Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 37

Anuvāka 14 Śuṣṇa und das Unsterbliche; Brahmayātu und Devayātu; Deutung der Formeln „Wer bist du“ und der Bindung von Tag und Nacht als Schutz gegen Zauberer.

devāś ca vā asurāś ca saṃyattā āsan

Götter und Asuras waren im Kampf gegeneinander gerüstet.

asureṣu tarhy amṛtam āsīc chuṣṇe dānave

Bei den Asuras war damals Unsterbliches (amṛta), bei Śuṣṇa, dem Dānava.

tac chuṣṇa evāntar āsye 'bibhar

Dieses trug Śuṣṇa eben im Innern seines Mundes.

yān devānām aghnam̐s tad eva te 'bhavan

Wen von den Göttern sie erschlugen, die blieben eben so (erschlagen) [?].

yān asurāṇāṃ tāñ chuṣṇo 'mṛtenābhivyānīt

Wen von den Asuras (sie erschlugen), die hauchte Śuṣṇa mit dem Unsterblichen an.

sa indro 'ved asureṣu vā amṛtam̐ śuṣṇe dānava iti

Indra erkannte: „Bei den Asuras ist ja Unsterbliches, bei Śuṣṇa, dem Dānava.“

sa madhvaṣṭhīlā bhūtvā prapathe 'śayat

Er wurde zu einem Honigklümpchen (madhvaṣṭhīlā [?]) und legte sich am Wegrand (prapatha) nieder.

tām̐ śuṣṇo 'bhi vyādadāt

Śuṣṇa riss ihr gegenüber den Mund auf.

tasyendraś śyeno bhūtvāsyād amṛtaṃ niramathnāt

Indra wurde zum Falken und quirlte aus dessen Mund das Unsterbliche heraus.

tasmād eṣa vayasāṃ vīryāvattamas

Deshalb ist dieser (der Falke) der manneskräftigste unter den Vögeln.

indrasya hy eṣaikā tanūr

Denn dies ist eine Gestalt (tanū) Indras.

amṛtam eṣa bibharti ya evaṃ veda

Unsterbliches trägt dieser, wer dies so weiß.

yaṃ kāmayetāmayāvinaṃ jīved iti taṃ vyādāyābhivyanyāt

Von wem man wünscht: „Der Kranke soll am Leben bleiben“, den soll man, nachdem man den Mund aufgerissen hat, anhauchen.

amṛtenaivainam abhivyaniti

Mit Unsterblichem eben haucht er ihn an.

sarvam āyur eti

Er erreicht das volle Lebensalter.

na purāyuṣaḥ pramīyate ‖

Er stirbt nicht vor seiner Zeit.

devāś ca vā asurāś ca saṃyattā āsan

Götter und Asuras waren im Kampf gegeneinander gerüstet.

te devā asurān aghnan

Die Götter erschlugen die Asuras.

teṣāṃ ya udaśiṣyanta

Die von ihnen übrig blieben,

te devān anvarohan

die stiegen den Göttern nach [?].

ta enān vṛñjānāḥ pratyasyamānā āyan

Diese kamen, jene abdrängend und (selbst) zurückgestoßen [?].

te devās samitim akurvata

Die Götter hielten eine Versammlung (samiti).

ta etau brahmayātuṃ ca devayātuṃ cāpaśyan

Sie sahen diese beiden: den Brahmayātu und den Devayātu [Anm.: yātu, Zauber-/Plagegeist; die beiden werden gleich als Mächte gegen die Asuras gedeutet].

tā ebhyaḥ pratyavāsṛjan

Diese schickten sie gegen jene zurück.

tā enān vṛñjānau pratyasyamānā aitām

Diese beiden gingen, sie abdrängend und zurückgestoßen [?].

teṣāṃ ye 'tyamucyanta te manuṣyān prāviśan

Die von ihnen entkamen, fuhren in die Menschen ein.

tajjanmāno yātudhānāḥ kravyāda itare

Die aus ihnen Geborenen sind die Yātudhānas, die anderen die Fleischfresser (kravyād).

na ha vā asya yātudhānā na kravyādo na piśācā na rakṣām̐sīśate

Nicht haben Yātudhānas, nicht Fleischfresser, nicht Piśācas, nicht Rakṣas über ihn Gewalt.

nainam̐ śaptaṃ nābhicaritam āgacchati ya evaṃ veda ‖

Keinen Fluch und keinen Zauber trifft den, der dies so weiß.

tad yady enaṃ yātudhāna iti brūyur nāpahnuvīta

Wenn sie ihn da „Yātudhāna“ nennen, soll er es nicht leugnen.

etau hy eva tasya yātū

Denn diese beiden sind eben dessen Yātus.

ko 'si katamo 'sīti

„Wer bist du, welcher bist du?“ –

tasmā evainam apidadhāti

Für diesen eben verschließt er ihn.

sa tvaṃ no deva gāyatreṇa cchandasāhne paripāhīti

„Du, Gott, behüte uns mit dem Gāyatrī-Metrum am Tag ringsum“ –

ahna evātmānaṃ paridadāti

dem Tag eben vertraut er sich an.

mṛḍo 'si mṛḍase dvipade catuṣpada iti

„Gnädig bist du, um gnädig zu sein dem Zweifüßler, dem Vierfüßler“ –

dvipadaś caivāsmai catuṣpadaś ca paśūn paridadāti

die Zweifüßler und Vierfüßler, das Vieh, vertraut er ihm an.

ādityo 'si vṛṣṇo aśvasya reto devānāṃ yātur asi yātur me 'sy asumaddhitaṃ jahīti

„Āditya bist du, des Bullen, des Rosses Same; der Götter Yātu bist du, mein Yātu bist du; schlage das, was lebenskräftig (ihm) heilsam ist“ [?] –

tasmā evainam apidadhāti

Für diesen eben verschließt er ihn.

sa tvaṃ no deva traiṣṭubhena cchandasā rātryai paripāhīti

„Du, Gott, behüte uns mit dem Triṣṭubh-Metrum vor der Nacht ringsum“ –

rātryā evātmānaṃ paridadāti

der Nacht eben vertraut er sich an.

mṛṇo 'si mṛṇāmuṣya dvipadaś catuṣpada iti

„Zermalmer bist du, zermalme von jenem die Zweifüßler und Vierfüßler“ –

dvipadaś caivāsmai catuṣpadaś ca paśūn apidadhāti ‖

die Zweifüßler und Vierfüßler, das Vieh, schließt er ihm (schützend) zu.

skambho 'si bleṣko 'sīti

„Stütze (skambha) bist du, Bleṣka [?] bist du“ –

etau vai yamaśvā ahaś ca rātrī ca

dies sind Yamas beide Hunde: Tag und Nacht.

tā idaṃ manuṣyān vṛñjānau pratyasyamānā itas

Diese beiden gehen von hier, die Menschen fassend [?] und zurückgestoßen.

tābhyām evainam apidadhāti

Vor diesen beiden eben verschließt er ihn.

tā enaṃ vṛñjānau pratyasyamānā itas

Diese beiden gehen von hier, ihn fassend [?] und zurückgestoßen.

yadā pravlayavyathita iva manyetāgnaye vītamanyave svāheti juhuyāt

Wenn er sich gleichsam zerrüttet und erschüttert (pravlayavyathita [?]) glaubt, soll er opfern: „Für Agni, den Zornlosen, svāhā.“

īśvaro vā abhicaro 'śāntaḥ pratyaṅṅ etoś

Ein Zauberer (abhicara) ist mächtig, wenn er nicht beschwichtigt ist, zurückzukehren.