athātastasyāśitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir also das Kapitel 'Tasyāśitīya' erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Das sechste Kapitel widmet sich der ṛtucaryā, der jahreszeitlich angepassten Lebensführung, und gehört zu den einflussreichsten Passagen des gesamten Werks. Das Jahr wird in sechs Jahreszeiten sowie in zwei Halbjahre gegliedert: die „entziehende“ Periode (ādāna, mit Śiśira, Vasanta, Grīṣma) und die „spendende“ Periode (visarga, mit Varṣā, Śarad, Hemanta), denen jeweils charakteristische Schwankungen von Verdauungsfeuer und Doṣa-Aktivität zugeordnet werden. Für jede Jahreszeit werden detaillierte Ernährungs- und Verhaltensregeln formuliert, etwa fettreiche, wärmende Kost im Winter oder kühlende, leichte Speisen im Sommer, verbunden mit gezielten Reinigungsmaßnahmen wie Erbrechen im Frühjahr oder Aderlass im Herbst. Dieses Konzept findet sich in sehr ähnlicher Form auch im Aṣṭāṅgahṛdaya und in der Suśruta-Saṃhitā und zählt zu den Grundpfeilern der präventiven Ayurveda-Medizin. Botanisch treten vor allem kühlende Substanzen wie Sandelholz und Lotos sowie wärmendes Aguru neben saisonalen Fleisch- und Getreidesorten hervor.
| Jahreszeit | Periode | Doṣa-Geschehen | Ernährung/Verhalten (Auswahl) |
|---|---|---|---|
| Hemanta | Visarga | Verdauungsfeuer am stärksten; Vāta durch Kälte erregt | ölige, saure, salzige, schwere Speisen, Fleisch, Milchprodukte, Ölmassage |
| Śiśira | Ādāna | ähnlich Hemanta, zusätzlich Trockenheit | wie Hemanta; scharfe, bittere, herbe, leichte, kalte Speisen meiden |
| Vasanta | Ādāna | im Winter angesammeltes Kapha wird durch die Sonne mobilisiert | Reinigung (Erbrechen), schwere/saure/ölige/süße Speisen und Tagesschlaf meiden |
| Grīṣma | Ādāna | Austrocknung durch die Sonne | süße, kühle, flüssige, ölige Speisen; wenig Alkohol, Körperliche Ruhe |
| Varṣā | Visarga | Vāta u. a. Doṣas durch Erdsäfte und Gärung erregt | ausgewogene Kost, saure/salzige/ölige Speisen, mit Honig zubereitete Zubereitungen |
| Śarad | Visarga | angesammeltes Pitta wird durch die Sonne erregt | süße, leichte, kühle, leicht bittere Speisen; bitteres Ghee, Aderlass |
athātastasyāśitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir also das Kapitel 'Tasyāśitīya' erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya:
tasyāśitādyādāhārādbalaṃ varṇaśca vardhate| yasyartusātmyaṃ viditaṃ ceṣṭāhāravyapāśrayam
Von der Nahrung, die er zu sich nimmt, mehren sich seine Kraft (bala) und sein Teint (varṇa) – bei dem, der die jahreszeitliche Zuträglichkeit (ṛtusātmya) kennt, welche sich auf Verhalten und Ernährung gründet.
iha khalu saṃvatsaraṃ ṣaḍaṅgamṛtuvibhāgena vidyāt| tatrādityasyodagayanamādānaṃ ca trīnṛtūñchiśirādīn grīṣmāntān vyavasyet, varṣādīn punarhemantāntān dakṣiṇāyanaṃ visargaṃ ca
Hier nun soll man das Jahr als aus sechs Teilen bestehend, nach der Einteilung der Jahreszeiten (ṛtu), erkennen. Dabei soll man die Nordwanderung der Sonne (uttarāyaṇa) als Ādāna (die 'entziehende' Periode) bestimmen, zu der die drei Jahreszeiten Śiśira, Vasanta und Grīṣma gehören; die Südwanderung (dakṣiṇāyana) hingegen, mit Varṣā, Śarad und Hemanta, als Visarga (die 'freisetzende, spendende' Periode).
visarge punarvāyavo nātirūkṣāḥ pravānti, itare punarādāne; somaścāvyāhatabalaḥ śiśirābhirbhābhirāpūrayañjagadāpyāyayati śaśvat, ato visargaḥ saumyaḥ| ādānaṃ punarāgneyaṃ; tāvetāvarkavāyū somaśca kālasvabhāvamārgaparigṛhītāḥ kālarturasadoṣadehabalanirvṛttipratyayabhūtāḥsamupadiśyante
Während des Visarga wehen die Winde nicht übermäßig trocken, während des Ādāna hingegen anders; und der Mond (soma), dessen Kraft ungehindert ist, erfüllt die Welt mit seinen kühlen Strahlen beständig und erquickt sie – daher ist der Visarga 'somisch' (dem Mond zugehörig). Der Ādāna hingegen ist 'agnisch' (der Sonnenglut zugehörig). Diese beiden – Sonne und Wind – sowie der Mond, die dem naturgemäßen Verlauf der Zeit folgen, werden als jene Ursachen dargestellt, durch die Zeit, Jahreszeit, rasa (Geschmack bzw. Körpersaft), doṣa (Körpersaft bzw. krankmachender Faktor), Körper und Kraft zustande kommen.
tatra ravirbhābhirādadāno jagataḥ snehaṃ vāyavastīvrarūkṣāścopaśoṣayantaḥ śiśiravasantagrīṣmeṣu yathākramaṃ raukṣyamutpādayanto rūkṣān rasāṃstiktakaṣāyakaṭukāṃścābhivardhayanto nṛṇāṃ daurbalyamāvahanti
Dabei entziehen die Sonne mit ihren Strahlen sowie die heftigen, trockenen Winde der Welt die Feuchtigkeit und trocknen sie aus; in Śiśira, Vasanta und Grīṣma bringen sie der Reihe nach zunehmende Trockenheit hervor, lassen die trockenen rasas – bitter, herb-adstringierend und scharf – anwachsen und bewirken so bei den Menschen Schwäche.
varṣāśaraddhemanteṣu tu dakṣiṇābhimukhe'rke kālamārgameghavātavarṣābhihatapratāpe, śaśini cāvyāhatabale, māhendrasalilapraśāntasantāpe jagati, arūkṣā rasāḥ pravardhante'mlalavaṇamadhurā yathākramaṃ tatra balamupacīyate nṛṇāmiti
In Varṣā, Śarad und Hemanta hingegen, wenn die Sonne nach Süden gewandt ist und ihre Glut durch den naturgemäßen Lauf sowie durch Wolken, Wind und Regen gebrochen wird, wenn die Kraft des Mondes ungehindert ist und die Welt durch den Regen (māhendra) von ihrer Glut befreit und beruhigt ist, wachsen die nicht-trockenen rasas – sauer, salzig und süß – der Reihe nach an; dabei mehrt sich die Kraft der Menschen.
bhavanti cātra- ādāvante ca daurbalyaṃ visargādānayornṛṇām| madhye madhyabalaṃ, tvante śreṣṭhamagre ca nirdiśet
Und dazu gilt: Am Anfang und am Ende von Visarga und Ādāna herrscht bei den Menschen Schwäche, in deren Mitte mittlere Kraft; am Ende hingegen soll man die beste [Kraft] bezeichnen, ebenso am Anfang.
śīte śītānilasparśasaṃruddho balināṃ balī| paktā bhavati hemante mātrādravyagurukṣamaḥ
In der Kälte, durch die Berührung des kalten Windes gleichsam eingeschlossen, wird das Verdauungsfeuer (agni) im Hemanta zum Stärksten der Starken und vermag auch reichliche Mengen schwerer Substanzen zu verdauen.
sa yadā nendhanaṃ yuktaṃ labhate dehajaṃ tadā| rasaṃ hinastyato vāyuḥ śītaḥ śīte prakupyati
Wenn dieses Verdauungsfeuer keinen angemessenen Brennstoff aus dem Körper erhält, dann schädigt es den rasa; daher gerät der kalte Vāta (vāta-doṣa) in der Kälte in Erregung (prakopa).
tasmāttuṣārasamaye snigdhāmlalavaṇān rasān| audakānūpamāṃsānāṃ medyānāmupayojayet
Deshalb soll man zur Zeit des Reifs (Spätwinter) ölige, saure und salzige rasas verwenden, [und zwar] von fettreichem Fleisch der Wasser- und Sumpftiere.
bileśayānāṃ māṃsāni prasahānāṃ bhṛtāni ca| bhakṣayenmadirāṃ śīdhuṃ madhu cānupibennaraḥ
Man soll das Fleisch von Höhlenbewohnern und von Raubtieren, [in Fett] gebraten, verzehren; und der Mensch soll dazu madirā, śīdhu [beides gegorene alkoholische Getränke] sowie Honig trinken.
gorasānikṣuvikṛtīrvasāṃ tailaṃ navaudanam| hemante'bhyasyatastoyamuṣṇaṃ cāyurna hīyate
Milchprodukte, Zuckerrohrerzeugnisse, Fett, Öl und frischen Reis soll man im Hemanta regelmäßig zu sich nehmen, ebenso warmes Wasser – so schwindet die Lebenskraft (āyus) nicht.
abhyaṅgotsādanaṃ mūrdhni tailaṃ jentākamātapam| bhajedbhūmigṛhaṃ coṣṇamuṣṇaṃ garbhagṛhaṃ tathā
Man soll Ölmassage (abhyaṅga) und Abreibung, Öl auf dem Kopf, das Schwitzbad und Sonnenwärme pflegen, sowie ein warmes unterirdisches Haus und ebenso ein warmes inneres Gemach.
śīteṣu saṃvṛtaṃ sevyaṃ yānaṃ śayanamāsanam| prāvārājinakauṣeyapraveṇīkuthakāstṛtam
In der Kälte soll man verhüllte Fahrzeuge, Lager und Sitze benutzen, die mit Umhängen, Fellen, Seide, Wolldecken und dicken Kuthaka-Decken ausgelegt sind.
gurūṣṇavāsā digdhāṅgo guruṇā'guruṇā sadā| śayane pramadāṃ pīnāṃ viśālopacitastanīm
In schwere, warme Kleidung gehüllt, den Körper stets mit dem [wärmenden Räucherharz] Aguru gesalbt, soll man im Bett eine junge Frau von vollem, breitem und üppigem Busen –
āliṅgyāgurudigdhāṅgīṃ supyāt samadamanmathaḥ| prakāmaṃ ca niṣeveta maithunaṃ śiśirāgame
deren Körper ebenfalls mit Aguru gesalbt ist – umarmen und, von Liebesverlangen erfüllt, schlafen; und man soll bei Anbruch des Śiśira den Geschlechtsverkehr nach Belieben pflegen.
varjayedannapānāni vātalāni laghūni ca| pravātaṃ pramitāhāramudamanthaṃ himāgame
Man soll vāta-erregende und leichte Speisen und Getränke meiden, ebenso windigen Aufenthalt, knapp bemessene Nahrung und den kalten Gerstenmehltrank (mantha), bei Anbruch der Kälte.
hemantaśiśirau tulyau śiśire'lpaṃ viśeṣaṇam| raukṣyamādānajaṃ śītaṃ meghamārutavarṣajam
Hemanta und Śiśira sind einander ähnlich; im Śiśira gibt es nur eine geringe Besonderheit: Trockenheit, die aus dem Ādāna entsteht, und Kälte, die aus Wolken, Wind und Regen entsteht, [kommen hinzu].
tasmāddhaimantikaḥ sarvaḥ śiśire vidhiriṣyate| nivātamuṣṇaṃ tvadhikaṃ śiśire gṛhamāśrayet
Deshalb gilt im Śiśira die gesamte für Hemanta vorgeschriebene Regelung; man soll im Śiśira jedoch ein noch windgeschützteres und wärmeres Haus aufsuchen.
kaṭutiktakaṣāyāṇi vātalāni laghūni ca| varjayedannapānāni śiśire śītalāni ca
Im Śiśira soll man scharfe, bittere und herb-adstringierende, vāta-erregende, leichte sowie kalte Speisen und Getränke meiden.
] vasante nicitaḥ śleṣmā dinakṛdbhābhirīritaḥ| kāyāgniṃ bādhate rogāṃstataḥ prakurute bahūn
Der im Winter angesammelte Kapha (kapha-doṣa, 'Schleim') wird im Frühling (vasanta) durch die Strahlen der Sonne in Bewegung gesetzt, beeinträchtigt das Körperfeuer und verursacht dadurch zahlreiche Krankheiten.
tasmādvasante karmāṇi vamanādīni kārayet| gurvamlasnigdhamadhuraṃ divāsvapnaṃ ca varjayet
Deshalb soll man im Frühling Reinigungsmaßnahmen wie das therapeutische Erbrechen (vamana) und ähnliche durchführen lassen und schwere, saure, ölige und süße Speisen sowie den Tagesschlaf meiden.
vyāyāmodvartanaṃ dhūmaṃ kavalagrahamañjanam| sukhāmbunā śaucavidhiṃ śīlayet kusumāgame
Bei Anbruch der Blütezeit (Frühling) soll man Bewegung, trockene Abreibung, Rauchinhalation, Mundspülung und das Auftragen von Augensalbe pflegen sowie die Reinigung mit angenehm temperiertem Wasser.
candanāgurudigdhāṅgo yavagodhūmabhojanaḥ| śārabhaṃ śāśamaiṇeyaṃ māṃsaṃ lāvakapiñjalam
Der Körper mit Sandel und Aguru gesalbt, soll man sich von Gerste und Weizen ernähren sowie von Śarabha-, Hasen- und Gazellenfleisch, von Wachtel- und Rebhuhnfleisch,
bhakṣayennirgadaṃ sīdhuṃ pibenmādhvīkameva vā| vasante'nubhavet strīṇāṃ kānanānāṃ ca yauvanam
unverdorbenen Zuckerrohrwein trinken oder mādhvīka [Honigwein]; im Frühling soll man die Jugend/Blüte der Frauen und der Wälder genießen.
mayūkhairjagataḥ snehaṃ grīṣme pepīyate raviḥ| svādu śītaṃ dravaṃ snigdhamannapānaṃ tadā hitam
Im Sommer (grīṣma) saugt die Sonne mit ihren Strahlen die Feuchtigkeit der Welt auf; dann sind süße, kühle, flüssige und ölige Speisen und Getränke zuträglich.
śītaṃ saśarkaraṃ manthaṃ jāṅgalānmṛgapakṣiṇaḥ| ghṛtaṃ payaḥ saśālyannaṃ bhajan grīṣme na sīdati
Wer im Sommer kühlen, mit Zucker versetzten Getreidetrank, Fleisch von Wild und Vögeln aus trockenem Land, Ghee, Milch und Śāli-Reis zu sich nimmt, verfällt nicht [in Schwäche].
madyamalpaṃ na vā peyamathavā subahūdakam| lavaṇāmlakaṭūṣṇāni vyāyāmaṃ ca vivarjayet
Man soll wenig alkoholisches Getränk trinken oder gar keines, oder aber sehr stark mit Wasser verdünntes; salzige, saure, scharfe und heiße Speisen sowie körperliche Anstrengung soll man meiden.
divā śītagṛhe nidrāṃ niśi candrāṃśuśītale| bhajeccandanadigdhāṅgaḥ pravāte harmyamastake
Tagsüber soll man in einem kühlen Haus schlafen, nachts an einem vom Mondlicht gekühlten Ort; mit Sandel gesalbt soll man sich auf dem luftigen Dach eines Palastes aufhalten.
vyajanaiḥ pāṇisaṃsparśaiścandanodakaśītalaiḥ| sevyamāno bhajedāsyāṃ muktāmaṇivibhūṣitaḥ
Von Fächern und der Berührung von Händen, [beide] kühl durch Sandelwasser, umsorgt, mit Perlen und Edelsteinen geschmückt, soll man verweilen.
kānanāni ca śītāni jalāni kusumāni ca| grīṣmakāle niṣeveta maithunādvirato naraḥ
Man soll in der Sommerzeit kühle Wälder, Gewässer und Blumen aufsuchen, wobei der Mensch sich des Geschlechtsverkehrs enthält.
ādānadurbale dehe paktā bhavati durbalaḥ| sa varṣāsvanilādīnāṃ dūṣaṇairbādhyate punaḥ
Da der Körper durch das Ādāna geschwächt ist, wird auch das Verdauungsfeuer schwach; dieses wird in der Regenzeit (varṣā) zudem durch die verunreinigenden Einflüsse von Vāta und den übrigen doṣas beeinträchtigt.
bhūbāṣpānmeghanisyandāt pākādamlājjalasya ca| varṣāsvagnibale kṣīṇe kupyanti pavanādayaḥ
Durch die von der Erde aufsteigenden Dünste, das Herabströmen der Wolken, die dadurch bewirkte Gärung sowie die Säure des Wassers geraten in der Regenzeit, wenn die Kraft des Verdauungsfeuers geschwächt ist, Vāta und die übrigen doṣas in Erregung.
tasmāt sādhāraṇaḥ sarvo vidhirvarṣāsu śasyate| udamanthaṃ divāsvapnamavaśyāyaṃ nadījalam
Deshalb wird in der Regenzeit insgesamt eine ausgewogene Lebensweise empfohlen. Den kalten Gerstenmehltrank, Tagesschlaf, Morgentau und Flusswasser,
vyāyāmamātapaṃ caiva vyavāyaṃ cātra varjayet| pānabhojanasaṃskārān prāyaḥ kṣaudrānvitān bhajet
sowie Bewegung, Sonnenhitze und Geschlechtsverkehr soll man dabei meiden; man soll überwiegend mit Honig zubereitete Getränke, Speisen und Zubereitungen zu sich nehmen.
vyaktāmlalavaṇasnehaṃ vātavarṣākule'hani| viśeṣaśīte bhoktavyaṃ varṣāsvanilaśāntaye
An einem von Wind und Regen durchdrungenen, besonders kalten Tag soll man in der Regenzeit deutlich saure, salzige und ölige Speisen essen, um den Vāta zu beruhigen.
agnisaṃrakṣaṇavatā yavagodhūmaśālayaḥ| purāṇā jāṅgalairmāṃsairbhojyā yūṣaiśca saṃskṛtaiḥ
Wer sein Verdauungsfeuer bewahren will, soll altes Gerste-, Weizen- und Śāli-Reis-Getreide zusammen mit dem Fleisch von Wildtieren aus trockenem Land und mit zubereiteten Suppen essen.
pibet kṣaudrānvitaṃ cālpaṃ mādhvīkāriṣṭamambu vā| māhendraṃ taptaśītaṃ vā kaupaṃ sārasameva vā
Man soll wenig mit Honig versetzten mādhvīka- oder ariṣṭa-Wein trinken, oder Wasser – Regenwasser, abgekocht und wieder abgekühlt, oder Brunnenwasser, oder gefiltertes Wasser.
pragharṣodvartanasnānagandhamālyaparo bhavet| laghuśuddhāmbaraḥ sthānaṃ bhajedakledi vārṣikam
Man soll sich der Abreibung, dem Baden, Duftstoffen und Blumengirlanden widmen, leichte, saubere Kleidung tragen und in der Regenzeit einen trockenen, feuchtigkeitsfreien Aufenthaltsort aufsuchen.
varṣāśītocitāṅgānāṃ sahasaivārkaraśmibhiḥ| taptānāmācitaṃ pittaṃ prāyaḥ śaradi kupyati
Bei denen, deren Körper an die Kühle der Regenzeit gewöhnt ist und die plötzlich von den Sonnenstrahlen erhitzt werden, gerät das angesammelte Pitta (pitta-doṣa, 'Feuer/Hitze') im Herbst (śarad) meist in Erregung.
tatrānnapānaṃ madhuraṃ laghu śītaṃ satiktakam| pittapraśamanaṃ sevyaṃ mātrayā suprakāṅkṣitaiḥ
Dort sollen daher Menschen mit gutem Appetit süße, leichte, kühle und leicht bittere, Pitta-beruhigende Speisen und Getränke in angemessener Menge zu sich nehmen.
lāvān kapiñjalāneṇānurabhrāñcharabhān śaśān| śālīn sayavagodhūmān sevyānāhurghanātyaye
Wachteln, Rebhühner, Gazellen, Schafe, Śarabha-Wild und Hasen sowie Śāli-Reis mit Gerste und Weizen – diese, so sagt man, sind zu verwenden, wenn die Regenwolken vergangen sind (Herbst).
tiktasya sarpiṣaḥ pānaṃ vireko raktamokṣaṇam| dhārādharātyaye kāryamātapasya ca varjanam
Wenn die Regenzeit vergangen ist, soll man das Trinken von bitterem Ghee, Abführmaßnahmen (virecana) und den Aderlass durchführen und direkte Sonnenhitze meiden.
vasāṃ tailamavaśyāyamaudakānūpamāmiṣam| kṣāraṃ dadhi divāsvapnaṃ prāgvātaṃ cātra varjayet
[Tierisches] Fett, Öl, Morgentau, Fleisch von Wasser- und Sumpftieren, Laugen, Joghurt, Tagesschlaf und den Ostwind soll man dabei meiden.
divā sūryāṃśusantaptaṃ niśi candrāṃśuśītalam| kālena pakvaṃ nirdoṣamagastyenāviṣīkṛtam
Wasser, das tagsüber von den Sonnenstrahlen erwärmt und nachts vom Mondlicht gekühlt wird, das durch die Zeit gereift und dadurch fehlerfrei ist, das vom Stern Agastya geläutert wurde –
haṃsodakamiti khyātaṃ śāradaṃ vimalaṃ śuci| snānapānāvagāheṣu hitamambu yathā'mṛtam
dieses wird 'Haṃsa-Wasser' genannt; herbstliches Wasser, klar und rein, ist zum Baden, Trinken und Eintauchen zuträglich, [wirkt] wie amṛta (Nektar der Unsterblichkeit).
śāradāni ca mālyāni vāsāṃsi vimalāni ca| śaratkāle praśasyante pradoṣe cenduraśmayaḥ
Und herbstliche Blumengirlanden sowie reine, makellose Kleidung werden zur Herbstzeit gepriesen, ebenso am Abend die Strahlen des Mondes.
ityuktamṛtusātmyaṃ yacceṣṭāhāravyapāśrayam| upaśete yadaucityādokaḥsātmyaṃ taducyate
So wurde die jahreszeitliche Zuträglichkeit dargelegt, die sich auf Verhalten und Ernährung stützt; was jemand jedoch aus [individueller] Gewohnheit beständig nutzt, das wird als Gewohnheits-Zuträglichkeit (okaḥsātmya) bezeichnet.
deśānāmāmayānāṃ ca viparītaguṇaṃ guṇaiḥ| sātmyamicchanti sātmyajñāśceṣṭitaṃ cādyameva ca
Die Kenner der Zuträglichkeit (sātmya) fordern, dass Verhalten und Ernährung von vornherein Eigenschaften haben, die den Eigenschaften von Land und Krankheit entgegengesetzt sind.
ṛtāvṛtau nṛbhiḥ sevyamasevyaṃ yacca kiñcana| tasyāśitīye nirdiṣṭaṃ hetumat sātmyameva ca
Was in jeder einzelnen Jahreszeit von den Menschen genutzt werden soll und was nicht genutzt werden soll, samt der jeweiligen Begründung sowie die Zuträglichkeit selbst – all dies wurde im Kapitel Tasyāśitīya dargelegt.