Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 1: Deerghanjiviteeya Vom langen Leben

Das Eröffnungskapitel der gesamten Caraka-Saṃhitā trägt programmatisch den Titel „Über das lange Leben“ und begründet mythologisch die Herkunft des Āyurveda: Von Brahmā über Prajāpati, die Aśvins und Indra gelangt das Wissen an den Weisen Bharadvāja und von dort an Ātreya, der es an sechs Schüler weitergibt – darunter Agniveśa, dessen Lehrwerk später zur Grundlage dieser Saṃhitā wurde. Inhaltlich legt das Kapitel die Grundbegriffe der Heilkunde fest: die Definition von āyus (Leben), die Lehre von den drei körperlichen doṣas Vāta, Pitta und Kapha sowie die Systematik der sechs Geschmäcker (rasa) und der Substanzen (dravya). Botanisch bietet es bereits einen ersten Überblick über wichtige Heil- und Abführpflanzen wie Āragvadha und Trivṛt sowie die sechs reinigenden Bäume, ergänzt um Fette, Salze, Urin- und Milcharten. Eindringlich warnt der Text davor, Arzneien ohne wirkliches Wissen anzuwenden – unwissend gehandhabt könne selbst Nektar zu Gift werden.

Die sechs Grundbegriffe im Überblick
BegriffDefinition (Vers 28, 44–51)
sāmānyadas Allgemeine – Ursache der Zunahme, bewirkt Einheit
viśeṣadas Besondere – Ursache der Abnahme, bewirkt Trennung
guṇaEigenschaft – einem Gegenstand innewohnende Qualität
dravyaSubstanz – Träger von Eigenschaft und Handlung
karmaHandlung – das mit Willensanstrengung Beginnende
samavāyaInhärenz – untrennbares Verbundensein von Substanz und Eigenschaft/Handlung
Körperliche und geistige doṣas (Vers 57–58)
EbenedoṣasBesänftigt durch
körperlichVāta, Pitta, KaphaHeilmittel (auṣadha): übernatürlich (daiva) oder vernunftgemäß (yukti)
geistigrajas, tamasWissen, Erkenntnis, Geduld, Erinnerung, Sammlung
Weiterführend behandelt in der Caraka Saṃhitā: Sūtrasthāna 8 (Indriyopakramaṇīya) und 25 (Yajjaḥpuruṣīya), Śārīrasthāna 1 (Katidhāpuruṣīya Śarīra), Vimānasthāna 6.
Die sieben Eigenschaften je doṣa (Vers 59–61)
doṣaEigenschaften (guṇa)
Vātatrocken, kalt, leicht, fein, beweglich, klar, rau
Pittaölig, heiß, scharf, flüssig, sauer, durchdringend, beißend
Kaphaschwer, kalt, weich, ölig, süß, fest, schleimig-zäh
Besänftigt werden die doṣas jeweils durch das Gegenteil ihrer Eigenschaften (Vers 62–63).
DIE SECHS GESCHMACKSRICHTUNGEN (RASA) (Vers 65–66)
RasaDeutschBesänftigtErregt (n. anderer Lehrmeinung)
svādusüßVāta, PittaKapha
amlasauerVātaPitta, Kapha
lavaṇasalzigVātaPitta, Kapha
kaṭukascharfKaphaPitta, Vāta
tiktabitterPitta, KaphaVāta
kaṣāyaherb-adstringierendPitta, KaphaVāta
Nach Caraka Saṃhitā, Sūtrasthāna 1; die Rubrik „erregt“ gibt eine im Text ausdrücklich als abweichend gekennzeichnete zweite Überlieferung wieder.
DIE ACHT URINARTEN (MŪTRA) (Vers 93–104)
UrinartGeschmack/EigenschaftHauptindikationen
Schafsurinleicht bitter, öligverträglich bei Pitta
Ziegenurinherb-adstringierend, süßbeseitigt die Doṣas
Kuhurinetwas süßWürmer, Hautkrankheiten, Juckreiz, Doṣa-bedingte Bauchleiden
Büffelurinalkalisch, dünnflüssigHämorrhoiden, Schwellungen, Bauchleiden
ElefantenurinsalzigWurmbefall, Hautkrankheiten
Kamelurinleicht bitterStuhl-/Harnverhaltung, Gift, Kapha-Erkrankungen, Hämorrhoiden, Atemnot, Husten
Pferdeurinbitter-scharfHautkrankheiten, Wunden, Gift
Eselsurin—Epilepsie, Wahnsinn, dämonischer Befall (graha)
Allgemein gilt Urin (mūtra) als heiß, scharf, salzig und verdauungsfördernd; er zieht Pitta nach unten ab und beruhigt Kapha (Vers 94–99).

athāto dīrghañjīvitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über das lange Leben (dīrghañjīvitīya) erläutern.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach einst der erhabene Ātreya.

dīrghaṃ jīvitamanvicchanbharadvāja upāgamat| indramugratapā buddhvā śaraṇyamamareśvaram

Auf der Suche nach langem Leben, streng in seiner Askese (tapas), begab sich Bharadvāja zu Indra, den er als schutzgewährenden Herrn der Unsterblichen erkannt hatte.

brahmaṇā hi yathāproktamāyurvedaṃ prajāpatiḥ| jagrāha nikhilenādāvaśvinau tu punastataḥ

Denn wie von Brahmā verkündet, empfing Prajāpati das Āyurveda (die Wissenschaft vom Leben) zuerst vollständig, und von ihm wiederum empfingen es die beiden Aśvins.

aśvibhyāṃ bhagavāñchakraḥ pratipede ha kevalam| ṛṣiprokto bharadvājastasmācchakramupāgamat

Von den beiden Aśvins empfing der erhabene Śakra (Indra) es vollständig; von den Weisen dorthin gewiesen, begab sich Bharadvāja zu Śakra.

vighnabhūtā yadā rogāḥ prādurbhūtāḥ śarīriṇām| tapopavāsādhyayanabrahmacaryavratāyuṣām

Als Krankheiten (rogāḥ) als Hindernisse für die verkörperten Wesen auftraten – für ihre Askese, ihr Fasten, ihr Studium, ihr Keuschheitsgelübde und ihre Lebensspanne (āyus) –

tadā bhūteṣvanukrośaṃ puraskṛtya maharṣayaḥ| sametāḥ puṇyakarmāṇaḥ pārśve himavataḥ śubhe

da versammelten sich damals die großen Weisen, von Mitgefühl mit den Geschöpfen geleitet, tugendhaft handelnd, an einem schönen Ort am Fuße des Himavat (Himalaya).

aṅgirā jamadagniśca vasiṣṭhaḥ kaśyapo bhṛguḥ| ātreyo gautamaḥ sāṅkhyaḥ pulastyo nārado'sitaḥ

Aṅgiras, Jamadagni, Vasiṣṭha, Kaśyapa, Bhṛgu, Ātreya, Gautama, Sāṅkhya, Pulastya, Nārada, Asita,

agastyo vāmadevaśca mārkaṇḍeyāśvalāyanau| pārikṣirbhikṣurātreyo bharadvājaḥ kapiñja(ṣṭha)laḥ

Agastya, Vāmadeva, Mārkaṇḍeya, Āśvalāyana, Pārikṣi, Bhikṣu-Ātreya, Bharadvāja, Kapiñjala,

viśvāmitrāśmarathyau ca bhārgavaścyavano'bhijit| gārgyaḥ śāṇḍilyakauṇḍilyau(nyau)vārkṣirdevalagālavau

Viśvāmitra, Āśmarathya, Bhārgava, Cyavana, Abhijit, Gārgya, Śāṇḍilya, Kauṇḍilya, Vārkṣi, Devala, Gālava,

sāṅkṛtyo baijavāpiśca kuśiko bādarāyaṇaḥ| baḍiśaḥ śaralomā ca kāpyakātyāyanāvubhau

Sāṅkṛtya, Baijavāpi, Kuśika, Bādarāyaṇa, Baḍiśa, Śaraloman, sowie beide, Kāpya und Kātyāyana,

kāṅkāyanaḥ kaikaśeyo dhaumyo mārīcakāśyapau| śarkarākṣo hiraṇyākṣo lokākṣaḥ paiṅgireva ca

Kāṅkāyana, Kaikaśeya, Dhaumya, Mārīca-Kāśyapa, Śarkarākṣa, Hiraṇyākṣa, Lokākṣa und Paiṅgi,

śaunakaḥ śākuneyaśca maitreyo maimatāyaniḥ| vaikhānasā vālakhilyāstathā cānye maharṣayaḥ

Śaunaka, Śākuneya, Maitreya, Maimatāyani, die Vaikhānasas und Vālakhilyas sowie andere große Weise –

brahmajñānasya nidhayo da(ya)masya niyamasya ca| tapasastejasā dīptā hūyamānā ivāgnayaḥ

Schatzkammern des Wissens von Brahman, der Selbstbeherrschung und der Zucht, erstrahlend im Glanz ihrer Askese wie lodernde Opferfeuer,

sukhopaviṣṭāste tatra puṇyāṃ cakruḥ kathāmimām| dharmārthakāmamokṣāṇāmārogyaṃ mūlamuttamam

setzten sie sich dort in Ruhe nieder und führten dieses heilsame Gespräch: Gesundheit (ārogya) ist die höchste Wurzel von dharma, artha, kāma und mokṣa (Pflicht, Wohlstand, Sinnesfreude und Erlösung).

rogāstasyāpahartāraḥ śreyaso jīvitasya ca| prādurbhūto manuṣyāṇāmantarāyo mahānayam

Krankheiten sind Räuber dieses höchsten Gutes und des Lebens; dieses große Hindernis ist den Menschen erwachsen.

kaḥ syātteṣāṃ śamopāya ityuktvā dhyānamāsthitāḥ| atha te śaraṇaṃ śakraṃ dadṛśurdhyānacakṣuṣā

"Welches Mittel gäbe es, sie zu besänftigen?" – so sprechend, versanken sie in Meditation. Da erblickten sie mit dem Auge der Meditation Śakra (Indra) als Zuflucht.

sa vakṣyati śamopāyaṃ yathāvadamaraprabhuḥ| kaḥ sahasrākṣabhavanaṃ gacchet praṣṭuṃ śacīpatim

"Er, der Herr der Unsterblichen, wird das Mittel zur Besänftigung genau verkünden. Wer möge zum Palast des Tausendäugigen gehen, um den Gemahl der Śacī zu befragen?"

ahamarthe niyujyeyamatreti prathamaṃ vacaḥ| bharadvājo'bravīttasmādṛṣibhiḥ sa niyojitaḥ

"Ich möge für diese Aufgabe bestimmt werden" – dies war das erste Wort, das Bharadvāja sprach; deshalb wurde er von den Weisen dazu bestimmt.

sa śakrabhavanaṃ gatvā surarṣigaṇamadhyagam | dadarśa balahantāraṃ dīpyamānamivānalam

Er ging zum Palast Śakras, mitten unter der Schar der Götter und Weisen, und erblickte den Bezwinger Balas, leuchtend wie Feuer.

so'bhigamya jayāśīrbhirabhinandya sureśvaram| provāca vinayāddhīmānṛṣīṇāṃ vākyamuttamam

Er trat heran, begrüßte den Herrn der Götter mit Siegeswünschen, und der Weise sprach voller Demut die vortreffliche Botschaft der Weisen.

vyādhayo hi samutpannāḥ sarvaprāṇibhayaṅkarāḥ| tadbrūhi me śamopāyaṃ yathāvadamaraprabho

"Krankheiten sind entstanden, die alle Lebewesen mit Furcht erfüllen. So verkünde mir, Herr der Unsterblichen, genau das Mittel zu ihrer Besänftigung."

tasmai provāca bhagavānāyurvedaṃ śatakratuḥ| padairalpairmatiṃ buddhvā vipulāṃ paramarṣaye

Der erhabene Śatakratu (Indra) erkannte den weiten Verstand des großen Weisen und verkündete ihm das Āyurveda in wenigen Worten.

hetuliṅgauṣadhajñānaṃ svasthāturaparāyaṇam| trisūtraṃ śāśvataṃ puṇyaṃ bubudhe yaṃ pitāmahaḥ

das Wissen um Ursache (hetu), Krankheitszeichen (liṅga) und Heilmittel (auṣadha), das dem Gesunden wie dem Kranken zum höchsten Ziel dient – die dreifache Grundlehre (trisūtra), ewig und heilsam, wie sie schon der Großvater (Pitāmaha) erkannt hatte.

so'nantapāraṃ triskandhamāyurvedaṃ mahāmatiḥ| yathāvadacirāt sarvaṃ bubudhe tanmanā muniḥ

Der großgeistige Weise (muni) erfasste mit gesammeltem Geist in kurzer Zeit vollständig das grenzenlose, dreigeteilte (triskandha) Āyurveda, genau wie es ist.

tenāyuramitaṃ lebhe bharadvājaḥ sukhānvitam| ṛṣibhyo'nadhikaṃ tacca śaśaṃsānavaśeṣayan

Dadurch erlangte Bharadvāja unermessliches, glückvolles Leben; und er verkündete es den Weisen vollständig, ohne etwas zurückzuhalten und ohne etwas hinzuzufügen.

ṛṣayaśca bharadvājājjagṛhustaṃ prajāhitam| dīrghamāyuścikīrṣanto vedaṃ vardhanamāyuṣaḥ

Und die Weisen empfingen von Bharadvāja dieses dem Wohl der Geschöpfe dienende Wissen, das langes Leben mehrt, da sie ein langes Leben zu erlangen wünschten.

maharṣayaste dadṛśuryathāvajjñānacakṣuṣā| sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca guṇān dravyāṇi karma ca

Diese großen Weisen erkannten mit dem Auge des Wissens genau: das Allgemeine (sāmānya) und das Besondere (viśeṣa), die Eigenschaften (guṇa), die Substanzen (dravya) und die Wirkung (karma),

samavāyaṃ ca tajjñātvā tantroktaṃ vidhimāsthitāḥ| lebhire paramaṃ śarma jīvitaṃ cāpyanitvaram

sowie die Inhärenz (samavāya). Nachdem sie dies erkannt hatten, befolgten sie die in der Lehre (tantra) verkündete Methode und erlangten höchstes Wohlergehen und ein dauerhaftes Leben.

atha maitrīparaḥ puṇyamāyurvedaṃ punarvasuḥ| śiṣyebhyo dattavān ṣaḍbhyaḥ sarvabhūtānukampayā

Dann gab Punarvasu (Ātreya), von Freundschaft erfüllt und aus Mitgefühl mit allen Wesen, das heilsame Āyurveda an sechs Schüler weiter.

agniveśaśca bhela(ḍa)śca jatūkarṇaḥ parāśaraḥ| hārītaḥ kṣārapāṇiśca jagṛhustanmunervacaḥ

Agniveśa, Bhela, Jatūkarṇa, Parāśara, Hārīta und Kṣārapāṇi empfingen das Wort des Weisen.

buddherviśeṣastatrāsīnnopadeśāntaraṃ muneḥ| tantrasya kartā prathamamagniveśo yato'bhavat

Es gab dabei nur einen Unterschied in der Geistesschärfe [der Schüler], nicht in der Lehre des Weisen selbst; deshalb wurde Agniveśa der erste Verfasser eines eigenen Lehrwerks (tantra).

atha bhelādayaścakruḥ svaṃ svaṃ tantraṃ kṛtāni ca| śrāvayāmāsurātreyaṃ sarṣisaṅghaṃ sumedhasaḥ

Dann verfassten Bhela und die anderen weisen Schüler jeder ihr eigenes Lehrwerk und trugen es dem Ātreya sowie der Versammlung der Weisen vor.

śrutvā sūtraṇamarthānāmṛṣayaḥ puṇyakarmaṇām| yathāvatsūtritamiti prahṛṣṭāste'numenire

Nachdem sie die Darlegung der Sachverhalte gehört hatten, stimmten die tugendhaften Weisen erfreut zu: "Es ist genau richtig dargelegt."

sarva evāstuvaṃstāṃśca sarvabhūtahitaiṣiṇaḥ| sādhu [1] bhūteṣvanukrośa ityuccairabruvan samam

Alle, die dem Wohl aller Wesen zugetan waren, priesen sie und riefen gemeinsam laut: "Vortrefflich ist das Mitgefühl mit den Geschöpfen!"

taṃ puṇyaṃ śuśruvuḥ śabdaṃ divi devarṣayaḥ sthitāḥ| sāmarāḥ paramarṣīṇāṃ śrutvā mumudire param

Diesen heilsamen Ruf hörten die im Himmel weilenden Götterweisen; und auch die Götter freuten sich höchlich, als sie ihn von den großen Weisen vernahmen.

aho sādhviti nirghoṣo lokāṃstrīnanvavā(nā)dayat| nabhasi snigdhagambhīro harṣādbhūtairudīritaḥ

"Oh, vortrefflich!" – dieser aus Freude von den Wesen erhobene Ruf, sanft und tief im Himmel erklingend, durchdrang die drei Welten.

śivo vāyurvavau sarvā bhābhirunmīlitā diśaḥ| nipetuḥ sajalāścaiva divyāḥ kusumavṛṣṭayaḥ

Ein heilsamer Wind wehte, alle Himmelsrichtungen erstrahlten in Licht, und himmlische, mit Wasser durchtränkte Blütenregen fielen herab.

athāgniveśapramukhān viviśurjñānadevatāḥ| buddhiḥ siddhiḥ smṛtirmedhā dhṛtiḥ kīrtiḥ kṣamā dayā

Dann durchdrangen die Gottheiten des Wissens – Verstand (buddhi), Vollendung (siddhi), Erinnerungsvermögen (smṛti), Weisheit (medhā), Standhaftigkeit (dhṛti), Ruhm (kīrti), Nachsicht (kṣamā) und Mitgefühl (dayā) – Agniveśa und die anderen Schüler.

tāni cānumatānyeṣāṃ tantrāṇi paramarṣibhiḥ| bha(bhā)vāya bhūtasaṅghānāṃ pratiṣṭhāṃ bhuvi lebhire

Und diese von den großen Weisen gutgeheißenen Lehrwerke erlangten auf Erden Bestand, zum Wohl der Schar der Geschöpfe.

hitāhitaṃ sukhaṃ duḥkhamāyustasya hitāhitam| mānaṃ ca tacca yatroktamāyurvedaḥ sa ucyate

Was zuträglich und unzuträglich ist, was Glück und Leid ist, was dem Leben (āyus) zuträglich und unzuträglich ist, sowie sein rechtes Maß – worin dies dargelegt wird, das nennt man Āyurveda.

śarīrendriyasattvātmasaṃyogo dhāri jīvitam| nityagaścānubandhaśca paryāyairāyurucyate

Die Verbindung von Körper, Sinnesorganen, Geist (sattva) und Selbst (ātman), die das Leben trägt, beständig fortdauert und ununterbrochen ist – sie wird mit dem Wort 'āyus' (Leben) und seinen Synonymen bezeichnet.

tasyāyuṣaḥ puṇyatamo vedo vedavidāṃ mataḥ| vakṣyate yanmanuṣyāṇāṃ lokayorubhayorhitam

Das heilsamste Wissen (veda) über dieses Leben, wie es die Kenner des Wissens verstehen, wird nun dargelegt – das, was den Menschen in beiden Welten, dieser und jener, zuträglich ist.

sarvadā sarvabhāvānāṃ sāmānyaṃ vṛddhikāraṇam| hrāsaheturviśeṣaśca, pravṛttirubhayasya tu

Stets ist bei allen Dingen das Allgemeine (sāmānya) Ursache der Zunahme, das Besondere (viśeṣa) Ursache der Abnahme; das Wirken beider Prinzipien betrifft [Substanzen] in gleicher Weise.

sāmānyamekatvakaraṃ, viśeṣastu pṛthaktvakṛt| tulyārthatā hi sāmānyaṃ, viśeṣastu viparyayaḥ

Das Allgemeine bewirkt Einheit, das Besondere hingegen Trennung; denn Gleichartigkeit ist das Wesen des Allgemeinen, das Besondere hingegen dessen Gegenteil.

sattvamātmā śarīraṃ ca trayametattridaṇḍavat| lokastiṣṭhati saṃyogāttatra sarvaṃ pratiṣṭhitam

Geist (sattva), Selbst (ātman) und Körper (śarīra) – diese Dreiheit gleicht einem Dreifuß (tridaṇḍa); die Welt besteht durch ihre Verbindung, und in ihr ist alles gegründet.

sa pumāṃścetanaṃ tacca taccādhikaraṇaṃ smṛtam| vedasyāsya, tadarthaṃ hi vedo'yaṃ samprakāśitaḥ

Diese Verbindung gilt als der Mensch (puruṣa), als das bewusste Wesen (cetana) und als der eigentliche Gegenstand (adhikaraṇa) dieses Wissens; um seinetwillen ist dieses Wissen (veda) verkündet worden.

khādīnyātmā manaḥ kālo diśaśca dravyasaṅgrahaḥ| sendriyaṃ cetanaṃ dravyaṃ, nirindriyamacetanam

Zur Zusammenfassung der Substanzen (dravya) gehören: Äther (kha) und die übrigen Elemente, das Selbst (ātman), der Geist (manas), die Zeit (kāla) und der Raum (diś); eine mit Sinnesorganen versehene Substanz ist beseelt (cetana), eine ohne Sinnesorgane unbeseelt (acetana).

sārthā gurvādayo buddhiḥ prayatnāntāḥ parādayaḥ| guṇāḥ proktāḥ . prayatnādi karma ceṣṭitamucyate

Als Eigenschaften (guṇa) gelten die einem Gegenstand innewohnenden Qualitäten, von "schwer" (guru) angefangen bis hin zu Erkenntnis (buddhi) und Willensanstrengung (prayatna), samt "fern" u. a.; das mit der Willensanstrengung Beginnende wird als Handlung (karma), als Betätigung, bezeichnet.

samavāyo'pṛthagbhāvo bhūmyādīnāṃ guṇairmataḥ| sa nityo yatra hi dravyaṃ na tatrāniyato guṇaḥ

Inhärenz (samavāya) gilt als das untrennbare Verbundensein von Erde und den übrigen Substanzen mit ihren Eigenschaften; sie ist beständig, denn wo eine Substanz ist, dort ist die Eigenschaft ihr nicht ungebunden, sondern ihr inhärent.

yatrāśritāḥ karmaguṇāḥ kāraṇaṃ samavāyi yat| samavāyī tu niśceṣṭaḥ kāraṇaṃ guṇaḥ

Das, worin Handlung und Eigenschaften ihren Sitz haben, ist die inhärierende Ursache (samavāyi-kāraṇa); das Inhärierende selbst aber ist ohne eigene Bewegung – die Eigenschaft wirkt als Ursache nur in ihrem Substrat.

saṃyoge ca vibhāge ca kāraṇaṃ dravyamāśritam| kartavyasya kriyā karma karma nānyadapekṣate

Bei Verbindung (saṃyoga) und Trennung (vibhāga) ist die Substanz die zugrundeliegende Ursache; Handlung (karma) ist die Tätigkeit dessen, was zu bewirken ist, und Handlung bedarf keiner weiteren [Ursache] außer sich selbst.

ityuktaṃ kāraṇaṃ kāryaṃ dhātusāmyamihocyate| dhātusāmyakriyā coktā tantrasyāsya prayojanam

So wurden Ursache (kāraṇa) und Wirkung (kārya) dargelegt; hier wird als Wirkung das Gleichgewicht der dhātus (Körpergewebe) bezeichnet. Und die Tätigkeit, die das Gleichgewicht der dhātus herstellt, wird als der Zweck dieser Lehre (tantra) genannt.

kālabuddhīndriyārthānāṃ yogo mithyā na cāti ca| dvayāśrayāṇāṃ vyādhīnāṃ trividho hetusaṅgrahaḥ

Die fehlerhafte, ausbleibende oder übermäßige Verbindung von Zeit (kāla), Verstand (buddhi) und Sinnesobjekten (indriyārtha) bildet die dreifache Zusammenfassung der Ursachen der Krankheiten, die in Körper und Geist ihren Sitz haben.

śarīraṃ sattvasañjñaṃ ca vyādhīnāmāśrayo mataḥ| tathā sukhānāṃ, yogastu sukhānāṃ kāraṇaṃ samaḥ

Körper und das, was 'sattva' (Geist) genannt wird, gelten als Sitz der Krankheiten, ebenso des Glücks; die rechte, ausgewogene Verbindung [von Zeit, Verstand und Sinnesobjekten] jedoch ist die Ursache des Glücks.

nirvikāraḥ parastvātmā sattvabhūtaguṇendriyaiḥ| caitanye kāraṇaṃ nityo draṣṭā paśyati hi kriyāḥ

Das höchste Selbst (ātman) jedoch ist unveränderlich, wenngleich verbunden mit Geist, Elementen, Eigenschaften und Sinnesorganen; es ist die ewige Ursache des Bewusstseins, der Betrachter, der die Handlungen nur sieht.

vāyuḥ pittaṃ kaphaścoktaḥ śārīro doṣasaṅgrahaḥ| mānasaḥ punaruddiṣṭo rajaśca tama eva ca

Vāta, Pitta und Kapha (Wind, Galle und Schleim) werden als die körperliche Zusammenfassung der doṣas (Störfaktoren) bezeichnet; als geistige doṣas hingegen gelten rajas (Aktivität) und tamas (Trägheit).

praśāmyatyauṣadhaiḥ pūrvo daivayuktivyapāśrayaiḥ| mānaso jñānavijñānadhairyasmṛtisamādhibhiḥ

Die ersteren, körperlichen doṣas, werden durch Heilmittel (auṣadha) besänftigt, die sich auf Übernatürliches (daiva) und auf vernunftgemäße Mittel (yukti) stützen; die geistigen doṣas durch Wissen (jñāna), Erkenntnis (vijñāna), Geduld (dhairya), Erinnerung (smṛti) und Sammlung (samādhi).

rūkṣaḥ śīto laghuḥ sūkṣmaścalo'tha viśadaḥ kharaḥ| viparītaguṇairdravyairmārutaḥ sampraśāmyati

Vāta (Wind) ist trocken (rūkṣa), kalt (śīta), leicht (laghu), fein (sūkṣma), beweglich (cala), klar (viśada) und rau (khara); durch Substanzen mit entgegengesetzten Eigenschaften wird Vāta besänftigt.

sasnehamuṣṇaṃ tīkṣṇaṃ ca dravamamlaṃ saraṃ kaṭu| viparītaguṇaiḥ pittaṃ dravyairāśu praśāmyati

Pitta ist ölig (snigdha), heiß (uṣṇa), scharf (tīkṣṇa), flüssig (drava), sauer (amla), durchdringend (sara) und beißend (kaṭu); durch Substanzen mit entgegengesetzten Eigenschaften wird Pitta rasch besänftigt.

guruśītamṛdusnigdhamadhurasthirapicchilāḥ| śleṣmaṇaḥ praśamaṃ yānti viparītaguṇairguṇāḥ

Die Eigenschaften des Kapha (Schleim) – schwer (guru), kalt (śīta), weich (mṛdu), ölig (snigdha), süß (madhura), fest (sthira) und schleimig-zäh (picchila) – kommen durch Eigenschaften des entgegengesetzten Charakters zur Besänftigung.

viparītaguṇairdeśamātrākālopapāditaiḥ| bheṣajairvinivartante vikārāḥ sādhyasammatāḥ

Durch Heilmittel (bheṣaja) mit entgegengesetzten Eigenschaften, angepasst an Ort (deśa), Dosis (mātrā) und Zeit (kāla), werden die als heilbar (sādhya) geltenden Störungen zum Weichen gebracht.

sādhanaṃ na tvasādhyānāṃ vyādhīnāmupadiśyate| bhūyaścāto yathādravyaṃ guṇakarmāṇi vakṣyate

Für als unheilbar (asādhya) geltende Krankheiten jedoch wird keine Behandlung gelehrt. Weiterhin werden nun, den Substanzen entsprechend, deren Eigenschaften (guṇa) und Wirkungen (karma) dargelegt.

rasanārtho rasastasya dravyamāpaḥ kṣitistathā| nirvṛttau ca viśeṣe ca pratyayāḥ khādayastrayaḥ

Rasa (Geschmack) ist das, was durch die Zunge wahrgenommen wird; seine [materielle] Grundlage bilden Wasser (āpaḥ) und Erde (kṣiti); bei seiner Entstehung und seiner Ausprägung wirken die drei übrigen Elemente – Äther, Feuer und Wind – als bestimmende Faktoren mit.

svāduramlo'tha lavaṇaḥ kaṭukastikta eva ca| kaṣāyaśceti ṣaṭko'yaṃ rasānāṃ saṅgrahaḥ smṛtaḥ

Süß (svādu), sauer (amla), salzig (lavaṇa), scharf (kaṭuka), bitter (tikta) und herb-adstringierend (kaṣāya) – diese sechs bilden die überlieferte Zusammenfassung der rasas (Geschmacksarten).

svādvamlalavaṇā vāyuṃ, kaṣāyasvādutiktakāḥ| jayanti pittaṃ, śleṣmāṇaṃ kaṣāyakaṭutiktakāḥ (kaṭvamlalavaṇāḥ pittaṃ, svādvamlalavaṇāḥ kapham| kaṭutiktakaṣāyāśca kopayanti samīraṇam

Süß, sauer und salzig besiegen (besänftigen) Vāta; herb, süß und bitter besiegen Pitta; herb, scharf und bitter besiegen Kapha. (Nach anderer Überlieferung: Scharf, sauer und salzig erregen Pitta; süß, sauer und salzig erregen Kapha; scharf, bitter und herb erregen Vāta.)

) kiñciddoṣapraśamanaṃ kiñciddhātupradūṣaṇam| svasthavṛttau mataṃ kiñcittrividhaṃ dravyamucyate

Manche Substanz besänftigt die doṣas, manche verunreinigt die dhātus (Körpergewebe), manche gilt als geeignet für die Lebensweise des Gesunden (svasthavṛtta) – so wird die Substanz als dreifach bezeichnet.

tat punastrividhaṃ proktaṃ jaṅgamaudbhidapārthivam madhūni gorasāḥ pittaṃ vasā majjā'sṛgāmiṣam

Diese wiederum wird als dreifach bezeichnet: tierischen Ursprungs (jaṅgama), pflanzlichen Ursprungs (audbhida) und mineralischen Ursprungs (pārthiva). Zu den tierischen zählen: Honig (madhu), Milchprodukte (gorasa), Galle (pitta), Fett (vasā), Knochenmark (majjā), Blut (asṛj) und Fleisch (āmiṣa),

viṇmūtracarmareto'sthisnāyuśṛṅganakhāḥ khurāḥ| jaṅgamebhyaḥ prayujyante keśā lomāni rocanāḥ

Kot (viṭ), Urin (mūtra), Haut (carman), Samen (retas), Knochen (asthi), Sehnen (snāyu), Hörner (śṛṅga), Krallen/Nägel (nakha), Hufe (khura), Kopfhaare (keśa), Körperhaare (loman) und Gorochana (rocanā) – diese werden von tierischen Wesen gewonnen.

suvarṇaṃ samalāḥ pañca lohāḥ sasikatāḥ sudhā| manaḥśilāle maṇayo lavaṇaṃ gairikāñjane

Gold (suvarṇa), die fünf Metalle (loha) samt ihren Schlacken, Sand (sikatā), Kalk (sudhā), Manaḥśilā (Realgar) und Ālā, Edelsteine (maṇi), Salz (lavaṇa), roter Ocker (gairika) und Augenschminke/Antimon (añjana) [zählen zu den mineralischen Substanzen].

bhaumamauṣadhamuddiṣṭamaudbhidaṃ tu caturvidham| vanaspatistathā vīrudvānaspatyastathauṣadhiḥ

Man unterscheidet die bhauma-Heilpflanze (oṣadhi, ausdauernd wachsend) und die audbhida-Pflanze (aus dem Samen hervorbrechend), welche vierfach ist: vanaspati (Baum, der ohne sichtbare Blüte Frucht trägt, z. B. der Feigenbaum), vīrudh (Rankengewächs), vānaspatya (Baum mit Blüten und Früchten) und oṣadhi (die nach der Fruchtreife verwelkende Krautpflanze).

phalairvanaspatiḥ puṣpairvānaspatyaḥ phalairapi| oṣadhyaḥ phalapākāntāḥ pratānairvīrudhaḥ smṛtāḥ

Der vanaspati trägt Früchte ohne Blüten, der vānaspatya trägt Blüten und auch Früchte; die oṣadhi-Pflanzen enden mit der Fruchtreife (sie sterben danach ab), und die vīrudh gelten als solche, die sich durch Ranken ausbreiten.

mūlatvaksāraniryāsanāla(ḍa)svarasapallavāḥ| kṣārāḥ kṣīraṃ phalaṃ puṣpaṃ bhasma tailāni kaṇṭakāḥ

Wurzel, Rinde, Kernholz, Harz, Stängel, Presssaft, junge Triebe, Laugenasche (kṣāra), Milchsaft, Frucht, Blüte, Asche, Öle und Dornen sind die medizinisch genutzten Pflanzenteile.

patrāṇi śuṅgāḥ kandāśca prarohāścaudbhido gaṇaḥ mūlinyaḥ ṣoḍaśaikonā phalinyo viṃśatiḥ smṛtāḥ

Blätter, junge Sprosse, Knollen und neue Triebe – das ist die Gruppe der audbhida-Pflanzenteile. Die 'wurzelwirksamen' Mittel (mūlinyaḥ) gelten als fünfzehn an der Zahl, die 'fruchtwirksamen' (phalinyaḥ) als zwanzig.

mahāsnehāśca catvāraḥ pañcaiva lavaṇāni ca| aṣṭau mūtrāṇi saṅkhyātānyaṣṭāveva payāṃsi ca

Die großen Fette (mahāsneha) sind vier, die Salze (lavaṇa) fünf; die Urinarten (mūtra) werden mit acht gezählt, ebenso die Milcharten (kṣīra) mit acht.

śodhanārthāśca ṣaḍ vṛkṣāḥ punarvasunidarśitāḥ| ya etān vetti saṃyoktuṃ vikāreṣu sa vedavit

Und sechs Bäume für Reinigungszwecke (śodhana) wurden von Punarvasu [Ātreya] gelehrt. Wer sie bei Krankheiten (vikāra) richtig anzuwenden versteht, der ist ein wahrer Kenner des ärztlichen Wissens.

hastidantī haimavatī śyāmā trivṛdadhoguḍā| saptalā śvetanāmā ca pratyakśreṇī gavākṣyapi

Hastidantī, Haimavatī, Śyāmā, Trivṛt, Adhoguḍā, Saptalā, die 'Weiße' (Śvetā) und Pratyakśreṇī, dazu Gavākṣī –

jyotiṣmatī ca bimbī ca śaṇapuṣpī viṣāṇikā| ajagandhā dravantī ca kṣīriṇī cātra ṣoḍaśī

Jyotiṣmatī, Bimbī, Śaṇapuṣpī, Viṣāṇikā, Ajagandhā, Dravantī und Kṣīriṇī – hiermit sind es sechzehn.

śaṇapuṣpī ca bimbī ca cchardane haimavatyapi| śvetā jyotiṣmatī caiva yojyā śīrṣavirecane

Śaṇapuṣpī, Bimbī und auch Haimavatī sind beim Erbrechen (vamana) anzuwenden; Śvetā und Jyotiṣmatī werden bei der Kopfreinigung über die Nase eingesetzt.

ekādaśāvaśiṣṭā yāḥ prayojyāstā virecane| ityuktā nāmakarmabhyāṃ mūlinyaḥ... ...phalinīḥ śṛṇu

Die verbleibenden elf sind beim Abführen (virecana) zu verwenden. So wurden die 'wurzelwirksamen' Mittel nach Namen und Wirkung genannt – höre nun von den 'fruchtwirksamen'.

śaṅkhinyatha viḍaṅgāni trapuṣaṃ madanāni ca| dhāmārgavamathekṣvāku jīmūtaṃ kṛtavedhanam| ānūpaṃ sthalajaṃ caiva klītakaṃ dvividhaṃ smṛtam

Śaṅkhinī, ferner Viḍaṅga, Trapuṣa, die Madana-Früchte, Dhāmārgava, Ikṣvāku, Jīmūta und Kṛtavedhana; Klītaka gilt als zweifach, als Sumpf- und als Landpflanze.

prakīryā codakīryā ca pratyakpuṣpā tathā'bhayā| antaḥkoṭarapuṣpī ca hastiparṇyāśca śāradam

Prakīryā und Udakīryā, ebenso Pratyakpuṣpā und Abhayā, Antaḥkoṭarapuṣpī und die Herbstfrucht der Hastiparṇī.

kampillakāragvadhayoḥ phalaṃ yat kuṭajasya ca| dhāmārgavamathekṣvāku jīmūtaṃ kṛtavedhanam

Die Frucht von Kampillaka und Āragvadha sowie die des Kuṭaja, ferner Dhāmārgava, Ikṣvāku, Jīmūta und Kṛtavedhana –

madanaṃ kuṭajaṃ caiva trapuṣaṃ hastiparṇinī| etāni vamane caiva yojyānyāsthāpaneṣu ca

Madana, Kuṭaja, Trapuṣa und Hastiparṇinī – diese sind sowohl beim Erbrechen (vamana) als auch bei Nährklistieren (āsthāpana) anzuwenden.

nastaḥ pracchardane caiva pratyakpuṣpā vidhīyate| daśa yānyavaśiṣṭāni tānyuktāni virecane

Pratyakpuṣpā wird beim Erbrechen über die Nase (nasya) angewendet. Die zehn übrigen Mittel dienen dem Abführen (virecana).

nāmakarmabhiruktāni phalānyekonaviṃśatiḥ sarpistailaṃ vasā majjā sneho diṣṭaścaturvidhaḥ

So wurden die neunzehn 'fruchtwirksamen' Mittel nach Namen und Wirkung genannt. Als vierfaches Fett (sneha) gelten: geklärte Butter, Öl, Fett und Knochenmark.

pānābhyañjanabastyarthaṃ nasyārthaṃ caiva yogataḥ| snehanā jīvanā varṇyā balopacayavardhanāḥ

Zum Trinken, zur Einreibung, für Klistiere (basti) und für Nasenmittel (nasya) werden sie je nach Zusammensetzung eingesetzt; sie befetten (snehana), beleben, verschönern den Teint und mehren Kraft und Körperfülle.

snehā hyete ca vihitā vātapittakaphāpahāḥ sauvarcalaṃ saindhavaṃ ca viḍamaudbhidameva ca

Diese Fette sind so bestimmt, dass sie Vāta, Pitta und Kapha (die drei Doṣas, die Grundprinzipien des Körpers) beseitigen. Die Salze sind: Sauvarcala-Salz, Saindhava-Salz, Viḍa-Salz und Audbhida-Salz,

sāmudreṇa sahaitāni pañca syurlavaṇāni ca| snigdhānyuṣṇāni tīkṣṇāni dīpanīyatamāni ca

zusammen mit dem Meersalz macht dies fünf Salze (lavaṇa). Sie sind ölig-schmierend, heiß, scharf-durchdringend und in höchstem Maße verdauungsfördernd.

ālepanārthe yujyante snehasvedavidhau tathā| adhobhāgordhvabhāgeṣu nirūheṣvanuvāsane

Sie werden zum Einreiben verwendet, ebenso bei Öl- und Schwitzbehandlungen, bei den nach unten und oben wirkenden Reinigungsverfahren, bei Abführklistieren (nirūha) und Ölklistieren (anuvāsana),

abhyañjane bhojanārthe śirasaśca virecane| śastrakarmaṇi vartyarthamañjanotsādaneṣu ca

bei der Einreibung, in der Speise, bei der Kopfreinigung und beim Abführen, bei chirurgischen Eingriffen, für Dochte, bei Augensalben und Hautabreibungen,

ajīrṇānāhayorvāte gulme śūle tathodare| uktāni lavaṇā(ni)... ... nyū(ū)rdhvaṃ mūtrāṇyaṣṭau nibodha me

bei Unverdautheit und Blähungsverhaltung, bei Vāta-Störungen, bei Geschwulstbildung (gulma), bei Stichschmerz und bei Bauchleiden. So wurden die Salze genannt – höre nun von mir die acht Urinarten (mūtra).

mukhyāni yāni diṣṭāni sarvāṇyātreyaśāsane| avimūtramajāmūtraṃ gomūtraṃ māhiṣaṃ ca yat

Die wichtigsten, wie sie in der gesamten Lehre des Ātreya überliefert sind: Schafsurin, Ziegenurin, Kuhurin und Büffelurin,

hastimūtramathoṣṭrasya hayasya ca kharasya ca| uṣṇaṃ tīkṣṇamatho'rūkṣaṃ kaṭukaṃ lavaṇānvitam

Elefantenurin, ferner der des Kamels, des Pferdes und des Esels. Urin ist im Allgemeinen heiß, scharf, nicht austrocknend, scharf-bitter im Geschmack und salzig.

mūtramutsādane yuktaṃ yuktamālepaneṣu ca| yuktamāsthāpane mūtraṃ yuktaṃ cāpi virecane

Urin (mūtra) eignet sich zur Hautabreibung, zum Einreiben, für Nährklistiere und ebenso zum Abführen.

svedeṣvapi ca tadyuktamānāheṣvagadeṣu ca| udareṣvatha cārśaḥsu gulmikuṣṭhikilāsiṣu [4]

Er eignet sich auch bei Schwitzbehandlungen, bei Blähungsverhaltung, als Gegengift, bei Bauchleiden, bei Hämorrhoiden, bei Geschwulstbildung, Hautkrankheiten und Weißfleckigkeit.

tadyuktamupanāheṣu pariṣeke tathaiva ca| dīpanīyaṃ viṣaghnaṃ ca krimighnaṃ copadiśyate

Er eignet sich auch bei feuchtwarmen Umschlägen und ebenso bei Übergießungen. Er gilt als verdauungsfördernd, giftvertreibend und wurmtötend.

pāṇḍurogopasṛṣṭānāmuttamaṃ śarma cocyate| śleṣmāṇaṃ śamayet pītaṃ mārutaṃ cānulomayet

Für die von Blutarmut (pāṇḍuroga) Betroffenen wird er als vorzügliches Heilmittel bezeichnet; getrunken beruhigt er Kapha und lenkt Vāta in seine natürliche Richtung.

karṣet pittamadhobhāgamityasmin guṇasaṅgrahaḥ| sāmānyena mayoktastu pṛthaktvena pravakṣyate

Er zieht Pitta nach unten ab – dies ist die Zusammenfassung seiner Wirkungen. Ich habe sie im Allgemeinen dargelegt; nun werde ich sie im Einzelnen erläutern.

avimūtraṃ satiktaṃ syāt snigdhaṃ pittāvirodhi ca| ājaṃ kaṣāyamadhuraṃ pathyaṃ doṣānnihanti ca

Schafsurin ist leicht bitter, ölig und mit Pitta verträglich. Ziegenurin ist herb-adstringierend und süß, zuträglich, und beseitigt die Doṣas (die drei Körperprinzipien Vāta, Pitta, Kapha).

gavyaṃ samadhuraṃ kiñciddoṣaghnaṃ krimikuṣṭhanut| kaṇḍūṃ ca śamayet pītaṃ samyagdoṣodare hitam

Kuhurin ist etwas süß, beseitigt die Doṣas, vertreibt Würmer und Hautkrankheiten; getrunken lindert er Juckreiz und ist bei Doṣa-bedingten Bauchleiden zuträglich.

arśaḥśophodaraghnaṃ tu sakṣāraṃ māhiṣaṃ saram| hāstikaṃ lavaṇaṃ mūtraṃ hitaṃ tu krimikuṣṭhinām

Büffelurin, alkalisch und dünnflüssig, beseitigt Hämorrhoiden, Schwellungen und Bauchleiden; Elefantenurin, salzig, ist zuträglich bei Wurmbefall und Hautkrankheiten.

praśastaṃ baddhaviṇmūtraviṣaśleṣmāmayārśasām| satiktaṃ śvāsakāsaghnamarśoghnaṃ cauṣṭramucyate

Kamelurin gilt als vorzüglich bei Stuhl- und Harnverhaltung, bei Gift, bei Kapha-Erkrankungen und bei Hämorrhoiden; leicht bitter, wird er als Mittel gegen Atemnot, Husten und Hämorrhoiden bezeichnet.

vājināṃ tiktakaṭukaṃ kuṣṭhavraṇaviṣāpaham| kharamūtramapasmāronmādagrahavināśanam

Pferdeurin ist bitter-scharf und beseitigt Hautkrankheiten, Wunden und Gift. Eselsurin vernichtet Epilepsie, Wahnsinn und dämonischen Befall (graha).

itīhoktāni mūtrāṇi yathāsāmarthyayogataḥ ataḥ kṣīrāṇi vakṣyante karma caiṣāṃ guṇāśca ye

So wurden hier die Urinarten (mūtra) nach ihrer jeweiligen Wirkkraft genannt. Nun sollen die Milcharten (kṣīra) dargelegt werden, samt ihrer Wirkung und ihren Eigenschaften.

avikṣīramajākṣīraṃ gokṣīraṃ māhiṣaṃ ca yat| uṣṭrīṇāmatha nāgīnāṃ vaḍavāyāḥ striyāstathā

Schafsmilch, Ziegenmilch, Kuhmilch und Büffelmilch, ferner die Milch der Kamelstute, der Elefantenkuh, der Stute und der Frau –

prāyaśo madhuraṃ snigdhaṃ śītaṃ stanyaṃ payo matam| prīṇanaṃ bṛṃhaṇaṃ vṛṣyaṃ medhyaṃ balyaṃ manaskaram

im Allgemeinen gilt Milch (kṣīra) als süß, ölig, kühl und der Muttermilch ähnlich; sie erfreut, nährt, fördert die Zeugungskraft, stärkt den Geist, verleiht Kraft und erfreut das Gemüt,

jīvanīyaṃ śramaharaṃ śvāsakāsanibarhaṇam| hanti śoṇitapittaṃ ca sandhānaṃ vihatasya ca

sie belebt, beseitigt Ermüdung, vertreibt Atemnot und Husten; sie beseitigt Pitta-bedingte Blutungen und fördert die Heilung von Verletzungen,

sarvaprāṇabhṛtāṃ sātmyaṃ śamanaṃ śodhanaṃ tathā| tṛṣṇāghnaṃ dīpanīyaṃ ca śreṣṭhaṃ kṣīṇakṣateṣu ca

sie ist allen Lebewesen zuträglich, beruhigend und ebenso reinigend, durstlöschend, verdauungsfördernd, und die beste Arznei bei Auszehrung und Wunden,

pāṇḍuroge'mlapitte ca śoṣe gulme tathodare| atīsāre jvare dāhe śvayathau ca viśeṣataḥ

bei Blutarmut, bei saurem Aufstoßen, bei Schwindsucht, bei Geschwulstbildung, bei Bauchleiden, bei Durchfall, Fieber, Brennen und besonders bei Schwellungen,

yoniśukrapradoṣeṣu mūtreṣvapracureṣu ca| purīṣe grathite pathyaṃ vātapittavikāriṇām

bei Störungen der Gebärmutter und des Samens, bei spärlichem Harn und bei verhärtetem Stuhl ist sie zuträglich für von Vāta- und Pitta-Störungen Betroffene.

nasyālepāvagāheṣu vamanāsthāpaneṣu ca| virecane snehane ca payaḥ sarvatra yujyate

Bei Nasenmitteln, Einreibungen, Tauchbädern, beim Erbrechen, bei Nährklistieren, beim Abführen und bei Ölbehandlungen wird Milch überall angewendet.

yathākramaṃ kṣīraguṇānekaikasya pṛthak pṛthak| annapānādike'dhyāye bhūyo vakṣyāmyaśeṣataḥ

Die Eigenschaften jeder einzelnen Milchart der Reihe nach werde ich im Kapitel über Speise und Trank noch ausführlich darlegen.

athāpare trayo vṛkṣāḥ pṛthagye phalamūlibhiḥ| snuhyarkāśmantakāsteṣāmidaṃ karma pṛthak pṛthak

Nun folgen drei weitere Bäume, die sich durch ihre Früchte und Wurzeln von den vorigen unterscheiden: Snuhī, Arka und Aśmantaka. Ihre jeweils eigene Wirkung ist folgende:

vamane'śmantakaṃ vidyāt snuhīkṣīraṃ virecane| kṣīramarkasya vijñeyaṃ vamane savirecane

Man wisse, dass Aśmantaka beim Erbrechen wirkt; der Milchsaft der Snuhī wirkt beim Abführen; der Milchsaft des Arka wirkt bekanntlich sowohl beim Erbrechen als auch beim Abführen.

imāṃstrīnaparān vṛkṣānāhuryeṣāṃ hitāstvacaḥ| pūtīkaḥ kṛṣṇagandhā ca tilvakaśca tathā taruḥ

Diese drei weiteren Bäume nennt man, deren Rinden heilsam sind: Pūtīka, Kṛṣṇagandhā und ebenso der Baum Tilvaka.

virecane prayoktavyaḥ pūtīkastilvakastathā| kṛṣṇagandhā parīsarpe śotheṣvarśaḥsu cocyate

Pūtīka und ebenso Tilvaka sind beim Abführen anzuwenden; Kṛṣṇagandhā wird bei Gürtelrose, bei Schwellungen und bei Hämorrhoiden verwendet,

dadruvidradhigaṇḍeṣu kuṣṭheṣvapyalajīṣu ca| ṣaḍvṛkṣāñchodhanānetānapi vidyādvicakṣaṇaḥ

bei Ringwurm, Abszessen, Geschwülsten, auch bei Hautkrankheiten und bei Alajī (einer Geschwürart). Diese sechs reinigenden Bäume soll auch der Kundige kennen.

ityuktāḥ phalamūlinyaḥ snehāśca lavaṇāni ca| mūtraṃ kṣīrāṇi vṛkṣāśca ṣaḍ ye diṣṭapayastvacaḥ

So wurden genannt: die 'fruchtwirksamen' und 'wurzelwirksamen' Pflanzen, die Fette und die Salze, der Urin, die Milcharten und die sechs Bäume, deren Milchsaft und Rinde bestimmt wurden.

oṣadhīrnāmarūpābhyāṃ jānate hyajapā vane| avipāścaiva gopāśca ye cānye vanavāsinaḥ

Die Pflanzen nach Namen und Gestalt kennen auch die Ziegenhirten im Wald, ebenso die Schafhirten, die Kuhhirten und andere Waldbewohner.

na nāmajñānamātreṇa rūpajñānena vā punaḥ| oṣadhīnāṃ parāṃ prāptiṃ kaścidveditumarhati

Doch durch bloße Kenntnis des Namens oder auch nur der Gestalt der Pflanzen vermag niemand die höchste Erkenntnis über sie zu erlangen.

yogavittvapyarūpajñastāsāṃ tattvaviducyate| kiṃ punaryo vijānīyādoṣadhīḥ sarvathā bhiṣak

Auch wer die rechte Anwendung (yoga) kennt, selbst ohne die Gestalt zu kennen, gilt als Kenner ihres wahren Wesens – wie viel mehr gilt dies für den Arzt, der die Heilpflanzen in jeder Hinsicht erkennt!

yogamāsāṃ tu yo vidyāddeśakālopapāditam| puruṣaṃ puruṣaṃ vīkṣya sa jñeyo bhiṣaguttamaḥ

Wer aber ihre Anwendung kennt, wie sie durch Ort und Zeit bestimmt wird, und der jeden einzelnen Menschen individuell betrachtet – der ist als der beste Arzt zu erkennen.

yathā viṣaṃ yathā śastraṃ yathā'gniraśaniryathā| tathauṣadhamavijñātaṃ vijñātamamṛtaṃ yathā

Wie Gift, wie eine Waffe, wie Feuer, wie ein Blitzschlag wirkt – so wirkt eine unerkannt angewandte Arznei; wie Ambrosia (amṛta) wirkt sie, wenn sie recht erkannt ist.

auṣadhaṃ hyanabhijñātaṃ nāmarūpaguṇaistribhiḥ| vijñātaṃ cāpi duryuktamanarthāyopapadyate

Eine Arznei, die in ihren drei Aspekten – Name, Gestalt und Eigenschaft – nicht erkannt ist, führt zu Unheil; und auch eine erkannte, aber falsch angewandte Arznei führt zu Unheil.

yogādapi viṣaṃ tīkṣṇamuttamaṃ bheṣajaṃ bhavet| bheṣajaṃ cāpi duryuktaṃ tīkṣṇaṃ sampadyate viṣam

Durch rechte Anwendung kann selbst scharfes Gift zur besten Arznei werden; und auch eine Arznei kann, falsch angewandt, zu scharfem Gift werden.

tasmānna bhiṣajā yuktaṃ yuktibāhyena bheṣajam| dhīmatā kiñcidādeyaṃ jīvitārogyakāṅkṣiṇā

Daher sollte ein verständiger Arzt, der Leben und Gesundheit der Kranken wünscht, keinerlei Arznei anwenden, die außerhalb rechter Methode (yukti) liegt.

kuryānnipatito mūrdhni saśeṣaṃ vāsavāśaniḥ| saśeṣamāturaṃ kuryānnatvajñamatamauṣadham

Selbst Indras Blitzschlag mag, auf den Scheitel niederfallend, noch einen Rest lassen; die von einem Unkundigen angewandte Arznei aber lässt dem Kranken keinen Rest.

duḥkhitāya śayānāya śraddadhānāya rogiṇe| yo bheṣajamavijñāya prājñamānī prayacchati

Wer einem leidenden, daniederliegenden, vertrauenden Kranken eine Arznei verabreicht, ohne sie wirklich zu kennen, sich aber für weise hält –

tyaktadharmasya pāpasya mṛtyubhūtasya durmateḥ| naro narakapātī syāttasya sambhāṣaṇādapi

ein solcher hat die Rechtschaffenheit verlassen, ist ein Sünder, gleichsam der Tod selbst und von schlechter Gesinnung; jeder Mensch würde schon durch ein Gespräch mit ihm in die Hölle stürzen.

varamāśīviṣaviṣaṃ kvathitaṃ tāmrameva vā| pītamatyagnisantaptā bhakṣitā vā'pyayoguḍāḥ

Besser wäre es, das Gift einer giftigen Schlange zu trinken oder geschmolzenes Kupfer, oder glühend erhitzte Eisenkugeln zu verzehren –

natu śrutavatāṃ veśaṃ bibhratā śaraṇāgatāt| gṛhītamannaṃ pānaṃ vā vittaṃ vā rogapīḍitāt

als, während man die Kleidung eines Gelehrten trägt, von einem hilfesuchenden, krankheitsgeplagten Menschen Speise, Trank oder Vermögen anzunehmen, ohne wirklich kundig zu sein.

bhiṣagbubhūṣurmatimānataḥ svaguṇasampadi| paraṃ prayatnamātiṣṭhet prāṇadaḥ syādyathā nṛṇām

Wer verständig Arzt werden will, der bemühe sich aufs Höchste um die Vervollkommnung seiner eigenen Fähigkeiten, auf dass er den Menschen zum Lebensspender werde.

tadeva yuktaṃ bhaiṣajyaṃ yadārogyāya kalpate| sa caiva bhiṣajāṃ śreṣṭho rogebhyo yaḥ pramocayet

Nur diejenige Arznei ist recht, die zur Gesundheit verhilft; und derjenige ist der beste unter den Ärzten, der die Kranken von ihren Krankheiten befreit.

samyakprayogaṃ sarveṣāṃ siddhirākhyāti karmaṇām| siddhirākhyāti sarvaiśca guṇairyuktaṃ bhiṣaktamam

Der Erfolg der Behandlung zeigt die rechte Anwendung aller ärztlichen Handlungen an; der Erfolg zeigt auch den mit allen erforderlichen Eigenschaften ausgestatteten, besten Arzt an.

āyurvedāgamo heturāgamasya pravartanam| sūtraṇasyābhyanujñānamāyurvedasya nirṇayaḥ

Die Überlieferung des Āyurveda (der Wissenschaft vom langen Leben) ist die Ursache; die Weitergabe der Überlieferung ist ihre Fortsetzung; die Zustimmung zur Methode der Lehrsätze (sūtra) ist die endgültige Feststellung des Āyurveda.

sampūrṇaṃ kāraṇaṃ kāryamāyurvedaprayojanam| hetavaścaiva doṣāśca bheṣajaṃ saṅgraheṇa ca

Das vollständige Ursache-Wirkungs-Verhältnis, der Zweck des Āyurveda, die Krankheitsursachen und die Doṣas, sowie zusammenfassend die Arznei,

rasāḥ sapratyayadravyāstrividho dravyasaṅgrahaḥ| mūlinyaśca phalinyaśca snehāśca lavaṇāni ca

die Geschmäcker (rasa) mit den ihnen entsprechenden Substanzen, die dreifache Zusammenstellung der Substanzen, die 'wurzelwirksamen' und 'fruchtwirksamen' Pflanzen, die Fette und die Salze,

mūtraṃ kṣīrāṇi vṛkṣāśca ṣaḍ ye kṣīratvagāśrayāḥ| karmāṇi caiṣāṃ sarveṣāṃ yogāyogaguṇāguṇāḥ

der Urin, die Milcharten und die sechs Bäume, die sich durch ihren Milchsaft und ihre Rinde auszeichnen – sowie die Wirkungen all dieser, ihre richtige und falsche Anwendung, ihre guten und schlechten Eigenschaften,

vaidyāpavādo yatrasthāḥ sarve ca bhiṣajāṃ guṇāḥ| sarvametat samākhyātaṃ pūrvādhyāye maharṣiṇā

die Tadelnswürdigkeit unfähiger Ärzte, und alle darin enthaltenen Vorzüge wahrer Ärzte – all dies wurde vom großen Weisen im vorangegangenen Kapitel dargelegt.

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