Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 8

Anuvāka 1 Über die Anlegung des Feuers (Agnyādheya) unter den Sternbildern Kṛttikā, Rohiṇī, Phalgunī und Citrā, nach Ständen, Jahreszeiten und Tageszeit.

diśo vai nākalpanta na prājñāyanta

Die Himmelsrichtungen waren nicht geordnet und nicht erkennbar.

tata etām agnaye prācīṃ diśam arocayan yat kṛttikās

Da machten sie dem Agni diese östliche Himmelsrichtung kenntlich, nämlich (das Sternbild) die Kṛttikās.

yat kṛttikāsv agnim ādhatte

Dass man unter den Kṛttikās das Feuer anlegt,

prācyām evainaṃ diśy ādhatte

so legt man es eben in der östlichen Himmelsrichtung an.

eṣa vāvaikaḥ prāṅ avasyati ya āhitāgniḥ

Nur dieser eine, der das Feuer Angelegt hat, geht (dabei) nach Osten seinem Ziel zu;

āgneyam etan nakṣatraṃ yat kṛttikās

Dem Agni gehört dieses Sternbild, die Kṛttikās.

yat kṛttikāsv agnim ādhatte

Dass man unter den Kṛttikās das Feuer anlegt,

sva evainaṃ nakṣatra ādhatte

so legt man es in seinem eigenen Sternbild an.

prajāpater vā etac chiro yat kṛttikās

Das ist nämlich das Haupt des Prajāpati, die Kṛttikās.

yat kṛttikāsv agnim ādhatte

Dass man unter den Kṛttikās das Feuer anlegt,

śīrṣaṇyo mukhyo bhavati

so wird man ein Häuptling, ein Vornehmster.

sapta vai kṛttikās

Sieben sind nämlich die Kṛttikās,

sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇāḥ prāṇā indriyāṇi

sieben die Lebenshauche im Haupt; die Lebenshauche sind die Sinneskräfte.

prāṇān evendriyāṇy āpnoti

Lebenshauche und Sinneskräfte gewinnt er also.

puṣṭim āvad bhūyiṣṭham ekaṃ nakṣatram

Das eine Sternbild (bringt) Gedeihen im höchsten Maße [?].

puṣṭim eva prajāyāḥ paśūnāṃ gacchati ‖

Zum Gedeihen an Nachkommenschaft und Vieh gelangt er.

rohiṇyām ādheyas

Unter Rohiṇī ist (das Feuer) anzulegen.

rohiṇyāṃ vā etaṃ devā ādadhata

Unter Rohiṇī legten es nämlich die Götter an;

tayā roham arohan

dadurch stiegen sie auf (Aufstieg, roha).

tad rohiṇyā rohiṇītvam

Darin liegt das Rohiṇī-Sein der Rohiṇī.

rohiṇyāṃ vā etaṃ prajāpatir ādhatta

Unter Rohiṇī legte es Prajāpati an;

tad rohiṇyā rohiṇītvam

Darin liegt das Rohiṇī-Sein der Rohiṇī.

eṣa vai manuṣyasya svargo loko yad asmiṃl loke vasīyān bhavati

Das ist des Menschen Himmelswelt, dass er in dieser Welt wohlhabender wird.

ṛddhyā eva rohiṇyām ādheyaḥ

Zum Gedeihen eben ist unter Rohiṇī anzulegen.

kālakāñjā vai nāmāsurā āsan

Die Kālakāñjas, so genannt, waren Asuras.

tad indra iṣṭakām apy upādhatta

Da legte Indra einen Ziegel dazu.

teṣāṃ mithunau divam ākrametām

Ihr Paar stieg zum Himmel empor.

tatas tām āvṛhat

Daraufhin riss er ihn (den Ziegel) heraus.

tā etau divyau śvānau

Diese sind die beiden himmlischen Hunde.

yo vyavṛhyata so 'yam ūrṇavābhis svair āntrais saṃtitam̐sati

Der Auseinandergerissene will sich hier mit Spinnfäden, mit seinen eigenen Eingeweiden wieder zusammenspinnen [?].

ojo vāvaiṣāṃ tad vīryam ādhatta

Kraft und Heldenkraft von ihnen legte er damit an sich.

ojo vīryaṃ bhrātṛvyasyādhatte yac citrāyām agnim ādhatte

Kraft und Heldenkraft des Nebenbuhlers legt er sich an, wenn er unter Citrā das Feuer anlegt.

tad etad aindraṃ nakṣatram abhibhūtimat

Dieses Sternbild gehört dem Indra, es ist siegverleihend.

pūrvāsu phalgunīṣv ādadhīta yaḥ kāmayeta bhagī syām iti

Unter den vorderen Phalgunīs soll anlegen, wer wünscht: „Ich möchte mit Glück begabt (bhagin) sein.“

bhagasya vā etan nakṣatram

Dies ist nämlich das Sternbild des Bhaga.

uttarāsv ādadhīta yaḥ kāmayeta dānakāmā me prajās syur iti

Unter den hinteren soll anlegen, wer wünscht: „Meine Nachkommen sollen gabenfreudig sein.“

aryamṇo vā etan nakṣatram

Dies ist nämlich das Sternbild des Aryaman.

eṣo 'ryamā yo dadāti

Dieser ist Aryaman, der gibt.

dānam imāḥ prajā upajīvanti

Von der Gabe leben diese Geschöpfe.

dānakāmā asmai bhavanti

Gabenfreudig werden sie ihm.

rājanyasyādadhyāt

Für einen Rājanya soll man (so) anlegen,

vasantā brāhmaṇenādheyas

Im Frühling ist (das Feuer) vom Brahmanen anzulegen.

vasanto vai brāhmaṇasyartus

Der Frühling ist nämlich des Brahmanen Jahreszeit.

sva evainam ṛtā ādhatte

In seiner eigenen Jahreszeit legt er es an.

tejo brahmavarcasam upādhatte

Glanz und Brahman-Glanz (brahmavarcasa) legt er sich zu.

grīṣme rājanyenādheyas

Im Sommer ist es vom Rājanya anzulegen.

grīṣmo vai rājanyasyartus

Der Sommer ist nämlich des Rājanya Jahreszeit.

sva evainam ṛtā ādhatte

In seiner eigenen Jahreszeit legt er es an.

ojo vīryam upādhatte

Kraft und Heldenkraft legt er sich zu.

śaradi vaiśyenādheyas

Im Herbst ist es vom Vaiśya anzulegen.

śarad vai vaiśyasyartus

Der Herbst ist nämlich des Vaiśya Jahreszeit.

sva evainam ṛtā ādhatte

In seiner eigenen Jahreszeit legt er es an.

ūrjaṃ paśūn upādhatte ‖

Nahrungskraft (ūrj) und Vieh legt er sich zu.

somena yajā iti vā agnim ādhatte

„Ich möchte mit Soma opfern“ – so legt man das Feuer an.

yasminn eva kasmim̐ś cartā ādadhīta somena yakṣyamāṇas

In irgendeiner Jahreszeit auch immer soll man anlegen, wenn man mit Soma opfern will;

phalgunīpūrṇamāsa ādheyas

Am Vollmond der Phalgunī ist es anzulegen.

etad vā ṛtūnāṃ mukham

Dies ist nämlich der Anfang der Jahreszeiten.

ṛtumukha evainam ādhatte

Am Jahreszeitenanfang legt er es an.

śiśira ādheyas

Im Śiśira (Spätwinter) ist es anzulegen.

śiśiraṃ vā agner janma

Der Śiśira ist nämlich Agnis Geburt;

prajātam evainam ādhatte

als einen Geborenen legt er ihn an.

sarvāsu dikṣv ṛdhnavānīti vā agnim ādhatte

„Möge ich in allen Himmelsrichtungen gedeihen“ – so legt man das Feuer an.

sarvāsu dikṣv agniś śiśire

In allen Himmelsrichtungen (leuchtet) Agni im Śiśira.

sarvāsv eva dikṣv ṛdhnoti yaś śiśire 'gnim ādhatte

In allen Himmelsrichtungen gedeiht, wer im Śiśira das Feuer anlegt.

pūrṇamāse vāmāvasyāyāṃ vādadhīta

Am Vollmond oder am Neumond soll man anlegen.

etad vai puṇyāham

Dies ist nämlich ein glückverheißender Tag (puṇyāha).

puṇyāha evainam ādhatte

An einem glückverheißenden Tag legt er es an.

tasmād iṣṭyā vāgrāyaṇena vā paśunā vā somena vā pūrṇamāse vāmāvasyāyāṃ vā yajeta

Deshalb soll man mit einer Iṣṭi oder einem Āgrayaṇa oder einem Tieropfer oder mit Soma am Vollmond oder am Neumond opfern.

yajñam evaitat prati yajñam ālabhate ‖

ein Opfer ergreift er damit, Opfer um Opfer [?].