Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 37

Anuvāka 11 Rāṣṭrabhṛt-Spenden: Übergabe des Reichsangehörigen an die Reichsträger, Erzählung von Indra, Varuṇa, Bṛhaspati und Viṣṇu, Vorschriften zum Opfer.

ye rāṣṭrabhṛto ye rāṣṭrasyānubhartāras tebhyo rāṣṭrīyaḥ parideyas

Den Reichsträgern (rāṣṭrabhṛt), den Nachträgern des Reiches – ihnen ist der Rāṣṭrīya (der zum Reich Gehörige, der Reichsinhaber [?]) anzuvertrauen.

ime vāva te prāṇās

Diese sind ja jene Lebenshauche (prāṇa).

tebhya evainaṃ paridadāti

Ihnen eben vertraut er ihn an.

teṣām etāḥ patnyas tān etā anu tābhyo 'trāpi kāryam

Deren Gattinnen sind diese; jene (Männer) begleiten diese; für sie ist hierbei auch (etwas) zu tun.

tābhya evaitat kriyate

Für sie eben wird dies getan.

purodhākāmaḥ kurvīta

Wer das Amt des Hauspriesters (purodhā) wünscht, soll es vollziehen.

brahma caiva kṣatraṃ ca sayujau karoti

Brahman und Kṣatra (Priestertum und Adel) macht er zu Verbündeten.

yadi kṣatram abhicaret sa na idaṃ brahma pātv iti brūyān na kṣatram

Wenn der Kṣatra (Adel) Zauber übt, soll er sagen: „Dieses Brahman soll uns schützen“ – nicht das Kṣatra.

api brahmaṇi vai kṣatraṃ pratiṣṭhitam

Im Brahman ist ja das Kṣatra gegründet.

brahmaṇa eva kṣatram antareti tājak pradhanvati

Wenn das Kṣatra vom Brahman sich entfernt, so eilt es jäh davon [?].

aparurutsyamānaḥ kurvīta

Wer sich abgeschnitten (eingeschlossen) glaubt [?], soll es vollziehen.

saṃgrāme kurvīta

Im Kampf soll er es vollziehen.

ye rāṣṭrabhṛto ye rāṣṭrasyānubhartāras tān evopāsarat

Die Reichsträger, die Nachträger des Reiches, eben diese suchte er auf.

te 'smai rāṣṭram anubibhrati

Sie tragen ihm das Reich nach.

ya eṣāṃ lokānāṃ dvandvaṃ rāṣṭrabhṛto veda nāsya rāṣṭraṃ vyathate ‖

Wer das Paar dieser Welten und die Reichsträger kennt, dessen Reich wankt nicht.

agniś cāsyā manaś ca vāyuś cāntarikṣasya yajñaś ca sūryaś ca divaś candramāś ca rathas saptathas

Agni und der Geist (manas) dieser (Erde), Vāyu und das Opfer des Luftraums, Sūrya und der Mond des Himmels, und der Wagen als Siebenter (saptatha) [?].

sa hi bhayād apavahati

Denn er führt (den Opferherrn) aus der Furcht hinweg.

triṣaptāḥ kavacinas triṣaptā niṣaṅgiṇas triṣaptā āyudhinas

Dreimal sieben Gepanzerte, dreimal sieben Köcherträger, dreimal sieben Waffenträger.

tebhyo rāṣṭrīyaḥ parideyas

Ihnen ist der Rāṣṭrīya anzuvertrauen.

ime vāva te prāṇās

Diese sind ja jene Lebenshauche.

tebhya evainaṃ paridadāti

Ihnen eben vertraut er ihn an.

abhito vā agniṣṭomaṃ devāsurā yattā āsann agniṣṭome devā uktheṣv asurās

Rings um den Agniṣṭoma standen Götter und Asuras kampfbereit: im Agniṣṭoma die Götter, in den Ukthas die Asuras.

te devā yadokthāny āgacchan yadokthāny abhyajayann athendro 'bravīt kaś cāhaṃ cedam āhariṣyāva iti

Als diese Götter zu den Ukthas kamen, als sie die Ukthas eroberten, da sprach Indra: „Wer (von euch) und ich wollen dies herbeiholen?“

ahaṃ cety abravīd varuṇas

„Ich“, sprach Varuṇa.

taṃ varuṇo 'nvatiṣṭhata

Ihm folgte Varuṇa.

so 'bravīt kaś cāhaṃ cedam āhariṣyāva iti

Er sprach: „Wer (von euch) und ich wollen dies herbeiholen?“

ahaṃ cety abravīd bṛhaspatis

„Ich“, sprach Bṛhaspati.

taṃ bṛhaspatir anvatiṣṭhata

Ihm folgte Bṛhaspati.

so 'bravīt kaś cāhaṃ cedam āhariṣyāva iti

Er sprach: „Wer (von euch) und ich wollen dies herbeiholen?“

ahaṃ cety abravīd viṣṇus

„Ich“, sprach Viṣṇu.

taṃ viṣṇur anvatiṣṭhata

Ihm folgte Viṣṇu.

etābhir vai devatābhis sāyujyena devā asurāṇāṃ rāṣṭram ādadata

Mit diesen Gottheiten, in Verbundenheit, nahmen die Götter den Asuras das Reich.

etābhir eva devatābhis sāyujyena bhrātṛvyād rāṣṭram ādāya tad rāṣṭraṃ kṛtvā ye rāṣṭrabhṛto ye rāṣṭrasyānubhartāras tebhya enat saṃprayacchati

Ebenso nimmt er mit diesen Gottheiten in Verbundenheit dem Neider (bhrātṛvya) das Reich, macht es zu seinem Reich und übergibt es den Reichsträgern, den Nachträgern des Reiches.

etad bibhṛtaitan mā riṣad iti

„Tragt dies; dies soll nicht Schaden leiden“ – so.

asau vā ādityo rāṣṭram ṛtavo rāṣṭrabhṛtas

Jener Āditya ist das Reich, die Jahreszeiten sind die Reichsträger.

tebhya evainat saṃprayacchati

Ihnen eben übergibt er es.

etad bibhṛtaitan mā riṣad iti

„Tragt dies; dies soll nicht Schaden leiden“ – so.

ya eṣa saptathaḥ prajāpatir evaiṣa

Dieser Siebente, das ist eben Prajāpati.

yan madhye juhuyād vyavadhūnvītainam

Wenn man in der Mitte opfern würde, würde man ihn abschütteln.

parogavyūti hotavyas

Jenseits einer Gavyūti (Wegmaß [Anm.: gavyūti, ein Längenmaß, „Rufweite einer Kuh“]) ist zu opfern [?].

tathā hainaṃ na vyavadhūnute

So schüttelt er ihn nicht ab.

ūrdhvas tiṣṭhañ juhoti

Aufrecht stehend opfert er.

ūrdhvo hi tiṣṭhan vīryāvattaraḥ

Denn aufrecht stehend ist man manneskräftiger.

pūrṇayā srucā juhoti

Mit gefüllter Opferkelle (sruc) opfert er.

prajāpatim evāpnoti ‖

Prajāpati eben erlangt er.