Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 7

Anuvāka 5 Brāhmaṇa: Begrüßung des Feuers mit Agnīṣoma-Vers (Vollmondhälfte) und Indrāgni-Vers (Neumondhälfte), Zeit der Begrüßung und Deutung der einzelnen Verse.

agnīṣomīyayā pūrvapakṣa upatiṣṭheta

Mit dem Agnīṣoma-Vers soll er in der ersten (zunehmenden) Monatshälfte [das Feuer] begrüßen.

agnīṣomayor vā etad bhāgadheyaṃ yat paurṇamāsam

Das Vollmondsopfer ist nämlich der Anteil von Agni und Soma.

tābhyām evainaṃ paridadāti

Diesen beiden übergibt er ihn (den Opferherrn/das Feuer).

tā enam anapakrāmantau gopāyatas

Die beiden hüten ihn, ohne fortzugehen.

aindrāgnyāparapakṣe

Mit dem Indrāgni-Vers in der zweiten (abnehmenden) Monatshälfte.

indrāgnyor vā etad bhāgadheyaṃ yad amāvasyā

Das Neumondsopfer ist nämlich der Anteil von Indra und Agni.

tābhyām evainaṃ paridadāti

Diesen beiden übergibt er ihn.

tā enam anapakrāmantau gopāyatas

Die beiden hüten ihn, ohne fortzugehen.

agnīṣomā evainaṃ pūrvapakṣāya paridattas

Agni und Soma übergeben ihn der ersten Monatshälfte,

indrāgnī aparapakṣāya

Indra und Agni der zweiten Monatshälfte.

saṃpradāyam̐ ha vā enaṃ devā anapakrāmanto gopāyanti ya evaṃ vidvān agnim upatiṣṭhate

Als (durch Weitergeben) Übergebenen hüten ihn die Götter, ohne fortzugehen, den, der dies wissend das Feuer begrüßt.

kasmai kam agnir upasthīyata ity āhur

Man fragt: „Wofür, für wen wird das Feuer begrüßt?“

aśitraṃ vā etad agner

Dies ist nämlich Agnis Speisung [?] (Verköstigung)

yad agnim upatiṣṭhate

– dass man das Feuer begrüßt.

agnaya evaitad aśitraṃ kriyate

Für Agni also wird dieses Essen bereitet.

sāyam upatiṣṭhate na prātas

Abends begrüßt er, nicht morgens.

tasmāt sāyam atithaye praty enaso nota tathā prātar

Deshalb (gibt man) abends dem Gast, dass man sich keine Schuld zuzieht, nicht so am Morgen [?].

yajñasyayajñasya vā āśīr asti

Zu jedem Opfer gehört nämlich ein Segenswunsch;

yad agnim upatiṣṭhate

dass er das Feuer begrüßt,

agnihotrasyaivaitām āśiṣam āśāste

damit erfleht er eben diesen Segen des Agnihotra.

prajāpatiḥ prajā asṛjata

Prajāpati schuf die Geschöpfe.

so 'gnim evāgre 'sṛjata

Er schuf zuerst Agni.

tasmā etad bhāgadheyam akalpayad yad agnyupasthānam

Für ihn richtete er diesen Anteil ein, nämlich die Begrüßung Agnis.

yad agnim upatiṣṭhate

Dass er das Feuer begrüßt,

svenaivainaṃ bhāgadheyena samardhayati

damit stattet er ihn mit seinem eigenen Anteil aus.

agnir vai prayuktim abhyakāmayata yathāśvo rathakāmyati

Agni begehrte das Angespanntwerden, wie ein Pferd nach dem Wagen verlangt [?].

yad agnim upatiṣṭhate

Dass er das Feuer begrüßt,

praivainaṃ yuṅkte kāmam asyardhnoti

spannt er ihn an und erfüllt ihm sein Verlangen.

manuṣyasyen nu yaḥ kāmam ṛdhnoti sa vasīyān bhavati

Wenn schon bei einem Menschen: wer ihm den Wunsch erfüllt, der wird besser gestellt.

ṛdhnoti vasīyān bhavati ya evaṃ vidvān agnim upatiṣṭhate

Er hat Erfolg und wird besser gestellt, wer dies wissend das Feuer begrüßt.

upeti

„Hinzu“ [sagt er, mit dem Vers upa…]:

saṃbhavaty evaitayā

damit kommt er zur Verbindung (Entstehen).

reta evaitayā prasiñcati

damit gießt er Samen aus.

ubhā vām indrāgnī iti

„Euch beide, Indra und Agni“ – so:

prāṇāpānau vā indrāgnī

Indra und Agni sind Ein- und Ausatem.

prāṇāpānā evaitayā dadhāti

Ein- und Ausatem legt er damit hinein.

ayam iha prathamo dhāyīti

„Dieser wurde hier als erster gesetzt“ – so:

garbham evaitayā dadhāti

den Keim legt er damit hinein.

asya pratnām anu dyutam iti

„Dessen alten Glanz nach“ – so:

ayaṃ te yonir ṛtviya iti

„Dies ist dein zeitgerechter Schoß“ – so:

janayati caivaitayā vardhayati ca

er erzeugt damit und lässt wachsen.

kḷptā ha vā asya prajā jāyate ya evaṃ vidvān agnim upatiṣṭhate ‖

Wohlgeordnet wird ihm die Nachkommenschaft geboren, wer dies wissend das Feuer begrüßt.