Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 36

Anuvāka 6 Varuṇapraghāsa-Ritual: rohe Körner, Gefäße, Paare beim Opfer, Śamī und Gerste, Sünd-Böcke der Unwahrheit, Zahl der Opferlöffel.

āmapeṣā bhavanti

Es sind Rohgemahlene (ungeröstete Mehlgaben) [?],

sarvasyām̐haso 'veṣṭyai

zur Abtrennung (Sühne) jeder Bedrängnis.

yad bhṛjjyeyur vittvakam am̐ho 'veṣṭam̐ syāt

Würde man sie rösten, so wäre die Bedrängnis erlangt, aber nicht abgesühnt [?].

pātrebhyo vai tāḥ prajā varuṇo 'gṛhṇāt

Wegen der Trinkgefäße (pātra) ergriff Varuṇa diese Geschöpfe [?].

pātrebhya evainā varuṇān muñcati

dadurch löst er sie eben von den Gefäßen her von Varuṇa.

pratipuruṣaṃ bhavanti

Für jeden Mann gibt es (eines).

pratipuruṣam evām̐ho 'vayajate

Für jeden Mann einzeln sühnt er die Bedrängnis ab.

ekam adhi bhavati

Eines kommt darüber hinzu,

garbhebhya eva tenām̐ho 'vayajate

damit sühnt er eben die Bedrängnis für die Leibesfrüchte ab.

annād vai tāḥ prajā varuṇo 'gṛhṇāt

Wegen der Speise ergriff Varuṇa diese Geschöpfe.

śūrpeṇānnaṃ bibhrati

Mit dem Worfelkorb (śūrpa) trägt man die Speise.

tasmāc chūrpeṇa hūyate

Darum wird mit dem Worfelkorb geopfert.

mithunā eva prajā varuṇān muñcataḥ

Als Paare lösen sie die Geschöpfe eben von Varuṇa.

purastāt pratyañcau tiṣṭhantau juhutaḥ

Sie stehen im Osten (vorn), einander zugewandt, und opfern.

purastād evāgre 'm̐ho 'vayajatas

Vorn eben sühnen sie zuerst die Bedrängnis ab.

ya eva dvipādaḥ paśavo mithunās teṣāṃ tena purastād am̐ho 'vayajatas

die zweifüßigen Wesen, die als Paare (leben) – für sie sühnen sie damit vorn die Bedrängnis ab [?].

yan meṣaś ca meṣī ca

Dass es ein Widder und ein Schaf sind:

ya eva catuṣpādaḥ paśavo mithunās teṣāṃ tenopariṣṭād am̐ho 'vayajatas

die vierfüßigen Tiere, die als Paare (leben) – für sie sühnen sie damit hinten [?] die Bedrängnis ab.

ubhayata evām̐ho 'vayajataḥ purastāc copariṣṭāc ca ‖

Nach beiden Seiten sühnen sie die Bedrängnis ab, vorn und hinten.

pātrāṇi hutvāgnim̐ saṃmārṣṭi

Nachdem er die Gefäße geopfert hat, reinigt er das Feuer.

yatrām̐ho 'vāyākṣus tasminn utpūte devatā yajān iti

„Wo sie die Bedrängnis abgesühnt haben, in dem Gereinigten sollen sie den Gottheiten opfern“ – so.

yad vai prajā varuṇo gṛhṇāti śamīṃ ca yavaṃ ca na gṛhṇāti

Wenn Varuṇa die Geschöpfe ergreift, so ergreift er doch Śamī und Gerste nicht.

hemanto hi varuṇas

Denn Varuṇa ist der Winter;

tasmād etau heman na śuṣyatas

darum trocknen diese beiden im Winter nicht aus.

yā evāvaruṇagṛhītau tābhyām enā varuṇān muñcati

Durch diese beiden, die nicht von Varuṇa ergriffen sind, löst er sie von Varuṇa.

varuṇyo vai yavo varuṇadevatyas

Die Gerste gehört zwar zu Varuṇa, hat Varuṇa zur Gottheit [?].

svenaiva bhāgadheyena varuṇaṃ niravadayate

Mit Varuṇas eigenem Anteil (bhāgadheya) gliedert er Varuṇa eben aus.

athaitā anṛtapaśū

Nun diese beiden Tiere der Unwahrheit (anṛta),

anṛtād vai tāḥ prajā varuṇo 'gṛhṇāt

denn wegen der Unwahrheit ergriff Varuṇa diese Geschöpfe;

yad etā anṛtapaśū

dass es diese beiden Tiere der Unwahrheit sind:

anṛtād evainā varuṇān muñcati

von der Unwahrheit her löst er sie eben von Varuṇa.

strīpum̐sau bhavatas

Es sind ein Weibchen und ein Männchen;

mithunā eva prajā varuṇān muñcati

als Paare eben löst er die Geschöpfe von Varuṇa.

yāvanto hi paśavo loma jagṛhus te medhaṃ prāpus

Denn welche Tiere Haar (Wolle) nahmen, die erlangten Opferwürde.

bhūrjo vai nāmaiṣa vṛkṣaḥ

Dieser Baum heißt nämlich Bhūrja [?].

kāryā vā etasya srucaḥ

Aus diesem sind Opferlöffel zu machen.

prajāpatir vā annādyaṃ nāvārunddha

Prajāpati gewann die Speisenahrung nicht,

tac chatedhmenāvārunddha

die gewann er mit hundert Brennhölzern.

paraśśatāni kāryāṇi

Über hundert sind zu machen,

annādyasyāvaruddhyai

zum Gewinn der Speisenahrung.

sahasredhmo ha tvā am̐haso 'veṣṭiṃ vivyāca

Mit tausend Brennhölzern aber umspannte (erfasste) er die Abtrennung der Bedrängnis [?].

parassahasrāṇi kāryāṇi

Über tausend sind zu machen,

am̐haso 'veṣṭyai ‖

zur Abtrennung der Bedrängnis.