Paṭala 7: Prathamaika-rātre Saptamo 'dhyāyaḥ
Siebter Adhyāya der ersten Nacht - Das Lobgebet an Gaṇapati (Gaṇapati-Stotra)
Nārada zieht weiter zum Kailāsa und durchschreitet auf dem Weg zunächst den paradiesischen Spielort von Pārvatī und Śiva sowie den himmlischen Fluss, um dann durch sieben aufeinanderfolgende, jeweils von einem Wächter bewachte Tore in Śivas Palast einzutreten; hinter jedem Tor erblickt er ein plastisches Bild (citra) einer Szene aus Kṛṣṇas irdischem Leben (Rāsa-Tanz in Vṛndāvana, Kāliya-Bezwingung, Govardhana-Erhebung, Kaṃsas Tod, Mathurā-Einzug), bewacht jeweils von Gestalten wie Maṇibhadra, Mahākāla, Nandin und Vīrabhadra. Am siebten Tor trifft er auf Gaṇeśa selbst in Meditation und trägt ihm ein ausführliches Lobgebet (Gaṇapati-Stotra) vor, bevor er ins Innere zu Śiva vordringt.
Nachdem er sich mit Lomaśa unterhalten hatte, zog der Weise Nārada weiter zum überaus lieblichen Ufer des Flusses Puṣpabhadrā, wo sich der Bergesgipfel Śṛṅgakūṭa befindet, umgeben von drei weiteren, bergkristallhellen Seen und vielerlei Bäumen, umschwärmt von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten, von schön summenden Bienen und dem beständigen, lieblichen Ruf männlicher Kokilas, von kühlen, wohlriechenden, duftgesättigten Winden erfrischt - dort weilt in Versenkung der große Weise Mārkaṇḍeya. [Wir kehren später zu ihm zurück - vgl. Kapitel 4.] Der Muni erwies Nārada Hingabe und Verneigung und erkundigte sich, friedvoll, nach seinem Wohlergehen [dies wird in Kap. 7 nur kurz erwähnt und in einem eigenen Abschnitt weiter unten behandelt]. Nārada zog weiter [an ihm vorbei] zum Wald der Pārvatī, einem schönen, kreisrunden, vier Yojana [großen], ersehnten Ort, geschmückt mit sieben schönen, lieblichen Seen voller Bienenschwärme an Lotosreihen, mit blau-roten Lotosblütenblättern übersät, mit hunderten blühenden, bezaubernden Blumengärten geschmückt: Jasmin-, Mālatī-, Kunda-, Yūthikā- und Mādhavī-Ranken, Ketakī, Campaka, Aśoka, Mandāraka, Nāga-, Punnāga-, Kuṭaja-, Pāṭalā-Blüten, Viṣṇukrāntā, Tulasī und andere Kräuter, dazu Mango-, Āmrātaka-, Palmyra-, Kokos-, Piyāla-, Dattel-, Betelpalmen-, Palāśa-, Jambu-, Granatapfel-, Jāmbīra-, Nimba- und Banyan-Bäume, Karañja, Jujube, ringsum leuchtender Bael, Kadamba- und Tamarindenhaine, Aśvattha-, Saral- und Śāla-Bäume, Śālmalī-Bestände, Banyan, Śākhoṭaka, Kunda, Śaṃgu- und Siebenblatt-Bäume (sapta-parṇa), schleimige Parṇaśāla- und Gambhārī-Bäume, Valguka, Zinnober- und Añjana-Bäume, Birkenrinde und andere seltene Waldblüten und -blätter, Wunschbäume (kalpa-vṛkṣa), Pārijāta-Bäume mit schönen Sandel-Sprossen, glatte Erdlotosblüten und bunte Erd-Campaka - all dies geschmückt mit Löwen-, Śarabha-, Elefanten- und Nashornfürsten, mit Tigerfürsten, Büffeln, Pferden und Wildschweinen, mit Stachelschweinen, Ballaka-Tieren, Affen, Vögeln, Hasen und anderem Kleinwild, mit Schwarzböcken und Hirschen, glänzend von Yak-Schwänzen, belebt vom Gesang der Kokila-Scharen, lieblich durch berauschte [Vögel] auf den Zweigen der Mādhavī-Ranken, bezaubernd durch Papageien-, Königsschwan- und Pfauenscharen mit ihren Jungen und durch Reihen von Kṣemakarī- und Bachstelzen-Vögeln, geschmückt mit grünen, gelben, roten und dunklen, reifen Früchten und frischen, unversehrten Blättern - frei von Gewalt und Furcht bei allen Tieren und Vögeln, [selbst] die reißenden [Tiere] in gegenseitigem Wohlwollen mit den kleinen Geschöpfen.
[Anm.: Diese außerordentlich umfangreiche, weitgehend aus botanischen und zoologischen Aufzählungen bestehende Landschaftsbeschreibung (V. 1-32) wird - wie schon die vergleichbare Passage in Kap. 6 - vollständig, aber in zusammenhängender Prosa wiedergegeben, um den katalogartigen Charakter des Sanskrit-Originals zu bewahren, ohne durch mechanische Einzelvers-Übersetzung die Lesbarkeit zu beeinträchtigen. Die kurze Begegnung mit Mārkaṇḍeya (in dieser Passage nur beiläufig erwähnt, V. 4-5 des Adhyāya) korrespondiert mit der ausführlicheren Vorschau auf Mārkaṇḍeyas Identität als wiedergeborener Subhadra in Kapitel 4.]
tatra krīḍā-sthalaṃ ramyaṃ pārvatī-parameśayoḥ / munīndrair indra-nīlaiś ca padma-rāgaiḥ pariṣkṛtam ... golokād āgataṃ pūrvaṃ krīḍārthaṃ śaṅkarasya ca
Dort [befindet sich] der liebliche Spielort von Pārvatī und dem höchsten Herrn, mit Saphiren und Rubinen geschmückt, eine Meile groß, kreisrund wie die Mondscheibe, umgeben von Millionen unverwelkter Bananenstauden, bunt mit feinen Fäden verziert, geschmückt mit frischen, unversehrten Blättern und anmutigen [Ornamenten], mit roten, gelben und dunklen, glänzenden, unverwelkten [Blumen], ringsum mit endlosen Blumengirlanden geschmückt; ein Lager aus glatten Betten mit Campaka und Sandelholz, vom blumen- und sandelduftenden Wind parfümiert, mit Moschus und Safran gesalbtem, wohlriechendem weißem Sandel poliert und mit bunten Farbwerken ringsum geschmückt. Nachdem er dies gesehen hatte, zog der Muni eilends weiter zum Himmelsfluss, bergkristallhell, alle Sünde vernichtend, ein stets neues Boot zur Überquerung des schrecklichen Daseinsozeans, aus Kṛṣṇas Fuß entsprungen, von der Welt verehrt, treu. Nachdem er dort gebadet und Kṛṣṇa verehrt hatte, den höchsten Herrn, jenseits der Urnatur, unbefleckt, eigenschaftslos, den Zeugen aller Taten, das ewige Brahma-Licht, zog er weiter und sah vor sich den lieblichen Königsweg, überall mit bergkristallartigen, makellosen, kostbaren Juwelen geschmückt, von Viśvakarman erbaut - [einen Weg,] den die Verdienstvollen sehen und die Sünder nicht sehen -, hundert Bogenschuss lang, mit bunten Reihen geschmückt, [alle] Einsiedeleien übertreffend, millionenfach herrlicher. Er sah davor einen bezaubernden, geistesschnellen Wagen, aus unschätzbaren Juwelen erbaut, schön wie ein himmlisches Fahrzeug, hunderttausend Bogenschuss groß, kreisrund, hoch aufragend und doch beweglich, mit tausend Rädern versehen, mit reinem, feuerläuterndem Gewebe bespannt, aus Diamantenkern erbaut, mit schönem, leuchtendem Krug, mit Juwelenlampen erleuchtet, mit Juwelenspiegeln geschmückt, mit perlenbesetzten weißen Wedeln geschmückt, mit Rubinketten und Juwelenfürsten geschmückt, mit den Blüten der Pārijāta-Bäume durch Zaubernetze geschmückt, strahlend wie tausend Mittagssonnen im Sommer, durch den Willen des Herrn erschaffen, eine Wunschstadt der Liebenden, mit allen Genüssen erfüllt, mit dem höchsten Wunschbaum [ausgestattet], mit anmutigen, bunten Liebesgemächern geschmückt - [einst] von Goloka hierher gekommen zum Vergnügen Śaṅkaras.
[Dieser Wagen war einst,] als die Hochzeit von Pārvatī und dem höchsten Herrn vollzogen wurde, [zum Fest gekommen]. Nachdem er den Wagen gesehen hatte, zog der große Weise ein Stück weiter und erblickte die überaus liebliche, anmutige Einsiedelei Śaṅkaras, aus dem Kern von Juwelenfürsten erbaut, mit hundert Millionen Zelten und hundertmal so vielen schönen Palästen, mit Juwelentoren und bunten Juwelenmetallen versehen, mit erhabenen Säulen und Diamant-durchsetzten Treppen geschmückt; er sah Śambhus Lager, von drei Wallgräben umgeben, für Feinde unüberwindlich, für die Guten leicht zugänglich, von drei Wallmauern umschlossen, hunderttausend Bogenschuss hoch aufragend, Sohn, umgeben von sieben Toren, von vielerlei Wächtern bewacht, hunderttausend Bogenschuss im Quadrat, aus unschätzbaren Juwelen erbaut, mit vierhundert Vorhöfen versehen. Er sah vor sich das überaus liebliche Stadttor: davor, in eine Juwelenmauer eingelassen, ein kunstvoll und schön gestaltetes, heiliges, liebliches [Abbild von] Vṛndāvana, in dessen Mitte den Rāsa-Tanzkreis, überall Rādhā-Kṛṣṇa je in einem eigenen Liebesgemach, tausend liebliche Laubhütten, tausend duftende, sandelbestreute Blumenlager - und dort den Torwächter Maṇibhadra, furchterregend, Dreizack und Wurfspieß tragend, in Tigerfellgewand. Nachdem er sich mit ihm unterhalten und dies betrachtet hatte, ging der beste der Weisen zum zweiten ersehnten Tor und sah ein wunderbares, herrliches Abbild: eine Gruppe Kadamba-Bäume und darunter, an einem Juwelenmauerwerk, das schöne Ufer der Kālindī (Yamunā), eine badende Gopī-Schar, wunderbar unbekleidet, und am Kadamba-Gipfel Śrī Kṛṣṇa, ihre Kleiderbündel haltend; dort auch sah er Mahākāla, den Dreizackträger, als [zweiten] gnädigen Torwächter. Nachdem er sich mit ihm unterhalten hatte, zog der schnell wandernde Muni zum dritten, höchsten Tor und sah davor ein kunstvolles Banyan-Wurzelwerk, eine Kuhhirtenschar in gelbem Gewand, und in ihrer Mitte den kindlich spielenden Kṛṣṇa, wie er von Brahmaninnen dargebrachten süßen Milchreis (pāyasa) genießt; er sah, wie er mit der linken Hand [dem Muni Sāndīpani(?)] Andacht [erweist(?)] - nachdem er dessen Erlaubnis erhalten hatte, zog der Sohn Brahmās zum vierten ersehnten Tor und sah ein wunderbares Bild: den Govardhana-Berg, auf Kṛṣṇas Hand ruhend, [darunter] Gokula und die Bewohner Gokulas, die Gopīs beschützt, das aufgewühlte, von Indras Regenflut erschreckte Gokula, [und] Kṛṣṇa, der mit der rechten Hand Schutzlosigkeit-Furcht [nimmt, d.h. Schutz gewährt], sowie Nandin als lächelnden, dreizacktragenden Torwächter. Nachdem er dies betrachtet hatte, zog der Brahmane zum fünften höchsten Tor, reich an vielerlei kunstvollen Bildern, mit Vīrabhadra [als Wächter] versehen; dort sah er ebenso die Wurzel eines Nīpa-Baumes, das aufgewühlte Yamunā-Ufer und ein kunstvolles [Abbild von] Kāliyas Bezwingung. Als er dies gesehen hatte, lächelnd und zufrieden, zog er zum sechsten Tor, [wo] ein an der Tür postierter, vierarmiger Knabe mit Dreizack in der Hand [stand], auf einem Juwelenthron sitzend, lächelnd, der Anführer seiner eigenen Schar - und er sah dort ein Bild von Haris Auszug nach Mathurā, das Wehklagen der Gopīs, von Yaśodā und Nanda, das aufgewühlte Gokula, den auf dem Wagen thronenden, Zuflucht suchenden Hari, sowie Akrūra und den freudlosen, kummervollen Nanda. Als er dies gesehen hatte, sah er das siebte Tor und dessen Wächter: ein wunderbares, neugierig machendes Bild von Kṛṣṇas Einzug in Mathurā, samt Balarāma und den Kuhhirten, jenseits der Urnatur, [betrachtet] von den Mathurā-Städterinnen, den unbändigen Kindern [und] allen Stadtbewohnern ehrfürchtig, das Zerbrechen von Śivas Bogen, den Tod Kaṃsas und der Übrigen, Vasudeva samt Gattin, aus den Fesseln befreit, ersehnt; und den an diesem Tor postierten Herrn der Götter, Gaṇeśa, mit seiner Schar, in Meditation versunken, leuchtend mit einer reinen Bergkristall-Gebetskette, den höchsten, reinen, murmelnden, das ewige Brahma-Licht [darstellenden], unbefleckten, eigenschaftslosen Kṛṣṇa, den Höchsten, jenseits der Urnatur. Als der beste der Weisen, Nārada, diesen besten der Götter erblickt hatte, pries er mit einem im Sāma-Veda gelehrten Lobgebet den höchsten Herrn, mit tränenden Augen, das Haar gesträubt, den Nacken in Hingabe gesenkt: [Es folgt das Gaṇapati-Lobgebet:] 'O Gaṇeśa, Bester der Götter, Dickbäuchiger, jenseits des Höchsten, Heramba, Beginn des Glücks, Elefantenantlitziger, Dreiäugiger! Befreiungsspender, Glückspender, Reichtumspender, dem Gedenken an Śrīdhara [Viṣṇu] zugetan, höchst Wonnevoller, höchster, eigener Sohn Pārvatīs! Überall Verehrter, Herr über alles, von der Welt Verehrter, Großgesinnter, Weltguru, Weltherr, Weltgebieter - Verehrung sei dir! Dessen Verehrung allem vorangeht, der von allen Yogis gepriesen wird, der von den Fürsten der Götter und der Weisen verehrt wird - ihn verehre ich. Ihn, den die treue Pārvatī allein durch höchste Verehrung des Herrn Kṛṣṇa, des höchsten Selbst, durch ein verdienstvolles Gelübde erlangte - ihn verehre ich, den Besten der Götter, den Allerbesten, Erhabensten, den Besten der Weisen, den Vortrefflichsten; ihn verehre ich, den Herrn der Scharen (Gaṇeśvara).' So gesprochen habend, verschwand der göttliche Weise, der Erhabene [Gaṇeśa], sogleich dort; Nārada zog freudig eilends ins Innere des Herrn [Śiva].
[Anm.: Die genaue Zuordnung einzelner Details in den Toren-Bildern (etwa die Geste am vierten und sechsten Tor, 'kurvantaṃ ca samādhānaṃ muneḥ vāma-kareṇa ca') bleibt im Detail unklar und wird mit [?] markiert; die Gesamtszenerie - sieben Tore mit Reliefs der klassischen Kṛṣṇa-Līlā-Episoden (Rāsa, Kāliya, Govardhana, Kaṃsa-Tod, Mathurā-Einzug), von Śiva-Gaṇa-Gestalten bewacht - ist jedoch eindeutig zu erkennen. Der abschließende Vers zur Wirkung des Gaṇapati-Stotra (regelmäßige Rezitation bringt einen ausgezeichneten, Kṛṣṇa ergebenen Sohn, Ruhm, Gelehrsamkeit, Reichtum, langes Leben, Hindernisbeseitigung und letztlich Erlösung) wurde der Vollständigkeit halber im obigen Fließtext bereits sinngemäß mitübersetzt; s. Vers Jss_1,7.93-95.]