Paṭala 2: jīvanistāropāyapraśno nāma dvitīyollāsaḥ (Mahānirvāṇatantra, śrīmadādyāsadāśivasaṃvāde)
2-tes Kapitel: Die Frage nach dem Mittel zur Rettung der Lebewesen
Quelle: Mahānirvāṇa-Tantra, Tantrik Texts Vol. XIII (Hrsg. Agama Anusandhana Samiti, Calcutta 1929; mit dem Kommentar des Hariharānanda Bhāratī), archive.org, OCR; nur der Wurzeltext (Verse 1–54) wurde übersetzt, der Kommentar nicht; er wurde nur an einzelnen Stellen zur OCR-Klärung wörtlich zitierter Wörter herangezogen (vermerkt in notes). Inhalt: Sadāśiva lobt Devīs Frage und erklärt, dass die vedischen Riten und Mantras im Kali-Zeitalter kraftlos seien und allein der Weg der Āgamas/Tantras Rettung biete (Verse 1–21); er erläutert, warum die Tantras vielfältig sind und ihre Vorschriften auf die Berechtigten zugeschnitten (22–28). Dann preist er dieses Tantra als Wesenskern (29–33) und beschreibt das eine höchste Brahman: seinsgleich, ohne Zweiten, sat-cit-ānanda, Ursprung der Welt, Lenker von Schöpfer, Erhalter, Zerstörer und der Weltenhüter (34–47). Schließlich: die Verehrung des Einen genügt allen Göttern (48–51), und sie erfordert keine Mühsal, keine strengen Regeln (52–54). OCR-Qualität mittelmäßig bis schlecht; besonders Verse 11, 34, 49 und 54 unsicher ([?]).
Als Śaṅkara, der Heilbringer der Welt, diese Worte der Devī gehört hatte, sprach er zu ihr – er, der Ozean großen Erbarmens – der Sache gemäß [?].
Śrī Sadāśiva sprach:
Gut gefragt, du Hochbeglückte, die du der Welt Gutes tust! Eine so heilsame Frage ist vordem von niemandem gestellt worden. Gesegnet bist du, „der guten Taten kundig“ [?], den im Kali-Zeitalter Geborenen wohlgesinnt. Was immer du, Gütige, gesagt hast, ist wahr, wahr – der Wirklichkeit gemäß. Allwissend bist du, im Besonderen kundig, des Dharma kundig, höchste Herrin; das Vergangene, das Gegenwärtige und das Künftige – [es ist] dharmagemäß von dir [erfragt/erfasst] [?], Liebe.
Der Wahrheit gemäß, dem Recht gemäß, dem Angemessenen gemäß – kein Zweifel [sei daran] – [ist zu sagen:] Für die Zweimalgeborenen (dvija) und andere, Herrin der Götter, die durch den Schmutz des Kali erbärmlich sind und deren Erwägungen um Rein und Unrein kreisen, gibt es keine Läuterung durch vedische (śrauta) Riten; auch durch die Saṃhitās und Smṛtis und dergleichen würde für die Zweimalgeborenen keine Vollendung eintreten [?]. Wahr, wahr, abermals wahr, wahr, wahr wird von mir gesagt: Ohne den Weg der Āgamas (der Tantras) gibt es im Kali-Zeitalter keinen Ausweg, Liebe.
Vers 1: OCR liest 'tena' (Sinn-/Metrumlücke); 'tattvena' ist Vermutung. Der OCR-Anfang 'ti devyā' ist 'iti devyā'. Die Sprecherzeile steht im OCR nach Vers 1. Vers 3: 'sukṛtajñā' unsicher (OCR-Rest; evtl. 'kṛtajñā' = dankbar). Vers 4: OCR-Text verderbt; 'bhavat' (Gegenwärtiges) ist durch ein wörtliches Zitat in der Kommentarpartie zur OCR-Klärung gestützt; Syntax von 'dharmayuktaṃ tvayā' bleibt unsicher. Vers 5: 'yathātattvam …' hat kein eigenes Verb; die Zeilen sind adverbial mit dem Folgenden verbunden. Vers 6: 'medhyāmedhyavicārāṇām' kann auch als 'die Rein und Unrein nicht unterscheiden' gedeutet werden. Pāda d von Vers 6 nach OCR-Resten (…siddhir dvijānāṃ…) rekonstruiert, Silbenzahl kurz.
śrutismṛtipurāṇādau mayaivoktaṃ purā śive | āgamoktavidhānena kalau devān yajet sudhīḥ ||8||
kalāv āgamam ullaṅghya yo 'nyamārge pravartate | na tasya gatir astīti satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ ||9||
sarvair vedaiḥ purāṇaiś ca smṛtibhiḥ saṃhitādibhiḥ | pratipādyo 'smi nānyo 'sti prabhur jagati māṃ vinā ||10||
āmananti na ye matpadaṃ lokapāvanam [?] | sanmārga[…]kāḥ [?] pāṣaṇḍā brahmaghātinaḥ ||11||
ato manmatam utsṛjya yad yat karma samācaret | niṣphalaṃ tat tu deveśi kartāpi nārakī bhavet ||12||
mūḍho manmatam [?] utsṛjya yo 'nyanmatam upāśrayet | brahmahā pitṛhā strīghnaḥ sa syān nātra saṃśayaḥ [?] ||13||
kalau tantroditā mantrāḥ siddhās tūrṇaphalapradāḥ [?] | śastāḥ karmasu sarveṣu japayajñakriyādiṣu ||14||
In Śruti, Smṛti, Purāṇa und dergleichen ist es vordem von mir selbst gesagt worden, Śivā: Der Verständige soll im Kali-Zeitalter die Götter nach der in den Āgamas gelehrten Vorschrift verehren.
Wer im Kali-Zeitalter den Āgama übergeht und einen anderen Weg einschlägt, für den gibt es keinen Ausweg – wahr, wahr, daran ist kein Zweifel. Durch alle Veden, Purāṇas, Smṛtis, Saṃhitās und so fort werde ich [als der] dargelegt [, der ich bin]; einen anderen Herrn in der Welt gibt es außer mir nicht.
Die, die meine welt-läuternde Stätte (oder: mein Wort) nicht [an]erkennen [āmananti: eigentlich „erwähnen, überliefern, nennen“] [?], [die den guten Weg] [schmähen?] [?], sind Ketzer (pāṣaṇḍa), Brahmanenmörder. Darum: Welche Handlung auch immer man vollzieht, nachdem man meine Lehre verlassen hat – sie ist fruchtlos, Herrin der Götter, und der Handelnde kommt sogar in die Hölle. Der Tor, der [meine] Lehre verlässt und bei einer anderen Lehre Zuflucht nimmt, ist ein Brahmanenmörder, Vatermörder, Frauenmörder – daran ist kein Zweifel [?].
Im Kali-Zeitalter sind die von den Tantras gelehrten Mantras wirksam, sie gewähren rasch Frucht [?]; sie werden empfohlen bei allen Handlungen, bei Mantra-Rezitation (japa), Opfer (yajña) und den übrigen Riten.
Vers 11: stark verderbter OCR-Text. Gesichert nur 'āmananti na ye matpadaṃ lokapāvanam' (der Kommentar zitiert 'āmananti' und 'matpadaṃ … lokapāvanam' wörtlich; das dient nur der OCR-Klärung); Pāda a ist gegenüber 16 Silben kurz, evtl. fehlt ein Wort. Pāda c: OCR 'sansāgeṭi kanaḥ' (Rest), Ergänzung 'sanmārga[dūṣa]kāḥ' nur Vermutung. Vers 12: Kommentar zitiert 'utsṛjya'; Lesung sonst nach OCR. Vers 13: OCR liest 'sanmatam' statt 'manmatam' (wie in Vers 12 gelesen); Pāda d nach OCR-Resten (…sa sadyā saṃśayaḥ) zu 'sa syān nātra saṃśayaḥ' rekonstruiert. Vers 14: 'tūrṇaphalapradāḥ' nach OCR-Rest 'tṛṇakaṭapadāḥ' (Zeichenähnlichkeit tūrṇa-phala-pradāḥ); Rest unsicher.
nirvīryāḥ śrautajātīyā viṣahīnoragā iva | satyādau saphalā āsan kalau te mṛtakā iva ||15||
pāñcālikā yathā bhittau sarvendriyasamanvitāḥ | aśaktāḥ kāryeṣu tathānye mantrarāśayaḥ ||16||
anyamantraiḥ kṛtaṃ karma vandhyāstrīsaṅgamo yathā | na tatra phalasiddhiḥ syāc chrama eva hi kevalam ||17||
kalāv anyoditair mārgaiḥ siddhim icchati yo naraḥ | tṛṣito jāhnavītīre kūpaṃ khanati durmatiḥ ||18||
madvaktrād uditaṃ dharmaṃ hitvānyad dharmam īhate | annaṃ svagṛhe tyaktvā kṣīram ārkaṃ sa gacchati ||19||
nānyaḥ panthā muktihetur ihāmutra sukhāptaye | yathā tantrodito mārgo mokṣāya ca sukhāya ca ||20||
tantrāṇi bahudhoktāni nānākhyānānvitāni ca | siddhānāṃ sādhakānāṃ ca vidhānāni muhur muhuḥ ||21||
Kraftlos sind die Mantras von vedischer (śrauta) Art, wie giftlose Schlangen: Im Satya-(Kṛta-)Zeitalter und danach waren sie wirksam, im Kali-Zeitalter sind sie wie tot. Wie Puppen (pāñcālikā) an der Wand, mit allen Sinnesorganen [nachgebildet], bei Verrichtungen unfähig sind, so [sind] die anderen Mantra-Mengen.
Eine mit anderen Mantras vollzogene Handlung ist wie der Umgang mit einer unfruchtbaren Frau: Dort stellt sich kein Erfolg ein, es bleibt allein Mühe. Wer im Kali-Zeitalter auf von anderen gelehrten Wegen Vollendung (siddhi) sucht, ist ein Törichter, der, vom Durst geplagt, am Ufer der Gaṅgā (Jāhnavī) einen Brunnen gräbt. Wer den aus meinem Mund gesprochenen Dharma verlässt und einen anderen Dharma erstrebt, der lässt die Speise im eigenen Haus und geht nach Milch der Arka-Pflanze (Calotropis).
Es gibt keinen anderen Weg als Ursache der Befreiung und zur Erlangung von Glück hier und im Jenseits, wie den in den Tantras gelehrten Weg zu Erlösung und Glück. Die Tantras sind auf vielerlei Weise dargelegt, mit mannigfachen Erzählungen, und immer wieder [enthalten sie] Vorschriften für Siddhas und Sādhakas.
Vers 15: OCR 'vīryāḥ' (Anfangsylbe verloren); 'nirvīryāḥ' durch wörtliches Kommentarzitat bestätigt (nur zur OCR-Klärung). Vers 16: 'aśaktāḥ kāryeṣu' nach OCR-Rest und Kommentarzitat; 'mantrarāśayaḥ' nach OCR. Vers 19: 'ārkam' (von arka, Calotropis gigantea, deren Milchsaft ungenießbar ist) nach OCR 'āka'; Kommentar zitiert das Wort. Vers 20: 'yathā tantroditaḥ' als Vergleich gelesen; 'mārgaḥ' nach Sinn (OCR 'mārgo').
Wegen der Verschiedenheit der Berechtigten (adhikārin) und weil die paśu (die „gebundenen“, tierhaft gebundenen Wesen) überwiegen, Liebe, ist der im Kulācāra (Kula-Wandel) gelehrte Dharma hier und da zum Zweck der Geheimhaltung [nur] dargelegt worden. Manche [Tantras] sind auch dargelegt worden, die Lebewesen zu [weltlichem] Tun antreiben. Vielerlei Götter sind verkündet und vielfach auch Göttinnen, Liebe: Bhairavas, Vetālas, Kaṭakas [?], Heldinnen/Herrinnen (nāyikā), Gaṇas, Rākṣasas, Śaiva-, Vaiṣṇava-, Saura-, Gāṇapatya-[Gottheiten] und andere.
Vielerlei Mantras und Yantras, zahllose Mittel zur Vollendung, die nur mit großer Anstrengung zu erlangen sind und die verheißenen Früchte gewähren: Wie immer und wann immer und von wem immer Fragen gestellt wurden, so habe ich es, Liebe, dem Betreffenden zum Nutzen gesagt – zum Nutzen aller Welt und zum Wohl aller Lebewesen, dem Zeitalter-Dharma (yugadharma) gemäß, der Wahrheit gemäß, Pārvatī.
Solche Fragen, wie du sie gestellt hast, hat vordem niemand gestellt. Aus Zuneigung zu dir will ich das Wesentlichste vom Wesentlichen, das Höchste vom Höchsten sagen.
Vers 22: 'paśubāhulyataḥ' nach OCR und Kommentarzitat (nur zur OCR-Klärung). Vers 23: 'kānicit' bezieht sich grammatisch auf die neutralen 'tantrāṇi' von Vers 21. Vers 24: 'kaṭakā' nach OCR, sinnlos/unsicher (evtl. anderes Wort); 'gāṇapatyādayaḥ' statt OCR 'gāṇapatādyaḥ'. Vers 27: OCR 'sva-prāṇi-hitāya', gelesen 'sarvaprāṇihitāya'. Der Satzbau von 27–28 ist offen (27 kann zu 'vakṣyāmi' in 28 gehören); so wiedergegeben.
Aus den Veden, den Āgamas und besonders den Tantras habe ich das Wesentliche herausgezogen; es wird dir, Herrin der Götter, von mir vorgetragen.
Wie unter den Menschen die Tantra-Kundigen [die Besten sind], wie unter den Flüssen die Jāhnavī (Gaṅgā), wie ich unter den Herren des Himmels [bin], so ist dieses [Tantra] unter den Āgamas. Was nützen Veden, was Purāṇas, was viele Śāstras, Śivā? Wenn dieses große Tantra erkannt ist, wird man Herr aller Vollendungen (siddhi). Weil du mich für das Wohl der Welt in Dienst genommen hast, will ich dir daher sagen, was der ganzen Welt zum Heil gereicht.
Wird das Heil der Welt gewirkt, Devī, so wird der Herr des Alls, der höchste Herr, erfreut – er, das Selbst des Alls, weil das All auf ihn gegründet ist.
Er ist der Eine, dessen Wesen Sein ist, der Wahre, der Nicht-Zweite, das Höchste über dem Höchsten, selbstleuchtend, immer voll, mit Sein-Bewusstsein-Wonne (sat-cit-ānanda) als Kennzeichen; ohne Wandel, ohne Stütze, ohne Unterschiede, unbewegt (ungetrübt), jenseits der Eigenschaften (guṇa), Zeuge von allem, das Selbst von allem, Allsehender, allgegenwärtiger Herrscher (vibhu).
Vers 29: 'sāram uddhṛtya' nach OCR 'sāramudlaya' rekonstruiert. Vers 30: 'tantrajñāḥ' ohne Prädikat; sinngemäß [die Besten] ergänzt aus dem Parallelbau (Vergleichsreihe); 'tridiveśānām' nach OCR 'tridivedānām'. Vers 31: 'sarvasiddhīśvaro' nach OCR 'sarvasiddhīśvare'. Vers 32: Pāda d nach OCR 'yadahiśahitakravet' zu 'yad viśvahitaṃ bhavet' rekonstruiert. Vers 33: OCR 'parameśvari' (Vokativ) statt 'parameśvaraḥ'; die Kommentarpartie zitiert 'parameśvaraḥ', dem ich als OCR-Klärung folge. Vers 34: der OCR-Text ist in Pāda a–b stark zerstört; 'sa eka eva sadrūpaḥ satyo ’dvaitaḥ parātparaḥ' nach OCR-Resten und den im Kommentar wörtlich angeführten Wörtern (sadrūpaḥ, satya, advaita, parātpara, svaprakāśa, sadāpūrṇa, saccidānandalakṣaṇa) rekonstruiert. Vers 35: 'sarvadṛg vibhuḥ' nach Kommentarzitat als OCR-Klärung.
Verborgen in allen Wesen, alldurchdringend, ewig, in den Eigenschaften aller Sinnesorgane scheinend und doch aller Sinnesorgane bar; jenseits der Welten, Grund der Welten, dem Wort und dem Denken unerreichbar. Er kennt das All, er ist allwissend; ihn kennt niemand.
Von ihm abhängig ist die ganze Welt, die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem; auf ihn gestützt besteht diese unergründliche (dem Denken unfassbare) Welt. Auf seine Wirklichkeit (satyatā) gegründet, scheint sie – jedes Ding für sich – wie seiend; durch ihn, den Grund, sind wir entstanden, Maheśvarī. Der eine höchste Herr ist die Ursache aller Wesen; weil er in den Welten Schöpfung wirkt, wird er als Schöpfer besungen, als Brahmā. Viṣṇu ist der Erhalter, Devī; ich [bin] der Zerstörer, durch seinen Willen. Indra und die anderen Weltenhüter – alle stehen unter seiner Herrschaft. Jeder seinem Amtsbereich hingegeben, lenken sie auf seinen Befehl [die Welten] (Variante: weilen sie auf seinen Befehl). Du bist seine höchste Urnatur (prakṛti), verehrungswürdig in den drei Welten.
Vers 38: 'avitarkyam' nach dem Kommentarzitat (OCR-Klärung) statt OCR 'vitakyam'. Vers 39: 'tatsatyatām' nach OCR 'tatsatyatā' und Kommentarzitat; OCR 'sad dāti' gelesen 'sadvad bhāti'. Vers 41: Pāda b nach OCR 'saṃhattau ṣṭaṃ tadicchayā' zu 'saṃhartāhaṃ tadicchayā' rekonstruiert; die Kommentarpartie bestätigt den Sinn 'ich bin der Zerstörer' nur als OCR-Klärung. Vers 42: Fußnote der Ausgabe nennt für 'śāsati' die Variante 'vasanti'; OCR 'khāsati' gelesen 'śāsati'; Objekt fehlt im Text, ergänzt [die Welten].
Durch ihn als inneren Lenker (antaryāmin) [wirkend], jedem einzelnen Bereich zugewiesen, verrichten sie ihr jeweiliges Werk; niemals sind sie unabhängig. Aus Furcht vor ihm weht der Wind, aus Furcht vor ihm brennt die Sonne, zu seiner Zeit regnen die Wolken, blühen die Bäume im Wald. Die Zeit lässt er die Zeit [ver]gehen – der Tod des Todes, die Furcht der Furcht; in den Vedānta [?] ist der Erhabene mit den Wörtern „yat“ und „tat“ („welcher“ – „dieser“) bezeichnet.
Alle Götter und Göttinnen sind aus ihm gemacht (tanmaya), du Erfreute [?]; von Brahmā bis zum Grashalm ist die ganze Welt aus ihm gemacht. Ist er zufrieden, so ist die Welt zufrieden; wird er erfreut, so ist die Welt erfreut. Durch seine Verehrung, Devī, wird die Zufriedenheit aller bewirkt. Wie durch das Begießen der Wurzel eines Baumes seine „Arme“ und Sprossen (Zweige und junge Triebe) satt werden, so werden durch das Tun zu seinen Gunsten alle, die Götter voran, befriedigt.
Wie durch Verehrung, Meditation, Kult und Rezitation [für] ihn, Liebe, die schönen [Göttinnen] (sundarī) zufrieden werden [?] – so wisse es, Schöne.
Vers 43: 'tattadviṣayayojitāḥ' nach OCR; im Kommentar wörtlich zitiert 'tattadviṣaye pravartitāḥ' zur OCR-Klärung. Vers 45: Pāda a 'kālaṃ kālayate kālaḥ' nach OCR 'kāle' zu 'kālo'; 'mṛtyor mṛtyur' nach OCR 'satyomṛtyu'; Pāda c 'vedānte' unsicher (OCR 'vedānto', Silbenzahl kurz). Vers 46: 'sunandite' nach OCR 'sukhandite' unsicher (Anrede an Devī). Vers 48: 'taror mūlābhiṣekeṇa' nach OCR; 'tadbhujapallavāḥ' (wörtlich: „seine Arm-Sprossen“) durch Kommentar-Zitat gestützt (nur OCR-Klärung); 'tadanuṣṭhānāt' = durch Ausführung/Verrichtung im Blick auf ihn. Vers 49: OCR 'tavāccenāṭavyānāt'; gelesen 'tasyārcanād dhyānāt' (Verwechslung von tasya/tava möglich; 'tavārcanād' „durch deine Verehrung“ wäre die wörtliche OCR-Lesung); 'sundaryaḥ' unsicher.
yathā gacchanti sarito sāgareṇāpi saṃsthitim [?] | tathā yāgādikarmāṇi taduddeśyāni pārvati ||50||
yo yo yān yān yajed devān śraddhayā yadyadāptaye | tattad dadāti so 'dhyakṣas taistair devagaṇaiḥ śive ||51||
bahunā kim uktena tavāgre kathyate priye | dhyeyaḥ pūjyaḥ sukhārādhyas taṃ vinā nāsti muktaye ||52||
nāyāso nopavāsaś ca kāyakleśo na vidyate | naivācārādiniyamo nopacāraś ca bhūriśaḥ ||53||
na dikkālavicāro 'sti na mudrānyāsasaṃhatiḥ | yatas tu kuleśāni taṃ vinā ko 'nyam āśrayet [?] ||54||
iti śrīmahānirvāṇatantre sarvatantrottamottame sarvadharmanirṇayasāre śrīmadādyāsadāśivasaṃvāde jīvanistāropāyapraśno nāma dvitīyollāsaḥ
Wie die Flüsse [in] den Ozean gelangen und bei ihm zur Ruhe/Einung kommen [?], so richten sich die Opfer und sonstigen Riten, Pārvatī, auf ihn. Wer immer, welche Götter immer, mit Glauben verehrt, um dies und jenes zu erlangen – all dies gewährt er als der Aufseher (adhyakṣa) durch eben jene Göttergruppen, Śivā.
Was soll man viel reden? Es wird dir, Liebe, [nur] dies gesagt: Er ist es, der zu meditieren, zu verehren und mühelos zu erreichen ist; ohne ihn gibt es keine Befreiung. Weder Anstrengung noch Fasten, noch Kasteiung des Körpers ist [dabei] vorhanden; weder Regeln der Lebensführung noch reiche Kultspenden [sind nötig]; keine Beachtung von Richtung und Zeit, keine Zusammenstellung von mudrā [Handhaltungen] und nyāsa [Berührungsriten]. Denn – Herrin des Kula (Kuleśānī) – wer sollte außer ihm bei einem anderen Zuflucht suchen? [?]
So endet im ehrwürdigen Mahānirvāṇa-Tantra, dem Höchsten der höchsten aller Tantras, dem Wesenskern der Entscheidung über alle Dharmas, im Gespräch der erhabenen Ādyā (Urgöttin) mit Sadāśiva, das zweite Kapitel (ullāsa), genannt „Frage nach dem Mittel zur Rettung der Lebewesen“.
Vers 50: OCR 'sāgareṇāpi' unsicher (Variante 'sāgareṇaiva' denkbar); 'yāgādikarmāṇi' nach OCR 'tathācādīni' und dem im Kommentar wörtlich zitierten Anfang, zur OCR-Klärung. Vers 51: nach OCR mit kleinen Korrekturen. Vers 52: 'bahunā kim uktena' nach OCR 'bahanāṃ kisuna' und Kommentarstichwort; 'muktaye' statt OCR 'muktya'. Vers 53–54: Die OCR-Ziffern (52 doppelt, dann 56) sind verlesen; nach Zählung sind es die Verse 53 und 54. Vers 54: Pādas c–d sehr unsicher; OCR 'yatasa kuleśāni ta cinā kajnyamāśrayat'; 'ko ’nyam āśrayet' (statt evtl. 'kañcid anyam') ist rekonstruiert. Kolophon: OCR 'dvitīyārasaḥ' gelesen 'dvitīyollāsaḥ'.