Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 36

Anuvāka 5 Varuṇapraghāsa-Opfer: Prajāpati schuf die Geschöpfe, Varuṇa ergriff sie, Sühne der Bedrängnis durch die fünf Gaben; Wahrheit, Frau und Wortführung beim Opfer.

tā vaiśvadevena sṛṣṭās tasmim̐s taruṇiman varuṇo 'gṛhṇāt

Diese, durch das Vaiśvadeva geschaffen, ergriff in jener Jugendlichkeit [?] Varuṇa.

atho āhur ati vai tās tam acaram̐s tā aticarantīr varuṇenāgrāhayad iti

Man sagt aber auch: Sie übertraten ihn (das Gebot); die Übertretenden ließ er durch Varuṇa ergreifen.

tasmāt pitā nāticaritavai

Darum soll man den Vater nicht übertreten.

vaiśvadevena vai prajāpatiḥ prajā asṛjata

Mit dem Vaiśvadeva schuf Prajāpati die Geschöpfe.

tasya maruto havyaṃ vyamathnata

Dessen Opfergabe rührten die Maruts auseinander (verwirrten sie) [?].

tato 'm̐hogṛhītā asṛjyanta

Danach wurden sie, von Bedrängnis ergriffen, entlassen.

tābhyo bheṣajam aicchat

Für sie suchte er ein Heilmittel.

tad ātmann evaicchat

Dieses suchte er in sich selbst.

sa etad ātmano 'dhi payo niramimīta

Er bildete dies als Milch aus seinem Selbst heraus.

tenābhyo 'm̐ho 'vāyajat

Damit sühnte er für sie die Bedrängnis ab.

am̐haso vā eṣāveṣṭir yad varuṇapraghāsās

Diese Ausschlussfeier (Avaiṣṭi) ist von der Bedrängnis, nämlich die Varuṇapraghāsas.

jagdhād vai varuṇo gṛhṇāti

Von dem, was verzehrt wurde, ergreift Varuṇa.

tasmād varuṇapraghāsās

Darum die Varuṇapraghāsas [Anm.: „Varuṇas Verzehrungen“; Etymologie aus praghas „verzehren“].

yāvad vai kumāre 'mno jāta enas tāvad etasminn eno bhavati yo varuṇapraghāsair yajate

Wie viel Schuld ein Kind, dem Kraft (?) geboren ist, hat [?], so viel Schuld liegt auf diesem, der mit den Varuṇapraghāsas opfert [?].

athaitāni pañca havīm̐ṣi

Nun diese fünf Opfergaben,

saṃtatyai ‖

zur Fortsetzung (ununterbrochenen Folge).

sāvitro 'ṣṭākapālas

Die Gabe für Savitṛ auf acht Scherben,

gāyatro hi devānām̐ savitā

denn Savitṛ ist unter den Göttern der zur Gāyatrī Gehörige [?];

aindrāgno dvādaśakapālas

die Gabe für Indra-Agni auf zwölf Scherben,

vaiṣvadevatvāya

um sie den All-Göttern zugehörig zu machen [?].

yad vai tat prajā varuṇagṛhītā avevlīyanteva tad āsv indrāgnī balam adhattām

Als diese Geschöpfe, von Varuṇa ergriffen, gleichsam erschlafften, legten Indra und Agni in sie Stärke.

na vai tāḥ prāṇam̐s tā aprāṇantīr varuṇo 'gṛhṇāt

Sie atmeten nicht; die nicht Atmenden ergriff Varuṇa.

prāṇāpānau vā indrāgnī

Indra und Agni sind nämlich Ein- und Ausatem.

prāṇāpānā evaitan madhyato dhīyete

Ein- und Ausatem werden damit eben in die Mitte gelegt.

śithilā vai tāḥ prajā varuṇo 'gṛhṇāt

Diese Geschöpfe, erschlafft, ergriff Varuṇa.

ojo vīryam indrāgnī

Indra und Agni sind Kraft und Manneskraft (ojas, vīrya).

oja evaitad vīryaṃ madhyato dhīyate

Kraft und Manneskraft werden damit eben in die Mitte gelegt.

niravattyā eva mārutī nirvaruṇatvāya vāruṇī kantvāya kāyas

Die Gabe für die Maruts dient eben der Aussonderung des Anteils [?], die für Varuṇa der Befreiung von Varuṇa, die (für Ka) dem Wohlsein (?) [Anm.: kāya, Gabe für Ka „Wer?“ (Prajāpati); Wortspiel ka/kam, [?]].

yad vā ābhyas tad varuṇagṛhītābhyaḥ kam abhavat tasmāt kāyaḥ

Weil es diesen, von Varuṇa ergriffenen, dann wohl (kam) wurde, darum (heißt sie) die Kāya-Gabe.

prajāpatir vai tāḥ prajā varuṇenāgrāhayat

Prajāpati ließ diese Geschöpfe durch Varuṇa ergreifen.

ātmanaivainā varuṇān muñcati

Durch sich selbst löst er sie eben von Varuṇa.

ṛtaṃ vai satyaṃ yajñas

Das Opfer ist die Ordnung (ṛta), die Wahrheit.

anṛtam eṣā karoti yā patyuḥ krītā saty athānyaiś carati

Unwahrheit begeht die, die vom Gatten erkauft ist und doch mit anderen verkehrt.

anṛtam eva niravadāyartam̐ satyam upaiti

Nachdem sie so die Unwahrheit abgetrennt hat, gelangt sie eben zur Ordnung und Wahrheit [?].

medhyām evaināṃ yajñiyāṃ karoti

dadurch macht er sie eben rein und opferfähig.

na mithu brūyāt

Sie soll nicht wechselseitig (abwechselnd, unwahr) sprechen [?].

yan mithu brūyāt priyatamena yātayet ‖

Würde sie so sprechen, so würde er sie dem Liebsten zur Strafe (Vergeltung) ausliefern [?].