Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 2

Anuvāka 15 Agni-Verse (samt Bitten um Reichtum, Schutz und Beistand beim Opfer) und Schlussvermerk des zweiten Sthānaka.

juṣṭo damūnā atithir duroṇa imaṃ no yajñam upayāhi vidvān |

Gern gesehen, Hausfreund, Gast im Haus – komm zu diesem unserem Opfer, wissend;

viśvā agne abhiyujo vihatyā śatrūyatām ābharā bhojanāni ‖

alle Angreifer, Agni, zerschlagend, bringe von den Feindseligen die Nutznießungen (Besitztümer) herbei.

agne śardha mahate saubhagāya tava dyumnāny uttamāni santu |

Agni, tritt tapfer auf zu großem Glück; deine Glanztaten sollen die höchsten sein.

saṃ jāspatyam̐ suyamam ākṛṇuṣva śatrūyatām abhitiṣṭhā mahām̐si ‖

Schaffe gut gezügelte Herrschaft im Hause; die Kräfte der Feindseligen überwältige.

sam̐sam id yuvase vṛṣann agne viśvāny arya ā |

Zusammen und zusammen verbindest du, Stier Agni, alles, Herr;

iḍas pade samidhyase sa no vasūny ābhara ‖

auf der Stätte der Iḍā wirst du entzündet; als solcher bringe uns Güter herbei.

sakhāyas saṃ vas samyañcam iṣam̐ stomaṃ cāgnaye |

Freunde, gemeinsam (bringt) euch zusammenstrebende Labung und Lobgesang dem Agni,

varṣiṣṭhāya kṣitīnām ūrjo naptre sahasvate ‖

dem Höchsten der Menschen, dem Enkel der Kraft, dem Starken.

agnis tuviśravastamaṃ tuvibrahmāṇam uttamam |

Agni (gibt) den höchst Berühmten, den vielfach mit heiligem Wort Begabten, den Höchsten,

atūrtam̐ śrāvayatpatiṃ putraṃ dadāti dāśuṣe ‖

den Unbezwungenen, den Herrn, der (Ruhm) hören lässt: einen Sohn gibt er dem Opfernden.

agnir dadāti satpatim̐ sāsāha yo yudhā nṛbhiḥ |

Agni gibt einen Herrn der Guten, der im Kampf mit Männern siegt;

agnir atyaṃ raghuṣyadaṃ jetāram aparājitam ‖

Agni (gibt) ein schnelles, flinkes Ross, einen Sieger, unbesiegt.

uta no brahmann aviṣa uktheṣu devahūtamaḥ |

Und uns, du Brahman-Priester, hilf bei den Lobsprüchen, du der am meisten von den Göttern Angerufene;

śaṃ naḥ śocā marudvṛdho 'gne sahasrasātamaḥ ‖

Heil (bringe) uns mit deinem Leuchten, du mit den Maruts Gewachsener, Agni, tausendfach Gewinnender.

nū no rāsva sahasravat tokavat puṣṭimad vasu |

Nun gib uns Gut, tausendfach, mit Nachwuchs, mit Gedeihen,

dyumad agne suvīryaṃ varṣiṣṭham anupakṣitam ‖

glanzvoll, Agni, mit guter Manneskraft, das höchste, unverminderte.

tvāṃ citraśravastama

Dich, du am hellsten Berühmter,

tvām agne haviṣmantas

dich, Agni, (rufen) die mit Opfergabe Versehenen,

bhavā no agne 'vitota gopā bhavā vayaskṛd uta no vayodhāḥ |

Sei uns, Agni, Helfer und Hüter, sei Lebenskraft-Schaffer und uns Lebenskraft-Verleiher;

rāsvā ca nas sumaho havyadātiṃ trāsvota nas tanvo aprayucchan ‖

gib uns, reich an Pracht, Gabe an Opferspenden, und schütze unsere Leiber, nicht nachlässig.

havyavāham abhimātiṣāhaṃ rakṣohaṇaṃ pṛtanāsu jiṣṇum |

Den Träger der Opfergaben, den Bezwinger der Feinde, den Rakṣas-Töter, Sieger in den Schlachten,

jyotiṣmantaṃ dīdyataṃ puraṃdhim agnim̐ sviṣṭakṛtam āhuvema ‖

den lichtvollen, leuchtenden, gabenreichen Agni Sviṣṭakṛt wollen wir herbeirufen.

sviṣṭam agne abhi tad gṛṇīhi viśvāś ca deva pṛtanā abhiṣyāḥ |

Das wohl Geopferte, Agni, bekräftige, und alle Kämpferscharen, Gott, sollst du überwältigen.

sugaṃ nu panthāṃ pradiśan vibhāhi jyotiṣmad dhehy ajaraṃ na āyuḥ ‖

Den gut gangbaren Weg nun weisend, leuchte auf; gib uns lichtvolles, unalterndes Leben.

somasya mā tavasaṃ vakṣy agne vahniṃ cakartha vidathe yajadhyai |

Des Soma starken (Träger) wirst du mich tragen, Agni; als Zugtier hast du mich gemacht, damit ich bei der Versammlung opfere;

devām̐ acchā dīdyad yuñje adrim̐ śamāye agne tanvaṃ juṣasva ‖

zu den Göttern hin, leuchtend, schirre ich den Stein an; für das Opferschlachten, Agni, freue dich an deinem Leib.

śrīṇām udāraḥ ‖

Der Erheber der Schmückenden [?].

yac cid dhi te puruṣatrā yaviṣṭhācittibhiś cakṛmā kac cid āgaḥ |

Denn was wir dir gegenüber, unter Menschen, du Jüngster, in Unbedachtheit an Vergehen begangen haben:

kṛdhī ṣv asmām̐ aditer anāgān vy enām̐si śiśratho viśvag agne ‖

mache uns Aditi gegenüber schuldlos; löse die Sünden nach allen Seiten, Agni.

mahaś cid agna enaso abhīka ūrvād devānām uta martyānām |

Auch vor großer Sünde, Agni, in ihrer Nähe, vor dem Umschlossenwerden durch (den Zorn) der Götter und der Sterblichen [?],

mā te sakhāyas sadam id riṣāma yacchā tokāya tanayāya śaṃ yoḥ ‖

als deine Freunde wollen wir nie zu Schaden kommen; gewähre für Nachwuchs und Nachkommen Heil und Wohlsein.

yaṃ tvā devāpiḥ śuśucāno agna ārṣṭiṣeṇo manuṣyas samīdhe |

Dich, Agni, hat Devāpi Ārṣṭiṣeṇa, der Mensch, leuchtend entzündet;

viśvebhir devair anumadyamānaḥ pra parjanyam īrayā vṛṣṭimantam ‖

mit allen Göttern sich erfreuend, treibe Parjanya, den regenreichen, hervor.

agne bādhasva vi mṛdho vi durgahāpāmīvām apa rakṣām̐si sedha |

Agni, dränge die Widersacher zurück, weit weg das Schwierige [?]; die Krankheit, die Rakṣas wehre ab.

asmāt samudrād bṛhato divo no 'pāṃ bhūmānam upa nas sṛjeha ‖

Von diesem Meer, vom großen Himmel her lass uns hier die Fülle der Wasser zufließen.

yathā ha tyad vasavo gauryaṃ cit padi ṣitām amuñcatā yajatrāḥ |

Wie ihr, Vasus, ihr Verehrungswürdigen, einst auch die am Fuß gebundene Gaurī [Anm.: Büffelkuh / Reh; Deutung unsicher] ließet [?],

evo ṣv asman muñcatā vy am̐haḥ pra tāry agne prataraṃ na āyuḥ ‖

so löst von uns die Bedrängnis; Agni, verlängere unser Leben noch weiter.

trīṇy āyūm̐ṣi tava jātavedas tisra ājānīr uṣasas te agne |

Drei Lebensalter sind dein, Jātavedas, drei Geburten (Morgenröten) hast du, Agni;

tābhir devānām avo yakṣi vidvān athā bhava yajamānāya śaṃ yoḥ ‖

mit diesen erlangst du, wissend, die Hilfe der Götter; dann sei dem Opferherrn Heil und Wohlsein.

piprīhi devām̐ uśato yaviṣṭha vidvām̐ ṛtūn ṛtupate yajeha |

Erfreue die verlangenden Götter, Jüngster; wissend, Herr der Zeiten, opfere hier den Zeiten (gemäß).

ye daivyā ṛtvijas tebhir agne tvam̐ hotṝṇām asy āyajiṣṭhaḥ ‖

Mit den göttlichen Priestern, Agni, bist du unter den Hotṛs der am besten Opfernde.

ā devānām api panthām aganma yac chaknavāma tad anu pravoḍhum |

Wir sind auf den Pfad der Götter gelangt; was wir zu vermögen vermögen, um es weiter voranzuführen (das wollen wir).

agnir vidvān sa yajāt sed u hotā so adhvarān sa ṛtūn kalpayāti ‖

Agni, der Wissende, soll opfern, er ist der Hotṛ; er richte die Adhvaras her, er ordne die Zeiten.

vi jyotiṣā bṛhatā bhāty agnir āvirviśvāni kṛṇute mahitvā |

Mit großem Licht strahlt Agni auf, er macht in seiner Größe alles offenbar;

prādevīr māyās sahate durevāḥ śiśīte śṛṅge rakṣase vinakṣe ‖

er bezwingt die gottlosen Zauberkünste, die bösen; er wetzt seine Hörner, um das Rakṣas zu erreichen.

sādhvīm akar devahūtiṃ no adya yajñasya jihvām avidāma guhyām |

Gelungen hat er heute unsere Götteranrufung gemacht; des Opfers verborgene Zunge haben wir gefunden.

sa āyur āgāt surabhir vasāno mahīm akar dyumnahūtiṃ no adya ‖

Er ist als Leben gekommen, wohlriechend gekleidet; er hat unsere Anrufung der Glanz-Gabe heute groß gemacht.

agnir hotā nyasīdad yajīyān upasthe mātus surabhā u loke |

Agni, der Hotṛ, der beste Opferer, hat sich niedergelassen im Schoß der Mutter, in der wohlriechenden Welt;

yuvā kaviḥ puruniṣṭhā ṛtāvā dhartā kṛṣṭīnām uta madhya iddhaḥ ‖

jung, Seher, an vielen Orten weilend, dem Recht zugetan, Träger der Völker, und in der Mitte entzündet.

agniṃ dūtaṃ purodadhe havyavāham upabruve |

Agni setze ich als Boten voran, den Opfergaben-Träger rufe ich an;

devām̐ āsādayād iha ‖

er soll die Götter hier niedersetzen.

agnir hotā purohito 'dhvarasya vicarṣaṇiḥ |

Agni ist Hotṛ, Hauspriester des Adhvara, der Weitschauende;

sa veda yajñam ānuṣak ‖

er kennt das Opfer der Reihe nach.

iti śrīyajuṣi kāṭhake carakaśākhāyām iṭhimikāyām adhvaraṃ nāma dvitīyaṃ sthānakaṃ saṃpūrṇam ‖

Hiermit ist im heilvollen Yajus, in der Kāṭhaka(-Schule), in der Caraka-Schule, in der Iṭhimikā, der zweite Sthānaka, „Adhvara“ genannt, vollständig.