Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 7

Anuvāka 6 Brāhmaṇa: Die Götter überwinden mit den Metren und der Feuerbegrüßung die Finsternis der Nacht; Deutung der Begrüßungsformeln und Āruṇis Lehre über deren Wirkung.

ahar vai devānām āsīd rātry asurāṇām

Der Tag gehörte den Göttern, die Nacht den Asuras.

te devās tamaso 'ndhaso mṛtyo rātryā abhyāplavamānād abibhayus

Die Götter fürchteten sich vor der Finsternis, der Blindheit, dem Tod, der Nacht, die über sie hereinbrach.

te chandobhir agnim anvārabhanta

Sie fassten Agni mit den Metren an [Anm.: anvārabh, „hinterher berühren“ als rituelle Anfassung].

gāyatryā vasavas triṣṭubhā rudrā jagatyādityā ambhas stheti paśava indhānā iti manuṣyās

Mit der Gāyatrī die Vasus, mit der Triṣṭubh die Rudras, mit der Jagatī die Ādityas, mit „ambhas stha“ das Vieh, mit „indhānās“ die Menschen.

te devās tamaso 'ndhaso mṛtyo rātryāḥ pāram ataran

Da gelangten die Götter über die Finsternis, Blindheit, den Tod, die Nacht hinüber.

yac chandobhir agnim upatiṣṭhate

Dass man mit Metren das Feuer begrüßt,

tamasa evaiṣāndhaso mṛtyo rātryāḥ pāratīrtis

ist eben das Hinübergelangen über Finsternis, Blindheit, Tod und Nacht.

tvam agne sūryavarcā iti

„Du, Agni, bist sonnenglänzend“ – so:

agnaya evaitām āśiṣam āśāste

von Agni erfleht er diesen Segen.

saṃ mām āyuṣā varcasā sṛjeti

„Verbinde mich mit Lebensdauer, mit Glanz“ – so:

ātmana evaitām āśiṣam āśāste

für sich selbst erfleht er diesen Segen.

saṃ tvam agne sūryasya jyotiṣāgathā iti

„Du, Agni, bist mit dem Licht der Sonne vereint gekommen“ – so:

agnaya evaitām āśiṣam āśāste ‖

für Agni erfleht er diesen Segen.

sam ṛṣīṇām̐ stuteneti

„Mit dem Lobpreis der Seher (verbunden)“ – so:

cchandām̐si vā ṛṣīṇām̐ stutam

die Metren sind nämlich der Lobpreis der Seher;

chandobhir evainam̐ samardhayati

mit den Metren stattet er ihn aus.

saṃ priyeṇa dhāmneti

„Mit dem lieben Wesen (Stätte)“ – so:

paśavo vā agneḥ priyaṃ dhāma

das Vieh ist nämlich Agnis liebe Stätte (Wesen);

paśubhir evainam̐ samardhayati

mit dem Vieh stattet er ihn aus.

sam aham āyuṣā saṃ varcasā saṃ prajayā saṃ rāyaspoṣeṇa gmīyeti

„Möge ich zusammenkommen mit Lebensdauer, mit Glanz, mit Nachkommenschaft, mit Gedeihen des Reichtums“ – so:

ātmana evaitām āśiṣam āśāste

für sich selbst erfleht er diesen Segen.

indhānās tvā śataṃ himā iti

„Dich, den Entzündeten, hundert Winter“ – so [heißt der Vers].

etad dha vai dāśarma āruṇim uvācāgnim ādadhivām̐sam udgātaḥ kenāgnir upastheya iti

Dies sagte Dāśarma zu Āruṇi: „Udgātṛ, wenn einer das Feuer aufgestellt hat, womit ist Agni zu begrüßen?“

tasmai haitad agnyupasthānam uvāca

Diesem nannte er nun diese Feuerbegrüßung.

sa hovācānayopastheya indhānās tvā śatam̐ himā iti

Er sagte: „Mit diesem [Vers] ist zu begrüßen: ‚Dich, den Entzündeten, hundert Winter‘.“

yo vā etayopatiṣṭhate pāpīyān asmād bhrātṛvyo bhavati

Wer damit begrüßt, dessen Rivale wird schlechter als er.

pāpīyān sapatnas sarvam āyur eti

Der Nebenbuhler wird schlechter; er erreicht die volle Lebensdauer,

ā jīvitor annam atti

und bis zum Ende des Lebens isst er Speise.

āyurdhā agne 'sy āyur me dhehīti

„Lebensdauer-Spender bist du, Agni; gib mir Lebensdauer“ – so:

ātmana evaitām āśiṣam āśāste

für sich selbst erfleht er diesen Segen.

vayodhā agne 'si vayo me dhehīti

„Kraft(Lebensalter)-Spender bist du, Agni; gib mir Lebenskraft“ – so:

ātmana evaitām āśiṣam āśāste

für sich selbst erfleht er diesen Segen.

tanūpā agne 'si tanvaṃ me pāhīti

„Leibhüter bist du, Agni; schütze meinen Leib“ – so:

ātmana evaitām āśiṣam āśāste

für sich selbst erfleht er diesen Segen.

yan me agna ūnaṃ tanvas tan ma āpṛṇeti

„Was mir, Agni, am Leib fehlt, das fülle mir auf“ – so:

yad evāsyonam ātmanas tad āpūrayate

was ihm an seinem Selbst fehlt, das füllt er auf.

agnes samid asy abhiśastyā mā pāhi somasya yamasyeti

„Ein Scheit Agnis bist du; vor Verwünschung schütze mich; von Soma, von Yama [?]“ – so:

sarvasmād evainam etāḥ pānti

vor allem schützen diese [Verse] ihn.

agne yat te tapas tena taṃ pratitapa yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣma iti

„Agni, mit deiner Glut versenge den, der uns hasst und den wir hassen“ – so:

tenaivainaṃ pratitapati pratiśocati pratitityakti pratyarcati pratiharati

damit versengt er ihn zurück, lässt ihn in Gegenglut brennen, weist ihn ab [?], strahlt ihm entgegen, schlägt ihn zurück.

etenāham̐ sarvān sapatnān sarvān bhrātṛvyān abhyabhavam iti

„Damit habe ich alle Nebenbuhler, alle Rivalen überwunden.“

śreyāñchreyān ātmanā bhavati pāpīyānpāpīyān ya enaṃ dveṣṭi yo 'smā arātīyati ya evaṃ vidvān agnim upatiṣṭhate

Immer besser wird er selbst, immer schlechter, wer ihn hasst, wer ihm feindlich gesinnt ist – wer dies wissend das Feuer begrüßt.

agne rucāṃ pate namas te ruce mayi rucaṃ dhehīti

„Agni, Herr der Lichtglanzes, Verneigung dir; gib mir Glanz“ – so:

sarvā eva śucaś śamayitvā rucam ātman dhatte

alle Glut (Trauer) beruhigt er und legt Glanz in sich.

citrāvaso svasti te pāram aśīyārvāgvaso svasti te pāram aśīyeti

„Citrāvasu, wohlbehalten möge ich zu deinem jenseitigen Ufer gelangen; Arvāgvasu, wohlbehalten möge ich zu deinem [jenseitigen] Ufer gelangen“ – so.

rātrī vai citrāvasur ahar arvāgvasur

Die Nacht ist nämlich Citrāvasu, der Tag Arvāgvasu.

ahorātrayor evaiṣā parītis

Dies ist eine Umfassung von Tag und Nacht;

na naktaṃ na divārtim ārchati ya evaṃ veda

weder nachts noch tags gerät in Not, wer dies weiß.

bhaṅge vā ete yajñasyāgnī rātry asā ādityo 'har

Diese beiden Feuer sind nämlich zwei Bruchstellen [?] des Opfers: die Nacht ist Agni, die Sonne der Tag.

ete eva bhaṅge īṭṭa īśvaro bhūtaṃ ca bhaviṣyac cājñātor ya evaṃ veda ‖

Über diese beiden Bruchstellen gebietet, wer dies weiß, kraft seiner Kenntnis über Gewesenes und Künftiges [?].