Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 8

Anuvāka 10 Gāyatrī-Schlussverse, die Sage von Urvaśī und Purūravas (Herkunft des Feuers aus den Reibhölzern), Agnīṣomīya-Gabe und Vorsicht vor Entfernung des Feuers.

gāyatrīs saṃyājyā bhavanti

Die Saṃyājyā-Verse [Anm.: Verse zum Opfer der Schlussspenden] sind Gāyatrīs.

gāyatro vā agnir gāyatracchandās

Agni ist nämlich Gāyatra-artig, er hat das Gāyatra-Versmaß.

āgneyam etat kriyate yad agnyādheyam

Für Agni bestimmt wird dies gemacht, nämlich das Anlegen des Feuers (agnyādheya).

agnā evaitad agniḥ pratitiṣṭhann eti yad āgneyāni havīm̐ṣi

Dass die Opfergaben Agni gelten: in Agni eben tritt Agni fest hin (und) geht voran.

agnināgnis samidhyata ity uttarayor haviṣor anuvākyāṃ kuryāt

„Durch Agni wird Agni entzündet“ – diesen Vers soll er als Anuvākyā [Anm.: Einladungsvers] bei den beiden späteren Opfergaben machen,

urvaśī vai purūravasy āsīt

Urvaśī war nämlich bei Purūravas.

sāntarvatī devān punaḥ parait

Schwanger ging sie zu den Göttern zurück.

so 'do deveṣv āyur ajāyata

Da wurde bei den Göttern jener Āyu geboren.

tām asmai na punar adadus

Sie gaben sie ihm nicht wieder zurück.

tasmā āyuṃ prāyacchann eṣa āyur iti

Sie gaben ihm den Āyu (mit den Worten): „Dies ist Āyu (Leben, Sohn).“

agniṃ cokhyam ukhāyām̐ samupyaitam ādhatsva tena prajaniṣyasa iti

Und (sie sagten): „Streue Feuer, das zum Topf (ukhā) gehört, in den Topf, dann lege es an; dadurch wirst du Nachkommen zeugen.“

sa vṛkṣasya śākhāyām agnim āsajyāyunā grāmam abhyavait

Er hängte das Feuer an einen Baumast und ging mit Āyu zum Dorf hinab.

sa punar aimīty ed vṛkṣasyāgre 'gniṃ jvalantam

Er sagte: „Ich komme wieder“ und ging (wieder), und fand am Gipfel des Baumes das Feuer lodern [?].

so 'ciked ayaṃ vāva so 'gnir iti

Er erkannte: „Dies eben ist jenes Feuer.“

tasyāraṇī ādāyāgniṃ mathitvādhatta

Er nahm dessen beide Reibhölzer (araṇī), rieb das Feuer hervor und legte es an.

yad ārohasyāraṇī bhavataḥ

Dass die beiden Reibhölzer vom Āroha-Holz [?] sind,

adityai ghṛte carum amāvasyāyāṃ paśukāmo 'nunirvapet

Wer Vieh wünscht, soll für Aditi einen Brei (caru) in Schmelzbutter am Neumond nachträglich ausschütten.

asyām adhi paśavaḥ prajāyante

Auf ihr werden die Tiere geboren.

yajñamukham agnyādheyam

Das Anlegen des Feuers ist der Mund des Opfers.

yajñamukham evālabhya paśūn avarunddhe

Den Mund des Opfers eben ergreifend gewinnt er Vieh.

cātuṣprāśyo bhavati

Er (der Brei) ist von vier zu verzehren [?].

ācaturam̐ hīme paśavas

Denn diese Tiere sind bis zu vieren [?].

dvandvaṃ mithunās

Paarweise sind sie Paare [?].

te vīryakṛtas

Sie sind Wirker der Manneskraft.

agnīṣomīyam ekādaśakapālaṃ pūrṇamāse 'nunirvapet

Einen Opferkuchen auf elf Schalen für Agni und Soma soll er zum Vollmond nachträglich ausschütten.

āgneyo vai brāhmaṇas

Der Brāhmaṇa gehört nämlich Agni.

devatayā somarājā

Der Gottheit nach hat er Soma zum König.

yajñamukham agnyādheyam

Das Anlegen des Feuers ist der Mund des Opfers.

yajñamukham evākramya svārājyam upaiti ‖

Den Mund des Opfers eben beschreitend gelangt er zur Selbstherrschaft.

devān vai yajño nābhyanamat

Zu den Göttern neigte sich das Opfer nämlich nicht.

yajño no nābhinamatīti

„Das Opfer neigt sich uns nicht zu“ (dachten sie).

teṣām agnīṣomā evāgre yajño 'bhyanamat

Zu ihnen neigte sich das Opfer zuerst nur bei Agni und Soma [?].

agnīṣomau vai no 'gre yajño 'bhyanān

„Zu Agni und Soma hat sich das Opfer zuerst für uns hingeneigt [?].

tayor yajñasyābhinatim icchāmahā iti

Von den beiden wollen wir die Zuneigung des Opfers erlangen.“

yuvāṃ vai no 'gre yajño 'bhyanān

„Ihr beiden habt uns nämlich das Opfer zuerst zugeneigt [?].

yuvayor no 'dhi yajño 'bhinamatv iti

Durch euch beide möge sich uns das Opfer zuneigen.“

vāryaṃ vṛṇāvahai

„Wir beide wollen eine Wunschgabe (vārya) wählen:

āvām evāgra ājyabhāgau yajān iti

Uns beide allein sollt ihr zuerst mit den beiden Ājya-Anteilen verehren.“

tasmād agnīṣomā evāgra ājyabhāgau yajanti

Deshalb verehren sie Agni und Soma zuerst mit den beiden Ājya-Anteilen.

vāryavṛtam̐ hy enayor

Denn die Wunschgabe dieser beiden ist gewählt.

yad agnīṣomīyam anunirvapati

Dass er die Gabe für Agni und Soma nachträglich ausschüttet,

yajñasyābhinatyai

(dient) der Zuneigung des Opfers.

ato hi devān agre yajño 'bhyanamat

Denn von da aus neigte sich das Opfer zuerst den Göttern zu.

yad anyad anunirvaped devatayā yajñam antardadhyāt

Wenn er eine andere nachträglich ausschütten würde, so würde er das Opfer durch die (andere) Gottheit verdecken.

mithunaṃ vā agniś ca somaś ca

Agni und Soma sind nämlich ein Paar.

somo retodhā agniḥ prajanayitā

Soma ist der Samenspender, Agni der Erzeuger.

āpa oṣadhayo vanaspatayas tad eva somas

Die Wasser, Pflanzen, Bäume – eben das ist Soma.

etau vai no devānāṃ nediṣṭham

„Diese beiden sind uns von den Göttern am nächsten.

yathā vā idaṃ manuṣyā upāsata evam etaṃ devā upāsata

Wie diese Menschen (Agni) verehren, so verehrten ihn die Götter.

uddhṛtena tvā anenābhijayemeti

„Mit diesem herausgenommenen (Feuer) wollen wir siegen.“

abhijityā evaiṣa uddhriyate

Zum Sieg eben wird dies herausgenommen.

agnir vai nirādhānād abibhet

Agni fürchtete sich nämlich vor dem Entfernen (nirādhāna) [?].

anirādhānāya ‖

damit er nicht entfernt wird [?].