Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 36

Anuvāka 7 Karīra-Früchte und Regen (Mythos von den geflügelten Bergen), Altarflächen, Rollenverteilung Adhvaryu/Pratiprasthātṛ, dreißig Spenden, Abschlussbad.

yatīn vai sālāvṛkeyā ādan

Die Wolfsartigen (sālāvṛkeya) fraßen nämlich die Yati-Asketen.

teṣām etāni śīrṣāṇi yat kharjūrās

Dies sind deren Köpfe, nämlich die Datteln (kharjūra) [?].

somapītha eṣa udīṣati yat karīrāṇi

Was die Karīra-Früchte betrifft: das ist ein Somatrunk, der emporsteigt [?].

yat karīrāṇi bhavanti

Dass es Karīra-Früchte sind,

somapītham evāvarunddhe

damit gewinnt er eben den Somatrunk.

prajāpater vā etaj jyeṣṭhaṃ tokaṃ yat parvatās

Dies ist Prajāpatis ältester Sprössling, nämlich die Berge.

te yatrayatrākāmayanta tat parāpātam āsata

Wohin immer sie wollten, dorthin flogen sie und ließen sich nieder.

atha vā iyaṃ tarhi śithilāsīt

Damals war diese (Erde) locker.

teṣām indraḥ pakṣān acchinat

Ihnen schnitt Indra die Flügel ab.

tair imām adṛm̐hat

Damit machte er diese (Erde) fest.

ye pakṣā āsam̐s te jīmūtā abhavan

Die Flügel, die es gab, wurden zu Regenwolken (jīmūta).

tasmāt te girim upaplavante

Darum schweben sie zum Berg hin;

yonir hy eṣām eṣa

denn dies ist ihr Schoß.

tasmād girau bhūyiṣṭhaṃ varṣati

Darum regnet es am meisten am Berg.

yat prākṣarat tāni karīrāṇi

Was hervorfloss, das sind die Karīra-Früchte.

tad etat prāvṛṣy ujjīmūtāḥ plavante

So schwimmen (ziehen) in der Regenzeit die Wolken empor.

yajante varuṇapraghāsais

Man opfert mit den Varuṇapraghāsas.

vṛṣṭim eva saṃtanoti

Den Regen eben spannt er aus.

tasmāt tarhi bhūyiṣṭhaṃ varṣati

Darum regnet es dann am meisten,

vṛṣṭim̐ hi saṃtanoti

denn er spannt den Regen aus.

na vaiśvadeva uttaravedim upavapanti

Beim Vaiśvadeva streut man keine Uttaravedi auf.

upātra vapanti

Man streut sie „bei den Essern“ [?] auf.

prajātā eva prajāḥ parigṛhṇāti

Die gezeugten Geschöpfe eben umfasst er.

yottarā vedir yā atrīḥ prajās tāsām̐ sā yonis tās tām anuprajāyante

Die obere Altarfläche ist der Schoß derjenigen Geschöpfe, die Fresser sind; diese pflanzen sich ihr nach fort.

yā dakṣiṇā vedir yā ādyāḥ prajās tāsām̐ sā yonis tās tām anuprajāyante

Die südliche Altarfläche ist der Schoß derjenigen Geschöpfe, die gefressen werden; diese pflanzen sich ihr nach fort.

ubhayīr evaitad atrīś cādyāś ca prajāḥ prajanayati

So lässt er beiderlei Geschöpfe zeugen, die Fresser und die Gefressenen.

ayaṃ vāva hasta āsīn nāyam

Nur diese (eine) Hand war da, nicht diese (andere).

yaiṣā dvitīyā vedis tayemaṃ dvitīyam̐ hastam avindan

Durch die zweite Altarfläche fanden sie diese zweite Hand.

tasmād eṣa etasya pariveṣṭā

Darum ist dieser (Pratiprasthātṛ) der Umgeber (Diener) von jenem.

tasmāt kanīyāñ jyāyām̐saṃ pariveveṣṭi

Darum bedient der Jüngere den Älteren.

samau hīmau hastā asaṃbhinne bhavatas

Denn diese beiden Hände sind gleich und nicht vermischt.

am̐haso 'veṣṭyai

Zur Abtrennung der Bedrängnis.

yat saṃbhindyur anaveṣṭam am̐has syāt

Würden sie (die Flächen) sich vermengen, so bliebe die Bedrängnis unabgesühnt.

ekasphyām anu saṃbhindanti

Sie verbinden sie entlang einer einzigen Furche (Spur) [?],

upottarāṃ vapanti

Sie streuen bei der oberen (Fläche) auf,

anabhyārohāya ‖

damit man nicht hinüberkommt (hinaufgelangt) [?].

kṣatraṃ vai varuṇo viṇ marutas

Varuṇa ist die Herrschaft (kṣatra), die Maruts sind das Volk (viś).

pāpavasīyasasya vyāvṛttyai

um das Übel des Besseren [?] abzuwenden.

yad adhvaryuḥ karoti tat pratiprasthātā karoti

Was der Adhvaryu tut, das tut der Pratiprasthātṛ (nach).

tasmād yad rājā karoti tad viṭ karoti

Darum tut das Volk, was der König tut.

na vaiśvadeve trim̐śad āhutayas santi na sākamedheṣu

Weder beim Vaiśvadeva noch bei den Sākamedhas gibt es dreißig Spenden;

varuṇapraghāseṣu vāva trim̐śad āhutayas

nur bei den Varuṇapraghāsas gibt es dreißig Spenden.

vairājaḥ puruṣas

Der Mensch gehört zur Virāj.

daśa hastyā aṅgulayo daśa padyā daśa prāṇās tat trim̐śat

Zehn Finger der Hände, zehn Zehen der Füße, zehn Lebensatem – das sind dreißig.

trim̐śadakṣarā virāḍ

Die Virāj hat dreißig Silben.

vairājaḥ puruṣas

Der Mensch gehört zur Virāj.

yad etarhy avabhṛtham avaiti

Dass er jetzt zum Abschlussbad (avabhṛtha) geht,

ātmānam evām̐ho 'vayajate

damit sühnt er sich selbst eben von der Bedrängnis ab.

yad vai yajñasya svagākṛtiṃ na prāpnoti varuṇas tad gṛhṇāti

Was am Opfer die (rechte) Vollendung nicht erreicht, das ergreift Varuṇa [?].

yan niṣkāṣeṇāvabhṛtham avaiti

Dass er mit dem Reinigungswasser [?] zum Abschlussbad geht,

yad eva varuṇagṛhītaṃ tena varuṇaṃ niravadayate

damit gliedert er, was von Varuṇa ergriffen ist, aus Varuṇa aus.

atho yad evātra varuṇasya nyaktaṃ tasya niravattyai

Und zur Aussonderung dessen, was hier von Varuṇa an Spuren zurückblieb.

anapekṣamāṇā āyānti

Ohne zurückzublicken kommen sie herbei,

varuṇasyānanvavāyāya

damit Varuṇa nicht nachfolgt.

edho 'sy edhiṣīmahīti

„Brennholz bist du; mögen wir gedeihen“ – so.

varuṇam eva niravadāyaidhatum upayanti

Varuṇa ausgesondert, gehen sie zum Gedeihen hin.

samid asi samedhiṣīmahīti

„Scheit bist du; mögen wir zusammen entflammen“ – so.

āśiṣam evāśāste

Den Wunsch eben spricht er aus.

tejo 'si tejo mayi dhehīti

„Glanz (tejas) bist du; lege Glanz in mich“ – so.

teja evātmandhatte ‖

Glanz eben legt er in sein Selbst.