Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 13

Anuvāka 12 Deutung der Ziegen-Opfertiere (Āgneya, Vāyavyā, Dyāvāpṛthivyā, Sārasvatī, Saurī, Āgnendrī, Agnīṣomīyā), ihrer Mantras und der Fehlerfälle.

ime vai sahāstām

Diese beiden [Himmel und Erde] waren einst beisammen.

te garbham adadhātām

Da legten sie beide einen Keim.

tato 'jā vaśājāyata

Daraus wurde die Ziege (vaśā) geboren.

tāṃ prajāpatir etena puroḍāśena nirakrīṇāt

Prajāpati kaufte sie mit diesem Puroḍāśa [Opferkuchen] los.

yad āgneyaḥ puroḍāśo bhavati

Dass ein Puroḍāśa für Agni dabei ist,

yad vāyur vyavāt tasmād vāyavyā

Weil Vāyu dazwischenwehte, darum (ist eine Gabe) für Vāyu;

yad dyāvāpṛthivī garbham adadhātāṃ tasmād dyāvāpṛthivyā

weil Himmel und Erde den Keim legten, darum (eine) für Himmel und Erde.

ime vai sahāstām

Diese beiden waren einst beisammen.

te yathā veṇū saṃdhāvyete evam̐ samadhāvyetām

Wie zwei Rohre [?] zusammenlaufen, so liefen sie zusammen.

sā yā vāg āsīt sājā vaśābhavat

Was dort die Rede war, die wurde die Ziege (vaśā).

tasmāt sārasvatī bhavati

Darum gibt es (eine Gabe) für Sarasvatī.

asau vā āditya ime abhyakrandat

Jener Āditya brüllte diese beiden an.

tato 'jā vaśājāyata

Daraus wurde die Ziege (vaśā) geboren.

tasmāt saurī bhavati

Darum gibt es (eine Gabe) für Sūrya.

vāyavyām ālabheta bubhūṣan

Wer gedeihen will, soll die (Ziege) für Vāyu darbringen [zum Opfer ergreifen].

kṣiprā devatājiraṃ bhūtim upaiti

Rasch gelangt er, da die Gottheit schnell ist, zum Gedeihen.

dyāvāpṛthivyām ālabheta kṛṣim avasyan

Die für Himmel und Erde soll darbringen, wer den Ackerbau beginnen will.

pratiṣṭhā vā etasmā eṣṭavyā yaḥ kṛṣim avasyati

Denn festen Stand ist für den zu erstreben, der den Ackerbau beginnt.

yad dyāvāpṛthivyā

Dass es die für Himmel und Erde ist:

dyāvāpṛthivyor eva pratitiṣṭhati

so fasst er festen Stand in Himmel und Erde.

varṣuko 'smai parjanyo bhavati

Regenspendend wird ihm Parjanya.

tām etāṃ kaṇvās sauśravasā vidus

Diese kennen die Kaṇva und die Sauśravasa.

sārasvatīm ālabheta yasmād vāg apakrāmet

Die Sārasvatī soll darbringen, von dem die Rede weggeht.

sarasvaty etasmād apakrāmati yasmād vāg apakrāmati

Sarasvatī geht von dem weg, von dem die Rede weggeht.

tām etāṃ garbhāḥ prāvareyā vidus

Diese kennen die Garbha und die Prāvareya.

saurīm ālabheta rukkāmas

Die Saurī soll darbringen, wer Glanz begehrt.

asau vā ādityo rucaḥ pradātā

Jener Āditya ist der Spender des Glanzes.

tām etāṃ yaskā gairikṣitā vidur

Diese kennen die Yaska und die Gairikṣita.

āgnendrīm ālabheta purodhākāmas

Die Āgnendrī soll darbringen, wer das Purohita-Amt begehrt.

āgneyo vai brāhmaṇa aindro rājanyas

Der Brāhmaṇa gehört ja zu Agni, der Rājanya zu Indra.

brahma caiva kṣatraṃ ca sayujau karoti

So macht er Brahman und Kṣatra zu Gespannen.

tām etāṃ kāpeyā vidur

Diese kennen die Kāpeya.

agnīṣomīyām ālabhetānnakāmas

Die Agnīṣomīyā soll darbringen, wer Speise begehrt.

agnir vai devānām annādas somo 'nnam

Agni ist der Speiseverzehrer der Götter, Soma die Speise.

tām etām āruṇayo vidur

Diese kennen die Āruṇi.

ā vāyo bhūṣa śucipā upa na iti

„Komm herbei, Vāyu, du Zierde, du Reintrinker, zu uns“ –

ya eva prājanayat tasmād enām adhyavarunddhe

den, der (sie) einst hervorbrachte, von dem gewinnt er sie (die Ziege) zurück.

ākūtyai hy eṣālabhyate

denn für den Vorsatz wird diese dargebracht.

kāmāya hy eṣālabhyate

denn für das Verlangen wird diese dargebracht.

samṛdhe hy eṣālabhyate

denn für das Gelingen wird diese dargebracht.

kikkiṭā te manaḥ prajāpataye svāheti

„‚Kikkiṭā‘ – dein Geist dem Prajāpati, svāhā“ –

prajāpatim evāsyā mano gamayati

so lässt er ihren Geist zu Prajāpati gehen.

kikkiṭā te cakṣus sūryāya svāheti

„‚Kikkiṭā‘ – dein Auge dem Sūrya, svāhā“ –

sūryam evāsyāś cakṣur gamayati

so lässt er ihr Auge zu Sūrya gehen.

kikkiṭā te śrotraṃ dyāvāpṛthivībhyām̐ svāheti

„‚Kikkiṭā‘ – dein Gehör Himmel und Erde, svāhā“ –

dyāvāpṛthivī evāsyāś śrotraṃ gamayati

so lässt er ihr Gehör zu Himmel und Erde gehen.

kikkiṭā te vācam̐ sarasvatyai svāheti

„‚Kikkiṭā‘ – deine Stimme der Sarasvatī, svāhā“ –

sarasvatīm evāsyā vācaṃ gamayati

so lässt er ihre Stimme zu Sarasvatī gehen.

kikkiṭā te prāṇaṃ vātāya svāheti

„‚Kikkiṭā‘ – dein Atem dem Wind, svāhā“ –

vātam evāsyāḥ prāṇaṃ gamayati ‖

so lässt er ihren Atem zum Wind gehen.

kikkiṭā ta iti juhoti

Mit „Kikkiṭā – dein“ opfert er.

tasmāt kikkiṭākāraṃ grāmyāḥ paśava upatiṣṭhante

Darum treten die Haustiere auf den Laut „kikkiṭā“ hin heran;

kikkiṭākārād āraṇyāḥ pratrasanti

vor dem Laut „kikkiṭā“ schrecken die wilden zurück.

pāṅktāḥ paśavas

Fünffach (pāṅkta) sind die Opfertiere.

yāvān eva paśus tam̐ svargaṃ lokaṃ gamayati

So viel das Opfertier umfasst, so lässt er es zur Himmelswelt gehen.

vaśāsi vaśinīti

„Du bist die Ziege, die Gebieterin“ –

āśiṣam evāśāste

damit erbittet er einen Segenswunsch.

sakṛd yat te manasā garbham āśayad iti

„Als er einmal in Gedanken in dir den Keim ruhen ließ“ –

ajāsi rayiṣṭhā pṛthivyām̐ sīdeti

„Du bist die Ziege, im Reichtum stehend; setze dich nieder auf der Erde“ –

imān evaināṃl lokān gamayati

so lässt er sie diese Welten erreichen.

ūrdhvāntarikṣam upatiṣṭhasva divi te bṛhad bhās svāheti

„Aufwärts tritt an den Luftraum heran; im Himmel ist dein weites Licht, svāhā“ –

svargam evaināṃl lokān gamayati

so lässt er sie die Himmelswelt und die Welten erreichen.

tantuṃ tataṃ rajaso bhānum anvihīti

„Folge dem gespannten Faden, dem Strahl des Luftraums“ –

āśiṣam evāśāste

damit erbittet er einen Segenswunsch.

jyotiṣmataḥ patho rakṣa dhiyā kṛtān iti

„Behüte die lichtvollen Pfade, die mit Andacht gebahnt sind“ –

anulbaṇaṃ vayasi joguvām apa iti

„Webe nicht unordentlich das Gewebe, das die Wasser rühmend besingen“ –

anulbaṇam evaināṃ tanute

so breitet er sie (die Ziege) ungestört aus [?].

manur bhava janayā daivyaṃ janam iti

„Werde Manu, erzeuge das göttliche Geschlecht“ –

tapaso havir asi prajāpater varṇo gātrāṇāṃ te gātrabhāg bhūyāsam iti

„Du bist die Opfergabe der Glut, die Farbe Prajāpatis; möge ich Anteilhaber an deinen Gliedern werden“ –

āśiṣam evāśāste ‖

damit erbittet er einen Segenswunsch.

yad apsu pravapati

Wenn er (die Reste) ins Wasser streut,

svagākṛtis sā

so ist das ein „Svagā“-Machen [?].

yan megha ālabhate

Wenn er sie an einem Wolkentag darbringt [?],

aprajātaiva tarhi

Dann ist sie noch nicht geboren [?].

vīdhrasamṛddhā vā eṣā

Diese ist ja bei klarem Himmel [?] gelungen.

vīdhra evaitayā yajeta

Nur bei klarem Himmel soll man mit ihr opfern.

trayāṇām vāvaiṣāvaruddhā

Für drei (Gruppen) ist sie ja erworben.

saṃvatsarasado gṛhamedhinas sahasrayājinas ta evaitayā yajeran

Die ein Jahr Sitzenden, die Hausherren-Opferer, die Tausend-Opferer – nur diese sollen mit ihr opfern.

sūryo divo diviṣadbhyo dhātā kṣatrasya vāyuḥ prajānāṃ bṛhaspatis tvā prajāpataye jyotiṣmate jyotiṣmatīṃ juhotu svāheti

„Sūrya (sei) der Himmelsbewohner Stifter vom Himmel her, Vāyu der Stifter der Herrschaft, der Geschöpfe; Bṛhaspati soll dich, die Lichtvolle, dem lichtvollen Prajāpati opfern, svāhā“ –

brahma vai bṛhaspatis

Bṛhaspati ist ja das heilige Wort (Brahman).

brahmaṇaivaināṃ prajāpataye jyotiṣmate jyotiṣmatīṃ juhoti ‖

Durch das heilige Wort opfert er sie, die Lichtvolle, dem lichtvollen Prajāpati.