Quellen der Menschheit

Jñānāmṛtasāra-Saṃhitā

Paṭala 15: Prathamaika-rātre Pañcadaśo 'dhyāyaḥ Fünfzehnter Adhyāya der ersten Nacht - Nāradas erneute, umfassende Bitte um Belehrung (Schluss der 'Ersten Nacht')

Nach Ablauf der ihm auferlegten Frist gibt der Gandharva Upabarhaṇa seinen Leib auf, wird durch Brahmās Fluch in einem Śūdra-Schoß geboren, erlangt durch Viṣṇus Gnade und den Genuss von dessen Speiseopfer erneut die Sohnschaft Brahmās und, mit voller Erinnerung an alle früheren Geburten, von Śiva selbst den Kṛṣṇa-Mantra am Ufer der himmlischen Mandākinī. In Śivas Versammlung auf dem Kailāsa, in Gegenwart Pārvatīs und aller großen Weisen, wird ihm auch der einst Subhadra gegebene Kavaca übertragen. Den Abschluss des gesamten, in dieser Quelle überlieferten 'Ersten Nacht'-Abschnitts (Prathamaika-rātra) bildet Nāradas umfassende, alle bisherigen Themen noch einmal bündelnde Schlussbitte an Śiva um die höchste Belehrung - einschließlich der ausdrücklichen Bitte um die 'nie zuvor erzählte Geschichte Rādhikās', die selbst in Veden, Purāṇas und Itihāsas kaum zu finden sei -, mit der das Werk an dieser Stelle, dem eigenen Kolophon zufolge, endet.

gate niyamite kāle gandharvaś copavarhaṇaḥ / sva-yogena jahau dehaṃ bhārate prāktanād aho ... tad eva bhagavān śambhuḥ pradadau nāradāya ca / uvāca śambhuṃ devarṣir yogināṃ ca guror gurum / pārvatī-sannidhau tatra nāradaś ca mahā-muniḥ

Als die festgesetzte Zeit abgelaufen war, gab der Gandharva Upabarhaṇa durch seine eigene Yoga-Kraft den Leib auf, in Bhārata, kraft seines früheren [Karma], ach! Er wurde im Schoß eines Śūdra geboren, durch den Fluch des Vaters und durch göttliche Fügung; nachdem er Viṣṇus Gnade [d.h. dessen geweihte Speise] genossen hatte, wurde er [wieder] Brahmās Sohn. Vom väterlichen Fluch befreit, nachdem er die höchste Erkenntnis erlangt hatte, [besaß er], durch die Gnade des Kṛṣṇa-Mantra, die Erinnerung an jede [frühere] Geburt. Von seinem Vater kommend, erlangte er vom Mondgeschmückten [Śiva] den unvergleichlichen Śrī-Kṛṣṇa-Mantra, am Ufer der himmlischen Mandākinī. Vom Ufer der himmlischen Mandākinī zog er, zusammen mit seinem Guru Śaṅkara, eilends in Pārvatīs Gegenwart. Dort weilten Śambhu und der große Weise Nārada, Pārvatī, Bhadrakālī, Skanda, Gaṇapati selbst, Mahākāla und Nandin, der mächtige Vīrabhadra, die Vollkommenen, die großen Weisen und die Weisen mit Sanaka an der Spitze. Alle Fürsten der Yogis und alle Weisen sprachen in Śambhus Versammlung: 'Jenes Lobgebet, jenen Kavaca und jene Meditation, die der erhabene Nārāyaṇarṣi einst, im Wald, dem Brahmanen Subhadra gegeben hatte, samt allen Verehrungsvorschriften und vorbereitenden Riten - eben dies gebe der erhabene Śambhu nun auch dem Nārada.' Da sprach, in Pārvatīs Gegenwart, der göttliche Weise Nārada, der große Weise, zu Śambhu, dem Guru der Guru der Yogis:

bhagavan sarva-dharma-jña sarva-jña sarva-kāraṇa / sad yat pṛṣṭaṃ mayā pūrvaṃ tan māṃ vyākhyātum arhasi ... nāradasya vacaḥ śrutvā yogināṃ ca guror guruḥ / bhagavatyā sahālocya jñānaṃ vaktuṃ samudyataḥ

'Erhabener, Kenner alles Dharma, Allwissender, Ursache von allem! Was ich einst gefragt habe, das mögest du mir erklären. Was du auch immer gefragt hast, Brahmane, jedes einzelne, der Reihe nach - stelle die Frage erneut, Weiser, meine Versammlungsteilnehmer sollen zuhören. Die geistige Erkenntnis, die höchste Essenz der Veden, die Erkenntnis, die unter den Erkenntnissen die Essenz ist, die Hingabe zu Kṛṣṇa verleihende, glückverheißende, Nirvāṇa und Befreiung schenkende Erkenntnis, die die Karma-Wurzel durchtrennt, durch deren Vollendung im Yoga selbst die Yogis die ersehnte Befreiung [erlangen]; die weltlich-gegenständliche Erkenntnis, stets von Verblendung umhüllt; den rechten Lebenswandel der [vier] Lebensstufen, von Dharma geregelt, o großer Herr, [den Lebenswandel] der Bettelmönche, der Vaiṣṇavas, der Asketen, der Brahmacārin, der Waldbewohner und ebenso der Gelehrten, der treuen Gattinnen; was auch immer die Verehrung Śrī Kṛṣṇas [betrifft], das Lobgebet, den Kavaca, den Mantra, den vorbereitenden Ritus, den ersehnten vollständigen Tagesritus, die Reifung des Karma der vom Karma Lebenden; das im weltlichen Verlangen gebundene Kennzeichen von Prakṛti und ihrem Herrn [Puruṣa]; welches Brahman jenseits von beiden ist, die Beschreibung von dessen Inkarnationen; wer als dessen Teilmanifestation herabgestiegen ist, wer dessen [bloßer] Teil ist, wer der Vollkommenste, wer der Vollständige, wer ein bloßer Teilaspekt; wessen Verehrung, Śambhu, welche Frucht und welchen Ruhm [bringt]; die weitreichende, unabhängige Frucht der Unterscheidung von Träger (Aṅgin) und Teil (Aṅga); den Kavaca, den Nārāyaṇarṣi dem Brahmanen Subhadra gab - was ist dieser, Herr der Götter, und welcher Gott ist [durch ihn] zu verehren? Den überaus geheim zu haltenden, höchst wunderbaren, in allen Welten überaus seltenen Kavaca hat mir Brahmā einst nicht mitgeteilt. Sanatkumāra kennt ihn, [doch] er hat ihn mir einst nicht mitgeteilt; was du auch an heilvoller Erkenntnis kennst, das ich [noch] nicht erfragt habe, das sage mir, Glücksbringender-Herr, erweise mir deine Gnade. Die nie zuvor [erzählte] Geschichte Rādhikās, in den Veden überaus selten, in den Purāṇas, im Itihāsa, in den Vedāṅgas überaus selten - durch das Aussprechen der Erkenntnis des Guru entsteht die Erkenntnis von Mantra und Tantra; jenes ist das Tantra und jener der Mantra, wodurch Hingabe zu Kṛṣṇa entsteht. Erkenntnis kommt den Gelehrten [nur] etwas durch Erklärung der Veden zuteil, Herr; du bist der von der Ursache der Veden Verehrte, die über die Erkenntnis waltende Gottheit. Darum sage du, Bester der Vedakundigen, die höchste Erkenntnis mir, deinem ergebenen, anhänglichen, Zuflucht suchenden Ergebenen, Herr!' Als er Nāradas Worte gehört hatte, schickte sich der Guru der Guru der Yogis an, nachdem er sich mit der Göttin [Pārvatī] beraten hatte, die [erbetene] Erkenntnis mitzuteilen.

ity evaṃ kathitaṃ sarvaṃ pūrvākhyānaṃ manoharam / hari-bhakti-pradaṃ sarvaṃ karma-mūla-nikṛntanam

So wurde diese ganze liebliche, frühere Erzählung berichtet, die insgesamt Hingabe zu Hari verleiht und die Wurzel des Karma durchtrennt.

[Anm.: Mit diesem zusammenfassenden Schlussvers endet der gesamte in der vorliegenden Quelle (GRETIL jnass01u.htm) überlieferte Textbestand. Der Quelltext selbst markiert dies durch ein eigenes Kolophon ('iti śrī-nārada-pañca-rātre jñānāmṛta-sāre prathamaika-rātre pañcadaśo 'dhyāyaḥ') sowie einen zusätzlichen Abschlussvermerk: 'samāptaś cedaṃ nārada-pañca-rātraika-rātram' - 'Hiermit ist diese "Eine Nacht" (Eka-rātra) des Nārada-Pañcarātra beendet.' Dieser Vermerk zeigt an, dass die vorliegende, für dieses Projekt herangezogene Quelldatei nur den ersten von offenbar mehreren, als "Nächte" (rātra) gegliederten Abschnitten dieses ansonsten deutlich umfangreicheren Werkes enthält - Nāradas abschließende Sammelbitte (V. 11-30), die ausdrücklich noch unbeantwortete Fragen auflistet (u.a. nach dem Subhadra-Kavaca und der 'Geschichte Rādhikās'), bleibt in dieser Quelle folgerichtig ohne die versprochene Antwort Śivas. Mit Zeile 2492 der Datei jnass01u.htm (nur noch gefolgt vom schließenden HTML-Tag) endet der gesamte für dieses Projekt herangezogene Quellbestand der Jñānāmṛtasāra-Saṃhitā (Prathama-Eka-rātra, Adhyāya 1-15) - eine für Projekt 4 nun ebenfalls vollständig abgeschlossene Quelle.]

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