben.“

na śūdro duhyāt

Nicht soll ein Śūdra melken.

asato vā eṣa saṃbhūtas

Aus dem Nichtseienden nämlich ist dieser entstanden;

asat syāt

nichtseiend würde es (das Opfer) werden.

yad vāva pavitram atyeti tad dhavir

Was am Seihtuch vorbeigeht, das ist (bloß) Opfergabe [?].

agnihotram eva śūdro na duhyāt

Gerade für das Agnihotra soll ein Śūdra nicht melken;

tad dhi notpunanti

denn das reinigen sie nicht (durch Seihen) [?].

saṃpṛcyadhvam ṛtāvarīr iti pratyānayati

„Vermischt euch, ihr Ordnungsgemäßen“ – so gießt er (die Milch) zurück.

śṛtakāmā hi devāḥ ‖

Denn die Götter lieben Gekochtes.

indrasya tvā bhāgam̐ somenātanacmīti

„Indras Anteil (dich) lasse ich mit Soma gerinnen“ – so –

somo vai devānāṃ parokṣam̐ sānnāyyam

Soma ist nämlich der Götter, verborgen, das Sānnāyya (Milch-Opfermischung) [Anm.: sānnāyya = Gerinnungsopfer aus Sauer- und Süßmilch beim Darśapūrṇamāsa].

tasya ha tvai somapīthas saṃtato ya evaṃ vidvān sānnāyyena yajate

Dessen Somatrunk ist fortlaufend, der so wissend mit Sānnāyya opfert.

adastam asi viṣṇava iti

„Ungebunden [?] bist du, dem Viṣṇu“ – so.

yajño vai viṣṇur

Viṣṇu ist nämlich das Opfer;

yajñāyaivainadadastaṃ karoti

dem Opfer macht er es „adasta“ (ungeschmälert) [?].

na mṛtpātreṇāpidadhyāt

Nicht mit einem Tongefäß soll er zudecken;

yan mṛtpātreṇāpidadhyāt pitṛdevatyam̐ havis syāt

wenn er mit einem Tongefäß zudeckte, würde die Opfergabe den Vätern gehören;

dārupātreṇāpidadhāti

mit einem Holzgefäß deckt er zu.

agnimad vai dārupātram

Das Holzgefäß enthält nämlich Feuer [?];

agnir eva havyaṃ rakṣate

Agni selbst schützt die Opfergabe.

āpo rakṣoghnīs

die Wasser sind Rakṣas-Töterinnen,

viṣṇo havyaṃ rakṣasveti

„Viṣṇu, schütze die Opfergabe“ – so;

viṣṇur eva havyaṃ rakṣate

Viṣṇu schützt die Opfergabe.

āpo vai yajñasya goptrīs

Die Wasser sind nämlich die Hüterinnen des Opfers;

tābhya evainat paridadāti ‖

ihnen vertraut er sie an.