Quellen der Menschheit

Jñānāmṛtasāra-Saṃhitā

Paṭala 11: Prathamaika-rātre Ekādaśo 'dhyāyaḥ Elfter Adhyāya der ersten Nacht - Die Schau des großen Festes (Mahotsava-Darśana)

Der Gandharva Upabarhaṇa (Nārada) trägt auf Brahmās Geheiß mit Vīṇā-Begleitung das Kṛṣṇa-Rāsa-Lied vor - den Gewänderraub der Gopīs, das Rāsa-Fest, deren Klage, die Kātyāyanī-Verehrung und den Sturz des Indra-Stolzes durch die Govardhana-Erhebung -, wobei alle Anwesenden wiederholt vor Ergriffenheit die Besinnung verlieren. Zum Abschluss beschenkt Brahmā ihn und seine fünfzig Gattinnen mit kostbaren Gaben, woraufhin sämtliche anwesenden Götter, Weisen und Göttinnen der Reihe nach ihm ebenfalls je eine besondere Gabe darbringen - eine umfassende Aufzählung göttlicher Geschenke von Wissen über Schmuck bis zu Zauberkräften.

śrī-vyāsa uvāca: atha gandharva-rājas tu bhagavān ājñayā vidheḥ / saṃgītaṃ ca jagau tatra kṛṣṇa-rāsa-mahotsavam ... tasmai dadau puro brahmā vahni-śuddhāṃśukaṃ param / paraṃ śubhāśīr-vacanaṃ yat tan-mānasa-vāñchitam

Śrī Vyāsa sprach: Da sang der erhabene Gandharva-Fürst [Upabarhaṇa], auf Brahmās Geheiß, dort das Lied vom großen Kṛṣṇa-Rāsa-Fest: wohlabgestimmt im Takt, lieblich zu hören, von Vīṇā, Mṛdaṅga und Muraja-Trommel begleitet und mit [ihrem] Klang durchdrungen, schön in der [rechten] Rāgiṇī-Melodie, zeitgemäß, süß und schwelgend, dem Sinn Freude bereitend, wunderbar, durch reizvollen Tanz, ausgezeichnete Gestalt und Kleidung, den Samen der Zuneigung der Welt [in sich tragend], mit für den Tanz geübten Handgesten. Als alle Götter, Weisen und Frauen dies sahen und hörten, verfielen sie sogleich in Ohnmacht und kamen immer wieder zur Besinnung zurück. Den Gewänderraub der Gopīs, die Klage der Gopī-Schar, die Rückgabe der Gewänder an sie, die Ehrerweisung und Wunschgewährung, das Kātyāyanī-Gelübde, das Essen der Speise der Brahmanenfrauen, die Zerschlagung des Stolzes Indras und der [übrigen], die Verehrung des Berges [Govardhana] - all dies [besang er]. Und wieder hörten alle die Beschreibung des herrlichen Vṛndāvana, und wieder verfielen sie in Ohnmacht, und wieder kamen sie zur Besinnung. Brahmā gab ihm daraufhin ein feuerläuterndes Gewand, den höchsten Segenswunsch, der ihm im Sinne stand.

amūlya-ratna-nirmāṇaṃ cāru-kuṇḍāla-yugmakam / maṇīndra-sāra-mukuṭaṃ paraṃ ratnāṅgurīyakam ... gandharvāś cāpi tat-patnyaḥ sva-śilpaṃ pradadus tathā / paramānanda-yuktāś ca muni-patnyaḥ śubhāśiṣam

[Brahmā gab ihm ferner] ein aus unschätzbaren Juwelen gefertigtes, anmutiges Ohrringpaar, eine Krone aus dem Kern von Juwelenfürsten, einen kostbaren Juwelenring, duftendes Sandelholz und Blumen, den ersehnten Staub seines eigenen Fußes, ein unschätzbares Juwelen-Stirnzeichen und leuchtenden Juwelenschmuck; jeder [der fünfzig Frauen] gab er je ein anmutiges Kleinod, und Viśvakarman schuf für sie kunstvollen Juwelenschmuck: je eine Muschel[-Verzierung], Zinnoberrot, mit Moschus versetztes Sandelholz, Betel mit Kampfer, einen Spiegel aus dem Kern der Juwelenfürsten, ein aus Juwelen gefertigtes Geschmeide, geschmückt mit weißen Wedeln, einen geistesschnellen, himmlischen, durch den Willen des Herrn geschaffenen Wagen, mit Perlen, Rubinen, Diamantenfürsten und Juwelenfürsten geschmückt, mit echten Juwelengirlanden, weißen Wedeln und Spiegeln, ringsum von hunderttausend schönen Palästen umgeben, reich an Juwelen, Rubinen und Diamanten, mit echten Juwelenkrügen leuchtend, mit tausend Rädern versehen, eine Yojana lang, hunderttausend Bogenschuss hoch aufragend, mit tausend Pferden bespannt - all dies gab Brahmā, freudig und zufrieden. Śambhu, zufrieden und froh, gab unerschütterliche Hingabe zu Hari, geistige Erkenntnis, die überaus schwer erlangbare Yoga-Erkenntnis, die Erinnerung an vielerlei frühere Geburten, Geschicklichkeit in allen Vollkommenheiten. Er gab die vorschriftsmäßige Verehrung Haris, dessen Lobpreis und Anbetung, eine Rubin-Diamant-Halskette und hunderttausend überaus seltene Juwelen. Śeṣa gab eine Schlangenkette, ein Diadem für den Fürsten der Schlangen, hundert Schlangenmädchen, mit ausgezeichnetem Schmuck geschmückt, sowie beständige Sicherheit vor Schlangen und Gifttieren, die Kenntnis des Weges zu Königspalästen und den Anblick aller Welten. Der Herr der Hindernisse [Gaṇeśa] gab ihm in der Versammlung Hindernislosigkeit, den überaus seltenen, ersehnten Staub seines eigenen Lotosfußpaares, einen unschätzbaren, unvergleichlichen, wie die Sommersonne strahlenden, in den drei Welten seltenen Juwelenfürsten, überall Sieg, ersehnten makellosen Ruhm, die Wissenschaft der Musik und deren bezaubernde Meisterschaft. Der Reichtumsherr [Kubera] gab hunderttausend Goldstücke und hundertmal hundert Diener; Dharma gab einen Ruhmeskranz, Skanda gab Standhaftigkeit. Dhanvantari gab die Heilkunst gegen chronische Sinnesleiden; Sūrya den Syamantaka-Juwel und achtfachen Goldreichtum samt Blüten. Der Mond gab ein unschätzbares, ausgezeichnetes Juwel eines weißen Pferdes; Feuer gab in der Versammlung ein Paar feuerläuternder Gewänder. Upendra gab Millionen von Juwelen, ebenso zuvor Indra; Viśvakarman die Vīṇā-Baukunst, Varuṇa eine Juwelengirlande. Der Liebesgott gab Geschicklichkeit in der Liebeskunst, die Fähigkeit zur [sexuellen] Zurückhaltung, die Erkenntnis der Liebesentflammung und das Hinschmelzen in Frauenliebe, die Kunst, Frauen gefügig zu machen, sowie das Wesen der Liebeslust; der Wind gab einen sündenverbrennenden Mantra und einen Juwelenschirm. Yama gab das Wesen des Dharma und den Schutz vor der Hölle; die Vasus gaben himmlische Güter, Rudra gab ihnen Schutzlosigkeit-Freiheit [d.h. Furchtlosigkeit]. Jayanta und Nalakūvara gaben ein Honiggefäß und ein Ambrosia-Gefäß, weiße Blüten und weißes Korn, den ersehnten Fußstaub. Der Liebreizende [Kāma, erneut, oder Manu(?)] gab ihm Segenswünsche; Lakṣmī gab höchste Herrschaft, Bhāratī (Sarasvatī) eine ausgezeichnete Kette. Durgā gab eine Juwelengirlande und überall ersehnte Furchtlosigkeit, seinen Gattinnen Juwelen und Zinnober-Schmuck. Rohiṇī gab einen Spiellotos, Rati einen echten Juwelenspiegel; Tulasī einen unvergleichlichen Blumenkranz, die Erde himmlischen Reichtum. Gaṅgā gab reiches Verdienst, Svāhā einen echten Juwelenwürfel; Yamunā einen wasserblühenden, unverwelklichen, zu jeder Zeit [blühenden] Lotos. Vāruṇī, zufrieden, gab Vāruṇī-Wein[?], Śacī ein Juwelengefäß; in Gedanken gab sie ihm auch ein Diadem für Schlangenfürsten. Auch die Gandharvas und deren Gattinnen gaben ihre je eigene Kunstfertigkeit, und die Frauen der Weisen, von höchster Wonne erfüllt, gaben ihren Segenswunsch.

[Anm.: Diese lange Geschenkliste (V. 10-39), in der nacheinander sämtliche anwesenden Götter, Göttinnen und Weisen dem Gandharva Upabarhaṇa (Nārada) je eine eigene Gabe darbringen, wird vollständig, aber in zusammenhängender Prosa wiedergegeben, um die enzyklopädische Aufzählungstechnik des Originals zu bewahren. Bemerkenswert ist, dass hierunter auch der Liebesgott Kāma explizit Fähigkeiten der erotischen Verführung und der 'Frauen-Gefügigmachung' verleiht - diese werden hier unverändert und ohne Beschönigung wiedergegeben, da sie zur Charakterisierung Nāradas als (in diesem Lebensabschnitt) liebestollen Gandharva gehören. Einige Einzelheiten (z.B. 'vāruṇīṃ vāruṇī tuṣṭā', V. 38, wo die Weingöttin Vāruṇī offenbar 'Vāruṇī' - Palmwein - selbst als Gabe gibt) bleiben wortspielhaft-mehrdeutig und werden mit [?] vermerkt.]

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