Quellen der Menschheit

Mahānirvāṇa Tantra

Paṭala 1: śrīmahānirvāṇatantre … jīvanistāropāyapraśno nāma prathamollāsaḥ 1. Kapitel: Die Frage nach dem Mittel zur Errettung der Lebewesen

Quelle: Mahānirvāṇa-Tantra, Tantrik Texts Vol. XIII (Hrsg. Agama Anusandhana Samiti, Calcutta 1929, mit dem Kommentar des Hariharānanda Bhāratī), archive.org DLI 2015.326303, OCR; nur der Wurzeltext ist übersetzt, der Kommentar des Hariharānanda nur zur Klärung von OCR-Lesungen herangezogen. Inhalt: Pārvatī trifft Śiva schweigend auf dem Kailāsa an (V. 1–10) und bittet um Auskunft (11–17). Sie schildert das Kṛta-Zeitalter mit vollkommenem Dharma (18–29), den Verfall im Tretā- und Dvāpara-Zeitalter (30–35) und das Kali-Zeitalter mit Sittenverfall, Trunksucht und Vergessen der Veden und alten Tantra-Wege (36–65) und bittet Śiva um ein für Kali passendes Mittel, das den Menschen Gesundheit, Kraft, Erkenntnis und Frömmigkeit gibt (66–71). Die OCR ist mäßig bis schlecht; Halbzeilen fehlen oder sind versprengt (V. 2, 10, 34, 35), unsichere Lesungen sind mit [?] markiert. Zählung: 72 Verse laut Druck; Vers 60 ist in der OCR ausgefallen (Seitenwechsel), alle übrigen Nummern sind vorhanden.

girīndraśikhare ramye nānāratnopaśobhite | nānāvṛkṣalatākīrṇe nānāpakṣirute ||1|| sarvartukusumāmodamodite sumanohare [?] | śaityasaugandhyamāndyāḍhyamarudbhir upavījite ||2|| apsarogaṇasaṅgītakalaśabdaninādite | sthiracchāyadrumacchāyācchādite snigdhamañjule ||3|| mattakokilasandohasaṅghuṣṭavipinântare | sarvadā svagaṇaiḥ sākam ṛturājaniṣevite ||4|| siddhacāraṇagandharvagāṇapatyagaṇair vṛte | tatra maunadharaṃ devaṃ carācarajagadgurum ||5|| sadāśivaṃ sadānandaṃ karuṇāmṛtasāgaram | karpūrakundadhavalaṃ śuddhasattvamayaṃ vibhum ||6||

Auf dem Gipfel des Fürsten der Berge (des Kailāsa), dem lieblichen, von mancherlei Juwelen prächtigen, von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen erfüllten, vom Ruf mancherlei Vögel widerhallenden (1), erfreut vom Duft der Blüten aller Jahreszeiten, überaus reizvoll [?], von Winden umfächelt, die reich an Kühle, Wohlgeruch und Sanftheit sind (2), durchtönt vom lieblichen Klang des Gesangs der Apsaras-Scharen, überdacht vom Schatten unverrückbar schattiger Bäume, glatt-frisch und anmutig (3), dessen Waldinneres vom Jubel der Scharen trunkener Kuckucke widerhallt, den zu allen Zeiten der König der Jahreszeiten (der Frühling) samt den eigenen Scharen aufsucht (4), umgeben von Siddhas, Cāraṇas (himmlischen Sängern), Gandharvas und den Gefolgschaften der Gaṇapati-Verehrer – dort [sah sie] den schweigenden Gott, den Lehrer der beweglichen und unbeweglichen Welt (5), Sadāśiva, den ewig Wonnevollen, den Ozean des Nektars des Erbarmens, weiß wie Kampfer und Jasmin, aus reiner Sattva-Natur bestehend, den Allgegenwärtigen (6),

Das Kapitel beginnt mit einer langen Satzperiode (Verse 1–10): Verse 1–5a sind Ortsbestimmungen (Lokativ), Verse 5b–10a Akkusative zu „vīkṣya“ (V. 10). Vers 2a: in der OCR ausgefallen; nach den wörtlich zitierten Lemmata des Kommentars („sarvartukusumāmodamodite sumanohare“) rekonstruiert [?]. Vers 4d: OCR „mṛtarāja-“ bzw. „mrta-“; gelesen „ṛturāja-“ (Frühling), wie der Kommentar das Wort mit „vasanta“ wiedergibt (nur zur Klärung der OCR-Lesung). Vers 5: „tatra“ nach der OCR-Form „tate“ [?]. Zur Satzstruktur: Objekt „Gott“ wird in V. 5–9 mit Beiwörtern entfaltet, das Verb steht in V. 10.

digambaraṃ dīnanāthaṃ yogīndraṃ yogivallabham | gaṅgāśīkarasaṃsiktajaṭāmaṇḍalamaṇḍitam ||7|| vibhūtibhūṣitaṃ śāntaṃ vyālamālaṃ kapālinam | trilocanaṃ trilokeśaṃ triśūlavaradhāriṇam [?] ||8|| āśutoṣaṃ jñānamayaṃ kaivalyaphaladāyakam | nirvikalpaṃ nirātaṅkaṃ nirviśeṣaṃ nirañjanam ||9|| [sarva …?] nirāmayam | prasannavadanaṃ vīkṣya lokānāṃ hitakāmyayā | vinayāvanatā devī pārvatī śivam abravīt ||10|| śrīpārvaty uvāca | devadeva jagannātha mannātha karuṇānidhe | tvadadhīnāsmi deveśa tavājñākāriṇī sadā ||11|| vinājñayā mayā kiñcid bhāṣituṃ naiva śakyate | kṛpāvalokaḥ mayi cet sneho 'sti yadi māṃ prati | tadā nivedyate kiñcin manasā yad vicāritam ||12||

den Nackten (wörtlich: den, dessen Gewand die Himmelsrichtungen sind), den Herrn der Bedrängten, den Fürsten der Yogins, den Liebling der Yogins, geschmückt mit dem Kranz der Flechten, der von Tropfen der Gaṅgā benetzt ist (7), mit heiliger Asche (vibhūti) geschmückt, friedvoll, mit einer Schlangenkette, Schädelträger (kapālin), dreiäugig, Herrn der drei Welten, Träger von Dreizack und Gnadengeste [?] (8), schnell zu Befriedigenden, aus Erkenntnis Bestehenden, Spender der Frucht des Kaivalya (der Alleinheit, Erlösung), frei von Zweifel und Wahlvorstellung, frei von Furcht, ohne Besonderheit, makellos (9), […] leidlos (10a) – als die Göttin Pārvatī sein heiteres Antlitz sah, sprach sie, aus Wunsch nach dem Wohl der Welten, demütig verneigt, zu Śiva (10). Śrī Pārvatī sprach: Gott der Götter, Herr der Welt, mein Herr, Ozean des Erbarmens! Ich bin dir untertan, Herr der Götter, und stets deine Gehorsame. (11) Ohne deinen Befehl kann ich nichts sagen. Wenn ein gnädiger Blick auf mir ruht, wenn du mir Zuneigung hegst, dann trage ich etwas vor, was ich im Geist erwogen habe. (12)

Vers 8d: OCR „viśūlavara-“ (der Kommentar erklärt „viśūla/triśūla“ und „vara“ als zwei Dinge); gelesen „triśūlavaradhāriṇam“ [?]. Vers 9: die OCR bricht die Zeilen ab („-toṣaṃ“ am Anfang); „āśutoṣam“ nach dem Kommentarlemma. Vers 10: die erste Halbzeile ist in der OCR verloren; erhalten ist nur ein Wort „nirāmayam“ (laut Lemma „sarva…“); die Versnummer 10 steht im Druck nach der zweiten Zeile, sodass vermutlich eine Zeile fehlt. Vers 12: im Druck drei Zeilen (sechs Pādas); die Zählung folgt dem Druck. „kṛpāvalokaḥ“ [?]. Anm.: Vers 11 „tavājñākāriṇī“: OCR „tavā+jñākāriṇī“.

tvadanyaḥ saṃśayasyāsya kas trilokyāṃ maheśvara | chettā bhavitum arho vā sarvajñaḥ sarvaśāstravit ||13|| śrīsadāśiva uvāca | kim ucyate mahāprājñe kathyatāṃ prāṇavallabhe | yad akathyaṃ gaṇe 'pi skande senāpatāv api ||14|| tavāgre kathayiṣyāmi sugopyam api yad bhavet | kim asti triṣu lokeṣu gopanīyaṃ tavāgrataḥ ||15|| mama rūpāsi devi tvaṃ na bhedo 'sti tvayā mama | sarvajñā kiṃ na jānāsi anabhijñeva pṛcchasi ||16|| iti devavacaḥ śrutvā pārvatī hṛṣṭamānasā | vinayāvanatā sādhvī paripapraccha śaṅkaram ||17||

Wer außer dir, Maheśvara, wäre in den drei Welten fähig, diesen Zweifel zu zerschneiden – wer ist allwissend und aller Śāstras kundig? (13) Śrī Sadāśiva sprach: Was soll man da sagen, du Hochweise! Sprich, Geliebte meines Lebens! Selbst was dem Gaṇa (Gaṇeśa), ja dem Skanda, dem Heerführer, nicht gesagt werden darf (14), werde ich dir gegenüber sagen, auch wenn es äußerst geheim sein mag. Was gibt es in den drei Welten, das vor dir zu verbergen wäre? (15) Du bist meine Gestalt (mein Wesen), Göttin; zwischen dir und mir besteht kein Unterschied. Du bist allwissend – weißt du es nicht? Du fragst wie eine Unwissende. (16) Als sie diese Worte des Gottes gehört hatte, fragte die tugendhafte Pārvatī, frohen Gemüts und demütig verneigt, den Śaṅkara. (17)

Vers 13: „trilokyāṃ“ nach OCR; Lesung „arho vā“ unsicher [?] (OCR „arhā vā“). Die Zeilenzählung im Druck: Vers 14 ist als „19“ (Ziffernfehler) gedruckt, Vers 15 als „15“, Vers 16 als „16“; korrigiert nach Zählung. Vers 16c: „mama rūpāsi“ – der Nominativ „rūpā“ (wörtlich: „mir eine Gestalt“ bzw. „mein Abbild“) ist knapp; übersetzt als „meine Gestalt“. Vers 16d: „anabhijñā“ nach dem Zusammenhang.

śrīdevy uvāca | bhagavan sarvabhūteśa sarvadharmavidāṃ vara | kṛpāvatā bhagavatā brahmāntaryāminā purā ||18|| prakāśitāś caturvedāḥ sarvadharmopabṃhitāḥ | varṇāśramādiniyamā yatra caiva pratiṣṭhitāḥ ||19|| taduktayogayajñādyaiḥ karmabhir bhuvi mānavāḥ | devān pitṝn prīṇayantaḥ puṇyaśīlāḥ kṛte yuge ||20|| svādhyāyadhyānatapasā dayādānair jitendriyāḥ | mahābalā mahāvīryā mahāsattvaparākramāḥ ||21|| devāyatanagā martyā devakalpā dṛḍhavratāḥ | satyadharmaparāḥ sarve sādhavaḥ satyavādinaḥ ||22|| rājānaḥ satyasaṅkalpāḥ prajāpālanatatparāḥ | mātṛvat paradāreṣu putravat parasūnuṣu ||23|| loṣṭavat paravitteṣu paśyanto mānavās tadā | āsan svadharmanirataḥ [?] sadā sanmārgavartinaḥ ||24||

Die Göttin sprach: Erhabener, Herr aller Wesen, Bester unter den Kennern aller Rechtsordnungen (dharma)! Von dir, dem erbarmungsvollen Erhabenen, dem [als] Brahman im Innern Lenkenden, sind vorzeiten (18) die vier Veden offenbart worden, ausgestattet mit allen Rechtsordnungen, in denen auch die Regeln der Stände und Lebensstufen (varṇa, āśrama) usw. gegründet sind. (19) Durch die darin gelehrten Yoga-Übungen, Opfer usw., durch [solche] Werke erfreuten die Menschen auf Erden, von verdienstvollem Wesen, im Kṛta-Zeitalter Götter und Ahnen (20), Sie hatten die Sinne bezwungen durch Selbststudium, Meditation, Askese, Mitleid und Gaben, waren von großer Kraft, großer Stärke, großer Tapferkeit und Tatkraft. (21) Die Sterblichen gingen zu den Tempeln der Götter, waren den Göttern gleich, fest in ihren Gelübden, der Wahrheit und dem Dharma ergeben, alle rechtschaffen und wahrhaftig. (22) Die Könige waren wahren Vorsatzes und eifrig im Schützen der Untertanen. Die Menschen sahen damals die Frauen anderer wie eine Mutter, die Söhne anderer wie Söhne, (23) fremdes Vermögen wie einen Erdklumpen an; sie waren stets in ihrem eigenen Dharma verankert und wandelten auf dem guten Weg. (24)

Vers 18: „brahmāntaryāminā“ ist mehrdeutig (Brahman als innerer Lenker, oder „der als Lenker im Brahman [wohnende]“); übersetzt nach der wörtlichsten Lesung. Vers 20: „taduktayogayajñādyaiḥ“: „tad“ bezieht sich auf die Veden (V. 19); der Satz wird in V. 21–26 fortgesetzt („āsan“ V. 24). Die Verben stehen erst in V. 24. Die Versnummern 18–26 sind im Druck als 58, 19, 20 usw. mit Ziffernfehlern gedruckt (OCR); nach Zählung korrigiert. Vers 24c: „svadharmanirataḥ“ – OCR-Form unsicher; grammatisch wäre Plural „-niratāḥ“ zu erwarten [?].

na mithyābhāṣiṇaḥ kecin na pramādaratāḥ kvacit | na caurā na paradrohakārakā na durāśayāḥ ||25|| na matsarā nātiruṣṭā nātilubdhā [?] na kāmukāḥ | sadantaḥkaraṇāḥ sarve sadānandamānasāḥ ||26|| bhūmayaḥ sarvasasyāḍhyāḥ parjanyāḥ kālavarṣiṇaḥ | gāvo 'pi dugdhasampannāḥ pādapāḥ phalaśālinaḥ ||27|| nākālamṛtyus tatrāsīn na durbhikṣaṃ na vā rujaḥ | hṛṣṭāḥ puṣṭāḥ sadārogyās tejorūpaguṇānvitāḥ | striyo na vyabhicāriṇyaḥ patibhaktiparāyaṇāḥ ||28|| brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāḥ svācāravartinaḥ | svaiḥ svair dharmair yajantas taṃ nistārapadavīṃ gatāḥ ||29||

Keiner redete Unwahres, niemand war irgendwo der Nachlässigkeit ergeben; keine Diebe, keine Schädiger anderer, keine Böswilligen (25); keine Neidischen, keine sehr Zornigen, keine sehr Gierigen [?], keine Lüstlinge; alle hatten ein gutes Inneres (antaḥkaraṇa) und ein stets wonnevolles Gemüt. (26) Die Länder waren reich an allem Getreide, die Regenwolken regneten zur rechten Zeit, die Kühe waren reich an Milch, die Bäume voll Früchte. (27) Dort gab es keinen vorzeitigen Tod, keine Hungersnot und keine Krankheiten; die Menschen waren heiter, wohlgenährt, stets gesund, ausgestattet mit Glanz, Schönheit und guten Eigenschaften; die Frauen waren nicht ehebrecherisch, sondern ganz der Verehrung ihres Gatten ergeben. (28) Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras lebten nach ihrem [jeweiligen] Brauch, verehrten ihn (den Höchsten) mit ihren jeweiligen Pflichten und gelangten auf den Weg der Erlösung (nistāra). (29)

Vers 26b: „nātilubdhā“ – OCR „nātidabdhā“, gelesen als „lubdha“ (gierig) [?]. Vers 27: die Versnummer fehlt im Druck (OCR-Verlust); Zählung ergänzt. Vers 28: im Druck drei Zeilen (sechs Pādas: „nākāla-… | hṛṣṭāḥ… | striyo…“) unter der Nummer 28; vermutlich ist eine Halbzeile verloren oder die Zeilen gehören mit V. 27 zusammen; die Zählung folgt der gedruckten Nummer 28 (danach lückenlos 29, 30 …). Vers 28a: „nākālamṛtyus“ aus verstümmelter OCR-Form rekonstruiert. Vers 28d: „tejorūpaguṇānvitāḥ“ aus OCR „tajorūpa-“. Vers 29d: „yajantas taṃ“: Objekt „ihn“ (den Höchsten/Brahman) nach dem Text; OCR eindeutig „-stam“.

kṛte vyatīte tretāyāṃ dṛṣṭvā dharmavyatikramam | vedoktakarmabhir martyā na śaktāḥ svepsitasādhane ||30|| bahukleśakaraṃ karma vaidikaṃ bhūrisādhanam | kartuṃ na yogyā manujāś cintāvyākulamānasāḥ ||31|| tyaktuṃ kartuṃ ca nārhanti sadā kātaracetasaḥ | vedārthayuktaśāstrāṇi smṛtirūpāṇi bhūtale ||32|| tadā tvaṃ prakaṭīkṛtya tapaḥsvādhyāyadurbalān | lokān atārayaḥ pāpād duḥkhaśokāmayapradāt ||33|| [tvāṃ vinā ?] ko 'sti jīvānāṃ ghorasaṃsārasāgare | […] bhartā [?] pitṛvat priyavat prabhuḥ ||34|| [tataḥ …] smṛtyuktasukṛtojjhite [?] | dharmārdhalope manuje ādhivyādhisamākule | saṃhitādipadeśena tvayaivoddhāritā narāḥ ||35|| āyāte pāpini kalau sarvadharmavilopini | durācāre duṣprapañce duṣṭakarmapravartake ||36||

Als das Kṛta-Zeitalter vergangen war und das Tretā-Zeitalter kam, sahst du die Übertretung des Dharma; die Sterblichen waren nicht imstande, durch die im Veda gelehrten Werke ihr Ziel zu erreichen. (30) Das vedische Werk verursacht viel Mühsal und erfordert viele Mittel; die Menschen, im Gemüt von Sorgen bedrängt, waren nicht fähig, es zu vollziehen, (31) und sie vermochten es – stets verzagten Herzens – weder aufzugeben noch auszuführen. Da hast du auf der Erde Śāstras (Lehrwerke), die den Sinn des Veda enthalten, in Gestalt von Smṛti (überlieferten Gesetzbüchern) offenbart (32) und so die Menschen, die durch Askese und Selbststudium geschwächt waren, aus der Sünde errettet, die Leid, Kummer und Krankheit bringt. (33) [Wer außer dir gibt es] für die Lebewesen im schrecklichen Ozean des Saṃsāra […], den Erhalter [?], wie ein Vater, wie ein Geliebter, den Herrn? (34) Dann [im Dvāpara-Zeitalter?], wo das von der Smṛti gelehrte Verdienst aufgegeben ist [?], da die Hälfte des Dharma verloren ist, als die Menschen von Gemütsleiden und Krankheiten bedrängt waren, wurden die Menschen von dir selbst durch die Lehren der Saṃhitās usw. errettet. (35) Nun aber ist das Kali-Zeitalter gekommen, sündhaft, alle Rechtsordnungen zerstörend, von schlechtem Wandel, schlimmem Treiben und Antrieb zu bösen Taten. (36)

Verse 30–33: die Verszahlen sind im Druck als 20, 35, 32, 33 (Ziffernfehler) gedruckt; nach Zählung korrigiert. Vers 30cd: OCR verstümmelt; „svepsitasādhane“ wörtlich nach dem Kommentarlemma (nur zur Klärung der OCR-Lesung) rekonstruiert [?]. Vers 31a: „bahukleśakaraṃ“ (OCR „bahuddiśakaraṃ“) nach dem Lemma des Kommentars gelesen. Vers 32–33: „smṛtirūpāṇi“ nach OCR; „tapaḥsvādhyāyadurbalān“: „durbala“ = an Askese und Vedastudium schwach (übersetzt frei als „geschwächt durch/hinsichtlich Askese und Selbststudium“ [?]). Vers 34: im Druck sind die Halbzeilen versprengt („ko ’sti jīvānāṃ ghorasaṃsārasāgare“ und „… pitṛvat priyavat prabhuḥ“) und der Satzanfang fehlt; „tvāṃ vinā“ ist aus einer Kommentarbemerkung ergänzt (nur syntaktisch), „bhartā“ aus OCR „mattā“ rekonstruiert [?]. Vers 35: im Druck drei Zeilen; die erste ist verstümmelt („smṛtyuktasukṛtojjhite“, „dharmārdhalope“), die zeitliche Einordnung „dvāpara“ folgt nur einer Kommentarbemerkung und ist unsicher [?]. Die Übersetzung der Verse 34–35 bleibt daher tentativ.

na vedāḥ prabhavas tatra smṛtīnāṃ smaraṇaṃ kutaḥ | nānetihāsayuktānāṃ nānāmārgapradarśinām ||37|| bahūnāṃ ca purāṇānāṃ vināśo bhavitā vibho | tadā lokā bhaviṣyanti dharmakarmabahiṣkṛtāḥ ||38|| ucchṛṅkhalā madonmattāḥ pāpakarmaratāḥ sadā | kāmukā lolupāḥ krūrā niṣṭhurā durmukhāḥ śaṭhāḥ ||39|| svalpāyuṣo mandamatayo rogaśokasamākulāḥ | niḥśrīkā nirbalā [?] nīcā nīcācāraparāyaṇāḥ ||40|| nīcasaṃsargaratāḥ paravittāpahārakāḥ | paranindāparadrohaparivādaparāḥ khalāḥ ||41|| paradāraharaṇe pāpaśaṅkābhayavivarjitāḥ | nirdhanā malināḥ dīnā daridrā vyādhirogiṇaḥ [?] ||42|| viprāḥ śūdrasamācārāḥ sandhyāvandanavarjitāḥ | ayājyayājakā lubdhā durvṛttāḥ pāpakāriṇaḥ ||43||

Da haben die Veden keine Macht [mehr]; wie [dann] das Erinnern der Smṛtis, der mit vielen Itihāsas verbundenen, mannigfache Wege weisenden? (37) Und der vielen Purāṇas wird Untergang eintreten, Herr. Dann werden die Menschen aus Dharma und [rechtem] Handeln ausgestoßen sein (38), zügellos, von Trunkenheit toll, stets bösen Taten ergeben, lüstern, gierig, grausam, hart, schlechten Mundes, verschlagen (39), kurzlebig, schwachsinnig, von Krankheit und Kummer heimgesucht, glanzlos, kraftlos [?], niedrig, dem Niedrigen im Handeln ergeben (40), im Umgang mit Niedrigen gefallend, fremdes Gut raubend, dem Tadeln, der Feindschaft und der Verleumdung anderer zugetan, Bösewichte (41), beim Rauben der Frau eines anderen frei von Furcht vor Sünde, arm, schmutzig, elend, bedürftig und krank [?] (42). Die Brahmanen verhalten sich wie Śūdras, unterlassen die Morgen- und Abendandacht (sandhyā), opfern für Unwürdige, sind gierig, von schlechtem Wandel, Übeltäter (43),

Vers 37: die Lesung „nānetihāsayuktānāṃ“ folgt der OCR; „smṛtīnāṃ smaraṇaṃ kutaḥ“ (OCR „smaraṇaṃ kutaḥ“) sinngemäß. Vers 38: „bahūnāṃ ca“ nach OCR „bahukhānāṃ“ [?]. Vers 39: „lolupāḥ“ (OCR „rolupāḥ“, Kommentar „rolupāḥ“ als „atilubdhāḥ“) und „durmukhāḥ“, „śaṭhāḥ“ nach OCR. Vers 40b: „nirbalā“ (OCR „nicalā“) [?]; die Lesung „niścalāḥ“ würde nicht passen. Vers 42b: Lesung „vyādhirogiṇaḥ“ aus verstümmelter OCR rekonstruiert (die Halbzeile hat sonst zu wenig Silben) [?]. Die Konstruktion setzt sich bis V. 46 fort („bhaviṣyanti“ aus V. 38).

asatyabhāṣiṇo mūrkhā dāmbhikā duṣprapañcakāḥ | ṛṇiṇo [?] vrātyās tapovrataparāṅmukhāḥ ||44|| lokapratāraṇārthāya japapūjāparāyaṇāḥ | pāṣaṇḍāḥ paṇḍitammanyāḥ śraddhābhaktivivarjitāḥ ||45|| kadāhārāḥ kadācārā bhṛtakāḥ śūdrasevakāḥ | śūdrānnabhojinaḥ krūrā vṛṣalīratikāmukāḥ ||46|| dāsyanti dhanalobhena svadārān nīcajātiṣu | brāhmaṇyacihnam etāvat kevalaṃ sūtradhāraṇam ||47|| naiva pānādiniyamo bhakṣyābhakṣyavivecanam | dharmaśāstre sadā nindā sādhudrohī nirantaram ||48|| satkathālāpamātraṃ ca na teṣāṃ manasi kvacit | tvayā kṛtāni tantrāṇi jīvoddhāraṇahetave ||49||

unwahrhaftig, töricht, heuchlerisch, Ränkeschmiede, [verschuldet? ], Vrātyas (Ausgestoßene, nicht Eingeweihte), abgewandt von Askese und Gelübde (44), nur zur Täuschung der Leute dem Murmeln (japa) und der Verehrung ergeben, Ketzer (pāṣaṇḍa), sich für Gelehrte haltend, ohne Glauben und Hingabe (45), von schlechter Nahrung und schlechtem Wandel, Lohnabhängige, Diener von Śūdras, Esser von Śūdra-Speise, grausam, lüstern nach Liebe mit Śūdra-Frauen (46). Sie werden aus Geldgier ihre eigenen Frauen an Angehörige niedriger Kasten geben; als Kennzeichen des Brahmanentums bleibt nur das Tragen der Schnur (47). Weder gibt es Regeln für das Trinken usw., noch Unterscheidung zwischen Essbarem und Nicht-Essbarem; auf das Dharmaśāstra schmähen sie stets, sie sind unablässig Feinde der Rechtschaffenen (48), und nicht einmal ein Gespräch über Gutes ist irgendwann in ihrem Sinn. [Deshalb] hast du die Tantras geschaffen, zur Errettung der Lebewesen. (49)

Vers 44b: die OCR-Lesung „ṛṇiṇo“ (Schuldner) ist unsicher [?] und das Metrum der Zeile fehlerhaft; der Kommentar erläutert „vrātyāḥ“ als nicht mit den Weihen versehene (nur zur Klärung der OCR-Lesung). Vers 46: „vṛṣalī“ = Śūdra-Frau, wörtlich. Vers 47: „sūtradhāraṇam“ = Tragen der heiligen Schnur. Vers 49: „satkathālāpamātraṃ ca“ nach dem Kommentarlemma; „tvayā kṛtāni“ nach OCR „tyā kṛtāni“ [?].

nigamāgamajātāni bhuktimuktikarāṇi ca | devīnāṃ yatra devānāṃ mantrayantrādisādhanam | kathitā bahavo nyāsāḥ sṛṣṭisthitilayādilakṣaṇāḥ ||50|| baddhapadmāsanādīni kathitāny api bhūriśaḥ | paśuvīradivyabhāvā devatā mantrasiddhidāḥ ||51|| śavāsanaṃ citārohaḥ muṇḍasādhanam eva ca | śavasādhanakarmāṇi proktāni sahasraśaḥ ||52|| paśubhāvadivyabhāvau svayam eva nivāritau | kalau na paśubhāvo 'sti divyabhāvaḥ kuto bhavet ||53|| patraṃ puṣpaṃ phalaṃ toyaṃ svayam evāharet paśuḥ | na śūdradarśanaṃ kuryān manasā na striyaṃ [?] smaret ||54|| divyaś ca devatāprāyaḥ śuddhāntaḥkaraṇaḥ sadā | dvandvātīto vītarāgaḥ sarvabhūtasamaḥ kṣamī ||55||

Aus Nigama und Āgama Entstandenes, das Genuss und Erlösung bewirkt; [dort], wo für Göttinnen und Götter die Verwirklichung durch Mantra, Yantra usw. [dargelegt ist], sind viele Nyāsas (rituelle Zuweisungen von Mantras an Körperteile) gelehrt, gekennzeichnet durch Schöpfung, Erhaltung, Auflösung usw. (50) Auch der gebundene Lotossitz usw. ist vielfach gelehrt; die Stufen Paśu-, Vīra- und Divya-bhāva (Tierhaft-, Heldenhaft- und Göttlich-Gesinnung) und die mantrasiddhi-spendenden Gottheiten (51); [ferner] der Leichensitz (śavāsana), das Besteigen des Scheiterhaufens und die Schädel-Praxis (muṇḍasādhana) – Leichen-Übungen sind tausendfach gelehrt. (52) Paśubhāva und Divyabhāva sind von selbst [?] ausgeschlossen: Im Kali-Zeitalter gibt es keinen Paśubhāva – woher sollte dann Divyabhāva kommen? (53) Blatt, Blüte, Frucht und Wasser soll der Paśu (der auf der ersten Stufe Stehende) selbst herbeiholen; er soll keinen Śūdra ansehen und in Gedanken nicht [an eine Frau] denken [?]. (54) Der Divya dagegen ist fast ein Gott, stets reinen Inneren, jenseits der Gegensatzpaare, frei von Leidenschaft, allen Wesen gleich gesinnt, nachsichtig. (55)

Vers 50: im Druck drei Zeilen (sechs Pādas) unter einer Nummer; die Zeilen sind in der OCR versetzt, Reihenfolge nach Sinn geordnet [?]; „nigamāgama-“ nach dem Kommentarlemma. Vers 51: „baddhapadmāsanādīni“ (OCR verstümmelt) [?]; „paśuvīradivyabhāvā“ nach OCR. Vers 52: „śavasādhanakarmāṇi“ aus OCR „satāsādhana-“. Vers 53a: „svayam eva nivāritau“ nach OCR; der Sinn („von selbst ausgeschlossen“ oder „von dir selbst untersagt“) bleibt unsicher [?]. Vers 54d: „striyaṃ“ aus verstümmeltem OCR „syam“ rekonstruiert [?]. „bhāva“: Gesinnungsstufe im Tantra (paśu-, vīra-, divya-bhāva). Vers 55 im Kommentar wörtlich bestätigt.

kalmaṣayuktānāṃ sarvadā 'sthiracetasām | nidrālasyaprasaktānāṃ bhāvabuddhiḥ kathaṃ bhavet ||56|| vīrasādhanakarmāṇi pañcatattvoditāni ca | madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ mudrāmaithunam eva ca | etāni pañcatattvāni tvayā proktāni śaṅkara ||57|| kalijā mānavā dhūrtāḥ [?] śiśnodaraparāyaṇāḥ | lobhāt tatra patiṣyanti na kariṣyanti sādhanam ||58|| indriyāṇāṃ sukhārthāya pītvā bahulaṃ madhu | bhaviṣyanti madonmattā hitāhitavivarjitāḥ ||59||

Bei [Menschen], die von Schuld erfüllt, stets unbeständigen Gemüts und in Schlaf und Trägheit verstrickt sind – wie sollte da die Einsicht in die [rechte] Gesinnung (bhāva) entstehen? (56) Die Übungen des Helden (vīra-sādhana) und was in den „fünf Tattvas“ gelehrt ist: Wein, Fleisch, ebenso Fisch, geröstetes Getreide (mudrā) und die geschlechtliche Vereinigung (maithuna) – diese fünf Tattvas (Grundstoffe) hast du gelehrt, Śaṅkara. (57) Die im Kali-Zeitalter Geborenen sind Schurken [?], auf Genital und Bauch bedacht; aus Gier werden sie darauf verfallen und die Praxis (sādhana) nicht vollziehen. (58) Um der Sinne Lust werden sie reichlich Rauschtrank (madhu) trinken und von Trunkenheit toll werden, ohne Unterscheidung von Nützlichem und Schädlichem. (59)

Vers 56a: „kalmaṣayuktānāṃ“ aus OCR „karmaṣayutt-“ rekonstruiert; der Kommentar bestätigt den Sinn (nur zur Klärung). Vers 57: im Druck drei Zeilen (sechs Pādas); die Übersetzung folgt dem Druck. „mudrā“ als eines der fünf Tattvas: wörtlich „Mudrā“ (in der Tantra-Tradition geröstetes Getreide o. ä.; der Vers selbst erklärt es nicht). Die Pañcatattva-Stoffe werden hier wörtlich genannt. Vers 58: „dhūrtāḥ“ aus OCR „dantāḥ“ [?]. „lobhāt tatra“: OCR „romāt tava“ – gelesen nach dem Kommentarlemma „tatra“. Vers 59: „madhu“ hier als berauschender Trank (Met/Wein).

[verse 60 lost] atipānādidoṣeṇa rogiṇo bahavaḥ kṣitau | śaktihīnā buddhihīnā bhrāntā [?] ca vikalendriyāḥ ||61|| hrade garte prāntare ca prāsādāt parvatād api | patiṣyanti mariṣyanti manujā madavihvalāḥ ||62|| kecid vivādayiṣyanti gurubhiḥ svajanair api | kecin maunā mṛtaprāyā apare bahujalpakāḥ ||63|| akāryakāriṇaḥ krūrā dharmamārgavilopakāḥ | hitāya yāni karmāṇi kathitāni tvayā prabho ||64|| manye [?] tāni mahādeva viparītāni mānave | ke vā yogaṃ kariṣyanti nyāsajātāni ke 'pi vā ||65|| stotrapāṭhaṃ yantralipiṃ puraścaryāṃ jagatpate | yugadharmaprabhāveṇa svabhāvena kalau narāḥ | bhaviṣyanty atidurvṛttāḥ sarvathā pāpakāriṇaḥ ||66||

[Vers 60 fehlt in der Vorlage.] Durch Fehler wie übermäßiges Trinken werden viele auf Erden krank, kraftlos, verstandeslos, verwirrt [?] und mit gestörten Sinnen. (61) Trunken und verwirrt werden die Menschen in Teiche, in Gruben, in die Wildnis, von Palästen und von Bergen stürzen und sterben. (62) Manche werden mit Lehrern und Angehörigen streiten, manche sind stumm und halb tot, andere schwatzen viel; (63) sie tun Unerlaubtes, sind grausam und zerstören den Pfad des Dharma. Die Werke, die du, Herr, zum Heil gelehrt hast, (64) sind, so meine ich, Mahādeva, für den Menschen [dieser Zeit] verkehrt [?]. Wer wird Yoga üben, oder wer die Gruppen der Nyāsas? (65) Wer Lobpreis-Rezitation, Yantra-Schreiben und Puraścaraṇa (vorbereitende Wiederholungsriten), Herr der Welt? Durch die Macht des Zeitalter-Dharma und ihre eigene Natur werden die Menschen im Kali-Zeitalter äußerst schlecht handeln, in jeder Hinsicht Übeltäter. (66)

Vers 60: Zwischen V. 59 und dem gedruckten V. 61 (Seitenwechsel) ist in der OCR eine Lücke; der gedruckte Wurzeltext ist an dieser Stelle nicht erhalten, es fehlt vermutlich ein Vers (Nr. 60), wodurch die Zählung des Drucks (61 usw.) beibehalten wird. Vers 61: „śaktihīnā“ (OCR verstümmelt), „bhrāntā“ (OCR „bhṛtā“) [?]. Vers 62: im Druck „62“; Vers 63: im Druck „62“ (Ziffernfehler), nach Zählung 63. Vers 65a: „manye“ [?]; „mānave“ = für den Menschen (oder im Menschen). Vers 66: im Druck drei Zeilen (sechs Pādas); die Zeile „stotrapāṭhaṃ … jagatpate“ hat keine erkennbare Partnerzeile. Die Objekte der Fragen sind „stotrapāṭhaṃ … puraścaryām“ (wer wird sie üben?) [?].

teṣām upāyaṃ dīnānāṃ [?] kṛpayā kathaya prabho | āyurārogyavarcasyaṃ balavīryavivardhanam ||67|| vidyābuddhipradaṃ nṛṇām aprayatnaśubhaṅkaram | yena lokā bhaviṣyanti mahābalaparākramāḥ ||68|| śāntacittāḥ parahitā mātāpitroḥ priyaṅkarāḥ | svadāraniṣṭhāḥ puruṣāḥ parastrīṣu parāṅmukhāḥ ||69|| devatāgurubhaktāś ca putrasvajanapoṣakāḥ ||70|| brahmajñā brahmavidyāś ca brahmacintanamānasāḥ | siddhyartham lokayātrāyāḥ kathayasva hitāya yat ||71|| kartavyaṃ yad akartavyaṃ varṇāśramavibhedataḥ | vinā tvāṃ sarvalokānāṃ kas trātā bhuvanatraye ||72|| iti śrīmahānirvāṇatantre sarvatantrottamottame sarvadharmanirṇayasāre śrīmadādyāsadāśivasaṃvāde jīvanistāropāyapraśno nāma prathamollāsaḥ

Sage ihnen, den Elenden, aus Erbarmen das Mittel, Herr – [das Mittel], das Lebensdauer, Gesundheit, Glanz, Kraft und Mannhaftigkeit mehrt (67), den Menschen Wissen und Verstand verleiht und ohne Mühe Heil bringt, wodurch die Menschen von großer Kraft und Tapferkeit werden (68), gelassenen Gemüts, auf das Wohl anderer bedacht, den Eltern Freude bereitend, ihren eigenen Frauen treu ergeben, den Frauen anderer abgewandt (69), den Göttern und dem Guru ergeben, Söhne und Angehörige ernährend (70), Kenner des Brahman, in der Brahma-Erkenntnis bewandert, im Geist auf das Brahman sinnend – [nämlich] was zum Gelingen und zum Wohl des weltlichen Lebens dient (71), was zu tun und was nicht zu tun ist, nach der Unterscheidung von Ständen und Lebensstufen – sage es. Wer außer dir ist der Retter aller Welten in den drei Welten? (72) So [endet] im ehrwürdigen Mahānirvāṇa-Tantra, dem Höchsten der Höchsten unter allen Tantras, dem Wesenskern der Entscheidung über alle Rechtsordnungen, im Zwiegespräch der ehrwürdigen Ādyā und Sadāśiva, das erste Kapitel (Ullāsa), genannt „Die Frage nach dem Mittel zur Errettung der Lebewesen“.

Vers 67a: OCR „dīne“, gelesen „dīnānāṃ“ [?]. „varcasya“ (OCR „vacasya“): Glanz, Lebenskraft. Vers 70: nur eine Zeile im Druck (Halbvers), wohl Zeilenverlust. Die Zählung 67–72 stimmt mit dem Druck überein (Kolophon nach Nr. 72). Kolophon: OCR „jīvaniṣtāropāyamaśno“; gelesen „jīvanistāropāyapraśno“ (Titel laut Auftrag); „nāma prathamollāsaḥ“ deutlich.

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