Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 7

Anuvāka 9 Brāhmaṇa: Deutung der Verse „mahi trīṇām“, „somānam“, „kadā cana“ und der Formeln gegen Rivalen, Pūṣan-Formel und Richtungsformeln; Wunsch für den Sohn.

mahi trīṇām avo 'stv iti

„Groß sei die Hilfe der Drei“ – so [beginnt ein Vers];

eṣa prājāpatyas tricaḥ

dies ist eine Prajāpati-Versgruppe von drei Versen;

prājāpatyā imāḥ prajās

Prajāpati zugehörig sind diese Geschöpfe;

sarvā eva prajā avarunddhe

alle Geschöpfe gewinnt er für sich.

prajāpatir vā etāḥ

Prajāpati ist nämlich diese [Verse],

prajāpatim evaitad upetya sarvam āptvā sarvam avarudhya

zu Prajāpati also gelangt er damit, erlangt alles, gewinnt alles für sich.

somānam̐ svaraṇaṃ kṛṇuhi brahmaṇaspata iti

„Den Soma-Pressenden mache hellstimmig, Brahmaṇaspati“ – so:

brahmavarcasam evaitayātman dhatte

Glanz des heiligen Wortes legt er damit in sich selbst.

vaiśvadevīr vā etās

Dies sind [Verse] an alle Götter;

vaiśvadevīr imāḥ prajās

den Allgöttern zugehörig sind diese Geschöpfe.

brahmaṇo yoneḥ prajāḥ prajāyante

Aus dem Schoß des heiligen Wortes (Brahman) werden die Geschöpfe geboren;

yad eṣā brāhmaṇaspatyā

dass dies ein Brahmaṇaspati-Vers ist,

brahmaṇa evainā yoneḥ prajanayati

damit erzeugt er sie aus dem Schoß des heiligen Wortes.

etābhir vā aditiḥ putrān anvaikṣata

Mit diesen [Versen] blickte Aditi ihren Söhnen nach,

yat somam āharann amuṣmāl lokāt svasti punar āgacchan saha somena

als sie den Soma von jener Welt herbeibrachten und wohlbehalten mit dem Soma zurückkamen.

yam eva kāmaṃ kāmayate tam̐ spṛṇoti

Welchen Wunsch immer er wünscht, den erfüllt er sich.

yaṃ kāmayeta svasti punar āgacched iti tam etābhir anvīkṣeta

Wenn er wünscht, dass einer wohlbehalten zurückkomme, so soll er diesen mit diesen [Versen] nachblicken.

svasty eva punar āgacchati ‖

Wohlbehalten kommt er zurück.

kadā cana starīr asi pari te dūḍabho ratha iti

„Niemals bist du unfruchtbar“; „Um dich der unschädliche Wagen“ – so:

stomasyaivaitad yogaḥ

dies ist das Anspannen des Stoma.

kadā cana starīr asīti

„Niemals bist du unfruchtbar“ – so:

etad dha vā āruṇir uvāca

Dies sagte Āruṇi:

na tāvad rātrīm̐ staryam uvasa yāvad etām ṛcam aśṛṇavam iti

„Ich habe die Nacht nicht unfruchtbar [d.h. schlaflos, ohne Wirkung?] verbracht, solange ich diesen Vers gehört habe [?].“

na rātrīm̐ staryaṃ vasati ya evaṃ veda

Nicht unfruchtbar verbringt die Nacht, wer dies weiß [?].

gāyatro vā agnis

Agni ist nämlich der Gāyatra[-Art];

gāyatracchandās taṃ chandasā vyardhayati

er hat Gāyatrī-Metrum; den bringt er mit dem Metrum aus dem Gleichgewicht,

yad vicchandobhir upatiṣṭhate

wenn man mit [verschieden]metrigen Versen begrüßt.

yad eṣā gāyatry uttamā

Dass diese Gāyatrī die letzte ist,

svenaivainaṃ chandasā samardhayati

damit stattet er ihn mit seinem eigenen Metrum aus.

sarvaṃ vā eṣa āptvā sarvam avarudhya svargaṃ lokam eti yo 'gnim upatiṣṭhate vy asya prajā chidyate

Wer das Feuer begrüßt, erlangt alles, gewinnt alles und geht zur himmlischen Welt; [sonst] wird ihm die Nachkommenschaft zerschnitten (abgeschnitten).

prajām evānusaṃtanoti

damit spinnt er die Nachkommenschaft fort.

mānuṣam iva vā etad upāvartate

Dies wendet sich gleichsam dem Menschlichen zu,

yat putraṃ hvayati acchinno daivyas tantur mā manuṣyaś chedīti

dass er den Sohn ruft: „Ungeschnitten sei der göttliche Faden; nicht soll der menschliche abgeschnitten werden“ – so.

devalokaṃ caiva manuṣyalokaṃ ca saṃtanoti

Die Götterwelt und die Menschenwelt verknüpft er fortlaufend;

ubhau lokā ājayati ‖

beide Welten gewinnt er.

nimrado 'sīti

„Du bist der Niederdrücker [?]“ – so:

ava taṃ gṛhṇāti yo 'sya paścād bhrātṛvyas

den ergreift er nieder, der ihm als Rivale nachfolgt.

abhibhūr asīti

„Du bist der Überwältiger“ – so:

abhi taṃ bhavati ya enena sadṛṅ

den überwältigt er, der ihm gleich ist.

prabhūr asi prāhaṃ tam atibhūyāsam iti

„Du bist der Übermächtige; ich möge den weit übertreffen“ – so:

ati taṃ krāmati ya evainaṃ pūrvo 'tikrānto bhrātṛvyaḥ

den überschreitet er, der Rivale, der ihn vorher überschritten hat.

pūṣā mā prapathe pātu pūṣā mā paśupāḥ pātu pūṣā mādhipatiḥ pātv iti

„Pūṣan schütze mich auf dem Weg; Pūṣan als Viehhüter schütze mich; Pūṣan als Oberherr schütze mich“ – so:

iyaṃ vai pūṣā prapathe

Pūṣan ist nämlich diese (Erde) auf dem Weg;

antarikṣaṃ paśupās

der Luftraum ist der Viehhüter;

ima evainaṃ lokāḥ pānti

diese Welten schützen ihn.

prācī dig agnir devateti

„Die östliche Richtung, Agni die Gottheit“ – so:

etā eva sa devatā ṛtvā parābhavati ya enam etābhyo digbhyo 'bhidāsati

diese Gottheiten, nachdem er zu ihnen gegangen ist, vernichten den, der ihn aus diesen Richtungen bedrängt.

jyotiṣe tantava āśiṣam āśāsa iti

„Für das Licht, für die Fäden erflehe ich Segen“ – so:

yo 'sya priyaḥ putras syāt tasya nāma gṛhṇīyāt

Wer ihm ein lieber Sohn wäre, dessen Namen soll er nennen (ergreifen).

tasminn eva tā āśiṣo dadhāti ‖

In ihn legt er diese Segenswünsche hinein.