Quellen der Menschheit

Jñānāmṛtasāra-Saṃhitā

Paṭala 3: Prathamaika-rātre Tṛtīyo 'dhyāyaḥ Dritter Adhyāya der ersten Nacht - Preisung von Śrī Kṛṣṇas Größe (Śrī-kṛṣṇa-mahimopālambhana)

Sanatkumāra bittet um eine ausführlichere Darlegung der Größe von Kṛṣṇas Speiseopfer. Brahmā erzählt die Geschichte eines Brahmanenknaben (später als Subhadra benannt), der mit seinem Vater von einer Hochzeitsfeier heimkehrt; unterwegs, von Hunger und Durst geplagt, hält der altkluge zehnjährige Knabe seinem Vater eine Rede über die Unabänderlichkeit des von Vidhātā (dem Schicksalsgott) festgelegten Todeszeitpunkts und die göttliche Schutzmacht Kṛṣṇas, die alles Naturgeschehen durchwaltet, und ruft ihn zur Hingabe an Govinda auf. Danach sammelt der Knabe beim Baden Blumen und Früchte für die Verehrung seines Vaters und gerät dabei einem furchterregenden Tiger gegenüber; in Todesangst versenkt er sich in die Meditation der sechs Cakras und erlangt eine leibhaftige Vision des zweiarmigen Kṛṣṇa in seiner ganzen Schönheit und Herrlichkeit, die er in einem ausführlichen Lobpreis (Stotra) besingt.

aho tāta kim āścaryaṃ kṛṣṇasya paramātmanaḥ / paraṃ naivedya-māhātmyaṃ vistarād vada sāmpratam

Sanatkumāra sprach: 'Ach, Vater, was für ein Wunder! Die höchste Größe des Speiseopfers Kṛṣṇas, des höchsten Selbst, erzähle mir jetzt ausführlich.'

[Śrī-kṛṣṇa-mahima-varṇanam] brahmovāca: ekadā brāhmaṇo hṛṣṭaḥ praphulla-vadanekṣaṇaḥ / putreṇa sārdhaṃ prayayau bāndhavasya gṛhaṃ mudā ... tātasya vacanaṃ śrutvā jahāsa ca cukopa ha / pitaraṃ vaktum ārebhe rakta-paṇgkaja-locanaḥ

[Die Schilderung von Śrī Kṛṣṇas Größe] Brahmā sprach: 'Einst ging ein Brahmane, erfreut, mit blühendem Antlitz und Blick, zusammen mit [seinem] Sohn freudig zum Haus eines Verwandten, zu einer Hochzeit geladen, mit reichem Aufgebot ausgestattet; nachdem sie dort gegessen und getrunken hatten, kehrten sie freudig zu ihrem Haus zurück. Auf dem Weg, von Hunger und Durst gequält, samt seinem Sohn, sah [der Vater] den bezaubernd schönen Fluss Candrabhāgā. Der Sohn sprach zum Vater: "Nachdem ich gebadet habe, werde ich essen" - so sprach er; "Hunger und Durst werden auf dem Weg stärker, Vater." Als der Brahmane die Worte des Sohnes gehört hatte, sprach er selbst zu ihm: "Furchterregend ist dieser Wald in der Nähe des Flusses, Sohn. Geh eilends zum Dorfrand, zu dem lieblichen See davor; dort werden wir baden und essen, geh, Kind, wie es dir beliebt." Als er die Worte des Vaters gehört hatte, lachte [der Knabe] und wurde zugleich zornig; der Lotosäugige begann, zu seinem Vater zu sprechen.

[Śiśur uvāca] bālo 'haṃ daśa-varṣīyas tvaṃ ca vṛddhaś ca jñānadaḥ / pitā dadāti putrāya jñānaṃ sarvatra bhū-tale ... tāta vyartham adhītaṃ te durbuddher janma niṣphalam / subuddheḥ saphalaṃ janma tat-kṣaṇam jīvanaṃ sukham

[Das Kind sprach:] 'Ich bin ein zehnjähriges Kind, du bist alt und ein Wissensspender; überall auf Erden gibt ein Vater dem Sohn Wissen. Ach, wie schwer zu überwinden ist die Zeit, wenn der Alte wie ein Kind redet! Wie kannst du, das Frühere übergehend, so schwer zu Überwindendes sagen, Vater? Aus dem Früheren [karma] [kommen] Glück und Leid, Krankheit, Kummer, Furcht, Vater, ein guter oder ein schlechter Tod, langes Leben oder kurzes Leben. Zu welcher Zeit und durch welchen [Umstand] jemandes Tod, jemandes Geburt, jemandes gute Tat [bestimmt ist] - nicht um einen Augenblick [ist dies] zu wenig oder zu viel; wer könnte das [vom Schicksalsgott] Festgesetzte abwenden? In wessen Hand und wessen Tod von Vidhātā (dem Schöpfer) einst niedergeschrieben wurde, den zu durchtrennen vermag nicht einmal Viṣṇu selbst oder Śaṅkara. Vater, vergeblich ist dein Studium; die Geburt eines Toren ist fruchtlos, die Geburt eines Weisen ist fruchtbar, [selbst wenn nur für] einen Augenblick, [aber] ein glückliches Leben.

yena śuklī-kṛtā haṃsāḥ śukāś ca haritī-kṛtāḥ / mayūrāś citritā yena sa me rakṣāṃ kariṣyati ... kaścid yāti ca rājendro divya-yānena karmaṇā / kaścit kīṭa-pataṅgeṣu kaścit paśvādi-yoniṣu

Der, durch den die Schwäne weiß gemacht wurden und die Papageien grün gemacht wurden, durch den die Pfauen bunt gefärbt sind - der wird mich beschützen. Durch den Kṛṣṇa unzählige Welten geschaffen wurden, der das Bewegliche und Unbewegliche behütet - der wird mich beschützen. Wer von Kṛṣṇa beschützt wird, schläft glücklich selbst im schrecklichen Wald; auch wenn ihm der Tod bevorsteht, [geschieht dies] in seinem [eigenen] Haus [d.h. er stirbt eines natürlichen Todes]. Wer, durch früheres Glück gesegnet, auf Schlangenlagern schläft, wer aus [früherem karmischem] Genuss von einer Schlange gebissen wird, der wird [dennoch] in der Nähe Garuḍas bewahrt. Er stirbt nicht im Meer, nicht im Feuerhaufen, nicht durch Giftglut, nicht durch Waffe, nicht durch Geschoss - die Lebenszeit schützt die lebenswichtigen Punkte. Wessen Zeit nicht gekommen ist, stirbt nicht, selbst von hundert Pfeilen durchbohrt; wessen Zeit gekommen ist, lebt nicht mehr, selbst nur von einer Grashalmspitze berührt. Mancher stirbt im Mutterleib, mancher kaum auf die Erde gekommen, mancher in der Jugend, mancher erst im Greisenalter. Mancher [lebt] lang, ist krank oder auch gesund, mancher ist reich, mancher arm - jeder gemäß seinem Karma. Mancher lebt bis ans Ende des Weltzeitalters (kalpa), mancher lebt lange; durch früheres [Verdienst] ist mancher gleichsam unsterblich, [seine] Bestimmung besonders stark. Mancher geht als Fürst der Könige durch sein Karma auf göttlichem Wege dahin, mancher [wird wiedergeboren] unter Insekten und Faltern, mancher im Schoß von Vieh und dergleichen.

kaścid eva hi sannyāsī kaścic ca nara-ghātakaḥ / kaścid gajendra-gāmī ca paśu-yāyī ca kaścana ... prāpnoti dāruṇaṃ duḥkham ākalpaṃ pātakī pitaḥ / tathā bhogāvaśeṣe ca labdhā janma sva-karmaṇā

Mancher ist ein Asket (sannyāsī), mancher ein Mörder; mancher reitet auf einem Elefantenfürsten, mancher geht [nur] mit dem Vieh. Mancher trägt feine Gewänder, mancher abgetragene Lumpen; mancher [geht] nackt und ohne Nahrung und ernährt sich [dennoch wie] von Ambrosia, mancher ist schön und glückverheißend, mancher [leidet] an schwärender Lepra. Mancher ist bucklig, gliederlos, taub oder einäugig; mancher ist groß, mittelgroß, hinkend oder zwergwüchsig. Mancher ist dunkel, hellhäutig oder bräunlich durch sein eigenes Karma; mancher erlangt durch Hingabe den überaus schwer erreichbaren Dienst Kṛṣṇas. Manch einer erlangt den höchsten Ort Brahmans, der Geburt, Tod und Alter aufhebt, die makellose höchste Brahma-Welt; mancher [erlangt] den Himmel, den Rang Indras, die Welt Śivas durch sein eigenes Karma, mancher die Welt Indras, mancher die Welt Yamas. Mancher erlangt in der schrecklichen Hölle heftige Qual, von Yamas Boten gepeinigt, stets hungrig und durstig; er isst Kot, Urin, Würmer, dessen Unrat, Schleim, Gift, Fett, auf der Schneide des Rasiermessers, in siedendem Öl, im Feuer, in kaltem Wasser, auf dem Boden; er erleidet, Vater, schreckliches Leid bis zum Ende des Weltzeitalters, der Sünder - so wird durch eigenes Karma, was vom [früheren] Lebensgenuss übrig ist, die [nächste] Geburt erlangt.

vyādhi-yuktaḥ pramucyeta tayā ced īśvarecchayā / yad-bhayād vāti vāto 'yaṃ sūryas tapati yad-bhayāt ... sānandaṃ paramānandaṃ govindaṃ nanda-nandanam / bhaja tāta paraṃ brahma smara śaśvat sureśvaram

Ein Kranker wird durch jenes [Karma] befreit, wenn es des Herrn Wille ist; aus Furcht vor dem [Herrn] weht dieser Wind, aus Furcht vor ihm brennt die Sonne, regnet Indra, verbrennt Agni, wandelt der Tod unter den Geschöpfen; durch dessen Befehl trägt in der Weltenordnung selbst der [Weltschlangen-]Wurm die Unendlichkeit. Und er [durchdringt] das ganze Weltenei spielend, durch des Herrn Willen; durch dessen Befehl [trägt], von großer Furcht [erfüllt], die alles tragende Erde [ihre Last]. Sie, die Erde, ist der Uranfang von allem, reich an Juwelen wie der Himālaya; der Schöpfer selbst, der Erhabene, meditiert Tag und Nacht über ihn. Über den auch selbst der Todesbezwinger Śiva meditiert und ihn verehrt, den preist der Tausendköpfige [Śeṣa], meditiert stets über ihn, verehrt ihn stets. Selbst Sarasvatī preist ihn, den ersehnten Herrn; dem Lotosfuß dient selbst Padmālayā (Lakṣmī), Vater. Die von Māyā erschreckte Durgā, die Vernichterin des Unheils, preist ihn; stets preisen ihn die Veden, [und] Sāvitrī, die Mutter der Veden. Die Fürsten der Siddhas, die Fürsten der Munis, die Fürsten der Yogis mit Sanaka an der Spitze, die Fürsten der Könige, die Fürsten der Asuras, die Fürsten der Götter und die Manus meditieren und verehren ihn beständig als Ergebene, als Heilige. Manche erkennen ihn als Brahman, den ewigen Erhabenen; manche als das Prādhāna (die Urmaterie), den Uranfang von allem, manche als das Licht, den Herrn, manche als die Allgestalt, die Ursache aller Ursachen. Manche [erkennen ihn] als die aus eigenem Willen furchtlose Gestalt, als die Verkörperung der Gnade für die Ergebenen, manche als die überaus liebliche, dunkel-schöne, bezaubernde [Gestalt] - den Wonnevollen, höchst Wonnevollen, Govinda, den Sohn Nandas. Verehre, Vater, das höchste Brahman, gedenke stets des Herrn der Götter!'

ity evam uktvā pitaraṃ candra-bhāgā-nadī-jale / snātvā papau jalaṃ svacchaṃ bubhuje miṣṭa-modakam ... patraṃ bhojana-pātrārtham arhatuṃ cañcalaḥ śiśuḥ / cakāra cayanaṃ tūrṇaṃ praśastaṃ patra-pañcakam

So zum Vater gesprochen habend, badete er im Wasser des Flusses Candrabhāgā, trank das klare Wasser und aß süße Kuchen (modaka). Der Vater, dessen Worte gehört habend, vergoss freudige Tränen und küsste die Wange des Sohnes, ihn umarmend. Der Vater begann, gebadet, die Abenddämmerungsandacht (sandhyā) und die Verehrung zu verrichten; als der Sohn den wohlgebadeten Vater sah, ging er in den Wald. Um Blätter für ein Essgefäß zu erlangen, sammelte der unruhige Knabe eilends fünf ausgezeichnete Blätter (patra-pañcaka).

sundaraṃ kusumaṃ vanyaṃ pūjanārthaṃ pitus tathā / dadarśa purato bālaḥ supakvaṃ vadarī-phalam ... bālo voḍhum aśakyantaś ca yayau gamana-mantharaḥ / na phalaṃ bubhuje so 'pi dharmādharma-bhayena ca

Auch schöne Waldblumen für die Verehrung des Vaters [sammelte er]; vor sich sah der Knabe eine reife Frucht des Jujube-Baumes (badarī). Er sammelte diese schönen Früchte: die reife Amla-Frucht (dhātrī), die reife Āmrātaka-Frucht ebenso, die reife Kadamba-Frucht sammelte er weiter, die reife, schöne, liebliche Granatapfel- und Bael-Frucht (śrī-phala), die liebliche Jambu-Frucht ebenso, die bezaubernde Dattel, die Karañja- und Jāmbīra-Frucht, das liebliche Cikura ebenso. Nachdem er all dies gesammelt hatte, sah er vor sich einen See mit überaus klarem, reinem Wasser, mit weißem, bezauberndem Lotos, mit anmutigem, leuchtend rotem Kahlāra-Lotos in der Nähe des Wassers; all diese [Dinge] beiseite lassend, [ging er] zum Kopf-Teil des Sees, auf festen Grund; er trank das klare Wasser des Sees und nahm einen kräftigen Lotos, etwas roten Kahlāra-Lotos sowie die reife Lotosfrucht. Nachdem er alles Sammeln vollendet hatte, bereit, zum Vater zu gehen, [war er] mit blühendem Antlitz, glückverheißend, lächelnd, der Brahmanenknabe. Der lächelnde Knabe sah vor sich einen blühenden Campaka-Baum, Jasmin-, Mālatī-, Kunda-, Yūthikā- und Mādhavī-Ranken. Der Muntere sammelte schöne Blumen; durch Blumen, Früchte und Blätter wurde seine Last schwer. Der Knabe, unfähig sie zu tragen, ging langsamen Schrittes; auch die Früchte aß er nicht, aus Furcht vor [Verletzung von] Recht und Unrecht.

puro dadarśa sa śiśur ghoraṃ vyāghrālayaṃ bhiyā / tāta tāteti śabdaṃ ca cakāra ha punaḥ punaḥ ... dṛṣṭvā ca durato vyāghram uvāsa sarasas taṭe / dadhyau kṛṣṇa-padāmbhojaṃ janma-mṛtyu-jarā-haram

Vor sich sah der Knabe voller Furcht die schreckliche Behausung eines Tigers; "Vater, Vater!" rief er immer wieder aus. Er sah den Vater nicht, [sondern nur] den Tiger sah er; aus Furcht erinnerte er sich sogleich an die ersehnten Lotosfüße Govindas. Hari, Narahari, Rāma, Kṛṣṇa, Viṣṇu und Mādhava, Dāmodara, Hṛṣīkeśa, Mukunda, Madhusūdana - diese zehn Namen murmelnd, eilte der Brahmanenknabe aus Furcht rasch wieder zum See zurück. Am reinen Ufer des Sees gab er, in Hingabe, Blumen und Früchte dem erhabenen Kṛṣṇa, dem höchsten Selbst, dar. Während er Śrī Kṛṣṇa verehrte, den Lotosfuß meditierend, näherte sich der Tiger nicht, als er den Knaben von ferne sah. Der Knabe [andererseits] sah den Tiger, mit aufgerissenem, furchtbarem Maul, verzerrten Zähnen, verdrehten Augen, gewaltigem Bauch. Als er den Tiger von ferne gesehen hatte, saß er am Ufer des Sees und meditierte über Kṛṣṇas Lotosfüße, die Geburt, Tod und Alter aufheben.

mūlādhāraṃ svādhiṣṭhānaṃ maṇipūram anāhatam / viśuddhaṃ ca tathājñākhyaṃ ṣaṭ-cakraṃ ca vibhāvya ca ... pari-pūrṇatamam brahma paramātmānam īśvaram / nirliptaṃ sākṣi-bhūtaṃ ca bhagavantaṃ sanātanam

Nachdem er sich die sechs Cakras vergegenwärtigt hatte - Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und das sogenannte Ājñā - [erblickte er], zusammen mit seiner eigenen Kraft Kuṇḍalinī, den höchsten Herrn, im tausendblättrigen Lotos im Herzen thronend, den Herrn seines eigenen Selbst: Er sah den zweiarmigen Kṛṣṇa, in gelbe Seide gekleidet, lächelnd, schön, rein, vom Glanz einer frischen Regenwolke, an Schönheit einer Million Liebesgötter gleich, das Heim spielerischer Anmut, bezaubernd, vom Strahl einer Million Vollmonde erfüllt und schön, wohltuend anzuschauen, wohlgestalt, den Ergebenen Gnade erweisend, am ganzen Leib mit Sandelpaste gesalbt, mit Juwelenschmuck geschmückt, mit blühenden Lotosaugen, an Rādhās Brust ruhend [bzw. Rādhā an seiner Brust], mit einem an einen Mālatī-Blumenkranz gebundenen, schön leuchtenden Haarschopf, ein Juwel und einen Juwelen-Lotos in der rechten Hand haltend, in der linken einen aus Edelstein gefertigten, leuchtenden Spiegel; mit einem Paar Juwelenohrringen die Wangen zierend, mit dem Kaustubha-Juwelenfürsten die schöne Brust erleuchtend, mit einer Zahnreihe, die eine Perlenkette beschämt, bis zu den Knien mit einem Mālatī-Blumenkranz und einem Waldblumenkranz (vana-mālā) geschmückt, von der Sarasvatī aus dem Antlitz der Veden gepriesen, von Brahmā und Śiva verehrt, dessen Lotosfüße von Padmā (Lakṣmī), Padmālayā [Lakṣmī, Wiederholung(?)] und Māyā gedient werden [Anm.: Doppelnennung Padmā/Padmālayā im Text, evtl. Textverderbnis] - das vollkommenste Brahman, das höchste Selbst, den Herrn, unbefleckt, den Zeugen, den ewigen Erhabenen.

[Anm.: In Vers 79 erscheinen 'padmā' und 'padmālayā' unmittelbar nacheinander als zwei scheinbar identische Bezeichnungen der Lakṣmī neben Māyā - möglicherweise eine Doppelung im überlieferten Text oder eine bewusste Aufzählung zweier Aspekte; dies wird mit [?] vermerkt, da eine sichere Textkritik ohne Vergleichshandschrift nicht möglich ist.]

sarveśāṃ sarva-rūpaṃ ca sarva-kāraṇa-kāraṇam / puruṣaṃ paramātmaikaṃ pareśaṃ prakṛteḥ paraṃ ... iti viprakṛtaṃ stotraṃ tri-sandhyaṃ yaḥ paṭhen naraḥ / mucyate sarva-pāpebhyo viṣṇu-lokaṃ sa gacchati

[Er sah ihn als] die Allgestalt aller Herren, die Ursache aller Ursachen, den einen höchsten Purusa, den höchsten Herrn, jenseits der Urnatur (prakṛti). Nachdem er den also Beschaffenen, Alldurchdringenden gesehen hatte, verneigte er sich in Gedanken vor ihm; er pries ihn mit höchster Hingabe, mit gefalteten Händen, jenen Herrn. Śrī Subhadra sprach: 'O Herr, gib mir den Anblick, mir, dem Ergebenen, der Zuflucht sucht - o Schätzegeber, Herr der Śrī, Wohnstatt der Śrī, Schatz der Śrī, Behausung der Śrī! Von Śrī bedienter Lotosfuß, Ursache des Ursprungs der Śrī, mit den Veden nicht auszudrücken, wunschlos, Herr der Eigenschaftslosigkeit! Uranfang von allem, Wohnstatt von allem, Same von allem, ewig, Friedvoller, Geliebter der Sarasvatī, in allen Handlungen völlig entsagt! Stütze von allem, ohne eigene Stütze, Erfüller der Wünsche, jenseits des Höchsten! Steuermann durch das unüberwindliche, schwer zu durchquerende Meer des Daseinskreislaufs - Verehrung sei dir!' So gesprochen habend, weinte jenes Kind immer wieder und nahm, über jene Lotosfüße meditierend, Zuflucht zu ihnen. Wer dieses vom Brahmanen[knaben] verfasste Lobgebet (stotra) zu den drei Tageszeiten rezitiert, wird von aller Sünde befreit und gelangt in Viṣṇus Welt.

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