Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 36

Anuvāka 14 Tryambaka-Opfer für Rudra: Gaben für jeden Mann, Ekakapāla-Kuchen, Ausrichtung nach Norden, Ambikā, Rückkehr ohne Umblicken, Schluss mit Aditi.

etad vā asya saṃvatsaro 'bhīṣṭo 'bhūd abhīṣṭāḥ pitaras

Damit war ihm das Jahr gewonnen, gewonnen die Ahnen.

athāsya rudrā anabhīṣṭās

Dann waren ihm die Rudras nicht gewonnen.

rudrās tryambakās

Die Rudras sind die Tryambakas [Anm.: „Drei-Mütter-Habende“ (auch: „dreiäugig“), Name der Opfer für Rudra am Ende der Cāturmāsyas].

yad ete tryambakās

Weil dies die Tryambaka-Gaben sind,

tenāsya rudrā abhīṣṭāḥ prītā bhavanti

dadurch werden ihm die Rudras gewonnen und erfreut.

pratipuruṣaṃ bhavanti

Für jeden Mann gibt es (eine Gabe).

pratipuruṣam eva rudraṃ niravadayate

Für jeden Mann einzeln sondert er Rudra aus.

garbhebhya eva tena rudraṃ niravadayate

damit sondert er eben Rudra für die Leibesfrüchte aus.

ekakapālā bhavanti

Es sind Kuchen auf je einem Scherben.

na vai puruṣaṃ kapālair āptum arhati

Man kann einen Menschen nicht mit (mehreren) Scherben erreichen.

ekadhaivainam āpnoti

Nur einfach erreicht er ihn.

abhighāryā3 nābhighāryā3 iti mīmām̐sante

Sie erörtern: „Soll man begießen (mit Ghee) oder nicht begießen?“

na hi havir anabhighṛtam

denn eine Opfergabe ist nicht unbegossen.

yad abhighārayed rudraṃ paśūn anvavanayet

Würde man begießen, so würde man Rudra zum Vieh hinleiten [?].

tasmān nābhighāryās

Darum sind sie nicht zu begießen.

ekolmukam̐ haranti

Sie tragen (es) mit einem einzigen Feuerbrand hinaus,

ekolmukam̐ hi rudrāṇām

denn ein einziger Feuerbrand gehört den Rudras.

dhūpāyad dharanti

Sie tragen es rauchend hinaus,

dhūpāyad dhi rudrāṇām

denn Rauchendes gehört den Rudras.

parācīnam̐ haranti

Sie tragen es abgewandt (nach außen) hinaus,

parāñcam eva rudram̐ haranti

Rudra tragen sie eben fort (von sich weg).

imāṃ diśam̐ haranti

Sie tragen es in diese Richtung [Anm.: die Nordrichtung, nach der Tradition],

etasyāṃ vai diśi rudrāṇāṃ gṛhās

denn in dieser Richtung sind die Häuser der Rudras.

gṛheṣv eva rudraṃ niravayajate ‖

In den Häusern eben sondert er Rudra durch Opfer aus.

rudrākhuṃ te paśuṃ karomīty ākhukirā ekam upavapati

„Ich mache dir, Rudra, die Maus zum Opfertier“ – so streut er bei einem Mäusehaufen (ākhukirā) eine (Gabe) hin [?].

paśubhya eva rudraṃ niravadayate

Vom Vieh eben sondert er Rudra ab.

tasmāt tān paśupatir ghātukas

Darum ist deren Herr des Viehs ein Mörder [?].

catuṣpathe yājayanti

Sie lassen am Kreuzweg (catuṣpatha) opfern.

catuṣpathe vai rudrāṇāṃ gṛhās

Am Kreuzweg sind die Häuser der Rudras.

gṛheṣv eva rudraṃ niravayajate

In den Häusern eben sondert er Rudra durch Opfer aus.

eṣa te rudra bhāgas saha svasrāmbikayā taṃ juṣasva svāheti

„Dies ist dein Anteil, Rudra, zusammen mit deiner Schwester Ambikā; genieße ihn. Svāhā!“

śarad vai rudrasya svasāmbikā

Der Herbst ist Rudras Schwester Ambikā.

tasmād eṣa śaradi bhūyiṣṭham̐ hanti

Darum tötet dieser im Herbst am meisten.

tayaivainam̐ saha niravadayate

Mit ihr zusammen sondert er ihn aus.

madhyamena parṇena juhoti

Er opfert mit dem mittleren Blatt.

tad dhy arakṣohatam

Denn das ist von Rakṣas-Vernichtung frei [?].

yad grāmyeṇa juhuyād rudraṃ paśūn anvavanayet

Würde er mit einem dörflichen (Blatt) opfern, so würde er Rudra zum Vieh hinleiten.

tasmād āraṇyena hūyate

Darum opfert man mit einem waldgewachsenen.

avāmba rudram adimahīti

„Wir haben Rudra, o Mutter, (an uns) genommen [?]“ – so [Anm.: Anfang eines Verses, Wortlaut unsicher, [?]].

anṛṇā evābhūvan

Schuldenfrei wurden sie eben.

bheṣajaṃ gave 'śvāya puruṣāya ceti

Ein Heilmittel für Rind, Ross und Mensch – so.

anṛṇā eva bhūtvā bheṣajam akrata ‖

Schuldenfrei geworden, schufen sie sich ein Heilmittel.

tryambakaṃ yajāmaha iti pariyanti

„Den Tryambaka verehren wir“ – so umschreiten sie (das Feuer).

yā patikāmā syāt sāpi parīyāt

Die, die einen Gatten wünscht, soll auch umschreiten.

pativedanam evāsyai kurvanti

Sie schaffen ihr eben die Gatten-Erlangung.

tān udasya pratilabhante

Diese (Kuchen) werfen sie hoch und fangen sie wieder auf [?].

anṛṇā eva bhūtvā bhagaṃ pratilabhante

Schuldenfrei geworden, erlangen sie das Glück (bhaga).

tān yajamānāya samāvapanti

Diese schütten sie für den Opferherrn zusammen.

bhagam evāsmai samāvapanti

Das Glück eben schütten sie ihm zusammen.

yā patikāmā syāt tasyai samāvapeyus

Für die, die einen Gatten wünscht, sollen sie zusammenschütten.

bhagam evāsyai samāvapanti

Das Glück eben schütten sie für sie zusammen.

tān mūte kṛtvā vṛkṣa āsacanty eṣa te rudra bhāgas tenāvasena paro mūjavato 'tīhīti

Sie tun sie in einen Bastsack (mūta) und hängen ihn an einen Baum: „Dies ist dein Anteil, Rudra; mit dieser Wegzehrung geh über den Mūjavat-Berg hinaus [Anm.: Mūjavat, Berg der Soma-Herkunft; Wortlaut nach RV/VS-Parallele].“

girir vai rudrasya yonis

Der Berg ist Rudras Schoß (Herkunft).

tata eṣo 'bhyavacarati

Von dort her ist er (Rudra) herbeigekommen [?].

svenaivainaṃ bhāgadheyena svaṃ yoniṃ gamayati

Mit seinem eigenen Anteil (bhāgadheya) lässt er ihn zu seinem eigenen Schoß gelangen.

anapekṣamāṇā āyānti

Ohne zurückzublicken kommen sie herbei,

edho 'sy edhiṣīmahīti

„Brennholz bist du; mögen wir gedeihen“ – so.

rudram eva niravadāyaidhatum upayanti

Rudra ausgesondert, gehen sie zum Gedeihen hin.

samid asi samedhiṣīmahīti

„Scheit bist du; mögen wir zusammen entflammen“ – so.

āśiṣam evāśāste

Den Wunsch eben spricht er aus.

tejo 'si tejo mayi dhehīti

„Glanz (tejas) bist du; lege Glanz in mich“ – so.

teja evātman dhatte

Glanz eben legt er in sein Selbst.

ambī vai strī bhagānāmnī

Ambī ist die Frau, namens Bhagā [?].

apratitiṣṭhato vā eṣa yasyāpratiṣṭhitam̐ havir apratiṣṭhitās tryambakās

Für den, dessen Opfergabe ohne festen Stand ist, für den ist dies (das Opfer) ohne Stand; ohne Stand sind die Tryambakas.

na prayājā ijyante nānuyājā

Man opfert keine Vor-Opfer und keine Nach-Opfer;

na sāmidhenīr anvāha

man spricht die Sāmidhenī-Verse nicht her.

adityai caruṃ nirvapati

Er stellt für Aditi einen Topfbrei hin.

asyām eva pratitiṣṭhati ‖

Auf dieser eben gewinnt er Stand.