Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 15: Upakalpaniya Vorbereitung der Reinigungsbehandlung

Kapitel 15, „Über die Vorbereitung“, beschreibt die organisatorische und materielle Ausstattung, die einer Emesis- oder Purgationsbehandlung (vamana, virecana) vorausgehen muss – von der Einrichtung des Krankenhauses über die Auswahl des Pflegepersonals bis zur genauen Ablauf- und Diätregie nach der Reinigung (saṃsarjanakrama). Damit liefert der Text ein bemerkenswert konkretes Bild altindischer Klinikorganisation und zeigt zugleich, wie eng im Ayurveda praktisches Prozedere und individuelle Dosisfindung miteinander verbunden sind; ausdrücklich wird auch der Fall des Armen bedacht, der ohne vollständige Ausstattung behandelt werden muss. Botanisch zentral ist hier vor allem die Madanaphala-Frucht (Randia dumetorum), das klassische Brechmittel der Caraka-Saṃhitā, dessen Absud mit Honig, Süßholz und Steinsalz verabreicht wird. Als Übergangskapitel zwischen den vorbereitenden Verfahren (Ölung, Schwitzen) und den eigentlichen Reinigungstherapien besitzt es eine wichtige Scharnierfunktion im Aufbau des Sūtrasthāna.

ZEICHEN VON UNTER-, RICHTIGER UND ÜBERWIRKUNG DES BRECHMITTELS (Vers 13)
KategorieKennzeichen
ayogaUnterwirkung: kein Ausstoß, oder nur das reine Heilmittel selbst; die Erbrechungswellen gleiten ab oder sind gehemmt
yogaRichtige Wirkung: der doṣa wird zur rechten Zeit, ohne große Beschwerden, der Reihe nach ausgeschieden; der Kranke beruhigt sich danach von selbst (in starker, milder oder mittlerer Ausprägung)
atiyogaÜberwirkung: schaumige, blutige oder mondscheibenartig schillernde Ausscheidungen
upadravaKomplikationen bei Fehlwirkung: Aufblähung, schneidender Schmerz, Ausfluss, Zusammenziehen im Herzbereich, Gliedersteife, Gefühl des Lebensentzugs, Kräfteverfall, Erstarrung, Erschöpfung
STUFENFOLGE DER NACHDIÄT (SAṂSARJANAKRAMA) NACH DEM BRECHMITTEL (Vers 16)
MahlzeitenNahrung
1.–3. MahlzeitDünner, gut gekochter Reisschleim (yavāgū) aus altem rotem Śāli-Reis, mit Reisabsud, angenehm warm
4.–6. MahlzeitDickerer, gut gedämpfter Reisbrei aus demselben Śāli-Reis, mit heißem Wasser, ohne oder mit wenig Fett und Salz
7.–9. MahlzeitZwei Prasṛta gut gekochter Reis mit heißem Wasser, dazu eine dünne, leicht gewürzte Mungbohnensuppe
10.–12. MahlzeitReis mit dem Fleischsud von Wachtel, Rebhuhn o. Ä., wässrig, leicht gesalzen, mit heißem Wasser
Ab dem 13. Tag kehrt der Patient stufenweise zur gewohnten vollen Ernährung zurück (V16).

athāta upakalpanīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun also werden wir das Kapitel über die Vorbereitung (upakalpanīya) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya:

iha khalu rājānaṃ rājamātramanyaṃ vā vipuladravyaṃ vamanaṃ virecanaṃ vā pāyayitukāmena bhiṣajā prāgevauṣadhapānāt sambhārā upakalpanīyābhavanti samyakcaiva hi gacchatyauṣadhe pratibhogārthāḥ, vyāpanne cauṣadhe vyāpadaḥ parisaṅkhyāya pratīkārārthāḥ; na hi sannikṛṣṭe kāleprādurbhūtāyāmāpadi satyapi krayākraye sukaramāśu sambharaṇamauṣadhānāṃ yathāvaditi

Will nun ein Arzt einen König, einen dem König Gleichgestellten oder sonst einen Menschen von großem Vermögen ein Brechmittel (vamana) oder ein Abführmittel (virecana) trinken lassen, so muss er noch vor der Einnahme des Heilmittels die dazu nötigen Hilfsmittel (sambhāra) bereitstellen. Denn wirkt das Mittel richtig, so dienen sie zur Verpflegung des Kranken; schlägt das Mittel jedoch fehl, so dienen sie – nachdem man die möglichen Komplikationen im Voraus bedacht hat – zu deren Behebung. Tritt nämlich in kürzester Zeit ein Notfall ein, so lassen sich die Heilmittel, selbst wenn Kauf und Verkauf grundsätzlich möglich wären, nicht ohne weiteres rasch und ordnungsgemäß beschaffen.

evaṃvādinaṃ bhagavantamātreyamagniveśa uvāca- nanu bhagavan! ādāveva jñānavatā tathā pratividhātavyaṃ yathā prativihitesidhyedevauṣadhamekāntena, samyakprayoganimittā hi sarvakarmaṇāṃ siddhiriṣṭā, vyāpaccāsamyakprayoganimittā; athasamyagasamyak ca samārabdhaṃ karma siddhyati vyāpadyate vā'niyamena, tulyaṃ bhavati jñānamajñāneneti

Zu dem so sprechenden erhabenen Ātreya sagte Agniveśa: „Müsste nicht, ehrwürdiger Herr, ein kundiger Arzt schon von vornherein so vorsorgen, dass das richtig angewendete Heilmittel mit Sicherheit wirkt? Denn der Erfolg jeder Handlung gilt als durch richtige Anwendung bedingt, ihr Misslingen durch unrichtige Anwendung. Gelingt oder misslingt aber eine richtig wie auch eine unrichtig begonnene Handlung ohne feste Regel, dann ist Wissen dasselbe wie Unwissen.“

tamuvāca bhagavānātreyaḥ- śakyaṃ tathā pratividhātumasmābhirasmadvidhairvā'pyagnive śa! yathā prativihite sidhyedevauṣadhamekāntena,tacca prayogasauṣṭhavamupadeṣṭuṃ yathāvat; nahi kaścidasti ya etadevamupadiṣṭamupadhārayitumutsaheta, upadhārya vā tathā pratipattuṃprayoktuṃ vā; sūkṣmāṇi hi doṣabheṣajadeśakālabalaśarīrāhārasātmyasattvaprakṛtivayasāmavasthāntarāṇi, yānyanucintyamānānivimalavipulabuddherapi buddhimākulīkuryuḥ kiṃ punaralpabuddheḥ; tasmādubhayametadyathāvadupadekṣyāmaḥ- samyakprayogaṃ cauṣadhānāṃ,vyāpannānāṃ ca vyāpatsādhanāni siddhiṣūttarakālam

Der erhabene Ātreya sprach zu ihm: „Es ist uns – oder auch unseresgleichen, Agniveśa – wohl möglich, so vorzusorgen, dass das richtig angewendete Heilmittel mit Sicherheit wirkt, und diese Vollkommenheit der Anwendung ordnungsgemäß zu lehren. Doch es gibt niemanden, der eine solche Lehre vollständig zu erfassen vermöchte, oder, sie erfasst habend, danach auch entsprechend zu handeln oder sie anzuwenden. Denn subtil sind die wechselnden Zustände von doṣa (den drei Körpersäften vāta, pitta, kapha), Heilmittel, Ort, Zeit, Kraft, Körper, Nahrung, Bekömmlichkeit (sātmya), Gemütsart (sattva), Konstitution (prakṛti) und Lebensalter – Zustände, die, wenn man ihnen nachsinnt, selbst den Verstand eines Menschen von reinem und weitem Geist verwirren können, wie viel mehr den eines Menschen von geringem Verstand. Darum werden wir beides ordnungsgemäß lehren: die richtige Anwendung der Heilmittel, und – im Anschluss daran – für den Fall des Fehlschlagens die Mittel zur Behebung der Komplikationen.“

idānīṃ tāvat sambhārān vividhānapi samāsenopadekṣyāmaḥ; tadyathā- dṛḍhaṃ nivātaṃ pravātaikadeśaṃ sukhapravicāramanupatyakaṃdhūmātapajalarajasāmanabhigamanīyamaniṣṭhānāṃ ca śabdasparśarasarūpagandhānāṃ sodapānodūkhalamusalavarcaḥsthānasnānabhūmimahānasaṃvāstuvidyākuśalaḥ praśastaṃ gṛhameva tāvat pūrvamupakalpayet

Zunächst nun werden wir die mannigfachen Hilfsmittel kurz gefasst darlegen. So soll ein in der Baukunde (vāstuvidyā) kundiger Arzt vor allem ein empfehlenswertes Haus herrichten: fest gebaut, windgeschützt, an einer Stelle mit leichtem Luftzug gelegen, bequem zu durchqueren, nicht in einer Talsenke, frei von Rauch, Sonnenhitze, Wasser und Staub sowie von unerwünschten Geräuschen, Berührungen, Geschmäckern, Formen und Gerüchen; ausgestattet mit Wasserstelle, Mörser und Stößel, Abortraum, Baderaum und Küche.

tataḥ śīlaśaucācārānurāgadākṣyaprādakṣiṇyopapannānupacārakuśalān sarvakarmasu paryavadātānsūpaudanapācakasnāpakasaṃvāhakotthāpakasaṃveśakauṣadhapeṣakāṃśca paricārakān sarvakarmasvapratikūlān, tathāgītavāditrollāpakaślokagāthākhyāyiketihāsapurāṇakuśalānabhiprāyajñānanumatāṃśca deśakālavidaḥ pāriṣadyāṃśca, tathālāvakapiñjilaśaśahariṇaiṇakālapucchakamṛgamātṛkorabhrān, gāṃ dogdhrīṃ śīlavatīmanāturāṃ jīvadvatsāṃsuprativihitatṛṇaśaraṇapānīyāṃ, pātryācamanīyodakoṣṭhamaṇikaghaṭapiṭharaparyogakumbhīkumbhakuṇḍaśarāva-darvīkaṭodañcanaparipacanamanthānacarmacelasūtrakārpāsorṇādīni ca, śayanāsanādīni copanyastabhṛṅgārapratigrahāṇisuprayuktāstaraṇottarapracchadopadhānāni sopāśrayāṇi [1]saṃveśanopaveśanasnehasvedābhyaṅgapradehapariṣekānulepanavamanavirecanāsthāpanānuvāsana-śirovirecanamūtroccārakarmaṇāmupacārasukhāni, suprakṣālitopadhānāśca suślakṣṇakharamadhyamā dṛṣadaḥ, śastrāṇi copakaraṇārthāni,dhūmanetraṃ ca, bastinetraṃ cottarabastikaṃ ca, kuśahastakaṃ ca, tulāṃ ca, mānabhāṇḍaṃ ca,ghṛtatailavasāmajjakṣaudraphāṇitalavaṇendhanodakamadhusīdhusurāsauvīrakatuṣodaka- maireyamedakadadhidadhimaṇḍodasviddhānyāmlamūtrāṇica, tathā śāliṣaṣṭikamudgamāṣayavatilakulatthabadaramṛdvīkākāśmaryaparūṣakābhayāmalakabibhītakāni, nānāvidhāni casnehasvedopakaraṇāni dravyāṇi, tathaivordhvaharānulomikobhayabhāñji,saṅgrahaṇīyadīpanīyapācanīyopaśamanīyavātaharādisamākhyātāni cauṣadhāni; yaccānyadapi kiñcihyāpadaḥ parisaṅkhyāyapratīkārārthamupakaraṇaṃ vidyāt, yacca pratibhogārthaṃ, tattadupakalpayet

Sodann soll er Pflegepersonal (paricāraka) bereitstellen, das von gutem Charakter, Reinlichkeit, gutem Betragen, Zuneigung, Geschick und Aufmerksamkeit ist, in der Pflege erfahren, bei allen Verrichtungen tadellos – Köche für Suppe (sūpa) und gekochten Reis (odana), Bademeister, Masseure, Aufhelfer, Bettenmacher und Arzneistampfer –, Diener, die bei keiner Verrichtung Widerwillen zeigen; ebenso Hofleute (pāriṣadya), die in Gesang, Instrumentalspiel, Unterhaltung, Versen, Liedern, Erzählungen, alten Geschichten und Überlieferungen bewandert sind, die Absichten des Kranken erkennen und ihm zustimmen und die Zeit und den Ort richtig einschätzen; ferner Wachteln, Rebhühner, Hasen, Rehe, Antilopen, Schwarzschwanzhirsche und anderes Wild sowie Widder (für spätere Fleischbrühen); eine milchgebende Kuh von gutem Wesen, gesund, mit lebendem Kalb, gut versorgt mit Futter, Unterstand und Trinkwasser; Schalen, Wasser zur Mundspülung, Wasserbehälter, Krüge, Töpfe, Kessel, Kochtöpfe, größere und kleinere Gefäße, Wannen, Schälchen, Schöpflöffel, Körbe, Schöpfeimer, Kochgeschirr, Butterfässer sowie Leder, Tuch, Garn, Baumwolle, Wolle und dergleichen; Betten und Sitzgelegenheiten samt bereitgestellten Wasserkrügen und Speinäpfen, mit gut angelegten Unterlagen, Decken und Kissen sowie Rückenlehnen versehen, bequem für Liegen und Sitzen, für Ölanwendung (sneha), Schwitzbehandlung (sveda), Einreibung (abhyaṅga), Salbung (pradeha), Übergießung (pariṣeka), Bestreichung (anulepana), für Brech- und Abführmittel, für Nähr- und Ölklistiere (āsthāpana, anuvāsana), für die Reinigung des Kopfes (śirovirecana) sowie für Harn- und Stuhlentleerung; wohlgereinigte Reibsteine, glatte, raue und mittlere; chirurgische Instrumente als Werkzeug; ein Rauchrohr, ein Klistierrohr samt Rohr für das Nährklistier, ein Bündel Kuśagras, eine Waage und Messgefäße; geklärte Butter, Öl, Fett, Knochenmark, Honig, Zuckersirup, Salz, Brennholz, Wasser, Honigwein, Zuckerrohrschnaps, Branntwein, Sauvīraka, Spelzenwasser, Maireya- und Medaka-Getränke, Dickmilch, Molke, Sauerwasser und andere saure Zutaten sowie Urin; ferner Śāli- und Ṣaṣṭika-Reis, Mungbohnen, Urdbohnen, Gerste, Sesam, Pferdebohnen, Jujube, Weintrauben, Kāśmarya- und Parūṣaka-Früchte sowie die drei Myrobalanen Abhayā, Āmalaka und Bibhītaka; mannigfache weitere Stoffe für Ölanwendungen und Schwitzbehandlungen; ebenso Heilmittel, die nach oben (durch Erbrechen), nach unten (durch Abführen) oder in beide Richtungen ausleiten, sowie solche, die als stopfend, appetitanregend, verdauungsfördernd, beruhigend, vāta-lindernd und dergleichen bekannt sind. Und was immer sonst man als Hilfsmittel zur Behebung möglicher Komplikationen oder zur Verpflegung kennt, das alles soll er bereitstellen.

tatastaṃ puruṣaṃ yathoktābhyāṃ snehasvedābhyāṃ yathārhamupapādayet, taṃ cedasminnantare mānasaḥ śārīro vā vyādhiḥ kaścittīvrataraḥsahasā'bhyāgacchettameva tāvadasyopāvartayituṃ [1] yateta, tatastamupāvartya tāvantamevainaṃ kālaṃ tathāvidhenaiva karmaṇopācaret

Danach soll man den Menschen den zuvor beschriebenen Öl- und Schwitzbehandlungen entsprechend seinem Bedarf unterziehen. Sollte währenddessen plötzlich eine besonders heftige seelische oder körperliche Krankheit auftreten, so soll man sich zunächst bemühen, gerade diese zu beseitigen; und hat man sie beseitigt, soll man ihn noch ebenso lange mit derselben Art von Behandlung weiterbehandeln.

tatastaṃ puruṣaṃ snehasvedopapannamanupahatamanasamabhisamīkṣya sukhoṣitaṃ suprajīrṇabhaktaṃ śiraḥsnātamanuliptagātraṃsragviṇamanupahatavastrasaṃvītaṃ devatāgnidvijaguruvṛddhavaidyānarcitavantamiṣṭe nakṣatratithikaraṇamuhūrte kārayitvā brāhmaṇānsvastivācanaṃ prayuktābhirāśīrbhirabhimantritāṃ madhumadhukasaindhavaphāṇitopahitāṃ madanaphalakaṣāyamātrāṃ pāyayet

Danach soll man den Menschen, wenn er die Öl- und Schwitzbehandlung gut vertragen hat und geistig unbeeinträchtigt ist, wenn er gut geruht und seine Mahlzeit gut verdaut hat, den Kopf gebadet, die Glieder gesalbt, einen Blumenkranz trägt und unbeschädigte Kleidung angelegt hat und Götter, Feuer, Brahmanen, Lehrer, Alte und Ärzte verehrt hat – an einem günstigen Mondhaus, Tithi, Karaṇa und zu günstiger Stunde, nachdem Brahmanen Segenssprüche gesprochen haben, eine mit Segenswünschen besprochene, mit Honig, Süßholz (madhuka), Steinsalz und Zuckersirup versetzte Menge des Madanaphala-Suds trinken lassen.

madanaphalakaṣāyamātrāpramāṇaṃ tu khalu sarvasaṃśodhanamātrāpramāṇāni ca pratipuruṣamapekṣitavyāni bhavanti; yāvaddhi yasya saṃśodhanaṃ pītaṃvaikārikadoṣaharaṇāyopapadyate na cātiyogāyogāya, tāvadasya mātrāpramāṇaṃ veditavyaṃ bhavati

Das Maß der Dosis des Madanaphala-Suds ebenso wie das Maß jedes anderen Reinigungsmittels (saṃśodhana) muss für jeden Menschen eigens bestimmt werden. Denn als richtiges Maß der Dosis gilt jenes, bei dem das getrunkene Reinigungsmittel gerade die krankhaft veränderten doṣa entfernt, ohne Über- oder Unterwirkung hervorzurufen.

pītavantaṃ tu khalvenaṃ muhūrtamanukāṅkṣeta, tasya yadā jānīyāt svedaprādurbhāveṇa doṣaṃ pravilayanamāpadyamānaṃ, lomaharṣeṇa casthānebhyaḥ pracalitaṃ, kukṣisamādhmāpanena ca kukṣimanugataṃ, hṛllāsāsyasravaṇābhyāmapi cordhvamukhībhūtam, athāsmaijānusamamasambādhaṃ suprayuktāstaraṇottarapracchadopadhānaṃ sopāśrayamāsanamupaveṣṭuṃ prayacchet, pratigrahāṃścopacārayet,lālāṭapratigrahe pārśvopagrahaṇe nābhiprapīḍane pṛṣṭhonmardane cānapatrapaṇīyāḥ suhṛdo'numatāḥ prayateran

Nach dem Trinken soll man eine Weile abwarten. Sobald man erkennt, dass sich durch Schweißbildung der doṣa aufzulösen beginnt, dass er sich durch Haaresträuben von seinen Sitzen im Körper gelöst hat, dass er durch Aufblähen des Bauches in den Bauch gelangt ist und sich – erkennbar an Übelkeit und Speichelfluss – nach oben gewandt hat, dann soll man dem Kranken einen kniehohen, ungehinderten Sitz mit gut angelegter Unterlage, Decke und Kissen samt Rückenlehne zum Hinsetzen anbieten und Speinäpfe bereitstellen. Vertraute, unbefangene Freunde sollen dazu ermächtigt werden, ihm zu helfen: die Stirn zu stützen, die Seiten zu halten, den Nabel leicht zu drücken und den Rücken zu massieren.

athainamanuśiṣyāt- vivṛtoṣṭhatālukaṇṭho nātimahatā vyāyāmena vegānudīrṇānudīrayan kiñcidavanamyagrīvāmūrdhvaśarīramupavegamapravṛttān pravartayan suparilikhitanakhābhyāmaṅgulibhyāmutpalakumudasaugandhikanālairvā kaṇṭhamabhispṛśansukhaṃ pravartayasveti, sa tathāvidhaṃ kuryāt; tato'sya vegān pratigrahagatānavekṣetāvahitaḥ, vegaviśeṣadarśanāddhi kuśaloyogāyogātiyogaviśeṣānupalabheta, vegaviśeṣadarśī punaḥ kṛtyaṃ yathārhamavabudhyeta lakṣaṇena; tasmādvegānavekṣetāvahitaḥ

Dann soll man ihn anweisen: „Öffne Lippen, Gaumen und Kehle; treibe die schon aufsteigenden Erbrechungswellen nicht mit übermäßiger Anstrengung hervor, sondern beuge den Hals ein wenig und richte den Oberkörper auf; bringe auch noch nicht in Gang gekommene Wellen sanft in Gang, indem du mit den Fingern – deren Nägel gut gestutzt sind – oder mit Stängeln von blauem Lotos, weißer Seerose oder duftendem Lotos den Rachen berührst; lass es ruhig geschehen.“ So soll der Kranke verfahren. Danach soll man aufmerksam die in den Speinapf gelangenden Wellen beobachten; denn ein kundiger Arzt kann an der Beschaffenheit der Wellen die Besonderheiten von richtiger Wirkung, Unterwirkung und Überwirkung erkennen, und wer die Beschaffenheit der Wellen erkennt, versteht anhand dieser Anzeichen auch, was jeweils zu tun ist. Darum soll man die Wellen aufmerksam beobachten.

tatrāmūnyayogayogātiyogaviśeṣajñānāni bhavanti; tadyathā- apravṛttiḥ kutaścit kevalasya vā'pyauṣadhasya vibhraṃśo vibandhovegānāmayogalakṣaṇāni bhavanti; kāle pravṛttiranatimahatī vyathā yathākramaṃ doṣaharaṇaṃ svayaṃ cāvasthānamiti yogalakṣaṇānibhavanti, yogena tu doṣapramāṇaviśeṣeṇa tīkṣṇamṛdumadhyavibhāgo jñeyaḥ; yogādhikyena tuphenilaraktacandrikopagamanamityatiyogalakṣaṇāni bhavanti| tatrātiyogāyoganimittānimānupadravān vidyāt- ādhmānaṃ parikartikā parisrāvo hṛdayopasaraṇamaṅgagraho jīvādānaṃ vibhraṃśaḥstambhaḥ klamaścetyupadravāḥ

Folgendes sind nun die Kennzeichen, an denen man Unterwirkung, richtige Wirkung und Überwirkung unterscheidet: Kommt überhaupt nichts hervor, oder nur das reine Heilmittel allein, oder gleiten die Wellen ab oder sind gehemmt, so sind dies Zeichen der Unterwirkung (ayoga). Wird zur rechten Zeit, ohne allzu große Beschwerden, der doṣa der Reihe nach ausgeschieden und beruhigt sich der Kranke danach von selbst, so sind dies Zeichen der richtigen Wirkung (yoga) – wobei je nach ausgeschiedener Menge des doṣa zwischen starker, milder und mittlerer Wirkung zu unterscheiden ist. Erscheinen aber bei übermäßiger Wirkung schaumige, blutige oder mondscheibenartig schillernde Ausscheidungen, so sind dies Zeichen der Überwirkung (atiyoga). Als Komplikationen (upadrava), die durch Über- oder Unterwirkung entstehen, kenne man: Aufblähung, einen schneidenden Schmerz, Ausfluss, ein Zusammenziehen im Herzbereich, Gliedersteife, ein Gefühl des Lebensentzugs, Kräfteverfall, Erstarrung und Erschöpfung.

yogena tu khalvenaṃ charditavantamabhisamīkṣya suprakṣālitapāṇipādāsyaṃ muhūrtamāśvāsya, snaihikavairecanikopaśamanīyānāṃdhūmānāmanyatamaṃ sāmarthyataḥ pāyayitvā, punarevodakamupasparśayet

Sobald man festgestellt hat, dass er in rechtem Maß erbrochen hat, soll man ihm Hände, Füße und Gesicht gründlich waschen lassen, ihn eine Weile ausruhen lassen, ihm dann je nach Erfordernis eine ölige, abführende oder beruhigende Rauchinhalation (dhūma) geben lassen und ihn anschließend erneut Wasser berühren, das heißt sich reinigen lassen.

upaspṛṣṭodakaṃ cainaṃ nivātamāgāramanupraveśya saṃveśya cānuśiṣyāt- uccairbhāṣyamatyāśanamatisthānamaticaṅkramaṇaṃkrodhaśokahimātapāvaśyāyātipravātān yānayānaṃ grāmyadharmamasvapanaṃ niśi divā svapnaṃviruddhājīrṇāsātmyākālapramitātihīnaguruviṣamabhojanavegasandhāraṇodīraṇamiti bhāvānetānmanasā'pyasevamānaḥ sarvamahogamayasveti | sa tathā kuryāt

Nachdem er sich gereinigt hat, soll man ihn in ein windgeschütztes Haus führen, ihn sich hinlegen lassen und ihn belehren: „Meide, auch nur in Gedanken, lautes Sprechen, übermäßiges Essen, zu langes Stehen, zu vieles Umhergehen, Zorn, Kummer, Kälte, Hitze, Tau, starken Wind, das Fahren in Fahrzeugen, geschlechtlichen Verkehr, Wachbleiben in der Nacht, Schlaf am Tage, unverträgliche, unverdaute, unbekömmliche, zur falschen Zeit, in falschem Maß, zu geringer oder zu schwerer Menge sowie ungleichmäßig eingenommene Speisen, und ebenso das Unterdrücken oder gewaltsame Hervorrufen natürlicher Bedürfnisse (vega) – meide all dies, so wirst du diesen ganzen Tag gut überstehen.“ So soll er verfahren.

athainaṃ sāyāhne pare vā'hni sukhodakapariṣiktaṃ purāṇānāṃ lohitaśālitaṇḍulānāṃ svavaklinnāṃ maṇḍapūrvāṃ sukhoṣṇāṃ yavāgūṃpāyayedagnibalamabhisamīkṣya, evaṃ dvitīye tṛtīye cānnakāle, caturthe tvannakāle tathāvidhānāmeva śālitaṇḍulānāmutsvinnāṃvilepīmuṣṇodakadvitīyāmasnehalavaṇāmalpasnehalavaṇāṃ vā bhojayet, evaṃ pañcame ṣaṣṭhe cānnakāle, saptame tvannakāletathāvidhānāmeva śālīnāṃ dviprasṛtaṃ susvinnamodanamuṣṇodakānupānaṃ tanunā tanusnehalavaṇopapannena mudgayūṣeṇa bhojayet,evamaṣṭame navame cānnakāle, daśame tvannakale lāvakapiñjalādīnāmanyatamasya māṃsarasenaudakalāvaṇikena nātisāravatābhojayeduṣṇodakānupānam; evamekādaśe dvādaśe cānnakāle; ata ūrdhvamannaguṇān krameṇopabhuñjānaḥ saptarātreṇaprakṛtibhojanamāgacchet

Danach, am selben Abend oder am folgenden Tag, soll man ihn – je nach Stärke seines Verdauungsfeuers (agni) – einen mit angenehm warmem Wasser übergossenen, gut gekochten Reisschleim (yavāgū) aus altem rotem Śāli-Reis trinken lassen, mit dem Reisabsud vorweg, angenehm warm; ebenso bei der zweiten und dritten Mahlzeit. Bei der vierten Mahlzeit jedoch soll man ihm einen dickeren, gut gedämpften Reisbrei aus demselben Śāli-Reis geben, mit heißem Wasser als Getränk, ohne Fett und Salz oder mit wenig Fett und Salz; ebenso bei der fünften und sechsten Mahlzeit. Bei der siebten Mahlzeit aber soll man ihm zwei Prasṛta (Maßeinheit) gut gekochten Reis desselben Śāli-Reises geben, mit heißem Wasser als Getränk, zusammen mit einer dünnen, wenig Fett und Salz enthaltenden Mungbohnensuppe; ebenso bei der achten und neunten Mahlzeit. Bei der zehnten Mahlzeit aber soll man ihm Reis mit dem Fleischsud von Wachtel, Rebhuhn oder dergleichen geben, wässrig, leicht gesalzen, nicht zu reichhaltig, mit heißem Wasser als Getränk; ebenso bei der elften und zwölften Mahlzeit. Von da an, indem er stufenweise die volle Nahrung wieder aufnimmt, gelangt er binnen sieben Tagen zu seiner gewohnten Ernährung.

athainaṃ punareva snehasvedābhyāmupapādyānupahatamanasamabhisamīkṣya sukhoṣitaṃ suprajīrṇabhaktaṃkṛtahomabalimaṅgalajapaprāyaścittamiṣṭe tithinakṣatrakaraṇamuhūrte brāhmaṇān svasti vācayitvā trivṛtkalkamakṣamātraṃyathārhāloḍanaprativinītaṃ pāyayet prasamīkṣya doṣabheṣajadeśakālabalaśarīrāhārasātmyasattvaprakṛtivayasāmavasthāntarāṇivikārāṃśca, samyak viriktaṃ cainaṃ vamanoktena dhūmavarjena vidhinopapādayedābalavarṇaprakṛtilābhāt, balavarṇopapannaṃcainamanupahatamanasamabhisamīkṣya sukhoṣitaṃ suprajīrṇabhaktaṃ śiraḥsnātamanuliptagātraṃsragviṇamanupahatavastrasaṃvītamanurūpālaṅkārālaṅkṛtaṃ suhṛdāṃ darśayitvā jñātīnāṃ darśayet, athainaṃ kāmeṣvavasṛjet

Danach soll man ihn erneut den Öl- und Schwitzbehandlungen unterziehen, und wenn man feststellt, dass er geistig unbeeinträchtigt ist, gut geruht und seine Mahlzeit gut verdaut hat und Opfer (homa), Almosenspende, Segenshandlungen und Sühnegebete verrichtet hat, soll man an einem günstigen Tithi, Mondhaus, Karaṇa und zu günstiger Stunde, nachdem Brahmanen Segenssprüche gesprochen haben, ihm eine Paste (kalka) von Trivṛt im Maß eines Akṣa, angemessen mit Flüssigkeit angerührt, zu trinken geben – nachdem man zuvor die wechselnden Zustände von doṣa, Heilmittel, Ort, Zeit, Kraft, Körper, Nahrung, Bekömmlichkeit, Gemütsart, Konstitution, Lebensalter sowie die Krankheitszustände sorgfältig geprüft hat. Ist er ordnungsgemäß abgeführt, soll man ihn nach der beim Erbrechen beschriebenen Methode behandeln, jedoch ohne Rauchinhalation, bis er Kraft und Hautfarbe seiner natürlichen Konstitution wiedererlangt hat. Hat er Kraft und Hautfarbe wiedererlangt, soll man ihn – nachdem man festgestellt hat, dass er geistig unbeeinträchtigt ist, gut geruht und seine Mahlzeit gut verdaut hat, den Kopf gebadet, die Glieder gesalbt, einen Blumenkranz trägt, unbeschädigte Kleidung angelegt und sich standesgemäß geschmückt hat – zunächst seinen Freunden und dann seinen Verwandten zeigen und ihn danach seinen Wünschen überlassen.

bhavanti cātra- anena vidhinā rājā rājamātro'thavā punaḥ| yasya vā vipulaṃ dravyaṃ sa saṃśodhanamarhati

Hierzu gibt es folgende Verse: Nach dieser Methode soll ein König, ein dem König Gleichgestellter oder wer sonst über reiches Vermögen verfügt, die Reinigungstherapie (saṃśodhana) durchführen.

daridrastvāpadaṃ prāpya prāptakālaṃ viśodhanam| pibet kāmamasambhṛtya sambhārānapi durlabhān

Der Arme hingegen mag, wenn eine Notlage eintritt und die Reinigung zur rechten Zeit angezeigt ist, das Reinigungsmittel getrost trinken, auch ohne die schwer zu beschaffenden Hilfsmittel vollständig bereitgestellt zu haben.

na hi sarvamanuṣyāṇāṃ santi sarve paricchadāḥ| na ca rogā na bādhante daridrānapi dāruṇāḥ

Denn nicht jedem Menschen stehen alle Ausstattungen zur Verfügung, und dennoch verschonen auch die schwersten Krankheiten die Armen nicht.

yadyacchakyaṃ manuṣyeṇa kartumauṣadhamāpadi| tattat sevyaṃ yathāśakti vasanānyaśanāni ca

Was immer ein Mensch in der Not an Heilmitteln zu beschaffen vermag, das soll er sich, seinen Möglichkeiten entsprechend, verschaffen – ebenso Kleidung und Speise.

malāpahaṃ rogaharaṃ balavarṇaprasādanam| pītvā saṃśodhana samyagāyuṣā yujyate ciram

Wer das Reinigungsmittel richtig eingenommen hat, das die Ausscheidungsstoffe (mala) entfernt, die Krankheit beseitigt und Kraft sowie Hautfarbe klärt, der erlangt langes Leben (āyus).

tatra ślokāḥ- īśvarāṇāṃ vasumatāṃ vamanaṃ savirecanam| sambhārā ye yadarthaṃ ca samānīya prayojayet

Hierzu die Zusammenfassung in Versen: Das Brech- samt Abführmittel für Herrscher und Wohlhabende; welche Hilfsmittel es gibt und wozu man sie, nachdem man sie beschafft hat, verwenden soll;

yathā prayojyā mātrā yā yadayogasya lakṣaṇam| yogātiyogayoryacca doṣā ye cāpyupadravāḥ

wie die Dosis jeweils anzuwenden ist; welches die Kennzeichen der Unterwirkung sind, und welche der richtigen Wirkung und der Überwirkung; welche Fehler dabei entstehen und welche Komplikationen;

yadasevyaṃ viśuddhena yaśca saṃsarjanakramaḥ| tat sarvaṃ kalpanādhyāye vyājahāra punarvasuḥ

was der Gereinigte meiden soll, und welches die Stufenfolge der Nachdiät (saṃsarjanakrama) ist – all dies hat Punarvasu (Ātreya) im Kapitel über die Zubereitung (kalpanā) dargelegt.

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