Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 12: Vatakalakaliya Vom Wesen des Vāta

Das zwölfte Kapitel inszeniert eine Gelehrtendisputation großer Weiser über die „feinen Aspekte“ (kalā) des Vāta, jenes Bewegungsprinzips, das im Ayurveda als eines der drei Doṣas Nerven-, Muskel- und Sinnesfunktionen steuert. In dialogischer Form – ein für die Caraka-Saṃhitā typisches literarisches Verfahren, das an vedische Streitgespräche erinnert – werden Eigenschaften, Erregungs- und Beruhigungsursachen sowie die kosmischen und körperlichen Wirkungen des Windes verhandelt, ehe Ātreya die Positionen zusammenführt und auch Pitta (als „Feuer“) und Kapha (als „Soma“) gleichrangig würdigt. Bemerkenswert ist die kosmologische Aufladung: Vāyu wird mit Trägerfunktionen für Sonne, Wolken und Jahreszeiten sowie mit Gottheiten wie Viṣṇu identifiziert, wodurch Physiologie und vedische Naturphilosophie eng verwoben erscheinen. Botanische Substanzen treten hier kaum hervor; das Kapitel liefert vielmehr die theoretische Grundlage, auf der spätere, konkret therapeutische Abschnitte zur Vāta-Behandlung aufbauen.

athāto vātakalākalīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir also das Kapitel über die feinen Aspekte (kalā) des Vāta erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

vātakalākalājñānamadhikṛtya parasparamatāni jijñāsamānāḥ samupaviśya maharṣayaḥ papracchuranyo'nyaṃ- kiṅguṇo vāyuḥ, kimasyaprakopaṇam, upaśamanāni vā'sya kāni, kathaṃ cainamasaṅghātavantamanavasthitamanāsādya prakopaṇapraśamanāni prakopayantipraśamayanti vā, kāni cāsya kupitākupitasya śarīrāśarīracarasya śarīreṣu carataḥ karmāṇi bahiḥśarīrebhyoveti

Die großen Weisen (maharṣi), die sich, um die verschiedenen Auffassungen zur Kenntnis der feinen und groben Aspekte (kalākalā) des Vāta zu erforschen, gegenseitig befragen wollten, setzten sich zusammen und fragten einander: Welche Eigenschaften (guṇa) hat der Vāyu? Was verursacht seine Erregung (prakopa)? Und welches sind die Mittel, ihn zu beruhigen (upaśamana)? Wie können die erregenden und beruhigenden Faktoren ihn überhaupt erreichen, obwohl er weder eine feste Gestalt (asaṅghāta) noch einen festen Sitz (anavasthita) hat, um ihn zu erregen oder zu beruhigen? Und welches sind die Wirkungen (karman) des Vāyu, ob er nun erregt oder nicht erregt ist, ob er innerhalb des Körpers oder außerhalb des Körpers wirkt, sei es in den Körpern selbst oder außerhalb der Körper?

atrovāca kuśaḥ sāṅkṛtyāyanaḥ- rūkṣalaghuśītadāruṇakharaviśadāḥ ṣaḍime vātaguṇā bhavanti

Darauf sprach Kuśa Sāṅkṛtyāyana: Trocken (rūkṣa), leicht (laghu), kalt (śīta), hart/rau (dāruṇa), scharf/grob (khara) und klar/durchdringend (viśada) – dies sind die sechs Eigenschaften (guṇa) des Vāta.

tacchrutvā vākyaṃ kumāraśirā bharadvāja uvāca- evametadyathā bhagavānāha, eta eva vātaguṇā bhavanti, satvevaṅguṇairevandravyairevamprabhāvaiśca karmabhirabhyasyamānairvāyuḥ prakopamāpadyate, samānaguṇābhyāso hi dhātūnāṃ vṛddhikāraṇamiti

Nachdem er diese Worte gehört hatte, sprach Kumāraśiras Bharadvāja: So ist es, wie der Erhabene sagt, eben dies sind die Eigenschaften des Vāta. Doch gerät der Vāyu in Erregung (prakopa), wenn wiederholt Substanzen (dravya) von eben diesen Eigenschaften, Wirkungen (prabhāva) von eben dieser Art und entsprechende Tätigkeiten (karman) auf ihn einwirken; denn die wiederholte Zufuhr gleichartiger Eigenschaften ist die Ursache für das Anwachsen der dhātus (Körpergewebe).

tacchrutvā vākyaṃ kāṅkāyano bāhlīkabhiṣaguvāca- evametadyathā bhagavānāha, etānyeva vātaprakopaṇāni bhavanti; atoviparītāni vātasya praśamanāni bhavanti, prakopaṇaviparyayo hi dhātūnāṃ praśamakāraṇamiti

Nachdem er dies gehört hatte, sprach der Arzt Kāṅkāyana aus Bāhlīka: So ist es, wie der Erhabene sagt, eben dies sind die Ursachen für die Erregung des Vāta; und das Gegenteil davon sind die Mittel zu seiner Beruhigung (praśamana), denn das Gegenteil dessen, was die Erregung verursacht, ist die Ursache für die Beruhigung der dhātus.

tacchrutvā vākyaṃ baḍiśo dhāmārgava uvāca-evametadyathā bhagavānāha, etānyeva vātaprakopapraśamanāni bhavanti| yathā hyenamasaṅghātamanavasthipratamanāsādya prakopaṇapraśamanāni prakopayanti praśamayanti vā, tathā'nuvyākhyāsyāmaḥ-vātaprakopaṇāni khalu rūkṣalaghuśītadāruṇakharaviśadaśuṣirakarāṇi śarīrāṇāṃ, tathāvidheṣu śarīreṣu vāyurāśrayaṃ gatvā''pyāyamānaḥprakopamāpadyate; vātapraśamanāni punaḥsnigdhagurūṣṇaślakṣṇamṛdupicchilaghanakarāṇi śarīrāṇāṃ, tathāvidheṣu śarīreṣuvāyurasajyamānaścaran praśāntimāpadyate

Nachdem er dies gehört hatte, sprach Baḍiśa Dhāmārgava: So ist es, wie der Erhabene sagt, eben dies sind die erregenden und beruhigenden Faktoren des Vāta. Wie diese Faktoren ihn nun, der ohne feste Gestalt und ohne festen Sitz ist, erreichen und erregen oder beruhigen, das wollen wir im Einzelnen darlegen: Die den Vāta erregenden Faktoren machen den Körper trocken, leicht, kalt, hart, scharf, klar und porös; gelangt der Vāyu in einen so beschaffenen Körper, so nimmt er zu und gerät in Erregung. Die den Vāta beruhigenden Faktoren hingegen machen den Körper geschmeidig (snigdha), schwer, warm, glatt, weich, schleimig (picchila) und dicht; wandert der Vāyu, ohne daran zu haften, durch einen so beschaffenen Körper, so gelangt er zur Ruhe.

tacchrutvā baḍiśavacanamavitathamṛṣigaṇairanumatamuvāca vāryovido rājarṣiḥ- evametat sarvamanapavādaṃ yathā bhagavānāha| yāni tu khalu vāyoḥ kupitākupitasya śarīrāśarīracarasya śarīreṣu carataḥ karmāṇi bahiḥśarīrebhyo vā bhavanti, teṣāmavayavānpratyakṣānumānopadeśaiḥ sādhayitvā namaskṛtya vāyave yathāśakti pravakṣyāmaḥ- vāyustantrayantradharaḥ,prāṇodānasamānavyānāpānātmā, pravartakaśceṣṭānāmuccāvacānāṃ, niyantā praṇetā ca manasaḥ, sarvendriyāṇāmudyojakaḥ,sarvendriyārthānāmabhivoḍhā, sarvaśarīradhātuvyūhakaraḥ, sandhānakaraḥ śarīrasya, pravartako vācaḥ, prakṛtiḥ sparśaśabdayoḥ,śrotrasparśanayormūlaṃ, harṣotsāhayoryoniḥ, samīraṇo'gneḥ, doṣasaṃśoṣaṇaḥ , kṣeptā bahirmalānāṃ, sthūlāṇusrotasāṃ bhettā, kartāgarbhākṛtīnām, āyuṣo'nuvṛttipratyayabhūto bhavatyakupitaḥ| kupitastu khalu śarīre śarīraṃ nānāvidhairvikārairupatapati balavarṇasukhāyuṣāmupaghātāya, mano vyāharṣayati, sarvendriyāṇyupahanti, vinihanti garbhān vikṛtimāpādayatyatikālaṃ vā dhārayati, bhayaśokamohadainyātipralāpāñjanayati,prāṇāṃścoparuṇaddhi| prakṛtibhūtasya khalvasya loke carataḥ karmāṇīmāni bhavanti; tadyathā- dharaṇīdhāraṇaṃ, jvalanojjvālanam,ādityacandranakṣatragrahagaṇānāṃ santānagatividhānaṃ, sṛṣṭiśca meghānām, apāṃ visargaḥ, pravartanaṃ srotasāṃ, puṣpaphalānāṃcābhinirvartanam, udbhedanaṃ caudbhidānām, ṛtūnāṃ pravibhāgaḥ, vibhāgo dhātūnāṃ, dhātumānasaṃsthānavyaktiḥ, bījābhisaṃskāraḥ,śasyābhivardhanamavikledopaśoṣaṇe , avaikārikavikāraśceti| prakupitasya khalvasya lokeṣu carataḥ karmāṇīmāni bhavanti; tadyathā- śikhariśikharāvamathanam, unmathanamanokahānām, utpīḍanaṃsāgarāṇām, udvartanaṃ sarasāṃ, pratisaraṇamāpagānām, ākampanaṃ ca bhūmeḥ, ādhamanamambudānāṃ ,nīhāranirhrādapāṃśusikatāmatsyabhekoragakṣārarudhirāśmāśanivisargaḥ, vyāpādanaṃ ca ṣaṇṇāmṛtūnāṃ, śasyānāmasaṅghātaḥ, bhūtānāṃcopasargaḥ, bhāvānāṃ cābhāvakaraṇaṃ, caturyugāntakarāṇāṃ meghasūryānalānilānāṃ visargaḥ; sa hi bhagavān prabhavaścāvyayaśca, bhūtānāṃbhāvābhāvakaraḥ, sukhāsukhayorvidhātā, mṛtyuḥ, yamaḥ, niyantā, prajāpatiḥ, aditiḥ, viśvakarmā, viśvarūpaḥ, sarvagaḥ, sarvatantrāṇāṃvidhātā, bhāvānāmaṇuḥ, vibhuḥ, viṣṇuḥ, krāntā lokānāṃ, vāyureva bhagavāniti

Nachdem er diese Worte des Baḍiśa gehört hatte, die als wahr galten und von der Versammlung der Weisen gebilligt wurden, sprach der königliche Weise (rājarṣi) Vāryovida: So ist dies alles unwidersprochen, wie der Erhabene sagt. Was aber die Wirkungen des Vāyu betrifft, ob er nun erregt oder nicht erregt ist, ob innerhalb oder außerhalb des Körpers wirkend, in den Körpern oder außerhalb der Körper – deren Einzelheiten wollen wir, gestützt auf unmittelbare Wahrnehmung (pratyakṣa), Schlussfolgerung (anumāna) und Überlieferung (upadeśa), nach Erweisung der Verehrung dem Vāyu, nach Kräften darlegen: Der Vāyu ist der Träger des Räderwerks und der Maschinerie des Körpers, er ist die Wesenheit von prāṇa, udāna, samāna, vyāna und apāna, den fünf Formen des Lebenswindes; er ist der Antreiber aller Bewegungen, hoher wie niedriger; er ist der Lenker und Führer des Geistes (manas); er ist der Aktivator sämtlicher Sinnesorgane (indriya); er ist derjenige, der alle Sinnesobjekte herbeiträgt; er ordnet und fügt sämtliche dhātus des Körpers; er ist der Zusammenhalter des Körpers; er treibt die Sprache an; er ist der Ursprung von Tastempfindung und Klang; er ist die Wurzel von Gehör und Tastsinn; er ist der Quell von Freude und Tatkraft; er facht das agni (Verdauungsfeuer) an; er trocknet die doṣas aus; er wirft die äußeren Ausscheidungsstoffe (mala) aus; er durchbricht die groben und feinen srotas (Körperkanäle); er formt die Gestalt der Leibesfrucht; und, solange er nicht erregt ist, ist er die Grundlage für die Fortdauer des Lebens (āyus). Ist er hingegen im Körper erregt, so quält er den Körper mit mannigfaltigen Störungen (vikāra), zum Schaden von Kraft, Teint, Wohlbefinden und Lebensdauer; er versetzt den Geist in Aufruhr; er schädigt sämtliche Sinnesorgane; er tötet die Leibesfrucht ab, verursacht ihre Missbildung oder trägt sie über die Zeit hinaus; er erzeugt Angst, Kummer, Verwirrung (moha), Elend und übermäßiges Reden; und er hemmt die Lebensatmung (prāṇa). Wenn er sich, in seinem natürlichen Zustand (prakṛtibhūta) befindlich, in der Welt bewegt, sind dies seine Wirkungen: das Tragen der Erde; das Entfachen und Aufflammen des Feuers; das Ordnen des ununterbrochenen Laufs von Sonne, Mond, Sternen und Planeten; die Bildung der Wolken; das Freisetzen der Wasser; das Fließen der Ströme; das Hervorbringen von Blüten und Früchten; das Aufsprießen der Pflanzen; die Einteilung der Jahreszeiten (ṛtu); die Trennung der Elemente (dhātu); das Sichtbarwerden von Maß und Form der Elemente; die Reifung der Samen (bīja); das Wachstum des Getreides sowie das Verhindern seines Verfaulens und Vertrocknens; und die nicht schädlichen Veränderungen der Welt. Wenn er hingegen erregt (prakupita) in den Welten wirkt, sind dies seine Wirkungen: das Zertrümmern der Berggipfel; das Entwurzeln der Bäume; das Aufwühlen der Meere; das Anschwellen der Seen; das Umlenken der Flüsse; das Erschüttern der Erde; das Aufblähen der Wolken; das Herabschicken von Nebel, Donnergetöse, Staub, Sand, Fischen, Fröschen, Schlangen, ätzenden Stoffen, Blut, Steinen und Hagel; die Zerstörung der sechs Jahreszeiten; das Missraten der Feldfrüchte; den Befall der Geschöpfe durch Seuchen; das Zunichtemachen des Bestehenden; und, am Ende der vier Weltzeitalter (yuga), das Freisetzen von Wolken, Sonnenglut und Wind, die alles vernichten. Denn er, der Erhabene, ist Ursprung und Unvergänglichkeit zugleich, der Erschaffer und Vernichter der Wesen, der Gestalter von Glück und Leid – er ist der Tod, Yama, der Lenker, Prajāpati, Aditi, Viśvakarman, Viśvarūpa, der Allgegenwärtige, der Ordner aller Systeme, das Atom und zugleich das Alldurchdringende der Wesen, Viṣṇu, der die Welten durchschreitet – der Vāyu selbst ist der Erhabene.

tacchrutvā vāryovidavaco marīciruvāca- yadyapyevametat, kimarthasyāsya vacane vijñāne vā sāmarthyamasti bhiṣagvidyāyāṃ;bhiṣagvidyāmadhikṛtyeyaṃ kathā pravṛtteti

Nachdem er diese Worte des Vāryovida gehört hatte, sprach Marīci: Auch wenn dies alles so ist – welchen Nutzen hat die Darlegung und das Wissen darüber für die Heilkunst (bhiṣagvidyā)? Diese Unterredung wurde doch im Hinblick auf die Heilkunst begonnen.

vāryovida uvāca- bhiṣak pavanamatibalamatiparuṣamatiśīghrakāriṇamātyayikaṃ cennānuniśamyet, sahasā prakupitamatiprayataḥkathamagre'bhirakṣitumabhidhāsyati prāgevainamatyayabhayāt; vāyoryathārthā stutirapi bhavatyārogyāya balavarṇavivṛddhayevarcasvitvāyopacayāya jñānopapattaye paramāyuḥprakarṣāya ceti

Vāryovida sprach: Wenn der Arzt den Vāyu nicht genau kennt – ihn, der überaus mächtig ist, überaus rau, überaus rasch wirkend und lebensgefährlich (ātyayika) –, wie sollte er dann, selbst mit größter Anstrengung, imstande sein, im Voraus, aus Furcht vor der drohenden Gefahr, gegen den plötzlich erregten Vāyu Schutz zu gewähren, bevor dieser überhaupt losbricht? Auch das wahrheitsgemäße Lobpreisen (stuti) des Vāyu dient der Gesundheit, dem Wachstum von Kraft und Teint, dem Ansehen, dem Gedeihen, dem Erlangen von Erkenntnis und der höchsten Verlängerung des Lebens.

marīciruvāca- agnireva śarīre pittāntargataḥ kupitākupitaḥ śubhāśubhāni karoti; tadyathā- paktimapaktiṃ darśanamadarśanaṃmātrāmātratvamūṣmaṇaḥ prakṛtivikṛtivarṇau śauryaṃ bhayaṃ krodhaṃ harṣaṃ mohaṃ prasādamityevamādīni cāparāṇi dvandvānīti

Marīci sprach: Es ist eben das Feuer (agni), das, im pitta enthalten, im Körper wirkt und, je nachdem ob es erregt oder nicht erregt ist, günstige oder ungünstige Wirkungen hervorbringt; nämlich: gute oder schlechte Verdauung, Sehkraft oder Erblindung, das rechte Maß oder Unmaß der Körperwärme, natürlichen oder krankhaften Teint, Tapferkeit oder Furcht, Zorn oder Freude, Verwirrung oder Klarheit – und viele andere solche Gegensatzpaare.

tacchrutvā marīcivacaḥ kāpya uvāca- soma eva śarīre śleṣmāntargataḥ kupitākupitaḥ śubhāśubhāni karoti; tadyathā- dārḍhyaṃśaithilyamupacayaṃ kārśyamutsāhamālasyaṃ vṛṣatāṃ klībatāṃ jñānamajñānaṃ buddhiṃ mohamevamādīni cāparāṇi dvandvānīti

Kāpya sprach: Es ist eben der Soma (das Mondprinzip), der, im śleṣman (kapha) enthalten, im Körper wirkt und, je nachdem ob er erregt oder nicht erregt ist, günstige oder ungünstige Wirkungen hervorbringt; nämlich: Festigkeit oder Schlaffheit, Fülle oder Abmagerung, Tatkraft oder Trägheit, Manneskraft oder Impotenz, Wissen oder Unwissen, Verstand oder Verwirrung – und viele andere solche Gegensatzpaare.

tacchrutvā kāpyavaco bhagavān punarvasurātreya uvāca- sarva eva bhavantaḥ samyagāhuranyatraikāntikavacanāt; sarva eva khaluvātapittaśleṣmāṇaḥ prakṛtibhūtāḥ puruṣamavyāpannendriyaṃ balavarṇasukhopapannamāyuṣā mahatopapādayanti samyagevācaritādharmārthakāmā iva niḥśreyasena mahatā puruṣamiha cāmuṣmiṃśca loke; vikṛtāstvenaṃ mahatā viparyayeṇopapādayanti ṛtavastraya ivavikṛtimāpannā lokamaśubhenopaghātakāla iti

Nachdem er diese Worte des Kāpya gehört hatte, sprach der erhabene Punarvasu Ātreya: Ihr alle habt recht gesprochen, bis auf die einseitige Behauptung. Denn alle drei – vāta, pitta und śleṣman –, wenn sie sich in ihrem natürlichen Zustand befinden, versehen den Menschen, dessen Sinnesorgane unversehrt sind, mit Kraft, Teint, Wohlbefinden und langem Leben; ebenso wie dharma, artha und kāma, recht befolgt, den Menschen mit dem großen höchsten Heil (niḥśreyasa) hier und in jener Welt versehen. Sind sie aber gestört (vikṛta), so bringen sie ihn mit ebenso großem Nachteil zugrunde, so wie die drei Jahreszeiten, wenn sie aus ihrer Ordnung geraten, die Welt zur Unzeit mit Unheil schädigen.

tadṛṣayaḥ sarva evānumenire vacanamātreyasya bhagavato'bhinananduśceti

Da stimmten alle Weisen den Worten des erhabenen Ātreya zu und begrüßten sie mit Freude.

bhavati cātra- tadātreyavacaḥ śrutvā sarva evānumenire| ṛṣayo'bhinananduśca yathendravacanaṃ surāḥ

Und dazu heißt es: Nachdem sie die Worte des Ātreya vernommen hatten, stimmten ihm alle Weisen zu und freuten sich, so wie die Götter sich über die Worte Indras freuen.

tatra ślokau- guṇāḥ ṣaḍ dvividho heturvividhaṃ karma yat punaḥ| vāyoścaturvidhaṃ karma pṛthak ca kaphapittayoḥ

Dazu die Verse: Die sechs Eigenschaften (guṇa), die zweifache Ursache – Erregung und Beruhigung – sowie die vielfältige Wirkung des Vāyu in der Welt, ferner die vierfache Wirkungsweise des Vāyu im Körper sowie je gesondert die des kapha und des pitta –

maharṣīṇāṃ matiryā yā punarvasumatiśca yā| kalākalīye vātasya tat sarvaṃ samprakāśitam iti nirdeśacatuṣkaḥ

– die Auffassungen der großen Weisen sowie die Auffassung des Punarvasu (Ātreya): all dies wurde im Kapitel über die feinen Aspekte (kalākalīya) des Vāta dargelegt. So endet die vierfache Darlegung (nirdeśacatuṣka).

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