Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 8

Anuvāka 3 Über das Maß der Schritte je nach Stand (Metrum), das unbegrenzte Anlegen, die Tageszeit des Anlegens (nach Sonnenaufgang) und den Mantra mit den sieben Brennhölzern.

aṣṭāsu prakrameṣu brāhmaṇenādheyas

Bei acht Schritten (Abstand) ist (das Feuer) vom Brahmanen anzulegen.

aṣṭākṣarā gāyatrī

Achtsilbig ist die Gāyatrī,

gāyatracchandā brāhmaṇas

das Gāyatrī-Metrum hat der Brahmane.

svasyaivainaṃ chandasaḥ prātyenasya ādhatte

Aus seinem eigenen Metrum, dem ihm zugehörigen [?], legt er es an.

yathā pitā putraṃ jinvaty evam evainam̐ svaṃ chando jinvati

Wie ein Vater den Sohn erquickt, so erquickt ihn sein eigenes Metrum.

ekādaśasu prakrameṣu rājanyenādheyas

Bei elf Schritten ist es vom Rājanya anzulegen.

ekādaśākṣarā triṣṭup

Elfsilbig ist die Triṣṭubh,

triṣṭupchandā rājanyas

das Triṣṭubh-Metrum hat der Rājanya.

svasyaivainaṃ chandasaḥ prātyenasya ādhatte

Aus seinem eigenen Metrum, dem ihm zugehörigen [?], legt er es an.

yathā pitā putraṃ jinvaty evam enam̐ svaṃ chando jinvati

Wie ein Vater den Sohn erquickt, so erquickt ihn sein eigenes Metrum.

dvādaśasu prakrameṣu vaiśyenādheyas

Bei zwölf Schritten ist es vom Vaiśya anzulegen.

dvādaśākṣarā jagatī

Zwölfsilbig ist die Jagatī,

jagacchandā vaiśyas

das Jagatī-Metrum hat der Vaiśya.

svasyaivainaṃ chandasaḥ prātyenasya ādhatte

Aus seinem eigenen Metrum, dem ihm zugehörigen [?], legt er es an.

yathā pitā putraṃ jinvaty evam enam̐ svaṃ chando jinvati

Wie ein Vater den Sohn erquickt, so erquickt ihn sein eigenes Metrum.

aparimitam avaruṇadhā iti vā agnim ādhatte

„Möge ich Unbegrenztes gewinnen“ – so legt man das Feuer an.

aparimitasyāvaruddhyai

zur Gewinnung des Unbegrenzten.

yāvati cakṣuṣā manyeta tāvaty ādadhīta

So weit er mit dem Auge zu erfassen meint, so weit soll er anlegen.

satyaṃ vai cakṣus

Wahrheit ist nämlich das Auge;

satya evainam ādhatte

in der Wahrheit legt er es an.

pūrvāhna ādheyas

Am Vormittag ist es anzulegen.

etad vai puṇyāham

Dies ist nämlich ein glückverheißender (Tages-Teil) (puṇyāha).

puṇyāha evainam ādhatte

Zu glückverheißender Zeit legt er es an.

vyuṣṭāyāṃ purā sūryasyodetor ādheyas

Nach der Morgenröte, ehe die Sonne aufgeht, ist es anzulegen.

etasmin vai loke prajāpatiḥ prajā asṛjata

In dieser Welt schuf Prajāpati die Geschöpfe;

prajananāyaivam ādheyas

Zur Fortpflanzung ist es so anzulegen.

āgneyī vai rātry aindram ahar

Dem Agni gehört die Nacht, dem Indra der Tag.

yad udite sūrya ādadhītāgneyād varṇād iyāt

Legte man an, wenn die Sonne aufgegangen ist, so käme man von Agnis Farbe (Art, varṇa) weg;

yad anudita aindrāt

legte man an, wenn sie nicht aufgegangen ist, von Indras.

anudite 'para ādheya udite pūrvas

Vor dem Aufgang ist der spätere [?] anzulegen, nach dem Aufgang der frühere [?].

ubhā evaindrāgnyor varṇā āpnoti

Beide Farben, die des Indra und die des Agni, gewinnt er also.

asuryā vai rātrī varṇena śukriyam ahar

Asurisch ist die Nacht der Farbe nach, hell (śukriya) der Tag.

śukriya ādhatte ya udite sūrya ādhatte

Im Hellen legt es an, wer nach Sonnenaufgang anlegt.

naktaṃ vā anuditena divoditena

Nachts ist es nämlich (vor dem Aufgang), tags nach dem Aufgang.

divādhatte ya udite sūrya ādhatte ‖

Bei Tag legt es an, wer nach Sonnenaufgang anlegt.

na vai su vidur iva manuṣyā nakṣatram

Nicht recht kennen nämlich die Menschen gleichsam das Sternbild;

mīmām̐santa iva hy uditena vāva puṇyāham

denn sie sind gleichsam am Erwägen; nur nach dem Aufgang ist ein glückverheißender Tag.

puṇyāha ādhatte ya udite sūrya ādhatte

An glückverheißendem Tag legt es an, wer nach Sonnenaufgang anlegt.

sapta te agne samidhas sapta jihvās saptarṣayas sapta dhāma priyāṇi

„Sieben sind deine Brennhölzer, Agni, sieben Zungen, sieben Ṛṣis, sieben liebe Stätten,

sapta hotrā anuvidvān sapta yonīm̐r āpṛṇasvā ghṛteneti

sieben Hotṛ-Ämter (hotrā) kennend, fülle die sieben Schöße mit Schmelzbutter (ghṛta).“

yāvatīr vā agnes tanvas

So viele Körper (Gestalten) hat Agni.

yo vā asya tā ādadhāno vitarṣayati vi ha tṛṣyati

Wer sie (für ihn) anlegt und sie dürsten lässt, der leidet gewiss Durst.

etāvatīr vā agnes tanvaḥ ṣoḍhā saptasapta

So viele Körper hat Agni: sechsmal je sieben.

pūrṇayā srucā manasā prajāpataye juhoti

Mit gefülltem Opferlöffel (sruc) opfert er in Gedanken (manasā) dem Prajāpati.

prajāpatim evāpnoti ‖

Prajāpati gewinnt er eben.