Paṭala 13: Prathamaika-rātre Trayodaśo 'dhyāyaḥ
Dreizehnter Adhyāya der ersten Nacht - Die Errettung des Gandharva (Gandharva-Mokṣaṇa)
Zwischen den Lobgebeten bittet der Gandharva Upabarhaṇa (Nārada) den erhabenen Kṛṣṇa in Todesangst um Rettung vor dem Zornesfeuer aller Götter, das sich gegen ihn richtet, weil er zuvor (in Kap. 10) durch seine Ergriffenheit den Takt des Kīrtana-Gesangs unterbrochen hatte. Der erhabene Herr beruhigt ihn lachend mit einer ausführlichen Lehre über die absolute Furchtlosigkeit und Unantastbarkeit seiner Mantra-Verehrer, erläutert die Überlegenheit seines Mantra über alle Wallfahrts-, Ahnen- und Opferriten und zählt schließlich alle bisherigen Empfänger dieses Mantra auf (von Śiva über Sanatkumāra, Brahmā, Kapila bis zu Rādhā selbst) - mit der Erklärung, warum ausgerechnet der Gandharva es noch nicht direkt erhalten hat: Wegen seines einstigen Gehorsams gegenüber Brahmās Wort muss er zunächst in einem Śūdra-Schoß wiedergeboren werden, bevor er es - nach zehn Jahren als Sohn Brahmās - aus Śivas eigenem Mund empfangen wird.
śrī-śuka uvāca: stotrāntare ca kāle ca kiṃ rahasyaṃ babhūva ha / tan me kathaya bhadraṃ te bhagavan bhagavad-vacaḥ ... pādma-padmārcita-pade padme te śaraṇāgatam / mām anāthaṃ bhayākrāntaṃ rakṣa rakṣa surānalāt
Śrī Śuka sprach: 'Was für ein Geheimnis geschah in der Zwischenzeit der Lobgebete, Erhabener? Das sage mir, Segen sei mit dir - die Worte des Erhabenen.' Śrī Vyāsa sprach: In der Zwischenzeit der Lobgebete sprach der Gandharva Upabarhaṇa in Brahmās Versammlung zum ewigen Erhabenen: 'Von allen Göttern bin ich nun aus göttlichem Grund verflucht worden; der Feuerhaufen der Götter lodert wie der Berg Sumeru. Jetzt, da du fortgehst, wird er mich zu Asche machen. Darum beschütze mich, Herr des Universums, du musst mich erretten! Durch deinen Eber-Anteil (Avatāra) wurde einst die Erde errettet, nachdem du den großen Dämon Hiraṇyākṣa spielend erschlagen hattest. An deinem von Padmā verehrten Lotosfuß nehme ich, hilflos und von Furcht überwältigt, Zuflucht - beschütze, beschütze mich vor dem Götterfeuer!'
Als er die Worte des Gandharva gehört hatte, sprach der Herr des Universums, lachend, mit sanfter Stimme, der Herr Brahmās, in Brahmās Versammlung: [Es folgt die Errettung des Gandharva:] Der erhabene Herr sprach: 'Bester der Gandharva-Könige, sei standhaft, gib die Furcht auf! Was für eine Furcht hat ein Ergebener von glückverheißender Zuflucht, solange ich gegenwärtig bin? Meine Ergebenen, frei von [den Folgen ihres] Handelns, haben vor nichts Furcht; für sie gibt es keine Furcht vor Geburt, Tod, Alter und Krankheit. Ein Verehrer meines Mantra ist unabhängig, stets von ewiger Gestalt; durch das bloße Empfangen des Mantra gibt es für ihn keine Geburt mehr. Er hat keine Furcht vor der Zeit, auch nicht vor der Fügung des Schicksals; durch das bloße Empfangen des Mantra wird er von allem Karma befreit. Mein Mantra [verbrennt] die über Millionen Geburten angehäufte Sünde aus dem Leib, wie ein lodernd brennendes Feuer einen Strohhaufen vom Boden [vertilgt]. Durch die Erlangung meines Mantra im Yoga, oder durch die Erlangung meines Namens, erzittern deren Sünden, über Millionen Geburten angehäuft. Yama lässt die Aufzeichnung seines Namens [im Totenregister] weit entfernt sein; am Ende, nach Goloka gegangen, erlangt er [meinen] Dienst. Solange er lebt, wandert er unabhängig umher, wie ein brünstiger Elefant; danach [fliehen] seine Sünden, wie Schlangen vor Garuḍas Sohn. Durch den Staub ihrer Füße wird sogleich die Erde geläutert; sie reinigt alle Pilgerstätten selbst aus der Ferne, durch den bloßen Anblick. Rein sind Wind, Feuer, Wasser und das Tulasī-Blatt; rein sind gewiss die Pilgerstätten, die Gaṅgā und die anderen, o Sänger. Rein, wohlgesittet, rechtschaffen, gelübdetreu ist eine treue Gattin; [doch] die Verehrer meines Mantra sind stets reiner noch als diese. Für die Mantra-Verehrer sind Pilgerfahrt, Gelübde, Ahnenopfer, Wohltätigkeit und Verehrung [im Vergleich] wie das Wiederkäuen von bereits Gekautem, Sohn. Durch Hingabe werden die Pilgerstätten [selbst] geläutert; der Vaiṣṇava ist von Natur aus rein; jenes [Ritualsystem], ebenso wie unreine Wohltätigkeit und Ahnenopfer, sind [demgegenüber] fruchtlos. Beim Ahnenopfer sind Geber, Ausführender [und Priester] drei Personen, [die vorgeben,] hundert [Ahnen-]Personen zu befreien - wer aber genießt wirklich die Ahnenopfergaben? Manche sagen, dies geschehe um der Welt der Ahnen willen; dem entgegen sind jene [Ahnen] durch das bloße Empfangen des Mantra [durch einen Nachkommen] zufriedengestellt. Deren glückverheißende [Riten-]Handlungen taugen nicht zum [weiteren] Genuss [ihrer Frucht], Sohn, so wenig wie aus gekochtem Korn ein Spross entstehen kann. [Mein Mantra] bewirkt für sie unmittelbar die Durchtrennung der Karma-Wurzel selbst; außer dem Mantra-Verehrer erfahren [alle] anderen [weiterhin] den Genuss ihres Karma. Ich selbst habe meinen eigenen Mantra einer Person gegeben; nachdem ich ihn durch eine andere Tür [d.h. durch einen Vermittler] habe empfangen lassen, mache ich den Ergebenen frei.
mayā pradatta-mantraś ca purā mṛtyuñjayas tathā / mṛtyuñjayāya goloke śuddha-sattva-guṇāya ca ... ity evam uktvā sarvātmā tatraivāntaradhīyata / gandharvaḥ prayayau tasmād yoṣidbhiḥ saha putraka
Mein einst gegebener Mantra machte Mṛtyuñjaya [Śiva] zum Todesbezwinger, in Goloka, von reiner Sattva-Eigenschaft; ebenso [gab ich ihn] Sanatkumāra, Dharma, Brahmā, Kapila und Śeṣa, Gaṇeśa, o Großgesinnter, Nārāyaṇarṣi, dem weisen Sohn Dharmas, wiederum dem großen Viṣṇu selbst, in dessen Poren alle Welten [ruhen], der über die Zeit waltenden Gottheit, jenem Alles-Beendenden, Upendra, dem Liebesgott, Bhṛgu und Aṅgiras, Sarasvatī und Padmā, Rādhā am Ufer der Virajā, Sāvitrī, der Viṣṇu-Māyā und meinen [eigenen] Gefährten, Kind. Dir allein wurde der Mantra hier nicht gegeben - höre den Grund dafür: Du wirst im Schoß eines Śūdra geboren werden, weil du einst Brahmās Wort gehorcht hast. So habe ich dir alles gesagt; geh, Kind, wie es dir beliebt. Binnen zwölf Jahren wirst du, durch göttliche Fügung, im Schoß eines Śūdra geboren werden. Binnen fünf Jahren, nachdem du meinen Mantra von einem Brahmanen empfangen hast, wirst du am Ende von zehn Jahren den Leib aufgeben und Brahmās Sohn werden. Meinen Mantra wirst du dann erneut aus Śambhus Mund empfangen.' So gesprochen habend, verschwand das All-Selbst dort sogleich; der Gandharva zog von dort fort, samt seinen Frauen, Kind. So wurde die ganze frühere Geschichte erzählt.