Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 36

Anuvāka 1 Erklärung der Vaiśvadeva-Opfergaben (Sauermilch, Marut-Opfer, Ekakapāla-Opfer mit Ghee) als Mittel der Fortpflanzung und Sicherung des Opferherrn.

indrasya vai vṛtraṃ jaghnuṣa indriyaṃ vīryam apākrāmat

Dem Indra, als er den Vṛtra erschlagen hatte, wich die Sinneskraft und Manneskraft (indriya, vīrya) fort;

tad idam̐ sarvam anuprāviśad apa oṣadhīr vanaspatīn

sie ging in dieses All ein, in die Wasser, die Kräuter, die Waldbäume.

tena devā aśrāmyan

Dafür mühten sich die Götter ab (asketische Mühe).

ta idam̐ samanayan

Sie brachten dies zusammen.

yat sānnāyyam

Das ist das Sānnāyya [Anm.: die Mischung aus Sauermilch und heißer Milch beim Neumondsopfer].

mithunaṃ vai dadhi ca payaś ca

Sauermilch und Milch sind nämlich ein Paar.

yat sam̐sṛṣṭaṃ maṇḍam iva mastv iva parīva dadṛśe garbha eva sa

Was vermischt ist, erschien wie Rahm, wie Molke, wie eine Umhüllung – das ist eben der Keim.

tapaso vai prajāḥ prajāyante

Aus der Askese nämlich werden die Geschöpfe gezeugt.

tapastvam etad gacchati yac chṛtatvaṃ gacchati

Diese geht in den Zustand der Askese (Hitze) ein, wenn sie gekocht wird.

tata eva prajāyate

Daraus eben wird gezeugt.

yad vaiśvadevyāmikṣayā prajā asṛjata tasmād imā vaiśvadevīḥ prajās

Weil er mit der Vaiśvadevī-Āmikṣā [Anm.: geronnene Milch] die Geschöpfe schuf, darum sind diese Geschöpfe dem Vaiśvadeva zugehörig,

stokā vai viśve devās

denn die All-Götter sind die (kleinen) Tropfen;

tān evaitad yajati

sie verehrt er damit im Opfer.

amutaḥpradānād dhi prajā upajīvanti ‖

Denn von dort, durch die Spende von jenseits, leben die Geschöpfe.

yonir vā eṣa prajānām

Dies ist der Schoß der Geschöpfe.

taṃ maruto 'bhyakāmayanta

Nach ihm verlangten die Maruts.

te 'm̐hogṛhītā asṛjyanta

Diese wurden, von Bedrängnis ergriffen, entlassen [?].

yat svatavadbhyas

Dass (das Opfer) den Svatavat (den Eigenmächtigen) [gilt],

svatvāyaiva niṣkṛtyai

geschieht eben zur Eigenheit und zur Sühne.

paśavo vai marutaḥ

Die Maruts sind nämlich das Vieh.

prajananāyaiṣa paśūnām

Dies dient der Fortpflanzung des Viehs.

saptakapālo bhavati

Es ist eine Gabe auf sieben Scherben (saptakapāla);

sapta hi marutas

denn sieben sind die Maruts [Anm.: Maruts in sieben Scharen].

niravattyā eva

Nur zur Aussonderung des Anteils [?].

atho grāmyam evaitenānnādyam avarunddhe

Zudem gewinnt er damit die dörfliche Speisenahrung.

tā vaiśvadevena sṛṣṭā viṣūcīr vyudāyan

Diese, durch das Vaiśvadeva geschaffen, zerstoben nach allen Seiten auseinander.

tā dyāvāpṛthivyena paryagṛhṇāt

Er umfasste sie mit der (Gabe) für Himmel und Erde.

prajānām evaiṣa sṛṣṭānāṃ parigṛhītyai

Dies dient eben dem Umfassen der geschaffenen Geschöpfe.

yad ekakapālas

Dass es eine Gabe auf einem einzigen Scherben (ekakapāla) ist,

tena prājāpatyaḥ

dadurch gehört sie dem Prajāpati.

prajāpatim evaitad devatā abhi pratitiṣṭhati

Dadurch fassen die Gottheiten eben bei Prajāpati Fuß.

yajamāno vā ekakapālas

Der Opferherr ist nämlich der Ekakapāla;

āhavanīyas svargo lokas

das Āhavanīya-Feuer ist die Himmelswelt.

sarvahutaṃ juhoti

Er opfert es als Ganzopfer (sarvahuta).

havirbhūtam evainam̐ svargaṃ lokaṃ gamayati

Zur Opfergabe geworden, lässt er ihn eben in die Himmelswelt gelangen.

ātmā vā ekakapālaḥ

Das Selbst ist nämlich der Ekakapāla.

yad ghṛtenābhipūrayati

Dass er (den Ekakapāla) mit Ghee auffüllt,

paśubhir evainam̐ samardhayati

dadurch stattet er ihn eben mit Vieh aus.

yad abhipūrayed abhuñjanta enaṃ paśava upatiṣṭheran

Würde er (ihn) auffüllen, so würden ihn die Tiere, ohne zu genießen, bedienen [?].

adharam̐ hy enaṃ paśubhyaḥ karoti

Denn er machte ihn niedriger als das Vieh.

āviḥpṛṣṭhaḥ kāryas

Er ist mit sichtbarem Rücken (über den Rand ragend) herzurichten.

uttaram evainaṃ paśubhyaḥ karoti

So macht er ihn eben höher als das Vieh.

bhuñjanta enaṃ paśava upatiṣṭhante

Genießend bedienen ihn die Tiere.

tat tan na sūrkṣyam

Darauf ist nicht zu achten [?].

na hi paśavo na bhuñjanti

denn das Vieh genießt doch.

barhiṣadaṃ karoti

Er macht ihn zu einem, der auf dem Barhis sitzt (barhiṣad),

yajamānaṃ vai hūrchantaṃ prajā anuhūrchanti

Den Opferherrn, wenn er strauchelt, dem straucheln die Geschöpfe nach;

yajamānaṃ pratitiṣṭhantam anu pratitiṣṭhanti

den Opferherrn, wenn er Stand gewinnt, dem folgen sie im Standgewinnen.

ṛjuḥ pratiṣṭhito hotavyas

Aufrecht und fest stehend ist zu opfern,

yajamānasya pratiṣṭhityai ‖

zum festen Stand des Opferherrn.