Quellen der Menschheit

Jñānāmṛtasāra-Saṃhitā

Paṭala 10: Prathamaika-rātre Daśamo 'dhyāyaḥ Zehnter Adhyāya der ersten Nacht - Der Beginn des großen Festes (Mahotsavārambha)

Auf Śukas Frage, warum der allwissende Nārada einst noch unterwiesen werden musste, erzählt Vyāsa die berühmte Erzählung von Nāradas Fluch: In einem früheren Weltzeitalter befahl Brahmā seinem Sohn Nārada, durch Heirat Nachkommenschaft zu zeugen; Nārada weist dies zornig zurück mit der Lehre, dass ein wahrer Guru die Wurzel des Karma durchtrennt, statt sie zu vermehren, und wirft seinem eigenen Vater vor, selbst von Viṣṇus Māyā getäuscht zu sein. Daraufhin verflucht Brahmā ihn zu einem liebestollen Gandharva, Ehemann von fünfzig Frauen; Nārada verflucht seinerseits Brahmā, unverehrt zu bleiben und Verlangen nach dem Unzugänglichen zu empfinden (eine Anspielung auf den bekannten Mythos von Brahmās Begierde nach seiner eigenen Tochter). Als Gandharva namens Upabarhaṇa entführt und heiratet Nārada fünfzig Töchter des Citraratha und verbringt mit ihnen tausend Himmelsjahre in unzähligen paradiesischen Hainen. Zurückgerufen zur großen Versammlung Brahmās am Puṣkara-Tīrtha, in Gegenwart aller Götter und großen Weisen, wird er von Brahmā aufgefordert, zur Vīṇā das Kṛṣṇa-Rāsa-Lied zu singen; Brahmā preist ausführlich die reinigende Kraft des Kṛṣṇa-Kīrtana, das selbst die schwersten Sünder von dreifach abgestuften Sündenkatalogen befreit und Vaiṣṇavas über alle Askese und alles Ritual erhebt. Das Kapitel schließt mit dem Eintreffen zahlloser Apsaras, personifizierter Veden und Göttinnen zum großen Fest.

śrī-śuka uvāca: nārado hi mahā-jñānī devarṣir brahmaṇaḥ sutaḥ / sarva-veda-vidāṃ śreṣṭho gariṣṭhaś ca variṣṭhakaḥ / kathaṃ sa nopadiṣṭaś ca jñāna-hīno mahā-muniḥ / tan māṃ bodhaya vibho sandeha-bhañjanaṃ kuru

Śrī Śuka sprach: 'Nārada ist doch der große Wissende, der göttliche Weise, Sohn Brahmās, der Beste der Kenner aller Veden, der Erhabenste und Vortrefflichste. Wie kommt es, dass er zuvor nicht unterwiesen war, ohne Erkenntnis, der große Weise? Das belehre mich, Erhabener, zerstreue meinen Zweifel.'

śrī-vyāsa uvāca: nārado brahmaṇaḥ putraḥ purā-kalpe babhūva saḥ / sarva-jñānaṃ dadau tasmai vidhātā jagatām api ... nārada uvāca: sarveṣām api vandyānāṃ pitā caiva mahā-guruḥ / jñāna-dātuḥ paro vandyo na bhūto na bhaviṣyati

Śrī Vyāsa sprach: Nārada war in einem früheren Weltzeitalter Brahmās Sohn; der Ordner der Welten gab ihm alle Erkenntnis. Er ließ ihn die Veden lesen, o Guttugendhafter, auch die Vedāṅgas, die Siddha-Wissenschaft, die Handwerkskunst, die Yoga-Lehre und die Purāṇas. Einst sprach der erhabene [Brahmā] in der Versammlung zu seinem Sohn: 'Bewirke Schöpfung, Hochbeglückter, nachdem du eine Gattin genommen hast.' Als er Brahmās Worte gehört hatte, mit vor Zorn gerötetem Gesicht und Augen, sprach er, ganz Kṛṣṇa ergeben, in höchstem Zorn zu seinem Vater: Nārada sprach: 'Unter allen Verehrungswürdigen ist zwar der Vater der große Guru; doch der Geber der [wahren geistigen] Erkenntnis ist noch verehrungswürdiger - keiner war und keiner wird [ihm] gleichkommen.

guruś ca jñānodgiraṇāt jñānaṃ syān mantra-tantrayoḥ / tat tantraṃ sa ca mantraś ca kṛṣṇa-bhaktir yato bhavet ... durbalo durvahaṃ bhāraṃ dadāti janakāya ca

Durch das Aussprechen der Erkenntnis des Guru entsteht die Erkenntnis von Mantra und Tantra; jenes allein ist Tantra und jener allein Mantra, wodurch Hingabe zu Kṛṣṇa entsteht. Wessen Sinn, von Śrī Kṛṣṇa abgewandt, auf die Sinnesobjekte [gerichtet ist] - der, das [wahre] Nektar-Gegenmittel gegen das Gift aufgebend, ist ein verblendeter, niedrigster Mensch. Er allein ist der [wahre] Guru, er der verehrungswürdige Vater, sie die Mutter, er der Gatte, er der Sohn, der Hingabe zu Hari gibt, die Wurzel-Durchtrennerin des Karma. Die Verehrung Śrī Kṛṣṇas, Vater, ist die Glückverheißung aller Glückverheißung, die Arznei für die Krankheit des Karma-Genusses, dessen völlige Ausrottung. Ach, dies ist die Denkweise des Weltenordners, des Lehrers des Dharma - selbst von Māyā getäuscht, bringt er einen anderen zu Fall! Viṣṇu, der Herr, hat dich getäuscht und dich mit der Schöpfung betraut; er gab dir nicht die Hingabe zu ihm selbst, jenen höchst seltenen Dienst an ihm. Eine Mutter gibt ihrem Sohn einen Süßkuchen, um seinen Hunger zu stillen, und jenes Kind weiß nicht, was für ein Ding jener Süßkuchen [in Wahrheit] ist. Nachdem er das Kind so getäuscht und ihm eine Süßigkeit gegeben hat, geht der Vater seinen eigenen Geschäften nach - ebenso bist du von Viṣṇu getäuscht worden. In den Brunnen des Daseinskreislaufs gestürzt, von Viṣṇu [dazu] angetrieben, bist du [nun]; ein solcher Sturz ist nicht angemessen - die Errettung daraus ist das Erstrebenswerte. Ein weiser, mächtiger Guru errettet den Schüler aus dem Ozean des Daseins; wie sollte ein Guru, der selbst unvollkommen und schwach ist, [jemanden] erretten? Einem allzu verblendeten Guru, der nicht weiß, was zu tun und nicht zu tun ist, der einen falschen Weg eingeschlagen hat, gebührt die Verlassung. Jener Guru ist der schlimmste Feind, der falschen Rat gibt; ein wahrer Schüler, ihm die Verehrung erweisend, geht dennoch weiter zu dem Guru, der [wahre] Erkenntnis gibt. Wer, von weltlichen Sinnesobjekten berauscht, [selbst] in seiner eigenen Pflicht [als Guru] bedrängt ist, gibt schwach eine unerträgliche Last sogar seinem eigenen Erzeuger [d.h. legt weltliche Fesseln sogar dem eigenen Kind auf].'

[Anm.: Vers 22 ist im Sanskrit syntaktisch stark verdichtet und lässt sich auf verschiedene Weise auflösen; die hier gegebene Übersetzung - als Fortsetzung von Nāradas Vorwurf, dass der (in seiner eigenen Aufgabe verwirrte) Guru/Vater die weltliche Bürde sogar dem eigenen Kind aufbürdet - ist eine unter mehreren möglichen Lesarten und wird mit [?] vermerkt. Bemerkenswert an diesem gesamten Abschnitt ist die scharfe, in bhaktischen Texten nicht seltene Umkehrung der üblichen Guru-Ehrerbietung: Nārada erklärt seinen eigenen Vater und Schöpfergott Brahmā für einen 'unvollkommenen', von Māyā getäuschten Guru, dessen Weisung man verlassen dürfe.]

nāradasya vacaḥ śrutvā kruddhaḥ putram uvāca saḥ / kampitas tamasā dhātā kopa-raktāsya-locanaḥ ... tato vaiṣṇava-saṃsargāt viṣṇor ucchiṣṭa-bhojanāt / viṣṇu-mantra-prasādena viṣṇu-māyā-vimohitaḥ

Als er Nāradas Worte gehört hatte, zornig, von Finsternis (Tamas) erzittert, mit vor Zorn gerötetem Gesicht und Augen, sprach der Schöpfer zu seinem Sohn: Brahmā sprach: 'Deine Erkenntnis sei zerstört, werde frauenbeherrscht, Elender! Unter allen Geburtsarten werde ein lüsterner Gandharva! In Kürze wirst du selbst der Gatte von fünfzig begehrenswerten Frauen werden, stets in ihrer Gewalt, ein Spielzeug wie ein Reh in Frauenhänden. Sei ein Held der erotischen Leidenschaft, von stets fester Jugendkraft; sei den stets jugendlichen, schönen Frauen ein Geliebter! Von Begierde geplagt sei lange, tausend Himmelsjahre lang; in einsamen, einsamen lieblichen Wäldern wirst du dein Spiel treiben. Danach, am Ende der tausend Jahre, von mir durch dein eigenes Karma verflucht, wirst du zweifellos im Schoß einer Śūdra-Dienerin eines Brahmanen geboren werden. Danach, durch Gemeinschaft mit Vaiṣṇavas, durch das Essen von Viṣṇus Speiseresten, durch die Gnade des Viṣṇu-Mantra [wirst du erlöst], [du,] von Viṣṇus Māyā gänzlich verblendeter.'

tātasya vacanaṃ śrutvā cukopa nārado muniḥ / śaśāpa pitaraṃ śighraṃ dāruṇaṃ ca yathocitam / apūjyo bhava duṣṭaṃ tvaṃ tvan-mantropāsakaḥ kutaḥ / agamyāgamanecchā te bhaviṣyati na saṃśayaḥ ... vipra-dehaṃ parityajya gandharvaś ca babhūva saḥ

Als er die Worte des Vaters gehört hatte, ergrimmte der Weise Nārada und verfluchte seinen Vater ebenso rasch und ebenso furchtbar, wie es angemessen war: 'Werde unverehrt, du Schlechter! Wie sollten sich [dann noch] Verehrer deines Mantra finden? Verlangen nach dem Unzugänglichen wird dich befallen, zweifellos!' Durch Nāradas Fluch wurde er, der Ordner der Welten, unverehrt; er sah einst die Gestalt seiner eigenen Tochter und lief ihr hinterher. Wieder gab er diesen [von Begierde ergriffenen] Leib auf, von Sanaka und den anderen [Kumāras] getadelt, beschämt und von Begierde erfüllt, und wurde erneut [der gewöhnliche] Brahmā. Nārada aber, seinem Vater, dem Lotosgeborenen, die Verehrung erweisend, gab seinen Brahmanenleib auf und wurde ein Gandharva.

[Anm.: Dies ist die im Purāṇa-Schrifttum verbreitete Erklärung dafür, dass Brahmā - anders als die meisten anderen großen Götter - kaum eigene Tempel besitzt: Der Mythos von Brahmās inzestuöser Begierde nach seiner eigenen aus ihm selbst hervorgegangenen Tochter (meist Sarasvatī/Śatarūpā genannt, hier nicht namentlich genannt) wird hier direkt an Nāradas Fluch geknüpft. Die Übersetzung folgt dem knappen, elliptischen Sanskrit-Wortlaut, der die eigentliche Verfolgungsszene nur andeutet.]

nava-yauvana-kālena balavān madanoddhataḥ / jahāra kanyāḥ pañcāśat balāc citra-rathasya tu ... kṛtvā bihāraṃ tābhiś ca gandharvaś copavarhaṇaḥ / divyaṃ varṣa-sahasraṃ ca svāśramaṃ punar āyayau

In der Fülle jugendlicher Kraft, vom Liebesgott aufgestachelt, entführte er gewaltsam fünfzig Töchter des [Gandharva-Königs] Citraratha. Nach gāndharvischem Eherecht nahm er sie sich in der Einsamkeit; jene Mädchen fielen in Ohnmacht, als sie den schönen Herrn erblickten. [Wieder] zu sich gekommen [und] Vater, Mutter und Bruder [vergessend][?], ergötzten sie sich mit ihm, liebestoll mit dem Liebenden, in Schlucht um liebliche Schlucht, in schönem Gemach um Gemach, auf Berg um geheimnisvollem Berg, in Wald um Wald, in Blumengarten und Baumhain, an Fluss um Fluss, an Strom um Strom, am besten und wiederum besten See, am ausgezeichneten Mond-See, nahe dem Herrn der Götter, an Ufer um Ufer des Subhadra[-Flusses], in der unzugänglichen, überaus schrecklichen Schlucht des Gandhamādana, inmitten blühender Pārijāta-Bäume, im lieblichen, vom Blütenwind erfrischten Innern davon, im Sandelwald (Malaya), in lieblicher, duftender, sandelreicher Wohnstatt - am ganzen Leib mit Sandelpaste gesalbt der von Sandel gesalbte Liebende -, auf lieblichen, sandelbestrichenen Campaka-Lagern lächelnd; Tag und Nacht kannten die lächelnden Liebenden nicht [mehr den Unterschied], in Visyandaka, Śūrasena, Nandana, Puṣpabhadraka, im Svāhā-Wald, in Kāmyaka, Ramyaka, Pāribhadraka, in Surandhaka, Gandhaka, Suraṅghra, auch in Puṇḍraka, in Kālañjara, Pañjara, im Kāñcī-Goldwald, im Monat Madhu und Mādhava, im süßen Honigwald, im Wald der Wunschbäume, an der von Viśvakarman geschaffenen Stätte, in der Ansammlung der Juwelenminen, im schönen Inneren des Schönen, in Suvela und Supārśva, im Wald der Korallensprossen, in Mandāra, in Mandira, in Pūra, in Gāndhāra und Yugandhara, im Wald der spielerischen Kadamba-Bäume, im lieblichen Ketakī-[Wald], in Wald um Wald der Mādhavī-, Mālatī- und Yūthikā-Ranken, im Dickicht der Campaka-, Palāśa- und Kunda-Bäume, in der anmutigen Wohnstatt zwischen Nāgeśvara- und Gewürznelkenbäumen, an schlammig-weichen Stellen voller Wasserlilien und Lotos, in der Fülle der Erdlotosblüten, im Erd-Campaka-Wald, an den glückspendenden [Orten] der Lāṅgalī-, Mango- und Jackfruchtbäume, an dem glückreichen [Ort] der Bananen-, Jujube- und Bael-Bäume, der Jāmbīra-, Jambu- und Karañja-Bäume - so trieb er, der Gandharva Upabarhaṇa, mit ihnen sein Spiel, tausend Himmelsjahre lang, und kehrte dann wieder in seine eigene Einsiedelei zurück.

[Anm.: Der hier auf ca. zwanzig Verse ausgedehnte Ortskatalog (V. 38-52), der Hain um Hain, Berg um Berg, Fluss um Fluss des Liebesspiels aufzählt, folgt der auch andernorts im Werk begegnenden katalogartigen Aufzählungstechnik und wird der Vollständigkeit halber vollständig, jedoch in fortlaufender Prosa wiedergegeben; viele der genannten Ortsnamen (z.B. Visyandaka, Pāribhadraka, Kālañjara) sind mythische bzw. nicht sicher identifizierbare Paradiesorte. Der als Gandharva neu benannte Nārada trägt ab hier den Namen 'Upabarhaṇa' (wörtl. etwa 'Zusatz-Schmuck' oder 'Kissen/Lager'), unter dem er in den folgenden Kapiteln auftritt. V. 36 ('mūrcchāṃ prāpuś ca tāḥ kanyā' - die Mädchen fielen beim Anblick des Gandharva in Ohnmacht, kamen aber offenbar rasch wieder zu sich und gaben sich der Verbindung freiwillig hin) sowie die genaue Bedeutung von 'visaspuruś ca pitaraṃ mātaraṃ bhrātaraṃ tathā' (V. 37, wörtl. etwa 'sie ließen los/vergaßen Vater, Mutter und Bruder') bleiben im Detail unsicher und werden mit [?] markiert.]

śrutvā vidhātur āhvānaṃ puṣkaraṃ ca yayau punaḥ / dadarśa tatra brahmāṇam ratna-siṃhāsana-sthitam ... tam uvāca sabhā-madhye vidhātā jagatām api / sasmitaḥ suprasannaś ca gandharvam upavarhaṇam

Als er den Ruf des Ordners [Brahmā] vernommen hatte, zog er wieder zum Puṣkara[-Tīrtha] und sah dort Brahmā auf einem Juwelenthron thronend, umgeben von den Fürsten der Götter, den Fürsten der Vollkommenen, den Fürsten der Weisen mit Sanaka an der Spitze, sowie von Rākṣasas, Gandharvas und Kinnaras, in der Versammlung strahlend wie der Mond mit den Sternbildern am Himmel. Er verneigte sich inmitten der Versammlung, zusammen mit jenen [seinen fünfzig Frauen], vor dem Ordner der Welten: vor Maheśa (Śiva), Gaṇeśa, dem Reichtumsherrn (Kubera), Śeṣa, dem Herrn, Dharma, Dhanvantari, Skanda, Sonne, Mond und Feuer, Upendra, Indra, Viśvakarman, Varuṇa, Vāyu, dem Liebesgott, Yama, den acht Vasus, den Rudras, Jayanta und Nalakūvara - alle Götter verehrend, verneigte er sich [auch] vor den Fürsten der Weisen: Agastya, Pulastya, Pulaha, Pracetas, dem Erhabensten unter ihnen, Vasiṣṭha, Dakṣa, Kardama, Sanaka, Sananda und dem dritten [Kumāra], Sanātana, Sanatkumāra, dem Herrn der Yogis, dem Guru der Guru der Weisen, Pañcaśikha, Sāṅkhya, Bhṛgu, Aṅgiras, Āsuri, Kapila, Kautsa, Kratu, Nārāyaṇa, Nara, Marīci, Kaśyapa, Kaṇva, Vyāsa, Durvāsas, Kavi, Bṛhaspati, Cyavana, Mārkaṇḍeya, Lomaśa, Vālmīki, Paraśurāma, Saṃvarta, Vibhāṇḍaka, Devala, Vāmadeva, Ṛśyaśṛṅga und Parāśara - vor all diesen sich verneigend, stand er vor dem Ordner. Er pries alle Götter und die Fürsten der Weisen gleichermaßen; der Ordner der Welten sprach in der Versammlung, lächelnd und höchst zufrieden, zu ihm, dem Gandharva Upabarhaṇa.

brahmovāca: śrī-kṛṣṇa-rasa-saṅgītaṃ vīṇā-dhvani-samanvitam / kuru vatsādhunātraiva śṛṇvantu munayaḥ surāḥ ... teṣāṃ ca darśanaṃ sparśaṃ vāñchanti munayaḥ surāḥ / puruṣāṇāṃ sahasraṃ ca pūtaṃ taj-janma-mātrataḥ

Brahmā sprach: 'Den Kṛṣṇa-Rasa-Gesang, von Vīṇā-Klang begleitet, führe jetzt, Kind, hier auf - die Weisen und Götter mögen zuhören! Den Raub der Gewänder der Gopīs, den Rāsa-Festtanz, das Wasserspiel mit ihnen - besinge Haris [Taten]! Der Kṛṣṇa-Saṅkīrtana reinigt sogleich, durch das bloße Hören, den Hörer und den Vortragenden samt sieben weiteren Personen. Wo immer, Kind, das Besingen seines Namens und seiner Eigenschaften erklingt, dort sind alle Pilgerstätten, [aller] Verdienst und alle Glückverheißung [versammelt]. Beim Hören des Klangs jenes Kīrtana fliehen alle Sünden von ferne, wie Schlangen vor Garuḍas Sohn (Vainateya). Jener Tag ist fruchtbar, gesegnet, ruhmreich, ganz und gar glückverheißend, an dem Śrī-Kṛṣṇa-Kīrtana [erklingt] - dort allein ist die Lebenszeit nicht vergeudet. Wo Vaiṣṇavas, den Klang des Saṅkīrtana hörend, tanzen, wird durch die Berührung des Staubes ihrer Füße sogleich die Erde geläutert. Wo das Kīrtana Kṛṣṇas, des höchsten Selbst, erklingt, wird jener Ort zur Pilgerstätte, die selbst den Toten Befreiung schenkt. Dort haften keine Sünden, [dort] bleibt Verdienst beständig; er ist die Stätte der Asketen, der Gelübdetreuen und der Askeseübenden. Im Leib der Sünder haften die Sünden dreifacher Art: als Groß-Sünde (mahā-pātaka), Neben-Sünde (upapātaka) und Über-Sünde (atipātaka), so wird überliefert. Wer Brahmanen-Bettelmönche, Asketen (yati) oder Brahmacārin, Frauen oder Vaiṣṇavas tötet, gilt als Groß-Sünder. Ein Kindstöter, Kuhtöter, Śūdra-Töter, Undankbarer, Vertrauensbrecher, ein Kot-Esser - eben der gilt als Neben-Sünder. Die zum Unzugänglichen Gehenden, Räuber von Göttern und Brahmanen[-Eigentum] - diese werden von den Vedakundigen als Über-Sünder bezeichnet. Durch die Meditation über den Kṛṣṇa-Saṅkīrtana, durch den Empfang seines Mantra, ach, werden [selbst] diese von ihren jeweiligen Sünden befreit, die dreifachen Sündertypen. Wer Askese und Opfer vollbringt, geläutert ist, an Pilgerstätten badet, gelübdetreu, Bettelmönch, Asket, Brahmacārin, Waldbewohner oder Büßer ist - höchst rein wie das reinste Feuer, wie reinstes Wasser - alle diese verdienen nicht ein Sechzehntel des Anteils der Vaiṣṇavas. Die, die täglich Viṣṇus Fußwasser-Speisereste genießen und die Śālagrāma-Steinscheibe betrachten und täglich verehren, sind zu Lebzeiten befreit und gesegnete Diener Haris in Bhārata; bei jedem Schritt erlangen sie sicher die Frucht eines Roßopfers (Aśvamedha). Nichts überwindet sie unter den Verdienstvollen der drei Welten; durch den Staub ihrer Füße werden Pilgerstätte und Erde gereinigt. Ihren Anblick und ihre Berührung wünschen sich selbst Weise und Götter; tausend Menschen werden durch ihre bloße Geburt gereinigt.'

ity uktvā jagatāṃ dhātā tatra tūṣṇīṃ babhūva saḥ / āścaryaṃ menire śrutvā devāś ca munayas tathā ... vicitrāṃ ca brahma-sabhāṃ puṣkaraṃ tīrtham āyayuḥ

So gesprochen habend, verstummte der Ordner der Welten; die Götter und Weisen hielten dies, als sie es gehört hatten, für ein Wunder. Zu dieser Zeit versammelten sich dort Vidyādharī-Frauen, und vielerlei Gandharvas tanzten, Kinnaras sangen. Rambhā, Urvaśī, Ghṛtācī, Menakā, Tilottamā, Sudhāmukhī, Pūrṇacittī, Mohinī, Kalikā, Campāvatī, Candramukhī, Padmā, Padmamukhī und andere, viele mehr, stets von fester Jugendschönheit, mit breiten Hüften und schweren Brüsten leicht gebeugt, sanft lächelnd, heiteren Antlitzes, von Verlangen ergriffen, kamen herbei. Die vedakundigen, verkörperten vier Veden selbst, Brahmanen, Bettelmönche, Vollkommene, Asketen und Brahmacārin kamen ebenso herbei, dazu Astrologen und Lobpreis-Rezitatoren; Lakṣmī, Sarasvatī, Durgā, Sāvitrī, Rohiṇī, Rati, Tulasī, Pṛthivī (die Erde), Gaṅgā, Svāhā, Yamunā, Vāruṇī, Manasā [?] und Indrāṇī - all diese Göttergattinnen, dazu die Frauen der Weisen und der Gandharvas kamen freudig herbei, ach, zu einem großen Fest, mit im Herzen höchster Wonne, zur wunderbaren Versammlung Brahmās, zur Pilgerstätte Puṣkara.

[Anm.: Der Name 'Manasā' (V. 93) - sonst die Schlangengöttin - erscheint hier auffällig in einer Reihe mit Flussgöttinnen und Indras Gattin Śacī/Indrāṇī; die genaue Identität bleibt unsicher und wird mit [?] vermerkt.]

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